In der Not: Regionalität?

Da sich die Milchpreise zurzeit in ganz Europa — und auch in Südtirol — im freien Fall befinden, appellierte Landesrat Schuler (SVP) jüngst an die regionale Solidarität der Südtirolerinnen. Er rief dazu auf, verstärkt auf heimische Produkte zurückzugreifen.

Die Stärkung regionaler Kreisläufe sollte uns allen am Herzen liegen, zweifellos.

Andererseits sind Solidarität und Respekt keine Einbahnstraßen. Doch leider kauft man vielen unserer Bauern — und noch viel mehr ihren Genossenschaften sowie dem Bauernbund — das regionale Engagement immer weniger ab.

Dazu gehört nach meiner Auffassung der Einsatz für eine gesunde und lebenswerte Umwelt. Wenn der Bauernbund gerichtlich gegen den Willen von Bürgerinnen und Bürgern vorgeht, ist das sein gutes Recht — aber auch ein fatales Signal für den Respekt vor den Menschen in der Region.

Obst- und Milchgenossenschaften, die direkt und indirekt von Steuermillionen profitieren, schmücken sich zwar gerne mit der Herkunftsbezeichnung »Südtirol«, sind aber immer öfter außerwillens, ihre (hier vertriebenen) Produkte in den Landessprachen zu etikettieren. Zweifelhafte Marktlogik hat halt Vorrang vor sprachlich-kulturellen Eigenheiten, regionaler Authentizität und Respekt für die Verbraucherinnen.

Wenn dann milchverarbeitende Betriebe auch noch gegen eine Euregio-Marke und eine engere Zusammenarbeit in der Europaregion mobilmachen, macht dies deutlich, wie wenig an regionalen Kreisläufen interessiert und wie sehr auf ihr eigenes Wohlergehen bedacht sie sind.

»Regional« sind Produkte nicht allein dadurch, dass sie sich die Region zunutze machen, sie quasi »ausbeuten«. Da gehört schon ein wenig mehr dazu. Vor allem: Gegenseitigkeit.

Siehe auch:

Ecologia Föderal+Regional Gesundheit Plurilinguismo Politik Solidarieté Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Produktetikettierung | Arnold Schuler | | Südtirol/o | Bauernbund Euregio SVP | Deutsch

Der SBB und die Autonomie.

Leserbeitrag von Harald Mair

Es ist gewiss nicht übertrieben, wenn man den Südtiroler Bauernbund (SBB) als gewichtigen Akteur der Südtiroler Politik bezeichnet. So haben der SBB und die Südtiroler Volkspartei (SVP) bekanntlich auch ein sehr gutes Verhältnis zueinander.

In der Ausgabe vom 21. November geht die Verbandszeitschrift des SBB auf den derzeitigen Stand und auf aktuelle Entwicklungen der Südtirol Autonomie ein.

Interessant ist dabei, dass der Bauernbund der Autonomie ein relativ schlechtes Zeugnis ausstellt.

So warnt der Direktor des SBB Siegfried Rinner:

Wenn das so weiter geht, wird unser Autonomiestatut immer mehr zum toten Buchstaben. Damit aber geht uns das wichtigste Instrument verloren, um unser Land selbst so zu regieren, wie wir Südtiroler es für richtig halten.

Es stellt sich also die Frage, in welche Richtung die von SVP-Obmann Achammer und LH Kompatscher beschriebene Evolution der Autonomie und die Politik der kleinen Schritte gehen. Diese Schritte gehen nicht in Richtung Ausbau, sondern vielmehr in Richtung Abbau der Autonomie.

Als ein Beispiel wird die Jagd genannt. Südtirol hat laut Autonomiestatut primäre Zuständigkeiten für die Jagd. Man könnte meinen, dass Südtirol somit keine großen Probleme haben dürfte, Reformen am eigenen Landesjagdgesetz vorzunehmen.

Weit gefehlt! Dazu im Südtiroler Landwirt:

Das Landesjagdgesetz sollte momentan, wenn es nicht unbedingt sein muss, nicht angetastet werden, da die römische Regierung nahezu jede Gesetzesänderung vor dem Verfassungsgericht anficht.

Vor kurzem hatte Landeshauptmann Arno Kompatscher die Südtiroler Autonomie als die beste in Europa bezeichnet. In der Praxis scheint man aber sogar bei relativ geringfügiger Inanspruchnahme dieser Autonomie am Gängelband des Staates zu hängen. Auch die Partnerschaft mit dem PD scheint für die SVP immer mehr zu einer Farce zu werden, wenn die italienische Regierung jede Gesetzesänderung am genannten Gesetz anficht.

Auch die Pläne des Parteivorsitzenden des PD und angeblichen Südtirolfreund, Matteo Renzi, werden im Artikel angesprochen:

Auf politischer Ebene beobachten wir deutliche Zentralisierungstendenzen. […] Die Regierung Renzi knüpft daran nahtlos an. Sie möchte die ausschließliche Kompetenz des Staates in weiteren Bereichen zurückholen, darunter Energie, Zusatzvorsorge, Arbeitssicherheit […] Für uns Südtiroler stellt sich die Frage: Was wird dann aus der Energie-Autonomie und aus den regionalen Zusatzrentenfonds? Und kommen dann noch mehr realitätsferne Auflagen und Strafen zur Arbeitssicherheit? Unter dem Begriff “semplificazione” werden die Gesetzgebungskompetenzen der Regionen immer weiter geschmälert.

Um die Autonomie wieder auf gesunde Beine zu stellen öffnet sich laut SBB-Direktor Rinner jetzt ein Zeitfenster mit zwei großen Diskussionen:

Jene zum Südtiroler Autonomiestatut und jene zur italienischen Verfassung. In diesem Entscheidungsprozess werden die langfristigen Weichen unseres Landes gestellt.

Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Angesichts des Verlaufs der letzten Jahre gibt es jedenfalls Grund zu Skepsis.

Vielleicht ist die größte Chance, um Klarheit in den Kompetenzen zu schaffen und weitere Zuständigkeiten an Land zu ziehen aber bereits vertan worden, indem bei den Verhandlungen zum neuen Finanzabkommen mit dem Staat völlig vom bisherigen Grundsatz abgegangen wurde, neue Zuständigkeiten von Seiten des Landes zu übernehmen und diese auch zu finanzieren und damit durch diese Gegenleistung den Staat finanziell zu entlasten.

Ich bin überzeugt, den Menschen in unserem Land wird es immer klarer, dass wir alternative Modelle zu unserer Autonomie brauchen. Die Brennerbasisdemokratie bietet dazu ein beachtenswertes Modell für ein unabhängiges Südtirol an.

Ecologia Medien Recht Vorzeigeautonomie Zentralismus Zuständigkeiten | Finanzabkommen 2014 Zitać | Arno Kompatscher Harald Mair | | Südtirol/o | Bauernbund PD&Co. SVP Verfassungsgericht | Deutsch

Gli Schützen agli italiani.

di Fabio Rigali

Ieri mattina dopo aver letto le solite polemiche pretestuose e dopo aver sentito in giro tutto ed il contrario di tutto sulla “Freiheitsmarsch“, mi son detto che sarebbe stato il caso di chiarire alcuni dei principali equivoci con un comunicato che avesse, oltre un carattere informativo, anche quello di invito alla partecipazione di quanti vengono sempre dati per esclusi, ovvero i sudtirolesi italiani. L’ho proposto al Landeskommandant Elmar Thaler e lui mi ha subito risposto che era un’ottima idea e mi ha pregato di occuparmene assieme al Kulturreferent, Günther Morat, che è anche un affezionato lettore di . Questo è il testo che abbiamo steso:

Cari concittadini,

la fatidica data del 14 aprile e con essa la nostra annunciata “Freiheitsmarsch” si avvicina, portando con sé polemiche che, spesso di natura strumentale, divengono ogni giorno più roventi. Noi Schützen non siamo un partito, ma come ogni associazione presente in provincia, dal CAI al Bauernbund, ci occupiamo dei temi politici che ci stanno più a cuore; e ci teniamo a dire la nostra, magari in modo un po’ spettacolare, ma restando sempre in una prospettiva pienamente democratica. Per questo è da lunghissimo tempo che abbiamo in mente di fare una manifestazione per spingere la società e la politica ad interrogarsi su quali siano le migliori prospettive per il futuro del Sudtirolo; e non è nemmeno un caso se durante l’anno di celebrazione dei 150 anni d’Italia non abbiamo indetto alcuna grande manifestazione, che avrebbe potuto essere avvertita come provocazione. Nonostante questo oggi si sente spesso dire in giro che quella da noi organizzata sarà una marcia “contro gli Alpini” o addirittura “contro gli italiani”, anche se cioè è del tutto falso. Noi non marciamo contro qualcosa, ma marciano per qualcosa.

Non è colpa nostra se la crisi del debito pubblico, il cambio di governo e le correlate politiche di risanamento sempre più fortemente centraliste, nazionaliste e antiautonomiste siano intervenute proprio nel periodo precedente al raduno nazionale degli Alpini. E, se è vero che non siamo per nulla entusiasti del loro mastodontica adunata dal forte sapore nazionalista, con questa marcia non ci rivolgiamo contro di loro, ma al futuro della nostra (e vostra) Heimat, che è decisamente più importante. Non si tratta perciò affatto di una provocazione, ma di un argomento per noi serissimo. Noi non possiamo tra il resto più dare fiducia ad uno stato, che ha tenuto in piedi come sua guida un signore come Silvio Berlusconi per un ventennio quasi. E non abbiamo nemmeno fiducia in un presidente manager, il cui passato sta proprio in quel mondo delle banche, che ci ha canalizzato verso una crisi mai vista dai giovani d’oggi.

Riguardo invece alla sempre ricorrente affermazione che vogliamo escludere una parte della popolazione, in particolare quella di lingua italiana, dalle nostre visioni per il futuro, vorremmo far innanzitutto notare che l’autonomia si è dimostrata un bene per tutti e che i cospicui tagli al bilancio ed i continui attacchi alle prerogative della Provincia finiranno per ripercuotersi senza distinzioni di lingua. E’ quindi pura calunnia che la nostra marcia sia indirizzata contro qualcuno, ma anzi, ci teniamo ad invitare alla nostra manifestazione quanti di lingua italiana, a prescindere dalle diverse prospettive (Vollautonomie, Freistaat, Euregio, ritorno all’Austria), si preoccupino per il futuro del Sudtirolo e si auspichino una maggior autonomia da Roma. Noi tutti insieme abbiamo dimostrato di aver versato sempre tasse in abbondanza e di aver contribuito alla buona amministrazione della nostra terra. Marciamo insieme e vedrete che il cammino futuro non sarà nuovamente un sentiero diviso!

Fabio Rigali, Gargazon/Gargazzone
Mjr. Günther Morat, Margreid/Magrè

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Toponyme Tatsachen.

Karte 1.

Alpenverein Südtirol (AVS), Landesverband für Heimatpflege, Südtiroler Schützenbund (SSB), Bauernbund (SBB) und Bauernjugend — kurz: die Arbeitsgruppe der Vereine für die Ortsnamenregelung — haben gemeinsam eine Straßenkarte für Südtirol herausgegeben, die einzig die historischen Toponyme des Landes berücksichtigt. Eine löbliche Initiative, zumal in dieser Angelegenheit endlich Tatsachen geschaffen werden. Das Druckstück liefert damit eine ernstzunehmende Diskussionsbasis für die Lösung des scheinbar Unlösbaren und stützt sich auf die wissenschaftliche Arbeit des italienischen Professors Bartaletti (Uni Genua).

Ob der Vorschlag freilich unverändert seinen Weg in ein Toponomastikgesetz finden kann oder nicht, wird einer politischen und gesellschaftlichen Diskussion entspringen müssen. Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass diese und ähnliche Probleme nur im Konsens zwischen den Sprachgruppen nachhaltig und bei gegenseitigem Vertrauen lösbar sind. Erstrebenswert wäre, wie in diesem Blog bereits angeregt, auch eine genaue Untersuchung der Eindeutschung romanischer Ortsnamen in den ladinischen Ortschaften sowie im Vinschgau. Dabei geht es nicht darum, »natürliche« Entwicklungen, Anlehnungen und Verballhornungen rückgängig zu machen, sondern allfällige vorsätzliche »Übersetzungen« und Verfälschungen zu eruieren.

Letztendlich muss die Entscheidung jedoch politisch gefällt werden; außer dem zentralistischen Ansatz des Durnwaldervorschlags – der sämtliche Gemeindebezeichnungen über einen Kamm (und sich um wissenschaftliche Erkenntnisse gar nicht) schert – oder jenes der Union, gilt es etwa auch die basisdemokratische Lösung in Graubünden abzuwägen, wo jede Gemeinde frei den eigenen Ortsnamen und sogar die Amtssprache selbst festlegen kann. Vermutlich müsste man in Südtirol einen »konsensualen« Schlüssel festlegen, damit die jeweils kleinere Sprachgruppe nicht einfach von der größeren überstimmt wird.

Die Karte kann zum Preis von € 2.- (zzgl. € 1.70 Versandgebühr) beim Südtiroler Schützenbund bestellt werden.

Nachtrag: Die Karte weist einen makroskopischen Makel auf, der darin besteht, dass für die ladinischen Ortschaften die deutschen und italienischen Ortsbezeichnungen vermerkt wurden, umgekehrt ladinische Toponyme für Ortschaften außerhalb Ladiniens vollständig fehlen. Das ist als stümperhaft und kulturimperialistisch zu werten und stellt die Arbeit der Arbeitsgruppe in ein äußerst ungünstiges Licht.

Siehe auch:

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