Landtag für Schaffung einer Sprachstelle.

Gestern hat der Südtiroler Landtag einen wichtigen Schritt hin zu einer echten Sprachstelle gemacht, wie es sie in vielen anderen mehrsprachigen Gebieten weltweit bereits gibt.

So vereint allein die International Association of Language Comissioners Mitglieder aus dem Baskenland, Flandern, Irland, fünfmal Kanada (New Brunswick, Ontario, Nunavut und Northwest Territories sowie den gesamtstaatlichen Comissioner of Official Languages), Katalonien, Kosovo und Wales. Aber auch Québec, País Valencià, Nordkatalonien oder die Bretagne haben sich ähnliche Büros gegeben.

Die einschlägige Tagesordnung der Freiheitlichen, die sich auch die SVP zueigen gemacht hat, sieht im verpflichtenden Teil vor:

  1. die derzeit bestehende Beschwerdestelle „Verletzungen der Bestimmungen über den Sprachgebrauch in der öffentlichen Verwaltung” in eine vollständige Sprachstelle umzuwandeln und unter anderem mit folgenden Aufgaben zu betrauen:
    • a) proaktive Kontrolle und Sensibilisierung der öffentlichen Ämter, Körperschaften und Konzessionsnehmer auf die Einhaltung der Zwei- und Dreisprachigkeitsbestimmungen im Sinne des D.P.R. vom 15. Juli 1988, Nr. 574 und anderer Gesetze, die die Sprachrechte betreffen;
    • b) Hilfe- und Beratungsstelle für Ämter, öffentliche Körperschaften, Konzessionsnehmer und Privatunternehmen in Zusammenhang mit der vorgeschriebenen Zwei- und Dreisprachigkeit und darüber hinaus;
    • c) Ombudsstelle für Bürgerinnen und Bürger, die ihre Sprachrechte verletzt sehen, auch zum Zweck der Ahndung in Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen Stellen;
    • d) Sensibilisierungs- und Informationskampagnen sowohl für die Gesamtbevölkerung als auch für einzelne lnteressensgruppen (Privatfirmen, Berufskammern, Vereine, Verbände usw.);
    • e) Erfahrungsaustausch mit den Sprach- und Ombudsstellen anderer mehrsprachiger Gebiete;
    • f) den Fachwortschatz („Bistro“) in den Südtiroler Amtssprachen in Zusammenarbeit mit den Universitäten Innsbruck und Bozen sowie mit der Eurac auf dem neuesten Stand halten, auf eine korrekte Implementierung achten und dementsprechende Empfehlungen zu veröffentlichen;
    • g) regelmäßige Ausarbeitung und Veröffentlichung von Tätigkeitsberichten und einschlägigen Erhebungen zur Sprachsituation (z. B. in Zusammenarbeit mit dem ASTAT).
  2. Die Sprachstelle mit entsprechendem Personal und finanziellen Mitteln auszustatten.
  3. In Bälde die Zuständigkeit für die Ahndung von Zwei- und Dreisprachigkeitsverstößen im Sinne des D.P.R. vom 15. Juli 1988, Nr. 574 einzufordern und an den Landeshauptmann zu übertragen.

Wenn dieser nunmehrige Beschluss tatsächlich und mit der nötigen Ernsthaftigkeit umgesetzt wird, handelt es sich meiner Meinung nach um einen wirklich großen Wurf. Gerade die starke Fokussierung auf Information, Kooperation, Beratung, Sensibilisierung kann sehr viel bewirken, sodass die Ahndung von Verstößen in den Hintergrund geraten könnte. So gesehen wäre dann Punkt 3 zwar wichtig, aber nicht notwendigerweise ausschlaggebend für den Erfolg der Maßnahme.

Auf hatten wir die Schaffung einer solchen Sprachstelle vor rund zwei Jahren ebenfalls angeregt.

Siehe auch:

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AFI: Die spinnen, die Römer!

Mit diesem Obelix-Zitat meldete sich gestern das Arbeitsforschungsinstitut (AFI) zu Wort, um die Wirtschaftsdaten des Astat als lokaler Ableger (!) des Istat in Frage zu stellen. Die vom Landesstatistikinstitut bekanntgegebenen »realen Wachstumsraten« für 2016 (+0,6%) und 2017 (+0,4%) entsprächen nicht den erhobenen makroökonomischen und den Stimmungsindikatoren.

Entweder hat es den wirtschaftlichen Aufschwung in Südtirol nie gegeben oder die Berechnungen des Istat sind wenig wert.

— Stefan Perini (AFI-Direktor)

Das Berechnungsmodell der amtlichen Statistik zum regionalen BIP scheine unausgereift zu sein. Dass die Parameter von Technikerinnen 540km von Bozen entfernt festgelegt würden, sei für den Bezug zur lokalen Realität nicht förderlich.

Perini und das AFI schlagen deshalb — nach deutschem Vorbild (sogenannte Gemeinschaftsdiagnose) — eine gemeinschaftlich von Astat, Wifo und AFI formulierte Prognose vor. Die Daten der amtlichen Statistik seien erst nach drei Jahren ausreichend zuverlässig, weshalb man sich auf eine gemeinsame Schätzung einigen könnte, so der AFI-Direktor.

Siehe auch:

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Zuwanderungssprache Italienisch.
Katastrophale Daten

Dieser Tage hat das WIFO der Handelskammer eine Studie zu Brain Drain und Brain Gain veröffentlicht, in dem unter anderen Qualifikationen der Zu- und Abwandernden auch die Sprachkenntnisse* (Deutsch, Italienisch und Englisch) erhoben wurden.

Dabei macht sich ein extrem starker »nationaler« Drall bemerkbar, der nicht nur für Wirtschaftstreibende Anlass zur Sorge sein sollte. Laut WIFO-Daten beherrschten im Bezugsjahr 2016 nämlich weniger als ein Drittel (31,1%) der Zuwandernden** auch die deutsche Sprache. Fast drei Viertel von ihnen (72,9%) sprechen hingegen die lingua franca nazionale Italienisch. Selbst Englisch liegt mit 55,6% weit vor Deutsch.

Aufgeschlüsselt nach Staatsbürgerinnenschaften sprechen

  • 98,6% der Zuwandernden mit italienischer Staatsbürgerinnenschaft Italienisch, 64,2% von ihnen Englisch und nur rund ein Viertel von ihnen Deutsch (24,7%).
  • 98,5% der Zuwandernden mit deutscher oder österreichischer Staatsbürgerinnenschaft Deutsch, 94,6% Englisch und 43,3% Italienisch.
  • 72,4% der Zuwandernden mit Staatsbürgerinnenschaft eines anderen europäischen Landes Italienisch, 37,7% Englisch und 31,4% Deutsch — 20,5% sprechen Deutsch und Italienisch, 16,8% keine dieser beiden Landessprachen.
  • 60,6% der Zuwandernden mit Staatsbürgerinnenschaften anderer Länder Englisch, 51,7% Italienisch und nur magere 15,4% Deutsch — 3,8% sprechen Deutsch und Italienisch, 36,8% keine dieser beiden Landessprachen.

Zum Vergleich: Abwandernde Südtirolerinnen — italienische Staatsbürgerinnen mit Geburtsort in Südtirol — beherrschten im selben Bezugsjahr zu 95,7% die deutsche, zu 91,5% die italienische und zu 82,2% die englische Sprache.

Siehe auch:

*) »mittleres« oder »kompetentes« Niveau laut Europäischem Referenzrahmen für Sprachen (GERS), Selbsteinschätzung der Befragten
**) im Alter zwischen 18-64 Jahren, ohne Asylwerberinnen, ohne rückwandernde Südtirolerinnen

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Südtiroler ‘Gender Pay Gap’ (2017).

Kürzlich hat das Landesstatistikinstitut (Astat) eine Analyse des Lohnunterschieds zwischen unselbständig beschäftigten Männern und Frauen in der Privatwirtschaft veröffentlicht, die auf der Grundlage von NISF-Daten für das Jahr 2017 erstellt wurde. Der häufig zu vernehmende Einwand, dass der sogenannte Gender Pay Gap auch und vor allem auf unterschiedliche Beschäftigungsmodelle (Frauen arbeiteten häufiger in Teilzeit, als Männer) zurückzuführen sei, wurde durch eine gesonderte Betrachtung von Voll- und Teilzeitverhältnissen entkräftet.

Im Ergebnis stellt das Astat bei Teilzeitverhältnissen eine durchschnittliche Tagesentlohnung (brutto) von 64,70€ bei männlichen und 58,88€ bei weiblichen Arbeitnehmerinnen fest, was einem Lohnunterschied von 9,0% entspricht. Bei Vollzeit steigt der der Pay Gap sogar auf 17,2% an — bei Männern entspricht die durchschnittliche Tagesentlohnung (brutto) 116,16€, bei Frauen 96,14€.

Die Analyse beschränkt sich aber nicht auf die unterschiedlichen Beschäftigungsmodelle, sondern wurde auch nach Wirtschaftssektoren, Qualifikation, Vertragsart, Anzahl der vergüteten Wochen und Alter durchgeführt. Bei fast all diesen Merkmalen stellt das Landesstatistikinstitut einen Gender Pay Gap zu Lasten weiblicher Arbeitnehmerinnen fest:

  • In 15 von 18 untersuchten Wirtschaftssektoren werden Männer besser bezahlt, als Frauen. Im Dienstleistungsbereich (-31,6%), im Finanz- und Versicherungsbereich (-29,3%) und im Immobilienbereich (-25,5%) ist der Lohnunterschied am größten. Lediglich im Bergbau (+12,0%), in der Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen (+4,3%) sowie im Baugewerbe (+3,5%) verdienen Frauen etwas mehr, als Männer. Es handelt sich dabei aber um Sektoren mit geringer weiblicher Präsenz.
  • Während weibliche Lehrlinge noch (+10,4%) besser bezahlt werden, als männliche, ist dies bei allen anderen Berufsqualifikationen nicht der Fall. Männliche Arbeiter (-14,6%), Angestellte (-22,9%), leitende Mitarbeiter (-14,5%) und Führungskräfte (-22,5%) verdienen deutlich mehr, als ihre weiblichen Kolleginnen.
  • Nach Vertragsart betrachtet ist der Lohnunterschied bei den unbefristeten Arbeitsverhältnissen (16,4%) am größten. Es folgen die Saisonarbeit (13,2%) und die befristeten Verhältnisse (7,4%).
  • Bei maximal zwölf (-7,2%) und 13-28 vergüteten Wochen (-7,1%) ist der Gender Pay Gap zu Lasten der Frauen am geringsten und steigt bei 29-51 Wochen auf -10,3% und bei 52 Wochen noch einmal sprunghaft auf -16,8% an.
  • Weibliche Arbeitnehmerinnen unter 20 Jahren (+10,3%) verdienen noch etwas mehr, als ihre männlichen Altersgenossen. In der Folge verdienen Männer in allen anderen Altersklassen mehr, als Frauen. Der Pay Gap schwillt dabei beständig bis auf -25,7% bei den Arbeitnehmerinnen zwischen 60 und 64 Jahren an. In der Kategorie 65+ fällt er dann noch einmal ganz leicht auf -23,3% ab.

Hinweis: Es handelt sich jeweils um durchschnittliche Unterschiede bei Betrachtung der Bruttoentlohnung bei Vollzeitbeschäftigung.

Siehe auch:

Feminæ Soziales Umfrage+Statistik Wirtschaft+Finanzen | | | | Südtirol/o | Astat NISF | Deutsch

‘Astat’ vernetzt sich im deutschen Sprachraum.

Ende September hatte Timon Gärtner, Direktor des Landesamts für Statistik (Astat), der Statistik Austria in Wien einen Besuch abgestattet. In diesem Rahmen kam es zu einem Wissensaustausch mit Vertretern der Bereiche Qualitätsmanagement und Methodik sowie mit der Leiterin der Abteilung Analyse und dem Generaldirektor der Statistik Austria, Dr. Konrad Pesendorfer.

Darüberhinaus soll es in naher Zukunft zu gemeinsamen Schulungen für Astat– und Statistik-Austria-Mitarbeiterinnen kommen. Ein mittelfristiges Ziel sei es desweiteren, in den Zusammenschluss der statistischen Organe der deutschsprachigen Länder einzutreten, wo in regelmäßigen Treffen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit vertieft werde, so das Astat.

Siehe auch:

Umfrage+Statistik | Good News | | | Österreich Südtirol/o | Astat | Deutsch

Mehr Vertrauen in die Institutionen.

Das Landesstatistikinstitut (Astat) hat neue Erkenntnisse über das Vertrauen der Südtirolerinnen in die Institutionen publik gemacht. Im Vergleich zu 2015 haben die Werte (Summe aus »sehr großem« und »ziemlich großem« Vertrauen) sogar durchwegs zugenommen. Die Euregio war einmal mehr nicht Teil der Erhebung.

Gleich geblieben ist die Reihenfolge: Je näher eine Institution sich räumlich zu den Bürgerinnen befindet und je kleiner sie ist, desto mehr Vertrauen genießt sie. Einzige Ausnahme: der italienische Staat, der — wiewohl auch er jetzt etwas mehr Vertrauen genießt, als noch vor drei Jahren — weit abgeschlagen an letzter Stelle liegt.

Über fünf Prozentpunkte konnten die Gemeinden* im Vergleich zu 2015 zulegen; sie genießen nunmehr sehr oder ziemlich großes Vertrauen von 75,6% der Bürgerinnen. Knapp dahinter liegt das Land Südtirol, das im Vergleichszeitraum 7,5 Prozentpunkte dazugewinnen und den Abstand zu den Gemeinden verringern konnte.

Bereits etwas abgeschlagen befindet sich die Region Südtirol-Trentino, die aber ebenfalls ein Plus von 7,5 Punkten verzeichnet und nunmehr das Vertrauen von über der Hälfte der Südtirolerinnen genießt.

Die Europäische Union schafft es hingegen trotz (statistisch nicht relevanter) Verbesserung nicht, die 50%-Marke zu erreichen. Knapp mehr als die Hälfte (50,7%) der Bürgerinnen im Land haben wenig oder gar kein Vertrauen in die EU.

Katastrophal schneidet der Zentralstaat ab: 53,2% der Südtirolerinnen haben nur geringes Vertrauen in ihn, weitere 23,8% gar keines.

Einmal mehr bestätigt sich übrigens das große Vertrauen der Bürgerinnen italienischer Muttersprache ins Land: Während 28,4% der Deutschsprachigen und 26,9% der Ladinischsprachigen geringes oder gar kein Vertrauen ins Land Südtirol haben, sind es bei den Italienischsprachigen nur 8,0%.

Siehe auch:

*) die jeweilige Wohnsitzgemeinde der Befragten

Föderal+Regional Umfrage+Statistik | | | | Südtirol/o | Astat EU Land Südtirol Region Südtirol-Trentino | Deutsch

Jugendliche: Wenig interesse für die Landespolitik
Europa- und internationale Politik liegen vorn

Anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Jugendtages hat das Astat neue Daten zum Verhältnis der jugendlichen Bevölkerung (14-25 Jahre) zur Politik veröffentlicht. Die Erhebung wurde 2016 durchgeführt.

Daraus gehen interessante, leider auch enttäuschende Erkenntnisse hervor. Einige davon:

  • Für die Gemeinde-, Landes- und Staatspolitik interessieren sich heute deutlich weniger junge Menschen, als noch 2004 und 2009. Das Interesse an der Landespolitik (Summe von »sehr interessiert« und »ziemlich interessiert«) hat seit 2004 um fast 10 Punkte auf nunmehr 34,7% abgenommen.
  • Für die Politik auf Euregio-Ebene und somit in unseren Partnerländern Nord-/Osttirol und Trentino interessiert sich nicht einmal jeder fünfte junge Mensch (17,1%). Vergleichswerte aus 2004 und 2009 gibt es hierfür nicht.
  • Erfreulicherweise stieg hingegen das Interesse für die Europapolitik (von 26,9% in 2009) auf 39,2%, während sich sogar 41,2% mit der internationalen Politik beschäftigen. Dieser Wert liegt zwar knapp unter jenem (41,9%) von 2004, aber deutlich über dem (34,0%) von 2009.

Keine der sechs Optionen erreicht auch nur einen Wert von 50% (Summe von »sehr interessiert« und »ziemlich interessiert«).

Signifikante Unterschiede beim Interesse für die Landespolitik lassen sich zwischen den Sprachgemeinschaften erkennen: Setzt man den Wert für kein Interesse mit 3 und den für hohes Interesse mit 9 fest, erzielen die deutschsprachigen Jugendlichen einen Durchschnittswert von 5,6. Darauf folgen die Ladinisch- (5,3) und mit Abstand die Italienisch- (4,8) und Anderssprachigen (4,5).

Jugendliche, die ihre Zukunft in einer anderen Region Italiens sehen, interessieren sich deutlich weniger für die Südtiroler Landespolitik, als solche, die ins Ausland ziehen oder in Südtirol bleiben wollen.

Siehe auch:

Politik Umfrage+Statistik | | | | Nord-/Osttirol Südtirol/o Trentino | Astat EU Euregio UNO | Deutsch