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Ab wann ist Tolomei Geschichte?

In Zusammenhang mit der misslungenen, nun als Scherz deklarierten Tourismuskampagne von Klausen stellt Sylvia Rier (Grüne) auf Facebook folgende wie ich finde gute Frage:

Aber es darf auch gefragt werden, wie lange “Geschichte” nachwirkt? Wie lange sind Namen (wie hier) “tolomeisch”, und ab wann sind sie es nicht mehr? Weil wenn ich dieses Prinzip der ewig andauernden und fortwirkenden Geschichte auf ewig anwende, dann haben haben wir vor allem eins: ewig Krieg. Also: Ab welchem Punkt ist etwas Geschichte?

Ich nehme die Frage zum Anlass für eine Klärung aus meinem Blickwinkel. Natürlich ist Tolomei schon heute Geschichte, aber für die Nachwirkung gibt es kein Verfallsdatum. Wer sich zum Beispiel etwas mit Kolonialgeschichte befasst, merkt das sofort.

Es gibt nicht ein »ab wann« ist etwas (nur noch) Geschichte, sondern höchstens ein »ab wie«. Solange uns die Namen von Tolomei nach wie vor von außen aufgezwungen werden und ein im Innern demokratisch ausgehandelter Umgang damit nicht erlaubt wird, wirkt Tolomei fort.

Zur Erinnerung: Der Landtag hatte 2012 mit breiter sprachgruppenübergreifender Mehrheit (SVP und PD bei Enthaltung der Grünen) ein Ortsnamengesetz beschlossen. Aus meiner Sicht war es kein gutes Gesetz, aber es war eines, das aus der Verständigung im Land entstanden war. Es wurde jedoch von der Zentralregierung angefochten und aus diesem Grund schlussendlich vom Landtag wieder zurückgenommen. Hier wirkt der Geist von Tolomei fort.

Der Geist von Tolomei wirkt aber auch dann sehr konkret fort, wenn das Verfassungsgericht einer neu gegründeten ladinischen Gemeinde im Trentino einen unerwünschten italienischen Ortsnamen aufzwingt, obwohl man sich vor Ort auf einen ausschließlich ladinischen Namen verständigt hatte.

Ich kann also nicht sagen, »ab wann« Tolomei — zumindest für mich — nur noch Geschichte ist. Er wird es aber sein, falls wir irgendwann nicht mehr dazu gezwungen werden, all seine Namenskreationen beizubehalten, nur weil er sie sich (zum Zwecke der Entnationalisierung und Assimilierung) ausgedacht hat.

Es muss möglich sein, frei einen sprachgruppenübergreifenden Konsens auszuhandeln und dann auch umzusetzen. Dann wird auch die Möglichkeit bestehen, ursprünglich von Tolomei ersonnene Namen — falls gewollt — demokratisch zu bestätigen und somit zu »enttolomeisieren«.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

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Autorinnen und Gastbeiträge BBD

Die nehmen uns die Bildung weg!
Ein »Einzelfall«

von Sylvia Rier

Ich habe gestern den — bedingten — Fehler gemacht, in den Bus um halbzwei zu steigen. Er war voller Schüler, die natürlich alle seelenruhig sitzen blieben (ich war nicht das einzige stehende Mittelalter im Bus). Man ist’s gewohnt (wann hat das eigentlich angefangen?!), dass die Jugend auch ältere Mütterchen als ich es bin ungerührt im Mittelgang stehen lassen, von Bozen bis auf den Berg hinauf (immerhin etwa 20 km bis Völs).

Da schaut mich ein junger “Ausländer” fragend an: Ob ich mich setzen wolle? Sag ich danke nein, ist schon ok (so alt bin ich nun auch wieder nicht, und überhaupt: ich kann wochenlang 30 km am Stück laufen, samt Mehrmonatsrucksack… 30 km bzw. 1 Stunde im Bus stehend abfahren bringt mich nicht wirklich aus der Ruhe. Woher soll er das aber wissen). Der junge Mann — ich kann nicht festmachen, aus welcher Weltengegend er hierher verschlagen wurde, aber lange ist er noch nicht hier, denn er filmt, durch das Busfenster, ausdauernd die Landschaft — kennt aber kein Erbarmen, und steht kurzerhand auf, sodass ich mich setzen muss, was ich dankend tue.

Als ihm später eine Getränkedose aus der Tasche fällt, und just unter meinem Sitz zur Ruhe kommt, sodass ich nach ihr langen und sie ihm geben kann, bedankt er sich sehr artig, auf Deutsch.

Und ich, ich denk mir, so ist das also schon alleweil mit den “Ausländern”. Jetzt nehmen sie uns auch noch die Bildung weg.

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Selbstbestimmungsfeminismus.

Wenn jemand gute Argumente hat, sollte man — meiner Meinung nach — nicht davor zurückschrecken, sie sich zueigen zu machen. So hat Sylvia Rier, Feministin und (meines Wissens) Unabhängigkeitsgegnerin, einen Artikel auf Salto veröffentlicht, dessen Argumentation ich hier — mit wenigen Apassungen — mit einem Augenzwinkern für meine Zwecke recyceln möchte:

In der Schweiz Südtirol gehe es den Frauen Menschen doch längst gut.” Was soll das heißen, drängelt sich dann sofort eines meiner Ichs nach vorne, und frägt: Soll das ein Argument sein? Gegen Feminismus die Selbstbestimmung? Oder wofür? Mag sein, in der Schweiz Südtirol – in Europa – geht es “Frauen den Menschen gut”, wobei aber jedenfalls festgestellt gehört, dass es auch in (der Schweiz Südtirol) Europa keineswegs allen Frauen gut geht, nicht einmal den meisten, und dass es sehr vielen sogar sehr schlecht geht. Woher und warum also diese groben Nachlässigkeiten in der Bewertung, die völlig undifferenzierten Gemeinplätze? Und natürlich: Mithilfe welchen Millimeterbandes misst denn wer, und woran? Messen Männer Unabhängigkeitsgegnerinnen (für die Frauen Unabhängigkeitsbefürworterinnen)? An ihrem eigenen Empfinden (wann es genug und also “gut” ist, mit weiblichem Wohlbefinden)? Und womit wird verglichen? Mit weiblichem dem Status im 19. Jahrhundert? in Indien? oder Afghanistan?

Aber auch wenn der Status Quo europäischer Frauen Bürgerinnen an jenem der ferneren Vergangenheit oder der sog. Schwellen- und Entwicklungsländer gemessen würde, um der Behauptung “es geht ihnen ja gut” willen, und das anerkannt würde: Was hätte es zu bedeuten? Dass es Frauen den Südtirolerinnen nicht noch besser gehen darf? Es ist, meine ich, der menschlichen Spezies inhärent, dass sie stets nach einem “noch besser” strebt, und also überhaupt nicht einzusehen, dass dieser allgemeingültige Standard für Frauen Südtirolerinnen nicht gelten sollte, dass also – nur für Frauen Südtirolerinnen, wohlgemerkt – bei einem bestimmten Level Schluss zu sein hat, mit gut oder gar bessergehen. Überdies hat – selbstverständlich – in erster Linie wohl doch die weibliche Hälfte der Welt Südtiroler Gesamtbevölkerung für sich selbst zu bestimmen, wann “es gut ist”. Eine entsprechende Erhebung fehlt noch, nach meinem derzeitigen Stand der Erkenntnis.

Hinweis: Die durchgestrichenen Textbausteine stellen keine inhaltliche Ablehnung der ursprünglichen, feministischen Argumentation dar — sondern sollen lediglich den »Umbau« des Ausgangstexts nachvollziehbar machen.

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Steuerhinterziehung?
Quotation 127

Ich kenne sogar Leute, die […] nur in Österreich einkaufen — auch eine Art von Steuerhinterziehung, oder?!

— Sylvia Rier, grüne Landtagskandidatin 2013, Facebook

Bei den Grünen, die mitunter gerne Herz- und Panikattacken vortäuschen, sobald von staatlicher Unabhängigkeit die Rede ist (»Wir müssen Grenzen abbauen!« oder »Es gibt keine Grenzen mehr!«) tummeln sich also Leute, die im angeblich doch so grenzenlosen Europa von Steuerhinterziehung (!) reden, wenn man in der Euregio (»Ausland!«) einkauft. Zum Verzweifeln, diese Kohärenz.

Demzufolge muss es sich wohl auch um Bekämpfung der Steuerhinterziehung handeln, wenn Italien mit lauteren und unlauteren Mitteln versucht, grenzüberschreitenden Handel unattraktiv zu machen (Intrastat-Regelung, Generalverdacht etc.).

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