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Autorinnen und Gastbeiträge

Corona: Diffuses Deutsch.

Leserbeitrag von Hartmuth Staffler

Nachdem ich am vergangenen Mittwoch, 16. September, Kontakt mit einer Person hatte, die am 17. September positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, habe ich am 20. September die amtliche Mitteilung erhalten, dass ich bis zum 29. September der „Quarantäne mit aktiver Aufsicht“ unterworfen bin. Wohl um mir diese unerfreuliche Nachricht etwas erträglicher zu machen, hat man den deutschen Text der Mitteilung in einem absurden, von Fehlern strotzenden Stil verfasst, der mich unwillkürlich zum Lachen veranlasst hat. Wahrscheinlich war es wohl die Absicht der Verantwortlichen, mich aufzuheitern und so mein Immunsystem zu stärken. Laut einem Pusterer Zahnklemperer würde dafür zwar Knoblauch genügen, aber nicht jeder mag dieses Liliengewächs. Erfreulich habe ich die Empfehlung des Sanitätsbetriebes gefunden, „ausreichend“ zu trinken. Bereits unsere Vorfahren wussten: Schnaps ist gut für Cholera. Unklar ist jedoch der Hinweis, dass ich angeblich engen Kontakt mit bestätigen Fällen von infektiöser diffuser Krankheit gehabt habe. Ich weiß nicht, was eine diffuse Krankheit ist, aber ich weiß dass diffus (laut Duden) so viel wie „zerstreut, verschwommen“ bedeutet. Demnach würde ich also, wenn überhaupt, nicht an einer eindeutig definierbaren Krankheit leiden, sondern an einer mit diffusem, unklarem Erscheinungsbild. Das Ganze „basierend auf das (sic!) Dekret des Landeshauptmannes, …, mit der (sic!) das Departement für Gesundheitsfürsorge des Südtiroler Sanitätsbetriebes beauftragt worden ist …“ Unsympathisch wird dann folgende Aussage: In Anbetracht der Tatsache, dass die Nichteinhaltung der Eindämmungsmaßnahmen, sofern es sich nicht um eine schwerere Straftat handelt, gemäß Artikel 650 des Strafgesetzbuches bestraft wird, wird (sic!) diesbezüglich auch die Carabinieri für die Überwachung der Einhaltung der angeordneten Maßnahme informiert.

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Belarus ist nicht Katalonien.

L’Estaca des katalanischen Komponisten und Sängers Lluís Llach hat sich über die letzten Wochen zu einer Hymne der Protestbewegung in Belarus entwickelt. Llach war in den 1960ern und -70ern im antifranquistischen Widerstand tätig, begründete 2012 die Assemblea Nacional Catalana mit und wurde 2015 für das separatistische Bündnis Junts pel Sí (JxS) ins katalanische Parlament gewählt. Seit 2018 arbeitet er mit dem von Carles Puigdemont im belgischen Exil gegründeten Consell per la República zusammen.

Ich möchte hiermit an die historische Verantwortung des weltoffenen unionistischen Lagers in Südtirol appellieren: Jemand aus dem erlesenen Kreise muss den Belarusinen dringendst erklären, dass die Estaca unmöglich eine Hymne ihrer Protestbewegung sein kann. Katalonien und Belarus kann man nicht vergleichen. Es dennoch zu tun ist höchst provinziell!

Im Übrigen wäre es naiv zu denken, dass Putin jemals eine Demokratisierung von Belarus erlauben würde.

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Iceman Ötzi Peak.

Aus Respekt vor den Moneten Gästen werden die Ebners am Schnalstaler Gletscher Natur und Kultur opfern und den Grawandspitz in einen Selfie-Insta-Tiktok-Park verwandeln müssen. Wir wissen alle wie das ist: Wenn es der Respekt gebietet, kann sich die Athesia nicht mehr zügeln.

Und weil die Gäste unisono darum gebeten haben, den Gipfel nicht nur umzugraben, sondern auch -zubenennen, und zwar bitteschön in feinstes Englisch, wird der Iceman Ötzi Peak schon bald das Licht der Welt erblicken. Prehistoric Lives Matter. Südtiroler Tscheggl Lives können das natürlich nicht nachvollziehen. Aber: Auch sie werden begeistert sein, wenn sie erfahren, dass man von dort oben sowohl die Staatsgrenze (wie am Brenner!) als auch den Pfad der Transhumanz (UNESCO!) erblicken kann.

Was von einem Grawandspitz aus unmöglich war, ist am Iceman Ötzi Peak ein Kinderspiel.

Denen, die — wie der Heimatpflegeverband — die respektlose Frage aufwerfen, wem denn die Berggipfel gehören, lässt die Gletscherbahn via Stol eine (ausgesprochen respektvolle) Antwort zukommen:

  • Erstens sei der Gipfel gar nicht umbenannt (sondern lediglich einem Lifting unterzogen und wie nach der Annexion toponomastisch bereichert) worden;
  • Zweitens: Corona (passt einfach immer);
  • Und drittens gehören die Berge natürlich weitehin allen (Aktionären der Gletscherbahn). Deshalb wurde der Gipfel für alle zugänglich gemacht. Die 50.000, die wegen der Pandemie in Lohnausgleich sind und sich kein Ticket kaufen können, wollen eh nicht hinauf.

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Covid: Medienvielfalt erhalten!
Ein dringender Aufruf

Als kleiner, ehrenamtlicher Blogger habe ich absolut kein Verständnis dafür, wie mit dem bescheidenen Bittsteller Michl E. des regionalen Medienmonopunternehmens A. (Unkenntlichmachung von mir) umgegangen wird. In einem leider öffentlich gewordenen, bescheidenen Brief an den Landeshauptmann und drei weitere Regierungsmitglieder bedauert E., dass das Land Südtirol (im Unterschied zu Nord-/Osttirol) nur sehr wenig Geld bereitstellt, um die Bevölkerung über die wichtigsten Covid-Maßnahmen zu informieren — nur weil dann etwas Kleingeld auch bei Firma A. landen könnte.

Der Shitstorm war (o tempora, o mores!) zu erwarten. Doch als kleiner, ehrenamtlicher Blogger halte ich es für eine Unverfrorenheit, auf die satte Medienförderung oder auf die vielen, teuren Inserate der öffentlichen Verwaltungen zu verweisen. Was allein Domainregistrierung und Webspace kosten, weiß ich aus eigener Erfahrung. Herr E. , im Hauptberuf auf ein bescheidenes Beamtengehalt angewiesen, hat sicher noch weitere Kosten (Mieten, Angestellte…) zu stemmen, von denen wir einfachen Menschen gar keine Ahnung haben. Auch höhere Zugriffszahlen oder gestiegene Einnahmen aus den Todesanzeigen können das sicher nicht wettmachen! Deshalb ist die Frage, ob seine Medien Information nicht auch ohne öffentliches Geld machen könnten, purer Zynismus.

Für mich ist jetzt klar: Entweder stellt sich diese unfähige Landesregierung endlich hinter die wirklich Bedürftigen — oder ich kleiner, ehrenamtlicher Blogger sehe mich gezwungen, ein Spendenkonto für Herrn E. zu eröffnen. Das wäre tragisch, aber die Rettung der Medienvielfalt im Lande wäre es mir wert.

Der Brief von M. E. wurde heute von der Tageszeitung publiziert.

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Spexit, Spieß umgedreht.

Im Anschluss an das gestern verkündete EuGHUrteil zur Immunität von Oriol Junqueras (ERC) wurde Spexit (für den EU-Austritt Spaniens) zu einem Trending Topic auf Twitter.

Treffsicher trollten — in Anlehnung an die beliebtesten Argumentationsklassiker von Selbstbestimmungsgegnerinnen — nicht nur Katalaninnen den neu aufgeflammten Separatismus rechtsgerichteter Spanierinnen:

  • Die schweigende Mehrheit will das nicht.
  • Gerichtsurteile sind zu akzeptieren.
  • Spexit bedeutet EU- und Euro-Austritt.
  • Es wurde schon über den EU-Eintritt abgestimmt, das kann man jetzt nicht einfach rückgängig machen.
  • Geeint geht es uns besser.
  • Wir lassen uns die EU nicht zerstören.
  • Was steht denn auf deinem Reisepass? (Europäische Union)
  • Alle Europäerinnen werden abstimmen müssen, die Abspaltung betrifft nämlich alle.

[Original: Die schweigende Mehrheit will das nicht. // Gerichtsurteile sind zu akzeptieren. // Unabhängigkeit bedeutet EU- und Euro-Austritt. // Katalonien hat in einem Referendum der Verfassung zugestimmt, das kann man jetzt nicht einfach rückgängig machen. // Geeint geht es uns besser. // Wir lassen uns Spanien nicht zerstören. // Was steht denn auf deinem Ausweis? (Spanien) // Alle Spanierinnen werden abstimmen müssen, die Abspaltung betrifft nämlich alle.]

Politik Recht Satire Selbstbestimmung | | Oriol Junqueras | Social Media | Catalunya Spanien | ERC EU EuGH | Deutsch

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PISA 2018: Die Lösung.

Bei der jüngsten PISA-Studie, deren Ergebnisse dieser Tage veröffentlicht wurden, schneidet die Südtiroler Schule mit italienischer Unterrichtssprache eher mittelprächtig ab. Zunächst wurde dies mit der — im Vergleich zur deutschsprachigen Schule — eher auf Frontalunterricht ausgerichteten Methodik in Verbindung gebracht. Wie dumm! Natürlich weiß der zuständige Landesrat, woran es wirklich liegt: zu wenige Krippenplätze! Deshalb soll nun laut Vettorato (Lega) jede Schule schleunigst eine aufstellen. Noch ein Stoßgebet von Matteo an die Madonna von Međugorje  — und PISA 2021 kann kommen.

Politik Religiun Satire Scola Service Public Umfrage+Statistik | | Giuliano Vettorato Matteo Salvini | | Südtirol/o | Lega | Deutsch

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Sezession der Südtiroler Grünen.

Sie wollten nicht ein Regionalableger der (erfolglosen, zerstrittenen, andersdenkenden) italienischen Grünen sein. Also haben sie schon vor Jahren in Salurn eine Grenze gezogen, sich abgeschottet und die Unabhängigkeit erklärt. Nach einem mehrjährigen Prozess gab es an diesem Wochenende nun die internationale Anerkennung: Über 99% der Delegierten der Europäischen Grünen stimmten in Tampere dafür, die Sezessionistinnen als Vollmitglied aufzunehmen. Dadurch haben sie nun deutlich gesteigerte eigenständige Mitbestimmungsmöglichkeiten.

gratuliert!

Obwohl sie ihnen die Solidarität versagt haben, werden die Südtiroler Grünen nun aber hoffentlich trotzdem ein freundschaftliches Verhältnis zur italienischen Schwesterpartei pflegen — wenn auch fortan auf Augenhöhe. Ob das gut gehen kann?

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Der Kickl’sche Hirnspagat.
Quotation 576

Bei aller Notwendigkeit der Unterschiedlichkeit von Positionen, muss doch Eines feststehen. Und darauf lege ich einen besonderen Wert, wenn ich in die wiedereingezogene Fraktion der Grünen blicke: Nämlich, dass niemand das Recht hat, sich in einer – ich möchte fast sagen pseudo-moralischen – Art und Weise über die anderen zu erhöhen. Dahingehend, dass er dem anderen direkt oder indirekt das Prädikat, Demokrat zu sein, abspricht.

Und ich weiß nicht ob das der Sinn der Übung ist, die die Grünen jetzt mit dieser Gegenkadidatur betreiben. Aber es zeigt mir und es zeigt denjenigen, die diese letzten Stunden auch der Entwicklung genau beobachtet haben, dass halt leider hinter der Fassade dieser hippen, und man möchte manchmal sagen fast putzigen, hinter diesem Mäntelchen, hinter diesem putzigen, einer Ökopartei, samt den dazugehörigen Papptafeln. Der Herr Klubobmann Kogler hat wieder eine mitgebracht, aber in Wahrheit doch eine knallharte linkslinke Gesinnung steht, die immer Gefahr läuft, auch in Richtung totalitärer Tendenzen abzukippen.*

FPÖ-Klubchef Herbert Kickl bei seiner ersten Rede im neu konstituierten österreichischen Nationalrat. 

Kicklsprech at it’s finest anlässlich dessen, dass sich die Grünen erdreistet haben, bei einer Wahl in einer Demokratie eine Gegenkandidatur zu lancieren. Totalitarismus sozusagen.

*Hervorhebungen von mir

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