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A22: Taktlose Maut.

Vorgestern Abend bin ich an der Mautstelle Brixen-Pustertal der A22 ausgefahren und eher zufällig nicht bei einem automatisierten, sondern bei einem besetzten Schalter gelandet. Das Gespräch mit der Bediensteten lief in etwa so ab:

Ich: Guten Abend.
Bedienstete: Buonasera.
(Ich reiche ihr das Ticket.)
Sie: Cinque euro e venti.
Ich (reiche ihr die Bankomatkarte): Mit der Karte bitte.
Sie (führt die Bezahlung durch und reicht mir die Quittung): Grazie e arrivederci.
Ich: Auf Wiedersehen.

Gedächtnisprotokoll, Betrag geändert

Sowas in der Art ist mir an derselben Stelle schon öfter passiert und damit bin ich wohl auch nicht allein.

Nun, selbst wenn sich die — großteils öffentliche! — A22 nicht an die Zweisprachigkeitspflicht halten will oder gar der Auffassung ist, dass sie für sie nicht gilt: Die paar Wörter, um in einer beliebigen Sprache »Guten Abend«, »Danke« und »Auf Wiedersehen« sagen zu können, lernt man in einer halben Stunde. In diesem Fall ist es nicht eine beliebige, sondern die vor Ort mehrheitlich (und auch von zahlreichen Gästen) gesprochene Sprache.

Normalerweise müsste man dafür auch gar keine gesetzlichen Verpflichtungen zu bemühen — Höflichkeit, Takt und ein Mindestmaß an Respekt müssten völlig ausreichen. Doch die fehlen offenbar ganz.

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Basco, galiziano, catalano nel Parlamento europeo.
Imminente ufficializzazione

Il governo spagnolo ha avanzato ufficialmente la richiesta al Parlamento europeo di riconoscere il basco, il galiziano e il catalano e di consentirne l’uso ad esempio negli interventi in aula. Questo è uno dei pochi risultati tangibili finora scaturiti dal tavolo di trattativa tra il governo socialista spagnolo di Pedro Sánchez (PSOE) e quello indipendentista catalano di Pere Aragonés (ERC) — dal quale Sánchez aveva bandito fin da subito il tema più scottante, l’autodeterminazione, scatenando le proteste catalane.

Quella di ufficializzare le lingue minoritarie nella camera europea è una vecchia richiesta di molti europarlamentari baschi, galiziani e catalani, che però si sono sempre dovuti scontrare con un’amministrazione europea che ascolta solo gli stati e con governi spagnoli di ogni colore che finora si erano pervicacemente rifiutati di soddisfare le loro richieste.

L’attuale passo non significa comunque che le tre lingue parlate nello stato spagnolo stiano per diventare a tutti gli effetti lingue ufficiali dell’Unione europea, come avvenuto recentemente con l’irlandese, in quanto il loro riconoscimento si limiterà (per ora) al solo ambito parlamentare.

In passato vari deputati europei avevano fatto uso delle lingue minoritarie non riconosciute per sensibilizzare i loro colleghi sulla discriminazione che stavano subendo, e alcuni baschi, galiziani e catalani si erano abituati a fare i loro interventi in inglese, francese o tedesco come segno di disobbedienza nei confronti di chi voleva imporre loro di «fare i castigliani» a Strasburgo.

Ora però finalmente il governo centrale si è deciso a fare questo passo verso la parità linguistica e ben presto, c’è da scommetterci, i suoni delle lingue basca, galiziana e catalana saranno regolarmente udibili nel luogo della democrazia europea. Più improbabile invece che vengano riconosciuti anche il friulano o il sardo, che — nonostante la costituzione più bella del mondo — non si parlano nemmeno nei rispettivi consigli regionali.

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Euskadi schafft mehrsprachige Schulen ab.

Um die Segregation zwischen Schülerinnen unterschiedlicher Muttersprache zu beenden und die baskische Sprache dezidierter zu fördern, will die Regierung von Euskadi die Sprachmodelle an den öffentlichen Schulen von drei auf eines reduzieren. Bislang existieren folgende Optionen:

  • Modell A mit spanischer Unterrichtssprache sowie Baskisch und Englisch als Fremdsprachen, das aktuell von 2,4% der Schülerinnen besucht wird.
  • Modell B mit baskischer und spanischer Unterrichtssprache sowie Englisch als Fremdsprache, derzeit von 15,1% der Schülerinnen gewählt.
  • Modell C mit baskischer Unterrichtssprache sowie Spanisch und Englisch als Fremdsprachen, von 82,4% der Schülerinnen besucht.

Auf den neuen Entwurf, bei dem nach katalanischem Modell großmehrheitlich die Minderheitensprache Baskisch als Unterrichtssprache dienen soll, einigte sich eine breite Mehrheit aus EAJ und Linken (EH Bildu, PSOE/PSE-EE und Elkarrekin-Podemos).

Nun wird die einmonatige Vernehmlassungsphase eröffnet, in deren Rahmen die Bürgerinnen Ergänzungs- und Änderungsvorschläge einbringen können, bevor das baskische Parlament die Vorlage (voraussichtlich im Herbst) genehmigen kann. Es handelt sich dabei um die erste umfassende Reform des baskischen Schulwesens in 40 Jahren.

Widerstand wird von den Rechtsparteien (PP, Cs und Vox) erwartet.

Siehe auch 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

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Kolipsi: Die Outgroup-Kontakte.
Sprache zwischen den Gruppen

Im Kontext der Beiträge über die Minorisierung und über den Kontakt zwischen Mehrheits- und Minderheitensprachen ist mir wieder eingefallen, dass auch in der Kolipsi-Studie von 2017 Aussagen zu diesem Aspekt enthalten sind. Dort wurden Schülerinnen der vierten Klasse Oberschule befragt.

Bezüglich Umgang mit Freunden aus der anderen Sprachgruppe1Tabelle 15, S. 108 geben dort 79,9% der Italienischsprachigen an, mit Deutschsprachigen ausschließlich oder vorwiegend Italienisch zu sprechen. Hingegen reden nur 31,3% der Deutschsprachigen eigenen Angaben zufolge ausschließlich oder zumindest vorwiegend Deutsch mit ihren italienischsprachigen Freunden.

Zudem geben deutlich mehr Deutschsprachige (16,5%) als Italienischsprachige (10,3%) an, beide Sprachen gleichermaßen mit ihren Freunden der anderen Sprachgruppe zu benutzen.

Demgegenüber sprechen nur 9,8% der Italienischsprachigen mit ihren deutschsprachigen Freunden Deutsch, aber über fünf Mal soviele Deutschsprachige (52,2%) mit ihren italienischsprachigen Freunden Italienisch. Die Unterschiede sind enorm.

Die zwei häufigsten Gründe, die von den italienischsprachigen Schülerinnen für die Gewohnheit angegeben werden, mit ihren deutschsprachigen Freundinnen Italienisch zu sprechen: die Annahme, dass deren Italienischkenntnisse viel besser seien, als ihre eigenen Deutschkenntnisse (86,5%) sowie weil es sich spontan so ergebe, dass sich die Deutschsprachigen auf Italienisch an sie wenden (82,4%).

Die Deutschsprachigen geben zu 57,4% an, dass sie im kommenden Jahrzehnt eine weitere Zunahme der Wichtigkeit der italienischen Sprache 2Tabelle 57, S. 151 erwarten.

◊ ◊

Dialekt

Den deutschen Südtiroler Dialekt lernen möchten 44% der Italienischsprachigen, knapp 35% möchten es nicht. Mehrheitlich (53,5%) sind sie aber dagegen, dass diese Möglichkeit in der Schule angeboten wird.3Tabellen 77 und 78, S. 162 Die Autorinnen sehen dies unter anderem als eine typisch italienische Einstellung, die zur Stigmatisierung von Dialekten führe4S. 111 in Berufung auf »Grochowska, 2013«, regen aber trotzdem an, pragmatisch zu überlegen, welche Vorteile die Annäherung an den Südtiroler Dialekt mit sich bringen könnte.

Siehe auch 1/ 2/

  • 1
    Tabelle 15, S. 108
  • 2
    Tabelle 57, S. 151
  • 3
    Tabellen 77 und 78, S. 162
  • 4
    S. 111 in Berufung auf »Grochowska, 2013«
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Englischkenntnisse im internationalen Vergleich.

Laut dem letzten English Proficiency Index (EPI – 2021) von Education First (EF), liegt Österreich bezüglich Englischkenntnissen unter den 112 berücksichtigten Ländern weltweit an zweiter Stelle nach den Niederlanden. Für den Bericht wurden die Ergebnisse von zwei Millionen Erwachsenen untersucht, die 2020 an Englischtests von EF teilgenommen haben. Im Städteranking erreichte Wien den vierten Platz nach Amsterdam, Kopenhagen und Helsinki.

Vorwiegend englischsprachige Länder wie Vereinigtes Königreich, USA, Kanada oder Australien blieben in der Untersuchung freilich unberücksichtigt.

Unter den 13 Staaten, deren Punktezahl als »sehr gut« eingestuft wurde, befindet sich mit Singapur (Rang 4) nur ein einziges Land, das nicht zur EU gehört.

Unter allen berücksichtigten EU-Ländern, und das sind fast alle, erreicht dagegen Italien (»mittlere Kenntnisse«) den letzten Platz. Europaweit schneiden nur Moldau, Belarus, Albanien, Ukraine, Georgien, Russland, Armenien, Türkei und Aserbaidschan noch schlechter ab. Da trifft es sich gut, dass die angehende Regierungspartei FdI den sprachlichen Isolationismus weiter vorantreiben möchte. Ohnehin hat Italien im Vergleich zur vorherigen Ausgabe der Studie bereits Punkte verloren.

Ich weiß nicht, ob es Daten zur Lage in Südtirol gibt. Jedenfalls schneiden die italienischsprachigen Schülerinnen des Landes laut Invalsi deutlich besser ab als ihre italienischen Altersgenossinnen.

Unter den Städten liegt Mailand vor Rom (beide mit »guten Kenntnissen«), während alle berücksichtigten Städte des deutschen Sprachraums (neben Wien sind das Berlin, Hamburg und Zürich) in der Kategorie »sehr gute Kenntnisse« liegen.

Weltweit liegen Deutschland auf Rang 11, Luxemburg auf 13 (beide »sehr gut«) und die Schweiz auf 25 (»gut«).

Unter den Weltregionen führt Europa nach Durchnittswerten relativ deutlich vor Asien, Afrika, Lateinamerika und Nahem Osten.

Siehe auch 1/

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FdI für Vorherrschaft der italienischen Sprache.

Um zu wissen, was die rechtsradikalen Fratelli d’Italia (FdI) im Schilde führen, kann es nützlich sein, ihre bisherige parlamentarische Aktivität unter die Lupe zu nehmen. Neben nationalistischer Symbolik, Militär, Queerfeindlichkeit und Immigration gehört die italienische Sprache zu den Lieblingsthemen der Partei von Giorgia Meloni, die nach den Wahlen vom 25. September neue italienische Regierungschefin werden könnte.

Unter anderem liegen im Abgeordnetenhaus die Entwürfe Nummer 677 und 678 auf, mit denen FdI auf Verfassungs- und einfacher Gesetzesebene Änderungen zum Vorteil der Staatssprache setzen will.

Mit Entwurf Nummer 677 soll die italienische Sprache auch offiziell zur einzigen »Amtssprache der Republik« erhoben werden, und zwar vielsagenderweise durch Abänderung von Artikel 6, der heute dem Minderheitenschutz gewidmet ist.

Der Minderheitenschutz würde dadurch selbst in dem einzigen Artikel, in dem er erwähnt wird, an die zweite Stelle rutschen. Zudem wollen die Fratelli die »Sprachminderheiten« und die — neu einzuführenden — »Dialekte« in einem Atemzug nennen.

Entwurf Nummer 677 sieht weiters vor, die erst kürzlich gesetzlich anerkannte, blutrünstige Nationalhymne in der Verfassung zu verankern.

Die italienische Sprache — so im Vorwort zum Gesetzentwurf — sei »das Fundament unserer kulturellen […], nationalen und staatlichen Einheit.«1Übersetzung von mir. Original: »[…] il fondamento della nostra unità culturale [e, prima ancora], nazionale e statuale.

(In Ermangelung einer ausdrücklichen Erwähnung im italienischen Grundgesetz hatte bereits das Verfassungsgericht Tatsachen geschaffen und paradoxerweise gerade das Autonomiestatut von Südtirol und Trentino herangezogen, um den Nachweis zu liefern, dass Italienisch die Amtssprache des Staates sei.)

Entwurf Nummer 678 ist ein Gesetz »zum Schutz und zur Förderung der italienischen Sprache« sowie zur Einrichtung des Obersten Rats der italienischen Sprache2Consiglio superiore della lingua italiana beim Ministerratspräsidium. Die Sprache soll also zentralisiert und politisiert werden.

Im Vorwort ist von Kampf gegen die Anglisierung sowie von Schönheitsverlust, Verunreinigung und Gesundheitszustand der italienischen Sprache die Rede. Zum »nationalen Schutz« und für die »identitäre Verteidigung« sei die »Konservierung« der Sprache eine Priorität. Es sei nicht weiter zulässig, dass fremde Wörter gebraucht werden, für die es ein italienisches Äquivalent gibt.

Auch die konkret angedachten Vorschriften erinnern an dunkle Zeiten:

  • Jede Art und Form der Kommunikation oder Information im öffentlichen oder öffentlich zugänglichen Raum bzw. jene, die eine öffentliche Förderung erhalten haben und von öffentlichem Belang sind, müssten demnach auf Italienisch sein.
  • Bei Veranstaltungen, Konferenzen und öffentlichen Versammlungen müsste eine Übersetzung ins Italienische verpflichtend angeboten werden.
  • Wer ein Amt in einer Institution, in der öffentlichen Verwaltung, in mehrheitlich öffentlichen Gesellschaften oder öffentlich geförderten Stiftungen innehat, wäre verpflichtet, die italienische Sprache in Wort und Schrift zu beherrschen. Nur bei dieser einen Maßnahme wird übrigens ausdrücklich erwähnt, dass sie »unbeschadet der gleichgestellten Sprachen« in den Regionen und autonomen Ländern gälte.
  • Firmen sollen verpflichtet werden, Berufsbezeichnungen und deren Abkürzungen in italienischer Sprache zu führen. Eine Ausnahme wäre nur noch möglich, wenn es für eine Bezeichnung kein italienisches Pendant gibt.
  • Interne Firmenreglements und jedes Dokument, das Pflichten und Vorschriften für die Beschäftigten definiert, die zur Ausführung der Arbeit nötig sind, müssten auf Italienisch verfasst sein. Diese Unterlagen dürften (!) von einer Übersetzung in eine Fremdsprache begleitet werden.
  • Arbeitsverträge müssten in italienischer Sprache verfasst und (nur dann) in eine Fremdsprache übersetzt werden, wenn eine der Parteien im Ausland ansässig ist oder eine ausländische Staatsbürgerschaft hat.
  • In den Schulen und in den öffentlichen Universitäten müssten die Bildungsangebote, wenn sie nicht spezifisch auf die Erlernung einer Fremdsprache ausgerichtet sind, in italienischer Sprache sein. »Fremdsprachige« Kurse wären nur zulässig, wenn es sie bereits auf Italienisch gibt. Ausnahmen wären bei Anwesenheit ausländischer Studenten, im Bereich spezifischer Bildungsprojekte oder im Fall von ausländischen Lehrkräften oder Gästen zulässig.
    Ausländische Schulen, speziell für Ausländer gedachte Schulen, und Einrichtungen mit »internationalem Unterricht« wären von dieser Pflicht befreit.

Inwieweit das Südtiroler Autonomiestatut vor diesen gerade für Minderheiten gefährlichen Maßnahmen schützen würde, ist mir nicht klar. Zu befürchten steht, dass dies nicht ausreichend der Fall wäre:

  • Denken wir zum Beispiel an das italienische Konsumentenschutzgesetz, das schon heute einseitig die italienische Sprache schützt, sodass zum Beispiel deutsche Etiketten und Produktinformationen sogar mit italienischen überklebt werden. Der ebenfalls oft einseitige Eifer der staatlichen Kontrollorgane trägt das Seine zur weiteren Minorisierung der Minderheitensprachen bei.
  • Im Sport gelten bereits faschistoide Sprachregelungen, die teils auch in Südtirol zur Anwendung gebracht werden, ohne die Gleichstellung der Sprachen zu berücksichtigen.

Aufschlussreich ist übrigens, dass im Vorwort zu Gesetzentwurf Nr. 678 erwähnt wird, dass die Schweiz die italienische Sprache als eine Staatssprache mit wenigen Sprechern mehr fördere, als dies in Italien der Fall sei. Dadurch wird klar, wie wenig Ahnung die »Brüder« von Minderheitenschutz haben — oder wie sehr sie im nationalen Denken gefangen sind. Die Schweiz fördert die italienische Sprache gerade, weil sie unterrepräsentiert ist, was in Italien eben nicht der Fall ist. Kein Gesetz könnte dem schweizerischen Geist mehr widersprechen, als das von FdI vorgeschlagene.

Siehe auch 1/ 2/ 3/ 4/ // 1/ 2/

  • 1
    Übersetzung von mir. Original: »[…] il fondamento della nostra unità culturale [e, prima ancora], nazionale e statuale.
  • 2
    Consiglio superiore della lingua italiana
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Die Zweisprachigkeit der Vizegouverneurin.

Im Jahr 2019 hatte die kanadische Generalgouverneurin auf Vorschlag von Regierungschef Justin Trudeau eine Vizegouverneurin für die Provinz Neubraunschweig (Nouveau Brunswick/New Brunswick) ernannt, die nicht der französischen Sprache mächtig ist.

Obschon sie auf dem Papier nach wie vor auch inhaltliche Befugnisse haben, beschränkt sich die Rolle der Vizegouverneurinnen in den Provinzen heute faktisch auf zeremonielle und repräsentative Aufgaben sowie auf die Beurkundung von Gesetzen.

Gegen die Ernennung, die einen Bruch mit der langjährigen Tradition zweisprachiger Amtsinhaberinnen darstellte, erhob die frankophone Vereinigung Société de l’Acadie du Nouveau-Brunswick (SANB) Einspruch und bekam im April dieses Jahres vor dem Obersten Gericht der zweisprachigen Provinz Recht. Die Bundesregierung hatte sich ins Verfahren eingelassen und argumentiert, dass das Büro der neuen Vizegouverneurin Brenda Murphy auch dann einen zweisprachigen Dienst gewährleisten könne, wenn die Amtsinhaberin selbst nicht beider Sprachen mächtig ist. Eine Darstellung, die das Tribunal jedoch als unzulässige Vereinfachung betrachtete. Es verwies darauf, dass Englisch und Französisch in Neubraunschweig gleichgestellte Sprachen sind, weshalb die Bürgerinnen einen Anspruch darauf hätten, dass auch die Vizegouverneurin beider Sprachen (gleichermaßen) mächtig ist, selbst wenn dies gesetzlich nicht ausdrücklich so vorgeschrieben ist.

Die SANB hatte von Anfang an klargestellt, dass ihre Klage nicht auf den Rücktritt oder die Enthebung von Murphy abzielt, sondern die verpflichtende Berücksichtigung der Zweisprachigkeit bei künftigen Ernennungen bezweckt.

Zum Vergleich

In Südtirol sind die beiden Sprachen Deutsch und Italienisch auf dem Papier ebenfalls gleichgestellt. Meines Wissens war aber noch nie eine Regierungskommissärin (trotz ihrer erheblich größeren Befugnisse als die einer kanadischen Vizegouverneurin) der deutschen Sprache mächtig, schon gar nicht auf gleichem Niveau wie der italienischen. Und jedenfalls zählt dies nicht zu den Voraussetzungen für den verantwortungsvollen Posten.

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Mehrsprachigkeit von Südtiroler Firmen im Netz.

Im Laufe der letzten Wochen habe ich mir die »Sprachpolitik« von Südtiroler Betrieben im Internet angesehen. Als nicht für andere Firmen repräsentative Gesamtheit habe ich mich dabei für die Webseiten der (meist mittleren bis größeren) Mitgliedsbetriebe im Unternehmerverband1Vollständige Liste auf der Seite des Unternehmerverbands. Es ist darauf hinzuweisen, dass nicht alle Firmen ihren Hauptsitz in Südtirol haben. entschieden.

Da diese Organisation hinsichtlich der Förderung von Mehrsprachigkeit seit Jahren mehr Engagement von der Südtiroler Politik verlangt, gehe ich davon aus, dass ihre Mitglieder die mehrsprachige Außendarstellung überdurchschnittlich ernst nehmen.

Insgesamt 390 Webauftritte2Das sind alle auf der offiziellen Seite des Unternehmerverbands angegebenen Webauftritte, die zum entsprechenden Zeitpunkt abrufbar waren. konnte ich aufrufen und bezüglich der verfügbaren Sprachoptionen erfassen3Die Sprachversionen wurden hauptsächlich auf ihre Verfügbarkeit und nur stichprobenartig auch auf ihre Vollständigkeit überprüft., wobei ich mich auf die drei Landessprachen und zusätzlich Englisch konzentriert habe. Manche Seiten bieten noch weitere Sprachversionen an, die jedoch unberücksichtigt blieben.

(K)eine Spur von Ladinisch

Gleich vorwegnehmen möchte ich, dass nur ein einziger Mitgliedsbetrieb des Unternehmerverbandes, der Pustertaler Bauschuttrecycler P.R.A. GmbH, neben Deutsch und Italienisch eine — nicht vollständige — ladinische Version der eigenen Homepage anbietet. Das entspricht 0,3% der untersuchten Webauftritte.

Webseite der Firma P.R.A. GmbH auf Ladinisch

Ich interpretiere das (auch) so, dass vielen Firmen weniger die Mehrsprachigkeit an sich ein Anliegen ist als ein rein utilitaristisches Verständnis derselben, denn gerade Ladinisch ist

  • charakteristisch für die Südtiroler Sprachlandschaft;
  • auf das heimische Engagement angewiesen, um im Netz sichtbar zu sein.

Immerhin 306 Webauftritte (78,5%) stellen zumindest eine deutsche und eine italienische Fassung bereit. Nimmt man noch Englisch hinzu, sinkt der Wert aber drastisch auf 147 (37,7%).

Vorrang für Italienisch

Überrascht hat mich die Tatsache, dass ich — trotz deutscher Betriebssystem- und Browsereinstellung — bei 55 von 306 Seiten (fast 18%), bei denen eine deutsche Version vorhanden gewesen wäre, auf einer italienischen Startseite gelandet bin. Das ist zum Beispiel bei der Volksbank, der Brennercom oder BTM Consulting der Fall und widerspricht wohl jeder Good-Practice-Regel. So werden unter anderem Mehrsprachige unabhängig von ihrer allfälligen Präferenz dazu verleitet, mehrsprachige Webseiten auf Italienisch zu nutzen.

In manchen Fällen ist die manuelle Sprachwahl überdies so gut versteckt, dass man sie nur findet, wenn man sehr beharrlich danach sucht.

Deutsch, Italienisch und Englisch

Bei den fehlenden Sprachoptionen folgt Englisch (53,3%) auf Ladinisch (99,7%). Obschon in Südtirol mehrheitlich Deutsch gesprochen wird, gibt es mehr als doppelt so viele Webauftritte (66 oder 16,9%) ohne deutsche wie solche ohne italienische Version (28 oder 7,2%).

Zum Beispiel kann man auf der Seite von Ab Industrietechnik aus Brixen nur zwischen Italienisch und Englisch wählen.

Jede zehnte Seite einsprachig Italienisch

Unter den völlig einsprachigen Webseiten sticht die italienische Sprache hervor: Genau jeder zehnter Auftritt (39) ist nur in der lingua franca nazionale verfügbar. Das ist über vier Mal so viel wie bei Deutsch und Englisch, die sich mit je 9 (oder 2,3%) die Waage halten.

Beispiele

Vorgeschaltete Sprachwahl auf der Webseite der Firma Moessmer

Mehrere Webseiten (Agristrade GmbH, Moessmer…) verfügen über eine proaktive, vorgeschaltete Sprachwahl und gehen somit sprachlichen Missverständnissen oder Fehlinterpretationen durch das System aus dem Weg.

Auf der Webseite der Firma Forst/Aquaeforst ist die Sprache zunächst an die Länderwahl gekoppelt (es gibt jedoch eine nachgeschaltete Sprachwahl)

Besonders negativ aufgefallen sind mir Firmen mit Hauptsitz in Südtirol (wie die Thun AG), auf deren Homepage die deutsche Sprache zwar verfügbar ist, aber nur für ein ausländisches Publikum gedacht zu sein scheint.

Eine deutsche Sprachoption, die nicht für Südtirol gedacht ist, habe ich auf insgesamt 17 Webseiten (4,4%) vorgefunden.

Webseite der Firma Max Frank mit Sprachoption Deutsch für Italien

Im Gegensatz dazu bieten mehrere Firmen in der Baubranche (Max Frank, Hoppe, Röfix, Torggler, teilweiseWürth), aber auch Fercam und Loacker, eine ausdrückliche Sprachoption Deutsch für Italien an, wiewohl auch diese manchmal recht gut versteckt ist.

Fazit

Insgesamt ist ein großer Teil der Webauftritte von Firmen mit Bezug zu Südtirol auf Deutsch und Italienisch verfügbar. Darüberhinaus kommt der italienischen Sprache eine dominante Rolle zu. Dies wiegt umso schwerer, als das Gewicht der Sprachgruppen im Land das Gegenteil nahelegen würde — und ist ein weiteres Indiz für die Minorisierung der deutschen Sprache.

In vielen Fällen bedürfte es keines großen Aufwands, um mehr Inhalte auf Deutsch verfügbar und auch niederschwellig (Sprachwahl) zugänglich zu machen. Dass dies nicht geschieht, ist schade und wirft kein gutes Licht auf die jeweiligen Firmen.

Obwohl diese Auswertung nicht für die Gesamtheit der Südtiroler Betriebe repräsentativ ist, traue ich mir abschließend die Aussage zu, dass die ladinische Sprache im kommerziellen Internet so gut wie inexistent ist.

Siehe auch 1/ 2/ 3/ | 4/

  • 1
    Vollständige Liste auf der Seite des Unternehmerverbands. Es ist darauf hinzuweisen, dass nicht alle Firmen ihren Hauptsitz in Südtirol haben.
  • 2
    Das sind alle auf der offiziellen Seite des Unternehmerverbands angegebenen Webauftritte, die zum entsprechenden Zeitpunkt abrufbar waren.
  • 3
    Die Sprachversionen wurden hauptsächlich auf ihre Verfügbarkeit und nur stichprobenartig auch auf ihre Vollständigkeit überprüft.
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