Marginalisierung zwecklos.

LTW '13: Selbstbestimmung.

Die Selbstbestimmung ist ein Thema, das in Südtirol zwar noch nicht ganz die Mitte des politischen Spektrums erreicht hat, sehr wohl aber die Mitte der Gesellschaft: Obwohl während der letzten Jahre versucht wurde, den Wunsch nach einer demokratischen Abstimmung kleinzureden, konnten die Parteien, die sich für die Selbstbestimmung starkmachen, noch einmal drei Sitze (oder 37,5%) dazugewinnen. Das Fazit kann nur sein: Diese Strategie ist fehlgeschlagen. Wenn inzwischen elf von 35 Abgeordneten dafür sind, die Südtiroler über die Zukunft ihres Landes entscheiden zu lassen, handelt es sich dabei wohl endgültig nicht mehr um ein marginales Thema. Natürlich, angesichts der Mehrheitsverhältnisse kann man es noch fünf weitere Jahre ignorieren, sollte sich dann aber nicht wundern, wenn die »klassischen« Unabhängigkeitsparteien weiter zulegen.

Die Alternative wäre, dass die Regierungsmehrheit die Realität zur Kenntnis nimmt und mit den Bügern in einen Dialog tritt, der nicht weiterhin auf grundsätzlicher Verweigerung und »Kriminalisierung« beruht, sondern auf Inhalten. Wiewohl die Unabhängigkeit befürwortet, liegt es uns fern, den Unionisten einen inhaltlichen Schwenk nahezulegen. In einer Demokratie muss die Bevölkerung jedoch mittelfristig in die Lage versetzt werden, einen freien Entscheid herbeizuführen.

Der nächste Meilenstein muss also sein, vorurteilsfrei über Union oder Loslösung zu diskutieren — und nicht mehr darüber, ob wir in einer Demokratie eine demokratische Abstimmung abhalten dürfen. Wenn die Landtagsmehrheit diese Angelegenheit aussitzen und weiterhin breite Teile der Gesellschaft politisch marginalisieren will, sieht sie wohl einer weiteren Schrumpfung entgegen.

Nachtrag: Mehrjahrestrend.

Abstimmung: Trend.

Politik/ Selbstbestimmung/ · · · · · ·
Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

9 replies on “Marginalisierung zwecklos.”

Wenn das aktuelle Thema die Zukunft Südtirols innerhalb Italiens ist, dann ist es wichtiger, diese Debatte zu führen, als darüber zu diskutieren, ob wir die Debatte führen dürfen. (frei nach Michael Moore)

Ich hatte die Aussage von Herrn Köllensberger so interpretiert das die Diskussion lediglich um eine Zukunft innerhalb Italiens geführt wird und die Alternative eines “freien” Südtirols gar nicht in Betracht gezogen wird.
Wenn es mich nicht täuscht steht die Möglichkeit einer freien Willensbekundung der Südtiroler BürgerInnen jeglicher Sprache und Hautfarbe über ihre Zukunft nicht im Programm der politischen Gruppierung die Herr Köllensperger vertritt oder sollte man lieber sagen Bepe hat sich das noch nicht geäußert?
Ich gebe aber zu mich nicht sonderlich mit der Gruppierung und ihrem Programm auseinandergesetzt zuhaben.

Guten Morgen, auf obige Aussage von Paul Köllensperger vom 29.10. d. J folgende Gedanken. Ich kann mir als Obervinschger (als Jemand der geographisch nicht weit von der Schweiz oder Österreich entfernt ist) beim besten willen nie und nimmer eine Zukunft Süd-Tirols innert des Nationalstaats Italien vorstellen.
Was ich mir wünsche ist vielmehr eine Republik Südtirol, ein Staat der alle drei in Süd-Tirol lebenden Sprachgruppen anerkennt, ein Staat in dem man die lange Geschichte Süd-Tirols anerkennt, ein Staat in dem alle drei Volksgruppen miteinander leben können, nicht Nebeneinander (ich glaube in einem Nationalstaat muss man Nebeneinander leben, denn der Nationalstaat überlagert alles). Ein Staat der eben kein Nationalstaat ist Bsp. Schweiz von mir auch Graubünden, da ich die dortige Realität auch als Obervinschger, so glaube ich sagen zu können gut kenne.
Sicherlich finde ich den Ansatz von Paul Köllensperger ansprechend und glaube, dass bei einem Radiointerview (gegen 18:00 Uhr) nach dem Wahltag, sein Statement sogar darüber hinaus (Selbstbestimmung: Wir sind für eine Volksabstimmung, befürworten nicht eine Abspaltung, aber das Volk soll darüber abstimmen) gegangen ist. Oder täusche ich mich dabei?

Interessant wäre es zudem, wenn man eine Grafik hätte, wer von den Abgeordneten, abseits des Parteiprogrammes, einen Selbstbestimmungsprozess befürwortet. Allerdings müsste wahrscheinlich ein großer Teil noch über den Unterschied “Selbstbestimmung” und “Unabhängigkeit” aufgeklärt werden. Ich würde eine Wette eingehen, dass die Abgeordneten, die für einen Selbstbestimmungsprozess eintreten, in der Mehrheit wären.

Ich weiß nicht, ob es schon zur Mehrheit reichen würde. Aber ich gehe ebenfalls davon aus, dass zum Beispiel in der SVP nicht alle Abgeordneten strikt gegen die Einleitung eines solchen Prozesses wären, wie es die derzeitige Parteilinie eigentlich vorsieht.

Die obige grafische Darstellung beinhaltet nur diejenigen Abgeordneten, die sich entweder per Parteiprogramm oder sonstwie öffentlich geäußert haben.

Leave a Reply to pérvasion Cancel reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *