Gegen den Alpiniaufmarsch in Trient.
Anarchistische Szene nimmt Stellung

Trientner Anarchistinnen machen gegen den fürs Wochenende vom 11. bis 13. Mai geplanten Alpiniaufmarsch in ihrer Stadt Stimmung. In einem Blogbeitrag bezeichnen sie die Veranstaltung als eine Invasion von »besoffenen, handgreiflichen und sexistischen Männern«.

»Willkommensbanner, Tricolori, Flaggen und ähnliche Abscheulichkeiten« würden überall aufgehängt, um ein verhältnismäßig kleines Gebiet auf die Ankunft von 600.000 Männern vorzubereiten. Dabei hätten Unbekannte während der letzten Nächte Dutzende von Flaggen und sogar ein Transparent verschwinden lassen. Es sei offensichtlich, dass die Anwesenheit der Alpini in der Stadt nicht allen passe.

Auch wenn der Alpini häufig als Helden gedacht wird oder als Menschen, die der Gemeinschaft Dienste (welche?) erweisen, vergisst man immer ihre wahre Rolle in der Geschichte. Man vergisst die Vergewaltigungen in Russland, Albanien, Griechenland; dass der Korps dem Faschismus und der Monarchie treu war; und all die Gewalt und die Frevel der weltweiten »Friedensmissionen« (Somalia, Irak, Afghanistan, Libanon); stets mit jener verfluchten Feder am Hut, die aber mit unschuldigem Blut getränkt ist, das nicht vergessen werden darf.

— aus dem Blog ‘romperelerighe’

Übersetzung:

Abschließend bezeichnen die Anarchistinnen die Alpini noch als »ein Rudel von Mördern«, denen man — klar ironisch — einen warmen Empfang wünsche.

Siehe auch:

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Hofers Freunde.
Südtiroler Patrioten sind keine Naziidioten?

von le8mani

Es ist schon lobenswert, wenn sich unsere heimattreuen Politiker den Antifaschismus auf die Flagge schreiben und aktiv gegen den alten und neuen italienischen Faschismus ankämpfen, etwa wenn man gegen Alpiniaufmärsche oder das Siegesdenkmal mobilisiert. Mit Slogans wie „Tiroler Patrioten sind keine Naziidoten“ will man sich auch vom Rechtsextremismus nördlich des Brenners abgrenzen, wurde ihnen als „Deutschtümler“ doch oft vorgeworfen, sich nur gegen den italienischen Faschismus zu positionieren, aus historischen Gründen — und gezwungenermaßen. Matthias Hofer, Olanger Gemeinderrat der Süd-Tiroler Freiheit und Mitglied des Süd-Tiroler Heimatbundes, ließ es sich vor kurzem nicht nehmen, am „Kongress der Verteidiger Europas“ als Referent teilzunehmen.

Besagtes Event ist nach Eigenangabe die „wichtigste Veranstaltung für Patrioten im deutschsprachigen Raum“, tatsächlich wird es als eines der größten Vernetzungstreffen von rechten und rechtsextremen AktivistInnen, PublizistInnen und PolitikerInnen gehandelt. Stattgefunden hat das Ganze am 3. März im beschaulichen oberösterreichischen Schloss Aistersheim unter Ausschluss der Presse, lediglich den als „Medienpartnern“ fungierenden „Informationsportalen“ InfoDirekt und Unzensuriert sowie der Initiative EinProzent wurde die Ehre zuteil, berichten zu dürfen. Man hatte also nichts zu verbergen.

In rechter Gesellschaft
Zentraler Gegenstand der Konferenz war das Vortragsprogramm: Matthias Hofer von der Süd-Tiroler Freiheit referierte hier über ein „Nein zum Europa der Willkommensklatscher“ und ein „Ja zum Europa der selbstbestimmten Völker und Vaterländer“. Diese Ausdrucksweise ist in einer Zeit des allgemeinen Rechtsrucks natürlich nichts Neues und auch nichts Aufregendes mehr, gehörte an jenem Tag aber auch eher zum gemäßigten Ton.

Ein Blick auf einige der eingeladenen Vortragenden zeigt, an wessen Seite der Südtiroler Jungpolitiker seine Rede schwang:

  • Misa Djurkovic, ein serbischer Polit-Analyst, der politischen Schutz von Frauen vor Gewalt als Rückschritt zum Erhalt der Famile erachtet und sich regelmäßig mit homophoben Tiraden in Szene setzt.
  • Felix Menzel, deutscher Publizist und Gründer sowie Herausgeber der Blauen Narzisse. Er war Mitbegründer der Pennalen Burschenschaft Theodor Körner zu Chemnitz, welche vom sächsichen Verfassungsschutz beobachtet wurde. Menzel gilt als eine der Schlüsselfiguren der Neurechten Bewegung.
  • Wolfgang Dvorak Stocker, österreichischer Publizist und Leiter des bereits von seinem Großvater und seiner Mutter geführten Leopod-Stocker-Verlags, welcher Fachliteratur für Antisemitismus und Nationalsozialismus druckte und später auch Machwerke des Holocaustleugners David Irving verlegte. Dvorak Stocker übernahm 1999 auch die Zeitschrift Neue Ordnung, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft wird. Zudem referierte er auch schon bei der rechtsextremen Deutschen Akademie, einer Kaderschmiede der deutschen NPD.
  • Brittany Pettibone, die einzige weibliche Referentin. Sie ist Unterstützerin der US-amerikanischen „Alternative Right“ und der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung.
  • Philip Stein, deutscher Verleger, kritisierte die Identitäre Bewegung dafür, sich taktisch vom Neonazismus zu distanzieren, ist aber mittlerweile Unterstützer und wichtiger Networker. Die erste Publikation seines Verlags Jungeuropa war eine Neuauflage des französichen Faschisten Pierre Eugène Drieu la Rochelle. 2017 war Stein an einem tätlichen Angriff mit Pfefferspray und Schlagstöcken auf einen Fotografen vor dem Verbindungshaus der Burschenschaft Germania in Marburg beteiligt. Im selben Jahr referierte Stein auch im Hauptquartier der neofaschistischen CasaPound in Rom.

Ergänzt wurde das Vortragsprogramm durch eine „patriotische Messe“ mit diversen Ausstellungsständen. Auch dazu ein Einblick:

  • Der Ares Verlag, welcher zum Leopold-Stocker-Verlag gehört und Bücher über „Schwulenkult“, den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), der nur ein „Phantom“ sei und Lobschriften über die FPÖ verlegt.
  • Die Burschenschaft Arminia Graz, die bis heute das Andenken an Ernst Kaltenbrunner — einen NS-Kriegsverbrecher — hochhält und mit der rechtsextremen Identitären Bewegung zusammenarbeitet.
  • Die deutsche verschwörungstheorethische Querfront-Monatszeitschrift Compact.
  • Ein Prozent für unser Land (auch EinProzent), eine Art Dienstleister in der Szene, der Geld über Spenden lukriert: Wer eine „Aktion“ plant, wendet sich an EinProzent und bekommt ein Team zur Unterstützung von Planung, Umsetzung, Verfilmung und medialer Verbreitung. Vor allem die Identitäre Bewegung in Österreich und Deutschland gilt als Betreiber, Leiter ist der bereits genannte Philip Stein.
  • Das Magazin Sezession, in dem man z.B. über „Toleranz als Todsünde der zivilisierten Menschheit“ lesen kann. Sezession ist das Theorieorgan des Instituts für Staatspolitik, einer von Götz Kubitschek mitgegründeten Denkfabrik mit dem Ziel, deutschen Nationalismus wieder aufleben zu lassen. Kubitchek gilt als Chefideologe hinter den rechtsextremistischen Bewegungen.
  • InfoDirekt, ein vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuftes FPÖ-nahes Magazin.
  • Die Onlinezeitung Unzensuriert, die bereits wiederholt wegen übler Nachrede verurteilt wurde. Zudem konnte dem Medium ein Hang für Falschmeldungen in Bezug auf Geflüchtete nachgewiesen werden. Außerdem kam es zu einer Anklage durch die Parlamentsdirektion, nachdem es vonseiten von Unzensuriert Gewaltaufrufe und positive Bezugnahmen auf den rechtsextremen Attentäter Anders Breivik gegeben hatte.
  • Der Verlag Antaios, der eine publizistische Schnittstelle von AfD, Pegida, Identitärer Bewegung und anderen gesinnungspolitisch nahestehenden Medien und Think Tanks bildet und ebenfalls von Götz Kubitschek geleitet wird.

Die Liste der ReferentInnen bzw. AusstellerInnen bildet einen Überblick der rechtsextremen Publizistik, AktivistInnen und NetzwerkerInnen in Österreich und Deutschland ab, wobei der Schwerpunkt des Programms im Bereich des rhetorisch modernisierten Rechtsextremismus („Neue Rechte“) liegt. Mit deutschsprachigen Rechtsextremen scheint man also doch weniger Berührungsängste zu haben, als man den Südtiroler WählerInnen immer wieder weismachen möchte.

Das Klischee des einfältigen „Naziidioten“ als Synonym von Rechtsextremen entspricht eben nur noch selten der Realität, vielfältig sind ihre heutigen Erscheinungsformen, wie auch ihre historischen und kulturellen Bezugspunkte. Das Ziel ist jedoch einheitlich, nämlich die gemeinsame Erlösung durch die Herstellung einer homogenen Gesellschaft heraufzubeschwören.

Getrennt marschieren, gemeinsam agieren
Der bereits oben vorgestellte Philip Stein eröffnete den Kongress mit der Beschreibung der Strategie der „Mosaik-Rechten“. Jene Strategie einer ausdifferenzierten geeinten Rechten, die in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv ist, sich gegenseitig unterstützt, ergänzt und manchmal auch aus strategisch Gründen voneinander abgrenzt, sich aber immer als Teil eines gemeinsamen Projektes begreift. Götz Kubitschek, intellektueller Vordenker und maßgeblich bei den am Kongress anwesenden Schlüsselorganisationen beteiligt, legte in einer Ansprache bei einer AfD-Versammlung dar, wie dieser Schulterschluss von außerparlamentarischen — teilweise auch als militant zu verstehenden — Kräften und parlamentarischen Rechtsaußenparteien aussehen soll:

Mein Rat, lassen Sie manches das gefährlich ist, andere machen. Das Milieu besteht aus Parteien, Medien, vorpolitischen Initiativen und aktivistischen Initiativen. Wir sind wie bei so einer fröhlichen Regatta. Die Kriegsschiffe fahren nebeneinander her und man winkt sich von der Brücke aus zu, aber mehr auch nicht.

Beim „Kongress der Verteidiger Europas“ konnten diese „Kriegsschiffe“ ein weiteres Stück näher aneinanderrücken, ihre Kooperationen ausbauen und sich ideologisch näherkommen. Die stärkere Beteiligung von Parteimitgliedern im Vergleich zur Erstauflage der „Verteidiger Europas“ im Jahr 2016 zeigt die Normalisierung von rechtsextremen Positionen in der Gesellschaft. Außerdem sieht man am Kongress die zunehmende Vernetzung unterschiedlicher politischer Spektren, die im Wunsch nach einer autoritär und homogen strukturierten Volksgemeinschaft zusammenfinden und dem offenen und demokratischen Gesellschaftsmodell den Kampf ansagen.

Der ohnehin schon widersprüchliche Antifaschismus des Heimatbundes und der Süd-Tiroler Freiheit wird durch die aktive Beteiligung von Matthias Hofer an diesem rechtsextremen Vernetzungstreffen ins Absurde geführt. Dass ein Philip Stein sowohl bei Veranstaltungen der CasaPound, als auch beim „Kongress der Verteidiger Europas“ referiert und ein Vertreter des „völkisch patriotischen Lagers“ aus Südtirol dort seine politischen Verbündeten verortet, zeigt wie stark man sich ideologisch den vermeintlichen politischen Gegnern angenähert hat.

Dieser Beitrag wurde auch auf ‘Salto’ veröffentlicht.

Siehe auch:

Faschismen LGBTQIA Politik | Faschistische Relikte | | Salto | Südtirol/o | Alpini STF | Deutsch

Alpini wählen Leitspruch von Mussolini.

Nach 2012 in Bozen findet das Fest der italienischen Gebirgsjäger im kommenden Jahr schon zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit in der Euregio statt. Diesmal heißt der Schauplatz Trient, wo manche insbesondere das Timing — 100 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs, das zur Annexion von Tirol bis zum Brenner durch das italienische Königreich führte — als Provokation empfinden.

Nicht besonders hilfreich war da auch die mehr als unglückliche Aussage, man wolle mit der Veranstaltung auch der vielen Trentiner gedenken, die »als Italiener mit der falschen Uniform« gekämpft hätten, wie die Alpini-Vereinigung ANA vor rund einem Jahr verlautbarte. Gemeint war die Uniform des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs.

Dieselbe ANA, der seit wenigen Jahren auch die lange Zeit geächteten Alpini der faschistischen Republik von Salò angehören, hat nun mit dem Motto für den Aufmarsch von 2018 noch eins draufgesetzt. Es lautet:

»Per gli Alpini non esiste l’impossibile«.

Dieser Leitspruch wurde von italienischen Gebirgsjägern während des zweiten Weltkriegs in die Felswand des Hügels »Doss Trento« gemeißelt, wo er nach wie vor prangt. Dabei handelt es sich um die verkürzte Form von »Per gli Alpini d’Italia non esiste l’impossibile«, einem Motto, das sich Diktator Benito Mussolini persönlich ausgedacht hatte — und das nur deshalb verkürzt werden musste, weil die Felswand zu klein war.

Warum man sich für Trient 2018 nicht gleich für »Credere – Obbedire – Combattere« entschieden hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Siehe auch:

Faschismen Militär | | | | Trentino | Alpini | Deutsch Italiano

Divise giuste e meno giuste.
Quotation 309

Sarà l’occasione per ricordare anche le migliaia di trentini che combatterono da italiani con la divisa sbagliata. È questa un’eredità che il Trentino non può e non deve dimenticare, poiché le radici non vanno mai dimenticate.

L’Associazione nazionale Alpini (Ana) di Trento in vista dell’adunata nazionale, programmata per il 2018 nella città del concilio, a 100 anni dall’annessione del Trentino e del Sudtirolo al Regno d’Italia.

Né i trentini né i sudtirolesi hanno mai avuto la possibilità di esprimersi democraticamente sulla loro appartenenza all’Italia.

Vedi anche:

Discriminaziun Militär Nationalismus Selbstbestimmung | Zitać | | | Trentino | Alpini | Italiano

Die »netten« Freunde der SVP.

Immer häufiger geht die Südtiroler Volkspartei seit einigen Jahren Koalitionen oder anderweitige »Partnerschaften« mit Parteien des italienischen Mitterechts- und Rechtsspektrums ein, die nicht selten faschistoides und menschenfeindliches Gedankengut in sich tragen.

Soweit ich mich erinnern kann, war die erste bewusste »Fehlentscheidung« dieser Art die Wahl des ehemaligen MSI-Mitglieds Giorgio Holzmann zum Landtagsvizepräsidenten. Der Herr gehört inzwischen zur rechtsradikalen Fratelli d’Italia, mit deren Freunden SVP und Grüne derzeit in Meran regieren.

Auf Giorgio Holzmann folgte der rechte Haudegen Mauro Minniti, den die Volkspartei ebenfalls in das Amt des Landtagsvizepräsidenten hievte. Aufgrund des ethnischen Rotationsprizips rückte Minniti, der während seiner Amtszeit die Benennung einer Schule nach einem Kämpfer der Mussolini-Republik RSI forderte, im Jahr 2011 sogar zum Landtagspräsidenten auf, bevor er dieses Amt aus freien Stücken zurücklegte.

Soweit zur Geschichte. Während der letzten Tage sind zwei weitere »nette« Partner der Sammelpartei auf den Plan getreten:

  • Der Brunecker Vizebürgermeister Renato Stancher, mit dessen rechtem Polo die SVP schon seit Jahren den Pusterer Hauptort regiert, rief die Militärvereinigung ANA dazu auf, sich stärker für den Erhalt des dortigen Alpinidenkmals einzusetzen, ein faschistisches Überbleibsel, das vielen demokratisch gesinnten Bruneckerinnen seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge ist.
  • Massimo Bessone von der rechtsradikalen und ausländerfeindlichen Lega Nord machte am Sonntag auf sich aufmerksam, als er einen Skitag für Flüchtlinge, der aus privater Initiative entstanden war, scharf kritisierte und von einer »Diskriminierung der Einheimischen« sprach. Vor wenigen Monaten war Bessone von der SVP — ohne jegliche Notwendigkeit — zum Vizepräsidenten des Brixner Gemeinderats ernannt worden.

Seit der letzten Gemeindewahl regiert die Volkspartei auch in Leifers mit einer Koalition rechter Ungustln.

Siehe auch:

Faschismen Kohäsion+Inklusion Migraziun Militär Nationalismus Politik Racism Solidarieté | | Giorgio Holzmann Massimo Bessone Mauro Minniti | | Südtirol/o | Alpini Lega PDL&Co. Südtiroler Landtag SVP Vërc | Deutsch

Neues Leben für die Grenze.

Die Tirol dreiteilende Staatsgrenze (Unrechtsgrenze), deren Existenz in Sonntagsreden euroregionaler — und nicht euroregionaler — Realitätsverweigernder bisweilen geleugnet wird, erfährt im Zuge von Flüchtlingskrise und Terrorpanik wieder einmal eine deutliche Aufwertung bis hin zur Militarisierung.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird die Grenze zwischen Nord- und Südtirol sowie zwischen Süd- und Osttirol nun von Alpini-Einheiten und Scharfschützen bewacht — als herrschte in den beiden angrenzenden Tiroler Landesteilen Krieg. Oder als müsste und könnte man potentielle Terroristen, die erst kürzlich trotz Haftbefehls durch halb Europa reisen konnten, am Brenner erschießen. Letztere wird es freuen, zeigt diese Hysterie doch, dass ihre Strategie nicht ihren Zweck verfehlt.

Anders als Deutschland, wo seit dem Ende des Nationalsozialismus ein Einsatz des Heeres im Inland untersagt ist, macht Italien immer wieder von dieser Möglichkeit Gebrauch. Nun zeigen die Alpini also auch in Südtirol wieder, wer der Herr im Haus ist.

Warum das italienische Heer aber genau dort stationiert wird, wo früher einmal eine Grenze war, ist unklar. Wahrscheinlich ist es bloß ein »Zufall«, dass die Wahl nicht auf Kufstein, Borghetto oder Bardolino gefallen ist.

Auf eine Erklärung derjenigen, die die Eigenstaatlichkeit und die damit zusammenhängende »Grenzverschiebung« mit dem »Argument« ablehnen, in Europa könne man Grenzen nur noch abbauen, warte ich mit großer Spannung. Und natürlich auf den Protest all jener, die den Unabhängigkeitsbefürworterinnen vorwerfen, Grenzkontrollen einführen zu wollen.

Siehe auch:

Grenze Medien Militär Polizei | | | | Nord-/Osttirol Südtirol/o | Alpini Euregio | Deutsch

Kirche weist Alpini in die Schranken.

Als sie 2012 in Südtirol waren — dem Land, das für viele von ihnen eine zu feiernde Eroberung ist — durfte man die fröhlichen Alpini nur mit Samthandschuhen anfassen. Kritik war verpönt, Kritiker nur lästige Spielverderber, die keinen Sinn für eine ausgelassene und »völlig harmlose« Feier hatten. Die wichtigsten Südtiroler Medien — von A. Adige über Tageszeitung und Dolomiten bis hin zum Wochenmagazin ff — stimmten in einen selten eintönigen Jubelchor ein, ein heutiger linker Parlamentarier wurde für seinen Einsatz gar mit dem Alpinipreis geehrt. Das Land Südtirol richtete eine Ausstellung über die italienischen Gebirgstruppen ein, die deren ungebremsten Militarismus einschließlich der unaufgearbeiteten Kriegsverbrechen unhinterfragt ließ. Nur Projekt Bozen kritisierte die massive Präsenz von schwerem Kriegsgerät auf den Talferwiesen.

Kurzum: Eine verkehrte Welt.

Es bedurfte offenbar der Kirche — nicht der Südtiroler Kirche allerdings — um den Alpini hundert Jahre nach ihrem Eintritt in den ersten Weltkrieg, der vom Staat gefeiert wurde, die Grenzen der Gewaltverherrlichung aufzuzeigen.

Rendi forti le nostre armi contro chiunque minacci la nostra patria, la nostra bandiera, la nostra millenaria civiltà  cristiana.

Diesen Satz, der die bewaffnete Verteidigung des Vaterlandes, seiner Flagge und der christlichen Zivilisation gegen jegliche Bedrohung beschwört, wollte ein Priester bei Treviso an Mariä Himmelfahrt nicht in seiner Kirche hören. Er bat die Alpini, diesen Teil aus ihrem »Gebet« zu streichen oder abzuändern, da er ihm gerade in der heutigen Zeit unangemessen erscheine.

Doch diesen vermeintlichen Affront ließen die ANA-Angehörigen nicht auf sich sitzen, verließen aus Protest die Kirche und verlasen ihr zweifelhaftes Gebet im Freien.

Postwendend kam die Antwort der Diözese von Vittorio Veneto: Das Rezitieren des bereits 80 Jahre alten ANA-Gebets sei fortan während Messen und Gottesdiensten unerwünscht.

Siehe auch:

Medien Militär Religiun | Good News | Florian Kronbichler | AA Dolo ff TAZ | Südtirol/o Venetien-Vèneto | Alpini | Deutsch Italiano

Das Gedenken an den ersten Weltkrieg in den Händen neofaschistischer Organisationen.

Erst wenige Tage ist es her, dass sich die Südtiroler Landesregierung und zahlreiche Bürgermeisterinnen im Lande geweigert hatten, den italienischen Eintritt in den ersten Weltkrieg vorschriftsgemäß durch Aushängen der Staatsflagge zu zelebrieren. Wie wichtig dieser kleine Verweigerungsakt aus symbolischer Sicht war, zeigt sich immer deutlicher, je mehr Mosaiksteine man zusammenfügt.

Aber der Reihe nach: Durch die Recherche über die Zusammenarbeit öffentlicher und halböffentlicher Institutionen — darunter eine italienische Botschaft, die Autonome Provinz Trient und das Italienische Rote Kreuz — mit neofaschistischen und gewaltbereiten Organisationen bei der Durchführung pseudosolidarischer Projekte bin ich auf die Vereinigung L’Uomo Libero aus Arco gestoßen. L’Uomo Libero, deren Motto nicht zufällig ein Ezra-Pound-Zitat ist, bewegt sich im Dunstkreis der »Faschisten des dritten Jahrtausends« von CasaPound.

L'Uomo Libero.

Zum Gedenken an den ersten Weltkrieg hat L’Uomo Libero die Gründung des Projekts »TaPum – Sui Sentieri della Grande Guerra« angeregt, zu dessen Mitgliedern außer den Neofaschisten selbst auch die Vereinigung Accompagnatori di Territorio del Trentino und die staatliche Forschungseinrichtung Consiglio Nazionale delle Ricerche (CNR) gehören.

Vorsitzender von TaPum und L’Uomo Libero in Personalunion ist Walter Pilo, ein Herr, der zum Beispiel den Ausschluss der »Faschisten des dritten Jahrtausends« vom Bozner Christkindlmarkt der Solidarität scharfzüngig kritisiert hatte.

Man braucht sich also nicht zu wundern, wenn auf den Seiten von TaPum der erste Weltkrieg verherrlicht und auch Südtirol ganz selbstverständlich zu den terre irredente gezählt wird:

Fu la prima grande esperienza collettiva degli italiani, un momento di forte unione che rafforzò l’identità  nazionale di tutta la popolazione e non soltanto di chi stava al fronte (furono 5 milioni gli uomini chiamati alle armi, di cui oltre 650.000 morti e circa un milione feriti). Durante il conflitto, a seguito delle alterne vicende belliche, i confini originari tra Italia e Austria-Ungheria subirono continue variazioni, che spesso non coincidevano con l’idea di ‘Italia geografica’, in particolare per le cosiddette ‘terre irredente’ (Trentino, Alto Adige, Trieste e Istria).

Und doch ist es bestürzend, dass derartiger Geschichtsrevisionismus von einer öffentlichen Forschungseinrichtung wie dem CNR mitgetragen wird.

Hauptbestandteil des Projektes von TaPum war übrigens (im Jahr 2014) eine doppelte »Expedition« von Bormio nach Duino und von Trient nach Triest entlang dem ehemaligen Frontverlauf. Durchgeführt wurden die Expeditionen gemeinsam mit der Associazione Nazionale Alpini (ANA), laut Angaben der Projektverantwortlichen war auch das offizielle Militär daran beteiligt.

In Südtirol war Walter Pilo (L’Uomo Libero) bei einer staatsweiten Veranstaltung der ANA am Ritten anwesend, um TaPum vorzustellen. Die neofaschistische Unterwanderung ist voll im Gange.

Siehe auch:

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