T. Benedikter: Pacta sunt servanda.

In der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins ff ist ein Leserbrief von Thomas Benedikter erschienen, dessen Wortlaut er mir freundlicherweise hat zukommen lassen. Er bezieht sich auf Norbert Dall’Òs Leitartikel der Vorwoche:

Chefredakteur Dall’Ò mag recht haben, dass die Kürzungen im Landeshaushalt auch das Nachdenken über bescheidenere Lösungen fördern werden. Zwangsläufig. Doch Roms Vorgehen in Sachen Finanzautonomie ist ein rechtsstaatlicher Affront. Das Mailänder Abkommen mag für Monti ein unangenehmes Korsett sein, doch kann deshalb nicht kurzerhand das Statut ausgehebelt werden. Schon die von Rom angeordnete und von Superkommissar Bondi umzusetzende Ausgabenkontrolle ist mit der statutarisch verankerten Ausgabenautonomie der autonomen Regionen unvereinbar. Rom darf weder Bozen noch Trient vorschreiben, wie und wo gespart werden muss. Pacta sunt servanda. Es braucht eine Neuverhandlung der Finanzbeziehungen zwischen den Autonomen Provinzen, aber unter strikter Einhaltung der von der Verfassung und dem Statut vorgesehenen Verfahren. Auch wenn sich das bisherige Einnahmenniveau des Landes nicht halten lassen wird, wäre es höchst gefährlich für die Absicherung der Autonomie, wenn Montis Hauruck-Methode durchginge.

Thomas Benedikter, Bozen

Siehe auch:

Medien Recht Wirtschaft+Finanzen | Medienkritik Zitać | Norbert Dall'Ò Thomas Benedikter | ff | | | Deutsch

Hitler-Neid.
Quotation 54

“Super-Mario”, die Griechen und andere EU-Schmarotzer haben sich wieder einmal durchgesetzt. Diese Staaten haben die EU von Anfang an als Selbstbedienungsladen gesehen. Diese Hasstiraden erinnern fatal an die Hitlerzeit. Auch damals erweckten die wirtschaftlichen Erfolge Deutschlands solchen Neid und Hass.

Auszug aus dem Leserbrief von Christian Waschgler aus Dietenheim, erschienen in der heutigen Dolomiten-Ausgabe.

Ein Kommentar zum Inhalt des Leserbriefes erübrigt sich. Es wäre aber an der Zeit, dass das Tagblatt der Südtiroler seine teils völlig unkritische Handhabung von Zuschriften überdenkt. Dass so etwas im Jahr 2012 widerspruchslos veröffentlicht wird, ist nicht rechtfertigbar.

Faschismen Medien | Medienkritik Quote | | Dolo | Griechenland Südtirol/o | | Deutsch

Sudtirolesi.
Quotation 50

Martello, il Comune sudtirolese al 100%

Titolo odierno del Corriere dell’A.A., relativo alla notizia che tutti gli abitanti del comune si sono dichiarati di lingua tedesca.

Davvero un comune — in Sudtirolo — è sudtirolese nella misura in cui i suoi abitanti sono di lingua tedesca? Ma non si può continuare a considerare i cittadini di lingua italiana degli intrusi.

Kohäsion+Inklusion Medien Plurilinguismo | Medienkritik Quote | | Corriere | Südtirol/o | | Italiano

Das Erste: Los von Rom.

Schon interessant: Vor drei Jahren noch wurde der Unabhängigkeitswunsch auf das Hoferjahr zurückgeführt. Jetzt wird er hingegen aufgrund der Krise allein auf das Thema Wirtschaft heruntergebrochen. Komplexität in Recherche und Vermittlung von Sachverhalten scheinen die Stärke von Journalisten nicht zu sein. Andererseits haben sich die hier angezapften, großteils freiheitlichen Informationsquellen zu willfährigen Handlangern der Opportunismus-These gemacht.

Medien Wirtschaft+Finanzen | Medienkritik | | ARD | Südtirol/o | Freiheitliche | Deutsch

Das gute alte Autonomiestatut.

Unter dem Titel »das gute alte Autonomiestatut« hat Georg Mair für die dieswöchige ff einen Leitartikel verfasst, dem zu widersprechen kein Leichtes ist. Dies ist nicht etwa auf die Güte der darin enthaltenen Argumente zurückzuführen, sondern vielmehr auf deren fast vollständige Abwesenheit. Mit einem unheimlichen Drunter und Drüber an Pauschalisierungen, Verallgemeinerungen und Unwahrheiten wird eine sachliche Auseinandersetzung ad absurdum geführt. Trotzdem: Ein Versuch.

Proporz, Bequemlichkeit, beschränkte Mehrsprachigkeit, Trennung, gehemmte Entwicklung — zunächst zählt Mair gleich selbst ein halbes Dutzend Gründe auf, die gegen die Gesellschaftsordnung sprechen, welche aus der Autonomie hervorgegangen ist. Eigentlich das halbe Argumentarium jener, die sich die Überwindung dieser Autonomie wünschen. Ein hilfloser Versuch, ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen? Die angebliche »Tatsache«, die Loslösung vom Nationalstaat sei eine Illusion, untermauert Mair jedenfalls (wie gewohnt) mit keinem einzigen Argument. Es geht nicht, weil’s nicht geht. Und außerdem: Wir leben nicht in einer Diktatur.

Die Schotten, die demnächst über ihren Verbleib im Vereinigten Königsreich abstimmen dürfen, werden meines Wissens auch nicht von einem Despoten aus London unterdrückt — und andersrum leben die Tibeter zwar in einer Diktatur, verlangen aber nichts mehr als eine Südtirolautonomie.

Für Mair zählt: Südtirol ist wohlhabend. Das ist selbstlos. Wer dem vielen Geld die Eigenverantwortung vorzieht, wird von ihm dafür pauschal als Egoist und Fremdenfeind bezeichnet:

Wollen wir etwa in einem Freistaat ärmer werden – eifersüchtig unser kleines Nest gegen Einwanderer und Bettler verteidigend?

Und schließlich: Die Autonomie wird zwar beschnitten. Aber zum Glück nicht aus Minderheitenfeindlichkeit, sondern weil die Regierung Monti neoliberal und zentralistisch eingestellt ist. Na dann! Lehnen wir uns doch einfach zurück und genießen es… es kann nur besser werden.

Medien Minderheitenschutz Politik Vorzeigeautonomie Zentralismus | Medienkritik Sprachgruppenproporz | Georg Mair Mario Monti | ff | Südtirol/o | | Deutsch

Einsprachige Polizei.

Dieses Video ist heute bei Südtirol Online (Stol) erschienen:

Die Polizei, die über die Einhaltung von Gesetzen zu wachen hätte, verletzt offensichtlich wieder einmal die Zweisprachigkeitspflicht. Das ist Stol keinen Kommentar wert.

  • Einsprachige Standbeschriftung.
  • Einsprachiger Schriftzug »Polizia« auf den Skioveralls.
  • Einsprachige Beschriftung des Einsatzfahrzeugs.
  • Einsprachiges Banner »Sciando in sicurezza…«

Siehe auch:

Discriminaziun Grundrechte Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Polizei Service Public Sport Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Medienkritik | | Stol | Südtirol/o | Staatspolizei | Deutsch

Witzgebilde.

zu ff Nr. 02 vom 12. Jänner 2012

In seinem Leitartikel vermischt Norbert Dall’Ò das begriffliche Problem (was ist ein »Freistaat«, was heißt »Vollautonomie«?), welches auch von aufgeworfen wurde, mit der inhaltlichen Frage nach Sinn und Unsinn eines unabhängigen Südtirol. Über die pauschale Verhöhnung von Kleinstaaten als »Witzgebilde« hinaus bleibt er eine Erklärung schuldig, warum wir am Europa der Nationalstaaten festhalten sollten, anstatt es endlich aufzubrechen, um ein bürgerinnen- und realitätsnäheres Modell voranzutreiben.

Siehe auch:

Kleinstaaten Medien Nationalismus Politik | Medienkritik | Norbert Dall'Ò | ff | Südtirol/o | EU | Deutsch