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Autorinnen und Gastbeiträge

100 Jahre Südtirol bei Italien – und was dabei »zu erinnern« ist.

Leserbeitrag von Walter Kircher

Absolut salonfähig ist inzwischen die offizielle, italienische Entsprechung für Südtirol — Alto Adige! Wenn man weiß, dass Alto Adige ein erstes Mal von Napoleon erfunden wurde, um Tirol von den Landkarten zu löschen (Tirol war damals ein erstes Mal geteilt in Südbayern und eben Alto Adige), dann müsste dieser Begriff zu denken geben. Wenn man die Geschichte kennt und respektiert.

Alto Adige verschwand mit dem Wiener Kongress in der Mottenkiste der Geschichte, bis dann – gegen alles Völkerrecht – das heutige Südtirol dem Königreich Italien zugeschlagen wurde. Alto Adige war ab sofort die Bezeichnung für etwas, was nicht mehr Tirol/Südtirol heißen durfte!

Dass diese Bezeichnung heute der offizielle Name unseres Landes ist, ist ein wahrer Skandal, schlimmer als die Erhaltung des »Siegesdenkmals« in Bozen! Es ist offensichtlich der Wille der Mehrheit unserer italienischen Mitbürger, zum Ausdruck zu bringen, dass es dieses unser gemeinsames Land kolonisierend weiterhin zu italianisieren gilt!

Es ist unseren italienischen Mitbürgern unbenommen, unser Land zu nennen wie sie meinen, aber die offizielle Bezeichnung sollte einvernehmlich und im Respekt vor der Geschichte festgelegt werden.

Löblich ist die Initiative des italienischen Bergrettungsdienstes, wenigstens die ladinische Entsprechung Adesc Alt aus dem Vereinsnamen zu entfernen.

Zum »Hundertjährigen« ist auch an die »Zerreißung Ladiniens« zu erinnern! Im Mitteleuropa des dritten Jahrtausends ein ebenfalls unwürdiger Zustand.

Die Verwendung von Alto Adige ist ein Gradmesser für Geschichtsbewusstsein im Allgemeinen, sowie des Respekts vor der Geschichte des Landes Tirol. Der Denali in Alaska lässt grüßen!

Der Denali (von 1917 bis 2015 offiziell Mount McKinley) in Alaska ist mit 6190 Metern Höhe der höchste Berg Nordamerikas. „Denali“ ist der traditionelle Name des Berges, ein Wort aus der athapaskischen Sprache des nordamerikanischen Indianerstammes Koyukon, das „der Große“ oder „der Hohe“ bedeutet. … 1897 versuchte ein anderer Goldgräber, den Namen Mount McKinley zu etablieren, nach dem damaligen Präsidentschaftskandidaten William McKinley, der dann auch zum 25. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt und kurz nach seiner Wiederwahl im Jahr 1901 ermordet wurde. Amtlich wurde dieser Name 1917 im Gesetz zur Gründung des Mount-McKinley-Nationalparks, das auch den Berg offiziell benannte.

Im Zuge des wachsenden Respekts vor den Traditionen der indianischen Ureinwohner beschloss die Geographie-Behörde des Staates Alaska 1975 die Rückbenennung in Denali. Seitdem verwenden alle Publikationen des Staates diesen Namen. 1980 wurde der Nationalpark im Bundesgesetz Alaska National Interest Lands Conservation Act in Denali-Nationalpark umbenannt. Eine Umbenennung des Berges selbst kam auf Bundesebene zunächst nicht zustande, weil Politiker aus Ohio, der Heimat von William McKinley, die Pläne lange Zeit blockierten. Am 29. August 2015 änderte das Geographic Names Information System (GNIS) auf Anweisung der Innenministerin Sally Jewell und in Abstimmung mit dem Präsidenten Barack Obama den amtlichen Namen in „Denali“. Das GNIS führt noch über 40 weitere, inoffizielle Namen für den Berg.

– Gekürzt aus: Wikipedia.

Außendarstellung Geschichte Kohäsion+Inklusion Ortsnamen | Geschichtsaufarbeitung Zitać | | | Italy Ladinia Südtirol/o Tirol USA | CAI | Deutsch

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CAI hat Eigenkreation Adesc Alt aufgegeben.

Vor bald zehn Jahren hatte ich den Bergrettungsdienst des CAI kritisiert, weil er im Ladinischen statt Südtirol/Sudtirol oder Tirol dl Sud konsequent die — laut Istitut Ladin Micurà de Rü — »sprachwissenschaftlich nicht akzeptable« Neuerfindung Adesc Alt verwendete.

Inzwischen scheint der CAI zwar noch immer nicht von A. Adige Abstand genommen zu haben, Adesc Alt ist aber aus dem Logo und vom Internetauftritt seiner Bergrettung verschwunden. Auf den Webseiten in ladinischer Sprache wird nun die Landesbezeichnung Südtirol verwendet.

Übrigens: Die Homepage des Bergrettungsdiensts (BRD) im AVS gibt es zwar auf Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch — nicht aber auf Ladinisch. Im Italienischen werden dort — einschließlich der Landesbezeichnung — konsequent die tolomeischen Erfindungen benutzt. Nix mit Sudtirolo. Dabei war der AVS doch Teil der Arbeitsgruppe für [die] Ortsnamensregelung.

Und während der CAI die URL bergrettung.org nutzt, ist es beim AVS bergrettung.it.

Siehe auch:

Minderheitenschutz Ortsnamen Plurilinguismo Tech&Com | Good News | Ettore Tolomei | | Ladinia Südtirol/o | AVS CAI | Deutsch

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Was ist eine Minderheit?

Als ich mir neulich den Bericht des UN-Sonderberichterstatters betreffend Minderheiten über seinen Spanienbesuch von der Homepage der Vereinten Nationen geladen habe, bin ich auch auf die dort hinterlegte Definition einer Minderheit gestoßen:

Concept of a minority: mandate definition

An ethnic, religious or linguistic minority is any group of persons which constitutes less than half of the population in the entire territory of a State whose members share common characteristics of culture, religion or language, or a combination of any of these. A person can freely belong to an ethnic, religious or linguistic minority without any requirement of citizenship, residence, official recognition or any other status.

Clarifications on who is a member of a minority

Following mainly the Human Rights Committee jurisprudence, additional elements as to who is a member of a minority can be summarized as follows:

(a) Indigenous peoples may constitute linguistic, religious or ethnic minorities in the States in which they find themselves. Both are not mutually exclusive, nor undermine any applicable rights as a minority or indigenous people.

(b) The “territory” to consider in determining whether or not a group is a linguistic, religious or ethnic minority is the entire territory of a State, and not one of its political or territorial subunits;

(c) One of the main objective criteria for determining whether a group is a minority in a State is a numerical one. A minority in the territory of a State means it is not the majority. Objectively, that means that an ethnic, religious or linguistic group makes up less than half the population of a country.

und

The absence of consistency in understanding who is a minority is a recurring stumbling block to the full and effective realization of the human rights of minorities. Different United Nations entities may contradict one another because they consider different groups of persons as constituting a minority – and exclude certain persons as ‘not being members of a real minority’ for different, sometimes ad hoc, reasons. States Members of the United Nations may at times hesitate to engage on matters relating to minorities because of uncertainties as to who is a minority and what that entails. In some countries, there may be even the assumption that the absence of a “definition” means it is left to each State to determine freely who is or is not a minority. In most of these situations, the uncertainty leads to restrictive approaches: in many situations, persons are deemed to be “undeserving” because they are not “traditional” minorities, not citizens or not sufficiently “dominated”. The end result is that some minorities are excluded because they are not the “right kind” of minority according to different parties.

Sowohl die Mandatsdefinition selbst, als auch Punkt (b) der darauffolgenden Klärung lassen keinen Zweifel aufkommen, dass das Gebiet, das zur Definition einer Minderheit heranzuziehen ist, stets jenes des Gesamtstaates und nicht jenes einer seiner Glieder (Regionen, Länder, Gemeinden etc.) ist. Etwas anderes wäre auch abwegig, weil zwar unbestritten ist, dass die italienische Sprachgruppe etwa in Urtijëi in der Minderzahl ist, aber ebenso klar sein muss, dass dies nicht dazu führen darf, dass die staatliche Mehrheitsgemeinschaft in jener Gemeinde als schutzbedürftig eingestuft wird. Andernfalls würde man den Minderheitenschutz ad absurdum führen.

Obschon dies evident sein und keiner gesonderten Betrachtung bedürfen sollte, ist die Auffassung, dass die nationale Mehrheit in Südtirol und in den meisten seiner Gemeinden »die eigentliche Minderheit« ist, immer wieder zu vernehmen — auch von Menschen, die es  besser wissen sollten. Ihnen sei die obige Definition ans Herz gelegt.

Siehe auch:

Cultura Lingaz Minderheitenschutz | Zitać | | | Ladinia Südtirol/o | UNO | Deutsch English

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Rai scheitert an mehrsprachiger Cookie-Info.

Die Nachrichtenseiten der Südtiroler Tagesschau sowie von Trail sind ins Internetportal der Rai-Regionalnachrichten (einsprachig italienisch: TGR) eingegliedert. Dieses ist wohl einsprachig konzipiert worden, weshalb die Cookie- und Werbeinformation auch auf den Seiten von Tagesschau und Trail ausschließlich auf Italienisch eingeblendet wird. Auch eigene Einstellungen lassen sich ohne gute Kenntnisse der Staatssprache nicht vornehmen.

Um es einzuordnen: Bei der deutsch- und ladinischsprachigen Rai handelt es sich um öffentlich-rechtliche Angebote, die auch dafür konzipiert wurden, dass Bürgerinnen, die die Staatssprache (noch) nicht oder nicht ausreichend beherrschen, mit grundlegenden Informationen versorgt werden können.

Gerade deshalb — aber auch angesichts der Summen, die das Land Südtirol in den staatlichen Rundfunk investiert — sollte es nicht zuviel verlangt sein, dass jene Rai-Webseiten, die sich ausdrücklich an die Minderheiten richten, auch vollumfänglich in den Minderheitensprachen verfügbar sind.

Im Übrigen bin ich aber ohnehin der Meinung, dass das eine Frage der Nutzerfreundlichkeit ist und die Forderung nach Mehrsprachigkeit normalerweise gar nicht besonders begründet werden müsste.

Siehe auch:

Datenschutz Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Service Public Sprachpfusch Tech&Com Zentralismus | Bilinguismo negato Italianizzazione Medienkritik | | Rai | Italy Ladinia Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

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Portal der Musikschulen jetzt dreisprachig.

Das neue Webportal sämtlicher Südtiroler Musikschulen aller drei Sprachgruppen, das 2019 online gegangen war, ist nun auch in ladinischer Sprache verfügbar:

Es kann unter https://scoresdemusiga.provinzia.bz.it aufgerufen werden, bündelt das Angebot der 18 Musikschulen deutscher, italienischer und ladinischer Sprache und bietet einen Überblick der Fächer, Instrumente und Lehrpersonen. Ferner gibt es Informationen zu den einzelnen Schulen, über die Orchester und einen Veranstaltungskalender.

Siehe auch:

Kunst Minderheitenschutz Plurilinguismo Scola Service Public Tech&Com | Good News | | | Ladinia Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

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Landesregierung für ladinische Identitätskarte.
Vorschlag gutgeheißen

Nachdem es endlich geglückt ist, die deutsche Sprache auf der elektronischen Identitätskarte unterzubringen, arbeitet die Landesregierung weiterhin daran, dass auch die ladinische Sprache berücksichtigt wird. Hiezu genehmigte sie am Dienstag letzter Woche (28. Juli) einen entsprechenden Vorschlag des Kulturinstituts Micurà de Rü, der nun an das Regierungskommissariat und an das römische Innenministerium weitergeleitet wird.

Am 9. Juli hatte die italienische Innenministerin Luciana Lamorgese (parteilos) in Beantwortung einer entsprechenden Anfrage von Senator Meinhard Durnwalder (SVP) angekündigt, das Projekt vorantreiben zu wollen.

Schon seit 2006 — also knapp eineinhalb Jahrzehnten — wäre der Staat per DFB zum Autonomiestatut verpflichtet, die Ausgabe von dreisprachigen Identitätskarten in Badia, Corvara, S. Crestina, Mareo, S. Martin de Tor, Sëlva, und Urtijëi zu ermöglichen. Im Jahr 2011 kamen die ladinischen Fraktionen von Ciastel/Kastelruth (Bula, Runcadic und Sureghes) hinzu.

Doch wie wir wissen, können sich die Zeiten in einem Nationalstaat drastisch unterscheiden, je nachdem, ob es um die Staats- oder um eine Minderheitensprache geht. Inzwischen werden in Ladinien eben illegal Ausweise verteilt, die die dortige Hauptsprache nicht beinhalten.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Recht | Good News | Meinhard Durnwalder | | Italy Ladinia Südtirol/o | Land Südtirol Landesregierung SVP | Deutsch

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Neue Kompetenzen für den Comun General.
Einschlägige Kommission ernannt

Im Trentino wurde letzte Woche die Ernennung von Mitgliedern einer neuen paritätischen Kommission abgeschlossen. Sie hat die Aufgabe, im Sinne eines Gesetzes von 2017 die Zuständigkeitsbereiche zu definieren, die vom Land und der Region direkt an das Selbstverwaltungsorgan des ladinischen Gebiets — den Comun General de Fascia (CGF) — übertragen werden sollen.

Damit kann sichergestellt werden, dass die Ladinerinnen in Bereichen, die für die Minderheit von besonderer Wichtigkeit sind, weniger von den Entscheidungen der übergeordneten Entscheidungs- und Verwaltungsebenen abhängen, in denen sie aufgrund ihrer zahlenmäßig geringen Konsistenz wenig Mitbestimmungsmöglichkeiten haben.

Die Kommissionsmitglieder sind:

  • Thomas Amplatz, Mitglied des Consei General (Versammlung), vom CGF ernannt;
  • Giuliana Cristoforetti, Leiterin des Landesminderheitenbüros, vom Land ernannt;
  • Luca Guglielmi, ladinischer Landtagsabgeordneter, vom CGF ernannt;
  • Matteo Migazzi, Sekretariatschef des Regionalpräsidenten, von der Region ernannt;
  • Valeria Placidi, Leiterin des Departements für institutionelle Angelegenheiten und Beziehungen, vom Land ernannt;
  • Elena Testor, Procuradora (Vorsitzende) des CGF, vom CGF ernannt;
  • Jens Woelk, Professor an der juristischen Fakultät der Universität Trient, vom Land ernannt.

Auf Vorschlag dieses neuen Gremiums könnten in Zukunft wichtige Kompetenzen vom großmehrheitlich italienischsprachigen Land in die Verantwortung der ladinischen Minderheit in Fascia übertragen werden.

In Südtirol gibt es leider noch immer kein Selbstverwaltungsorgan für die ladinische Minderheit. Vielmehr gehören Badia und Gherdëina nach wie vor zwei unterschiedlichen Bezirksgemeinschaften an, in denen die ladinischen Gemeinden jeweils keine Mehrheit haben.

Siehe auch:

Comparatio Föderal+Regional Minderheitenschutz Politik Recht Zuständigkeiten | Good News | | | Ladinia Südtirol/o Trentino | Region Südtirol-Trentino | Deutsch

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Die N****hütte ist nicht mehr.

Ein schönes Beispiel dafür, dass Proteste, ja selbst Onlinepetitionen einen Wandel herbeiführen und Lernprozesse fördern können: Über 7.000 Unterschriften haben in wenigen Tagen dazu geführt, dass die N****hütte in Corvara ihren Namen geändert hat.

Diese Entscheidung teilten die Eigentümerinnen heute auf Facebook mit:

Nach den unzähligen Mitteilungen; die wir in den letzten Tagen erhalten haben – für die wir allen, die sich für eine gerechte Sache einsetzen und uns auf den Unterschied zwischen Intention und Wirkung aufmerksam gemacht haben, dankbar sind – haben wir uns zu einem Schritt entschieden, der schon seit einiger Zeit fällig war: Wir werden den deutschen Namen unserer Skihütte ablegen, um fortan nur noch den italienischen zu verwenden[,] nämlich „Capanna Nera“.

Der Name unserer vor 100 Jahren errichteten Hütte, der sich auf das für den Bau verwendete schwarze Holz bezog, ist allein deshalb nicht mehr zeitgemäß und tragfähig, weil das Verständnis von Sprache, wie alles, historischen Wandlungen unterliegt und die heutige Konnotation eine andere ist als damals.
Gerade in Zeiten politischer Umwälzungen gilt es, feinhörig zu sein und sich den Anliegen derer, die jahrhundertealte Machtverhältnisse mit Recht bekämpfen, nicht zu verschließen. Diesen Protesten und strukturellen Veränderungen wollen wir mit unserer Namensänderung, die ab sofort in Kraft tritt, Rechnung tragen.

Diesbezüglich finde ich äußerst schade, dass die Änderung nicht genutzt wurde, um dem Skigasthaus einen ladinischen Namen zu geben. So führt die Abschaffung einer rassistischen Bezeichnung zu einer weiteren Italianisierung — auch eine Form von Diskriminierung, in diesem Fall zu Lasten der autochtonen Minderheit.

Siehe auch:

Discriminaziun Lingaz Mitbestimmung Nationalismus Ortsnamen Racism Tourismus | Good News Italianizzazione Zitać | | Social Media | Ladinia Südtirol/o | | Deutsch