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Wird Neuseeland zu Aotearoa?

Die Māoripartei Te Pāti Māori hat vor wenigen Tagen eine Onlinepetition gestartet, um Neuseeland in Aotearoa umzubenennen und bis 2026 sämtliche noch nicht wiederhergestellten Māori-Ortsnamen im Land der langen weißen Wolke zu veramtlichen. Wir sind im 21. Jahrhundert, die Zeit dafür sei gekommen.

In nur 36 Stunden wurde die Petition laut Te Pāti Māori von 40.000 Menschen unterzeichnet, nach zwei Tagen waren es bereits 50.000.

Der Name Aotearoa findet bereits breite amtliche Anwendung, so zum Beispiel auch auf den kürzlich hier thematisierten Reisepässen (deren Sprachreihung von Englisch-Māori auf nunmehr Māori-Englisch geändert wurde) oder auf den Banknoten.

Eine Petition zur Umbenennung von Neuseeland bzw. zur Durchführung eines entsprechenden Referendums hatte 2019 etwas mehr als 6.000 Unterschriften erhalten und war im selben Jahr von den Grünen ins Parlament eingebracht worden. Sie blieb erfolglos.

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Reisepass: Māori first.
Aotearoa/Neuseeland

Der neuseeländische Reisepass wird einer sicherheitstechnischen — und damit einhergehend einer sprachlichen — Überarbeitung unterzogen. Wie das Te Tari Taiwhenua Department of Internal Affairs von Aotearoa mitteilt, wird der neue Reisepass nicht nur fälschungssicherer gemacht, sondern auch eine deutliche Aufwertung der Landessprache Māori mit sich bringen.

Datenseite des neuen neuseeländischen Reisepasses

Im gesamten Dokument wird die Minderheitensprache nicht nur gleichwertig mit Englisch angeführt, sondern — dem Prinzip der positiven Diskriminierung folgend — sogar erstgereiht sein, wie auch den bereits in Umlauf gebrachten Bildern zu entnehmen ist. Dies obschon (oder gerade weil) rund 95% der Bevölkerung von Neuseeland Englisch und etwa 4% Māori sprechen.

Zum Vergleich: Im italienischen Reisepass sind Minderheitensprachen, sofern sie nicht gleichzeitig Amtssprachen eines EU-Landes sind, gar kein Thema.

Datenseite des italienischen Reisepasses (Quelle: Italienische Staatsdruckerei)

Die Datenseite etwa ist auf Italienisch, Englisch und Französisch gehalten. Auf Seite 6 gibt es ein Glossar mit Übersetzungen aller Begriffe in die Amtssprachen der Europäischen Union.

Friaulisch, Sardisch, Ladinisch, Okzitanisch und andere kommen in dem Dokument gar nicht vor, geschweige denn in gleicher Größe oder gar erstgereiht.

Vorderseite des neuen neuseeländischen Reisepasses

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ | 5/ 6/ 7/

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Ardern holt die Absolute.
Dankesrede auch auf Te Reo Māori

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern und ihre Labour Party haben bei den gestrigen Parlamentswahlen einen historischen Sieg eingefahren. Labour legte im Vergleich zu 2017 12,2 Prozentpunkte zu und erreichte 49,1 Prozent der Stimmen, während die schärfste Konkurrentin, die von Judith Collins geführte National Party, 17,6 Prozentpunkte verlor und mit 26,8 Prozent ein Debakel erlebte.

Erstmals seit der Wahlrechtsreform 1996 schaffte eine Partei damit die absolute Mandatsmehrheit und kann allein regieren. Zudem ist es das beste Labour-Ergebnis seit rund 50 Jahren.

Durch eine Koalition mit den Grünen (7,6 %, +1,3) und – überraschenderweise – der rechtspopulistischen “New Zealand First”-Partei von Winston Peters, der väterlicherseits maorischer Abstammung ist, konnte Ardern 2017 das Premierministeramt erringen. New Zealand First stürzte bei diesen Wahlen jedoch von 7,2 auf 2,66 Prozent ab und erreicht den Einzug ins Parlament nicht mehr.

Ardern hat sich in ihrer Amtszeit als hervorragende Krisenmanagerin gezeigt und Aotearoa mit viel Gespür und Empathie durch drei Ausnahmeereignisse geführt. Ihre Reaktionen auf das Christchurch-Massaker, bei dem ein Rechtsextremist im April 2019 51 Menschen in einer Moschee erschoss und auf den Ausbruch des Vulkans Whakaari (White Island), bei dem im Dezember 2019 21 Menschen den Tod fanden, wurden mehrheitlich als überaus angemessen wahrgenommen. Auch die Covid-19-Pandemie hat Neuseeland vergleichsweise weniger hart getroffen als die meisten anderen Staaten. Dank Arderns strikter Maßnahmen hat das Land der langen weißen Wolke nur 25 Tote bei fünf Millionen Einwohnern zu beklagen. Das sind fünf Todesopfer pro eine Million Einwohner. (Zum Vergleich: Österreich 99/1 Mio. – Deutschland 117/1 Mio. – Italien 604/1 Mio. – USA 676/1 Mio.). Von einer zweiten Welle ist im Pazifikstaat im Gegensatz zu Europa und den USA im Moment auch nichts zu spüren. Die Infektionszahlen sind stabil auf sehr niedrigem Niveau. Am Wahltag waren es gerade einmal drei Neuinfektionen. In Südtirol gab es gestern 155 positive Abstriche.

Arderns Anspruch einend zu wirken und eine Premierministerin für alle zu sein, manifestiert sich nicht nur in der absoluten Mandatsmehrheit, sondern auch in ihrem Umgang mit Aotearoas Erbe und Diversität. Die ersten Worte ihrer Dankesrede nach dem Wahlsieg äußerte die 40-Jährige auf Te Reo Māori, der Sprache der Ureinwohner.

Nachdem sie 2018 bereits ihre Tochter Neve Te Aroha genannt hat, ist dies ein weiteres Zeichen der Wertschätzung Arderns für Neuseelands Vielfalt.

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Die Identitären und Südtirol.
Der Weg nach Christchurch ist kurz

Ein rechtsextremistischer Fanatiker verübte am 15. März ein Attentat auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei dem er 50 Menschen getötet und 50 weitere teils schwer verletzt hat. In der Folge wurde unter anderem die Bewunderung des faschistischen Attentäters für die Identitäre Bewegung (IB) bekannt, deren österreichischem Ableger er € 1.500,- gespendet haben soll.

Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) hat zudem rhetorische und ideologische Überschneidungen zwischen dem Manifest des Christchurch-Terroristen und den Identitären herausgearbeitet.

Nun steht in Österreich ein Verbot der IB im Raum, obschon diese Maßnahme auch maßgeblich von der FPÖ abhängt. Zwischen Blauen und Identitären scheint es klare Verbindungen zu geben.

Indes weist die Antifa Meran auf Berührungspunkte zwischen der rechtsextremistischen Bewegung und Südtirol hin:

  • In den Jahren 2015 und 2017 habe es Versuche der Nordtiroler Identitären gegeben, in Südtirol eine Gruppe aufzubauen.
  • Der italienische Ableger Generazione Identitaria habe 2017 zusammen mit Filippo Maturi vom nunmehrigen SVP-Koalitionspartner, der Lega, eine Veranstaltung in Südtirol organisiert.
  • Der schon öfter für seine Kontakte zu Rechtsextremistinnen aufgefallene STF-Vertreter Matthias Hofer habe »eine Aktion der Identitären in Innsbruck medial unterstützt („eine gute Aktion“), gegen Kritik in Schutz genommen und ihre rechtsextreme Gesinnung kleingeredet („ein paar schwarze Schafe“).« Auch beim umstrittenen Kongress der Verteidiger Europas, bei dem Hofer eine Rede hielt, war die IB vertreten.

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Hier leben – hier wählen?
Von Neuseeland lernen

Gemeinsam mit 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs werden in Deutschland und Österreich — nicht aber zum Beispiel in Italien, Frankreich oder der Schweiz — auch 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert. Es war im November 1918, als dieses demokratische Grundrecht in den beiden neugegründeten Republiken fast zeitgleich auf die Frauen ausgedehnt wurde.

Weltweiter Vorreiter war aber schon ein rundes Vierteljahrhundert zuvor das damals noch zum britischen Kolonialreich gehörende Neuseeland gewesen, das schon 1893 das universelle aktive Frauenwahlrecht eingeführt hatte.

Vielleicht sollte das auch nicht das letzte Mal bleiben, dass es die Welt Aotearoa nachmachen sollte. Denn wie ich zum Beispiel vor der jüngsten Landtagswahl aufgezeigt hatte, dürfen hier in Südtirol — doch unser Land ist da kein Sonderfall — selbst Bürgerinnen aus dem EU-Ausland nicht wählen, wenn sie nicht die italienische Staatsbürgerschaft haben. Das schließt immer mehr Menschen von der Möglichkeit aus, über die Politik in dem Land mitzubestimmen, in dem sie ihren Lebensmittelpunkt haben.

Neuseeland könnte auch diesbezüglich als Vorbild dienen: dort steht das Wahlrecht von der Kommunalen bis zur gesamtstaatlichen Ebene einfach allen zu, die permanent im Lande wohnen. Während Zugewanderte normalerweise ein Visum (resident visa oder permanent resident visa) benötigen, brauchen Staatsbürgerinnen des nahegelegenen Australien und einiger Inseln der Region überhaupt keine besondere Voraussetzung zu erfüllen: zwölf Monate nach ihrer Niederlassung in Neuseeland dürfen sie an Wahlen teilnehmen.

Warum bekommen wir das hier nicht zumindest für EU-Bürgerinnen hin?

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Aus “Aroha” zur Diversität.
Quotation 487

Te Aroha is our way of reflecting the amount of love this baby has been shown even before she arrived […] it’s also the place where all my family are from and I grew up under that mountain.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern laut NZ Herald

Die Premierministerin und ihr Lebensgefährte haben ihr Neugeborenes Neve Te Aroha genannt. Te Aroha (was soviel wie “Liebe” bedeutet) ist auch der Māori-Name eines Berges, in dessen Umgebung Ardern aufgewachsen ist. Die Premierministerin hat überdies bekräftigt, dass sie Neuseeland/Aotearoa verstärkt zu einem zweisprachigen Land (Englisch, Te Reo Māori) machen möchte. Neve Te Aroha soll daher zweisprachig aufwachsen und die Sprache der indigenen Bevölkerung Neuseelands lernen. Laut einem Bericht auf orf.at gilt Māori in Neuseeland nicht notwendigerweise als ethnisches Konzept.

Māori ist indes allerdings keine Kategorie der Abstammung, sondern als Māori gilt in Neuseeland, wer sich dazu bekennt.

Siehe auch: 1/

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Ist das die neue neuseeländische Flagge?

In einem »Flaggenreferendum« dürfen die Neuseeländerinnen vom 3. bis zum 24. März entscheiden, ob die oben abgebildete »Silberfarnflagge« die bisherige, unten abgebildete ersetzen soll. Damit endet ein Entscheidungsprozess, der 2014 mit der Zustimmung fast aller Parteien im neuseeländischen Parlament (6 von 7) angestoßen worden war: den Kiwis (so die Eigenbezeichnung der Landeseinwohnerinnen in Anlehnung an ein charakteristisches Tier) sollte die seit langem diskutierte Möglichkeit eröffnet werden, sich eines der dauerhaftesten Symbole der britischen Kolonialherrschaft zu entledigen.

Vorbild war die Entwicklung in Kanada. Dort wurde die koloniale Flagge mit britischem Union Jack bereits 1965 entgültig abgelegt und durch die mittlerweile weltbekannte Maple Leaf (Ahornblattflagge) ersetzt, die aus tausenden Einsendungen ausgewählt wurde. In Neuseeland begann die Flaggendebatte 1973, als die Frage auf dem Labour-Parteitag aufgeworfen und zunächst wieder begraben wurde.

Neuseeländische Flagge.

Nun also durften die Neuseeländerinnen zunächst vom 20. November bis zum 11. Dezember in einem ersten Referendum auf die Frage

If the New Zealand flag changes, which flag would you prefer?

unter fünf Vorschlägen jenen auswählen, der im März gegen die aktuelle Flagge mit dem »kolonialen« Union Jack antreten soll. Die BürgerInnen hatten die Möglichkeit, die Vorschläge auf dem Stimmzettel entsprechend ihrer Präferenz zu reihen. Vier der zur Auswahl stehenden Entwürfe beinhalteten einen Silberfarn (bzw. Koru) und zwei das charakteristische Sternbild Stern des Südens, das die Lage Neuseelands im Südpazifik symbolisiert — und bereits auf der aktuellen Flagge präsent ist. Das siegreiche Design von Kyle Lockwood beinhaltet beide Elemente.

The designer considers the silver fern a New Zealand icon which has been proudly worn by generations for over 160 years. The designer’s intent is that the multiple points of the fern leaf represent Aotearoa’s [New Zealand, Anm.] peaceful, multicultural society, a single fern spreading upwards representing one people growing onward into the future. The bright blue represents our clear skies and the Pacific Ocean, and the Southern Cross guided early settlers to our islands and represents our location in the South Pacific.

— von der offiziellen NZflag-Homepage der neuseeländischen Regierung

Was auch immer die Stimmberechtigten im März entscheiden werden, die — alte oder neue — neuseeländische Flagge wird dann das Siegel einer demokratischen und selbstbestimmten Auswahl erhalten.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/

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