Categories
BBD

Gleichstellung der Österreichischen Gebärdensprache.

Kürzlich wurde in Italien die italienische Gebärdensprache (LIS) und die italienische taktile Gebärdensprache (LIST) offiziell anerkannt. Unklar war und ist, ob dies in Südtirol sinngemäß auch für die Deutsche und/oder die Österreichische Gebärdensprache (DGS/ÖGS) gilt.

Diesbezüglich erkundigte sich Andreas Leiter-Reber (F) in der aktuellen Fragestunde bei LRin Waltraud Deeg (SVP). Demnach hätten die zuständigen Landesämter im Rahmen der Umwandlung des Dekrets in ein Gesetz versucht, eine Änderung herbeizuführen, die die Gleichstellung zugunsten der deutschsprachigen Südtiroler Bevölkerung sichergestellt hätte. Allerdings wurde das Gesetz — wie so oft in Italien — an die Vertrauensfrage geknüpft, womit keine Änderungen möglich gewesen seien. Bei nächster Gelegenheit solle die Änderung jedoch in den Gesetzestext aufgenommern weden. Es handle sich jedoch hauptsächlich um eine formelle Angelegenheit, da die Gleichstellung der deutschen Sprache aufgrund des Autonomiestatuts bereits gegeben sei und das Gesetz 69/2021 bereits »die entsprechende Schutzklausel für die Sonderautonomien beinhaltet«.

Ob hier das Autonomiestatut (Art. 99) wirklich automatisch greift, würde ich mit einer gesunden Portion Skepsis dahingestellt lassen. In Bezug auf die Berufsverzeichnisse war die Landesregierung ebenfalls dieser Auffassung — die es natürlich zu verteidigen gilt —, schlussendlich musste jedoch ein entsprechender Passus in ein Staatsgesetz eingebaut werden.

Und die erwähnte Schutzklausel für die Sonderautonomien konnte ich im Gesetz ehrlich gesagt auch nicht finden — jedenfalls nicht im einschlägigen Artikel (34-ter), wo ausdrücklich die italienische Gebärdensprache erwähnt wird.

Ferner wollte Leiter-Reber wissen, ob die Landesregierung dem Landtag eine Initiative vorlegen werde, um unter Einbindung der Interessensvertreterinnen zu klären, ob in Südtirol die deutsche, die österreichische oder beide Gebärdensprachen amtlich verwendet werden sollen.

LRin Deeg antwortete darauf, dass die Landesregierung gemäß Landesgesetz 7/2015 (Artikel 29, Abs. 6) das Ziel verfolge

die Inklusion der gehörlosen und taubblinden Menschen durch die Unterstützung, Förderung und Verbreitung der Gebärdensprache und der taktilen Gebärdensprache anzuerkennen.

Davon war gerade in der Pandemie nur ansatzweise etwas zu erkennen.

Aktuell sei die ÖGS die von der deutschsprachigen Bevölkerung im Lande am häufigsten benutzte Gebärdensprache. Heißt wohl im Klartext: wennschon soll diese der italienischen Gebärdensprache in Südtirol gleichgestellt werden.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

Kohäsion+Inklusion Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Soziales | Zitać | Andreas Leiter-Reber Waltraud Deeg | | Italy Südtirol/o | Freiheitliche Land Südtirol Landesregierung Staat Italien Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Categories
BBD

Sparen am falschen Ende.

Jetzt weiß ich es ganz sicher: das mit den Einsparungen im Bildungsbereich kann leider doch kein Zufall, kein Versehen gewesen sein. Sonst würde die Landesregierung jetzt nicht auch noch — im Laufe einer Pandemie — an Sozialorganisationen wie jenen für die Alzheimer- und Parkinsonkranken sparen. Das passt perfekt zusammen und ist genauso unerhört.

Es geht jeweils um wenige tausend Euro, die für die betroffenen Vereine einen enormen Unterschied machen, die aber im Landeshaushalt kaum auffallen werden. Vermutlich hätte man die Beiträge sogar verdoppeln können, ohne die Bilanz zu gefährden.

Gleichzeitig werden den üblichen Verdächtigen weiterhin Millionen in den Allerwertesten gepumpt. Klar, auch sie haben es nach den Lockdowns nötiger als zuvor, doch es steht in keinem vernünftigen Verhältnis.

Umso verantwortungs- und stilloser: die Kürzungen kamen für die ohne Gewinnabsicht arbeitenden Organisationen — wie sie übereinstimmend beklagen — sogar unbesprochen und unangekündigt.

Vielleicht war schon was anderes kein Zufall: die Koalition der SVP mit der menschenfeindlichen Lega. Die jetzigen Maßnahmen, diese bestürzende Prioritätensetzung, passen jedenfalls genau ins Bild.

Es macht mich sprachlos, traurig… und wütend.

Bildung Gesundheit Politik Soziales Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus | | | Südtirol/o | Landesregierung Lega SVP | Deutsch

Categories
Autorinnen und Gastbeiträge

Ein bisschen veräppelt.
Coronaimpfung

von Zeno Oberkofler

Ich habe mich als Jugendlicher ziemlich verarscht gefühlt…

Die Jugend hat besonders unter dieser Pandemie gelitten. Keine sozialen Kontakte, fast immer nur Homeschooling, kein Ausgehen, keine Klassenfahrten, keine Maturabälle, kein Kribbeln bei der ersten Vorlesung an der Uni, keine prägenden Erfahrungen mit anderen Menschen und noch viel mehr hat gefehlt…

Wir waren stets solidarisch mit unseren Mitmenschen, haben aufgepasst, hatten Angst unsere Eltern oder Großeltern anzustecken. Wir konnten die Impfpriorisierung nach Risikogruppen gut nachvollziehen und haben diese respektiert.

Trotzdem konnten es viele Jugendliche kaum erwarten geimpft zu werden, um endlich wieder mehr machen zu können, z.B. die verlorenen Erlebnisse nachzuholen.

Darum war die Aktion der letzten Tage, »Diskoimpfen« mit Astrazeneca für alle über 18, ein riesen Erfolg.

Ich hab mich auch impfen lassen, obwohl die EMA (Europäische Artzneimittelbehörde) empfielt, junge Menschen mit Biontec-Pfizer oder Moderna zu impfen.

»Eine einmalige Chance um endlich wieder etwas mehr Freiheit zu erlangen. Endlich denkt man auch an die jungen Menschen! Danke für diese Gelegenheit! Was bin ich nur für ein Glückspilz, dass ich einen Termin bekommen habe!«, habe ich mir gedacht.

Heute scrolle ich auf meinem Handy rum und sehe die Nachricht, dass ab morgen alle über 18 jährigen geimpft werden können. Super cool!

Aber musste diese ganze Astradance-Aktion dann wirklich sein, wenn nur zwei Tage später die Impfgruppe 18+ geöffnet wird?

Mir scheint nun, dass diese ganze Aktion von vorne herein nur geplant war, um die Astrazeneca-Dosen aufzubrauchen, die niemand wollte. Was mich am meisten stört ist, dass man sich dabei gedacht hat: Wer ist dafür besser geeignet als die »dummen« jungen Menschen, die sich nach einem normalen Leben sehnen, die der Wissenschaft vertrauen und die solidarisch sein wollen… Mit der Hoffnung und den Erwartungen der jungen Menschen zu spielen finde ich echt nicht in Ordnung.

Ich habe mich selten so verarscht gefühlt und zudem auch noch ziemlich dumm. Ich glaube, vielen Jugendlichen geht es genauso und ich finde es wichtig, dass das nicht einfach so stehen bleibt. Hätte man von Anfang an klar und transparent kommuniziert, worum es geht, wäre die Aktion ja auch völlig ok gewesen. So wie es leider gelaufen ist, finde ich das schon ziemlich daneben.

Ich bin natürlich super froh, dass sich jetzt alle über 18-Jährigen impfen können und gönne es allen. Jeder Impfstoff, der die Prüfung der EMA bestanden hat, ist ein super Vakzin. Wir können uns von dieser Hinsicht her echt glücklich schätzen. Also lasst euch bitte unbedingt impfen!

Gesundheit Solidarieté Soziales | Coronavirus | | | Südtirol/o | Sabes | Deutsch

Categories
BBD

Anche sui primari si esprimerà la Consulta.
Concezione riduttiva dell'autonomia

Come riporta l’inserto sudtirolese del Corriere nelle sue edizioni di sabato, domenica e odierna, la legge provinciale 7/2001 sul riordino della sanità sarebbe attualmente inapplicabile, perché il giudice Giulio Scaramuzzino ne avrebbe rimesso una parte al vaglio della Corte costituzionale. Il riferimento in concreto è all’articolo 48 comma 3 che regola la selezione dei primari, contro cui avrebbe fatto ricorso una candidata precedentemente scartata.

Fino alla pronuncia della Corte costituzionale sono dunque ferme tutte le nuove nomine — e almeno in bilico le riconferme, creando grande scompiglio a un sistema sanitario già in affanno per via della pandemia.

Quel che trovo inquietante è che il giudice, nel motivare la rilevanza della questione di legittimità costituzionale, tra le altre cose, affermerebbe che la norma sudtirolese è «irragionevolmente diversa» da quella statale, «senza che la dicrasia normativa sia giustificata da necessità di tutela delle specificità locali» (Corriere del 15.05.).

Questo ragionamento, se si affermasse, sarebbe un ulteriore enorme passo verso la limitazione dell’autogoverno. Non solo c’è chi ritiene che l’autonomia vada meritata (ossia che per essere autonomi sia necessario gestire meglio degli altri), ma ora c’è anche chi sostiene che ogni differenza tra normativa statale e sudtirolese, per non essere ritenuta illegittima, debba essere giustificata da una non meglio definita «necessità di tutela delle specificità locali».

Ciò significherebbe che il legislatore sudtirolese, anche negli ambiti di propria competenza, non potrebbe legiferare liberamente — ma che il margine di intervento si ridurrebbe a pochi e puntuali discostamenti dalla normativa statale, solo laddove la fantomatica «tutela delle specificità» lo giustifichi.

Pura follia.

Arbeit Gesundheit Medien Recht Vorzeigeautonomie Zentralismus | | | Corriere | Italy Südtirol/o | Staat Italien Verfassungsgericht | Italiano

Categories
BBD

Themen für die Zukunftskonferenz.
Die EU mitgestalten

Die EU hat bekanntlich die Konferenz zur Zukunft Europas (CoFoE) ins Leben gerufen, bei der fast 20 Jahre nach dem Verfassungskonvent von 2002/2003 Institutionen und Bürgerinnen über Reformen und eine Neuausrichtung der Union diskutieren sollen.

Insbesondere für den partizipativen Teil des Prozesses habe ich begonnen, einige Themen und Forderungen aufzuschreiben, die meiner Meinung nach aus Südtiroler und/oder (wenigstens) aus -Sicht wichtig wären. Es handelt sich um eine Aufstellung, die fortlaufend aktualisiert werden und Teilnehmenden als Anregung dienen kann. Ähnlich jener, die wir im Zusammenhang mit dem Südtirolkonvent erstellt hatten.

Ergänzungs- und Änderungsvorschläge können jederzeit gerne im Kommentarbereich unterbreitet werden.

  • Abschaffung nationaler Vetorechte in allen Gremien.
  • Abschaffung des Rates der Europäischen Union.
  • Initiativ- und alleiniges Haushaltsrecht für das EU-Parlament.
  • Abschaffung von nationalen Quoten bei der Besetzung von Gremien, einschließlich der EU-Kommission.
  • Umwandlung der EU-Kommission in eine vom Parlament gewählte Regierung sowie Verbesserung der Gewaltenteilung zwischen Exekutive und Legislative.
  • Vereinfachter Zugang für Bürgerinnen zum EuGH.
  • Priorität für den Klima- und Umweltschutz, insbesondere auch vor dem freien Warenverkehr.
  • Realisierung der Kostenwahrheit im Warenverkehr und starke Förderung der Schiene.
  • Priorität für die Förderung des öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs gegenüber dem motorisierten Individualverkehr.
  • Knüpfung der landwirtschaftlichen Förderungen an klar definierte Ökologisierungsschritte.
  • Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe, auch durch eine Reform der Vergaberichtlinien.
  • Förderung von Wirtschaftsmodellen ohne Gewinnabsicht.
  • Einführung einer — auf dem ius soli basierenden — EU-Staatsbürgerinnenschaft anstatt der nationalen Staatsbürgerinnenschaften.
  • Einführung grenzüberschreitender Wahllisten bei EU-Wahlen.
  • Stärkere Einbindung der Regionen auf allen Ebenen und Gründung einer EU-Regionenkammer.
  • Stärkung der Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Regionen, einschließlich der Gründung gemeinsamer Parlamente und anderer Institutionen und Dienste.
  • Deutliche Stärkung der deliberativen und direktdemokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten.
  • Anerkennung des Rechts auf demokratische Selbstbestimmung zur Änderung von Grenzen zwischen Regionen und Staaten, einschließlich Neugründungen, mit automatischem Verbleib in der EU.
  • Schrittweise Einführung eines europäischen Mindestlohns und Angleichung der Sozialstandards.
  • Einführung einer Transaktionssteuer.
  • Echter Minderheitenschutz durch Definition starker und verbindlicher Mindeststandards.
  • Bessere Berücksichtigung regionaler oder Minderheitensprachen durch die EU selbst.
  • Verbot von Geoblocking und ähnlicher Praktiken.
  • Reform des europäischen Asylrechts mit vereinfachtem Zugang, insbesondere die Möglichkeit zur Stellung von Asylanträgen im Herkunfts- oder in Drittländern.
  • Abkehr vom Prinzip der Festung Europa und Verpflichtung zu einer humanen Immigrationspolitik.
  • Einschränkung der Macht von Lobbys und Konzernen.
  • Strenge Regulierung von Waffenproduktion und -exporten.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ohne Hierarchisierung.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ 8/ | 9/ 10/

Arbeit Democrazia Ecologia Grenze Grundrechte Landwirtschaft Minderheitenschutz Mitbestimmung Mobilität Plurilinguismo Politik Selbstbestimmung Service Public Soziales Wirtschaft+Finanzen | CoFoE | | | Europa Südtirol/o | EU EU-Parlament | Deutsch

Categories
BBD

Zweisprachige Sitzungen, wie geht das?
Beispiel Kanada

Beim Office of the Commissioner of Official Languages von Kanada ist ein Leitfaden mit einfachen, aber effektiven Empfehlungen für die Abhaltung zweisprachiger Meetings erhältlich. Ich bin der Meinung, dass diese Ratschläge auch für Südtirol von Interesse sind und — obwohl für öffentliche Verwaltungen gedacht — auch auf Private oder etwa auf die Sitzungen von Gemeinde- und Stadtviertelräten anwendbar wären.

Den Inhalt habe ich hier in die deutsche Sprache übertragen.

Der föderale öffentliche Dienst ist zweisprachig

In Gebieten, die in Bezug auf die Arbeitssprachen als zweisprachig ausgewiesen wurden, haben die Angestellten das Recht, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten und geleitet zu werden. Dies schließt die Sitzungen, an denen sie teilnehmen, mit ein.

Gute Praktiken zur Abhaltung einer zweisprachigen Sitzung mit Angestellten, die unterschiedliche Zweisprachigkeitsniveaus besitzen
  • Die Person, die die Sitzung leitet, beherrscht beide offiziellen Sprachen und achtet darauf, dass alle Angestellten voll und in der Sprache ihrer Wahl am Meeting teilnehmen können. Sie stellt sicher, dass die Sitzungen vom Anfang bis zum Ende in beiden offiziellen Sprachen durchgeführt werden.
  • Die oder der Vorsitzende des Meetings weist in beiden offiziellen Sprachen von Beginn an darauf hin, dass es den Teilnehmenden freisteht, sich in der offiziellen Sprache ihrer Wahl auszudrücken.
  • Die oder der Schriftführende beherrscht beide offiziellen Sprachen und die Wortmeldungen in jeder der offiziellen Sprachen werden im Sitzungsprotokoll wiedergegeben.
  • Die Einberufung, die Tagesordnung, die Unterlagen und die Besprechungsprotokolle werden in beiden offiziellen Sprachen zeitgleich verteilt.
  • Keine weiteren Schritte sind nötig, da im Prinzip sämtliche Teilnehmenden entweder beide offiziellen Sprachen sprechen oder passiv zweisprachig sind.
Gute Praktiken zur Abhaltung einer zweisprachigen Sitzung mit Angestellten, die unterschiedliche Zweisprachigkeitsniveaus besitzen und solchen, die einsprachig sind

Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Schritten: Die oder der Vorsitzende muss die wichtigsten Punkte jeder Wortmeldung für die Sprecherinnen der jeweils anderen Sprache zusammenfassen. Diese Vorgehensweise verlangsamt die Sitzung etwas, unterstützt jedoch die gegenseitige Verständigung außerordentlich. Es ist daher wichtig, dass vom Vorsitz die nötige Zeit eingeplant wird.

Vorteile zweisprachiger Sitzungen
  • Maximieren die Teilnahme sämtlicher Angestellten, da der Großteil in der offiziellen Sprache seiner Wahl produktiver ist.
  • Unterstützen die Beibehaltung der Kompetenzen der Angestellten in der Zweitsprache, da sie beiden offiziellen Sprachen ausgesetzt werden.
  • Sind ein Zeichen des Respekts gegenüber den anwesenden Personen.
Andere Beispiele guter Praktiken
  • Sprachwärter/innen: Im Rahmen einer zweisprachigen Sitzung teilt die oder der Vorsitzende einer Person die Rolle zu, die Ausgewogenheit im Gebrauch der beiden offiziellen Sprachen zu beobachten und sie/ihn darauf hinzuweisen, sobald das Gleichgewicht missachtet wird, damit sie/er es wiederherstellen kann.
  • Den Ablauf der zweisprachigen Sitzung erklären: Als Vorsitzende/r darauf hinweisen, dass die Wortmeldungen der einen und der anderen für die gegenseitige Verständigung in der anderen Sprache zusammengefasst werden. Um dies zu tun, muss die Sitzung ab und an unterbrochen werden.
  • Vertrauen schenken: Als Teilnehmende/r darauf vertrauen, dass die oder der Vorsitzende die eigenen Wortmeldungen gut zusammenfassen wird.
  • Niemals aufgeben: Durch die Praxis wird man besser. Geduld und Wille zu experimentieren sind essentiell. Anfängliche Widerstände sind normal.
  • Eine gute Führung ist entscheidend: Die Führung durch den Vorsitz und durch jede/n Sitzungsteilnehmende/n sind sind genauso wichtig wie die Führung durch Vorgesetzte und Manager/innen auf allen Ebenen.
HINWEISE
  • Rechte der Angestellten versus Pflichten der Supervisor/innen: Das Recht der Angestellten, in Gebieten, die in Bezug auf die Arbeitssprachen als zweisprachig ausgewiesen wurden, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten, schafft für Führungskräfte die Verpflichtung, ihre Angestellten in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu leiten und hat Vorrang gegenüber den Sprachrechten der Führungskräfte.
  • Ganzheitlicher Ansatz bezüglich der Arbeitssprache: Zweisprachige Sitzungen sind nur eines der Elemente, die von Teil 5 des Gesetzes über die offiziellen Sprachen abgedeckt werden. Teil 5 muss in seiner Gesamtheit umgesetzt werden.
  • Dienste an der Öffentlichkeit versus Arbeitssprache: Das Recht der Öffentlichkeit, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl bedient zu werden, hat gegenüber dem Recht der Angestellten, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten, Vorrang. Wann immer Teil 4 und Teil 5 des Gesetzes über die offiziellen Sprachen in Konflikt geraten, hat Teil 4 Vorrang.

Übersetzung aus dem Englischen/Französischen und Anpassungen von mir.

Auch in Südtirol hätten öffentliche Angestellte und Mitarbeiterinnen von Konzessionsunternehmen laut Autonomiestatut (DFB: DPR 574/88, Artikel 11) theoretisch das Recht, in der offiziellen Sprache ihrer Wahl zu arbeiten. Leider wird dem wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl ja der (sprachliche) Alltag vieler Menschen von ihrer Arbeit bestimmt wird.

Vielleicht kann der hier wiedergegebene Leitfaden ein Anstoß für diesbezügliche Verbesserungen sein.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

Arbeit Kohäsion+Inklusion Plurilinguismo Service Public | Best Practices | | | Canada Südtirol/o | | Deutsch

Categories
BBD

Buonerba ist Präsident von Laborfonds.

Der neue — gänzlich männliche — Verwaltungsrat von Laborfonds hat am gestrigen 10. Mai einen Präsidenten und dessen Stellvertreter gewählt: Michele Buonerba und Enzo Bassetti, die ihre Ämter für drei Jahre ausüben werden.

Buonerba war seit 2009 Generalsekretär des SGB. In dieser Zeit hat die staatsweit agierende Gewerkschaft mehrfach versucht, die Repräsentativität des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbunds (ASGB) in Frage zu stellen, um ihn ins Abseits zu stellen.

Im Jahr 2017 hatte Buonerba persönlich einen Brief der sogenannten konföderierten Gewerkschaften an den Südtirolkonvent mitunterzeichnet, der ob seines antiautonomistischen Inhalts für Aufsehen gesorgt und heftigen Widerspruch geerntet hatte.

Und auch sonst ist der SGB während der Amtszeit des nunmehrigen Präsidenten des regionalen Zusatzrentenfonds nicht durch Autonomiefreundlichkeit aufgefallen.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

Arbeit Gewerkschaften Soziales Wirtschaft+Finanzen | Südtirolkonvent | | | Südtirol/o Trentino | ASGB SGB/CISL | Deutsch

Categories
BBD

Generation C.
Nichts ist verloren oder Drama, Baby, Drama!

Es ist völlig klar, dass viele Kinder und Jugendliche Schwierigkeiten mit der Bewältigung der derzeitigen Krise haben, die so weit gehen können, dass sie Pathologien der Psyche entwickeln. Besonders betroffen scheinen laut mehreren Studien Kinder aus wirtschaftlich benachteiligtem Umfeld zu sein. Die Corona-Pandemie hat nämlich soziale Ungleichheiten noch einmal verschärft. Die technischen und räumlichen Voraussetzungen zur Teilhabe am Fernunterricht, die Betreuung durch die Eltern zu Hause wie auch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und des Abschaltens sind in einer geräumigen Vorstadtwohnung mit Garten einer gutbürgerlichen Akademikerfamilie, in der jedes Kind ein eigenes Zimmer mit Laptop und Breitbandinternet hat, gewiss andere als in einer kleinen innerstädtischen Zwei-Zimmer-Mietwohnung einer alleinerziehenden Mindestlohnbezieherin im fünften Stock ohne Balkon.

Ähnlich wie beim Long-Covid-Problem sind die politischen Entscheidungsträgerinnen und die Verantwortlichen im Gesundheitswesen gefordert, diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, indem sie die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen, die Lage wissenschaftlich erheben und auf die Erkenntnisse entsprechend reagieren. Der Gap, den Corona aufgerissen bzw. verbreitert hat, muss mit allen Mitteln wieder zugeschüttet werden – so gut es geht.

Das Problem psychisch belasteter und abgehängter Kinder ist real und gehört behandelt, – doch jetzt kommt das große aber – ABER tun wir bitte nicht so, als ob wir zur Zeit eine ganze Generation schwer traumatisierter, ungebildeter und hoffnungsloser Kinder heranzüchten würden. Das ist schlichtweg nicht der Fall, auch wenn das manche Eltern (die sich nicht notwendigerweise in eben diesen prekären Situationen befinden, in denen sie berechtigten Grund zur Klage hätten) sich selbst und ihren Sprösslingen einreden wollen. Und wenn sie lange genug durchhalten, wird ihr Bemühen vielleicht sogar zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Doch was Kinder und Jugendliche jetzt am wenigsten brauchen ist – bei allem Bewusstsein, dass manche Familien tatsächlich existenzbedrohende Probleme haben – Jammerei, Angstmache und das Gefühl der Ohnmacht.

Doch wenn Eltern ihre Kinder vom Präsenzunterricht – den sie während der Zeit des Fernunterrichts stets herbeigesehnt haben – nur aus dem Grund fernhalten, weil sie nicht wollen, dass ihr Sprössling den deppaten (vielleicht sogar todbringenden!1!1!!!11) Fetzen im Gesicht trägt oder am “Nasenbohrertest” teilnimmt, dann vermitteln sie genau das: Angst und Ohnmacht. Absurderweise tun sie dies noch oft mit dem Argument, dass Kinder, die positiv getestet werden, dann “stigmatisiert” werden würden. Es ist aber natürlich überhaupt nicht stigmatisierend, wenn ein Kind als einziges zu Hause bleiben muss, weil es an einem völlig harmlosen Test (dessen Nützlichkeit man freilich hinterfragen darf), der vielen Kindern sogar Spaß macht (zumindest ist es bei meinem Sohn so) und ihnen ein Gefühl von Eigenverantwortung vermittelt, nicht teilnehmen darf. Wenn sie ihnen dann noch ständig vorkauen, dass wir alle nur ein Spielball irgendwelcher sinistrer Interessen von Eliten wären, die ihren perfiden Plan gegen die gesamte Menschheit mittels Giftspritze durchboxen wollen und man folglich prophylaktisch allem und jedem mit Misstrauen begegnen muss, dann ist das Trauma wohl tatsächlich perfekt. Nur ist daran dann halt nicht Corona schuld. Was Kinder in der jetzigen Situation sehr wohl brauchen sind Zutrauen, positive Impulse und freundliche, besonnene und nicht zornige Menschen, denen sie sich anvertrauen können.

Die nächste Mär ist die vom ach so großen Bildungsverlust und dem “verlorenen Jahr”. Wiederum gibt es eine kleine Minderheit, auf die das tatsächlich zutrifft. Jedoch für den Großteil der Schülerinnen und Schüler gab es 2020 vielleicht ein Defizit was konkrete Fachinhalte und (googlebares) Fachwissen betrifft, aber im Gegenzug auch enorme Impulse bezüglich (lebens)wichtiger Fähigkeiten wie Selbstorganisation, Selbstständigkeit, Eigenrecherche, Informationsbewertung, Durchhaltevermögen, Motivation, Mediennutzung usw. Auch das ist Bildung. Oder vielleicht sogar gerade das. Die Schule als Ganzes hat im vergangenen Jahr einen didaktischen und technischen Innovationsschub erhalten, der ohne Corona in diesem Ausmaß und in dieser Geschwindigkeit nicht denkbar gewesen wäre. Curricula wurden (gezwungenermaßen) entrümpelt, neue Unterrichtsformen mittels Try-and-Error ausprobiert und es wurde kommunikationstechnisch aufgerüstet. Und alle – Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft – haben gemeinsam dazu beigetragen und Großartiges geleistet. Darauf kann man auch einmal stolz sein, anstatt den nicht existenten allgemeinen Bildungsnotstand heraufzubeschwören und ein paar verlorenen Wiederholungsstunden nachzutrauern. Und wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, habe ich gewiss gar einige Jahre “verloren”, was jedoch einem Virus namens Faulheit geschuldet war. Dennoch bringe ich einigermaßen gerade Sätze zuwege und kann zwei und zwei zusammenzählen. Lassen wir also die Kirche im Dorf!

Und zu guter Letzt hat Corona – zumindest vorübergehend – mit einer Unsitte aufgeräumt, die der kindlichen Psyche meines Erachtens mitunter mehr Schaden zufügen kann als ein eigenartiges, verzichtreiches aber für die meisten von uns doch bewältigbares Jahr, vor allem – und man verzeihe mir den Whataboutism – wenn man sich die Situation von Menschen in Kriegs- und Krisengebieten vor Augen führt. Die Unsitte, die ich meine ist die Dauerbespaßung unseres Nachwuchses, der ihnen vielfach Terminkalender beschert, die jenen von Topmanagern ähneln, und die kindliche Spontaneität und Kreativität gnadenlos abwürgt. Aufstehen, Schule, Mittagessen, Sportverein, Musikschule, noch ein Sportverein, Nachhilfe, Gute Nacht.

Corona – natürlich außerhalb der Lockdowns – hat es möglich gemacht, dass sich Kinder wieder spontan und ungezwungen – und vor allem ohne Erwachsenenaufsicht mit vagen Regeln und Zeitlimits – im Freien (!) – anstatt vor dem Computer – treffen und die Welt erkunden, ohne dass einer mitten in der spannendsten Entdeckung oder ausgerechnet während des Elfmeterschießens sagt: “Ich muss weg. Mama fährt mich zum Fußballtraining.” (Meinen Kindern, die maximal einen Fixtermin in der Woche haben, ist das vor Corona nicht selten passiert). Im Lockdown durften Kinder auch endlich wieder ihr Menschenrecht auf Langeweile in Anspruch nehmen und waren gezwungen, zunächst nervig und dann kreativ zu sein, anstatt von ihren “Frühförderern” von einem Event zum nächsten gekarrt zu werden. Und Eltern haben tatsächlich mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht, anstatt Chauffeur zu spielen. Quality-Time auf Neudeutsch. Freilich, Oma und Opa haben sie vermisst. Und manch anderes auch. Aber sie haben auch so viel gewonnen in dieser Zeit, was vieles von den Entbehrungen aufgewogen, wenn nicht gar überwogen hat. Der Wunsch, das einiges davon bleibt, ist groß. Die Hoffnung, dass dies tatsächlich passiert, wenn wieder Normalität einkehrt, eher klein.

Auch meine Kinder wünschen sich, dass Corona bald vorbei ist. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie keinen Schaden davontragen werden, da ich sie sogar aufblühen habe sehen. Egal was kommt, das spontane und kreative Kindsein, die schönen und prägenden Erfahrungen und die Schritte in die Selbstständigkeit, die sie in diesem Jahr gemacht haben, kann ihnen niemand mehr nehmen. Es war eine gewonnenes Jahr.

Bildung Engagement Gesundheit Scola Soziales | Coronavirus Good News | | | | | Deutsch