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La Francia promuove le lingue minoritarie.
Approvata un'apposita legge

È un passo storico: nonostante le reticenze — per usare un eufemismo — del Governo francese e de La Republique en Marche di Emmanuel Macron, oggi l’Assemblea nazionale francese ha approvato, a larghissima maggioranza (247 favorevoli e 76 contrari), la cosiddetta legge Molac, dal nome del suo relatore, il deputato bretone Paul Molac.

Si tratta della prima vera legge sulla tutela delle minoranze linguistiche in Francia e contiene disposizioni di grande utilità per le comunità linguistiche bretone, basca, catalana, corsa, occitana, alsaziana e via discorrendo.

Tra le altre cose

  • legalizza ufficialmente i nomi propri in lingua minoritaria, incluse le grafie particolari come le «ñ» bretoni e basche o gli accenti catalani;
  • riconosce le insegne e i cartelli bilingui, già molto diffusi in tante regioni ma non raramente oggetto di battaglie legali;
  • assicura fondi pubblici alle scuole associative private in lingua minoritaria (ad esempio le Diwan o le Calandretas), istituite in mancanza di offerte pubbliche in lingua regionale;
  • fa entrare con forza le lingue minoritarie nelle scuole pubbliche, con la possibilità anche di farle diventare veicolari e immersive — nonostante la strenua opposizione del Governo a questa opzione.

La legge sulla «protezione patrimoniale e la promozione delle lingue regionali» è quasi un’inversione a U nelle politica linguistica francese e può rappresentare l’impulso decisivo per il salvataggio delle lingue più a rischio.

In Italia, ad oggi, eccetto per il tedesco in Sudtirolo, non esistono scuole pubbliche immersive in lingua minoritaria. Nemmeno per il ladino.

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Europarat empfiehlt València Immersion.
Mehrsprachige Schule wird kritisiert

Am 31. März hat der Europarat einen Bericht seines einschlägigen Expertinnenenkomitees über die Umsetzung der Charta der Regional- oder Minderheitensprachen in Spanien veröffentlicht. Konkret wurde überprüft, inwieweit die vom Komitee im Rahmen der fünften periodischen Evaluation empfohlenen Maßnahmen bereits in die Tat umgesetzt wurden.

Der Region València (País Valencià) wurde dabei — nicht zum ersten Mal — der Immersionsunterricht in valencianischer Sprache, einer Variante des Katalanischen, empfohlen. Gemeint ist (wie hier beschrieben) nicht etwa eine mehrsprachige Schule, sondern ein Schulmodell in der Minderheitensprache.

Ein mehrsprachiges Modell, das die valencianische Regierung vorantreiben will, wird in dem Bericht sogar ausdrücklich kritisiert, weil es die valencianische Sprache schwächen würde: es sieht jeweils mindestens 25% Unterrichtszeit auf Valencianisch/Katalanisch, 15% auf Englisch und 25% auf Kastilisch (Spanisch) vor. Dieses Verhältnis, bei dem die Minderheitensprache auf maximal 60% begrenzt wird, verhindere den Immersionsunterricht, so das Expertinnenkomitee.

Schon vor Jahren hatte der Europarat das Modell von Katalonien — eine weitgehend katalanische Schule für alle — zur Best Practice erklärt. Doch selbst dieses Modell scheint den Fortbestand der Minderheitensprache im spanischen Nationalstaat nicht langfristig sicherzustellen.

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Immersion ist für Minderheiten nicht.

Am 22. Februar hat das Network to Promote Linguistic Diversity (NPLD) ein hochkarätig besetztes Onlineseminar zum Thema des Immersionsunterrichts im zweisprachigen Kontext organisiert.

Die ausschließlich weiblichen Vortragenden waren:

  • Jasone Cenoz, Professorin für Forschungsmethodik im Bildungswesen an der Universität des Baskenlandes sowie Präsidentin des bildungswissenschaftlichen Komitees in der staatlichen spanischen Forschungsagentur AEI.
  • Vesna Crnić-Grotić, Vorsitzende des Expertinnenkomitees der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen beim Europarat.
  • Edel Ní Chorráin, Vizedirektorin des Bildungsservices beim irischen Sprachförderungsinstitut Foras na Gaelige.
  • Christina Gestrin, Generalsekretärin des Folktinget, der Schwedischen Versammlung in Finnland.
  • Mònica Pereña Pérez, Präsidentin von Linguapax International, Vizegeneraldirektorin Sprache und Mehrsprachigkeit im Bildungsdepartement der Generalitat de Catalunya.

Insbesondere fand ich interessant, was in den Vorträgen über die Rolle von Immersion (und CLIL) im Kontext von Sprachminderheiten gesagt wurde.

Es deckt sich mit dem, was wir ansatzweise schon aus den Erfahrungen in Kanada und insbesondere den USA herausgeschält hatten — nämlich, dass die Immersion vor allem für Mitglieder der nationalen Mehrheitsgesellschaft geeignet ist, um eine Minderheitensprache zu erlernen. Nicht anders herum.

Doch die Klarheit, mit der diese Erkenntnis in diesem Seminar vorgebracht wurde, ist besonders erhellend.

Prof. Jasone Cenoz beschreibt in ihrem Vortrag nebenbei, was der Hauptunterschied zwischen Immersion und CLIL ist: Durch Immersion wird hauptsächlich eine Minderheitensprache gelehrt und gelernt, durch CLIL vor allem Englisch.

Diesbezüglich ist es also zumindest etwas sonderbar, dass in Südtirol die Erlernung von Deutsch bzw. Italienisch als CLIL bezeichnet wird (vermutlich um das »Reizwort« Immersion zu umgehen).

In der Folge will ich hier einige aus meiner Sicht signifikante Zitate aus den NPLD-Vorträgen wiedergeben. Der gesamte Vortrag kann aber unter obigem Link abgerufen werden und ist meiner Meinung nach äußerst lohnend. Unter anderem erläutert Frau Pereña Pérez Ansätze zur Einbindung der Herkunftssprachen von Kindern, deren Erstsprache keine der örtlichen Amtssprachen ist.

Die Idee der Immersion ist in Europa eng mit der »Umkehr des Sprachwechsels«, wie es [Joshua] Fishman genannt hat, verknüpft. Die Immersion soll einen Beitrag leisten beim Versuch, den Prozess des Verlusts oder der Schwächung von Minderheitensprachen zu stoppen. So haben wir in Europa eine Kombination von Programmen, die Spracherhalt und -entwicklung für Sprecherinnen von Minderheitensprachen und Immersionsprogramme für Sprecherinnen von Mehrheitssprachen oder anderen Home-Languages sind. Es ist also eine Kombination von beidem. Streng genommen handelt es sich um Immersion für die, die die Mehrheitssprache oder eine andere Sprache zu Hause sprechen.

— Prof. Jasone Cenoz

Ich muss unterstreichen, dass die Charta [der Regional oder Minderheitensprachen] — unabhängig von der Notwendigkeit, den Unterricht in der offiziellen Staatssprache aufrecht zu erhalten — nicht den Schutz der offiziellen Staatssprache betrifft. Dies ist nämlich eine nationale Frage. Und wie einige Beispiele aus Kanada zeigen, kann die nationale Mehrheit nicht wie eine Minderheit behandelt werden, und zwar ungeachtet der speziellen Situation. Das ist eine der Schlussfolgerungen des Menschenrechtsausschusses, die im Zusammenhang mit dem Internationalen Pakt über politische Rechte gemacht wurden.

— Vesna Crnić-Grotić

Immersion nach dem kanadischen Modell wurde in Finnland Ende der 70er Jahre eingeführt. Es handelt sich um ein optionales Unterrichtsangebot, das für jene existiert, die die Mehrheitssprache — in diesem Fall also Finnisch — als Erstsprache haben und die sonst nicht auf natürliche Art mit der Immersionssprache Schwedisch in Berührung kommen würden. […] Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel aus der finnischen Schule Keskuskoulu in der zweisprachigen Gemeinde Vasa geben: Die Schule hat 400 Schülerinnen in den Schuljahren 1 bis 6. Zwei Drittel der Schülerinnen erhalten Immersionsinterricht, und um es klarzustellen: alle diese Schülerinnen haben Finnisch als Muttersprache. Im ersten Schuljahr ist der gesamte Unterricht in Schwedisch und wenn die Schülerinnen die 5.-6. Klasse erreichen, wird die Hälfte des Unterrichts in der Immersionssprache [Schwedisch] abgehalten, die andere Hälfte in der Erstsprache und in anderen Sprachen. Die Lehrpersonen, die in der Immersionssprache unterrichten, sprechen nur diese Sprache mit den Schülerinnen, da es wichtig ist, dass die Schülerinnen die Sprache in verschiedenen Funktionen und Situationen hören und gebrauchen.

— Christina Gestrin

Übersetzungen aus dem Englischen von mir.

Siehe auch:

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Modello linguistico e scolastico in crisi.
Catalogna

Da anni su questa piattaforma scriviamo che la scuola plurilingue, specie se il modello è «paritetico» rischia, suo malgrado, di diventare uno strumento di assimilazione. Dopo l’era franchista, sin dall’inizio, in Catalogna si è invece deciso di puntare tutto sull’inclusione, su una scuola plurilingue asimmetrica con forte prevalenza della lingua catalana. In teoria, il peso della lingua minoritaria nelle scuole sarebbe dovuto essere maggiore proprio nelle zone in cui il suo uso sociale era più flebile.

Già da anni giravano voci secondo cui molte scuole, e molti maestri, non sarebbero in grado (o non avrebbero la volontà) di garantire l’assimetria prevista e che anzi in realtà il rapporto tra castigliano e catalano sarebbe capovolto. In un numero di cortili scolastici crescente, inoltre, la lingua franca tra gli alunni sarebbe ormai il castigliano. Non proprio quello che la politica catalana aveva immaginato quando con la rinuncia alla cosiddetta «segregazione» degli alunni per lingua aveva anche dichiarato di voler fare del catalano la lingua di coesione comune.

Fin qui le chiacchiere. A far molto discutere però è la recente elaborazione del quotidiano El Punt Avui (del 13 dicembre) sulla base di dati ufficiali e certificati: tra il 2005 e il 2020 la quota di chi dichiara che il catalano è la sua «lingua abituale» sarebbe sceso dal 46,0% al 36,1%. Un calo oltre ogni aspettativa, quando anzi la speranza era che le cifre fossero in aumento.

Certo, la situazione non cambia osservando le altre realtà di lingua catalana, dove i modelli linguistici e scolastici sono molto differenti: nel País Valencià il catalano era «lingua abituale» del 32,8% della popolazione nel 2005, del 28,1% oggi. Stessa storia per Isole Baleari (45,0% → 36,8%), Alguer/Alghero (13,9% → 9,1%) o Catalogna del Nord (3,5% → 1,3%).

Se è vero che le ragioni di questa débâcle non vanno ricercate solamente nella scuola, sembra anche certo che il sistema istruzione non sia comunque riuscito a fermare un declino che ormai ha assunto dimensioni allarmanti. E ne è conferma il fatto che tutte le statistiche dimostrano come l’uso sociale della lingua minoritaria è maggiormente in calo nei giovani.

Per decenni la scuola unica plurilingue ed assimetrica catalana sembrava un modello vincente, in grado di promuovere la coesione sociale, di formare persone plurilingui e di salvaguardare la lingua catalana, facendola diventare una sorta di bene comune.

E invece. Invece, se per ora non ci sono voci ufficiali che mettono in forse il modello scolastico, è anche vero che per la prima volta — da quando seguo media e politica catalani — la rivendicazione di scuole separate per lingua sta assumendo connotazioni più che aneddotiche. Altrimenti, dicono alcuni, la lingua potrebbe sparire definitivamente.

Non è detto (e anzi sembra improbabile) che queste voci possano prendere il sopravvento. Il modello attuale sta però attraversando una forte crisi.

E se la scuola è certamente un tassello fondamentale della politica linguistica, urge interrogarsi se non sia prima di tutto il modello di stato, quello nazionale, a mal conciliarsi con la pluralità linguistica. A lungo andare infatti, a prescindere dal tipo di tutela linguistica, sembra che tutte le minoranze tendano verso zero.

Quel che cambia è solo la velocità con cui avanza l’assimilazione.

Vedi anche:

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Minderheiten: Fernand de Varennes in Spanien.
UN-Sonder­berichterstatter bemängelt zahlreiche Defizite

Der UN-Sonderberichterstatter betreffend Minderheiten führt jährlich im Normalfall zwei Landesbesuche durch. Dabei trifft er sich mit Räpresentantinnen von Exekutive, Legislative und Judikative, spricht mit Vertreterinnen UN-Büros und anderen internationalen Organisationen sowie von Zivilgesellschaft und NROs. Ziel ist es, dem UN-Menschenrechtsrat Bericht zu erstatten und Verbesserungen beim Minderheitenschutz herbeizuführen.

Solche Besuche finden allerdings auf Einladung des betreffenden Staates statt. Italien war bislang nicht darunter.

Im Jahr 2019 besuchte der amtierende Sonderberichterstatter, Dr. Fernand de Varennes, Spanien. Der daraus hervorgegangene Bericht enthält Bemerkenswertes, und zwar unter anderem:

  • Punkt 58: Die abermalige Anerkennung des katalanischen Schulsystems, dessen Grundlage eine stark asymmetrische Immersion zugunsten der katalanischen Sprache ist.
  • Punkt 65: Die Empfehlung, dieses hoch erfolgreiche und von der UNESCO ausgezeichnete Schulsystem nicht durch Maßnahmen zu gefährden, die den Anteil an Unterricht in katalanischer Sprache einschränken. Im Jahr 2015 hatte das spanische Höchstgericht (Tribunal Supremo) geurteilt, dass mindestens 25% des Unterrichts in spanischer Sprache (Kastilisch) durchzuführen sei (vgl. Punkt 57).
  • Punkt 66: Die Kritik am dreisprachigen Schulmodell (Kastilisch, Katalanisch und Englisch), für das sich einige Schulen auf den Balearen entschieden haben, weil es den Unterricht in der Minderheitensprache (Katalanisch) einschränke (vgl. Punkt 86).
  • Punkte 67-70: Die Sorge über das drastische Vorgehen gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung und die (Höhe der) verhängten Haftstrafen — sowie über das Signal, das dadurch an andere Minderheiten ausgesandt werde.

Autonome Gemeinschaften in Spanien üben deutlich mehr Zuständigkeiten aus, als Südtirol. Dennoch ortete der Sonderberichterstatter — auch aufgrund der Beschwerden, die von zivilgesellschaftlichen Organisationen vorgebracht wurden — teils massive Defizite beim Minderheitenschutz. Unter anderem ist dies darauf zurückzuführen, dass einschlägige Gesetze nicht umgesetzt wurden, wovon wir auch hierzulande ein Lied singen können.

Über das hier zusammenfassend Erwähnte hinaus beinhaltet der Bericht auch interessante Erkenntnisse zu anderen Minderheiten wie Roma, Gehörlose, Zugewanderte oder Musliminnen. Ein Besuch des Sonderberichterstatters würde sich auch bei uns durchaus lohnen.

Siehe auch:

Minderheitenschutz Plurilinguismo Publikationen Racism Recht Repression Roma+Sinti Scola | affirmative action Best Practices CLIL/Immersion Good News | | | Catalunya Illes Balears Italy Spanien Südtirol/o | UNESCO UNO | Deutsch

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Autorinnen und Gastbeiträge

Eine »Europäische Schule« für Südtirol?
Vorstoß des Team K

von Thomas Benedikter

Eine mehrsprachige Schule wird in Südtirol seit Langem gefordert, in verschiedenster Gestalt. Mehrsprachige Schulen sind modern und trendy. Wohlfeil ist das Etikett „europäisch“, obwohl sich darunter gemeinhin nur ein massiver Einsatz von Englisch als Unterrichtssprache verbirgt. Das macht uns zwar fit für die Globalisierung, aber ist die Schule dann schon „europäisch“? Der letzte Vorschlag in diese Richtung stammt vom Team K, das mit einem Beschlussantrag (im Landtag am 4. Februar 2020) eine „Europäische Schule“ für Südtirol fordert. Damit soll die Mehrsprachigkeit gefördert und den Schülern eine Gelegenheit geboten werden, in ein mehrsprachiges Umfeld einzutauchen. Die Europäische Schule, betonte Einbringer Alex Ploner bei der Vorstellung des Beschlussantrags am 31. Jänner 2020, „würde die derzeitige Struktur des Schulwesens nicht verändern, sondern ein zusätzliches Angebot zum heute bestehenden schaffen.“ Auch eine Änderung von Art. 19 des Autonomiestatuts sei nicht nötig. Passt eine solche Schulform für Südtirol und würde sie das heutige System optimal ergänzen? Hier sechs Einwände:

  1. Europäische Schulen sind seit 1953 dort gegründet worden, wo EU-Institutionen ihren Standort haben, sind ganz eigene Rechtssubjekte und bis heute im Kern Schulen für die Mitarbeiterinnen dieser EU-Einrichtungen. Die Lehrpersonen stammen von den nationalen Schulbehörden, die Schulen werden von den EU-Staaten getragen und finanziert. Südtirol hat keine EU-Institution und keine bunte Eurokratenschar zu bedienen. Wozu also eine solche Schule?
  2. Das Team K bezieht sich in seinem Vorschlag vor allem auf sogenannte „Anerkannte Europäische Schulen“. Als solche können auch nationale Schulen akkreditiert werden, sofern sie den pädagogischen Anforderungen von Europäischen Schulen entsprechen. Sie sind aber vollständig Teil des nationalen Bildungssystems und haben mit der EU finanziell und administrativ nichts zu tun. Wiederum stehen die zwölf heute in der EU existierenden Schulen dieser Art fast ausschließlich an Standorten von EU-Institutionen. Im Rahmen des Südtiroler Schulsystems würde eine solche Schule sowohl administrativ wie inhaltlich aus der Reihe fallen und eine eigene rechtliche Regelung erfordern.
  3. Nur um mehr Fremdsprachen einzusetzen, braucht keine Südtiroler Schule sich als „Europäische Schule“ anerkennen zu lassen. So steht z.B. in der Bozner Pascoli-Oberschule so viel CLIL auf dem Programm, dass sie klassische „Europäische Schulen“ schon übertrifft, die im Wesentlichen muttersprachliche Sektionen haben. Ohne trendiges Etikett steht es den Südtiroler Schulen heute schon frei, mehr Sachfachunterricht in zwei anderen Sprachen einzuführen oder einfach nur den Fremdsprachenunterricht zu verbessern.
  4. Im Kern sind Südtirols Schulen aller drei Sprachgruppen im Grunde schon ziemlich „europäisch“ im Sinne der EU-Vorgabe Muttersprache +2. L2 und L3 werden hierzulande mehr und besser gelernt als in vielen Ländern Europas, ganz zu schweigen von anderen Regionen Italiens (mit Ausnahme des Aostatals). Wenn das Team K hingegen unter dem Etikett „europäisch“ eigentlich internationale Schulen mit sehr viel Englisch als Unterrichtssprache anstrebt, sollte es das sagen. Das käme dann den Wünschen des Unternehmerverbandes (UVS) entgegen, der Spezialschulen für seine auswärtigen Mitarbeiter fordert, nicht aber einer eigenständigen Bildungspolitik.
  5. Das Team K behauptet, dass „Europäische Schulen“ keine Änderung von Art. 19 des Autonomiestatuts erfordern würden (zwei eigenständige muttersprachliche Schulsysteme plus das in den ladinischen Ortschaften). Dies trifft zum Teil zu, weil interessanterweise auch in den Europäischen Schulen vorwiegend in der Muttersprache der Jugendlichen unterrichtet wird. Zum Teil aber nicht, weil in einigen Fächern gemeinsamer Unterricht für alle in anderen Sprachen stattfindet. Ein solch zusätzliches Angebot ins Südtiroler Bildungssystem einzufügen, geht nicht ohne Änderung des Statuts.
  6. Schließlich die Frage der „Ergänzung des bestehenden Schulsystems“ durch eine Europäische Schule. Zum ersten genügt nicht die Einführung einer einzigen Schule dieser Art (Alex Ploner will sie am besten im Bozner Bahnhofspark platzieren), denn in Südtirol gibt es ein gutes Dutzend Oberschultypen. Warum sollte ein Realgymnasium nach diesem Modell funktionieren, eine Fachoberschule für Wirtschaft aber nicht? Warum sollte eine Europäische Schule nur für die Bozner geschaffen werden, und nicht auch für alle übrigen Landesteile? Damit zum zweiten Bedenken: ganz neue Schulformen mischen ein bewährtes System unnötig auf. „Ergänzung“ geht nicht. Alles, was die Einführung einer neuen Schulform bewirken würde, ist eine ruinöse interne Konkurrenz, wie dies Simon Constantini schon 2016 in seinem Beitrag „Zweisprachige Schule – Individuum und Gesellschaft“ zum Buch „Mehr Eigenständigkeit wagen“ ausgeführt hat. Überdies ist das Team K den Nachweis schuldig, dass die heutige Südtiroler Schule zu geringe Qualität und zu geringe Fremdsprachenkenntnisse produziert.

Die Schlussfolgerung zum Vorstoß des Team K liegt somit auf der Hand. Südtirol braucht keine „Europäische Schule“. Unser Land ist weder Brüssel noch Luxemburg, weder eine Finanzmetropole noch eine Großstadt mit tausenden Businessnomaden. Seinen Bedarf an Erlernung der Zweit- und von Fremdsprachen kann Südtirol auch mit dem heutigen Schulmodell decken. Warum sollte ein Schulmodell, das für eine sprachlich heterogene Zielgruppe wie das EU-Personal an Standorten von EU-Einrichtungen passt, für Südtirol und seine besondere Minderheitensituation passen? Und warum sollten Südtirols Jugendliche normaler Oberschulen plötzlich mit Absolventen solcher Schulen konkurrieren müssen, wenn im gesamten deutschen Sprachraum nur ein Modell — die muttersprachliche Schule mit L2 und L3 als Fremdsprache — Standard ist? Wer denkt in Nordtirol, Graubünden oder Bayern daran, aus wirtschaftlichen Gründen eine öffentliche „Europäische Schule“ in Konkurrenz zum bestehenden Schultyp einzurichten? Warum sollte unser heutiges Erfolgsmodell muttersprachlich eigenständiger Schulen ohne Not aufgegeben werden oder halt einer internen Konkurrenz durch ein „ergänzendes Schulangebot“ ausgesetzt werden?

Dieser Beitrag wurde am 3. Februar 2020 vom Autor überarbeitet und ergänzt.

Siehe auch:

Plurilinguismo Politik Scola Service Public Wirtschaft+Finanzen | CLIL/Immersion | Thomas Benedikter | | Aoûta-Aosta Bayern Grischun Nord-/Osttirol Südtirol/o | EU Südtiroler Landtag Team K. | Deutsch

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Doppelpassbefürworter: jung, hochgebildet und zweisprachig.
Kopierte Interpretationen: Rohdatenanalyse vs. Presseaussendung

Seit das Land Südtirol auf einer Pressekonferenz und in einer Presseaussendung das CLIL-Experiment an deutschen Schulen als Erfolgsgeschichte verkauft hat, die Medien allesamt fast ausschließlich diese Presseaussendung wortwörtlich und ungeprüft übernommen haben, jedoch die dazugehörige Evaluation auch ganz andere, in der medialen Kommunikation unerwähnte, teils widersprüchliche Aspekte zu Tage gefördert hat, habe ich eine Angewohnheit. Immer wenn Studien- oder Umfrageergebnisse publiziert werden, versuche ich, an die Rohdaten zu gelangen, um die in den Aussendungen veröffentlichten Interpretationen überprüfen und gegebenenfalls ergänzen zu können.

Die interessanten aber – zumindest für mich – nicht wirklich überraschenden Umfrageergebnisse der Südtiroler Michael-Gaismair-Gesellschaft zum Thema “Doppelpass” boten wieder einmal einen solchen Anlass. Glücklicherweise sind auf der Webseite der Gesellschaft die Rohdaten einsehbar. Und diese bergen tatsächlich die eine oder andere Überraschung.

Von den Journalistinnen im Lande hat sich offenbar niemand die Mühe gemacht, die Umfrage im Detail anzusehen. Salto und Tageszeitung haben die Aussendung mehr oder weniger 1:1 ohne viel Eigenleistung übernommen. Stol und Südtirolnews beziehen sich auch nur auf Aussagen aus dem Pressetext und machen sich somit die Interpretation der Auftraggeber der Umfrage zu eigen.

Die Presseaussendung der Michael-Gaismair-Gesellschaft halte ich jedoch für tendenziös und selektiv.

Die Südtiroler sind nicht an der österreichischen Staatsbürgerschaft interessiert.

Mehr als ein Drittel der Südtiroler ist an der österreichischen Staatsbürgerschaft interessiert. Ich erachte das schon als eine signifikante Minderheit. Es müsste also heißen “die Mehrheit der Südtiroler/60 Prozent der Südtiroler sind nicht an der österreichischen Staatsbürgerschaft interessiert”. Reißerische Überschriften zu finden ist für gewöhnlich Aufgabe des Boulevard und nicht einer Gesellschaft mit wissenschaftlichem Anspruch.

Der Unterschied zwischen den Sprachgruppen fällt auch bei dieser Frage kaum ins Gewicht: 68% der Südtiroler italienischer und 58% deutscher Muttersprache würden sicher keinen Antrag stellen.

Ist es tatsächlich eine gängige Interpretation, dass ein Unterschied von 10 Prozentpunkten keine relevante statistische Größe ist?

Anders als immer wieder behauptet, hat die überwiegende Mehrheit der Südtiroler Bevölkerung nicht den Wunsch, zusätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft zur italienischen verliehen zu bekommen.

Gibt es für diese Feststellung irgendwelche Belege? Ich habe die Debatte um die Doppelstaatsbürgerschaft recht intensiv verfolgt. Mir wäre aber nicht aufgefallen, dass die Verfechter einer doppelten Staatsbürgerschaft immer wieder behauptet hätten, dass die “überwiegende Mehrheit” den Doppelpass wünschte.

Sie steht einer solchen kollektiven Verleihung vielmehr sehr skeptisch gegenüber, nicht zuletzt deshalb, weil sie darin eine Gefahr für das Zusammenleben sieht.

Trotz der großmehrheitlichen Ablehnung des Doppelpassansinnens, sieht laut den Umfragezahlen eben keine Mehrheit darin eine Gefahr für das Zusammenleben – weder eine absolute noch eine relative. Zwar sagen 40 Prozent, dass es das Zusammenleben beeinträchtigen würde. Jedoch erwarten 36 Prozent überhaupt keine Auswirkungen und 10 Prozent erachten das Ansinnen sogar als förderlich. Heißt also, dass mindestens 46 Prozent (relative Mehrheit) keine entsprechende Gefahr für das Zusammenleben im Land befürchten.

Die wirkliche Überraschung

Zum Abschluss habe ich aus den Rohdaten dann einige für mich doch überraschende und im medialen Diskurs unberücksichtigte Informationen herausgekitzelt.

Wenn man sich das Ergebnis nach demographischen Eigenschaften aufgeschlüsselt ansieht, fällt eines auf. Diejenigen, die “auf jeden Fall” und “unter Umständen” um einen österreichischen Pass ansuchen würden (gesamt 34 Prozent) wie auch die geringsten Widerstandswerte aufweisen, sind überproportional jung, hochgebildet und zweisprachig.

Laut der Studie würden ganze 48 Prozent der 18- bis 34-Jährigen einen Antrag zumindest in Erwägung ziehen. Bei den über 65-Jährigen sind es hingegen nur mehr 17 Prozent. Diejenigen, die den Pass bestimmt nicht beantragen würden, sind bei den 18- bis 34-Jährigen mit 44 Prozent in der Minderheit, in der Generation 65+ mit 77 Prozent in der satten Mehrheit.

Ähnlich ist das Gefälle beim Bildungsniveau. Unter den Hochschulabsolventen können weit überdurchschnittliche 42 Prozent sich vorstellen, einen österreichischen Pass zu beantragen. Bei Menschen die nur die Grundschule besucht haben bzw. ohne Schulabschluss sind, sind es gerade einmal 15 Prozent.

Und auch bezüglich der Sprachfertigkeit gibt es signifikante Unterschiede. Umfrageteilnehmer, die sich als (fast) einsprachig geoutet haben, sind nur zu 26 Prozent am österreichischen Pass interessiert, während unter den “gut zweisprachigen” Südtirolern 35 Prozent Sympathien für einen Antrag hegen.*

Könnte es sein, dass diese Zahlen nicht ganz in das oft recht starre, vorgefertigte Weltbild vieler Gegner der Doppelstaatsbürgerschaft (zu denen ich mich übrigens auch zähle) passen? (Vergleiche dazu Demographie der Unabhängigkeitsbefürworter in Katalonien.)

Schmankerl

“Internationale Presse” ist, wenn der österreichische Standard über ein Ereignis berichtet, das in Wien stattfand. (Die Umfrage wurde nämlich ebendort im Café Prückel vorgestellt.)

* Freilich ist zu beachten, dass die Schwankungsbreite bei Detailaspekten höher ist, aber eine Tendenz lässt sich dennoch herauslesen.

Siehe auch:

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Tiroliban-Merkheft.

Ich will schon seit gestern irgendetwas Abfälliges über das neue Merkheft der Süd-Tiroler Freiheit (Südtiroler Trutzlied, »Süd-Tirol, viel zu schade für Italien«, »Unser Unterricht bleibt DEUTSCH!«…) schreiben, doch mein Hirn weigert sich beharrlich, sich mit soviel Schwachsinn auseinanderzusetzen. Wofür ich Verständnis habe.

Siehe auch:

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