Post von Wahlen überrascht.

Wer hätte ahnen können, dass jetzt schon wieder Wahlen sind? Genau jetzt, wo auch die Gelben und die Weißen Seiten verteilt werden müssen? Die italienische Post ganz sicher nicht.

Wie das Tagblatt A. Adige heute schreibt, ist der agile Staatsbetrieb mit der Wahlwerbung völlig überfordert, in seinen Lagern stapeln sich zudem die Telefonverzeichnisse, die eigentlich schon längst hätten ausgeteilt sein müssen. In mehreren Zonen des Landes ist die Verteilung gänzlich zum Erliegen gekommen, in allen übrigen müssen nicht wahlrelevante Sendungen hintangestellt werden. Einschließlich der Tageszeitungen, die vielfach bestenfalls am Nachmittag beim Abonnenten sind. Alles vor dem Wochenende zu verteilen werde man aber trotzdem nicht schaffen.

Man muss schon sagen: Schade, dass die Vollautonomen es nicht geschafft haben, den Postdienst an(s) Land zu ziehen. Grundlage zur Übernahme dieser Zuständigkeit hätte ja das Mailänder Abkommen sein sollen — und wir wissen alle, was daraus geworden ist. Kurios ist nur, dass man in diesem Kontext auch noch an die Einführung der Briefwahl denken konnte. Ob es den Realisten da nicht einmal mehr an Realitätssinn gemangelt hat?

Medien Postdienst Tech&Com Vorzeigeautonomie Zentralismus | Landtagswahl 2013 | | AA | | SVP |

“Post-national.”

Heute im einsprachig deutschen Schweizer Kanton Basel-Stadt: Meinem mitreisenden umbrischen Bekannten fällt ein, dass er für die italienische Steuererklärung den Auszug seines Schweizer Postkontos für das Jahr 2012 braucht. Wir begeben uns also zur Post (PostFinance), wo er zunächst fragt, ob er mit der Dame am Schalter — pardon, am Tresen — Französisch sprechen darf, weil es ihm leichter falle, als Deutsch. »Ja, selbstverständlich!«

Doch als sie uns miteinander Italienisch reden hört, schwenkt sie automatisch auf diese Sprache um. Den Auszug werde sie — »naturalmente« — auf Italienisch ausdrucken, wenn er ihn für den italienischen Fiskus benötige. Dann empfiehlt sie ihm noch, das Konto in ein spesenfreies KontoPlus umzuwandeln, da er die entsprechenden Voraussetzungen erfülle. Sie verschwindet kurz hinter einer Tür und kommt mit dem italienischen Prospekt wieder.

PostFinance-Prospekt.

Die Lesenden werden sich vielleicht der Tragweite dieses völlig unscheinbaren Vorfalls bewusst: In Südtirol, wo es eigentlich genaue Zweisprachigkeitsvorschriften gibt, sind viele Formulare und Prospekte (bei der Post und anderswo) nicht in deutscher Sprache verfügbar. Zudem ist es in der Hauptstadt unseres mehrheitlich deutschsprachigen Landes bisweilen schwierig, auf Deutsch bedient zu werden. Zurückzuführen ist dies wohl vor allem auf die »nationalstaatliche Logik« — dass nämlich die italienische Post (wie auch sonst sehr vieles) grundsätzlich auf Italienisch funktioniert und die Mehrsprachigkeit höchstens ein Zugeständnis, eine Ausnahme, ist.

In der Schweiz funktioniert der Dienst aufgrund der mehrsprachigen Prägung des Landes grundsätzlich mehrsprachig, was selbst in einsprachigen Regionen einen mehrsprachigen Kundendienst gestattet.

Auf Italien umgelegt ist Basel nicht mit Bozen zu vergleichen, sondern etwa mit Mailand. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Südtiroler dort aus reiner Kundenfreundlichkeit im Postamt auf Deutsch bedient wird und ein Prospekt in deutscher Sprache bekommt (wenn dies offenbar nicht einmal in Südtirol im vorgeschriebenen Umfang möglich ist)?

Das mehrsprachige Land fördert die Mehrsprachigkeit in einsprachigen Regionen, während der Nationalstaat die Einsprachigkeit in mehrsprachigen Gegenden begünstigt. Das ist eine subtile, aber wirksame Tendenz.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Nationalismus Plurilinguismo Postdienst Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | | | | Svizra | |

Poste: meglio chiuse che sudtirolesi.

Sembra questa ormai la massima del governo centrale, applicabile ai contesti più svariati. Da mesi il governo sudtirolese sta proponendo invano a Roma di assumersi l’onere della distribuzione postale, in attuazione di un meccanismo previsto dall’accordo di Milano: contribuire al risparmio attraverso l’assunzione di nuove competenze. Ora apprendiamo che invece saranno chiusi ben tredici uffici postali, ad Antholz, S. Paolo (Appiano), Sulden, Oberbozen, Sinigo, Kardaun, Girlan, Blumau, St. Johann (Ahrntal), Deutschnofen, Reschen, Steinegg, Stelvio. Assieme alla chiusura, ormai quasi certa, delle sezioni distaccate del Tribunale e a quella prevista, ma per ora sventata, dei piccoli ospedali, si tratta di un contributo alla cannibalizzazione della qualità  della vita nei centri minori.

Così, invece che a un risanamento, stiamo assistendo alla distruzione, giorno dopo giorno, di un tessuto economico funzionante. Sono di oggi le notizie che in Sudtirolo, rispetto al 2011, sono aumentati in maniera preoccupante sia la disoccupazione, sia i fallimenti aziendali.

Postdienst Verbraucherinnen Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus | | | | | SVP | Italiano

Im Namen der Post.

Post-Karte.

Heute bei Bekannten eingegangen. Merkwürdig, dass der Umgang der (öffentlichen!) Post mit den Ortsnamen (Makro-Toponomastik wenn man so will), anders als die AVS-Schilder, niemals einen Staatsanwalt oder einen Präfekten beschäftigt hat. Warum diese augenscheinliche Schieflage in der Wahrnehmung und in der Ahndung von Vergehen?

Übrigens erbringt die Post mit dieser Karte selbst den Beweis, dass die Firmenbezeichnung PosteItaliane übersetzbar ist — und somit die einsprachige Beschriftung von Postämtern, Fahrzeugen u.v.m. ebenfalls gegen die Zweisprachigkeitspflicht verstößt.

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Postdienst Recht Sprachpfusch Verbraucherinnen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | AVS Regierungskommissariat | Deutsch

Post: Zweinamigkeit.

PosteItaliane.Vor einigen Jahren wurde die italienische Post pro forma privatisiert. Das Unternehmen gehört zu 65% dem Wirtschaftsministerium und zu 35% der Cassa Depositi e Prestiti, die ihrerseits zu 70% vom Wirtschaftsministerium kontrolliert wird. Seitdem heißt die Post nicht mehr Post, sondern auch in Südtirol einheitlich Posteitaliane — das sei ein Firmenname, und Namen seien nicht übersetzbar, so das Totschlagargument. Kein römisches Ministerium, kein Staatsanwalt, kein Präfekt hat sich je daran gestoßen, obwohl diese Erklärung im speziellen Fall (anders, als bei Toponymen) sehr fadenscheinig ist.

Ortsnamen Plurilinguismo Postdienst Recht Wirtschaft+Finanzen | | | | Südtirol/o | | Deutsch

Die potemkinsche Sprache.

Vorausgeschickt: Es geht hier nicht um die Pflege einer Opferrolle, denn die deutsche Sprache erfreut sich im Südtiroler Alltag einer befriedigenden Vitalität. In ihrem Fortbestand gefährdet sind dagegen die ladinischen Idiome, deren Situation in gesonderten Einträgen noch zusätzlich ausgeleuchtet werden soll. Mit diesem Eintrag möchte ich aber einige grobe Verzerrungen aufzeigen und z. T. Verbesserungsvorschläge für eine wirkliche Gleichberechtigung der Sprachen machen.

Das Recht ist die Grundlage einer modernen demokratischen Gesellschaft. Doch gerade hierin ist die deutsche in Südtirol häufig eine Sprache ohne Tiefgang, eine leere Hülse: Die Zweisprachigkeit gilt nach wie vor in vielen Fällen als eine Gefälligkeit zu Informationszwecken — mehr nicht. Im Zweifelsfall ist beispielsweise — etwa vor Gericht — stets nur der italienische Wortlaut eines Gesetzes (eines Dekrets, einer Verordnung…) maßgebend, selbst wenn es von einem deutschsprachigen Abgeordneten auf Deutsch ersonnen, zu Papier gebracht und so vom Landtag (Gemeinderat etc.) beschlossen wurde. Ein krasser Widerspruch, und ein absoluter Sonderfall in der Juristerei, denn hierdurch könnte einem Übersetzer in der Feinjustierung des Textes eine größere Bedeutung zukommen, als dem Verfasser selbst.

Ziel muss in Südtirol m. E. jedoch eine parallele Gültigkeit und Auslegbarkeit der Gesetze in allen drei Landessprachen sein, wie dies in der Schweiz der Fall ist: Zur Interpretation einer Rechtsnorm können dort ungeachtet der offiziellen Sprache des Kantons und der jeweiligen Prozesssprache stets der deutsche, französische, italienische und — wo vorhanden — der rätoromanische Wortlaut gleichzeitig herangezogen werden. Dies führt zu einer klaren Ausprägung und Kultivierung aller offiziellen Sprachen von der Gesetzgebung bis hin zur Rechtsprechung. Trotz oder gerade wegen dieser sprachlichen Mehrgleisigkeit ist das Schweizer Recht von so großem internationalen Ansehen, dass es sehr häufig für zwischen Parteien unterschiedlicher Herkunft geschlossene Verträge (auch im Ausland!) gewählt wird.

Die Leiden des jungen Werther.

Im Privatbereich ist der rechtliche Schutz der deutschen Sprache in Südtirol äußerst gering. Während die italienische Sprache für Etiketten, Inhaltsangaben und andere vorgeschriebene Deklarationen häufig vorgeschrieben ist, ist dies für die deutsche Sprache die absolute Ausnahme. Dort wo eine derartige Regelung vorhanden wäre — etwa im sensiblen Bereich der Packungsbeilagen bei Medikamenten — wird sie systematisch missachtet und von den Gesetzeshütern kaum zur Einhaltung gebracht. Sinnvoll wäre für unser Land eine zwingende Dreisprachigkeit in der Beschriftung sämtlicher etikettierungspflichtiger Produkte, oder aber die Legalisierung der deutschen und ladinischen Sprachen als fakultative »Alleinbeschriftungssprachen«. Wie — wieder einmal — in der Eidgenossenschaft: Gleiche Würde für alle Sprachen.

Anders als in anderen Minderheitenregionen Europas gilt in Südtirol ausschließlich im öffentlichen Sektor eine durchgehende Zwei- und Dreisprachigkeitspflicht, die allerdings häufig trotzdem nicht zum Tragen kommt. »Alibideutsch« und »Garkeindeutsch« schmücken sehr oft die Druckerzeugnisse staatlicher Stellen (NISF, Post, Ordnungshüter, Bahn, Steuerbehörden etc. pp.), um nicht von der systematischen Vernachlässigung der ladinischen Sprache sogar vonseiten des Landes und ladinischer Gemeinden selbst zu sprechen. Die BürgerInnen gewöhnen sich daran, bei bestimmten Behörden automatisch auf den italienischen Text zurückzugreifen, weil man da auf geringere Holprigkeit und höhere Genauigkeit hoffen kann. Auch in dieser Hinsicht wäre eine bessere Sprachpflege sicherlich vonnöten — die Schaffung einer Landesstelle, die staatlichen Stellen (solange sie in Südtirol noch existieren) im Umgang mit der deutschen Sprache unterstützend und beratend, aber auch mahnend zur Seite steht, wäre eine gute Möglichkeit.

Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Polizei Postdienst Recht Service Public Sprachpfusch Verbraucherinnen | Packungsbeilagen Produktetikettierung | | | Südtirol/o Svizra | | Deutsch