Moutier hat entschieden.
Selbstbestimmung in der Schweiz

Ende 2013 hatten die BürgerInnen im schweizerischen Jura über eine mögliche Kantonsneugründung abgestimmt. Der 1978 durch Abspaltung von Bern entstandene Kanton Jura (Nordjura) und die bei Bern verbliebenen jurassischen Gemeinden hätten, bei einem positiven Entscheid, Verhandlungen über die Schaffung eines neuen, gemeinsamen Kantons begonnen. Am Ende hätte die Bevölkerung in einer zweiten Abstimmung erneut ihr Placet geben müssen, um das Ergebnis rechtswirksam zu machen.

Doch dazu kam es nicht: Während 2013 im Kanton Jura eine Mehrheit für die Einleitung des zweistufigen Verfahrens stimmte, entschied die Mehrheit der JurassiserInnen im Kanton Bern dagegen.

Damit ist in einem Land, das konsequent auf direkte Demokratie setzt, aber noch lange nicht Schluss: Mehrere Gemeinden des bernischen Jura kündigten damals an, den Kantonswechsel auf kommunaler Ebene in Angriff nehmen zu wollen. Darunter die größte Ortschaft des Jura bernois, Moutier.

Gestern nun votierten die BürgerInnen von Moutier tatsächlich dafür, Bern nach rund 200 Jahren zu verlassen und sich dem jungen jurassischen Kanton anzuschließen. Auch das Angstargument, dass die künftige Hauptstadt Delsberg das Krankenhaus von Moutier schließen könnte, da es vom nächsten Spital des Kantons nicht weit entfernt liegt, griff schlussendlich nicht.

Weitere Kommunen des bernischen Jura, die den Ausgang des gestrigen Entscheids ausdrücklich abgewartet hatten, könnten dem Beispiel von Moutier nun folgen und Bern den Rücken kehren.

Im zehnten Jahr nach der Abstimmung von Cortina, Col und Fodom, die der Angliederung an Südtirol 2007 breit zustimmten, zeigt uns die Schweiz, wie man es macht. Aussitzen ist dort sicher keine Lösung.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Quotation (367): Da più di cento anni.

Ma il triste episodio* (cantato da alcuni come vittoria della democrazia) rivela anche un riflesso condizionato, un pregiudizio che aleggia ancor oggi in campo nazionale contro la autonomia regionale o provinciale. Diffuso sia nella pubblica opinione che nel “non detto” di molti parlamentari italiani, che nutrono nascoste riserve contro le “specialità” regionali. […] Volente o nolente, questa corrente ha percorso la vita politica e parlamentare italiana da più di cento anni, da Tolomei ai giovani centristi del dopoguerra, e questo sentimento di ostilità permane ancor oggi. Talvolta con più acceso ed esplicito tenore nazionale e nazionalistico, a destra; ma spesso anche in modo trasversale, come richiamo all’unità repubblicana e alla centralità statale, a valori di uguaglianza o, meglio, di uniformità. Una visione antifederalista, nemica delle autonomie, ostile anche al decentramento e al regionalismo.

Carlo Bertorelle in «Quell’antica diffidenza che c’è a Roma» apparso oggi sul quotidiano A. Adige


*) nota: l’accoglimento dell’emendamento Biancofiore-Fraccaro e il contestuale affossamento della legge elettorale

Ich habe Angst…

…wenn Landeshauptmannstellvertreter Christian Tommasini (PD), CasaPound, Postfaschist Alessandro Urzì (AAnC), Hardliner Filippo Maturi (Lega) — unter dem Motto »Ich habe keine Angst« — gemeinsam und mit einheitlichem Leibchen gegen den Terrorismus und für »unsere Werte« auf die Straße gehen.

Welche Werte, die nicht genauso verabscheuungswürdig wie der religiös motivierte Terror sind, verkörpern die Faschisten des dritten Jahrtausends, also Menschen, die sich politisch zu den größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts bekennen?

Fotos der Veranstaltung gibt es unter anderem hier und hier.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]

»Bastion Social« geräumt, CasaPound geschützt.

Ende Mai hatten französische NeofaschistInnen beschlossen, dem Beispiel von CasaPound zu folgen und im zweiten Arrondissement von Lyon »zu sozialen Zwecken« ein leerstehendes Haus zu besetzen. Von den italienischen Vorbildern gab es materielle und moralische Unterstützung, Solidaritätsbekundungen (auch in Bozen), Spenden und sogar einen Lokalaugenschein.

Unter der Bezeichnung »Bastion Social« soll(te) von Lyon ausgehend auch in Frankreich eine Bewegung entstehen, die die fortschreitende Armut zu rassistischen Zwecken missbraucht.

Waren den französischen Sicherheitskräften anfangs noch die Hände gebunden, konnte die unnachgiebige Kommunalverwaltung in kurzer Zeit eine Räumungsverfügung erwirken, die gestern mit einem massiven Polizeiaufgebot umgesetzt wurde. Somit ist »Bastion Social« vorerst Geschichte.

Der Unterschied zu Italien könnte größer nicht sein. Von vornherein ließ man die CPI-Recken in Rom gewähren. Unter dem rechten Bürgermeister Gianni Alemanno wurde die Situation der rechten HausbesetzerInnen gar nachträglich saniert — indem die Immobilie (im Wert von 12 Millionen Euro) per Tauschgeschäft aus dem Domänenbesitz gelöst und CasaPound übergeben wurde.

Siehe auch: [1] [2]

«Anticapitalistas» per l’autodeterminazione.
Contro il fondamentalismo costituzionale

Il movimento politico spagnolo Podemos si è sempre detto favorevole a un referendum ufficiale sullo status politico della Catalogna. A fronte di opinioni politiche divergenti al suo interno, però, Podemos ha deciso di non sostenere il referendum unilaterale del primo ottobre (1-O) annunciato dal Governo della Generalitat, perché non frutto di un accordo con Madrid.

Ora però la corrente interna più di sinistra, «Anticapitalistas», proveniente da un’esperienza politica antecedente a Podemos, si è smarcata con un comunicato favorevole all’1-O:

Il Governo della Genearlitat ha annunciato che convocherà un referendum in Catalogna. La data sarà il 1 ottobre e la domanda: «Vuole che la Catalogna sia uno Stato indipendente in forma di repubblica?» Anticapitalistas vuole manifestare che:

  1. Il Governo del PP, appoggiato da PSOE e Ciudadanos, sostiene una posizione immobilista, basata sul «fondamentalismo costituzionale», che nega sistematicamente al popolo catalano il diritto a determinare la sua relazione con il resto dello Stato. È ovvio che questa politica ha l’obiettivo di polarizzare lo scenario politico e utilizzare lo «sciovinismo» spagnolo per serrare le fila intorno a un Governo autoritario, corrotto, al servizio dei grandi poteri economici. La posizione visceralmente antidemocratica del «blocco costituzionale» spagnolo riflette solo i limiti della stessa Costituzione e l’incapacità di questo blocco a organizzare lo Stato mediante il consenso, ricorrendo invece a metodi sempre più autoritari.
  2. Come Anticapitalistas difendiamo la posizione che le leggi non stanno al di sopra della democrazia. Difendere il diritto a decidere significa difendere un diritto democratico fondamentale. È ovvio che ci sono differenze profonde fra noi e chi dirige il processo indipendentista catalano, che applica politiche neoliberali contro il popolo catalano che dice di difendere. Ciononostante il referendum è una richiesta maggioritaria in Catalogna che conta anche con un ampio supporto di settori non indipendentisti. Negarlo significa negare la democrazia e aprirebbe la strada verso posizioni pericolose, dove «votare e decidere» si converte in una «concessione» delle classi dominanti e smette di essere un diritto del popolo.
  3. Appoggiamo il referendum del 1 ottobre e chiamiamo tutta la sinistra dello Stato spagnolo a organizzare la solidarietà verso i diritti democratici del popolo catalano. La costruzione di ponti fra le classi popolari del resto dello Stato e quelle catalane di fronte alla classe dominante passa per la capacità di tessere relazioni di solidarietà critica e generosa, dove la difesa degli interessi comuni non escluda le richieste di una parte. La celebrazione del referendum disobbediente in Catalogna contribuirebbe senza dubbio a accelerare il processo destituente nel resto dello Stato spagnolo, aiutando ad approfondire la democrazia e a indebolire il regime del 1978.

Traduzione: BBD

Vedi anche: [1] [2] [3] [4]

Puerto Rico hat über politischen Status abgestimmt.

Auf der zu den Vereinigten Staaten von Amerika gehörenden Karibikinsel Puerto Rico, die ein sogenanntes Außengebiet darstellt, fand am Sonntag eine Volksabstimmung über den politischen Status statt. Drei Optionen standen zur Wahl: Die Beibehaltung des Istzustandes, die Umwandlung in einen Bundesstaat der USA sowie die staatliche Unabhängigkeit. Hätten sich die Menschen mehrheitlich für letzteren Weg entschieden, wäre es zu einer zweiten Abstimmung über weitere Details (wie die Möglichkeit einer freien Assoziierung) gekommen.

Bei einer geringen Beteiligung von 23% sprach sich jedoch wie erwartet eine übergroße Mehrheit (97%) für die Umwandlung Puerto Ricos in einen US-Bundesstaat aus. Dabei spielt nicht nur die Tatsache eine Rolle, dass die PuertoricanerInnen schon heute US-StaatsbürgerInnen sind, sondern auch, dass Puerto Rico hoch verschuldet ist — woran die sonderbare und widersprüchliche rechtliche Lage als Außengebiet (vom Supreme Court einst als »foreign in a domestic sense« bezeichnet) nicht unschuldig zu sein scheint. Bei einer vollständigen Integration des Außengebiets in die USA wäre nicht nur eine stärkere finanzielle Unterstützung aus Washington, sondern auch ein derzeit nicht vorgesehener kontrollierter Staatsbankrott möglich.

Zwischen 1967 und 2012 hatte es bereits vier ähnliche Volksabstimmungen gegeben, wobei die Stimmbeteiligung mit 66 bis 79% deutlich höher war, als diesmal. Vor fünf Jahren hatten sich die Abstimmenden zwar bereits für die Umwandlung in einen US-Bundesstaat ausgesprochen, ein außergewöhnlich hoher Anteil an weißen Stimmzetteln hatte jedoch zur Anberaumung eines weiteren Referendums geführt.

Die bescheidene Teilnahme von letztem Sonntag wird die Verhandlungen mit Washington kaum erleichtern. Der Umwandlung in einen Bundesstaat müssten die Vereinigten Staaten, wie es bei einer Angliederung (im Unterschied zu einer Abspaltung) selbstverständlich ist, natürlich ihre Zustimmung geben.

EU-Parlament: Eklat um Minderheitensprachen.
Abgeordnete erkämpfen sich Rederecht

Seit Jahrzehnten kämpfen vor allem katalanische und baskische EU-Abgeordnete vergeblich dafür, im Parlament auch ihre Sprachen sprechen zu dürfen — so wie in ihren Regionalparlamenten und wie im spanischen Senat. Doch nach wie vor gilt in Straßburg und Brüssel das nationalstaatliche Prinzip, wonach nur offizielle Sprachen der Mitgliedsstaaten zugelassen sind.

Südtiroler ParlamentarierInnen, die im EU-Parlament Deutsch sprechen wollen, können dies aufgrund dieser Regelung natürlich tun.

Nun schien jedoch der Zeitpunkt gekommen, wenigstens eine symbolische Ausnahme zu machen: Während der gestrigen Sitzung des EU-Parlaments ging es nämlich um das 25. Jubiläum der Europäischen Charta für Regional- oder Minderheitensprachen, weshalb sich vor allem der katalanische Linksrepublikaner Josep-Maria Terricabras (ERC/EFA) schon seit über einem Monat dafür stark gemacht hatte, einen Übersetzungsdienst für die im Parlament vertretenen Minderheitenvertreter bereitzustellen. So hätte ihnen die Möglichkeit gewährt werden können, sich zu diesem besonderen Thema in ihrer Muttersprache zu äußern.

Wie katalanische Medien berichten, habe es dafür zunächst sogar eine Zusage des Südtirolers Markus Warasin gegeben, der sich im Auftrag von Parlamentspräsident Antonio Tajani (Forza Italia/EVP) mit Belangen der sprachlichen Minderheiten befasst. Doch schlussendlich sei es jedoch trotzdem zu einer Absage gekommen, sodass Vizepräsident Pavel Telička (ALDE), der die Sitzung leitete, noch vor Beginn der Redebeiträge ausdrücklich darauf hinwies, dass der Gebrauch einer nicht offiziellen Sprache nicht möglich sei.

Der Katalane Francesc Gambús (Unió/EVP) blieb davon jedoch unbeeindruckt und hielt seine Rede als erster EU-Parlamentarier der Geschichte auf Katalanisch. Nach zweimaliger Unterbrechung durch Pavel Telička, der — angeblich — zunächst einen Ausfall des Übersetzungsdienstes befürchtet hatte, wurde ihm die Fortsetzung der Rede auf Katalanisch gestattet. Gambús hatte darauf hingewiesen, dass das Reglement seiner Auffassung nach keineswegs den Gebrauch einer nicht offiziellen Sprache untersage, sondern lediglich keine Übersetzung vorsehe.

In der Folge hielten auch die Katalanen Josep-Maria Terricabras (ERC/EFA) und Ramon Tremosa (PDeCAT/ALDE) sowie die Valencianerin Marina Albiol (EU/GUE) ihre Reden auf Katalanisch, Lidia Senra (AG/GUE) auf Galicisch und Josu Juaristi (Bildu/GUE) auf Baskisch.

So macht man auf Diskriminierungen aufmerksam und so erkämpft man sich Rechte und Freiräume.

Hymne… auf deren Abgesang.

Wo, wenn nicht in einem Land wie dem unseren, noch dazu bei einem solchen Anlass, könnte man einen Staatspräsidenten bzw. einen Bundespräsidenten damit konfrontieren, dass Hymnen (Nationalhymnen, umso mehr blutrünstige) obsolet sind?

Natürlich sind die Schützen nicht die glaubwürdigsten Partner für eine derartige Operation. Doch wenn die heimische Intelligenz sich nicht damit begnügen würde, reflexhaft alles abzulehnen, was von jener Seite kommt — um dann ebenso reflexhaft Nationalhymnen zu verteidigen, könnte sie gleichzeitig auf die widersprüchliche Haltung der Schützen hinweisen und Nationalhymnen hinterfragen.

Noch besser wäre freilich, wenn die Intelligenz nicht erst auf den Vorstoß der Schützen reagieren, sondern solche Debatten unabhängig anstoßen würde.

Siehe auch: [1] [2]