Gemeinden wollen abkassieren.
Quotation 304

Ich kann verstehen, dass Speedcheck-Boxen aufgestellt werden um mehr Sicherheit zu gewährleisten. Aber wenn man derzeit durch Südtirol fährt, dann stehen überall nur noch orange Säulen herum. Diese Häufung erscheint mir zu viel. Viele Gemeinden nehmen den Sicherheitsaspekt nur noch als Alibi, in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes.

Nämlich?

Ums Abkassieren. Wenn in kleinen Gemeinden gleich vier oder fünf Speedcheck-Boxen stehen, dann ist das in meinen Augen total übertrieben.

Richard Theiner, Umweltlandesrat. Interview in der Tageszeitung am 19.08.16

Soweit ich es beobachten kann, führen die Speedboxen sehr wohl zu einem Sicherheitsgewinn, vor allem aber auch zu mehr Lebensqualität, da der Lärm massiv zurückgeht. Das Argument des »Abkassierens« zieht nicht, ein Großteil der Boxen, die ich kenne, haben nicht einmal ein Gerät drinnen; stattdessen wird periodisch das Radargerät zwischen den Boxen gewechselt. Wollten die Gemeinden abkassieren, wäre überall eines eingebaut, es wäre wahrscheinlich in kürzester Zeit abbezahlt.

Für einen Umweltlandesrat sind diese Aussagen einfach nur peinlich, auch weil er im Interview auf die vermeintliche Lösung E-Mobilität hinweist. Wir sind wahrlich von Experten umgeben. LH Kompatscher kann einem fast Leid tun.

Nachtrag: Außerdem müssen in Italien Radarkontrollen mit einem Schild angekündigt werden und es muss (wenn auch nicht unbedingt sichtbar) innerorts stets ein Beamter dabeistehen. Die Hürden für ein eventuelles »Abkassieren« sind also so hoch wie nirgendwo sonst.

Siehe auch:  

Ecologia Gesundheit Medien Mobilität Recht Sicherheit | Zitać | Arno Kompatscher | TAZ | | SVP |

Sammelgesetz vor Verfassungsgericht angefochten.

Die römische Zentralregierung hat wieder einmal ein Landesgesetz — bzw. Teile davon — angefochten. Diesmal handelt es sich um zwei Artikel eines sogenannten Sammelgesetzes (LG 71/2016), die angeblich gegen die »Grundsätze der Rechtsordnung der Republik« verstoßen. Es handelt sich um Vorschriften bezüglich der Hausärzte (Dauer der Vertragsbindung) und der Betriebskontrollen.

Der Corriere berichtet in seiner Südtirolbeilage von letztem Sonntag, dass Karl Zeller (SVP) diese Anfechtung als ein unschönes Signal bezeichnet, da der Staat die Differenzen auf dem Verhandlungsweg hätte ausräumen können, anstatt den konfliktreichen Weg über das Verfassungsgericht zu wählen. Für die Landesregierung handle es sich dabei um eine »kalte Dusche«. Landeshauptmann Arno Kompatscher habe bereits Kontakt zur Zentralregierung aufgenommen, um den Weg vor das Verfassungsgericht zu vermeiden.

Wahrscheinlich läuft es auf einen erneuten Kniefall hinaus. Postfaschist Alessandro Urzì hatte ja schon Ende 2013 einen Vorschlag gemacht, wie man zentralstaatskonform — faktisch — auf die Autonomie verzichten könnte: Ungeachtet der eigenen Zuständigkeiten alle Landesgesetze präventiv mit der Zentralregierung verhandeln.

Hier (ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit) eine kleine Chronologie der Anfechtungen, Konflikte und Angriffe auf die Autonomie:

Gesundheit Kohäsion+Inklusion Militär Minderheitenschutz Ortsnamen Plurilinguismo Politik Recht Staat vs Land Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus Zuständigkeiten | Finanzabkommen 2014 Mailänder Abkommen | Alessandro Urzì Arno Kompatscher Donato Seppi Karl Zeller Maria Elena Boschi Oskar Peterlini | | Südtirol/o | PD&Co. SVP Verfassungsgericht | Deutsch

Leitner und die religiösen Ärztinnen.

Will der freiheitliche Landtagsabgeordnete Pius Leitner einen (religionsbezogenen) Konflikt generieren, wo es keinen gibt?

Im Vorspann zu einer Landtagsanfrage gibt er an, muslimische Frauen (welche? wieviele?) lehnten es in Südtirol ab, sich von männlichen Ärzten behandeln zu lassen. Gegenüber der Tageszeitung erweitert er diesen Aspekt um die Religion: Muslimische Frauen ließen sich nur von muslimischen »Ärzten« (jetzt also doch auch von Männern?) versorgen.

Polemisch fragt Leitner dann die zuständige Landesrätin, ob auch »unsere Frauen« (gemeint sind wohl jene, die freiheitlichen Männern gehören) ablehnen könnten, sich von »einem muslimischen Arzt« behandeln zu lassen.

In ihrer Antwort lässt LRin Martha Stocker (SVP) wissen, dass der Gesundheitsbetrieb — im Einklang mit einem einschlägigen Beschluss der Landesregierung — »nur im Rahmen des Möglichen« die Wahl einer bestimmten Ärztin oder eines bestimmten Arztes gewährleisten müsse.

Das gilt dann wohl für alle. Im Einzelnen wird es natürlich schwer nachzuvollziehen sein, ob jemand einen Arzt oder eine Ärztin aus kulturellen, sprachlichen, religiösen Gründen oder solchen des Geschlechts, der Hautfarbe oder des persönlichen Vertrauens wählt bzw. ablehnt.

Nach meinem Dafürhalten darf es aber im öffentlichen Gesundheitswesen weder einen verbindlichen Anspruch auf eine bestimmte Ärztin, noch eine Auskunftspflicht über den Glauben, die sexuelle Orientierung und andere nicht offensichtliche, der Privatsphäre der Ärztin zuzurechnenden Merkmale geben.

Siehe auch:

Gesundheit Grundrechte Medien Migraziun Politik Racism Recht Religiun Service Public Soziales | | Martha Stocker Pius Leitner | TAZ | Südtirol/o | Freiheitliche Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Punti nascita: Altro che sicurezza!

di Michele Grandolfo*

Desidero intervenire sul centro nascita di Vipiteno partendo da quando sono stato invitato alcuni anni fa per la celebrazione dei mille parti in acqua.
Rimasi colpito non tanto dalle statistiche sulla qualità e la sicurezza, peraltro assolutamente invidiabili, quanto da un’affermazione di una donna, invitata a prendere la parola per ricordare la sua esperienza nel centro nascita di Vipiteno: «ringrazio l’equipe del centro nascita per avermi fatto sentire competente.» Ecco la chiave di volta, ecco il punto critico, ecco l’inaccettabilità: il centro nascita di Vipiteno è sovversivo perché favorisce l’espressione di competenza delle donne e delle persone che nascono. Tutta la letteratura scientifica seria, tutte le linee guida serie testimoniano che far emergere, valorizzare, promuovere, sostenere e proteggere le competenze delle donne e delle persone che nascono produce migliore qualità, maggiore sicurezza e minori costi. I problemi di sicurezza insorgono in primo luogo per le procedure inappropriate che tendono a impedire l’espressione di competenze, interferiscono pesantemente sulla fisiologia della nascita (per esempio il controllo cardiotocografico in continuo, la posizione litotomica, la mancanza di rispetto, ecc) e determinano il ricorso a pratiche che ulteriormente agggravano la situazione e costringono al ricorso del taglio cesareo, con l’infame colpevolizzazione delle vittime: mancato impegno presentata. Impedire l’espressione di competenza quindi nell’inficiare pesantemente la qualità aumenta l’insicurezza. Ma l’effetto più devastante è il senso di frustrazione, la mortificazione della donna e della persona che nasce che produce effetti negativi sul breve, medio e lungo periodo. Basterebbe solo pensare al sistematico impedimento del contatto pelle pelle immediato e prolungato e l’attacco al seno entro la mezz’ora, fattori protettivi dell’emorragia post partum (prima causa di morte materna) e determinanti l’avvio corretto e il proseguimento a lungo dell’allattamento al seno. Se la campagna #bastatacere ha fatto emergere nella consapevolezza delle donne come le consuetudinarie procedure ostetriche medicalizzanti sono a tutti gli effetti espressioni di violenza ostetrica e di non rispetto, la volontà di chiusura di Vipiteno, centro nascita simbolo nazionale della nascita rispettata, ha tutto il sapore di reazione violenta alla presa di coscienza delle donne. L’attacco alla competenza delle donne e delle persone che nascono è necessario per mantenere il controllo dei corpi e rendere le persone disponibili al comando, a partire dall’accettazione del latte artificiale e dell’alimentazione industriale contro l’auto svezzamento. E come faranno le società di neonatologia e di pediatria a organizzare convegni faraonici e corsi sponsorizzati dai produttori di latti artificiali con tanto di ECM (con responsabilità ministeriale evidente)? Chiudere Vipiteno è una vergogna nazionale e ricordo al sindaco di Vipiteno che lui è autorità sanitaria primaria e fa bene a opporsi alla chiusura per la tutela delle cittadine e dei cittadini che rappresenta. Che le donne prendano la parola, che occupino la scena pubblica e si trascinino tutti i cittadini per impedire questo immondo scempio. Si capisce perché non si dà corso alla formulazione delle linee guida nazionali sull’intera partum e il puerperio, prendendo esempio da quelle del NICE. Così si possono dire stupidaggini sulle questioni della sicurezza e sul perché la nascita non è rispettata. Al livello nazionale si deve pretendere l’attuazione operativa del ricettario ostetrico, delle linee di indirizzo per il rimborso del parto a domicilio (considerato più sicuro dal NICE) e per l’istituzione di case di maternità a conduzione autonoma delle ostetriche. Altro che sicurezza!

*) Michele Grandolfo è epidemiologo, già direttore di ricerca presso l’Istituto Superiore di Sanità italiano e direttore del Reparto Salute della Donna e dell’Età Evolutiva del CNESPS.

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Die Fertilitätsmanager.
Quotation 295

Mit seiner Gesundheitspolitik zeigt das Land neuerdings, dass es vom Südtiroler Sonderweg abgeht und gewillt ist, auf die zivilisatorische Normalität einzuschwenken. Auf Markt statt Pflege, Sparen statt Fördern, Stadt statt Land, Eintopf statt Vielfalt, Zentrale statt Peripherie, Organigramm statt Menschlichkeit, Fertilitätsmanagement statt Auf-die-Welt-Kommen.

Der Parlamentsabgeordnete Florian Kronbichler (Grüne/Linke) übt in einem Schreiben in der TAZ scharfe Kritik am Vorgehen der Landesregierung in Sachen Gesundheitswesen. Die jüngsten Entscheidungen sind tatsächlich — wie auch »Flor« bemerkt — mehr als schiere Sachpolitik. Sie bedeuten vielmehr eine Abkehr vom »System Südtirol« (in diesem Zusammenhang in einem positiven Sinne gemeint). Dieses System zeichnet eine fast unvergleichlich harmonische Entwicklung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten aus. Diese Harmonie wird nun, wie es scheint, der vermeintlichen Effizienz geopfert. Klug ist anders.

Siehe auch:

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