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Reisepass: Māori first.
Aotearoa/Neuseeland

Der neuseeländische Reisepass wird einer sicherheitstechnischen — und damit einhergehend einer sprachlichen — Überarbeitung unterzogen. Wie das Te Tari Taiwhenua Department of Internal Affairs von Aotearoa mitteilt, wird der neue Reisepass nicht nur fälschungssicherer gemacht, sondern auch eine deutliche Aufwertung der Landessprache Māori mit sich bringen.

Datenseite des neuen neuseeländischen Reisepasses

Im gesamten Dokument wird die Minderheitensprache nicht nur gleichwertig mit Englisch angeführt, sondern — dem Prinzip der positiven Diskriminierung folgend — sogar erstgereiht sein, wie auch den bereits in Umlauf gebrachten Bildern zu entnehmen ist. Dies obschon (oder gerade weil) rund 95% der Bevölkerung von Neuseeland Englisch und etwa 4% Māori sprechen.

Zum Vergleich: Im italienischen Reisepass sind Minderheitensprachen, sofern sie nicht gleichzeitig Amtssprachen eines EU-Landes sind, gar kein Thema.

Datenseite des italienischen Reisepasses (Quelle: Italienische Staatsdruckerei)

Die Datenseite etwa ist auf Italienisch, Englisch und Französisch gehalten. Auf Seite 6 gibt es ein Glossar mit Übersetzungen aller Begriffe in die Amtssprachen der Europäischen Union.

Friaulisch, Sardisch, Ladinisch, Okzitanisch und andere kommen in dem Dokument gar nicht vor, geschweige denn in gleicher Größe oder gar erstgereiht.

Vorderseite des neuen neuseeländischen Reisepasses

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ | 5/ 6/

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4 replies on “Reisepass: Māori first.
Aotearoa/Neuseeland

Grundlegend belustigt mich, dass ihr bei meinen Kommentaren immer im Duett aufmarschiert. Die “Übermacht” ist aber kein Problem, es sollten eh nur Argumente zählen.
Neuseeland mit der EU zu vergleichen ist schon ein wenig gewagt. Man sollte wissen, das in NZL jeder, der sich als Maori fühlt auch als solcher anerkannt wird, auch wenn er nicht Te Reo Maori spricht. Deshalb liegt die Anzahl der Maori bei rund 20%, obwohl die Sprache selbst nur von ca. 4% noch beherrscht wird.
Der Artikel insinuiert “die große Ungerechtigkeit der EU im Umgang mit sprachlichen Minderheiten”. Der Vergleich mit NZL jedoch hinkt gewaltig, da dort im Prinzip nur 2 Sprachen gesprochen werden. Die “Vorzugsbehandlung” der indigenen Maori findet ausschließlich auf dem Papier statt, Reichtum, Bildung, Eigentum von Bodenschätzen usw. ist nahezu ausschließlich den europäischen Einwandern und letzthin den Kapitalisten aus Japan und China vorbehalten. Die indigenen Maori werden substantiell nach wie vor als absolute Randgruppe behandelt, diese soziale Ausgrenzung zeigt ihre Folgen in hohem Alkoholkonsum, Schulabbrüchen, Gewaltanwendung usw.
Viele Maori fühlen sich wie Mesut Özil in Deutschland, solange sie gut Rugby spielen, werden sie hochgelobt, kaum neigt sich die Karriere dem Ende, werden sie wieder dort eingereiht woher sie kamen. Jonah Lomu hat seine Bekanntheit genutzt und oft darauf hingewiesen.
In Anbetracht dieser nicht erwähnten Voraussetzungen, finde ich als sprachliche Minderheit in Europa deutlich mehr Stellenwert zu haben, auch wenn ich dafür auf mein deutsches Südtirolerisch in meinem Pass verzichten muss.

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