Die fragile Autonomie.

Es brauche keinen Minderheitenschutz mehr. Man solle die Gleichsetzung aller Regionen anpeilen.[…] Die Zeit, in der man das Überleben kleiner Volksgruppen durch Regionalautonomien sichern könnte, sei vorbei meint Palermo. Sein Rezept: Im Gesamtstaat die Menschen- und Bürgerrechte so auszubauen, dass kein Minderheitenschutz nötig ist.

Aus dem ‘Vorausgeschickt’ von Arnold Sorg, Dolomiten, 31.10.2015

Starker Tobak, den hier laut Arnold Sorg nicht ein Rechtsaußenpolitiker auftischt, sondern Francesco Palermo, der unter anderem für die Autonomiepartei SVP im römischen Senat sitzt.
Laut obigen Aussagen gäbe es dann keine kollektiven Schutzrechte für autochthone Minderheiten. Alles würde auf die individuelle Ebene der Bürgerrechte herabgebrochen. Und über allem steht die schützende Hand der Verfassungspatrioten, die den SüdtirolerInnen dann süffikant erklären können, dass es verfassungsrechtlich gar keine SüdtirolerInnen gibt, sondern nur eine, unteilbare italienische Nation, die aufgrund ihrer Verfassung halt auch das Recht einiger ladinisch- und deutschsprechenden ItalienerInnen auf Gebrauch der Muttersprache schützt.

Beinahe im Tagesrhythmus kommt es mittlerweile zu Frontalangriffen auf Südtirols Autonomie. Neben der Diskussion über die Auswirkungen einer zentralistischen Verfassungsreform auf Südtirol, gab es in der vergangenen Woche wiederrum einen Vorstoß für eine italienische Makroregion Triveneto, die natürlich auch Südtirol umfassen würde. Danach kommt es dann meist zu einem Dementi oder einer Relativierung der Aussagen. Nein, natürlich habe man nicht im Sinn die Sonderautonomien abzuschaffen. Es braucht ja nicht viel, die SüdtirolerInnen zu beruhigen. Eine halbherzige Relativierung oder einige anerkennende Worte vonseiten des Staatsoberhauptes oder sonst einer Persönlichkeit, die den Wert der Minderheiten und der Sonderautonomien so im Abstrakten betont.
Eine wirkliche Weiterentwicklung der Autonomie ist in diesem Klima sowieso nicht möglich und die andauernde, notwendige Verteidigungsrolle gegenüber zentralistischen Versuchungen verschlingt Ressourcen, die wir dringend für die Zukunft unseres Landes verwenden könnten.

Angesichts dieser Rhetorik und Dynamik ist es unverständlich, dass die SVP nicht längst den Weg Richtung Eigenstaatlichkeit einschlägt.

Nachtrag vom 3. November: Dieser Artikel bezieht sich, wie ausdrücklich erwähnt, auf einen Beitrag von Arnold Sorg in den Dolomiten (der wiederum auf einen Bericht von Heinz Gstrein Bezug nimmt). Die Richtigkeit der Ausführungen des Tagblatts Dolomiten wird vom Betroffenen, Senator Francesco Palermo, vehement bestritten. Ein Protokoll (Transkript) oder eine Aufnahme der Wortmeldung gibt es bislang nicht.

Das derzeit vorliegende vierseitige Manuskript kann nicht als Beweis dienen, da Sen. Palermo weder alles gesagt haben muss, was in dem Abstract steht, noch ausgeschlossen ist, dass er Dinge gesagt hat, die nicht darin stehen.

Sollte jedoch die Quelle, die unserer Stellungnahme zugrunde liegt, falsch gelegen haben, muss selbstverständlich auch unsere darauf basierende Stellungnahme revidiert werden.

Grundrechte Medien Minderheitenschutz Vorzeigeautonomie Zentralismus | | Francesco Palermo | Dolo | | SVP |

Dreisprachige Uni: Viel Schein, wenig Sein.

Sprachkurs, Erasmus-Aufenthalt? Schön und gut, aber wieso studierst du nicht gleich dreisprachig? Das geht: an der Freien Universität Bozen (unibz) in Südtirol. Denn hier finden die Vorlesungen auf Englisch, Italienisch und Deutsch statt.

So wird auf folgender Webseite für die Universität Bozen geworben. Laut Wikipedia war die 1997 gegründete Universität Bozen gar die erste dreisprachige Universität Europas. Kurioserweise ist die 1776 gegründete Universität Klausenburg in Siebenbürgen (Rumänien) seit 1995 auch eine dreisprachige Universität, und zwar in den Sprachen Rumänisch-Ungarisch-Deutsch.
Lassen wir mal dahingestellt, wem nun der Rekord gebührt, die erste dreisprachige Universität Europas zu sein — es ist gut möglich, dass Bozen tatsächlich die erste Universität war, an der Studiengänge in drei Sprachen angeboten wurden — sondern konzentrieren wir uns auf die Substanz dieses Anspruchs.
Gespräche mit StudentInnen und AbsolventInnen der Universität Bozen lassen hier schon länger eine Schieflage vermuten, was die Wichtung der deutschen Sprache anbelangt. Eine Studentin, die in den Jahren 2011 bis 2013 den dreijährigen Bachelor-Studiengang in Tourismus-, Sport- und Eventmanagement in Bruneck besuchte, hat mir sämtliche Kurse und Fächer nach Unterrichtssprache aufgelistet.

Das Ergebnis ist frappierend:

  • Englisch: 10,5 Kurse (davon zwei Wahlfächer und ein Fach jeweils zur Hälfte Englisch/Deutsch)
  • Italienisch: 8 Kurse
  • Deutsch: 2,5 Kurse (ein Fach jeweils zur Hälfte Englisch/Deutsch)

In dieser Auflistung sind die Sprachkurse nicht berücksichtigt. In unserem Falle sind dies Fremdsprache Spanisch und Fremdsprache Französisch sowie die Vorbereitungskurse Fremdsprache Italienisch für das Studium und Fremdsprache Englisch für das Studium.
Auch ohne diese Kursangebote zu berücksichtigen kommt die Unterrichtssprache Deutsch in Bruneck in den Jahren 2011-2013 gerade mal auf einen Anteil von knapp 12%.

Aufgrund dieses Sprachmix’ ist es wenig verwunderlich, dass angeblich italienischsprachige StudentInnen, die von außerhalb Südtirols nach Bruneck kommen, nach diesem Studium nicht über akzeptable Deutschkenntnisse verfügen. Bei einer solch geringen Anzahl von Fächern mit deutscher Unterrichtssprache bestehen auch immer gute Chancen, dass im Laufe der drei Studienjahre die Unterrichtssprache eines Fachs wechselt und jemand das Studium mit noch weniger als 2,5 Deutschfächern absolvieren kann, wenn er auf den Sprachwechsel bei den Deutsch-Fächern spekuliert.

Hier die Auflistung der Kurse nach Unterrichtssprache für den Master in Innovation and Entrepreneurship an der Universität Bozen, Sitz Bozen, in den Jahren 2014-2015.

  • Englisch: 7 Kurse (davon 1 Wahlfach)
  • Italienisch: 3 Kurse
  • Deutsch: 2 Kurse (davon 1 Wahlfach)

Abzüglich der Wahlfächer könnte ein Student die auf Deutsch unterrichteten Kurse auf einen einzigen minimieren.

Ähnliche Schieflagen sind übrigens auch von der Claudiana zu hören. Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, inwieweit die FU Bozen dem Anspruch einer dreisprachigen Universität überhaupt gerecht wird. Zusätzlich stellt sich für Südtirol die Frage, ob die Zustände an der Universität Bozen eine Blaupause für andere Immersionsexperimente darstellen.

Siehe auch:

Bildung Discriminaziun Kohäsion+Inklusion Plurilinguismo Recherche Sprachpfusch | | | | Südtirol/o | Freie Universität Bozen | Deutsch

Neues Referendum in Schottland.

Nicola Sturgeon, die schottische Regierungschefin, hat ein neues Referendum zur Unabhängigkeit des Landes in Aussicht gestellt. Im Programm für die Regionalwahlen im nächsten Jahr will die SNP (Scottish National Party) einen Zeitplan für ein neues Referendum vorschlagen. Die Rede ist von einem Termin in den nächsten 5 bis 10 Jahren.

Trotz des Unabhängigkeitsreferendums im September 2014, bei dem sich eine Mehrheit für einen Verbleib bei Großbritannien aussprach, konnte die SNP bei den britischen Parlamentswahlen im Mai dieses Jahres 56 von 59 Mandaten gewinnen. Laut einer Meinungsumfrage des Meinungsforschungsinstitutes Ipsos Mori, in Auftrag gegeben vom schottischen Sender STV, würden bei einer abermaligen Abstimmung zur Unabhängigkeit des Landes derzeit 53% für die Unabhängigkeit stimmen.

Die Entwicklung in Schottland zeigt abermals, dass die Einschätzung führender SVP Vertreter falsch ist. Noch im September 2014 erklärte z.B. Senator Karl Zeller, dass die schottische Abstimmung der dümmste Weg war, den Schottland einschlagen konnte, da man damit die Möglichkeit auf Unabhängigkeit über Jahrzehnte verwirkt habe und autonomiepolitisch in London nichts mehr herausschlagen würde.
In diesem Zusammenhang soll ein Vergleich von Günther Heidegger angeführt werden, der vor etlichen Jahren in Vorausgeschickt der Tageszeitung Dolomiten die Selbstbestimmung mit der Jagd verglich. Prinzipiell sei die Selbstbestimmung gut, aber man müsse sicher sein, dass der erste Schuss sitzt, so Heidegger.
Ein Vergleich, der in bestimmter Weise das Gedankengebäude der SVP veranschaulicht, das sich noch an überholten Strukturen orientiert, während Schotten und Katalanen im dritten Jahrtausend angekommen sind und daran arbeiten, mit demokratischen Mitteln undemokratische Strukturen aus der Entstehungsgeschichte der Nationalstaaten (Unantastbarkeit der nationalstaatlichen Grenzen) zu überwinden. Südtirol hat sich aus dieser zukunftsweisenden Entwicklung leider bisher weitgehend ausgeklinkt.

Die SVP wartet auf den »heroischen Schuss«, ohne zu verstehen, dass Selbstbestimmung ein demokratischer, gesellschaftlich breit angelegter Prozess ist, der sich nicht auf einen Schuss reduziert.

Siehe auch:

Grenze Kleinstaaten Medien Selbstbestimmung | Indyref2 | Karl Zeller Nicola Sturgeon | Dolo | Catalunya Scotland-Alba | EU SNP SVP | Deutsch

Selbstbestimmung als klar definiertes Recht.
Quotation 230

Das Selbstbestimmungsrecht ist, wie erwähnt, in der UNO-Charta verankert und sollte deshalb über den engen Kreis von Wissenschaftlern, Diplomaten und Politikern hinaus von einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden. Solange die Mächtigen dieser Erde immer wieder versuchen, das Selbstbestimmungsrecht als ein theoretisches Recht darzustellen, das in der Praxis nicht anwendbar ist, halte ich das für problematisch. Selbst für die Mächtigen dieser Erde schafft dies auf Dauer viel mehr Probleme, als wenn das Selbstbestimmungsrecht ein klar definiertes Recht wird, auf das sich die internationale Staatengemeinschaft geeinigt hat.

Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein, in »Der Staat im dritten Jahrtausend«, Seite 22/23.

Es wird in Erinnerung gerufen, dass die SVP, die das Selbstbestimmungsrecht in ihren Statuten enthält, dieses Prinzip selbst nur mehr als abstraktes, in der Praxis nicht anwendbares Prinzip betrachtet und keinen Beitrag dazu leistet, dass aus dem Selbstbestimmungsrecht ein klar definiertes Recht wird. Zudem leistet die SVP nicht nur keinen aktiven Beitrag, das Prinzip der Selbstbestimmung im Rahmen einer ergebnisoffenen, gesellschaftlich breit angelegten Diskussion zu thematisieren, sie ist eine der Hauptakteurinnen, die eine ergebnisoffene Diskussion verhindert.

Grundrechte Recht Selbstbestimmung | Zitać | | | Liechtenstein | SVP UNO | Deutsch

Demokratische Legitimation staatlicher Macht.
Quotation 223

Demokratie und Selbstbestimmungsrecht sind miteinander verbunden und lassen sich schwer trennen. Entweder glaubt man, der Staat sei ein gottähnliches Gebilde, dem der Mensch zu dienen hat und dessen Grenzen er nicht in Frage stellen darf, oder man ist vom demokratischen Prinzip überzeugt und davon, dass der Staat von Menschen geschaffen wurde, um den Menschen zu dienen. Sagt man Ja zum demokratischen Prinzip, wird man nicht Nein sagen können zum Selbstbestimmungsrecht. Zwar wurde im Völkerrecht von den verschiedenen Staaten versucht, das eine vom anderen zu trennen, aber es ist nie gelungen, eine glaubwürdige Begründung zu liefern.

Die wichtigste Begründung für so eine Trennung ist und bleibt die Behauptung, das Selbstbestimmungsrecht stehe nur Völkern zu und nur die hätten das Recht, einen eigenen Staat zu verlangen. Sind die Basken oder die Kurden kein Volk? Sind die Schweizer oder Liechtensteiner ein Volk? Die Schweizer unterscheiden sich untereinander in Sprache, Rasse und Religion stärker als die jeweiligen Volksgruppen in der Schweiz von ihren Nachbarn in Deutschland, Frankreich oder Italien. […]

Es sind die Zufälle der Geschichte, die den einen das Selbstbestimmungsrecht geschenkt haben und einen eigenen Staat, während er den anderen verwehrt blieb. Wie will man den einen erklären, weshalb ihnen dieses Selbstbestimmungsrecht zusteht und den anderen nicht?

Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein in ’Der Staat im dritten Jahrtausend’, S. 89.

Um dem Prinzip der demokratischen Legitimation nachzukommen wurde in der liechtensteinischen Verfassungsdiskussion der 1990er Jahre ein Modell entwickelt, das es dem liechtensteinischen Volk im Rahmen einer Verfassungsinitiative mit 1.500 Stimmen ermöglicht, eine Abstimmung über die Abschaffung der Monarchie zu verlangen. Die liechtensteinische Monarchie benötigt seither immer das Vertrauen einer Mehrheit der Stimmberechtigten und damit die demokratische Legitimation.

Zusätzlich wurde auch die in der Verfassung verankerte Freiwilligkeit auf Gemeindeebene, was die Mitgliedschaft im Fürstentum Liechtenstein betrifft, eingeführt. Ein ausdrückliches Austrittsrecht auf Verfassungsebene.

Wie sieht es in anderen Staaten bezüglich demokratischer Legitimation der Staatsgewalt aus? Beispielsweise der Artikel 5 der italienischen Verfassung, der von der EINEN und UNTEILBAREN Republik spricht?

Über welche demokratische Legitimation verfügt dieses Prinzip? Über eine Legitimation aufgrund der verfassungsgebenden Versammlung? Welche Auswirkungen hat diese Legitimation auf Südtirol, das über keine Vertreter in der verfassungsgebenden Versammlung verfügte? Unabhängig davon stellt sich die Frage worauf sich das Prinzip der UNTEILBARKEIT der Republik beruft. Wird dieser Grundsatz in gewisser Hinsicht zu einem göttlichen Prinzip erhoben? Dies ließe sich noch im Falle von Prinzipien nachvollziehen, die die Würde des Menschen als unantastbar deklarieren, aber nicht im Falle eines vom Menschen geschaffenen Gebildes, das zudem über keinen demokratischen Rechtstitel hinsichtlich aller die Republik bildenden Regionen verfügt.

Eine Vielzahl an Fragen. Am Demos, also dem demokratischen Prinzip und der demokratischen Legitimation staatlicher Gewalt, kommt eine glaubwürdige Diskussion um eine Neuinterpretation des Selbstbestimmungsrechtes jedenfalls nicht vorbei.

Siehe auch:

Comparatio Democrazia Grundrechte Kleinstaaten Mitbestimmung Politik Recht Selbstbestimmung Zentralismus | Zitać | | | Baskenland-Euskadi Italy Kurdistan Liechtenstein Svizra | | Deutsch

Tunnel-Demokratie.

Am 27. Juli 2015 haben der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher und der Präsident der Region Lombardei Roberto Maroni, ein Einvernehmensprotokoll unterzeichnet, das unter anderem die Aufwertung des Gebietes um das Stilfser Joch vorsieht. Diversen Medien entnimmt man, dass dieses Protokoll einen Straßentunnel unter dem Stilfser Joch vorsieht. Kompatscher redet zwar von einem Eisenbahntunnel, trotzdem wirft das Einvernehmensprotokoll viele Fragen auf:

1. Der demokratiepolitische Aspekt
Warum wird überhaupt ein Einvernehmensprotokoll unterzeichnet, ohne die Materie vorher eingehend im Landtag, mit den betroffenen Gemeinden und der Bevölkerung zu besprechen? Eine neue Verkehrsachse unter dem Stilfser Joch ist jedenfalls ein immenser Eingriff, der nicht unter laufende Geschäftsführung fällt. Entspricht die Vorgehensweise dem Anspruch an Transparenz und neuem Politstil, den LH Kompatscher vor seiner Wahl im Jahre 2013 angekündigt hat?

2. Die Rolle der Makroregion Alpen
In der Mitteilung des Landespresseamtes vom 27.07.2015 wird Maroni wie folgt zitiert.

Das heutige Treffen sei von großer Bedeutung, weil es auch im Hinblick auf den Start der Makroregion EUSALP im kommenden Jahr wegweisend für die Zukunft sei, meinte Maroni. Ab 1. Jänner 2016 werden acht italienische und insgesamt 48 Regionen innerhalb des Alpenbogens in einer Makroregion für gemeinsame Ziele und die gemeinsame Nutzung von EU-Geldern zusammenarbeiten

Es ist jedenfalls nicht nachvollziehbar, dass die Südtiroler Landesregierung nicht verstärkt die schiefe Gleichgewichtslage erkennt, die der Makroregion Alpen zugrundeliegt. 70 Millionen Menschen leben in der Makroregion Alpen. Im eigentlichen Alpengebiet, das von der Alpenkonvention begrenzt wird, leben lediglich 15 Millionen Menschen. In der Makroregion Alpen dominieren die außeralpinen Metropolregionen die eigentlichen AlpenbewohnerInnen im Verhältnis 55 Millionen zu 15 Millionen.
Zu diesem schiefen Gleichgewicht gesellt sich im Falle von Südtirol eine nationalstaatliche Logik. Im Oktober 2013 haben sich die “italienischen” Regionen, einschließlich Südtirol versteht sich, vorab abgesprochen. Nicht mal auf der Ebene einer EU-Makroregion ist Südtirol imstande, die nationale Logik zu durchbrechen und für die Vorgespräche einen anderen als den nationalen Rahmen zu suchen. Beispielsweise Europaregion ergänzt durch Belluno und Graubünden.

Werner Bätzing, eine der wissenschaftichen Koryphäen im Bereich alpiner Entwicklung, äußert sich im Wochenmagazin ff vom 14.05.2015 wie folgt:

ff: Die Alpen werden zunehmend zur Peripherie, andererseits sind sie Abenteuerspielplatz für erholungsbedürftige Städter. Ist das nicht ein Widerspruch?
Werner Bätzing: Peripherie bedeutet ja gerade das. Die Bedürfnisse der Menschen, die vor Ort  leben, spielen keine Rolle mehr, in die Peripherie lagere ich aus, wofür es in den Zentren keinen Platz gibt. Die Peripherie wird der Ergänzungsraum der Großstadt. Wir haben in den Regionen, die an die großen außeralpinen Metropolen anschließen, das stärkste Bevökerungswachstum im gesamten Alpenraum, da boomt es, weil sich dort viele Städter ansiedeln und die Einheimischen verdrängen, so dass die Wohnungspreise steigen. Eine andere Ergänzungsfunktion der Alpen ist, dass die Flächen, die unter Naturschutz gestellt werden – die EU verlangt ja, so und so viel Flächen unter Schutz zu stellen – natürlich nicht in den Metropolen, sondern im benachbarten Alpenraum ausgewiesen werden. Ins Gebirge verlagert man auch einen Großteil der Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Das sind Monofunktionen, bei denen die Großstadt die Alpen als Ergänzungsraum nutzt und als Ergänzungsraum quasi zerstört. Das ist städtischer Imperialismus oder “Kolonialismus”, wie man in Italien oft sagt.
ff: Alpenbewohner leben fremdbestimmt?
Werner Bätzing: Die Fremdbestimmung ist einmal stärker und einmal schwächer ausgeprägt. In Südtirol ist die Fremdbestimmung vergleichsweise schwächer, weil es mitten im Alpenraum liegt, die Distanz nach Norden und nach Süden ist ein Schutz.
ff: Also sollte Südtirol schauen, Distanz zu wahren?
Werner Bätzing: Distanz ist eine große Chance für eine eigenständige Entwicklung. Damit der Raum auch der Wirtschaftsraum für die Menschen bleibt, die dort leben.

Werner Bätzing wirft eine Reihe von hochinteressanten Fragen auf, die dringend abzuklären und zu analysieren sind, bevor man salopp ein Einvernehmensprotokoll unterzeichnet, das Großprojekte im Sinne neuer Verkehrswege beinhaltet.

3. Verkehrstechnische Fragen
Laut verschiedenen Medien steht im Einvernehmensprotokoll nichts von einer Schienenverbindung ins benachbarte Veltlin, vielmehr soll explizit von einer Straßenverbindung die Rede sein. Die alte Idee der alpenquerenden Magistrale Ulm-Mailand läßt grüßen. Verkehrspolitisch eigentlich ein absolutes No-Go.

Doch auch eine Schienenverbindung wirft verschiedenste Fragen auf. In welchem Kontext wird eine Schienenverbindung unter dem Stilfser Joch lanciert? Als Insellösung? Dies ergibt wohl keinen Sinn und wäre höchstens als Treppenwitz zu verbuchen. Wenn es aber keine Insellösung ist, wie sieht es mit der Schienenanbindung von Tirano nach Bormio aus? Auch, wenn die Lombardei erklären würde, diesen notwendigen Lückenschluss im Schienennetz realisieren zu wollen, bedeutet dies noch lange nicht, dass diese Hausaufgaben auch tatsächlich erledigt werden. Es wird in Erinnerung gerufen, dass zwischen Mendrisio (Tessin – CH) und Varese (Lombardei – I) 2008 der Bau einer Bahnverbindung beschlossen wurde. Neben der Funktion als Zulaufstrecke zur Gotthard- und Simplonstrecke soll damit eine Verbindung vom Tessin zum Flughafen Malpensa hergestellt werden. Der Schweizer Abschnitt wurde im Dezember 2014 wie geplant fertiggestellt, auf dem italienischen Teilstück steht wieder mal alles still.

Wenn man in der westlichen Landeshälfte über eine Bahnverbindung diskutiert, sollte man in erster Linie das Projekt einer Verbindung von Mals nach Scuol-Tarasp in Graubünden aufgreifen. Der Schweizer Kanton Graubünden erfüllt, so wie übrigens die gesamte Schweiz, seine eisenbahntechnischen Hausaufgaben schon seit Jahrzehnten vorbildhaft. Eine Bahnverbindung von Südtirol nach Graubünden würde nicht nur zwei Alpenregionen näher bringen in denen dieselben drei Amtssprachen gesprochen werden, sondern in der gesamten westlichen Landeshälfte die Verkehrsgeografie revolutionieren. Von Mals wäre man in 3 Stunden in Zürich, in 7 Stunden in Frankfurt oder Paris und in 8 Stunden in Köln, um nur einige Beispiele zu nennen.

Arch+Raum Comparatio Democrazia Ecologia Grenze Grundrechte Medien Mitbestimmung Mobilität Politik Wirtschaft+Finanzen | Zitać | Arno Kompatscher Roberto Maroni Werner Bätzing | ff LPA | Grischun Lombardia Südtirol/o Svizra Ticino | EU Euregio Lega SVP | Deutsch

Nationaler Airport.

In der ff Nr. 35 vom 9.07.2015, äußert sich Oswin Maurer, Marketingprofessor an der Uni Bozen und ab Oktober 2015 Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, zum Erfolgsrezept des Tourismuslandes Südtirol.
Unter anderem kommt auch der Flughafen Bozen zur Sprache. Und alle, die bisher nicht recht verstehen wollten, warum dieser notwendig ist, werden spätestens nach der Lektüre der nächsten Zeilen wissen, warum dieser absolut notwendig ist.

Oswin Maurer: […] Das Kernproblem aber ist folgendes: Leute, die international anreisen, die wissen nicht, wo Südtirol ist, das sind Länder, da ist Südtirol nicht auf der Karte. Um nach Italien zu kommen, muss ich nach Österreich fliegen. Das ist die psychologische Hemmschwelle.

ff: Für wen ist das eine Hemmschwelle?

Oswin Maurer: Für potentielle Gäste. Lange Fahrten vom Flughafen in die Innenstadt haben sich etabliert. Ein solcher Anschlusstransport von zwei Stunden ist kein Problem. Aber ich fliege nicht nach Österreich, um in Italien Urlaub zu machen. Die Leute sagen nicht Südtirol. Für die ist das Italien. Die gedanklichen Realitäten sind international andere als in Südtirol. Stellen Sie sich vor, Sie müssten nach Sardinien fahren, um nach Korsika zu kommen. Warum sollten Sie das tun? Für jemanden, der nicht genau weiß, wo er hinfährt, ist das schwierig.

Ich frage mich nach diesen Aussagen ernsthaft, für wie blöd uns unsere Marketingexperten eigentlich halten. Ich buche soeben Hotels für eine Wanderreise ins Tessin. Interessanterweise ist es für die Tessiner Tourismuswirtschaft überhaupt kein Problem, die Mailänder Flughäfen als die logistisch beste Anreisemöglichkeit für Flugtouristen anzupreisen. Vom Tessin nach Mailand Malpensa wird soeben an einer direkten Bahnverbindung gebaut. Die Mailänder Flughäfen liegen bekanntlich in Italien und das Tessin in der Schweiz. Die Tessiner Tourismuswirtschaft erkennt in der Promotion der Mailänder Flughäfen für ihre Gäste kein psychologisches Problem, da diese Flughäfen logistisch die naheliegendste Lösung darstellen.
Gar nicht wenige internationale Fluggäste fliegen über die österreichische Hauptstadt Wien, um in die slowakische Hauptstadt Preßburg (Bratislava) zu gelangen oder umgekehrt. Gar nicht zu reden vom Flughafen Kopenhagen, der dank Öresundbrücke auch für Südschweden zum wichtigsten Flughafen geworden ist. Etliche ähnliche Beispiele aus Grenzregionen ließen sich auflisten.
Nicht so unser Marketingguru von der Uni Bozen. Logistisch naheliegend wäre eine Zusammenarbeit mit Innsbruck oder im Interkontinentalbereich sogar mit München. Aber von Logistik scheinen Marketingleute oder Menschen des Spitzenmanagements, die die Welt vielfach auf Flughäfen reduzieren, teils wesentlich weniger zu verstehen als ein Rucksacktourist.
Eine Episode: Im Dezember 1996 gab der Sänger Zucchero am Kronplatz ein Konzert. Eine junge Journalistin wollte mit ihm ein unangemeldetes Interview machen. Sie war der Meinung, dass ich als Türöffner geeignet wäre. So begaben wir uns zum Hotel, wo Zucchero logierte. Der Manager von Zucchero ließ uns tatsächlich vor. Mein Job war es, nun den Manager von Zucchero so lange wie möglich in ein Gespräch zu verwickeln, um die Interviewzeit für meine Begleiterin so lange wie möglich zu gestalten. Ich fragte unter anderem, wie das Team um Zucchero vom vorhergehenden Konzerttermin am 13.12.1996 in Stuttgart nach Bruneck angereist sei, wo das Konzert am 15.12.2015 stattfand. Flug von Stuttgart nach Zürich, dort eine mehrstündige Umsteigezeit und dann Flug von Zürich nach Innsbruck. Von dort dann per Hubschrauber ins Pustertal. Die Flugverbindung Stuttgart-Zürich-Innsbruck wurde damals tatsächlich angeboten. Damals verkehrte ebenfalls noch ein Eurocity-Zug von Dortmund über Stuttgart, München und Südtirol nach Mailand. Die Fahrzeit von Stuttgart nach Franzensfeste war kürzer als die komplexe Flugroute des Zucchero-Managements. Wenn man für den Sänger und sein Team mehrere 1.-Klasse-Abteile gebucht hätte, sicher auch komfortabler als der Check-In-Firlefanz und die Warterei an den Flughäfen. Logistisch also keine sehr sinnvolle Lösung, aber durchaus typisch für die Welt des Managements, die unsere Erde gerne auf Flughäfen reduziert und im Falle unseres Marketinggurus von der Uni Bozen sogar auf Nationalstaaten. Derart ungeschickt hat sich nicht mal das Management von Zucchero angestellt, ansonsten hätte man ja Verona, Venedig oder Mailand anfliegen müssen – aber selbst dieses hat Innsbruck als geeigneten Airport für das Pustertal erkannt.

Wird Südtirol derart unprofessionell vermarktet, dass man beispielsweise nicht in der Lage ist, über eine App den jeweils besten Flughafen aufzulisten? Diese Lösung würde nicht einmal eine institutionelle Zusammenarbeit mit irgendeinem Flughafen notwendig machen. Es geht lediglich darum Daten zu verknüpfen. Anscheinend denkt die SMG tatsächlich darüber nach.
Dass man auch auf institutioneller Ebene außerhalb des (logistisch) einengenden Horiziontes der Nationalstaaten sinnvolle Lösungen aufbauen kann, beweist der trinationale Flughafen Basel-Mulhouse-Freiburg. Dieser Flughafen wird weltweit einmalig von zwei Staaten (Schweiz, Frankreich) betrieben. Da er auch für den südwestdeutschen Raum große Bedeutung hat, bekam er den Zusatz Freiburg. Südbadische Vertreter sind im Verwaltungsrat und im trinationalen Beirat, allerdings ohne Stimmrecht, vertreten (siehe Wikipedia). Wäre ein Euregio-Flughafen Innsbruck-Bozen völlig abwegig?
Für Oswin Maurer wohl die geografische Verwirrung schlechthin. Internationale Flugpassagiere, und solche dürfte der Industriestandort Basel gar einige haben, müssen, ach wie verwirrend, im grenzenlosen Europa nach Frankreich fliegen, um in die Schweiz zu gelangen. Oder von Deutschland über Frankreich in die Welt fliegen.
Wohl alles unvorstellbar für unsere Marketinggurus, die gerne Wasser predigen, aber Wein trinken, sprich viel von Weltoffenheit und Blick über den Tellerrand predigen, um danach nicht einmal in der Lage zu sein, für eine Region logistisch sinnvolle Lösungen zu entwickeln, die sich nicht von nationalstaatlichen Grenzen einengen lassen.

Übrigens, wie ist dieser Ausspruch zu interpretieren? Die Leute sagen nicht Südtirol. Für die ist das Italien. Und ich dachte immer die SMG ist dazu gegründet worden, eine starke Marke Südtirol zu kreieren und zu promoten.
Trotzdem, ganz unrecht hat Oswin Maurer in seiner Annahme nicht. Deshalb ist dies durchaus ein gewichtiges Argument für die Eigenstaatlichkeit Südtirols. Sie würde Südtirol automatisch auf den internationalen Landkarten sichtbar machen. Und gar nicht wenige BesucherInnen werden Luxemburg, Malta, Estland oder andere Kleinstaaten unter anderem deshalb besuchen, da sie aufgrund ihrer Eigenstaatlichkeit international sichtbar sind und nicht nationalstaatlich von einem großen Nachbarn vereinnahmt werden, der sie ihrer Eigenheiten, Erkennbarkeit und Sichtbarkeit beraubt. Auch eine Südtiroler Sportautonomie würde für internationale Sichtbarkeit sorgen und einen entsprechenden Werbeeffekt generieren.

Siehe auch:

Außendarstellung Comparatio Grenze Kleinstaaten Medien Mobilität Nationalismus Sport Tourismus Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Zitać | | ff | Elsass Svizra Ticino | Euregio Freie Universität Bozen | Deutsch

Ist diese SMG glaubwürdig?

Auf der SMG-Webseite wird unter anderem die sogenannte Strategie Südtirol skizziert. Einige Leitbilder könnten ebenso aus einem Thesenpapier von Greenpeace stammen.

Südtirol wird zum begehrtesten Lebensraum in Europa werden, so das Ziel:

Ein gutes Lebensgefühl in einem ansprechenden Ambiente und Umfeld zu haben, reich an Erfahrungen zu werden und bereichert an Beziehungen – dies macht einen wertvollen Lebensraum für Menschen aus. Menschen die an Nachhaltigkeit, Authentizität, Natur und Originalität ein lebhaftes Interesse haben, sind jene Zielgruppe, die Südtirol vor Augen hat, wenn es um die Ansprache für Urlaub, regionale Produkte oder Standortmarketing geht.

Es gilt die Destination Südtirol von sogenannten austauschbaren Zielen und Angeboten abzuheben:

…die nachhaltige Reiserfahrung hingegen bleibt jenen Anbietern vorbehalten, welche authentische Lebensräume und den Mehrwert an persönlicher Erfahrung im Angebot führen, ganz unabhängig von touristischen Saisonen.

Der Südtirol-Urlauber sollte nicht nur sagen, für ein paar Tage ganz nett, aber leben möchte ich hier nicht, sondern beim Südtirol-Urlauber sollte die prinzipielle Vorstellung heranreifen, hier auch leben zu können.
Was sollte der “begehrteste Lebensraum Europas” bieten?

Zum Lebensraum-Konzept gehören aber auch eine nachweislich nachhaltige Energieversorgung der gesamten Region, ein Nahverkehrskonzept für eine weitläufige Region auf dem Niveau einer modernen Stadt, regionale landwirtschaftliche Produkte als Grundpfeiler für die Gastronomie und die Haushalte, energieeffizientes Bauen und eine weitblickende Nutzung der knappen Siedlungsflächen, der Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft, intelligente Versorgungs- und Entsorgungssysteme in den Gemeinden und ein ausgeprägtes und gefördertes Bewusstsein für die Alltagskultur.

Alles, was für den Touristen gut sei, müsse auch für die SüdtirolerInnen gut sein, so der Kern des sogenannten Lebensraum-Konzeptes:

Im Angebot für die Erfahrung der Südtirol-Kunden steht der gesamte Lebensraum, nichts reduziert sich nur auf die Wunschvorstellung der Kunden. Südtirols tägliches Leben, Südtirols Werte und die Südtiroler Lebensart der lokalen Bevölkerung genügen den Ansprüchen an ein touristisches Produkt. Südtirol biedert sich nicht mit billigem Souvenir-Gehabe an und entsagt konsequent Angeboten die nur Gästen und Kunden gefallen würden. Südtirol hat das Selbstbewusstsein, als Ganzes Marke “Südtirol” zu sein. Es gelingt, das Angebot an Gäste und Kunden im Gleichschritt mit dem zu halten, was auch die einheimische Bevölkerung für ihren Lebensraum, für die eigene Freizeitgestaltung und für die eigene Wertvorstellung als gutes Produkt empfindet. Das Lebensraum-Konzept thematisiert, was sich in Südtirol authentisch jeden Tag abspielt, was mit Leidenschaft und Überzeugung gemacht wird und zieht daraus seine Glaubwürdigkeit.

Selbst auf eine sogenannte Südtirol-DNA wird Bezug genommen:

In Kommunikation und Produktentwicklung baut Südtirol auf Menschen, Landschaften und regionale Produkte: Sie sind als DNA fest im Erbgut dieser Destination verwurzelt und als Kombination der Kern des Lebensraum-Konzeptes Südtirol.

Einige Fragen an die SMG:

  1. Wie vereinbart man dieses Leitbild mit der Verwendung der tolomeischen Kunstnamen zulasten der historischen Ortsnamen in allen Märkten, außer dem deutschsprachigen und dem tschechischen?
  2. Wie vereinbart man dieses Leitbild mit der Empfehlung, in englischen Übersetzungen bevorzugt die tolomeischen Kunstnamen und nicht die historisch gewachsenen Ortsnamen zu verwenden?
  3. Ansprüche, wie Nachhaltigkeit und Authentizität verlangen ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, zumindest, wenn man mehr als eine nette Betriebs- oder Marketingphilosophie verfolgt. Ist man als touristische Marketinggesellschaft noch glaubwürdig, wenn man sich weigert in der Kommunikation mit seinen Kunden, die über Jahrhunderte gewachsenen Ortsnamen und Toponyme zu verwenden?
  4. In der Strategie Südtirol ist unter anderem von “Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft” die Rede. Ist man bei der SMG der Meinung, dass die gewachsenen Toponyme völlig losgelöst von dieser Kulturlandschaft zu betrachten sind? Losgelöst in dem Sinne, dass einige Marketing-Gurus willkürlich über deren Verwendung entscheiden können?

Südtirol biedert sich nicht mit billigem Souvenir-Gehabe an und entsagt konsequent Angeboten die nur Gästen und Kunden gefallen würden, so die SMG. Viel schlimmer: Südtirols Tourismuswerbung biedert sich mit Toponymen und Ortsnamen an, die im Rahmen einer Diktatur etabliert wurden. Dass diese Namen in Südtirol fröhliche Urständ feiern und selbst von der Marketinggesellschaft bevorzugt verwendet und empfohlen werden, dürfte weltweit im Kontext demokratischer Rahmenbedingungen einzigartig sein. Zumindest diesen Superlativ dürfte uns kein Mitbewerber streitig machen.

Siehe auch:

Außendarstellung Faschismen Geschichte Kunst+Cultura Landwirtschaft Ortsnamen Tourismus Wirtschaft+Finanzen | Zitać | Ettore Tolomei | | Südtirol/o | | Deutsch