Widmanns Bloßstellung.

Während einer Debatte im Landtag hatte Mobilitätslandesrat Thomas Widmann vorgestern behauptet, der Flughafen Innsbruck sei an seiner Obergrenze angelangt und wolle deshalb nach Bozen expandieren. Vom Tagblatt Dolomiten befragt, dementierte der Direktor des Nordtiroler Flughafenbetreibers, Reinhold Falch, jedoch derartige Absichten.

Zwei Dinge verdeutlicht dieser Vorgang einmal mehr:

  1. Dass Vertreter der Mehrheitspartei offenbar — selbst im Landesparlament — nicht mehr davor zurückschrecken, anderen Parteien und den Bürgern Lügen aufzutischen. Die Grundregeln des politischen Anstands scheinen in der Mehrheitspartei seit einiger Zeit nicht mehr zu gelten.
  2. Wie inhaltsleer die Europaregion Tirol (und wie unerwünscht eine engere Zusammenarbeit innerhalb ihres Rahmens) ist, hatte Widmann doch die angeblich geplante Expansion der Innsbrucker nach Bozen als zu verhinderndes Übel dargestellt, um zu rechtfertigen, dass das Land Südtirol selbst den Flughafen betreiben muss.

Ad 1.: Leider ist es nicht immer so leicht, wie in diesem Fall, die vorsätzliche Wählertäuschung aufzudecken — etwa, wenn uns wieder einmal weisgemacht werden soll, dass die Autonomie um großartige Errungenschaften erweitert werden konnte. Dann gibt es leider niemanden, der dementiert, und die Medien nehmen leider ihre Kontrollfunktion meist nicht so ernst, dass sie die Fakten recherchierten.

Ad 2.: Eigentlich sollte es doch sein, dass das Land die Regeln für den Flugplatz aufstellt und nicht selbst Betreiber spielen muss, um mitreden zu dürfen. Leider hat aber nicht Bozen, sondern Rom das Sagen, weshalb das Land nur über diesen (teuren) Umweg auch ein wenig mitgestalten kann. Dies gälte es zu beanstanden und nicht die erfundene Tatsache, dass der Flughafen Innsbruck Interesse an Bozen zeigt.

Faktencheck Medien Mobilität | | Thomas Widmann | Dolo | Nord-/Osttirol Südtirol/o | Euregio SVP | Deutsch

Faktencheck: Dr. Gruber und die Frauen.

Beim Runden Tisch vom 03.06. im Rai Sender Bozen behauptete Herr Gruber (vom Umfrageinstitut Dr. Gruber & Partner), im italienischen Parlament säßen 44% Frauen — wie in Schweden. Selbst als Brigitte Foppa (Vërc) und Julia Unterberger (SVP) diese Angabe anzweifeln, bleibt Gruber bei seiner Darstellung; er habe dies noch am Nachmittag überprüft und es stimme zweifelsfrei.

Der Faktencheck ergibt: Im italienischen Parlament sitzen 30,8% Frauen (32% in der Kammer, 30% im Senat). Selbst in der PD-Fraktion, jene mit dem höchsten weiblichen Anteil, liegen die Frauen deutlich unter 44%. Bleibt die Frage: Überprüft Herr Gruber die von ihm selbst erforschten Daten ebenso gründlich?

Quellen:

Faktencheck Feminæ Medien Politik Umfrage+Statistik | Parlamentswahl 2013 | Brigitte Foppa Julia Unterberger | | Italy Südtirol/o | PD&Co. SVP Vërc | Deutsch

Wahrheitsministerium.
Quotation 80

Wie das Land die Unfalldaten zurechtbiegt. Drei Meldungen im Vergleich:

Das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) teilt mit, dass im Jahr 2011 in Südtirol 1.627 Verkehrsunfälle mit Verletzten oder Toten geschahen (+25,3% gegenüber 2010), was einem Tagesdurchschnitt von mehr als vier entspricht. Die Zahl der getöteten Personen betrug 42 (+35,5%, im Jahr 2010 waren es 31), jene der Verletzten 2.004 (+19,0%). Zieht man die Gesamtheit der Verunglückten in Betracht, so waren 51,6% in einem Auto unterwegs, 27,5% lenkten ein Motorrad oder ein Moped und 16,3% fuhren Fahrrad. Im Jahr 2011 wurden 762 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer eingezogen: Das entspricht einem Rückgang um 15,3% im Vergleich zum Vorjahr.

‘Astat’-Mitteilung vom 07.06.2012

Die Zahlen, die das Landesstatistikamt Astat veröffentlicht hat, sprechen eine traurige Sprache: Im Vergleich zum Vorjahr sind 2011 sowohl die Verkehrsunfälle (plus 25,3 Prozent) als auch die Zahl der Verletzten (plus 19 Prozent) stark angestiegen. Den stärksten Anstieg hat es jedoch bei der Anzahl der Toten gegeben, die von 31 im Jahr 2010 auf 42 im vergangenen Jahr stieg.

‘Südtirol Online’ am 07.06.2012 (Auszug)

Verkehrsunfälle drastisch verringert: Sicherheitsmaßnahmen wirken

Auch wenn jeder einzelne Verkehrsunfall tragisch ist, insgesamt sind Südtirols Straßen in den letzten Jahren sicherer geworden: “Jahr für Jahr passieren weniger Unfälle, die Zahl der Verletzten ist gesunken und jene der Verkehrstoten drastisch zurückgegangen”, so Landesrat Florian Mussner, der auf die vielen Maßnahmen verweist, die das Bautenressort des Landes für die Verkehrssicherheit gesetzt hat.

Heutige Mitteilung des Landespresseamtes (Auszug) in Bezug auf die Daten von 2011.

Faktencheck Gesundheit Medien Mobilität Politik Sicherheit Tag+Nacht Umfrage+Statistik | Zitać | Florian Mussner | LPA Stol | Südtirol/o | Astat SVP | Deutsch

Doch Südtiroler in Schladming.

Bei der Meldung der Tageszeitung und anderer Medien, wonach der italienische Skiverband eine offizielle Beschwerde eingereicht hätte, weil einige Athleten in Schladming vom offiziellen Speaker als »unsere Freunde aus Südtirol« und nicht als Italiener vorgestellt worden waren, handelt es sich offenbar um eine Ente. Ich hatte die Nachricht hier wiedergegeben, zeitgleich jedoch auch den Präsidenten des Skiverbandes, Flavio Roda, angeschrieben und um eine Erklärung gebeten. Seine Antwort lässt kaum Interpretationsspielräume:

Gentilissimo
A nome della Federazione e mia sono stupito della sua mail, visto che non esiste nessuna protesta, anche perché non vedo ragione in merito, non so da dove vengano queste affermazioni e ho provveduto personalmente a smentire tramite ANSA queste voci, e le garantisco di essere onorato di avere tanti sud-tirolesi che rappresentano la nostra Italia. La saluto cordialmente Flavio Roda

Traurig, dass wir als Blog es sind, die für Aufklärung sorgen — und es professionelle Medien offenbar nicht für nötig erachten, bei den im Bericht genannten Personen nachzufragen. Trotzdem drängt sich die Frage auf, wer solche Nachrichten überhaupt in Umlauf setzt.

Nachtrag:

Auch die Organisatoren von Schladming bestätigen, dass es keinerlei Beschwerde gegeben hat:

Sehr geehrter Herr Constantini,

wir haben weder eine mündliche, noch eine schriftliche Beschwerde des italienischen Skiverbandes vorliegen.

Beste Grüße,

Mag. Hans Grogl
i.A. Georg Skopek
Administration Sport
schladming2013
WSV Schladming

Merkwürdig und irreführend bleibt, dass die Nachricht von einem Medium, das sich des Prädikats »approvato FISI« (mit Zustimmung des italienischen Skiverbandes) erfreut, noch immer nicht zurückgezogen wurde.

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Die Verwurzelung der Alpini.

Im Zusammenhang mit dem anstehenden Alpinitreffen in Bozen wird regelmäßig die starke Verbundenheit zwischen den Militärs und Südtirol beschworen. Jetzt liefert die Tageszeitung A.Adige einige Zahlen, die General Primicerj genannt hat — und die sagen einiges aus über die angebliche Liebe der Südtiroler für die Alpini: Von den insgesamt über 13.000 derzeitigen Mitgliedern der italienischen Gebirgstruppen stammen 95 aus der Region (also aus Südtirol und Trentino zusammen). Das sind ganze 0,73%. Und dies, obschon der »freiwillige« Militärdienst auch noch Voraussetzung für eine Stelle bei der italienischen Polizei ist.

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Klarheit zur SB-Umfrage.

Herr Roland Lang von der Arbeitsgruppe für die Selbstbestimmung hat mir auf Anfrage freundlicherweise die genauen Daten der Selbstbestimmungsumfrage zur Verfügung gestellt, über welche während der letzten Tage so viel Unklarheit geherrscht hatte. Offensichtlich waren die Ergebnisse falsch oder zumindest sehr missverständlich kommuniziert worden, wenn in den Südtiroler Medien jeweils unterschiedliche Daten veröffentlicht werden konnten — von denen die meisten falsch waren.

Im großen und ganzen bestätigt sich, was ich [hier] in einem Kommentar geschrieben hatte: Das Sozialforschungsinstitut Apollis hat im Auftrag der Arbeitsgruppe 454 Interviews mit Zielpersonen der deutschen und ladinischen Sprachgruppe realisiert. Die Stichprobe ist laut Apollis

repräsentativ und stimmt bezüglich Alter, Geschlecht und Bezirk des Wohnorts mit der Verteilung in der Gesamtbevölkerung überein.
Die Zahl der Befragten garantiert, dass die Ergebnisse der Stichprobenerhebung eine maximale zufallsbedingte Ungenauigkeit von ±4,6 Prozentpunkten aufweisen.

Die genaue Fragestellung lautete folgendermaßen:

Das Thema Selbstbestimmung spielt in Süd-Tirol nach wie vor eine große Rolle. Als Alternativen zur bestehenden Situation werden die Gründung eines eigenen Staates bzw. die Wiedervereinigung Tirols vorgeschlagen. Kürzlich stand sogar der Anschluss an die Schweiz zur Diskussion.
Wenn es in Süd-Tirol zur Durchführung des Selbstbestimmungsrechtes kommen würde und Sie die Wahl hätten, wofür würden Sie sich entscheiden: Zugehörigkeit zu Italien oder Unabhängigkeit, also eigener Staat bzw. Wiedervereinigung?

Eine Mehrheit von 56% der deutsch- und ladinischsprachigen SüdtirolerInnen entschied sich für die Unabhängigkeit, während 44% einen Verbleib bei Italien wünschen.

Es stimmt also nicht, dass über die Hälfte der SüdtirolerInnen aller Sprachgruppen für die Unabhängigkeit wären, wie von einigen Medien vermittelt. Wenn wir diese und die letzte Apollis-Umfrage (bei welcher ausschließlich Angehörige der italienischen Sprachgruppe befragt wurden) zusammennehmen, kommen wir aber auf rund 47% der Gesamtbevölkerung, welche sich für eine Loslösung von Italien aussprechen würden. Dies ist ein sehr hoher Anteil, wenn wir berücksichtigen, dass nicht ein konkretes Projekt in Aussicht gestellt wurde, und dass sich die Mehrheitspartei und die Gesamtheit der »italienischen« Parteien derzeit gegen die Unabhängigkeit aussprechen. [Vergleiche].

Sieht man sich die Daten im Detail an, so entdeckt man, dass die Zustimmung zur Unabhängigkeit zwar mit steigendem Bildungsgrad sinkt, aber immerhin noch 42% der SüdtirolerInnen (deutscher und ladinischer Muttersprache) mit Hochschulabschluss dafür stimmen würden. Ebenfalls höher ist der Wunsch nach Unabhängigkeit in den Landgemeinden (59%), während er in den Stadtgemeinden auf 42% sinkt.

Nach Bezirken aufgeschlüsselt, haben die UnabhängigkeitsbefürworterInnen im Vinschgau (67%) den höchsten Anteil. Im Eisacktal (66%), Wipptal (64%), Burggrafenamt (57%), Pustertal (57%) und Überetsch-Unterland (51%) ist es noch eine Mehrheit, während in den Bezirken Salten-Schlern (46%) und Bozen (35%) weniger als die Hälfte der Befragten (deutscher und ladinischer Muttersprache) für eine Abspaltung wären.

Unter jenen SüdtirolerInnen (deutscher und ladinischer Muttersprache) schließlich, welche sich in erster Linie als SüdtirolerInnen fühlen, hat die Loslösung von Italien mit 65% eine deutliche Mehrheit, während 100% jener, die sich in erster Linie als ItalienerInnen fühlen, einen Verbleib bei Italien wünschen. Unter jenen, die sich keiner dieser Gruppen zuordnen wollten, sind 69% für die Beibehaltung des jetzigen Zustandes.

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Die Kulturhauptstadt-Lüge.

Um zu widerlegen, dass die Europaregion eine grenzüberschreitende Kulturhauptstadtregion hätte werden können, hat Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter-Mur bei Pro und Contra vom 11. April folgendes gesagt:

Ich muss eines richtigstellen: Es stimmt nicht, dass sich zwei Staaten bewerben können. Für 2019 — ist von Brüssel aus definitiv entschieden — bekommt eine Region, eine Stadt in Italien den Zuschlag und eine in Bulgarien.

Dem offiziellen Bericht der Bewerbung Nordostitaliens zur Kulturhauptstadtregion 2019 — deren Teil Südtirol ist — entnimmt man eine gegenteilige Information:

Alcuni suggerimenti delle Linee Guida della Commissione Europea

• Il titolo viene assegnato ad una città  per un determinato anno. Le città candidate al titolo hanno la possibilità di associare al loro programma un territorio regionale (anche euroregionale per le città frontaliere). Ad esempio, Lussemburgo 2007 ha associato la «Grande Regione» al proprio programma, mentre Essen 2010 ha associato la regione della Ruhr.

[…]

Unterstreichung von mir.

Hätte sich Südtirol eigenständig beworben, wäre also sehr wohl die Einbeziehung von Nord-/Osttirol und Trentino möglich gewesen.

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