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Olympia: Zwei Referenda in Katalonien.

Die katalanische Regierung möchte in den Pyrenäen 2030 die Olympischen und Paralympischen Winterspiele organisieren. Dazu wird sie am 24. Juli gleich zwei Referenda abhalten, und zwar eines in den direkt betroffenen und eins in den umliegenden Gebieten (Comarques). Die Fragestellungen wurden bereits veröffentlicht.

Im Alt Pirineu und Aran lautet die Frage:

Soll die Regierung der Generalitat eine Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2030 einreichen?

A) Ja, sie soll sie einreichen – B) Nein, sie soll sie nicht einreichen

Im Ripollès, Berguedà und Solsonès lautet die Frage:

Soll Ihre Comarca in das Projekt der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2030 einbezogen werden?

A) Ja, ich bin mit einer Einbeziehung einverstanden – B) Nein, ich bin mit einer Einbeziehung nicht einverstanden

Übersetzungen aus dem Katalanischen von mir

An den Befragungen dürfen die Bewohnerinnen der jeweiligen Comarques ab 16 Jahren teilnehmen.

Der Unterschied zu Südtirol könnte größer nicht sein. Während es inzwischen in demokratischen Ländern gang und gäbe ist, die Bevölkerung zur Abhaltung von Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen zu befragen und in Katalonien die nicht unmittelbar betroffenen Gebiete sogar in einer gesonderten Abstimmung entscheiden dürfen, war Südtirol quasi über Nacht Teil der Olympischen Winterspiele in Mailand und Anpezo — und finanziert sogar eine teure Bobbahn mit. Die Bevölkerung wurde nicht befragt.

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Olympia in Anpezo, wir zahlen.

Wie die Grünen nun aufgedeckt haben, hat LH Arno Kompatscher (SVP) Südtirol im Vorfeld der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2026 dazu verpflichtet, sich an den laufenden Kosten für die hoch umstrittene Bobbahn in Anpezo zu beteiligen. Als Beweis legten sie eine Kopie der entsprechenden Absichtserklärung vom März 2019 vor.

Die Kosten für den Ausbau der Eugenio-Monti-Bahn sollen sich auf rund 80 Millionen belaufen, das Defizit wird auf bis zu 1 Million pro Jahr geschätzt, wobei sich der Landeshauptmann für einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren verpflichtet hat.

Mit einer Landtagsanfrage wollen die Grünen nun unter anderem in Erfahrung bringen, ob Arno Kompatscher überhaupt einen Auftrag der Landesregierung hatte, die Absichtserklärung zu unterzeichnen, ob die Kostenbeteiligung vertraglich geregelt wurde und ob es eine Möglichkeit gibt, sich dieser Verpflichtung zu entziehen.

Fast zeitgleich lehnte der Landtag gestern übrigens die grüne Forderung ab, Gemeinden und Bevölkerung stärker einzubinden, wenn die Entscheidung ansteht, sich an Großveranstaltungen zu beteiligen.

Sollte es jemals einen Zweifel daran gegeben haben, so lässt die Beteiligung am Defizit der Bobbahn den Traum von — wenigstens aus Südtiroler Sicht — ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Winterspielen wohl endgültig zerplatzen.

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Olympia und die Vielfalt.

Der rührige Hotelier Michil Costa zeigt sich in einem Communitybeitrag auf Salto entsetzt: Wenn die Eröffnungszeremonie der Ski-WM in Anpezo (Cortina) ein Vorgeschmack auf die Winterspiele 2026 ist

dann bestätigt das leider unsere Zweifel an dieser olympischen Veranstaltung[.]

Als Ladiner (ähm) habe er sich betrogen gefühlt: alle Ansprachen nur auf Italienisch, die Dolomiten nicht wahrnehmbar.

Enttäuschend, banal, deprimierend und beleidigend habe er ferner gefunden

wie wenig Raum unserer ladinischen Kultur eingeräumt wurde, mit Tänzen und einer Musik, die nichts mit uns und unserer Heimat zu tun haben[.]

Wer sich aber von nationalistischen Festspielen wie einer WM oder Olympia etwas anderes erwarten würde, als die Negierung von Diversität über das Allernötigste hinaus, müsste sich als naiv bezeichnen lassen. Da zählt billige Folklorisierung schon zum höchsten der Gefühle. Um etwas anderes zu erzielen, müsste man schon einen Plan haben — sowie den Willen, die Kraft und die Beharrlichkeit, ihn umzusetzen. Barcelona ’92 ist Legende, doch viel wahrscheinlicher ist, es geht schief.

Am weitgehenden Verschwinden des Ladinischen aus dem öffentlichen Leben von Anpezo haben die Olympischen Spiele von 1956 ihren gewichtigen Anteil. Warum sollte gerade eine Wiederholung desselben Fehlers, noch dazu im Schlepptau einer italienischen Großstadt, daran etwas ändern?

Wohl nur eine Erzählung, die das Nationale stark konterkariert (z.B. die Austragung der Spiele als grenzüberschreitende Euregio) könnte dem gleichmacherischen Automatismus substanziell etwas anhaben.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

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Autorinnen und Gastbeiträge

Pugnon su ra Olinpiades.

de Elsa Zardini, Union de i Ladis de Anpezo

L é de iusto che se conosce anche cheroutra fazada de Anpezo, chera che i no m à mostrà par televijion e su ra gazetes, chera del gran cruzio par trope anpezane par ra asegnazion de ra Olinpiades del 2026. Parceche ra nostra śente r é beleche pasada su chel troi del 1956. Na trista inposizion politica de ra rejon del Veneto, portada inaante senza aé sentù ra pugnon del paes, de chi che à da vive duto l àn cà e da se defende chel poco che l é vanzà, e chel che l é ancora inze ra mas de ra nostra śente che no vo s’in śi da ra so tèra natia, de chi che no n à fato vita da sciore, ma che à senrpe lourà e fato sacrifizie par se mantegnì ra so ciaśes. Parce no n’ elo sta fato un referendum par saé ce che i pensaa cà in Anpezo? Negun à vorù sentì rejos e i é śude inaante a mariaorba. Del resto se sa, Anpezo l é senpre sta una bona sceiba da dorà par se fei biei, par se bete al mostron ogni ota che l é biśoin e dapò… dute se descmentea de sto paradis che el Signor m à donà. I é śude adora infinamai a strapazà ra toponomastica chera vera da CORTINA d’AMPEZZO a CORTINA, i disc par favorì el marketing. Ma nos in on fin sora i ciaei de jeste, seguiton a portà inaante ra cultura ladina par ra noa jenerazios. A ra fin de i conte se sa ben che CULTURA E IDENTITÀ no n è sode e speculazios, con i sode se seporisce duto. Aeo sentù calchedun parlà de cultura ste dis? NO, negun. Festes, ciacoles e bon coscì, gnanche par i 10 ane de l UNESCO negun à spendù na parola par defende ra nostra tèra. Dinultima chi che à da perde in ogni cajo son nos zitadis d’Anpezo. I à beleche fato un studio a ra Università la Sapienza de Roma par vede quanta steores che portarà al stato chesta Olinpiades e…. nos aron da pagà! No parlon de i debite che vanzarà al Comun, el nosc referendum par ra riunificazion del popol ladin anche chel seporì e tanto outro che me tociarà padì che no ouso gnanche pensà. Ra cianpanes d’Anpezo ś à sonà da canpanoto, da festa granda in chera sera, speron che ‘es no n ebe sonà ra angonia d’Anpezo.

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»Olympische« Symbolik.

Irgendetwas scheint das Logo der Olympischen Spiele 2026 — mit einem Austragungsort in Südtirol — von so gut wie allen anderen Olympialogos der Nachkriegszeit zu unterscheiden. Mir will aber einfach nicht einfallen, was es denn sein könnte…


Alle Logos: Wikipedia.

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Olympia »bei uns«.
Die Spiele, die niemand haben wollte

Mailand und Anpezo konnten sich gestern in Lausanne durchsetzen und die olympischen Spiele 2026 nach »Italien« holen. Auch Südtirol wird mit der Südtirolarena in Antholz Austragungsort sein.

Die Bewerbung war erfolgreich — doch gegen wen eigentlich?

  • Nord-/Osttirol entschied sich im Oktober 2017 per Volksabstimmung (53,3%) dagegen, eine zunächst geplante Kandidatur von Innsbruck weiterzuverfolgen.
  • Mit einer ähnlichen Mehrheit entschieden sich die Bürgerinnen des Kantons Wallis (54%) im Juni 2018 gegen eine finanzielle Unterstützung der Kandidatur von Sitten/Sion, womit diese hinfällig und zurückgezogen wurde.
    Schon im Februar 2017 hatte sich die Stimmbevölkerung des klassischen Wintersportkantons Graubünden überraschend klar (60,1%) gegen eine Bewerbung ausgesprochen.
  • Im Juli 2018 zog Österreich auch die Bewerbung von Graz/Schladming wieder zurück, nachdem die steirische Landesregierung ihre Unterstützung versagt hatte.
  • Im September 2018 zog Japan die Bewerbung für Sapporo zurück. Man wolle sich ggf. um die Winterspiele 2030 bewerben.
  • Im November 2018 zog Kanada die Kandidatur für Calgary zurück, nachdem sich die Bevölkerung des Wintersportorts in einer Abstimmung (56%) gegen eine Weiterverfolgung der Pläne ausgesprochen hatte. Vorangegangen waren schwierige Verhandlungen mit Föderation und Provinz Alberta zur Finanzierung der Großveranstaltung.
  • Die Kandidatur von Erzurum in der Türkei wurde vom IOK erst gar nicht angenommen, da sich die Austragungsorte zu nah an derzeitigen Kriegsgebieten in Syrien befinden.

Am Ende blieben nur noch die Bewerbungen von Stockholm-Åre und Mailand-Anpezo übrig, zwischen denen sich die Delegierten gestern zu entscheiden hatten. Doch während sich die schwedische Regierung noch in letzter Minute hinter die eigene Kandidatur gestellt hat, war die Stadtverwaltung von Stockholm nicht für eine tatkräftige Unterstützung des Vorhabens zu erwärmen.

Und Umfragen des IOK zufolge soll die Zustimmung in der Bevölkerung zur Austragung der Spiele in Italien höher gewesen sein als in Schweden.

Anzahl Olympiabewerbungen in der Endrunde:
AustragungsjahrAnzahl
20262
20222
20183
20143
20103
20062
20024
19985
19944
19927
19883
19843
19801
19764
19724
19686
19643
19604
19564
19523
19482

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Italienische Hymne in Tracht.
Die Quadratur des Kreises

Ich hoffe, dass [bei den Olympischen Spielen] eine tolle Kapelle in Tracht die [italienische] Hymne spielt — die spielen ja sehr gut. Und ich weiß, dass die Athleten [damit] keine Probleme haben.

Wir haben nächstes Jahr zum Beispiel die Europameisterschaft im Handball, dort haben wir zusammen mit Innsbruck diese Austragung — und hier wird auch in Italien gespielt, das heißt in Südtirol. Aber man kann sich nicht ausreden oder einbilden, dass wir jetzt eine olympische Austragungsstätte haben und sagen »das ist Südtirol und nicht irgendwie im italienischen Staat eingebunden.« Das ist absolut unmöglich.

Heinz Gutweniger, Chef des Südtiroler Landeskomitees im NOK (CONI) bei Pro und Contra (Rai Südtirol, 9. April 2019) über die mögliche Austragung olympischer Bewerbe in Antholz

Wie war das nochmal mit den inexistenten Grenzen? Wobei: Anderswo in Europa ist das auch gar nicht »absolut unmöglich«. Dort hat man aber keine Vorzeigeautonomie, vielleicht liegt es ja daran.

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Olympia: Abstimmung mit den Betten.

Dem Vernehmen nach könnte die Olympiakandidatur von Mailand und Anpezo, der sich Südtirol angehängt hat, an den Gästebetten für Athletinnen, Mitarbeitende und Medien scheitern. In Südtirol etwa habe die Hotellerie erst Zusagen in der Höhe von 20% der nötigen Unterkünfte gegeben, und das einen Tag vor dem offiziellen Abgabetermin für die Kandidaturen.

Selbst wenn den Organisatorinnen im letzten Moment gelingen sollte, die erforderliche Bettenzahl zusammenzukratzen, sollte uns das doch zu verstehen geben, wie kaputt Olympia inzwischen ist. Wenn die Bewerbung schon an denen zu scheitern droht, die noch am ehesten ein (wirtschaftliches) Interesse an der Austragung des Großereignisses haben sollten, stimmt etwas ganz und gar nicht. Da kann unser Landesolympionik noch so sehr die Traumhaftigkeit der Bewerbung beschwören.

Die anderen Südtirolerinnen wurden ja erst gar nicht gefragt, doch die Hotelièren haben schon mal abgestimmt. Auf ihre Art.

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