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Kein Denkmal ist für die Ewigkeit.
Quotation 629

Die Verteidiger kolonialer und anderer Denkmäler geben vor, die Geschichte zu verteidigen, allerdings versuchen sie nur eine bestimmte Gedächtnislandschaft einzufrieren aus einer Zeit, als die Welt aus ihrer Sicht offenbar noch in Ordnung war. Denkmäler werden aber ständig errichtet und auch wieder entfernt oder sie verfallen. Einen bestimmten Zustand zu konservieren, ist rückwärtsgewandte Identitätspolitik! Und hier kommen wir zu des Pudels Kern: Da Denkmäler Monumente kollektiver Identität sind, ist der Streit um Denkmäler auch ein Streit darüber, wer darüber mitreden kann und darf und wer Gehör findet.

Jürgen Zimmerer, Professor für Globalgeschichte mit Schwerpunkt Afrika an der Universität Hamburg, Leiter der Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe in Kein Denkmal ist für die Ewigkeit, 4. September 2020, Zeit Online

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Bravo italiano-cattivo tedesco im Geschichts­buch.

In den Beiträgen des Georg-Eckert-Instituts (GEI) für Internationale Schulbuchforschung ist ein Aufsatz von Isabelle Bosch über die Darstellung von Faschismus und Nationalsozialismus in italienischen Schulgeschichtsbüchern zwischen den 1950er und den 2000er Jahren erschienen.

Das GEI ist seit den 1960er Jahren Schulbuchzentrum des Europarats.

Für diese Untersuchung wurden insgesamt zwölf Bücher — zwei für jedes Jahrzehnt — gewählt und ausgewertet.

Bezüglich der Wahl von Themen und Schwerpunkten stellt Bosch in ihrer Analyse insbesondere bei der Beschreibung der Innenpolitik große Unterschiede in den Büchern des Korpus fest. Dabei gehe die Tendenz im Laufe der Zeit hin zu mehr Ausführlichkeit. Dem italienischen Faschismus werde grundsätzlich mehr Platz eingeräumt als dem Nationalsozialismus.

Während hinsichtlich des Nationalsozialismus die Opposition und die Flucht einiger Gegner des Regimes nur zu den peripheren Themen gehören, wird der Opposition und dem Antifaschismus in Italien viel Raum gegeben. […] Die detailliert dargestellte Strömung des Antifaschismus suggeriert, dass große Teile der Bevölkerung sich nicht mit dem Regime identifiziert haben und es sogar ablehnten.

Die italienischen Kriege in Afrika und der Kolonialismus würden oft nur sehr kurz und ohne Details beschrieben, im Einzelfall sogar positiv dargestellt.

Die Dynamik des Bündnisses zwischen Hitler und Mussolini ist für die meisten Schulbuchautoren eindeutig: Mussolini steht im klaren Abhängigkeitsverhältnis zu Hitler, der den faschistischen Diktator für seine Pläne ausnutzt.

Zwar habe es ein Machtgefälle tatsächlich gegeben, so Bosch, doch das daraus gezogene Fazit sei für die Vergangenheitsbewältigung gefährlich.

Mussolini wird verharmlost, und alle negativen Taten des Faschismus werden als Ausdruck der Abhängigkeit vom Nationalsozialismus deklariert. Der Deutsche wird als Feindbild konstruiert und jegliche Kameradschaft während des Bündnisses vehement abgestritten. Das Bild des bravo italiano und des cattivo tedesco entsteht. Die Erinnerungskultur des Faschismus ist bis heute abhängig von der Gegenüberstellung und eindeutigen Abgrenzung zum Nationalsozialismus. Eine Auseinandersetzung mit den Gräueltaten der italienischen Diktatur blieb für lange Zeit aus und ist auch in den Schulbüchern des Korpus nur vereinzelt zu finden.

Wie erwähnt wird der Widerstand im Falle Italiens deutlich ausführlicher behandelt als im Falle Deutschlands. Die Weiße Rose wird gar nur in zwei der zwölf Bücher (eins aus den 60er und eins aus den 70er Jahren) erwähnt. Von den späten 80er Jahren bis zu einem Buch von 2007 findet die interne Opposition im Nazireich überhaupt keine Berücksichtigung mehr.

Immerhin wurde in den Schulbüchern im Laufe der Zeit mehr auf die Unstimmigkeiten innerhalb der Resistenza hinwiesen, die in früheren Jahren meist als einheitlich (und mehrheitlich) dargestellt wurde. Außerdem fand auch der Faschismus nach 1943, namentlich die Sozialrepublik von Salò, mehr Berücksichtigung.

Den Entschluss über den Eintritt in den Weltkrieg fasst Mussolini den Büchern zufolge allein. Die Teilnahme Italiens am Überfall auf die Sowjetunion wird meist nicht ausdrücklich erwähnt.

Kriegsverbrechen von italienischen Soldaten oder Offizieren werden in Einzelfällen im Zusammenhang mit dem Afrikafeldzug genannt, doch finden sich [nur in einem Buch] Hinweise auf Kriegsverbrechen auf dem Balkan oder anderen Ländern. Wenigstens ein Kriegsverbrechen der Deutschen auf italienischem Boden wird in jedem Schulbuch behandelt (Fosse Ardeatine und/oder Marzabotto), oder das […] Massaker auf Kefalonia.

In allen Kategorien (Machtergreifung, Innenpolitik, Außenpolitik, Zweiter Weltkrieg) sei in den Schulbüchern eine Erzählung zu finden

die eine einheitliche Erinnerungskultur erzeugt, indem ein viel mächtigerer und radikalerer Nationalsozialismus einem ausgenutzten, unfähigen sowie harmlosen Faschismus gegenübergestellt wird. […] Die Ergebnisse der Untersuchung haben gezeigt, dass das Selbstbildnis der Italiener als Opfer Mussolinis und Hitlers bis heute in Teilen Bestand hat.

Nur »in Ansätzen« sei die einseitige Interpretation bislang durchbrochen worden. Es gebe aber eine Weiterentwicklung, die einen kritischeren Umgang mit Geschichte erhoffen lasse. Die Schulgeschichtsbücher hätten die von der Politik gewollte »vermeintlich gemeinsame Erinnerungskultur des Antifaschismus« unterstützt, aber auch den »Mythos der Resistenza und der brava gente« verbreitet.

Es muss eingeräumt werden, dass es unmöglich für ein Land ist, eine einheitliche Erinnerungskultur zu besitzen. Dennoch muss Italien als Sonderfall betrachtet werden, da sich die Auffassungen so massiv widersprechen, dass keine einheitliche Vergangenheitspolitik entstehen kann.

Von den einen werde der Faschismus nach wie vor verharmlost, während ihm die anderen jegliche Unterstützung in der Bevölkerung absprächen.

Bibliografischer Hinweis: Bosch, Isabelle. »Bravo italiano e cattivo tedesco?: Darstellung der nationalsozialistischen und faschistischen Diktaturen in italienischen Schulgeschichtsbüchern.“ Eckert. Beiträge 2016/2.

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Sudtirolo: Treccani… colonialista.

Negli ultimi giorni, come in svariate altre occasioni nel corso degli anni, sono tornato a meravigliarmi della poca conoscenza che si ha in Italia della situazione linguistica e culturale e della storia del Sudtirolo. In riferimento alla questione dei «medici tedeschi» alcune posizioni (ed è il caso di chi, vivendo qui, la situazione dovrebbe conoscerla) sembrano dettate dalla malafede, altre però mi paiono imputabili piuttosto a una scarsa e/o errata conoscenza.

In questo contesto mi è tornato in mente quel che sul «Süd-Tirol» avevo letto, recentemente, sul sito della Treccani, probabilmente ritenuta la più autorevole, completa e affidabile enciclopedia italiana.

Ho scelto alcune brevi citazioni tratte dalla voce dedicata alla nostra terra e che secondo me bene illustrano (se non addirittura: spiegano) l’ignoranza, strutturale e diffusa, sul Sudtirolo:

I rapporti linguistici ed economici che collegano questa provincia con il Tirolo austriaco spiegano il nome di Süd-Tirol. (nonché quello di Tiroler Etschland, con cui, fino al 1971, era indicata dallo statuto della Regione Trentino-A.).

Dopo la fallita rivolta antifrancese guidata da A. Hofer, nel 1815 l’A. passò alle dirette dipendenze dell’Austria, la quale soprattutto dopo la perdita, avvenuta nel 1866, degli altri domini italiani, vi iniziò un’intensa opera di germanizzazione.

Al termine della Prima guerra mondiale l’A. passò all’Italia, e costituì, dal 1927 in poi, la provincia di Bolzano. Il regime fascista attuò una politica di italianizzazione della popolazione di lingua tedesca favorendo altresì una massiccia immigrazione di italiani, ciò che provocò una forte reazione locale di stampo nazionalistico.

La svolta verso un’intesa si ebbe soltanto quando l’Austria si rese conto che il suo sforzo di internazionalizzare il problema dell’A. e di farsi riconoscere il ruolo di garante dell’applicazione delle nuove concessioni che il governo italiano si apprestava a concedere alla popolazione di lingua tedesca non trovava eco né in Europa né all’ONU.

Riassumendo:

  • Il nome Süd-Tirol è dovuto non già al fatto che questa terra fosse, almeno fino alla sua annessione da parte dell’Italia, parte costitutiva e integrante del Tirolo, tanto da albergare il castello da cui prende il nome e da averne per anni ospitato la capitale (Merano), ma solamente ai rapporti — linguistici ed economici — che la collegano al Tirolo austriaco.
  • Soprattutto dopo la perdita «degli altri domini italiani» (e dunque implicitamente anche il Sudtirolo viene definito tale) l’Austria iniziò una «intensa opera di germanizzazione». Questo si può, forse, affermare relativamente al Trentino, ma anche lì furono primariamente associazioni nazionalistiche ad operare in tal senso e in misura molto minore lo stato.
    Tanto che, per fare solo un esempio, un passaporto emesso nel 1915 nella parte germanofona del Tirolo era perfettamente bilingue (tedesco-italiano), a differenza di quelli emessi qui — oggi, non durante il fascismo! — dallo stato italiano.
  • La «politica di italianizzazione della popolazione di lingua tedesca» e la «massiccia immigrazione di italiani» sono descritte senza battere ciglio (ovvero senza interpretazione alcuna), mentre è la «forte reazione locale» a venir definita «di stampo nazionalistico». Inoltre, se l’opera di germanizzazione portata avanti dall’Austria (in Trentino, non in Sudtirolo) viene definita «intensa», quella del regime fascista sarebbe dunque stata più blanda?
  • Che, infine, l’Austria non si sia fatta riconoscere il ruolo di garante dell’applicazione delle nuove concessioni che il governo italiano si apprestava a concedere fare alla popolazione di lingua tedesca risulta essere totalmente falso. Su che base altrimenti l’Italia nel 1992 si è fatta emettere la cosiddetta quietanza liberatoria dall’Austria, una volta applicate (seppure in maniera insufficiente, a mio personale avviso) le misure previste dal pacchetto?

Se questa è la qualità delle enciclopedie (e dei libri scolastici?) italiani, c’è ben poco di cui meravigliarsi. A scanso di equivoci: non sono dell’avviso che sia il Governo sudtirolese o chi per lui a dover (e poter) contrastare questa diffusissima disinformazione*. Penso invece che sarebbe il compito delle istituzioni di ricerca, universitarie, educative, culturali italiane quello di rivedere e superare questo nazionalismo e colonialismo intrinseco.

*) È e sarà prima di tutto compito dei sudtirolesi, invece, rielaborare la loro storia e cercare di superare i propri stereotipi, pregiudizi ed errori.

Vedi anche:
Bildung Cultura Faktencheck Faschismen Geschichte Nationalismus Wissenschaft | Geschichtsaufarbeitung Italianizzazione Zitać | | | Italy Nord-/Osttirol Österreich Südtirol/o Trentino | EU UNO | Italiano

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»Enorme mehrsprachige Kompetenzen«.
Studie RepertoirePluS

Forscherinnen des Instituts für Angewandte Sprachforschung der Eurac haben eine neuartige Studie entwickelt und durchgeführt, um die mehrsprachigen Sprachrepertoires von Südtiroler Schülerinnen qualitativ und quantitativ zu erforschen.

Im Rahmen von RepertoirePluS wurde zwischen 2016 und 2019 Umfang und Nutzung der mehrsprachigen Kompetenzen von Mittel- und Oberschülerinnen der deutschen, italienischen und ladinischen Sprachgruppe untersucht:

  • Zunächst wurden (im Frühjahr 2017) mit einem umfangreichen, 47 Items umfassenden Fragebogen, wichtige Informationen in den fünf Abschnitten Sprachportrait und -biographie, Selbsteinschätzung von Sprachkompetenzen, Sprachverwendung im Alltag, Umgang mit mehrsprachigen Situationen und persönliche Metadaten eingeholt und ausgewertet. 240 Schülerinnen nahmen daran teil.
  • In einem eigens entwickelten Sprachendorf und einem Setting mit fünf Stationen wurden (im Frühjahr 2018) die Interkomprehension (Verständnis nicht aktiv beherrschter Sprachen), die Mediation sowie der polyglotte Dialog in den Varianten rezeptiv und produktiv unter die Lupe genommen.
  • Am Ende der Sprachendorferfahrung wurden die Teilnehmenden (ebenfalls im Frühjahr 2018) zu Fokusgruppeninterviews und -diskussionen eingeladen, in deren Rahmen über Sprachkompetenzen reflektiert wurde. Es bestand die Möglichkeit, die Fragebögen im Lichte neu gewonnener Erkenntnisse zu überarbeiten.

Die gewonnenen Erkenntnisse sind teils verblüffend:

  • Alle 240 Schülerinnen gaben an, mindestens die drei Sprachen Deutsch, Italienisch und Englisch zu sprechen.
  • Mehr als zwei Drittel der Schülerinnen (69%) sprechen jedoch noch weitere Sprachen:
    • 44% sprechen vier Sprachen;
    • 14% sprechen fünf Sprachen;
    • 8% sprechen sechs Sprachen;
    • weitere 2% sprechen sieben bis zehn Sprachen.
  • 29 unterschiedliche Sprachen von Ladinisch (79 mal), Latein (57), Spanisch (42), Französisch (34) und Albanisch (9) über Sardisch (2) bis hin zu Friaulisch, Punjabi oder Urdu (je 1) wurden erfasst.
  • Noch vielfältiger wurde die Situation, wenn auch nach den Varietäten (Bayrisch, Schweizerdeutsch, Sizilianisch…) gefragt wurde.

Zusammenfassend stellen die Autorinnen fest:

  • Die Schülerinnen verfügen über sehr vielfältige Repertoires mit einer Vielzahl von sprachlichen Ressourcen und kommunikativen Strategien.
  • Es wurden nicht nur produktive und rezeptive Kompetenzen in drei bis zehn Sprachen vorgefunden, sondern auch ausgeprägte Fähigkeiten im Erkennen und Auswählen geeigneter Codes und Register, Codeswitching, Sprachmittlung und -transfer, Interkomprehension und zur Bewältigung komplexer mehrsprachiger Situationen.
  • In mehrsprachigen Settings können sie nicht nur ihr Repertoire aktivieren, sondern auch ihre Ressourcen erweitern, indem sie mit Personen und Materialien interagieren, die weitere Sprachquellen bieten. Sie können darüber reflektieren und positive, proaktive, flexible und kreative Ansätze zeigen.

Irgendwie klingt das alles nicht so ganz nach dem düsteren Bild, das häufig von den Sprachfertigkeiten der Südtiroler Schülerinnen gezeichnet wird.

Siehe auch:
Bildung Plurilinguismo Scola Service Public Umfrage+Statistik Wissenschaft | Good News | | | Südtirol/o | Eurac | Deutsch

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Postcolonial Italy – Mapping Colonial Heritage.

Die Forscherinnen Markus Wurzer (Universität Graz) und Daphné Budasz (European University Institute) haben es sich mit weiteren Mitwirkenden zur Aufgabe gemacht, Spuren der »verschwiegenen Kolonialgeschichte Italiens« im öffentlichen Raum aufzuspüren und in einem sogenannten Digital-Public-History-Projekt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Unter den vier bislang unter die Lupe genommenen Städten befindet sich auch die Südtiroler Landeshauptstadt, in der — nach Florenz, aber vor Rom und Venedig — die zweitgrößte Anzahl an Spuren gefunden und in eine interaktive Karte eingezeichnet wurde:

Ausschnitt aus Postcolonial Italy – Mapping Colonial Heritage

Darunter befinden sich acht Straßen- und Plätzenamen, fünf Denkmäler (einschließlich eines Exkurses zum Alpinidenkmal in Bruneck) und eine Institution:

  • Die erst 1953 und auf Vorschlag des neofaschistischen MSI so getaufte Amba-Alagi-Straße, die an den Verlust des Kolonialimperiums erinnern (und vor dem möglichen Verlust Südtirols) warnen sollte.
  • Die Antonio-Locatelli-Straße, die 1936 nach dem Piloten und »glühenden Faschisten« benannt, nach dem Krieg in Giuseppe-Craffonara-Straße umbenannt und 1949 wieder in Antonio-Locatelli-Straße rückbenannt wurde. Locatelli war als Freiwilliger im Abessinienkrieg gewesen.
  • Die Drususstraße und die Drususbrücke, deren Namen (nach dem angeblichen Romanisierer germanischer Gebiete) die kolonialistische und expansionistische Ideologie vorwegnahmen, die später auch in Libyen und Eritrea zum Zuge kam. Stellvertretend für andere imperialistische Bezeichnungen wie Julius-Cäsar-Straße, Hadriansplatz und Claudia-Augusta-Straße.
  • Die ursprünglich 1936 eingeführte via Duca D’Aosta (nach dem »Kriegshelden« und »letzten Verteidiger« des Kolonialreichs Amedeo di Savoia-Aosta), 1946 in Spitalgasse umbenannt, 1953 auf Druck von Veteranenorganisationen als Bezeichnung einer anderen Straße, der heutigen Duca-D’Aosta-Allee, wiedereingeführt.
  • Die Padre-Reginaldo-Giuliani-Straße, wie die Locatellistraße nach einem »Märtyrer« des Abessinienkrieges benannt, 1946 in Andreas-Hofer-Straße um- und 1949 in Giulianistraße rückbenannt.
  • Die Rhodosstraße, die an die Eroberung der Dodekanesinseln erinnert, die von 1912 bis 1943 zum italienischen Kolonialreich gehörten.
  • Die 1936 so benannte Tripolisstraße, deren Name 1949 auf Vorschlag eines sozialistischen Gemeinderatsmitglieds bestätigt wurde, weil sie auf den ersten Italienisch-Türkischen Krieg und nicht auf den Faschismus Bezug nehme. Bei dieser Entscheidung seien jedoch die faschistischen Kriegsverbrechen in Libyen unberücksicht geblieben.
  • Der Mazziniplatz zu Ehren des italienischen Risorgimento und somit eines vereinigten italienischen Nationalstaats. Der Platz wurde 1939 in Piazza dell’Impero und 1946 in Mazziniplatz umbenannt.
  • Das Alpinidenkmal in Bruneck.
  • Die Siegessäule am gleichnamigen Platz (hinter dem gleichnamigen Denkmal).
  • Ein Flachrelief am Siegesplatz, das unter anderem die Befreiung versklavter Völker als ein »Geschenk« der faschistischen »Zivilisation« am Höhepunkt des faschistischen Expansionismus darstellt.
  • Die Flachreliefs und Inschriften (Verse von Virgil und Horaz) an den ehemaligen INA- und INFPS-Gebäuden am Siegesplatz.
  • Das Piffraderrelief am Gerichtsplatz.

Und schließlich die Otto-Huber-Kaserne, die nach einem faschistischen »Kriegshelden« aus Südtirol benannt ist und auf die der Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) 1956 einen Bombenanschlag verübt hat. Huber ist auch in Meran eine Straße gewidmet. Einer ähnlichen Logik der Ehrung einheimischer Faschisten folgt die Benennung der Wackernellkaserne in Mals, die noch heute unter diesem Namen (teilweise) als Carabinieri-Kaserne dient.

Alle Südtirol betreffenden Texte und Bilder auf dem Portal stammen vom Schweizer Historiker Sebastian De Pretto (Universität Luzern).

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Der Umgang mit Corona in der OECD.

Die Economist Intelligence Unit (EIU) hat die von 21 OECD-Mitgliedsländern ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie unter die Lupe genommen und sie nach derzeitigem Stand (9. Juni) bewertet. Mit berücksichtigt wurden auch die vorbestehenden Risikofaktoren, einschließlich der demographischen Altersstruktur und der Anzahl internationaler Ankünfte, um nicht Ungleiches gleich zu beurteilen.

Das Ergebnis ist eindeutig: An erster Stelle liegt Neuseeland (mit 3,67 Punkten), gefolgt von Deutschland und Österreich (je 3,56) sowie Dänemark, Norwegen, Island, Israel und Australien (je 3,44).

Gut haben Portugal (3,22), Chile, Frankreich, Portugal und die USA (je 3,11) abgeschnitten. Mittelmäßig die Schweiz und Japan (je 2,89), Südkorea (2,78), Schweden (2,56) und die Niederlande (2,44).

Am schlechtesten wurden die Maßnahmen von Italien, Spanien und Vereinigtem Königreich (je 2,22) sowie jene Belgiens (2,11) bewertet.

Wirtschaftliche Maßnahmen wurden übrigens nicht berücksichtigt. Die Untersuchung befasst sich ausschließlich mit dem gesundheitlichen Aspekt.

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Demokratische Optionen.
Quotation 613

Der Zentrums-Peripherie-Konflikt vereinigt zwei thematische Felder: ein funktionales und ein identitäres. Ersteres betrifft die Verteilung der politischen Autorität zwischen Staat und Region, letzteres hingegen Prozesse der Nationenbildung, also die Gründe hinter den Forderungen nach (mehr) Selbstbestimmung.

Überspitzt formuliert sind Konflikte zwischen Minderheitenregionen und Zentralstaat dieselben wie zwischen Nationalstaaten und EU. Es geht um Fragen der Souveränität und schlussendlich der Demokratie. Letztere kann ohne erstere nicht funktionieren.

Ich würde beim Sezessionismus aber nicht per se von einer Gefahr sprechen, sondern von einer demokratischen Option, die auf dem politischen Feld ausgetragen werden sollte.

Politikwissenschafter Matthias Scantamburlo im Salto-Interview

Auf Fragen, die in Südtirol sehr oft die üblichen Beißreflexe auslösen und mit Katalogmeinungen bedient werden, antwortet Scantamburlo mit einer wohltuenden Mischung aus wissenschaftlicher Distanz, analytischer Differenziertheit und einem fundierten Blick über den Tellerrand.

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Diplocat-Talk mit Francesco Palermo.
Veranstaltungshinweis

Am 25. Juni um 12.00 Uhr (MEZ) findet das erste sogenannte Digital Talk des katalanischen Rats für öffentliche Diplomatie (Diplocat) statt. Es wird gemeinsam mit dem Centre d’Estudis de Temes Contemporanis (CETC) der katalanischen Regierung und in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Idees organisiert und bildet den Auftakt zur Serie Diplocat Digital Talks – The World after COVID-19.

Das Thema der ersten Veranstaltung lautet Zentralisierung versus Dezentralisierung: Welche Strategie ist zur Bekämpfung von COVID-19 am besten geeignet?

Unter den vier teilnehmenden Expertinnen befindet sich auch Francesco Palermo:

  • Mireia Grau – Leiterin der Forschungsabteilung am Institut d’Estudis de l’Autogovern der katalanischen Regierung.
  • Nicola McEwan – Professorin für Territorialpolitik und Co-Direktorin des Centre on Constitutional Change an der Universität von Edinburgh.
  • Francesco Palermo – Professor für vergleichendes Verfassungsrecht an der Universität Verona und Leiter des Instituts für Vergleichende Föderalismusforschung an der Eurac.
  • Johanna Schnabel – Lehrbeauftragte für Vergleichende Politik an der Universität Kent.

Das Gespräch wird vom Politikwissenschafter und Professor Marc Sanjaume moderiert.

Hier geht es zur erforderlichen Anmeldung.

Nachtrag vom 25. Juni: Das Gespräch kann hier nachgesehen werden.

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