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Vom Ersten Weltkrieg zur Autonomie.
Veranstaltungshinweis: Webinarreihe

Das Autonomiezentrum der Eurac organisiert zwischen dem 5. Mai und dem 21. Juni unter dem Titel

Vom Ersten Weltkrieg zur Autonomie im 21. Jahrhundert

eine fünfteilige Webinarreihe auf Zoom.

Programm:

  • 5. Mai – Ettore Tolomei, il nazionalismo tedesco-austriaco e il Tirolo storico dal 1880 al 1918 – Teilnehmende: Lorenzo Baratter (Historiker, Dokumentationszentrum Lusérn), Luciana Palla (Historikerin, Istitut Cultural Ladin Cesa De Jan, Col), Maurizio Ferrandi (Journalist und Historiker, Bozen) – Moderation: Hannes Obermair (Historiker, Eurac).
  • 19. Mai – Die Südtiroler Kolonialerfahrung am Horn von Afrika 1935-1941 in der Erinnerungskultur – Teilnehmende: Sebastian de Pretto (Historiker, Universität Luzern), Markus Wurzer (Historiker, Max-Planck-Institut Halle/Saale), Hannes Obermair (Historiker, Eurac) – Moderation: Georg Grote (Historiker, Eurac).
  • 3. Juni – Die »Optionszeit« und ihre wirtschaftliche Dimension 1939-1948 – Teilnehmende: Sarah Oberbichler (Historikerin, Universität Innsbruck), Alexa Stiller (Historikerin, ETH Zürich), Martha Verdorfer (Lehrerin und Historikerin, Bozen) – Moderation: Georg Grote (Historiker, Eurac).
  • 9. Juni – La memoria corta – il confronto con il passato tra politica etnica, separazione linguistica e il »Gesamtsüdtirolertum« langeriano – Teilnehmende: Siegfried Baur (Professor i. R., FUB), Hannes Obermair (Historiker, Eurac), Giorgio Mezzalira (Historiker, Alexander-Langer-Stiftung) – Moderation: Adina Guarnieri (Historikerin, Bozen).
  • 21. Juni: Ein Konfliktlösungsmodell mit Zukunft? Die Südtirol Autonomie [sic] auf dem Weg vom Pariser Vertrag, über die Paketabstimmung in das 21. Jahrhundert – Teilnehmende: Hans Heiss (Historiker, Landtagsabgeordneter a. D., Brixen), Hans Karl Peterlini (Unesco-Lehrstuhl Global Citizenship Education, Universität Klagenfurt), Eva Pfanzelter (stv. Leiterin Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck) – Moderation: Patrick Rina (Journalist, ORF).

Die Veranstaltungen finden in deutscher oder italienischer Sprache statt. Beginn ist jeweils um 17.30 Uhr und es ist eine Registrierung erforderlich.

Siehe auch:

Bildung Colonialismi Geschichte Nationalismus Termin Vorzeigeautonomie Wissenschaft | | Alexander Langer Ettore Tolomei Hannes Obermair Hans Heiss Hans Karl Peterlini | ORF | Afrika Ladinia Südtirol/o Tirol | Eurac Freie Universität Bozen | Deutsch

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Innere und äußere Kolonien.
Libyen, Eritrea, Sizilien und Südtirol

Auf Laying Claim, einen Text von Mia Fuller über den italienischen Kolonialismus, war ich schon vor einigen Jahren gestoßen. In Bezug auf die Unbeständigkeit natürlicher Grenzen — und die Ortsnamen von Ettore Tolomei — hatte ich daraus bereits im Mai 2019 kurz zitiert.

Aufschlussreich finde ich aber besonders die Überlegungen von Fuller über die externen und internen Kolonien, wobei sie zu letzteren im Fall von Italien neben Sizilien auch Südtirol zählt.

In Italien tendiere man dazu, die nach 1861 erfolgten Grenzänderungen nicht im Lichte der kolonialen Expansion zu betrachten, obschon die Einwohnerinnen in beiden Fällen die Oktroyierung der italienischen und das Verbot anderer Sprachen als eine Form kolonialer Unterjochung abgelehnt hätten.

Wie die Professorin am Department of Italian Studies an der University of California – Berkeley argumentiert, sollte man die »Konsolidierung« der italienischen Grenzen nicht nur im engeren Kontext der Staatswerdung, sondern auch im Lichte der imperialistischen Expansion des Landes betrachten. Die ab 1869, noch bevor Rom in den Staat eingegliedert wurde, diskutierte Eroberungspolitik sei ausdrücklich als Mittel des Nation Buildings gerechtfertigt worden. Demnach sollte der Kolonialismus einen einenden patriotischen Geist im Lande fördern und dem Regionalismus entgegenwirken. Kolonialistische Besetzungen in Afrika und und interne Einigung fanden nicht nur im selben Zeitraum statt, ihre Methoden waren dieselben, so Fuller.

Gewaltsame staatliche Kontrolle und Herabwürdigungen, wie sie für den Kolonialismus typisch sind, seien ab 1861 auf Sizilien und später in Venetien, Trentino oder Südtirol brutal auf diejenigen angewandt worden, die nicht dem Bild entsprachen, das die italienische Regierung von italienischen Staatsbürgerinnen hatte.

Gleichzeitig seien auch externe Kolonien wie Eritrea und Libyen oft in absichtlicher Aberkennung ihrer grundsätzlichen Andersheit bewusst als a priori italienisch dargestellt worden.

Auf Sizilien hätten sich Menschen vor allem in der Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung und auf eine Landreform Garibaldis Tausend angeschlossen — doch schon in den 1860ern sei dieser Optimismus verflogen, als Bauernaufstände gerade von den angeblichen Befreiern gewaltsam unterbunden wurden. Und während in Frankreich und Großbritannien die kolonisierten Völker Afrikas und Asiens studiert wurden, wähnte Italien seine eigenen »Primitiven« in den Gebirgsregionen von Abruzzen und Molise sowie auf Sardinien und Sizilien, also im Inneren des neu zusammengeflickten Landes.

Wie in Libyen habe Italien auch in Südtirol davon geträumt, ein historisches Kontinuum wiederherzustellen und dort anzusetzen, wo das Römische Reich aufgehört hatte. Als wäre die Geschichte in den dazwischenliegenden Jahrhunderten gestoppt worden. Eine räumliche und zeitliche Grenze sei gleichzeitig erfunden und erobert worden, um an eine glorreiche Vergangenheit anzuknüpfen und sich eine noch hellere Zukunft zu sichern.

Der Umgang mit Libyen und der mit Südtirol folgte in der Zwischenkriegszeit laut Fuller demselben Muster. Das Staatsgebiet wurde erweitert und die Anzahl von Italienerinnen innerhalb der neuen Grenzen nahm zu, weil die ursprünglichen Einwohnerinnen sowohl physisch als auch kulturell verdrängt wurden.

In 1939 sei die Agenda für beide Gebiete zusammengeflossen. Das bereits kolonisierte Libyen sei auch formell an Italien angegliedert und zu italienischem Festland erklärt worden. Über Nacht habe man so eine Kolonie zur italienischen Provinz gemacht. In Südtirol sollte die Option mehr Raum für eine zu intensivierende Italianisierung machen, die ohne den Zweiten Weltkrieg wohl ihr Ziel erreicht hätte. Die kulturelle Säuberung, die Italien in Südtirol umsetzte, sei viel detaillierter und mit Sicherheit wirksamer gewesen als jene in Libyen oder in jeder anderen externen Kolonie. Es habe sich nicht nur um eine Kolonisierung, sondern um eine radikale Auslöschung der Andersheit in der Gegenwart und in der Vergangenheit gehandelt.

Aus all den genannten Gründen sei im Falle von Italien die übliche historische Differenzierung zwischen Mutterland und Kolonien, wie sie etwa auf das französische und britische Empire Anwendung findet, nicht haltbar.

Die von Tolomei aufgezwungenen Ortsnamen sind bis heute gültig und — so Fuller — werden wohl die Grenze überleben, die Italien für ewig hielt. Während das Eis in den Alpen schmelze, erweise sich die nördliche Staatsgrenze aus dem kolonialistischen Blickwinkel als eine willkürlich gezogene Grenze statt als prädestinierte Markierung für alle Zeiten. Der Klimawandel bedrohe die symbolische Beständigkeit des Nationalstaats.

Mia Fullers Beitrag ist in A Moving Border: Alpine Cartographies of Climate Change (Hrsg. A. Bagnato, M. Ferrari, E. Pasqual – 2019) erschienen.

Siehe auch:

Colonialismi Ecologia Faschismen Geschichte Grenze Nationalismus Ortsnamen Politik Publikationen Symbolik Wissenschaft | Geschichtsaufarbeitung Italianizzazione | Ettore Tolomei | | Afrika Italy Sicilia Südtirol/o | | Deutsch

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Ålandinseln wollen UNESCO-Mitgliedschaft.

Kürzlich haben die gut 50.000 Einwohnerinnen zählenden Färöer bekanntgegeben, einen Mitgliedsantrag bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestellt zu haben. Eigenständiges Mitglied der UNESCO sind die zu Dänemark gehörenden Inseln bereits.

Nun kündigte die Regierung von Åland (rund 30.000 Einwohnerinnen) an, ebenfalls die Mitgliedschaft in der UNESCO, der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, anzustreben. Sie beruft sich hierzu einerseits auf den Präzedenzfall der Färöer und andererseits auf die Tatsache, dass Bildung, Wissenschaft und Kultur großteils autonome Zuständigkeiten der Åland seien.

Aus der Mitgliedschaft ergäben sich vielfältige Mitbestimmungs- und -gestaltungsmöglichkeiten, wie die Mitarbeit in den Kommissionen, die Einbringung von Themen, die Einsichtnahme in alle relevanten Unterlagen, die Teilnahme an Sondersitzungen, der ständige Austausch mit den anderen Mitgliedern oder die Unterbreitung von Vorschlägen an den Vorstand. Nur beim Budget seien die Mitbestimmungsrechte von Mitgliedern, die keine souveränen Staaten sind, eingeschränkt.

Neben den Färöer gibt es schon heute zehn weitere UNESCO-Mitglieder, die keine volle Souveränität genießen — darunter das zu Frankreich gehörende Kanaky (Neukaledonien).

Siehe auch:

Bildung Comparatio Cultura Föderal+Regional Vorzeigeautonomie Wissenschaft | Autonomievergleich Good News | | | Åland Färöer Finnland-Suomi | UNESCO | Deutsch

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Aber was ist mit den Langzeitfolgen?
Fragen über Fragen

Ich muss vorausschicken, dass ich kein Mediziner bin und die nachfolgenden Erläuterungen somit vielleicht die eine oder andere Unschärfe enthalten. Ich würde aber gerne ein paar immer wieder gehörte Fragen und Feststellungen aufgreifen und sie etwas näher betrachten. Und vielleicht gibt es hier ja auch tatsächliche Fachleute, die meine dilettantischen Ausführungen etwas präzisieren können.

  1. Aber wir wissen doch noch viel zu wenig über die Impfung!
    Wir wissen auch noch viel zu wenig über die Krankheit. Inzwischen wurden die Impfstoffe allerdings fast 500 Millionen mal verabreicht, ohne dass es in großem Ausmaß zu schwerwiegenden Problemen gekommen wäre. Jedem einzelnen Fall eines ursächlichen (!) unerwünschten Ereignisses im Zusammenhang mit der Impfung muss freilich nachgegangen werden. Aber im Moment deutet vieles darauf hin, dass die Impfstoffe sicher, verträglich und wirksam sind. 500 Millionen Impfungen mit schweren Komplikationen im Microbereich stehen rund 130 Millionen bestätigte Infektionen mit über 2,7 Millionen Toten gegenüber. Und gar so wenig wissen wir über die Impfstoffe mittlerweile auch nicht. Viele von uns (ich inklusive) haben Impfungen intus, die einem Bruchteil dieser Zahl von Menschen verabreicht wurden und über die man somit viel weniger weiß, was seltene Impfkomplikationen betrifft. Bei der laufenden Impfkampagne sieht die ganze (wissenschaftliche) Welt mit Argusaugen hin (Stichwort: AstraZeneca). Als man mir im Zuge einer Weltreise Impfungen gegen Gelbfieber, Typhus, Tollwut, Japanische B-Enzephalitis und einige andere mehr verabreichte, hatte ich nicht das Bedürfnis zu fragen, an wie vielen Menschen und wie lange der jeweilige Impfstoff getestet wurde und was alles die möglichen unerwünschten Wirkungen sind. Ich hab’s überlebt.
  2. Und was ist mit den Langzeitfolgen?
    Hier müssen wir zunächst einmal eine Begriffsklärung vornehmen. Langzeitschäden (Langzeitfolgen) heißen nicht so, weil sie erst lange nach der Impfgabe auftreten. Langzeitschäden sind vielmehr unerwünschte Wirkungen, die lange anhalten. Das hat nichts mit dem Zeitpunkt deren Eintretens zu tun. Langzeitschäden können auch unmittelbar oder kurz nach der Impfung auftreten (was sie in einem Großteil der seltenen Fälle auch tun). Davon zu unterscheiden sind die so genannten Spätfolgen, die tatsächlich erst in größerer zeitlicher Distanz (Monate bis Jahre) zu einem Impfereignis eintreten. Zumindest was die Krankheit betrifft verdichten sich die Hinweise, dass es in manchen Fällen so etwas wie Long-Covid gibt – also Krankheitsverläufe, die längerfristige bis irreversible Schädigungen mit sich bringen. Es liegt in der Natur der Sache, dass mögliche Spätfolgen – sowohl bei der Impfung als auch bei Covid-19 – wenn überhaupt – erst mit der Zeit entdeckt werden. Generell sind Spätfolgen bei Medikamenten aber ein eher seltenes Phänomen.
  3. Ganz viele Leute haben aber Nebenwirkungen von den Impfungen!
    Nebenwirkung ist hier nicht das richtige Wort, glaube ich. Eine Nebenwirkung ist eine unerwünschte Wirkung eines Medikamentes neben dessen Hauptwirkung. Doch die erwünschte Wirkung einer Impfung ist ja gerade die Immunreaktion, die sich in Fieber und dergleichen manifestiert. Es ist also wohl stimmiger von Impfreaktionen im Gegensatz zu Impfkomplikationen zu sprechen. Impfreaktionen sind erwartbare körperliche Phänomene wie Fieber und Entzündungen. Impfkomplikationen sind unerwünschte und unerwartete Reaktionen des Körpers (z. B. anaphylaktischer Schock usw.). Impfreaktionen sind sehr häufig und für gewöhnlich ein Zeichen, dass der Körper wie gewünscht reagiert. Impfkomplikationen im Zusammenhang mit Impfungen gegen SARS-CoV-2 sind bislang selten.
  4. Nach dem Impfen sind aber schon auch schwere Thrombosen aufgetreten.
    Wenn eine Thrombose in zeitlicher Nähe zu einer Impfung auftritt, muss das Ereignis nicht notwendigerweise in einem ursächlichen Zusammenhang stehen. Das ist im Einzelfall abzuklären. Es scheint, dass es in seltenen Fällen nach der Gabe des AstraZeneca-Vakzins zu Sinusthrombosen aufgrund von Thrombozytopenie gekommen ist. Dennoch muss untersucht werden, ob die Prävalenz von Thrombosen in einem repräsentativen Querschnitt der geimpften Bevölkerung höher ist, als bei jenen Menschen, die noch nicht geimpft wurden. Bei Medikamenten wie der Anti-Baby-Pille ist ein erhöhtes Thromboserisiko beispielsweise belegt, dennoch wird sie von Millionen Frauen mehr oder weniger bedenkenlos genommen.
  5. Und was, wenn die Impfung mein Erbgut verändert?
    Nach derzeitigem Wissensstand vermögen das weder die bei den Vektorimpfstoffen eingesetzten Adenoviren, noch die mRNA, die bei Biontech/Pfizer und Moderna eingebracht wird. Paradoxerweise scheint aber noch nicht völlig ausgeschlossen, ob nicht SARS-CoV-2 seine Spuren in unserer DNA hinterlassen kann. Jedenfalls gibt es Viren (z. B. Herpes oder Windpocken), die sich sehr wohl in der menschlichen DNA verankern.
  6. Ich hab ein gutes Immunsystem und Corona kann mir nichts anhaben. Aber dieses Teufelszeug lass ich mir nicht spritzen!
    Das klingt für mich etwas widersprüchlich. Wenn man ein gutes Immunsystem hat, das ein nachweislich mitunter tödliches Virus bekämpfen kann, wieso sollte dieses dann von irgendwelchen Nukleinsäure-Bruchstücken aus der Bahn geworfen und mit einer Impfung nicht fertig werden? Bewegung, gesunde Ernährung und frische Luft sind gewiss auch gut für das Immunsystem, aber eine Garantie, dass man keinen schweren Covid-19-Verlauf erleidet, sind sie nicht. Und was das Teufelszeug angeht, so sind wir Kinder der 1970er-Jahre wohl mit ganz anderen Kalibern konfrontiert worden. Zwischen damals, als man bezüglich Inhaltsstoffen und Kontrollmechanismen noch – sagen wir mal – rustikaler am Weg war und heute liegen 40 Jahre medizinischer Fortschritt. Wir haben wirklich bedenkliches Zeug gespritzt bekommen und die meisten haben auch das gut überstanden. Impfstoffe und Medikamente heutzutage sind ungleich sicherer und verträglicher als damals. Was nicht heißt, dass nicht auch einmal etwas schiefgehen kann. Aber das ganze Leben ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung. 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.
  7. Es gibt aber sogar Ärzte, die sich nicht impfen lassen und von der Impfung abraten. 
    Die gibt es. Und sie sind ein untrügliches Zeichen, dass wir in keiner Coronadiktatur leben. Sie sind auch ein Beleg dafür, dass es den 100-prozentigen Konsens in der Wissenschaft so gut wie nie gibt. Und das ist gut so. Wenn mir aber neun Mediziner raten, mich operieren zu lassen, weil ich Krebs hätte und das obwohl die Operation ein gewisses Risiko mit sich bringe, und ein Mediziner sagt, ich solle mir keine Sorgen machen, da da nichts sei, dann werde ich wohl der Empfehlung der neun Mediziner folgen. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass der eine Mediziner Recht hat. Es geht aber schlichtweg um Wahrscheinlichkeiten.
  8. Aber es gibt Belege für tausende Impftote.
    Es gibt Belege für tausende Todesfälle in einem zeitlichen Zusammenhang zur Impfung. Wenn hunderte Millionen Impfungen verabreicht werden, liegt es in der Natur der Sache, dass ein paar tausend Menschen im Zeitraum von ein zwei Wochen nach der Impfung sterben. Überspitzt formuliert geht es um die Frage, ob diese mit oder an der Impfung gestorben sind. Nach derzeitigem Wissensstand ist letzteres – so tragisch jeder Einzelfall auch ist – äußert selten passiert.
  9. Sie sollten die Impfung zuerst an den Politikern testen!
    Klassische Lose-lose-Situation. Lassen sich Politiker zuerst impfen heißt es: “Typisch Privilegienritter! Die drängen sich wieder vor und nehmen den Risikopatienten den Impfstoff weg!” Warten sie hingegen bis sie an der Reihe sind: “Seht, die haben selbst kein Vertrauen in das Zeug und missbrauchen die alten Leute als Versuchskaninchen!” Interessant ist auch, dass sich viele Superreiche, die die angebliche “Plandemie” ja koordinieren sollen, um die Impfungen reißen.
  10. Wir wollen Eigenverantwortung!
    Dieser Ausspruch ist oft als Synonym für ein Recht auf unverantwortliches Handeln zu verstehen. Wie man damit umgehen soll, weiß ich nicht.

Siehe auch:

Faktencheck Gesundheit Wissenschaft | Coronavirus | | | | | Deutsch

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Immersion ist für Minderheiten nicht.

Am 22. Februar hat das Network to Promote Linguistic Diversity (NPLD) ein hochkarätig besetztes Onlineseminar zum Thema des Immersionsunterrichts im zweisprachigen Kontext organisiert.

Die ausschließlich weiblichen Vortragenden waren:

  • Jasone Cenoz, Professorin für Forschungsmethodik im Bildungswesen an der Universität des Baskenlandes sowie Präsidentin des bildungswissenschaftlichen Komitees in der staatlichen spanischen Forschungsagentur AEI.
  • Vesna Crnić-Grotić, Vorsitzende des Expertinnenkomitees der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen beim Europarat.
  • Edel Ní Chorráin, Vizedirektorin des Bildungsservices beim irischen Sprachförderungsinstitut Foras na Gaelige.
  • Christina Gestrin, Generalsekretärin des Folktinget, der Schwedischen Versammlung in Finnland.
  • Mònica Pereña Pérez, Präsidentin von Linguapax International, Vizegeneraldirektorin Sprache und Mehrsprachigkeit im Bildungsdepartement der Generalitat de Catalunya.

Insbesondere fand ich interessant, was in den Vorträgen über die Rolle von Immersion (und CLIL) im Kontext von Sprachminderheiten gesagt wurde.

Es deckt sich mit dem, was wir ansatzweise schon aus den Erfahrungen in Kanada und insbesondere den USA herausgeschält hatten — nämlich, dass die Immersion vor allem für Mitglieder der nationalen Mehrheitsgesellschaft geeignet ist, um eine Minderheitensprache zu erlernen. Nicht anders herum.

Doch die Klarheit, mit der diese Erkenntnis in diesem Seminar vorgebracht wurde, ist besonders erhellend.

Prof. Jasone Cenoz beschreibt in ihrem Vortrag nebenbei, was der Hauptunterschied zwischen Immersion und CLIL ist: Durch Immersion wird hauptsächlich eine Minderheitensprache gelehrt und gelernt, durch CLIL vor allem Englisch.

Diesbezüglich ist es also zumindest etwas sonderbar, dass in Südtirol die Erlernung von Deutsch bzw. Italienisch als CLIL bezeichnet wird (vermutlich um das »Reizwort« Immersion zu umgehen).

In der Folge will ich hier einige aus meiner Sicht signifikante Zitate aus den NPLD-Vorträgen wiedergeben. Der gesamte Vortrag kann aber unter obigem Link abgerufen werden und ist meiner Meinung nach äußerst lohnend. Unter anderem erläutert Frau Pereña Pérez Ansätze zur Einbindung der Herkunftssprachen von Kindern, deren Erstsprache keine der örtlichen Amtssprachen ist.

Die Idee der Immersion ist in Europa eng mit der »Umkehr des Sprachwechsels«, wie es [Joshua] Fishman genannt hat, verknüpft. Die Immersion soll einen Beitrag leisten beim Versuch, den Prozess des Verlusts oder der Schwächung von Minderheitensprachen zu stoppen. So haben wir in Europa eine Kombination von Programmen, die Spracherhalt und -entwicklung für Sprecherinnen von Minderheitensprachen und Immersionsprogramme für Sprecherinnen von Mehrheitssprachen oder anderen Home-Languages sind. Es ist also eine Kombination von beidem. Streng genommen handelt es sich um Immersion für die, die die Mehrheitssprache oder eine andere Sprache zu Hause sprechen.

— Prof. Jasone Cenoz

Ich muss unterstreichen, dass die Charta [der Regional oder Minderheitensprachen] — unabhängig von der Notwendigkeit, den Unterricht in der offiziellen Staatssprache aufrecht zu erhalten — nicht den Schutz der offiziellen Staatssprache betrifft. Dies ist nämlich eine nationale Frage. Und wie einige Beispiele aus Kanada zeigen, kann die nationale Mehrheit nicht wie eine Minderheit behandelt werden, und zwar ungeachtet der speziellen Situation. Das ist eine der Schlussfolgerungen des Menschenrechtsausschusses, die im Zusammenhang mit dem Internationalen Pakt über politische Rechte gemacht wurden.

— Vesna Crnić-Grotić

Immersion nach dem kanadischen Modell wurde in Finnland Ende der 70er Jahre eingeführt. Es handelt sich um ein optionales Unterrichtsangebot, das für jene existiert, die die Mehrheitssprache — in diesem Fall also Finnisch — als Erstsprache haben und die sonst nicht auf natürliche Art mit der Immersionssprache Schwedisch in Berührung kommen würden. […] Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel aus der finnischen Schule Keskuskoulu in der zweisprachigen Gemeinde Vasa geben: Die Schule hat 400 Schülerinnen in den Schuljahren 1 bis 6. Zwei Drittel der Schülerinnen erhalten Immersionsinterricht, und um es klarzustellen: alle diese Schülerinnen haben Finnisch als Muttersprache. Im ersten Schuljahr ist der gesamte Unterricht in Schwedisch und wenn die Schülerinnen die 5.-6. Klasse erreichen, wird die Hälfte des Unterrichts in der Immersionssprache [Schwedisch] abgehalten, die andere Hälfte in der Erstsprache und in anderen Sprachen. Die Lehrpersonen, die in der Immersionssprache unterrichten, sprechen nur diese Sprache mit den Schülerinnen, da es wichtig ist, dass die Schülerinnen die Sprache in verschiedenen Funktionen und Situationen hören und gebrauchen.

— Christina Gestrin

Übersetzungen aus dem Englischen von mir.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Migraziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Scola Wissenschaft | Best Practices Charta der Minderheitensprachen CLIL/Immersion Zitać | | Social Media | Baskenland-Euskadi Canada Catalunya Europa Finnland-Suomi Irland USA | Europarat | Deutsch

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NASA unterstützt Navajo-Sprache.
Perseverance

Im Rahmen der gegenwärtigen Marsmission mit dem Rover Perseverance arbeiten die us-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA und die Navajo-Nation zusammen, um wissenschaftlich relevanten Elementen des Planeten Begriffe aus der NavajoSprache zuzuordnen. Die Bezeichnungen werden von der NASA benutzt, um sich auf dem Mars besser orientieren zu können.

Für den Anfang steht dem Rover-Team eine Liste von 50 Begriffen zur Verfügung, die vom Präsidenten der Navajo-Nation, Jonathan Nez, Vizepräsident Myron Lizer und deren Beraterinnen ausgearbeitet wurde. Sie umfasst zum Beispiel bidziil (Stärke) oder hoł nilį́ (Respekt). Perseverance wurde als Ha’ahóni übersetzt. Weitere Vorschläge sollen folgen.

Koordiniert wird das Projekt von Aaron Yazzie, einem Ingenieur des Rover-Teams, der selbst der Navajo-Nation angehört.

Die Vertreterinnen der Navajos erhoffen sich von der Partnerschaft jenseits der Symbolik eine Steigerung der Attraktivität ihrer Sprache. Es sollen mehr junge Menschen dazu zu animiert werden, sie zu erlernen.

Wie die NASA bekanntgab, hätten auch mehrere Mitglieder des Rover-Teams bereits die Gelegenheit ergriffen, Begriffe der Navajo-Sprache zu lernen. Die Partnerschaft habe die Wissenschafterinnen ermutigt, über die Benennungen und ihre Bedeutung für die Menschen auf der Erde zu reflektieren.

Derzeit würden die zugewiesenen Bezeichnungen nur NASA-intern benutzt, da eine allfällige offizielle Benennung der Internationalen Astronomischen Union obliege.

Siehe auch:

Ortsnamen Symbolik Wissenschaft | Good News | | | USA | | Deutsch

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Kuba will alle impfen.

Der karibische Staat arbeitet an einem eigenen Corona-Impfstoff, bereits vier verschiedene Ansätze staatlicher Forschungsanstalten sollen sich in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase befinden. Insbesondere jener mit dem Namen Finlay-Fr-2, der gerade an über 100.000 Freiwilligen auf Kuba und im Iran getestet wird und keine extremen Lagerbedingungen voraussetzt, soll vielversprechende Ergebnisse zeigen.

Falls die Tests positiv abgeschlossen werden, rechnet BioCubaFarma damit, binnen Jahresfrist 100 Millionen Dosen herstellen zu können. Diese sollen den elf Millionen Kubanerinnen zugute kommen und überdies in Länder wie Iran, Bolivien oder Vietnam exportiert werden. Nicht zuletzt ist geplant, dass alle Ungeimpften, die den Inselstaat besuchen, kostenlos geimpft werden können.

Sollte sich diese Vision tatsächlich bewahrheiten, wäre sie für die kapitalistischen Länder, die mit den Konzernen um viel zu knappe Mengen an Impfstoff kämpfen, eine schallende Ohrfeige. Im sogenannten Westen wurde die Forschung großteils öffentlich finanziert — die Profite gehen aber an die Pharmariesen, die den Staaten zudem die Bedingungen diktieren.

Siehe auch:

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Das China-Virus und die Südafrika-Mutante.
Keine Länderbezeichnungen für Krankheiten

The China virus is a vicious and dangerous illness, but we’ve learned a great deal about it and who it targets.

– Donald Trump in einer Pressekonferenz am 21. Juli 2020

Der abgewählte US-Präsident wurde für seine süffisante und rassistisch angehauchte “China-Virus”-Betitelung für SARS-CoV-2 zurecht kritisiert.

Krankheiten nach – meist fremden bis feindlichen – Staaten zu benennen hat eine lange Tradition. Die Absurdität dieser Praxis zeigt eine Karte, wie die Geschlechtskrankheit Syphilis in verschiedenen Regionen landläufig bezeichnet wurde. Auch die Bezeichnung “Spanische Grippe” ist nach einer ähnlichen Logik entstanden.

Quelle

Dennoch scheint in unseren Breiten nach dem Auftreten neuer Coronavirus-Varianten kaum jemand ein Problem damit zu haben, dass ständig von der Südafrika-Mutante oder der britischen Mutation gesprochen wird. Eine Reihe von Wissenschaftler hat sich laut einem Bericht der südafrikanischen Sunday Times nun vehement gegen diese Praxis ausgesprochen.

Top researchers say [the] new variant could have begun in any country, and could appear in any country, and labelling it “the South African variant” was unjust and damaging.

Zugegeben, die wissenschaftlichen Bezeichnungen der Mutanten sind komplex und verwirrend. Die von südafrikanischen Experten erstmals sequenzierte Variation heißt offiziell 501.V2, N501Y.V2 oder B.1.351. Jene, die britische Forscher entdeckten VOC-202012/01, 20I/501Y.V1, B.1.1.7 oder B117. Trotzdem sind Länderbezeichnungen für Krankheiten keine Alternative.

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