USA: Monumente müssen weichen.

Annapolis, Austin, Baltimore, Brooklyn, Daytona Beach, Durham, Franklin, Frederick, Gainesville, New Orleans, Louisville, Los Angeles, Madison, Orlando, Rockville, San Diego, St. Louis…

In einer fortwährend aktualisierten Liste zählt die New York Times detailliert auf, wo in den Staaten kürzlich Monumente abgebaut oder versetzt wurden, die der Konföderation und der ihr zugrundeliegenden rassistischen Bewegung huldigten.

Es sind vor allem Progressisten wie die ehemalige Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi (Demokraten), die sich für diese Form der Aufarbeitung starkmachen, die Rechtsextremen ein Dorn im Auge ist. Währenddessen werden ähnliche Forderungen hierzulande als politischer Ikonoklasmus gebrandmarkt.

In Boston wurde ein Denkmal verhüllt, bis eine Entscheidung über seine Zukunft gefällt ist. In weiteren Städten wie Jacksonville, Lexington, Memphis, Nashville, Richmond, San Antonio, Tampa, Washington D.C. steht die Entfernung von Monumenten aktuell im Raum — und möglicherweise kurz bevor.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Kohäsion und Prinzipien in schweren Zeiten.

Nach den Anschlägen in Barcelona und Cambrils sind in Katalonien einige interessante Dinge passiert, die mir hier erwähnenswert scheinen. Nicht nur, dass der katalanische Präsident Puigdemont und die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, den inzwischen üblichen Durchhalteparolen ausdrücklich hinzufügen wollten, dass Katalonien und Barcelona weiterhin Einwanderungsland bleiben werden.

Darüberhinaus scheint zum Beispiel auch der Umgang mit medialer Sensationsgeilheit anders zu sein: Zahlreiche Gemeinden des Landes kündigten über die sozialen Medien an, Abonnements von Zeitungen, die heute allzu krude Bilder der Anschläge und Opfer veröffentlicht hatten, aus Protest kündigen zu wollen. Die Rede war insbesondere von La Vanguardia, El Periodico und El Mundo. Zeitungshändlerinnen sowie die katalanische Supermarktkette Caprabo weigerten sich, genannte Blätter zu verkaufen und verzichteten lieber auf Teile ihrer Einnahmen. Zudem teilte das Departement für Arbeit und Soziales über die Generaldirektion für Kinder- und Jugendschutz der katalanischen Regierung mit, dass es im Sinne von Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention die (bereits erfolgte oder künftige) Veröffentlichung von Bildern, die tote und verletzte Kinder zeigen, ausnahmslos gerichtlich verfolgen werde.

Der katalanische Innenminister Joaquim Forn lehnte es derweil ab, die von Madrid vorgeschlagene Unterstützung der katalanischen Landespolizei (Mossos d’Esquadra) durch das Heer in Betracht zu ziehen — eine Maßnahme, die er als nutzlos bezeichnete.

Nicht zuletzt isolierten und vertrieben Teilnehmerinnen einer Gedenkveranstaltung im Zentrum von Barcelona rechtsextreme Trittbrettfahrer der Bewegung Plataforma per Catalunya. Stattdessen boten sich mit dem Hashtag #yoteacompaño spontan Hunderte an, Musliminnen zu treffen und zu begleiten, um sie vor etwaigen Repressalien zu beschützen.

Guten Sprachkenntnissen werden verlangen.

Am Schwarzen Brett eines öffentlichen Gebäudes in Brixen bin ich heute auf folgende (zweisprachige) »Stellenausschreibung« gestoßen:

Wir suchen einen SAUNA-MITARBEITER ab sofort für Balneum in Sterzing

Es werden guten Italienisch- und Deutschkenntnissen verlangen. Man soll sich um die Sauna, den Café und die Aufgüsse kümmern.
Man bietet einen Part-Time-Vertrag (10-15 Stunden pro Woche als Schichtarbeit), inklusiv von Wochenenden und Feiertagen. Vertrag CCNL 2010/2012, Rang nach der Arbeitserfahrung zu schätzen.
Die Kandidatur soll bei E-Mail an personale@socialwork.coop geschickt werden.

Wie! ist! sowas! möglich? Ist es verwunderlich, wenn das so gefundene Personal die deutsche Sprache nicht ernstnimmt oder erst gar nicht beherrscht? Wieviele solcher Fälle sollen wir noch aufdecken, bevor in diesem Land irgendjemand, die oder der sich dafür verantwortlich hält, aus dem Tiefschlaf erwacht?

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]

Siegesdenkmal: Ein bisschen Selbstbetrug?

Normalerweise droht dem faschistischen Gebauten der Verlust durch Zerstörung, Wegnahme oder Verhüllung. Der Bozner Weg des dekonstruktiven Umgangs impliziert eine Form demokratisch-aufgeklärter Gelassenheit, die mit “Mut” annähernd beschrieben werden kann.

Hannes Obermair, Bozner Stadtarchivar und Historiker, in einem Interview* über das Siegesdenkmal, an dessen Umgestaltung er beteiligt war.

Könnte man die genannte »Gelassenheit« in einer Stadt, in der

eventuell auch annähernd mit »fehlendem Mut« beschreiben?

Ich denke, dass die Einordnung (Mut/Mutlosigkeit) nur im gesellschaftlichen und politischen Kontext erfolgen kann. Und immerhin war man zumindest der Meinung, den Eingriff im Vorfeld geheimhalten zu müssen, um ihn nicht an politischem Widerstand scheitern zu lassen — was nicht gerade für Courage spricht.


*) Salto in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung Museen der Autonomen Provinz Bozen

»Südtirolerisch ist nicht Deutsch«.

Seit Tagen hört und liest man in Südtirol — zum Beispiel in sozialen Medien — Beschwerden, weil sich »Auswärtige« in eine angeblich rein Südtiroler Angelegenheit wie jener der Pestizide eingemischt hätten. Mit dieser Einmischung kann ich sehr gut leben und wünsche mir sogar noch mehr grenzüberschreitendes Engagement. Ärgern kann ich mich vielmehr, wenn Zugewanderte aus dem deutschen Sprachraum, wie letzthin mehrmals öffentlich geschehen, mit erhobenem Zeigefinger behaupten, unsere südbairische Mundart, der Tiroler Dialekt, sei gar nicht Deutsch. Solch unqualifizierte Aussagen verbitte ich mir — gerade gegenüber einer sprachlichen Minderheit.

Südtirol ist ein Halbzentrum der plurizentrischen deutschen Sprache und unter anderem im Rat für deutsche Rechtschreibung vertreten. Ob es Menschen aus anderen Teilen unseres Sprachraums (bzw. von dort eingewanderten Neu-Südtirolerinnen) gefällt oder nicht, auch wir definieren mit, was deutsche Sprache ist.

Jugendliche: Wenig Interesse für Landespolitik.
Europa- und internationale Politik liegen vorn

Anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Jugendtages hat das Astat neue Daten zum Verhältnis der jugendlichen Bevölkerung (14-25 Jahre) zur Politik veröffentlicht. Die Erhebung wurde 2016 durchgeführt.

Daraus gehen interessante, leider auch enttäuschende Erkenntnisse hervor. Einige davon:

  • Für die Gemeinde-, Landes- und Staatspolitik interessieren sich heute deutlich weniger junge Menschen, als noch 2004 und 2009. Das Interesse an der Landespolitik (Summe von »sehr interessiert« und »ziemlich interessiert«) hat seit 2004 um fast 10 Punkte auf nunmehr 34,7% abgenommen.
  • Für die Politik auf Euregio-Ebene und somit in unseren Partnerländern Nord-/Osttirol und Trentino interessiert sich nicht einmal jeder fünfte junge Mensch (17,1%). Vergleichswerte aus 2004 und 2009 gibt es hierfür nicht.
  • Erfreulicherweise stieg hingegen das Interesse für die Europapolitik (von 26,9% in 2009) auf 39,2%, während sich sogar 41,2% mit der internationalen Politik beschäftigen. Dieser Wert liegt zwar knapp unter jenem (41,9%) von 2004, aber deutlich über dem (34,0%) von 2009.

 

Keine der sechs Optionen erreicht auch nur einen Wert von 50% (Summe von »sehr interessiert« und »ziemlich interessiert«).

Signifikante Unterschiede beim Interesse für die Landespolitik lassen sich zwischen den Sprachgemeinschaften erkennen: Setzt man den Wert für kein Interesse mit 3 und den für hohes Interesse mit 9 fest, erzielen die deutschsprachigen Jugendlichen einen Durchschnittswert von 5,6. Darauf folgen die Ladinisch- (5,3) und mit Abstand die Italienisch- (4,8) und Anderssprachigen (4,5).

Jugendliche, die ihre Zukunft in einer anderen Region Italiens sehen, interessieren sich deutlich weniger für die Südtiroler Landespolitik, als solche, die ins Ausland ziehen oder in Südtirol bleiben wollen.

Siehe auch: [1] [2]

4 × Mehrsprachigkeit.
Erfrischend buntes Schweizer Team

Bei den Leichtathletikweltmeisterschaften in London holte die 4 × 100-m-Frauenstaffel aus der Schweiz den fünften Platz.

https://www.nzz.ch/sport/weiterer-sport/leichtathletik-wm-schweizer-rekord-und-finaleinzug-fuer-staffel-quartett-ld.1310437

Die Läuferinnen von links nach rechts:

Sarah Atcho, aus Lausanne, Muttersprache Französisch
Mujinga Kambundji, aus Uetendorf, Muttersprache Schwizerdütsch
Ajla Del Ponte, aus Losone, Muttersprache Italienisch
Salomé Kora, aus St. Gallen, Muttersprache Schwizerdütsch

Im Internet finden sich Videos in denen Sarah Deutsch und Englisch, Mujinga Französisch und Englisch, Ajla Französisch und Salomé Französisch sprechen (Anm.: kein Anspruch auf Vollständigkeit).

Siehe auch: [1] [2] [3]