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Banane für schwarzen Rugbyspieler.
Rassismus

Der Rugbyspieler Cherif Traorè hat einen besonders ungeheuerlichen rassistischen Zwischenfall bekanntgemacht. Im Rahmen der Weihnachtsfeier seines Clubs, Benetton Treviso, wurde dem in Guinea geborenen Spieler beim Wichteln von einem anonymen Mitglied der Mannschaft eine verfaulte Banane geschenkt. Nicht sosehr die damit verbundene rassistische Botschaft selbst habe den 28-Jährigen, der auch in der italienischen Nationalmannschaft spielt, eigenen Angaben zufolge verletzt, sondern vor allem die ausgrenzende Reaktion seiner Teamkollegen, die auf das vergiftete »Geschenk« mit Gelächter reagiert hätten, als wäre nichts dabei.

Vor allem ausländische Freunde seien es gewesen, die in der Folge versucht hätten, ihn zu unterstützen, so Traorè. Außerhalb von Italien würden derartige Gesten streng verurteilt.

Die ganze Nacht habe er nach der Weihnachtsfeier wach gelegen — dann habe er den Beschluss gefasst, via Instagram an die Öffentlichkeit zu gehen, um einen Beitrag zur Rassismusbekämpfung zu leisten. Oft genug habe er rassistische Äußerungen einfach hingenommen.

Erst kürzlich hatte die schwarze Volleyballspielerin Paola Egonu das italienische Nationalteam verlassen, weil sie es satt hatte, fortwährend nach ihrer eigentlichen Herkunft und zu ihrer Italianität befragt zu werden.

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Flaggensalut statt Minderheitensprache.

Auf den Vorschlag, die venetische Sprache in den Schulen einzuführen, antwortet Senator Carlo Calenda, Parteisekretär von Azione, auf Instagram so:

Schwärzung von mir

Einem Land, das gerade eine ultrarechte Regierung gewählt hat, diagnostiziert er — der übrigens bis vor wenigen Jahren im sozialdemokratischen PD war und von diesem im Vorfeld der letzten Wahl erneut umworben wurde — mangelnden Sinn für die (nationale) Einheit und zu wenig (republikanischen) Patriotismus. Außerdem hält er die Kenntnis der italienischen Sprache für unzureichend und denkt offenbar, dass dies ausgerechnet durch (aufgezwungene) Monolingualität verbessert werden könnte. Dazu postet er ein Bild des im Faschismus (zu Ehren des berühmten Republikaners Viktor Emanuel II) fertiggestellten Altar des Vaterlandes mit einer riesengroßen Trikolore und fordert, statt der Minderheitensprache Venetisch »Institutionelle Erziehung« und »Flaggensalut« einzuführen.

Das ist auf so vielen Ebenen abwegig und gleichzeitig aufschlussreich, dass ich es einfach nur als weiteres Beispiel für das Versagen der italienischen Mitte- und Linksparteien unkommentiert stehenlassen will.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5 ‹6 ‹7

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Autoritäres Demokratieverständnis.
Fratelli

Hatten wir eine Bestätigung für die Verachtung nötig, die ein Postfaschist für demokratische Grundregeln übrig hat? Ich denke nein. Wir haben sie aber trotzdem bekommen. Folgendes sagt Alessandro Urzì (FdI) über den in Südtirol für eine Mittelinkskoalition zum Senator gewählten ehemaligen Bozner Bürgermeister:

Die Wahl Spagnollis wird Südtirol nicht helfen. Das Land hat einen Vertreter gewählt, der in seiner marginalen, der Opposition vorbehaltenen Rolle nichts zählen wird.1Übersetzung von mir. Original: »Il voto per Spagnolli non servirà all’Alto Adige. Il territorio ha espresso un rappresentante che non conterà nulla nel suo ruolo marginale riservato all’opposizione.«

Der in Venetien gewählte Kandidat, der für sich in Anspruch nimmt, Südtirol im Parlament zu vertreten, sagt ohne Umschweife, dass ein oppositioneller Senator unter einer Rechtsregierung bedeutungslos sein wird.

Hoffentlich hatten die, die dem oppositionellen Urzì im Südtiroler Landtag erst kürzlich beigesprungen waren, damit er nicht zu kurz kommt, nicht etwas anderes erwartet.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3

  • 1
    Übersetzung von mir. Original: »Il voto per Spagnolli non servirà all’Alto Adige. Il territorio ha espresso un rappresentante che non conterà nulla nel suo ruolo marginale riservato all’opposizione.«
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Urzì attackiert Rai Südtirol.
Medienfreiheit

Seit den Wahlen vom letzten Sonntag steht fest, dass die postfaschistische FdI stärkste Kraft im neuen — von der rechtsrechten Koalition um Giorgia Meloni, Matteo Salvini und Silvio Berlusconi dominierten — italienischen Parlament sein wird. Meloni kann daher Anspruch auf das Amt der Ministerpräsidentin erheben.

Mit im Bunde auch das in Vicenza gewählte rechtsradikale Urgestein aus Südtirol, Alessandro Urzì (FdI). Der hat sich jetzt in einem langen FacebookEintrag öffentlich über Rai Südtirol beschwert, dessen Berichterstattung nicht nach seinem Geschmack ausfällt. So stößt er sich zum Beispiel daran, dass der öffentlich-rechtliche Sender seine postfaschistische Partei — wie es auch andere Medien tun — korrekt als postfaschistisch bezeichnet. Chefredakteurin Heidy Kessler habe sogar von einer nationalistischen, zentralistischen und egoistischen italienischen Rechten gesprochen.

Dass ihn Rai Südtirol als »Kammerabgeordneter von Fratelli d’Italia in Vicenza« bezeichnete, missfällt Urzì ebenfalls. Er wittert eine Verletzung des Überparteilichkeitsgebots und droht offen mit Konsequenzen.

Die deutschsprachige Rai fördere »ideologischen Terrorismus«. Hinter der Betonung, dass er nicht in Südtirol gewählt wurde, vermutet er einer Vorgabe der SVP, weshalb Urzì zudem von einem »Propagandasystem« nach DDR-Muster und gar von einem »Einschüchterungsversuch« der Rai faselt, die ihm nichts weniger als den Wohnsitz streitig mache. Dabei habe FdI doch nur »großzügigerweise« eine italienische Vertretung für Südtirol im Parlament gewährleisten wollen — über die aber, einem sonderbaren Demokratieverständnis folgend, die Wählerinnen in Venetien und nicht jene in Südtirol zu befinden hatten.

Wenn die Stellungnahme von Urzì ein Vorgeschmack auf die kommende Regierungszeit ist, die ja noch gar nicht begonnen hat, können wir uns auf einiges gefasst machen.

Siehe auch 1›

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Urzì difensore della (non) minoranza.

Alle imminenti elezioni politiche il Consigliere provinciale di estrema destra Alessandro Urzì (FdI) sarà candidato a Vicenza, in un collegio considerato «blindato», mentre Michaela Biancofiore (Coraggio Italia) correrà a Rovereto.

Ma il bolzanino Urzì in Veneto non si sente un «paracadutato»? «No — è la risposta —. È una precisa volontà del nostro partito garantire una rappresentanza anche della minoranza italiana in Alto Adige, di cui la scelta condivisa dai vertici nazionali.

— dall’inserto sudtirolese del Corriere, edizione odierna

Nello stesso istante in cui insinua l’esistenza di una minoranza italiana in Italia, Urzì fornisce la prova del contrario: grazie alla sua appartenenza alla maggioranza nazionale l’esponente del partito di Giorgia Meloni può farsi appunto «paracadutare» in qualsiasi zona del territorio «nazionale» per farsi eleggere, mentre chi appartiene a una minoranza nazionale, a maggior ragione se membro di un partito delle minoranze, normalmente non può farlo senza aderire a un progetto e sottomettersi a logiche «nazionali», quindi rinnegando (o mettendo perlomeno a tacere) la propria appartenenza alla comunità minoritaria.

Vedi anche ‹1 ‹2 ‹3

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Blackfacing: Uneinsichtige Arena.

Letzten Freitag hatte die kalifornische Sopranistin Angel Blue bekanntgegeben, dass sie von ihrem geplanten Auftritt in der Arena von Verona zurücktreten würde, wo sie die Oper La Traviata hätte singen sollen. Sie begründete dies damit, dass sich die weiße russische Opernsängerin Anna Netrebko für eine Aufführung von Aida am 8. Juli in der Arena ihr Gesicht schwarz angemalt hatte, was zu Protesten und Polemiken geführt hatte.

Lasst es mich ganz klar sagen: der Gebrauch von Blackface-Makeup ist unter allen Umständen, ob künstlerisch oder nicht, eine zutiefst törichte Praxis, die auf archaischen Theatertraditionen zurückzuführen ist, die in der modernen Gesellschaft nichts zu suchen hat. Sie ist beleidigend, erniedrigend und unverhohlen rassistisch.

— Angel Blue auf Instagram

Übersetzung von mir

Es ist nicht das erste Mal, dass die Arena wegen Blackfacings in die Kritik gerät, und wie immer reagierten die Verantwortlichen auch diesmal mit Unverständnis. Bei der Aida handle es sich um eine historische Produktion, die vom Regisseur Franco Zeffirelli (der übrigens 1994-2001 für FI im italienischen Senat saß) entwickelt worden sei, als Blackfacing — angeblich — noch kein Problem war. Die verschiedenen Länder [der Erde] hätten unterschiedliche Wurzeln, auch ihr kulturelles und gesellschaftliches Gefüge habe sich auf historischen und kulturellen Pfaden entwickelt, die unterschiedlich sind. Deshalb gebe es zum selben Thema in verschiedenen Ecken des Planeten mannigfaltige Sensibilitäten und Herangehensweisen. Zu einer gemeinsamen Auffassung könne man nur durch jahrelangen Dialog und gegenseitiges Verständnis gelangen.

Die somalisch-italienische Schriftstellerin Igiaba Scego veröffentlichte dazu auf Twitter eine vehemente Stellungnahme: Blackfacing sei eine rassistische Praxis, die schwarze Körper herabwürdige, demütige und — als Vorhof zur Gewalt — nur auf ihr Fleisch reduziere.

Jeden Sommer gebe es in Italien Diskussionen zu Blackfacing — nicht als die rassistische Praxis, die es darstelle, sondern als Ausdruck von »politischer Korrektheit«. So werde Rassismus heruntergespielt.

Das geschehe, weil sich Italien in Bezug auf Rassismus trotz seiner brutalen Kolonialgeschichte unschuldig fühle. Über den Rassismus, den das Land verschuldet habe, werde wenig, zu wenig gesprochen.

Obschon sich die Dinge nun dank vieler Menschen afrikanischer Herkunft, Forscherinnen und Lehrender veränderten, gebe es leider immer noch die, die Rassismus und seine Praxis verniedlichten. Sie würden die Bevölkerung verwirren, anstatt Hilfe zum Verständnis bereitzustellen.

Niemand habe nach Angela Blues Rückzug versucht zu verstehen, warum Blackfacing schwarze Menschen verletzt. Weder die Geschichte noch die Gefühle seien berücksichtigt worden. Als Somalisch-Italienerin, Schriftstellerin und schwarze Frau mache sie diese Blindheit für Rassismus sehr traurig.

Um die Verbindung zwischen rassistisch-kolonialem Narrativ und Gewalt in Italien besser zu verstehen, empfiehlt sie abschließend drei Bücher: The Shadow King von Maaza Mengiste, in dem es um den Abessinienkrieg geht. L’Unica Persona Nera nella Stanza von Nadeesha Uyangoda über Rassismus in Italien. Und Colonia per maschi von Giulietta Stefani über die »männliche« Praxis italienischer Kolonisation.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5 ‹6 ‹7 ‹8

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Warum ich es Julien nenne.
In eigener Sache

Einigen wird vielleicht schon aufgefallen sein, dass ich in letzter Zeit mehrmals die Bezeichnung Julien statt Julisch Venetien benutzt habe. Hier möchte ich erklären, warum ich das für richtig halte.

Das Gebiet, das auf Slowenisch und auf Kroatisch gleichlautend Julijska Krajina (Endonym) sowie auf Englisch Julian March (Exonym) genannt wird — was in beiden Fällen soviel wie Julische Mark oder Julisches Grenzgebiet bedeutet —, gehört nur zu einem kleinen Teil zum italienischen Staat und ist dort erheblichenteils mit der Provinz Triest ident.

Die anderen Provinzen der als Friaul-Julisch Venetien bekannten italienischen Region bilden im Wesentlichen das Friaul — während der größte Teil von Julien heute in Slowenien und Kroatien liegt.

Die Bezeichnung Venezia Giulia stammt vom Linguisten Graziadio Isaia Ascoli, der den politisch aufgeladenen Begriff im 19. Jahrhundert gemeinsam mit jenem der Tre Venezie (oder des Triveneto) erfand. Er stellte damit eine angebliche, auch nationale, Zugehörigkeit Tirols südlich des Alpenhauptkamms sowie des Friaul und Juliens zu Venedig in den Vordergrund, was für einige Gebiete als Halbwahrheit und für andere als reine Lüge bezeichnet werden muss.

Vom italienischen Irredentismus wurde die Idee der Venezia Giulia jedenfalls dankbar aufgegriffen, da sie die erwünschte Zugehörigkeit zu Italien legitimierte und die Anwesenheit großer slawischer Bevölkerungsteile verschleierte.

Die im Faschismus offiziell eingeführte und anschließend beibehaltene Benennung ist aber bis heute irredentistisch konnotiert, da eben der größte Teil der sogenannten Venezia Giulia nicht zum italienischen Staatsgebiet gehört. Und immer noch trägt sie auch dazu bei, die slawische Bevölkerung, zumindest im zu Italien gehörenden Teil der Kraijna, unsichtbar zu machen bzw. an den Rand zu drängen.

Nicht zuletzt legitimieren die Begriffe Venezia Giulia und Venezia Tridentina auch die angebliche Existenz des Triveneto, woran ich mich auch indirekt nicht beteiligen will.

Ohne Eigenkreationen wie Julische Mark zu bemühen, werde ich also fortan statt des nationalistisch und imperialistisch konnotierten Namens die neutralere Bezeichnung Julien (im Italienischen Giulia) verwenden — und auch meine älteren Postings entsprechend anpassen.

Siehe auch ‹1 ‹2

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Karsthöhlen: FdI und Skinheads vereint.

Die traditionell politisch rechtsgerichtete Stadt Verona hat seit 2017 in Federico Sboarina einen FdI-Bürgermeister.

Nun wurde bekannt, dass sich am neofaschistischen Tag der Erinnerung — dem morgigen 10. Februar — die Partei des Bürgermeisters und die Neonazis vom Veneto Fronte Skinheads (VFS) an der Piazza Martiri d’Istria Fiume e Dalmazia quasi die Klinke in die Hand geben werden. Beide Versammlungen sind von der Gemeindeverwaltung genehmigt, Medienberichten zufolge ist auch davon auszugehen, dass sie sich faktisch zu einer einzigen Veranstaltung vermengen werden.

Ohnehin gibt es sogar personelle Überschneidungen zwischen (ehemaligen) VFS- und FdI-Mitgliedern, zudem parteiübergreifende rechtsextremistische Gruppierungen wie Progetto Nazionale, die die Grenzen im einschlägigen Milieu verschwimmen lassen.

Erst vor wenigen Tagen wurden einige der Neonazis vom VFS wegen eines Überfalls in Como 2017 verurteilt, auch dies konnte aber offenbar nicht verhindern, dass ihnen im Rahmen der Erinnerung an die Karsthöhlen öffentlicher Raum gewährt wird.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4

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