Zum EU-Wahlergebnis 2019.

Fakten und Bewertungen zur gestern Abend zu Ende gegangenen Europawahl 2019 aus -Sicht:

  • Erfreulicherweise ist die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2014 fast überall — teils deutlich — gestiegen. So hoch war sie seit 25 Jahren nicht mehr. Die Europäerinnen interessieren sich also wieder mehr dafür, was in Straßburg und Brüssel passiert. Vielleicht auch eine Reaktion auf den Brexit? Transnationale Listen könnten nun der logische nächste Schritt als Beitrag zur Entstehung einer wirklich europäischen Öffentlichkeit sein.
  • Unter anderem in Frankreich, Italien und Vereinigtem Königreich liegen rechtsradikale und rechtspopulistische Parteien (Rassemblement National, Lega und Brexit-Party) vorn. Die Brexit-Partei wird sogar stärkste Einzelpartei im EU-Parlament sein. Trotzdem bleiben sie auf gesamteuropäischer Ebene unter den Erwartungen (Befürchtungen).
  • Ersten Berechnungen zufolge verfügen EVP (Konservative) und S&D (Progressive) gemeinsam über keine Mehrheit mehr im EU-Parlament. Demnach legen vor allem ALDE (Liberale), Grüne und die EU-feindlichen Kräfte zu.
  • Aus Südtirol — wo die Wahlbeteiligung (62,8% +10,6) ebenfalls gestiegen ist — wird wieder Herbert Dorfmann (SVP) ins Europaparlament entsandt. Alle anderen, insbesondere Grüne (Norbert Lantschner) und Team Köllensperger (Renate Holzeisen) scheitern mit ihren Bündnispartnern wohl an der staatsweiten 4%-Hürde.
    Die SVP ist mit 46,5% (-1,5) wieder stärkste Partei, die Lega mit knapp 17,5% (+11,5) die zweite Kraft. Più Europa (TK) und Grüne schaffen jeweils 11,2% und 8,7%, die PD 6,5% (-9,2).
  • In Nord-/Osttirol liegt die ÖVP (44,4% +12,0) klar vorn. Es folgen FPÖ (15,9% -1,6) und SPÖ (15,0% -1,7), dann Grüne (14,8% -2,7) und NEOS (8,4% -1,3).
  • Im Trentino ist die Lega (37,7% +28,8) erste Kraft. Dahinter folgen mit 25,2% (-17,2) die PD und mit 8,7% (-6,4) die 5SB. Die SVP wird nur noch von 6,5% (-5,5) der Trentiner Wählerinnen bevorzugt.
  • In Aosta konnte die autonomistische Koalition aus Union Valdôtaine und anderen Kräften nur 14% erreichen und haben damit das Nachsehen gegenüber der Lega.
  • In Schottland zeichnet sich ein historischer Wahlsieg der SNP ab, die sich für die Loslösung vom Vereinigten Königreich und den Verbleib in der EU starkmacht: drei von sechs und damit so viele EU-Abgeordnete wie noch nie könnte die Scottish National Party nach Straßburg und Brüssel entsenden.
  • Plaid Cymru kann in Wales sein EP-Mandat bestätigen.
  • Katalonien: Der ehemalige Präsident Carles Puigdemont und der ebenfalls im Exil befindliche Toni Comín (beide JxC) wurden ebenso ins EU-Parlament gewählt, wie der in U-Haft befindliche ERC-Chef Oriol Junqueras (EFA). Clara Ponsatí könnte — wie man liest — nachrücken, sobald der Brexit vollzogen ist. Insgesamt erzielten die separatistischen Kräfte so viele Sitze wie noch nie (je zwei für ERC und JxC).
  • Das Baskenland entsendet eine Vertreterin der linken, sezessionistischen Bildu. Die autonomistische EAJ konnte ihren Sitz im EP bestätigen.
  • In Ostbelgien (wo parallel zur Europawahl auch das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft neugewählt wurde) kann Pascal Arimont (CSP-EVP) mit 34,9% (+4,6) der Stimmen sein Mandat verteidigen.
  • Die Volkspartei der Finnlandschwedinnen schafft es trotz gegenteiliger Prognose, ihren Sitz zu erhalten.
  • In Korsika kann François Alfonsi für die Partitu di a Nazione Corsa (PNC) den 2014 verlorenen Sitz wiedererringen.
  • Während die ungarische Minderheit in Rumänien ihre zwei Mandate bestätigen kann, verlieren die Ungarinnen in der Slowakei ihre gesamte Vertretung. Bislang verfügten M-H und MKP über je einen EU-Parlamentssitz.
  • Mit Valter Flego erreicht die Demokratische Istrische Versammlung in Kroatien wie schon 2014 ein Mandat.
  • Für die kommunistische Partei AKEL wird in Zypern mit Niyazi Kızılyürek erstmals ein türkisch-zypriotischer Kandidat ins Europaparlament gewählt. Er macht sich für eine föderale Lösung des Zypernkonflikts stark.
  • In Deutschland sind die Grünen mit einer deutlichen pro-europäischen Kampagne zweitstärkste Partei hinter einer kriselnden CDU. Die rechtsradikale AfD punktet vor allem im Osten, kommt aber bundesweit nicht über 11% hinaus.
    Bei den Erstwählenden liegen die Grünen Umfragen zufolge mit 36% klar an erster Stelle; die traditionellen Volksparteien CDU (11%) und SPD (7%) kommen gerade einmal auf die Hälfte.
  • In Österreich wird nach dem Ibiza-Skandal die türkisblaue ÖVP (34,9% +7,9) erste Kraft vor der SPÖ mit 23,4% (-0,7). Die FPÖ verliert im Vergleich zu 2014 (17,2% -2,5), Grüne (14,0% -0,6) und NEOS (8,7% +0,6) profitieren davon wenig bis gar nicht. Im Vergleich zur letzten Nationalratswahl feiern die Grünen jedoch eine Wiederauferstehung.
    Die SPÖ liegt in Wien und Kärnten vorn, alle anderen Bundesländer sind türkis eingefärbt.

Siehe auch:

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Notre Dame und die Kohärenz.
Quotation 540 // Ein Hilfeschrei

Im Zusammenhang mit dem dramatischen Brand an der Notre-Dame-Kathedrale von Paris hat der Journalist und Politiker David Grosclaude (Partit Occitan) in seinem Blog eine beachtete »Reflexion über den Fetischismus derer, die nicht verstanden haben, dass materielles und immaterielles Kulturgut der selben Rücksicht und der selben Achtung bedürfen« veröffentlicht, woraus ich hier zitiere:

Das materielle Erbe ist nichts ohne das immaterielle. Ohne die Worte, die es begleiten, ohne das Wissen, das sich in ihm verbirgt und das es in Bewegung gesetzt hat, ist ein Monument nichts anderes als ein Haufen Steine.

In dieser Hinsicht waren die Tränen und die Aussagen gewisser Persönlichkeiten während jenes Abends unerträglich. Einige von ihnen lassen täglich Kathedralen und Monumente unseres Erbes vernichten, ohne etwas zu sagen. Es passiert sogar dass sie auf die Glut blasen.

Sie sind Opfer eines Fetischismus, der dazu führt, dass sie vergessen, dass das immaterielle Gut genauso wichtig ist, wie das andere. Beide entwickeln sich im Laufe der Zeit, passen sich an, erleiden Schmähungen, Unfälle, Gewalt: doch wir sollten die gleiche Rücksicht auf sie nehmen. Das ist nicht der Fall.

Die vernichteten Kathedralen, die brennenden Schlösser, die Schätze, die in Rauch aufgehen sind nicht immer jene, die man mit einer Eintrittskarte und dem Smartphone in der Hand besuchen kann.

Wenn uns Mélenchon, Macron, Hollande, Fillon, Sarkozy und die anderen an ihren Emotionen über den Verlust, den der Brand von Notre Dame darstellt, medial teilhaben lassen, kann ich nicht anders, als ihre Unfähigkeit zur Kohärenz zu bedauern. Ich kann nicht vergessen, dass das dieselben sind, die schweigen (oder sich gar freuen), wenn die Kulturmonumente, die unsere Sprachen sind, Schritt für Schritt mangels Achtung und Rücksicht — von einer Politik, die die sprachliche Vielfalt zerstört — vernichtet werden. Dabei sind das Monumente, die so gut es geht Jahrtausende an Historie, Millionen Seiten Literatur und Millionen Tage der Menschheitsgeschichte in sich tragen.

Sie haben aber einen Makel: Sie brennen nicht in einem Mal vor dem Auge einer Kamera ab. Das sind Monumente, die in Stille einstürzen, unterhöhlt werden und sterben.

Selbstverständlich wird man Notre Dame wieder aufbauen müssen, wie man es mit jedem anderen Monument dieser Bedeutung, das gebrannt hätte, auch hätte tun müssen; doch es ist auch Kohärenz gefragt. Das materielle und das immaterielle Erbe vermischen sich.

Die baskische, die korsische, die bretonische, die okzitanische, die katalanische Sprache, die Sprachen der amerikanischen Ureinwohnerinnen, die der Kanakei, die kreolischen Sprachen usw. sind ebenfalls brennende Kathedralen.

Ich habe zum Brand in Paris das Wehklagen derjenigen vernommen, die uns noch vor einigen Tagen, Wochen, Jahren erklärten, dass der Einsturz unserer sprachlichen Kathedralen Schicksal sei und vielleicht sogar gut für den Fortschritt der Menschheit; jedenfalls aber, dass man dabei [untätig] zusehen müsse.

All jene, die nichts für das immaterielle Erbe gemacht haben und die politischen Mittel gehabt hätten, etwas zu tun, haben sich zum Brand von Notre Dame geäußert — von rechts und von links. Seit Jahren versprechen und reden die einen wie die anderen von kultureller Vielfalt, ohne irgendetwas zu tun. Und wenn sie etwas machen, dann immer nur für das, was weit weg ist und exotisch erscheint. Humanismus für den externen Gebrauch, aber nie irgendwas für das, was sie vor der eigenen Nase haben. Dabei müssten sie wissen, dass die Steine keinen Wert haben, außer durch die Geschichte, die sie geschnitten und gezeichnet hat, und durch die Frauen und Männer, die sie erwähnt, benannt, erläutert haben.

Notre-Dame de Paris hätte, auch wenn zur Gänze zerstört, unter der Feder von Victor Hugo weitergelebt, Quasimodo und Esmeralda hätten weiterhin den Geist der Literaturliebhaberinnen bewohnt und damit das Gebäude am Leben erhalten, mit all den anderen, die etwas darüber geschrieben haben.

Übersetzung:

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Sardinien: Neues Sprachpolitikgesetz.

Am Mittwoch (27. Juni) hat der sardische Regionalrat — 70 Jahre nach Verleihung der Autonomie von 1948 — ein 40 Artikel umfassendes, organisches Sprachpolitikgesetz für die Insel verabschiedet, das vor allem der sardischen Sprache, aber auch der im nördlichen Teil der Insel gesprochenen korsischen, der katalanischen und der tabarkinischen Sprache gewidmet ist.

Neben der Einrichtung der Consulta de su sardu, die die Vereinheitlichung der sardischen Schriftsprache vorantreiben soll, ist das Kernstück des Gesetzes der Aufbau einer wirklich zweisprachigen Verwaltung. Hierzu ist unter anderem die Schaffung eines Sprachzertifikats vorgesehen, das sich am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeRS) orientieren wird.

Die Obreria pro s’imparu de su sardu wird Richtlinien für den Sprachunterricht an öffentlichen Schulen erarbeiten sowie die Umsetzung überwachen und evaluieren.

Kritik an dem Gesetz kommt sowohl von der Opposition, als auch von prosardischen Vereinen. Demnach

  • orientierten sich die geplanten Maßnahmen nicht an neuesten sprachpolitischen Erkenntnissen;
  • drohten die vorgesehenen Kommissionen von den Parteien vereinnahmt zu werden und
  • schaffe es das Gesetz unter anderem nicht, die Diskriminierung zwischen den von Rom anerkannten Minderheitensprachen (Sardisch, Katalanisch) und den anderen Sprachen der Insel anzufechten.
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Digitale Defensive.

Das anbrechende digitale Zeitalter hätte für den Ausbau der Eigenständigkeit und mehr Sichtbarkeit in der virtuellen Welt genutzt werden können. Diese Möglichkeit wurde aber sowohl von der alten, als auch von der neuen, jungen, dynamischen Landesregierung völlig verschlafen, sodass wir heute virtuell vielleicht noch schlechter dastehen, als real.

Vor der letzten Landtagswahl — besser spät, als nie — hatte die SVP zumindest noch versprochen, sich endlich für ein eigenes Südtiroler Internetsuffix starkzumachen. Doch geschehen ist seitdem genau: gar nichts.

Sage und schreibe 13 Jahre sind bereits vergangen, seit Katalonien sich als erste Region eine TLD (.cat) sicherte. Im Internetzeitalter ist das eine halbe Ewigkeit. Inzwischen konnten, auch aufgrund von Änderungen bei den Vergaberegeln, Dutzende Städte (.berlin, .paris) und Regionen (.eus, .gal, .cymru, .bayern, .tirol) nachziehen.

Demgegenüber gerät Südtirol vor dem staatlichen Zentralisierungs- und Vereinheitlichungswahn immer tiefer in die Defensive. Das hat mitunter sehr konkrete negative Auswirkungen auf die Zwei- und Dreisprachigkeit.

Angeblich hat Südtirol ja nicht einmal die Zuständigkeit, die Internetadresse der Landesverwaltung selbst auszusuchen. Einer Vereinheitlichung kommunaler Homepages nach einem staatsweit definierten Layout will man sich nun aber immerhin verweigern. Den entsprechenden Vorschlag der STF nahm die Landesregierung am 14. Juni an — mit welchem Erfolg, werden wir ja sehen.

Indes ist zum Beispiel die Regionalverwaltung von Korsika im stark zentralistischen Frankreich nur noch unter www.isula.corsica erreichbar: eigenes Internetsuffix, selbst ausgewählte Internetadresse, korsische Sprache.* In Südtirol ist ähnliches unvorstellbar.

*) Die Begriffe »isula« und »Corsica« sind korsisch, auf Französisch müsste es www.ile.corse heißen — doch diese Adresse existiert nicht.

Außendarstellung Comparatio Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Service Public Staat vs Land Tech&Com Vorzeigeautonomie Zentralismus | Landtagswahl 2013 | | | Catalunya Corsica Südtirol/o | STF SVP | Deutsch

FIFDH 2018: Dibattito sull’autodeterminazione.
Puigdemont, Calmy-Rey, Vidal-Folch e Levrat a confronto

Recentemente il presidente catalano Carles Puigdemont (PDeCAT) ha passato alcuni giorni a Ginevra, in Svizzera, dove domenica scorsa ha anche partecipato a un dibattito nell’ambito del Festival del film e forum internazionale sui diritti umani (FIFDH). Nel corso di questo dibattito — diretto da Darius Rochebin della TV pubblica RTS, ed al quale hanno preso parte anche l’ex presidente svizzera Micheline Calmy-Rey, il giornalista del País Xavier Vidal Folch e Nicolas Levrat, direttore del dipartimento di diritto pubblico internazionale e organizzazioni internazionali — si sono svolti dei ragionamenti molto interessanti e importanti, per cui ho deciso di trascrivere e tradurne alcuni. Nonostante la lunghezza penso che valga assolutamente la pena leggerli.

Nicolas Levrat: Il diritto all’autodeterminazione aspira a creare dialogo e fondamenta la legittimazione democratica dei poteri. Nella struttura attuale della comunità internazionale è un diritto umano che è problematico. Perché? Perché questi diritti fondamentali sono enunciati a livello internazionale, ma in seguito sono gli stati a doverli mettere in opera. E il diritto all’autodeterminazione è un diritto dei singoli, ma che non può venir esercitato che collettivamente, nella cornice di un progetto di autodeterminazione nel quale un popolo si afferma. Evidentemente chiedere agli stati di garantire questo diritto è difficile perché è un diritto che mette in questione, se va fino in fondo, l’esistenza stessa dello stato. Dunque effettivamente è un diritto che non può venir realizzato — come invece la maggior parte degli altri diritti fondamentali — davanti a una giurisdizione, ma è un diritto che deve venir realizzato tramite un dibattito, un dibattito democratico… ed è il fondamento di un dibattito democratico. E dunque fare un dibattito qui [a Ginevra] non è la cornice più appropriata, perché la cornice più appropriata un giorno saranno la Spagna e la Catalogna. Abbiamo due legittimità democratiche che probabilmente dovranno discutere, ma si tratta di un diritto fondamentale che sta a fondamento del dibattito democratico.

Nicolas Levrat: Sappiamo tutti che durante la prima metà del 20° secolo ci sono stati degli eccessi drammatici del nazionalismo che hanno portato a due conflitti europei e mondiali, ed è per questo che dopo il 1945 si ricostruisce l’Europa contro tali nazionalismi. Ma oggi vediamo emergere, da una decina d’anni, dei fenomeni interessanti, sia in Scozia, sia in Catalogna e in altri luoghi d’Europa, dove abbiamo dei popoli che si rivendicano tramite un progetto collettivo, in un progetto politico, in un progetto forse nazionale, ma nel quadro europeo. Dunque non è quel nazionalismo che ha portato a delle confrontazioni, che si oppone ad altri nazionalismi, [ma] è un nazionalismo aperto. E al contrario vediamo, effettivamente, esprimersi in molti paesi europei, a livello nazionale, un nazionalismo chiuso che vuole opporsi alla costruzione europea. Quindi è vero che oggi nel nostro mondo in cui l’ideologia liberale ha portato a privilegiare i diritti individuali, dobbiamo ritrovare dei mezzi per rifare il collettivo. E penso che dietro a certi di questi movimenti neonazionalisti, se così si può dire, ma nazionalisti aperti, c’è questa volontà di ricostruire dei collettivi.

Carles Puigdemont: Condivido pienamente l’idea che la maggioranza degli europei ha sulla parola «nazionalismo», perché è associata alla guerra, alla xenofobia, all’esclusione.

Darius Rochebin: Lei non è nazionalista?

Carles Puigdemont: In questo senso per nulla, non solo io stesso ma la maggioranza del popolo catalano… che è un popolo enormemente diverso, fondato a partire da differenti e successive onde migratorie, con una mescola di lingue, di culture, aperto al mondo… è — fortunatamente! — impossibile fondare un movimento basato sulle rivendicazioni etniche, ad esempio. Quindi è completamente escluso. Inoltre voglio dire una cosa [molto] chiara: se la Catalogna o una maggioranza dei catalani provasse a fondare uno stato indipendente per fare lo stesso che lo stato spagnolo ma con un nome diverso, io non sarei indipendentista. Ed è questo che unisce una gran parte della popolazione; che non condivide questa vecchia idea di nazionalismo che deve affermarsi per opposizione o nella negazione dell’altro. […] Amo usare l’espressione «sovranismo della cittadinanza», dei cittadini, per dar loro la parola e domandare di costruire insieme un paese che non sia fondato sull’idea vecchia e sacra di un’unità —decisa non sò da chi, dalle generazioni che ci hanno preceduto… — ma come progetto di adesione volontaria, per l’avvenire e per garantire alle future generazioni qualità di vita, pace e democrazia. […] Sono cosciente che questo può rappresentare una minaccia per gli stati nazione fondati sull’idea di una lingua, una cultura, un’identità e uno solo sguardo sul mondo. Ma questo — credo che questo sia condiviso da molta gente — è obsoleto, e dunque è normale che ci siano degli stati che comprendano questo [progetto] come una minaccia. Eppure, pur essendoci una forte resistenza, una revisione di questo modello vecchissimo, di questi stati centralizzati e con un potere statale enorme sulle nostre vite, è inevitabile. Il mondo globalizzato, tecnicizzato, che parla molte lingue, ormai non l’accetta più.

Micheline Calmy-Rey: Devo dire che da svizzera ho delle reticenze a parlare di stati nazione, perché la Svizzera non è uno stato nazione. La Svizzera non ha una lingua, una religione, una etnia… siamo composti da varie lingue, varie religioni, varie etnie e dunque siamo un modello di pluralismo con un sistema politico che permette di rispettare non le minoranze, perché non abbiamo minoranze in Svizzera, ma solo parti costitutive dello stato, il che garantisce che tutti veniamo trattati allo stesso modo, pur avendo ad esempio molti meno abitanti in Svizzera romanda [che in Svizzera tedesca], abbiamo la nostra televisione con [rivolta a Darius Rochebin] i nostri giornalisti di primo piano… e ho un vero problema con quest’idea di stato nazione centralizzato «uno, uno, uno»… una lingua, una religione, una cultura. Ciò che comprendo con movimenti come quello catalano, scozzese o còrso è che si tratta di una sorta di movimento identitario che si eleva con il bisogno di fare da controveleno alla globalizzazione. Ciò significa che è un mezzo per ritrovare dei riferimenti sul proprio territorio, di potersi sviluppare economicamente, culturalmente sul proprio territorio e di essere soprattutto rappresentati da delle istituzioni politiche nelle quali ci si ritrova e ci si riconosce. Ed è un sentimento di identità come questo che ricercano questi movimenti in Europa, e d’altronde ciò che è interessante vedere è che questi movimenti come quello catalano o scozzese sono pro-europei e che quindi non rinunciano a lavorare nella pluralità, con altri stati e ad aprirsi agli altri. Ma allo stesso tempo, in una sorta di movimento, di vai e vieni, cercano un’identificazione in relazione alle loro istituzioni politiche e alle persone che li rappresentano. È una cosa che trovo molto interessante e che vedremo continuare a svilupparsi.

Carles Puigdemont: C’è un idea che secondo me è pericolosa ed è quella della sacra unità. È una sorta di diritto divino che dà a un certo popolo l’autorità di diventare uno stato e lo rifiuta a degli altri. Chi esattamente dà il diritto a fondare uno stato? Una volta erano le guerre o dei popoli che si consideravano eletti eccetera… ma oggi gli stati devono essere fondati sulla volontà dei loro cittadini. E questo li rende mutevoli, li rende degli strumenti che possono venir cambiati da ogni generazione. Non c’è sacra unità, non c’è un’idea religiosa dell’unità della patria come spesso invece si dice agli indipendentisti catalani… che sarebbe una cosa che va aldilà perfino della democrazia e della costituzione. L’unità è una cosa della quale non si può nemmeno parlare, una sorta di tabù che può perfino portarti alla prigione se la metti in discussione. E questo è pericoloso, perché significa rinunciare a un’idea fondamentale in democrazia: le generazioni future devono avere il diritto di costruire il paese che preferiscono e non [mantenere] quello che conveniva ai nonni o ai bisnonni. Anche la repubblica catalana dev’essere mutevole e rivedibile, senza nulla di sacro in quest’idea. E dunque è un cambiamento nell’idea di sovranità, non fondata su un diritto divino o una legge inscrutabile ma sulla volontà dei cittadini che dev’essere sempre ascoltata e sentita.

Nicolas Levrat: Penso che precisamente la forza di quest’idea del diritto all’autodeterminazione, la forza della democrazia, è che si tratta della volontà dei cittadini — e delle cittadine per fortuna, ci è voluto molto tempo. Chi giustifica il potere? Ebbene, il potere non appartiene a un territorio, il potere non appartiene a un governo, il potere è legittimo in quanto risulta dalla volontà collettiva dei cittadini e ciascuno ha il diritto di partecipare o meno a un progetto politico. E in riferimento alla violenza: è evidentemente una cosa potenzialmente pericolosa, ma se guardiamo la situazione catalana bisogna sottolineare che c’è stata estremamente poca violenza. Da questo punto di vista è un processo notevole. Purtroppo la storia mostra che in generale è in seguito a delle crisi violente che si realizza il diritto all’autodeterminazione. E allora è forse una visione ideale pensare che con il dialogo e la deliberazione si potrà arrivare all’autodeterminazione. Ma in realtà se guardiamo la storia della Svizzera è un po’ questo: non ci sono state conquiste violente, i differenti cantoni hanno progressivamente deciso di partecipare a questo progetto politico. E infatti, come avete detto, la Svizzera non è una nazione che condivide la stessa religione, la stessa etnia, la stessa lingua. Non abbiamo nemmeno una vera lingua nostra — i romandi parlano la lingua di un popolo vicino, e gli italofoni parlano la lingua di un popolo vicino eccetera — ma abbiamo questa volontà di essere insieme… ed essere rispettati. E dunque questo è proprio il fondamento importante e trovo che questo nostro paese esprima non solo tale volontà ma inoltre ha da molto tempo deciso di non esercitare violenza nei confronti dei suoi vicini.

Darius Rochebin: Per Lei il caso svizzero è una fonte d’ispirazione?

Carles Puigdemont: Certamente. Quale sia il sistema che scegliamo, [lo scegliamo] per regolare le differenze, perché le differenze esistono e devono esistere in una società democratica, [ma] devono essere fondate sul rispetto. E quel che dimostra il caso [della fondazione del Canton Giura] è un enorme rispetto, un riconoscimento dell’altro, empatia politica. A partire da questo rispetto e da questo riconoscimento tutto è possibile. E sicuramente dal caso svizzero ci sono molte lezioni da prendere, il modo di gestire la complessità, la diversità linguistica e culturale, è ammirevole. Ciò mostra che non è per nulla impossibile e [anzi] è perfino efficace. Costa molto, suppongo, [e] richiede che ogni giorno — perché nulla è garantito — ci si lavori. Non dimentichiamo che alla fine sono i cittadini che devono decidere tutti gli accordi e i politici e le istituzioni devono rispettarli.

Micheline Calmy-Rey: Credo che la grande lezione della questione giurassiana o altri processi di indipendenza/autodeterminazione sia che sono dei processi che arrivano alla fine di un dialogo, di uno scambio, di un’espressione popolare. Anche se come nel caso giurassiano può durare anni, questo è il risultato. […] Il processo di autodeterminazione dei popoli non significa necessariamente secessione, ma può essere un processo di autonomia all’interno di un territorio, per esempio quello spagnolo, concordando un certo numero di spazi e di libertà o di rappresentatività a una comunità che si riconoscerebbe in questa forma di governo — e non può venire decretata così, ma necessità dei negoziati. Per esempio mi sembra che da parte della Catalogna uno degli elementi molto importanti sia l’indipendenza fiscale, [ovvero] la capacità di elevare delle imposte. Se tutto quel che potete fare sul vostro territorio viene dall’alto, siete diretti dalla volontà di un governo centrale e non avete la possibilità di incidere sulle risorse dove volete, non possiamo parlare di vera autonomia. E dunque c’è una discussione, un lavoro da fare a livello di Spagna e Catalogna, uno scambio e delle discussioni prima che la questione di una modifica costituzionale possa venire realmente posta.

Carles Puigdemont: Se l’unica maniera di diventare uno stato indipendente fosse la violenza, sarebbe una sconfitta collettiva, e i catalani si sono impegnati da vari anni su una via non violenta, [cioè] pacifica, di richiedere l’esercizio dell’autodeterminazione. […] L’opportunità dell’Europa è di mostrare che non è unicamente attraverso la violenza che possiamo diventare uno stato indipendente. […] Credo che ci sia un livello di violenza che non possiamo accettare nell’Europa del 21° secolo, perché c’è una violazione sistematica della Carta dei diritti fondamentali dell’Unione Europea, della Dichiarazione Universale dei diritti umani e del Patto sui diritti civili e politici delle Nazioni Unite. Ed è assolutamente deplorevole che un giudice possa scrivere che mantiene in prigione provvisoria dei leader pacifisti, con biografie chiare di leader pacifisti, perché continuano a sostenere l’indipendenza. Bisogna mettere fine a questa cosa, perché non è la maniera di risolvere i problemi; non possiamo utilizzare il codice penale ma dobbiamo usare la politica.

Trascrizione e traduzione, evidenziazioni:

Vedi anche:

Democrazia Grundrechte Nationalismus Politik Selbstbestimmung | Zitać | Carles Puigdemont | El País | Catalunya Corsica Scotland-Alba Svizra | EU PDeCAT | Italiano

Wir. Heute! Morgen! Europa.
Minderheiten und Autonomien im europäischen Kontext

Zwischen Mittwoch 21. und Sonntag 25. Februar 2018 bringen die Vereinigten Bühnen Bozen ein Stück von Alexander Kratzer über Minderheiten in Europa ins Bozner Stadttheater.

Wie steht eine Bewohnerin mit Migrationshintergrund der Åland-Inseln zur EU, was bedeutet Identität für einen Pfarrer aus Friaul, welcher Kultur fühlt sich eine ungarische Köchin aus Rumänien zugehörig und was hält ein Kilt-Träger aus Schottland vom Brexit? Diese und andere Fragen haben die Theatermacher von WIR. HEUTE! MORGEN! EUROPA.” auf ihrer Recherche-Reise quer durch Europa über 80 Menschen aus zehn Regionen bzw. Minderheitengebieten gestellt und dabei tiefe Einblicke in ihre Lebensweise bekommen. Zehn Personen sind unserer Einladung gefolgt und werden im Rahmen des diesjährigen Dokutheaterprojekts, das sich erstmals mit Fragen der europäischen Zeitgeschichte beschäftigt, an fünf Abenden im Februar live auf der großen Bühne des Stadttheaters stehen und Einblick in ihr Leben geben. Durch den Fokus auf das zutiefst Menschliche, und nicht auf rein politische Fragestellungen, dürfen Sie sich auf einen sehr bewegenden Theaterabend freuen, bei dem Fragen nach der Vielfältigkeit der Kulturen in Europa, den Minderheitenschutz und der Zukunft von Autonomien in einen größeren Kontext gehoben und zum Nachdenken über das Zusammenleben in Südtirol und in Europa angeregt werden.

Regie Alexander Kratzer, Komposition Markus Kraler, Andreas Schett (Franui), Bühne Luis Graninger, Video Mike Ramsauer, Licht Micha Beyermann, Dramaturgie Elisabeth Thaler, Ina Tartler, Beratung Thomas Benedikter, Lucio Giudiceandrea, Günther Rautz, mit Bürger*Innen aus Südtirol & Europa, Cittadini Sudtirolesi & Europei
Mit dabei sind weiters der Südtiroler Markus Warasin, Mitglied des Kabinetts von EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, die Wiener Puppenspielerin Manuela Linshalm und die Musicbanda Franui.

Die zehn Regionen und Minderheiten sind:

  • Åland
  • Schottland
  • Deutsche Gemeinschaft in Belgien
  • Friaul-Julisch Venetien
  • Korsika
  • Ungarische Minderheit in Rumänien
  • Roma in Rumänien
  • Türkische Minderheit in Griechenland
  • Katalonien
  • Estland

Alexander Kratzer lebt als Regisseur und Autor in Innsbruck und Bozen. Engagements am Theater Phönix Linz, Tiroler Landestheater, Schauspielhaus Salzburg, Theater des Kindes Linz, Stadttheater Bruneck, Theater an der Effingerstrasse Bern, Theater Baden Baden. An den Vereinigten Bühnen Bozen inszenierte er zuletzt „Option. Spuren der Erinnerung“, „Michael Kohlhaas“, „Bombenjahre“ sowie die Uraufführung „antimortina“.

musicbanda franui Die Musiker von Franui aus Osttirol sind europaweit bei bedeutenden Festivals und Konzertveranstaltern regelmäßig zu Gast. Neben ihrer Konzerttätigkeit realisierten sie Musiktheaterprojekte, u.a. am Wiener Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen. An den Vereinigten Bühnen Bozen spielten sie 2014 in „Option. Spuren der Erinnerung“ und 2016 in „Bombenjahre“.

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Nordkatalonien gründet Sprachstelle.

Das Rosselló, der zu Frankreich gehörende Teil Kataloniens, wird über eine öffentliche Stelle zur Förderung und Unterstützung der katalanischen Sprache — Oficina Pública de la Llengua Catalana — verfügen. Die neue Institution, die die Position der historischen Landessprache stärken und eine schlagkräftige Sprachpolitik fördern soll, wurde von der Region, dem Département und der Universität Perpinyà (frz. Perpignan) ins Leben gerufen, die auch größtenteils die finanzielle Ausstattung der Oficina bestreiten werden. Ihren Sitz wird sie im Universitätsgebäude und mit Hermeline Malherbe, Präsidentin des départementalen Parlament, eine durchsetzungsstarke erste Vorsitzende haben.

Mit der Schaffung der Oficina Pública de la Llengua Catalana folgt das Roselló dem Beispiel anderer Minderheiten im französischen Staat, wie denen der Bretagne und Korsikas.

Südtirol hat bis heute keine echte Sprachstelle. Den Übergang einschlägiger Zuständigkeiten vom Regierungskommisariat ans Land hat der Staat zudem kategorisch abgelehnt.

Siehe auch:

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Stravincono le forze regionaliste còrse.

Dopo il già spettacolare successo del primo turno, la coalizione di forze indipendentiste e autonomiste Pè a Corsica ha confermato, ampliando ulteriormente i consensi, la propria posizione dominante anche al secondo turno elettorale di domenica 10 dicembre, e dispone ora di una larghissima maggioranza nell’assemblea legislativa regionale.

La lista capeggiata dal presidente regionale uscente Gilles Simoni, infatti, porta a casa ben il 56,46% dei voti, cresciuti in termini assoluti da 54.000 a 67.000 al secondo turno — segno che la formazione è riuscita a convincere anche molte elettrici che al primo turno avevano sostenuto altre candidature.

I 41 seggi conquistati (su 63 totali) situano Pè a Corsica a un soffio dalla maggioranza dei due terzi. I regionalisti conservatori di A strada di l’avvene (10 seggi), La république en marche del presidente Macron (6) e Les Républicains (6) si spartiscono il terzo rimanente degli scranni, mentre rimangono fuori la sinistra centralista, il Front National e la sinistra radicale indipendentista di Rinnovu.

Nel 2015, al secondo turno, Pè a Corsica aveva ottenuto il 35,34% dei voti.

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