»Prügelknabe der ganzen Welt.«

Dieser Beitrag wird mit freundlicher Genehmigung des Autors* wiedergegeben. Er war zunächst am 30. März 2014 in der »Welt« erschienen.

Europa ist der Prügelknabe der ganzen Welt.

von Roland Benedikter

Amerikaner und Chinesen mokieren sich mit Vorliebe über den europäischen Patienten. Doch aufgepasst, auch sie stecken in schweren Krisen. Das alles ist der Preis einer beschleunigten Globalisierung.

In der globalen Diskussion ist es Mode geworden, Europa zu prügeln und auch für nicht europäische Probleme verantwortlich zu machen. Im Gedächtnis bleibt das “Europe-bashing” von US-Präsident Obama, der in den vergangenen Jahren keine Gelegenheit versäumte, dem Kontinent seine Geringschätzung zu beweisen.

Bereits seit dem Präsidentschaftswahlkampf 2008 betont er unablässig, Europa werde im Vergleich mit Asien immer weniger wichtig sein, weil es nicht nur tagespolitisch, sondern strukturell unfähig sei, seine Krisen in den Griff zu bekommen. Tragisch ist, dass man dies bei der zweiten Weltmacht des 21. Jahrhunderts, China, ähnlich zu sehen scheint.

Aufstrebende geopolitische Räume wie Südamerika sprechen inzwischen offen von der Notwendigkeit einer wirtschaftlichen und diplomatischen Abkehr von Europa. Sogar ein “vergessener Kontinent” wie Afrika, der immer stärker von China abhängig wird, hat anlässlich der 50-Jahr-Feiern der Afrikanischen Union vergangenes Jahr die Entscheidung getroffen, Europa zu “vergessen”. Und das unabhängig von Interventionen wie der Frankreichs in Mali.

Die Afrikanische Union war der Europäischen Union nachempfunden, aber ihr neuer Sitz in Addis Abeba ist ein Geschenk Chinas. Viele Afrikaner sind überzeugt, dass der “Plauderklub der Diktatoren” bisher nur ein Spiegelbild des “Plauderklubs EU” war – beide gleichermaßen handlungsunfähig und nutzlos.

Europa wird als Vergangenheitskultur gesehen

Europas angeblicher Abstieg wird aber nicht nur auf den Feldern von Wirtschaft und Politik behauptet. Nicht zu vergessen ist der nachlassende kulturelle Einfluss, der sich im Bedeutungsverlust der europäischen Sprachen und im Rückfall seiner Hochschulen zeigt.

Auch auf dem Gebiet zweier weiterer Schlüsselfelder der globalen Entwicklung: Demografie und Technologie wird Europa als Verlierer gesehen. Europäische Völker werden als zu klein erlebt, um global mithalten zu können.

Die größte europäische Nation, Deutschland, hat 82 Millionen Einwohner und schrumpft. Im Vergleich zu den 315 Millionen Einwohnern der USA oder den 1,35 Milliarden Chinas und den 1,24 Milliarden Indiens, aber selbst zu den 197 Millionen Menschen Brasiliens oder den 143 Millionen Russlands ist das wenig.

Europa wird mit seinem Fokus auf Nachhaltigkeit von praktisch allen anderen großen geopolitischen Zonen als Vergangenheitskultur identifiziert, da diese stattdessen auf Resilienz mittels technologischer Innovation setzen und sich damit als Zukunftskulturen sehen.

Religion und Spiritualität sind auf dem Vormarsch

Zudem wird Europa auch auf dem Feld der Letztbegründungsdiskurse als isoliert angesehen. Dazu gehören insbesondere Religion und Spiritualität. Diese sind in allen großen Weltzivilisationen seit Jahren auf dem Vormarsch.

Sie erleben nicht nur als Politikfaktoren einen beispiellosen Aufstieg, sondern prägen auch die kollektive Vernunft der entstehenden Weltgesellschaft hinsichtlich politischer Werte und Beziehungen mit – außer im als einziger Weltregion starrsinnig säkularen und laizistischen Europa. Diese “Andersheit” Europas dürfte sich in den kommenden Jahren eher verstärken.

Europas Reputation ist also insgesamt auf einem Tiefpunkt. Doch die Rede vom globalen Krisenzentrum Europa ist insgesamt überzogen. Denn die heutige Krise ist nicht europäisch, sondern mindestens tripolar: europäisch, amerikanisch und chinesisch. Auch Amerika steckt unter dem wiedergewählten Präsidenten Obama in der tiefsten ideologischen Polarisierung seiner Geschichte.

Während seine Institutionen funktionieren, ist die Bevölkerung weltanschaulich gespalten, was die politischen Entscheidungsprozesse lähmt. Eine Mitte zwischen beiden Seiten existiert nicht. Republikanern und Demokraten geht es weniger um Sachfragen, sondern um die Grundsatzfrage, was Amerika in Zukunft sein will.

Amerika ist in einem kalten Bürgerkrieg

Das Land befindet sich in einer Art “kaltem Bürgerkrieg”. “Corporate Democracy”, der Lobbyismus, der Washingtons Politik dominiert, und die Personenrechte von Unternehmen höhlen das amerikanische Individualitätsprinzip aus. Das wird heute erstmals einer breiten Mehrheit der Bevölkerung bewusst.

Die Erschütterung der heimkehrenden Soldaten aus dem Irak und Afghanistan, die ihre Häuser von Banken enteignet finden, kann kaum beschrieben werden. Außerdem befinden sich die USA unter dem Eindruck des Aufstiegs Chinas in einer “Post-Empire”-Depression.

Es könnte in dieser Lage sein, dass die USA mit ihrer “Asia First” Strategie und ihrer Abwendung von Europa einen der größten strategischen Fehler ihrer Geschichte machen. Denn was wird aus dem von Europa aus begründeten Amerika werden, wenn es seine Wurzeln abschneidet und Jahr für Jahr “pazifischer” wird? Kann es dann überhaupt noch Amerika bleiben?

China dagegen jongliert hart am Rand der Implosion, mit mindestens 90.000 Volksaufständen und Unruhen von je mehr als 500 Menschen im öffentlichen Raum in den Jahren 2011 wie 2012 – und das sind nur die offiziellen Statistiken der Regierung. Internationale Beobachter halten die wirkliche Zahl für doppelt so hoch.

China ist zu schnell gewachsen

Die Gründe liegen in fehlender Basisdemokratie, wachsender sozialer Ungleichheit, Stadt-Land-Gefälle, tausendfachen Zwangsumsiedlungen, Naturzerstörung und massiver Korruption in den Führungsspitzen.

China ist zu schnell gewachsen. Der Übergang von der Billiglohnphase in eine Phase internationaler Angleichung, die Immobilien- und Bankenblasen, der ungelöste Umbau des Finanzsystems und seine immer stärkere globale Einbindung, die brachliegenden Pensionsfonds, der ungebrochene Autoritarismus, der Mentalitätswandel der inzwischen meist im Ausland erzogenen Eliten und die fehlende Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit sind nur einige Dimensionen, die China in den tiefsten Umbruch seit Deng Xiaopings Öffnungspolitik in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre versetzen.

Wie Berater der chinesischen Regierung, etwa Robert Martin Lees oder Ernst Ulrich von Weizsäcker, bereits seit Langem betonen, steht China kurz vor dem inneren Kollaps, wenn es keine Demokratie wird. Das aber ist eine Herausforderung, die der der europäischen Einigung in nichts nachsteht.

Interessanterweise herrscht bei alledem heute in den USA eine ebensolche selbsterfüllende Prophezeiung des Niedergangs wie in Europa, während in China der Mythos des unaufhaltsamen Aufstiegs allmählich von zunehmenden sozialen Problemen unterminiert wird. Beide Gesellschaften haben allerdings den Vorteil eines im Kern ungebrochenen, selbstverständlichen Nationalismus, der sich in Amerika aus der Zivilreligion, in China aus der traditionellen Kultur speist.

Europa negiert den Nationalismus als Kraft

Europa hat diesen Stabilitätsfaktor nicht. Ganz im Gegenteil: Es hat versucht, ihn hinter sich zu lassen. Je mehr Europa, desto weniger Nationalismus – und desto weniger Glaube an die Selbstverständlichkeit des Eigenen.

Aber ist das nur von Nachteil? Könnte sich nicht im Gegenteil nach und nach erweisen, dass Europa der zukunftsweisendere Kontinent ist, weil er etwas ganz Neues und Unerhörtes versucht: nicht nationale Einheit und Expansion wie alle anderen, sondern Einheit in der Vielfalt bei Selbstbegrenzung?

Das ist ein völlig neues Experiment. Es könnte sein, dass Europa als einziger Kontinent Elemente künftiger Ordnung vorwegnimmt, ähnlich wie zum Beispiel die Schröder-Reformen der Agenda von vielen als unnötig oder falsch empfunden wurden, aber heute die Stärke und Modellfunktion Deutschlands begründen.

Die große Frage der kommenden Jahre wird weniger sein, ob Europa der Krisenkontinent ist oder nicht. Sondern, ob es künftig überhaupt noch etwas anderes als “Krise” geben wird, ob “Krise” nicht vielmehr zum Grundmerkmal jeder weiteren globalen Entwicklung wird – und ob Krise daher nicht mehr zyklisch, sondern permanent zu denken ist.

Umbruch wird zum Dauerzustand

Umbruch wird zum Dauerzustand in Zeiten allgemeiner “Gegenwartsschrumpfung” (Herrmann Lübbe), der Kultursubstitution durch Technik und der globalisierten Beschleunigungskultur der neuen Kommunikationsmittel. Deren sozialpsychologischer Einfluss in Echtzeit rund um den Globus macht das internationale Netz auf der einen Seite stabiler, auf der anderen Seite aber zugleich anfälliger für Krisen. Denn sie tendieren dazu, Struktur durch Prozess, Realität durch Einbildung und Stabilität durch Veränderung, wenn nicht Volatilität zu ersetzen. Das ist der Preis für den Geschwindigkeitsgewinn.

Die heutige Krise ist eine Reaktion auf die Globalisierung in allen großen Weltzivilisationen, welche die multipolare Welt der Zukunft ausmachen und in ihrem Wechselspiel gestalten werden. Nach Erreichung eines ausreichenden Sättigungsgrads der vorausgehenden Inkubationsphasen seit 1989–91 ist das derzeitige globale “Krisennetz” ein Zurückscheuen vor dem Realwerden dieser neuen Welt, und zugleich ein Lernen auf sie hin. Sie ist eine Art immunologische Gegenreaktion auf die bisherige Phase der Globalisierung. Sie ist notwendig für die Entstehung einer neuen Ordnung, die die Menschheit stärker zusammenschließen wird.

Europa ist nicht an dieser Konstellation schuld, sondern selbst Ausdruck des Wandels. Europa ist derzeit der international am wenigsten verstandene Kontinent. Da sich geopolitische Räume zusammenschließen und sich erneut Machtkämpfe sehr traditionalistischen Zuschnitts zwischen Großnationen entfalten, versteht die Welt erst unzureichend, dass Europa nicht (mehr) daran interessiert ist, an den neuen “great games”, etwa um die Ukraine, mitzuspielen.

Vielmehr wählt man einen neuen Weg: das Experiment nicht der Selbststeigerung, sondern das des Interessensausgleiches, dem Begrenzung und Verrechtlichung von Beziehungen gewidmet ist. Wer, wenn dieses Experiment auch nur ansatzweise gelingt, dann der wahre Krisenkontinent der Welt ist, wird sich erst noch zeigen.

*) Roland Benedikter, C. Prof. Dott. DDDr., born 1965, is European Foundation Fellow 2009-13, in residence at the Center for Global and International Studies of the University of California at Santa Barbara with duties as Research Professor of Political Sociology, and Research Scholar at the Forum on Contemporary Europe of Stanford University, Visiting Research Scholar 2009 European Institute, Columbia University New York (Kurzprofil: Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft ’Politika’)

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Reinhold Messner und die Demokratie.
Quotation 72

[…] Wenn man sieht, wie erfolgreich China ohne Demokratie ist, dann muss man einfach daran zweifeln, ob unsere Methode unbedingt die beste ist.

Reinhold Messner, der sich im selben Interview als grün-liberaler Denker bezeichnet, auf die Frage des Bezirksblatts »Der Brixner« (Ausgabe Dezember 2012), ob die Demokratie immer noch die beste »Gesellschaftsform« sei.

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Für ein Europa ohne Nationalstaaten.

Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen und der Liberalen im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhofstadt, setzen ein starkes Zeichen für Europa: Sie haben ein umfassendes Manifest für den Umbau der EU veröffentlicht, das konsequenterweise in sechs wichtigen europäischen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Niederländisch) gleichzeitig erschienen ist. Weitere Übersetzungen sind in Vorbereitung, in Griechenland soll das Buch sogar kostenlos verteilt werden.

Unter dem historischen Titel »Für Europa«, den bereits ein Buch des EU-Gründervaters Robert Schuman trug, plädieren der Paradegrüne und der ehemalige belgische Premierminister für eine radikale Demokratisierung der Union und für ihren gleichzeitigen Umbau in eine Föderation. »Wir stehen am Ende von 200 Jahren Nationalstaat«, sagte Cohn-Bendit bei der Buchvorstellung. Das neue Europaparlament, das 2014 gewählt wird, solle eine verfassungsgebende Versammlung einsetzen, die binnen zwei Jahren ein gemeinsames Grundgesetz ausarbeitet, das dann den Bürgerinnen in einem europaweiten Referendum zur Bestätigung vorzulegen sei.

Wichtigste Bausteine für die neue Staatsform wären eine europäische Staatsangehörigkeit, ein vollwertiges Parlament mit Gesetzesinitiative, eine gemeinsame Regierung und ein von allen EU-Bürgerinnen gewählter Präsident. Der Umbau sei einerseits nötig, um das Vertrauen der Bürgerinnen in die Union wiederherzustellen, andererseits verdeutliche die Wirtschaftskrise auch die ihr zugrundeliegenden politischen Mängel. Die nationalen Regierungen verfolgten immer noch zu stark das nationale Interesse, das aber in vielen Fällen dem gemeinsamen Interesse zuwiderlaufe.

Nicht zuletzt habe ein starkes Europa viel bessere Chancen, in der globalisierten Welt zu bestehen — und das keineswegs nur ökonomisch: Auch das das demokratische und gesellschaftliche Modell, das unser Kontinent verkörpert, könne dann besser neben den anderen Polen — wie den USA und China — bestehen.

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The Hong Kong Experience.
What does it mean to “belong to a nation”?

by Joachim Prackwieser

Remember, boy, that behind all these men… behind officers and government, and people even, there is the Country Herself, your Country, and that you belong to her as you belong to your own mother. Stand by her, boy, as you would stand by your mother…!

(Hale, The Man Without a Country: 35)

This passage is taken from the short story The Man Without a Country by the American novelist Edward E. Hale [i], which tells the story of a tragic misfit, Lieutenant Philip Nolan, who had renounced his country under oath and, consequently, was sentenced to spend his life at sea, denied returning to his country ever again. Moreover, the verdict ordered his sentinels to never pronounce the name of “his country” or talk about matters concerning it in his presence. However, not embracing the idea of having a country because he never learnt its meaning, the protagonist has not been affected much by his fate for some time. Yet, it didn’t take long before he grew aware that the people surrounding him, mostly navy soldiers, tied many aspects of their life to this concept by now, thus depriving him of any news and information about the place he was born. It was in this condition that he uttered the above quoted advice to the narrator, surrendering himself to the unifying schemes of the era of the nation states. Much like Hale’s protagonist, Hong Kong people have not been bothered by their lack of national identity [ii]; they have not needed this concept until they were confronted by those of their “motherland” China, who indeed possess such an identity. It was from midnight 1 July 1997 on, when Hong Kong was officially returned to China after 150 years under British colonial rule that the Hong Kong people had to cope intensively with this confrontation.

Before continuing with the period after 1997, a quick glimpse on the origin of the Hong Kong people’s lack of national identity shall be offered. First and foremost, it was a matter of colonial rule to keep them at distance from any national identity whatsoever: Hong Kong’s linkage to China was downplayed to legitimate British rule, yet its bonds to Great Britain were downplayed at the same time to prevent the inhabitants from applying for the right of abode in Great Britain. Second, China’s transformation into a communist state greatly facilitated the Hong Kong people’s dismissal of national identity, as it triggered alienation and a sense of menace among them. Mao’s dictatorship that caused turmoil of hitherto unseen scales, e.g. the Great Leap Forward (1958-62) or the Great Proletarian Cultural Revolution (1966-76) ending in tens of millions of deaths, and from which many sought shelter in the British colony, shaped this “refugee mentality” [iii]. It caused the phenomenon of a one-sided development that can be labelled “market mentality” [iv]: In contrast to the two omnipresent and contradictory discourses in most countries, state and market, the greater part of the Hong Kong people have been moulded by only one discourse – that of the market. Hong Kong’s identity became defined by the loyalty to the global market over any state. At the end of this transformation, having taken place during the 1970s and 80s, money and family were all that mattered and could be trusted. In other words, not survival but choice in terms of consumption with little concern about national identity determined people’s lives from then on. This way of thinking even led to a comprehensive rejection of the mentality of the state.

Law (in the common law embodiment) and the introduction of what can be labelled “welfare colonialism” played an important role in providing a frame to this mentality: Large scale riots had broken out in the 60s, triggered by severe social inequality which stemmed from the mesmerizing economic boom Hong Kong was experiencing back then. In this period the colonial government’s very right to rule had been questioned. In order to evade this crisis of legitimacy and close the gap with its citizens, the administration could have introduced some form of representative government. As Jones argues, the government engaged instead in a wider process of hegemonic restructuring by introducing a “consultative machinery to provide readier access to government” accompanied by “an impressive programme of welfare colonialism.” [v] The foremost means to achieve this restructuring was the law that acquired a crucial role in ideological terms, by setting new rules of engagement between state and society. Important in this regard is that law, employed this way, provided an alternative channel of redress and more importantly a means of governance, thus avoiding democratic reform.

Before this background, post-handover Hong Kong has to be read and understood. First of all, the distinction between Hong Kong and Mainland China is apparent in many ways: In Hong Kong mass media and internet are not censored, permanent residency for foreigners is permitted and British rule had a lasting influence on the way of life, core values and the outlook resembling the Western world. Therefore, since 1997 Beijing makes use of different channels to instil the Chinese national identity into the inhabitants of the then instituted Hong Kong Special Administrative Region, a territory under direct supervision of the Central People’s Government. National identity is being taught through mass media, which has been changing its portrayal of Mainland Chinese and China over the past several decades from negative towards very positive and national symbols are omnipresent (e.g. the playing of the Chinese national anthem is mandatory before the news). Another important channel to teach Hongkongers to belong to the country is schooling: different measures have been developed to shape the school children’s image of China as their motherland from kindergarten onwards. However, the inhabitants’ reaction to this endeavour is varied. While some Hongkongers are happy to finally be able to embrace a clear sense of identity, many more insist on their distinctiveness. National identity is often reflected upon critically and consciously, where arguments range from the viewpoint that national belonging involves rediscovering one’s long-lost home and roots to the opinion that national belonging means surrendering to state propaganda (think of Lt Philip Nolan). This attitude is readily proven by several protests and bold lawsuits against the Beijing instituted HKSAR Government in the tradition of law as the channel of redress, placing Hong Kong’s courts into a position of guardians of rule of law and human rights, which they assumed with exigent sense of responsibility. Yet, protests diminish in scale and the courts are not armoured for a longstanding fight against Beijing [vi]. A new form of “belonging to the nation” seems to be coined by the Hong Kong people in recent years, consciously or unconsciously. It is one apparently derived from their inherent market mentality, based on the discourse not of the state but of the market. They shift their allegiance towards the country as they might shift their allegiance towards a consumer product, e.g. a young Hongkonger may define his feelings towards the Chinese national flag in terms of whether it is fashionable or unfashionable like adjudicating on a t-shirt, thus totally disregarding its symbolic significance. Especially in the sphere of business, faith in the national market of China serves as a substitute for faith in the Chinese state. In other words, the market enables an alternative form of loyalty to China.

Edward Hale was an apologist of the nation state. Therefore, it is no wonder that he lets embrace his protagonist the concept in the end. However, the Hong Kong experience shows that a different and paradoxical form of belonging to a nation is viable, when “Capitalism as Religion” in Walter Benjamin’s reading has been adopted by a society. Benjamin states in this essay that capitalism is a “Kultreligion, vielleicht die extremste, die es je gegeben hat. Es hat in ihm alles nur unmittelbar mit Bezug auf den Kultus Bedeutung, er kennt keine spezielle Dogmatik, keine Theologie.” [vii] Capitalism thus permits such a society to reject the Dogmatik and Theologie of the state, yet at the same time to develop bonds to it through a consumerist approach.

The ensuing questions come intuitively to my mind (while many more could be developed):

  • Can a Hong Kong style market mentality be traced among South-Tyrolese of Austro-Hungarian descent, where “money and family are all that matters and can be trusted”?
  • If this is the case, does it assume a similar role of accepting some and rejecting other symbols representing the Italian state over time, grounding on a consumerist choice (not only symbols like flags but also sports and cultural idiosyncrasy like music, food etc.), while largely rejecting the state as an abstract reference point?
  • Consequently, have these South-Tyrolese already learnt to appertain to the Italian nation to a certain degree as the people of Hong Kong have done to China?
  • Yet, interestingly, more and more South-Tyrolese voice the opinion that South Tyrol should declare independence because Italy’s economic situation endangers South Tyrol’s prosperity. Is this a step beyond the Hong Kong experience (there, China is the prosperous giant supporting Hong Kong, which had been severely struck by the Asian Crisis), i.e. a society based on the market mentality is not only able to adapt to an alien nation, but at the same time can easily renounce this nation when the sine qua non of this mentality, the economy itself, is jeopardised?

[i] Hale, Edward Everett. The Man Without a Country: And Other Tales. Boston: Roberts Brothers, 1888.

[ii] National identity is a modern phenomenon that only fully permeated the people when they began to feel that they intrinsically belong to a nation to which they should “naturally” be loyal. Cf. Gellner, Ernest. Nations and Nationalism. Ithaca: Cornell University Press, 1983. According to Eriksen, “urbanization and individualism create a social and cultural vacuum in human lives… Nationalism promises to satisfy some of the same needs that kinship [and religion] was formerly responsible for”. Cf. p. 107 in Eriksen, T. H. Ethnicity and Nationalism: Anthropological Perspectives. London: Pluto Press, 2002.

[iii] Cf. p. 15 in Mathews, Gordon, Eric Kit-wai Ma and Tai-lok Lui. Hong Kong, China : Learning to Belong to a Nation. Abingdon: Routledge, 2008.

[iv] Ibid.

[v] Cf. p. 46 Jones, Carol. “Politics Postponed: Law as a Substitute for Politics in Hong Kong and China.” In Law, Capitalism and Power in Asia : The Rule of Law and Legal Institutions, edited by Kanishka Jayasuriya. London; New York: Routledge, 1999.

[vi] Art 158 of Hong Kong’s “mini-constitution”, the Basic Law, provides Communist China’s centre of power, the Standing Committee of the National People’s Congress, to have the last say on interpretational issues of the Basic Law, thus deviating considerable influence from Hong Kong’s courts towards Beijing.

[vii] Benjamin, Walter, Theodor Wiesengrund Adorno, and Gershom Gerhard Scholem. Gesammelte Schriften. 6, [Fragmente vermischten Inhalts – Autobiographische Schriften]. Edited by Rolf Tiedemann and Hermann Schweppenhäuser. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1985, pp. 100-102.

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Himmelsstürmerin.

auf Hinweis von Thomas Benedikter.

Nvit: Kadeer.

Nvit/Einladung/Invito: EUR.AC 26.01.2010

Rebiya Kadeer, Menschenrechtsaktivistin und Stimme des uigurischen Volkes.

Programm
10.00 Uhr Filmvorführung »Chinas Staatsfeindin Nr.1« Ⓓ
11.00 Uhr Vortrag von Rebiya Kadeer

20.00 Uhr Vorführung des Films »The 10 conditions of love« [EN] und Diskussion mit Rebiya Kadeer im Filmclub

Freier Eintritt.

Rebiya Kadeer, una donna in lotta per il riconoscimento dei diritti civili del popolo uiguro.

Programma
ore 10.00 proiezione del film «Chinas Staatsfeindin Nr.1» Ⓓ
ore 11.00 incontro con Rebiya Kadeer

ore 20.00 visione del film «The 10 conditions of love» [EN] e discussione con Rebiya Kadeer al Filmclub

Ingresso gratuito.

Grundrechte Minderheitenschutz Termin | | Thomas Benedikter | | China Südtirol/o | Eurac GfbV | Deutsch Italiano

Medaillenspiegel.

Turin06.Olympische Winterspiele in Turin 2006. Endstand.

(Gold – Silber – Bronze)

11-12-6 Deutschland
9-9-7 Vereinigte Staaten
8-6-8 Russland
7-10-7 Kanada
7-2-5 Schweden
6-5-7 Österreich ¹ ²
6-3-2 Südkorea
6-2-2 Gesamttirol ¹ ³
5-4-5 Schweiz
4-0-5 Italien ¹ ²
3-2-4 Frankreich
3-2-4 Niederlande
3-0-0 Estland
2-8-9 Norwegen
2-4-5 China
1-2-1 Tschechei
1-2-0 Kroatien
1-0-2 Südtirol ¹
1-0-1 Australien
1-0-0 Japan
0-6-3 Finnland
0-1-1 Polen
0-1-0 Weißrussland
0-1-0 Bulgarien
0-1-0 Großbritannien
0-1-0 Slowakei
0-0-2 Ukraine
0-0-1 Lettland

Medaillen für Tirol:

  • Armin Zöggeler (Gold), Kunstbahnrodeln
  • Benjamin Raich (2xGold), Riesentorlauf und Slalom
  • Andreas Linger/Wolfgang Linger (Gold), Rodeln (Doppelsitzer)
  • Christoph Bieler (Gold), Kombination (Teambewerb)(2)
  • Andreas Widhölzl/Andreas Kofler (Gold), Skispringen (Teambewerb)(2)
  • Niki Hosp (Silber), Slalom
  • Andreas Kofler (Silber), Skispringen
  • Oswald Haselrieder/Gerhard Plankensteiner (Bronze), Rodel-Doppelsitzer
  • Gerda Weissensteiner (Bronze), Zweierbob (Teambewerb)(2)

¹ Teambewerbe wurden jeweils beiden Mannschaften zugeordnet;
² Ohne Tirol;
³ Nord-, Süd-, Osttirol;

Dazu eine aktuelle Diskussion.

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