Maturità in bretone grazie alla disobbedienza.

Pochi giorni fa un gruppo di 14 alunne del liceo Diwan di Karaez ha deciso di infrangere le regole e di redigere la prova di matematica dell’esame di maturità nella lingua d’insegnamento bretone e non, come prescritto, in francese.
Questa forma di disobbedienza era nata l’anno scorso, quando 15 maturande, per la prima volta, avevano deciso di fare la stessa cosa. Ma la protesta è rivolta non solo alla discriminazione nei confronti della lingua imposta da Parigi, ma anche allo svantaggio rispetto ad altre lingue, come il basco, già da tempo ammesso come lingua d’esame. Dopo la ribellione del 2018 in realtà l’amministrazione aveva già annunciato che anche al bretone sarà assegnato tale status entro qualche anno, ma le 14 alunne dell’attuale corso non hanno voluto demordere — né rinunciare a quello che considerano un diritto.

Le istruzioni della direzione scolastica sono di correggere solo la parte puramente matematica dell’esame e di considerare come errore ogni spiegazione redatta in una lingua diversa dal francese. Le ribelli dunque rischiano davvero la bocciatura, ma sono disposte a farlo per amore verso la lingua.

Quanti oggi in Sudtirolo sarebbero disposti a rischiare uno svantaggio personale per difendere i diritti linguistici?

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Notre Dame und die Kohärenz.
Quotation 540 // Ein Hilfeschrei

Im Zusammenhang mit dem dramatischen Brand an der Notre-Dame-Kathedrale von Paris hat der Journalist und Politiker David Grosclaude (Partit Occitan) in seinem Blog eine beachtete »Reflexion über den Fetischismus derer, die nicht verstanden haben, dass materielles und immaterielles Kulturgut der selben Rücksicht und der selben Achtung bedürfen« veröffentlicht, woraus ich hier zitiere:

Das materielle Erbe ist nichts ohne das immaterielle. Ohne die Worte, die es begleiten, ohne das Wissen, das sich in ihm verbirgt und das es in Bewegung gesetzt hat, ist ein Monument nichts anderes als ein Haufen Steine.

In dieser Hinsicht waren die Tränen und die Aussagen gewisser Persönlichkeiten während jenes Abends unerträglich. Einige von ihnen lassen täglich Kathedralen und Monumente unseres Erbes vernichten, ohne etwas zu sagen. Es passiert sogar dass sie auf die Glut blasen.

Sie sind Opfer eines Fetischismus, der dazu führt, dass sie vergessen, dass das immaterielle Gut genauso wichtig ist, wie das andere. Beide entwickeln sich im Laufe der Zeit, passen sich an, erleiden Schmähungen, Unfälle, Gewalt: doch wir sollten die gleiche Rücksicht auf sie nehmen. Das ist nicht der Fall.

Die vernichteten Kathedralen, die brennenden Schlösser, die Schätze, die in Rauch aufgehen sind nicht immer jene, die man mit einer Eintrittskarte und dem Smartphone in der Hand besuchen kann.

Wenn uns Mélenchon, Macron, Hollande, Fillon, Sarkozy und die anderen an ihren Emotionen über den Verlust, den der Brand von Notre Dame darstellt, medial teilhaben lassen, kann ich nicht anders, als ihre Unfähigkeit zur Kohärenz zu bedauern. Ich kann nicht vergessen, dass das dieselben sind, die schweigen (oder sich gar freuen), wenn die Kulturmonumente, die unsere Sprachen sind, Schritt für Schritt mangels Achtung und Rücksicht — von einer Politik, die die sprachliche Vielfalt zerstört — vernichtet werden. Dabei sind das Monumente, die so gut es geht Jahrtausende an Historie, Millionen Seiten Literatur und Millionen Tage der Menschheitsgeschichte in sich tragen.

Sie haben aber einen Makel: Sie brennen nicht in einem Mal vor dem Auge einer Kamera ab. Das sind Monumente, die in Stille einstürzen, unterhöhlt werden und sterben.

Selbstverständlich wird man Notre Dame wieder aufbauen müssen, wie man es mit jedem anderen Monument dieser Bedeutung, das gebrannt hätte, auch hätte tun müssen; doch es ist auch Kohärenz gefragt. Das materielle und das immaterielle Erbe vermischen sich.

Die baskische, die korsische, die bretonische, die okzitanische, die katalanische Sprache, die Sprachen der amerikanischen Ureinwohnerinnen, die der Kanakei, die kreolischen Sprachen usw. sind ebenfalls brennende Kathedralen.

Ich habe zum Brand in Paris das Wehklagen derjenigen vernommen, die uns noch vor einigen Tagen, Wochen, Jahren erklärten, dass der Einsturz unserer sprachlichen Kathedralen Schicksal sei und vielleicht sogar gut für den Fortschritt der Menschheit; jedenfalls aber, dass man dabei [untätig] zusehen müsse.

All jene, die nichts für das immaterielle Erbe gemacht haben und die politischen Mittel gehabt hätten, etwas zu tun, haben sich zum Brand von Notre Dame geäußert — von rechts und von links. Seit Jahren versprechen und reden die einen wie die anderen von kultureller Vielfalt, ohne irgendetwas zu tun. Und wenn sie etwas machen, dann immer nur für das, was weit weg ist und exotisch erscheint. Humanismus für den externen Gebrauch, aber nie irgendwas für das, was sie vor der eigenen Nase haben. Dabei müssten sie wissen, dass die Steine keinen Wert haben, außer durch die Geschichte, die sie geschnitten und gezeichnet hat, und durch die Frauen und Männer, die sie erwähnt, benannt, erläutert haben.

Notre-Dame de Paris hätte, auch wenn zur Gänze zerstört, unter der Feder von Victor Hugo weitergelebt, Quasimodo und Esmeralda hätten weiterhin den Geist der Literaturliebhaberinnen bewohnt und damit das Gebäude am Leben erhalten, mit all den anderen, die etwas darüber geschrieben haben.

Übersetzung:

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Sèn Jan muss San Giovanni sein.
Beschämender Entscheid

Mit gestern veröffentlichtem Urteil (Nr. 210/2018) hat das italienische Verfassungsgericht beschlossen, dass die Gemeinde Sèn Jan künftig auch eine italienische Ortsbezeichnung (San Giovanni) braucht. Der Entscheid geht auf eine Anfechtung der angeblich weltoffenen und autonomiefreundlichen Mittelinksregierung von Paolo Gentiloni (PD) Ende Dezember 2017 zurück, über die sich im Regionalrat vor allem einer gefreut hatte: Postfaschist Alessandro Urzì (AAnC). Über die nach meinem Dafürhalten teils wirklich guten Argumente der Region Südtirol-Trentino, wie zum Beispiel

  • der Verweis auf die Situation im Aostatal und in Teilen des Piemont, wo einnamig französiche bzw. frankoprovenzalische Ortsbezeichnungen existieren sowie
  • auf die faschistische Zwangsitalianisierung;
  • der Hinweis darauf, dass sich die italienischsprachige Gemeinschaft vor Ort mit dem Namen Sèn Jan (di Fassa) voll identifiziert und
  • dass die Ortsbezeichnung von der Stimmbevölkerung direktdemokratisch abgesegnet worden sei;
  • das Aosta geltende Zitat des Präsidenten der verfassunggebenden Versammlung, Terracini: »die Ortsnamen und die Eigennamen sind nicht Teil der anderen Sprache, sondern sie sind was sie sind« — ergo: Mehrsprachigkeit ist nicht Mehrnamigkeit;

fährt das Gericht mit einer Argumentationsweise drüber, die fassungslos macht. So dürften die Vorherrschaft der italienischen Sprache — als alleinige Staatssprache und alleinige Sprache des Verfassungssystems (!!) — durch den Minderheitenschutz nicht infrage gestellt und die italienische Mehrheitsbevölkerung nicht benachteiligt werden. Dies gelte ausdrücklich auch für die Ortsnamengebung und dürfe niemals dazu führen, dass eine Minderheitensprache alternativ zur italienischen benutzt wird. Außerdem sei das Primat der italienischen Sprache — Achtung Brechreizgefahr — entscheidend für die fortwährende Weitergabe des historischen Erbes und der Identität der Republik, zudem Gewährleistung für den Fortbestand der italienischen Sprache an sich.

Was ist das für ein »Verfassungssystem«, das solche Urteile hervorbringt? Was soll das für eine bemitleidenswerte Identität sein, die sich von einer kleinen Minderheit wie der ladinischen und einem Ortsnamen gefährdet sieht? Und was können wir uns von einem Staat erwarten, der gleichberechtigte Mehrsprachigkeit so fürchtet und daher vehement bekämpft?

Nachbemerkung vom 27. November 2018: Auch in Frankreich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Zweisprachigkeit nicht Zweinamigkeit ist — weshalb ein öffentliches Büro in der Bretagne den Gemeinden ausdrücklich bretonische Einnamigkeit empfiehlt. Aber was selbst im jakobinischen Frankreich möglich ist, geht in Italien offenbar ganz und gar nicht.

Siehe auch:

Discriminaziun Faschismen Mitbestimmung Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Recht Zentralismus | Italianizzazione | Alessandro Urzì Paolo Gentiloni | | Aoûta-Aosta Breizh-Bretagne France Italy Ladinia Trentino | PD&Co. PDL&Co. Verfassungsgericht | Deutsch

Nordkatalonien gründet Sprachstelle.

Das Rosselló, der zu Frankreich gehörende Teil Kataloniens, wird über eine öffentliche Stelle zur Förderung und Unterstützung der katalanischen Sprache — Oficina Pública de la Llengua Catalana — verfügen. Die neue Institution, die die Position der historischen Landessprache stärken und eine schlagkräftige Sprachpolitik fördern soll, wurde von der Region, dem Département und der Universität Perpinyà (frz. Perpignan) ins Leben gerufen, die auch größtenteils die finanzielle Ausstattung der Oficina bestreiten werden. Ihren Sitz wird sie im Universitätsgebäude und mit Hermeline Malherbe, Präsidentin des départementalen Parlament, eine durchsetzungsstarke erste Vorsitzende haben.

Mit der Schaffung der Oficina Pública de la Llengua Catalana folgt das Roselló dem Beispiel anderer Minderheiten im französischen Staat, wie denen der Bretagne und Korsikas.

Südtirol hat bis heute keine echte Sprachstelle. Den Übergang einschlägiger Zuständigkeiten vom Regierungskommisariat ans Land hat der Staat zudem kategorisch abgelehnt.

Siehe auch:

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Digitale Regungslosigkeit.

Katalonien hat natürlich eins. Dazu das Baskenland, die Bretagne, Galicien. Bayern, Berlin, Paris, Barcelona. Die Färöer schon lange, so wie Grönland und Åland. Außerdem Schottland und Wales. Jenes von Tirol nutzt seit über anderthalb Jahren, doch eins für Südtirol gibt es noch nicht. Die Rede ist von einem eigenen regionalen Internetsuffix — eine der vielen Entwicklungen, die unser Land verschlafen hat. Noch 2013 schrieb die Tageszeitung, das wäre »ein aussichtsloser Kampf«, da Südtirol »wohl kaum eine Sonderbehandlung bekommen« würde. Die Realität hat uns eingeholt, den Blinker gesetzt und überholt.

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Will the Italian language be outlawed?

[In] what other part of the world would it be possible to outlaw the language of the state?

This question of Alessandro Urzì, post-fascist member of South Tyrolean Landtag (parliament), quoted by the BBC, is an interesting one, since it can be answered at different levels:

  • Urzì refers to South Tyrol, where nobody even thinks of outlawing the “language of the state” — neither fully nor partially.
  • However, many propose to withdraw officiality from — some or all — place names invented and imposed by a totalitarian regime, and that’s what we (and the BBC) are talking about.
  • We could also question the concept of a (unique) “language of the state”, since there are many states in the world which have more than one official language without any hierarchy.
  • If we reword Urzì’s question in a more consistent way (i.e. “in what other part of the world would it be possible to withdraw officiality from [imposed] place names [in the language of the state]?”) we could list
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QoG: Korruptionsindex Europa regional.

Der European Quality of Government Index (EQI) ist eine Erhebung des Quality of Government Institute (QoG) der Universität Göteborg und wurde in den Jahren 2010 und 2013 mittels Befragung von 85.000 Bürgerinnen in 206 europäischen Regionen durchgeführt. Das Projekt wird von der Europäischen Union finanziert und ist Teil von ANTICORRP, einem Forschungsnetzwerk zur Korruptionsbekämpfung.

Die hier wiedergegebenen Daten beziehen sich auf das Gesamtergebnis Korruption (ein aggregierter Wert aus den fünf Bestandteilen Fremdeinschätzung Korruption, Eigenerfahrung Bestechung, Korruption im Bildungssystem, Korruption im Gesundheitswesen und Polizeikorruption) im Jahr 2013:

QoG: Korruptionsindex regional.

Grafik zum Vergrößern anklicken.

Zum guten Abschneiden unseres Landes muss relativierend festgehalten werden, dass Südtirols Wert zwischen 2010 (1,1140) und 2013 (0,8825) geradezu eingebrochen ist.

Siehe auch:     

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La Bretagna. E… la toponomastica.

La Francia è sovente considerata il «mangiaminoranze» fra gli stati europei, un giudizio che probabilmente non si discosta molto dalla realtà. Eppure anche lì, tantopiù se consideriamo il contesto estremamente sfavorevole, si osservano sviluppi sorprendenti in relazione alla varietà delle lingue regionali.

La Corsica, complice anche la situazione geografica, è certamente la regione più attenta alle proprie peculiarità linguistiche e culturali. Dalle ultime elezioni l’isola è governata da una coalizione di autonomisti e indipendentisti.

Nelle parti della Catalogna e dei Paesi Baschi che si trovano sotto giurisdizione francese sono le relative sorelle «spagnole» (Catalogna meridionale e, rispettivamente, Hegoalde) a far da traino, in quanto dispongono di forme di autogoverno molto più evolute.

Tuttavia anche in Bretagna al più tardi a partire dagli anni 1990 si registra un certo movimento. La lingua bretone (tradizionalmente parlata solamente nella parte occidentale della Bretagna) era già stata quasi totalmente estirpata, ma attualmente sta conoscendo una pur flebile rinascita.

Vi contribuisce fra gli altri l’Ofis Publik ar Brezhoneg, massima istanza di promozione linguistica, che dalla sua istituzione nel 1999 in poi ha portato a termine numerose iniziative, in parte molto creative — e il cui sito, fra parentesi, sfoggia il nuovo suffisso internet autonomo della Bretagna (.bzh).

Fra le pubblicazioni dell’Ofis troviamo anche una guida molto chiara, indirizzata amministrazioni pubbliche e imprenditori privati, contenente regole e consigli sull’impostazione di cartelli e insegne bilingui.

Dal nostro punto di vista possono essere interessanti soprattutto le raccomandazioni sulla toponomastica, in quanto il Sudtirolo in questo campo sembra aver qualcosa da imparare perfino dalla Bretagna:

Toponomastik Bretagne.
Estratto guida (Ofis Publik ar Brezhoneg)

Accanto all’illustrazione grafica (a destra) già di per sé molto chiara, con la quale si spiega che non è consigliata l’apposizione né della sola denominazione francese (o francesizzata) né di indicazione doppie, bensì solamente di quella bretone, nel testo si fa riferimento al Gruppo di Esperti delle Nazioni Unite sulle Denominazioni Geografiche (UNGEGN/GENUNG). Inoltre viene ribadito espressamente (in grassetto) che il patrimonio toponomastico non va confuso col bilinguismo.

Queste indicazioni sono ancor più sorprendenti se consideriamo che la guida in questione è edita con la collaborazione del Ministero della Cultura e delle Comunicazioni di Parigi.

Chi avesse avuto l’occasione di muoversi nella Bretagna occidentale avrà certamente notato che un numero elevatissimo di località (frazioni, borghi, torrenti, colline…) sono effettivamente indicate solo in versione bretone.

Osservazione: Anche in Bretagna, come in Sudtirolo, si distingue fra macrotoponomastica e microtoponomastica, con quest’ultima di competenza esclusiva dei comuni, mentre la prima (la macro, cioè i nomi dei comuni stessi) è di competenza di livelli di governo superiori.

Vedi anche: [DE]

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