Auch Spar wirbt auf Ladinisch.

Erfreulich: Nach der Omniscom-Gruppe bedient sich auch die Supermarktkette Spar (Aspiag-Gruppe) der dritten Landessprache. Die Eröffnung eines neuen Verkaufspunkts in S. Cristina (Gherdëina) wird an den neuen Bushaltestellen des Verkehrsverbunds im Tal auch auf Ladinisch* beworben. Die Plakate wurden abwechselnd in allen drei Sprachen angebracht.

Wie so oft lobe ich hiermit etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Doch leider ist die Haltung von Spar, auf die Gesamtsituation der ladinischen Sprache projiziert, bis jetzt nichts mehr als eine positive Ausnahme. Es wäre zudem interessant, in Erfahrung zu bringen, ob die ladinische Sprache durch Beschriftungen, Werbung etc. auch in den Spar-Märkten selbst präsent ist.

gratuliert der Aspiag-Gruppe jedenfalls zu diesem Schritt. Kunden bestärken Spar wohl am besten durch ihren Vorzug gegenüber anderen Märkten und indem sie den Respekt für ihre Sprache in Kundenbriefen, Leserpost oder direkt an der Kasse positiv erwähnen. Nur so wird die Gruppe sich angespornt fühlen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumachen.

Siehe auch:

*) Zur vollen Gleichberechtigung der Sprache hat es jedoch auch hier nicht ganz gereicht: Die eigentliche Produktwerbung ist selbst auf dem ladinischen Plakat nur Deutsch und Italienisch. Statt »via Dursan« sollte es außerdem »str. Dursan« heißen.

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Landunter.

Heute ist bekannt geworden, dass die italienische Regierung im Zuge des geplanten Krisenpakets tiefe Einschnitte an bereits beschlossenen und breit beworbenen Förderungen für Energieeinsparungsmaßnahmen vornehmen will. Medienberichten zufolge sollen sogar rückwirkend für 2008 die staatlichen Steuerbegünstigungen entfallen, die etwa bei der energetischen Sanierung eines Gebäudes in Anspruch genommen werden konnten, und im Verheiß derer sich — besonders auch in Südtirol — viele Menschen zu einer solch kostenintensiven Maßnahme entschieden haben.

Ganz abgesehen von der offensichtlichen Dummheit, in Krisenzeiten Einsparungen an nachhaltig-ökologischen Investitionen vorzunehmen, was zusätzlich zielgenau innovative und zukunftsträchtige Unternehmen schädigt — und abgesehen davon, dass wirtschaftsfördernde Maßnahmen wohl anders aussehen — kann man nicht anders als wieder einmal den Kopf zu schütteln, über die eines Rechtsstaates unwürdige Vorgangsweise*.

Rückwirkend Maßnahmen abzuschaffen, auf die sich tausende von Leuten verlassen haben, womöglich ihren finanziellen Ruin in Kauf zu nehmen und somit ihren guten Willen ad absurdum zu führen, ist die beste Methode, das Vertrauen in den Staat nachhaltig zu schädigen, Zentrifugalkräfte zu aktivieren und die Bürgerinnen zum Egoismus und zur Schlaumeierei zu erziehen. Der Staat gegen uns und wir gegen den Staat.

Da soll es Regionen geben, die wollen sich von Dänemark lossagen!

*) Nach meiner Auffassung — ich bin aber kein Jurist — dürfte diese Maßnahme einer Überprüfung durch das Verfassungsgericht nicht standhalten.

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Berührungsangst.

Als ich neulich festgestellt habe, dass ich nicht der einzige bin, der den Kommentar von Robert Menasse in sein Blog gestellt hat, hat mich dies zunächst gefreut. Andererseits hat es mich erstaunt: Vielfach wurde der Text von Leuten übernommen, denen Menasse schonungslos den Spiegel vorhält — anscheinend ohne, dass sie es selbst gemerkt hätten.

Dazu noch einmal einen Auszug aus Menasses Kommentar:

Ihr zweiter Fehler war, nicht den Unterschied zwischen Kritik und der Konsequenz, die man daraus zieht, zu begreifen. Vieles, das Haider brachial kritisierte, war tatsächlich kritikwürdig. Keiner kann politisch Erfolg haben, der nicht die Themen anspricht, die die Menschen bewegen, der nicht gegen eine Situation ankämpft oder anzukämpfen scheint, unter der viele leiden oder die ihnen zumindest auf die Nerven geht. Die Frage, die den Unterschied zwischen Parteien ausmacht, ist doch, welche Konsequenzen man aus der Kritik zieht, welche Lösungsvorschläge man hat.

Haiders Talent bestand darin, vieles zu Recht in Frage zu stellen, und dann glaubwürdig zu sein, auch wenn er falsche Antworten gab. Aber es wurde für alle, die Haiders Gesinnung ablehnten, zur Selbstverständlichkeit, zum Automatismus, schon seine Kritik zu kritisieren und zurückzuweisen, so als erwiese sich Antifaschismus bereits darin, verbissen zu verteidigen, was ein Faschist kritisiert, statt selbst vernünftigere Lösungsvorschläge anzubieten. Jahrzehntelang hatte die linke Intelligenz zum Beispiel die österreichische Nebenregierung durch die Sozialpartner kritisiert, als jedoch Jörg Haider die Sozialpartnerschaft frontal angriff, begannen die Linksintellektuellen sie reflexhaft zu verteidigen.

Das produzierte Schizophrenien, in denen sachliche Diskussionen nicht mehr möglich waren. Haider bekam Zulauf, weil er kritisierte, was viele kritisierten, seine Gegner verloren Zustimmung, weil sie zum Teil wider besseres Wissen eben dies verteidigten. Hätte Haider gesagt, dass zwei Mal zwei vier ist, die Antifaschisten hätten eine neue Mathematik begründet. Hätte er den Kampf gegen den Klimawandel zur Koalitionsbedingung erklärt, die Grünen hätten Braunkohlekraftwerke gefordert.

Genau diesen Fehler haben in Südtirol — nicht erst seit gestern — die linken, die sozialdemokratischen, die ökosozialen Kräfte in großem Stil begangen. Im Grunde seit kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs haben die Linken in Südtirol enorme Berührungsängste mit Themen, die anderswo ganz selbstverständlich zur linken Sphäre gehören. Das ist in erster Linie (aber nicht nur) die Selbstbestimmung. Mit diesem Thema lassen sich hierzulande die Linken von den Rechten vor sich hertreiben, obwohl es eine urlinke und urdemokratische Forderung ist, dass die Bevölkerung frei über ihren Status und den institutionellen Rahmen bestimmen soll. So üben sich Linke und Grüne und wie sie sonst noch alle heißen und hießen in Verrenkungen, um zu erklären, warum gerade sie für die Basisdemokratie, aber gegen die basisdemokratischste aller Abstimmungen sind, und warum gerade sie für die individuelle, aber im gleichen Atemzug gegen die kollektive Selbstbestimmung sind — wo doch das Kollektive zu den historischen Kerninteressen der Linken gehört.

Wenn in Südtirol (einschließlich der Italiener) immer mehr Leute angeben, die Loslösung von Italien zu befürworten, und noch mehr Bürger sich zumindest für eine Abstimmung zu diesem Thema aussprechen, dann wird sich die kategorische und aprioristische Weigerungshaltung von Linken und Grünen auch immer mehr in den Wahlergebnissen niederschlagen. Die Herausforderung, die Fragen von den Antworten zu unterscheiden — und für die Frage von Eva Klotz (und immerhin einem großen Teil der Bevölkerung) drastisch bessere, überzeugendere Antworten anzubieten, als die Rechten — diese Herausforderung nehmen zum Beispiel die Grünen nicht an.

Wie hingegen in der gestrigen »Elefantenrunde« im Rai Sender Bozen sehr deutlich zum Ausdruck gekommen ist, haben etwa die Grünen einen Profilverlust hinnehmen müssen, weil die rechten Parteien umgekehrt keine Angst haben, deren ureigenste Themen mitzubesetzen. Niemand muss heute grün wählen, um den Brennerbasistunnel, den Flugplatz oder neue Skipisten zu verhindern, wenn auch andere Parteien diese Themen im Angebot haben. Der Unterschied könnte in der Antwort liegen.

Das Problem der »linken Hälfte« ist aber freilich nicht auf die Selbstbestimmung beschränkt. Die [öko]sozial[demokratisch]en Parteien schaffen es derzeit nicht einmal, ernsthaft und glaubwürdig für die Autonomie dieses Landes einzustehen. Man kann wohl von einer übertriebenen Gelassenheit vor dem ungebremsten Um- und Abbau wichtiger Säulen unserer Autonomie sprechen, die auf der anderen Seite nicht von einem entschiedenen Einsatz für die Selbstverwaltung kompensiert wird. Niemand verlangt, dass man blind an sämtlichen Mechanismen des Autonomiestatuts festhält, doch wenn etwas verändert werden soll, dann muss dies mit Umsicht geschehen, und das lassen diese Parteien leider vermissen. Der Wähler aber wünscht es.

Die Antwort von Markus Lobis auf meine ernstgemeinte Analyse zur mehrsprachigen Schule etwa, in der er über feine Differenzierungen (nicht etwa pauschale Ablehnung) einfach hinwegsieht, um mit bequemer Voreingenommenheit von Rückzug in den Sprachromantizismus zu schwafeln, ist ein Paradebeispiel für diese Haltung. Darin liegt begründet, warum sich die große Bereitschaft der Südtiroler, mehrsprachige Schulen einzuführen (laut jüngster ff-Umfrage rund 80%) nicht in Wählerstimmen für die »Interethnischen« umsetzen lassen.

Und dass die Linken und Grünen auch bei sozialen Themen nicht mehr die ersten Ansprechpartner sind, wird deutlich, wenn gerade in der Wirtschaftskrise Wähler in Massen von den Grünen und den Arbeitnehmern nach rechts abgewandert sind.

Siehe auch:

Ecologia Grundrechte Medien Mitbestimmung Politik Scola Selbstbestimmung | Zitać | Markus Lobis Robert Menasse | ff | | Freiheitliche Vërc | Deutsch

Na dann mal los!?

Erst heute habe ich per Zufall bemerkt, dass es eine von mir vorgeschlagene Frage in den Fragebogen des Wahlportals www.wahl2008.it geschafft hat — und folglich Spitzenkandidaten mehrerer Parteien vorgelegt wurde.

Die Fragestellung: Befürwortet Ihre Partei die Schaffung einer eigenen Südtiroler Mannschaft zur Teilnahme an internationalen Bewerben?

Erstaunlich: Sechs von neun teilnehmenden Parteien sprechen sich dafür aus. Noch viel erstaunlicher jedoch ist, dass allein jene vier Parteien, die eigene Sportmannschaften befürworten und schon jetzt im Landtag vertreten sind, zusammen 25 von 35 Abgeordneten stellen. Das ist mit 71.4% noch mehr als eine ohnehin schon komfortable Zweidrittelmehrheit. Trotzdem hat der Landtag in der auslaufenden Legislaturperiode keine Anstalten gemacht, diesem Ansinnen Nachdruck zu verleihen.

Was ist denn aber bitte ein Wahlversprechen wert, das trotz einer überragenden Mehrheit im Landesparlament nicht längst in Angriff genommen wurde?

Am Rande muss ich leider zudem vermerken, dass gerade die Grünen und die Bürgerlisten, für die ich eine Wahlempfehlung ausgesprochen habe, eine unabhängige Sportmannschaft ablehnen.

Siehe auch:

Politik Sport Umfrage+Statistik | | | | | Vërc | Deutsch

+++ Umfragen.

Im Auftrag der Süd-Tiroler Freiheit hat das Sozialforschungsinstitut Apollis aus Bozen eine höchst interessante Umfrage zur Selbstbestimmung und zur Unabhängigkeit unter italienischsprachigen Südtirolern durchgeführt.

Die Ergebnisse sind erfreulich, zum Teil unerwartet, und bestätigen weitgehend, was in letzter Zeit aus ähnlich gelagerten, aber weniger seriösen und/oder nicht auf diesen Punkt abzielenden Umfragen hervorgegangen war.

Die Tageszeitung A. Adige veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe ebenfalls eine Analyse zur Befindlichkeit — und den Wahlabsichten — der Italienerinnen im Lande. Daraus geht Positives (wie eine nur marginale Ablehnung der Autonomie und eine hohe Akzeptanz für die Landespolitik hervor), aber auch Bedenkliches (der Wunsch nach einer italienischen Sammelpartei, was die Ethnisierung der Südtiroler Politik noch zusätzlich verstärken würde) hervor.

Ich werde diese Umfrageergebnisse so schnell kommentieren, wie ich etwas Zeit dafür finde.

Siehe auch:

Politik Selbstbestimmung Umfrage+Statistik | | | AA | Südtirol/o | STF | Deutsch

Wider den Methodenzwang.

mit Wertschätzung den Abgewandten

Das Totschlagargument von Unabhängigkeitsgegnern und -zweiflern (wie resignierenden Befürwortern) lautet häufig: Ist nicht, geht nicht. Denn in der Tat gibt es keine juristische Grundlage, auf die man sich in dieser Angelegenheit berufen könnte. Doch ist das Grund genug zu resignieren?

Meines Erachtens gilt, was Wissenschaftstheoretiker und Philosoph Paul Feyerabend für die Forschung feststellt gerade auch für die Politik: Neues wurde immer dann erreicht, wenn Wege abseits definierter Methodiken und Vorschriften eingeschlagen wurden. Gerne auch mit einem Hauch Naivität — denn Dogmatismus kann in einem menschgemachten Bereich erst recht nicht zielführend sein, wenn er schon in der absoluten Wissenschaft versagt.

In diesem Blog habe ich schon mehrfach gezeigt, wie anderswo »Utopisches« erlangt, die Grenze des nicht Machbaren unmerklich und nonchalant verschoben werden konnte. Ohne auf müßige Präzedenzfälle wie Kosovo und Montenegro zurückzugreifen, ist Katalonien — immer wieder Katalonien — ein Meister darin, seine Souveränität happenweise zu erweitern, indem es Einschränkungen aussondiert, in Frage stellt und sukzessive überwindet, anstatt in Zweifeln zu erstarren. Anything goes.

Zwei Fallbeispiele.

① puntCAT: Ein infranationales Territorium hat noch nie ein eigenes Internet-Suffix bekommen, doch Katalonien wünschte diese Anerkennung seiner Eigenständigkeit. “Wenn wir in der ganz richtigen Wirklichkeit noch kein anerkanntes Land sind, so wollen wir dieses Ziel wenigstens in der immer wichtigeren virtuellen Welt erreichen”. Dafür gab es dazumal ganz klare Regeln der internationalen Vergabebehörde ICANN, wonach nur Länder der ISO-3166-1-Länderliste ein eigenes Suffix beantragen können.

Die Katalanen hätten sich enttäuscht zurücklehnen oder in interne Grabenkämpfe verstricken können, wenn sich die Zweifler durchgesetzt hätten. Doch für Katalonien war klar: Wir werden uns nicht a priori damit zufrieden geben, dass nicht geht, was nicht sein darf. Die private puntCAT-Stiftung wurde von öffentlicher Hand immer stärker unterstützt, in einer Sache, die aussichtslos war.

Doch einige Jahre später sollte sich zeigen, dass der Einsatz seine Wirkung nicht verfehlt hat. Über einen Umweg (.cat wurde als erste und bisher einzige Sprach- statt einer Länderdomain vergeben) konnten Widerstände ausgeschaltet, das gesteckte Ziel erreicht werden. Ein Ziel, das man mit Sicherheit nicht erreicht hätte, wenn man auf die Realisten gehört hätte. Denn realistisch hätte es .cat nie geben dürfen und bis heute nicht gegeben.

② Der Sport: Die Katalanen wollen eigenständig an internationalen Sportbewerben teilnehmen, doch internationale Sportverbände, die spanische Politik und vor allem auch das spanische Gesetz sagen unisono: Nein. Katalonien argumentiert: Auch andere infranationale Gebiete — wie Schottland, Wales, die Färöer-Inseln — sind Mitglied internationaler Sportverbände. Ein Widerspruch. Die spanische Politik, die spanische Gesetzgebung können nicht Einfluss nehmen auf überstaatliche Organisationen. Zwei Widersprüche.

Man macht sich also in mühevoller Kleinarbeit daran, zuerst in unbedeutenden, dann (gemäß öffentlicher Auffassung) immer wichtigeren Sportarten die internationale Anerkennung zu erlangen. Man spielt bei internationalen Meisterschaften, zum Teil im etwas offeneren und spanienkritischeren Südamerika mit. Und stets mit tatkräftiger Unterstützung der katalanischen Regierung. Schlussendlich zieht man vor den internationalen Sportsgerichtshof in Lausanne, der feststellen muss, was nicht mehr leugbar ist: Der Ausschluss Kataloniens von internationalen Sportverbänden fußt auf einer Reihe von Widersprüchen und kann juristisch nicht aufrecht erhalten werden.

Jetzt geht es (ganz euphemistisch) »nur noch« darum, die einzelnen Verbände von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Das kann in manchen Sportarten noch Jahre dauern, doch eins ist sicher: Die Katalanen werden nicht aufgeben. Eine Pioniersleistung, die auch uns vielleicht irgendwann zugute kommen wird, da wir nicht mehr werden sagen können: Ist nicht, geht nicht.

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