Dreisprachigkeit bei Spar in S. Crestina.

Am 18. Dezember 2008 war in St. Crestina (Gherdëina) ein Despar-Markt eröffnet worden. Die entsprechende dreisprachige Werbekampagne hatte bereits positiv hervorgehoben.

Kürzlich habe ich in besagter Filiale eingekauft und durfte feststellen, dass das mehrsprachige Engagement der Aspiag-Gruppe erfreulicherweise auch im Laden selbst erkennbar ist. Obschon die Südtiroler Spar-Märkte hinsichtlich der Produktauswahl, der Etikettierung und der Sprachfertigkeiten des Personals oft nicht gerade mit Kundenfreundlichkeit glänzen, muss man die Dreisprachigkeit in Gherdëina sehr positiv hervorstreichen.

Wirklich viele Informationen sind es nicht, die die KundInnen in allen drei Landessprachen erhalten. In Ermangelung gesetzlicher Vorschriften sowie im Vergleich zu anderen Betrieben (speziell im touristischen Bereich) fällt Aspiag durchaus positiv auf. Immerhin hat hier das Ladinische eine gewisse Sichtbarkeit — meist sogar an erster Stelle, was die Sprachreihung betrifft.

Äußerst negativ anzumerken ist hingegen die Tatsache, dass die beiden anwesenden Kassenbediensteten ausschließlich Italienisch und Englisch beherrschten. Kein Ladinisch. Kein Deutsch.

Siehe auch:  

Minderheitenschutz Plurilinguismo Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Good News | | | Ladinia | |

Heimplätze für Souramont.

Souramont.

Anfang Dezember beschloss die Landesregierung, auch in Hinkunft die Verfügbarkeit von Heimplätzen für heimische Studierende sicherzustellen. Über entsprechende Vereinbarungen mit Trägerorganisationen von Studentenheimen werden in Innsbruck, dem meistgewählten Studienort der Südtirolerinnen, 255 Plätze und in Wien deren 55 reserviert.

Chefredakteur Iaco Rigo forderte nun in der Usc di Ladins, diese Plätze auch für StudentInnen aus Souramont zu öffnen. Die BürgerInnen der drei ladinischen Gemeinden Anpezo, Col und Fodom hatten sich 2007 in einer Volksabstimmung für eine Rückgliederung an Südtirol ausgesprochen, ein Ansinnen, dem sich sowohl Südtirol, als auch die Region Venetien anschlossen. Der Zentralstaat hat den demokratischen Willen der Einwohner von Souramont allerdings nie umgesetzt.

Vor etwas mehr als einem Jahr wurden die drei Gemeinden dann wenigstens mit Beobachterstatus in die Euregio Tirol aufgenommen. Rigos Vorschlag setzt an diesem Punkt an, um einen weiteren konkreten Schritt zur Einbindung von Souramont zu setzen. Darüberhinaus wäre dies ein Beitrag zur Wiederbelebung der einstmals starken Bindung von Anpezo, Col und Fodom an Österreich.

Bildung Medien Minderheitenschutz | Good News | | Usc di Ladins | Ladinia Nord-/Osttirol Österreich Souramont Südtirol/o | Euregio | Deutsch

Südtirol Open Data.

Im Südtiroler Bürgernetz wurde mit heutigem Datum eine eigene, zentrale Plattform für offene Daten freigeschaltet. Die digitalen Datensätze stammen aus dem Fundus der öffentlichen Verwaltung und sind frei verfügbar, dürfen also kostenlos heruntergeladen, weiterverarbeitet und -verwendet werden. Offene Daten sind nicht nur ein Beitrag zu Transparenz und freiem Datenaustausch, sondern bilden auch die Grundlage für die Entwicklung und Ergänzung gemeinnütziger Projekte, die sich vom Crowdsourcing-Kartenmaterial (OpenStreetMap) über Fahrplanapps bis hin zu wissenschaftlicher Forschungsarbeit erstrecken. Dabei werden die Datensätze in standardisierten Formaten veröffentlicht, die meist direkt in spezielle Computerprogramme zur Weiterverarbeitung eingespeist werden können. Open Data darf darüberhinaus auch zu kommerziellen Zwecken genutzt werden.

Tech&Com Transparenz Wissenschaft | Good News | | | | |

Landtag informiert sich in Katalonien.

Eine Delegation des Südtiroler Landtags wird sich demnächst nach Barcelona begeben, um sich in Hinblick auf den anstehenden Südtirolkonvent über die dortigen Unabhängigkeitspläne zu informieren. Dies gibt die Süd-Tiroler Freiheit bekannt, auf deren Vorschlag sich die Fraktionsvorsitzenden im Landtag mehrheitlich für die Studienreise ausgesprochen haben.

Noch Ende letzten Jahres hatte die SVP den Vorschlag versenkt, eine schottische Delegation nach Südtirol einzuladen.

Am 27. September hatten Neuwahlen zum katalanischen Parlament stattgefunden, bei denen die Unabhängigkeitsbefürworterinnen rund 48% der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnten, während die Gegner der Loslösung von Spanien auf rund 39% kamen.

Die iberische Region sieht sich mit ähnlichen verfassungsrechtlichen Hindernissen konfrontiert, wie Südtirol — da sowohl die spanische, als auch die italienische Verfassung die Unteilbarkeit des Staates beschwören. Davon wollen sich die Unabhängigkeitsbefürworter in Barcelona nicht weiter aufhalten lassen, nachdem Madrid schon mehrmals eine legale Abstimmung über die staatliche Zugehörigkeit verhindert hat. Binnen 18 Monaten will das Land nun die Loslösung von Spanien umsetzen.

In dieser Hinsicht können sich unseren Landtagsabgeordneten sicherlich neue Perspektiven eröffnen.

Im Vorfeld der plebiszitären Wahlen vom 27. September hatten sich Delegationen der katalanischen Regierung und des Parlaments mit Repräsentanten zahlreicher Länder getroffen, um die Zukunftspläne Kataloniens vorzustellen und zu besprechen — so zum Beispiel mit Vertretern des dänischen Parlaments und des us-amerikanischen Kongresses.

Hoffentlich entgeht den Südtirolerinnen in Katalonien nicht der inklusivistische und pro-europäische Ansatz, den die Katalaninnen — ähnlich wie die Schottinnen — verfolgen, und der für beide Prozesse wesentlich ist.

Siehe auch:

Außendarstellung Comparatio Kohäsion+Inklusion Politik Selbstbestimmung | Good News Südtirolkonvent | | | Catalunya Südtirol/o | EU Land Südtirol STF SVP | Deutsch

Podemos für Entscheidungsrecht.

Während in Barcelona die Unabhängigkeitslisten Junts pel Sí­ und CUP über mögliche Formen der Zusammenarbeit verhandeln, haben die katalanischen Parlamentswahlen vom 27. September nun auch erste positive und konkrete Auswirkungen auf gesamtstaatlicher Ebene. Als Reaktion auf das katalanische Wahlergebnis beschloss nun die linke, aus der Empörten-Bewegung (Indignados) hervorgegangene Podemos, das sogenannte Entscheidungsrecht (Selbstbestimmungsrecht) zu einem ihrer wichtigsten Programmpunkte in Hinblick auf die spanische Kongresswahl vom 20. Dezember zu machen. Sollte Podemos einen Regierungsauftrag erhalten, verpflichtet sich die Bewegung, das Sezessionsrecht in die Verfassung aufzunehmen. Dies teilte der Vorsitzende, Pablo Iglesias, den Medien mit.

Die ebenfalls linke Izquierda Unida unterstützt dieses Vorhaben seit langem.

Der katalanische Ableger von Podemos (Podem) hatte sich bereits bei den Wahlen vom 27. September zur Unabhängigkeitsfrage neutral positioniert und gleichzeitig die Abhaltung einer Volksabstimmung gefordert. Die gesamtstaatliche Bewegung hatte diese Positionierung zwar unterstützt, bis dahin jedoch noch nicht aktiv mitgetragen. Iglesias selbst war durch widersprüchliche Äußerungen aufgefallen.

Dass das Entscheidungsrecht — neben Korruptionsbekämpfung und Sozialstaat — zu den Hauptthemen des neuen Wahlprogramms erhoben wurde, zählt zu den Erfolgen des 27. September. Durch ihr unerschrocken demokratisches Agieren tragen die Katalaninnen dazu bei, Realitäten (und das, was als »realistisch« gilt) zu beeinflussen und in ihrem Sinne zu verändern.

Etwas, was durch die mehrheitlich unterordnende und fatalistische Haltung der offiziellen Südtiroler Politik niemals zu schaffen ist.

Siehe auch:  

Grundrechte Medien Politik Recht Selbstbestimmung | Good News | | | Catalunya Spanien | CUP JxS Podem/os | Deutsch

Sprachen: Gleichstellung verbessert.

Artikel 99 des Autonomiestatuts schreibt fest, dass die deutsche und die italienische Sprache in Südtirol gleichgestellt sind. Umgesetzt ist diese Vorschrift bislang nur lückenhaft, etwa im Konsumentenschutz.

Aber auch als Amtssprache war Italienisch bislang dem Deutschen übergeordnet: Laut Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut wäre die deutsche Sprache ausschließlich der ansässigen Minderheit, also italienischen StaatsbürgerInnen deutscher Muttersprache, vorbehalten. In Zeiten massiver Migrationsbewegugen hieße dies, die Südtiroler Mehrheitssprache quasi als »rezessiv« abzustempeln — während für »neue SüdtirolerInnen«, selbst aus dem deutschsprachigen Ausland, kein Anspruch auf Gebrauch der deutschen Sprache bestanden hätte.

Gleich zweimal musste der EuGH Italien verurteilen, weil er diese Diskriminierung von EU-BürgerInnen beim Gebrauch von Deutsch als Gerichtssprache nicht akzeptiert. Darüberhinaus intervenierte auch die EU-Kommission in Rom.

Auf Druck der EU hat nun der italienische Ministerrat eine neue Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut genehmigt, die die Amtssprachen Deutsch und Italienisch auch für EU- und selbst für Nicht-EU-BürgerInnen gleichstellt.

Ein Teil des Autonomiestatuts von 1972 wird somit dank Europa endlich umgesetzt; dies ist eine in ihrer Wichtigkeit kaum zu überschätzende Voraussetzung zur Integration und Inklusion von neuen SüdtirolerInnen in die mehrsprachige Realität unseres Landes. Auch sie haben fortan das Recht, im Amtsgebrauch zwischen Deutsch und Italienisch zu wählen.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Migraziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht | Good News | | | | EU |

Zweitsprachkenntnisse nehmen zu.

Während der vergangenen Jahre wurde, auch von relativ ranghohen Politikern, mehrfach behauptet, dass die Südtirolerinnen deutscher Muttersprache heute schlechter Italienisch sprechen, als die Südtirolerinnen italienischer Muttersprache Deutsch. Oder zumindest, dass die Zweitsprachkenntnisse der Italienerinnen im Vergleich zu »früher« zunähmen, wohingegen die der Deutschsprachigen abnähmen.

Dieses diffuse »Früher« zu definieren ist nicht leicht, noch schwieriger ist es jedoch, für »früher« belastbare und vergleichbare Daten zu finden.

Ich habe nun aber die Veröffentlichung des zweiten Astat-Sprachbarometers zum Anlass genommen, die heutige Situation mit jener von vor zehn Jahren zu vergleichen, als das erste Sprachbarometer erschienen war.

Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den ermittelten Zweitsprachkenntnissen, wobei es sich jeweils um Selbsteinschätzungen der Befragten handelt. Trotzdem dürften diese Angaben — auch aufgrund der relativ klaren Zuordnungskategorien — ziemlich verlässlich sein, wie das Landesstatistikinstitut meint.

Zweitsprachkenntnisse 2004/2014.

Zur Erstellung des obigen Diagramms wurden die Anteile der beiden höheren (von jeweils vier) Beherrschungsstufen in den untersuchten Kompetenzbereichen (lesen, schreiben, sprechen und hören) summiert. Daraus ergibt sich der Prozentsatz jener Bürgerinnen, die die Zweitsprache »gut« beziehungsweise »sehr gut« beherrschen, wie ich es definiert habe.

Im Detail:

  • Knapp 71% der Deutschsprachigen können in der Zweitsprache (Italienisch) alle schriftlichen Texte oder »Berichte zum Zeitgeschehen« verstehen. Dieser Wert ist während der letzten zehn Jahre um rund 7,5 Prozentpunkte gestiegen.
  • Mit 29,8% können anteilsmäßig weniger als halb so viele Südtirolerinnen italienischer Muttersprache ähnlich komplexe Texte auf Deutsch verstehen. Dies ist der einzige Wert einer Sprachgruppe, der sich im Laufe des letzten Jahrzehnts verschlechtert hat, und zwar um rund einen Prozentpunkt (von 30,9% im Jahr 2004).
  • Über sieben Zehntel der Südtirolerinnen deutscher Muttersprache können einfache oder gar komplexe schriftliche Texte auf Italienisch verfassen. Ein Wert, der sich in zehn Jahren um rund zehn Prozentpunkte verbessert hat.
  • Bei den Italienischsprachigen verortet sich mit 39,3% ein deutlich geringerer Anteil in den beiden höheren Kompetenzstufen, eine Einschätzung, die sich aber seit 2004 deutlich verbessert hat, nämlich um rund 13 Prozentpunkte.
  • Fast drei Viertel der Deutschsprachigen fühlen sich in der Lage, auf Italienisch fließend und/oder »über vertraute Themen« zu sprechen. Diese Fähigkeit hat in zehn Jahren eine Zunahme von rund 15 Prozentpunkten erfahren. Das ist der höchste Anstieg, der in einer Kategorie verzeichnet wurde.
  • Mit knapp 40% fühlen sich etwas mehr als halb soviele (und deutlich weniger als die Hälfte der) Südtirolerinnen italienischer Muttersprache imstande, fließend Deutsch zu sprechen und/oder sich »über vertraute Themen« zu unterhalten. Das ist aber trotzdem eine beachtliche Zunahme von über 12 Prozentpunkten in zehn Jahren.
  • Deutlich mehr als 80% der Südtirolerinnen deutscher Muttersprache können alles oder wenigstens Zusammenhänge verstehen, wenn sie jemanden Italienisch sprechen hören. Das sind noch einmal fast 6 Prozentpunkte mehr, als 2004.
  • Dies ist die einzige Sprachfertigkeit, bei der sich auch die Südtirolerinnen italienischer Sprache mehrheitlich in den beiden höheren Kompetenzstufen ansiedeln, nämlich 53,5% von ihnen — bei einer Zunahme von ebenfalls fast 6 Prozentpunkten in zehn Jahren.

Die Bürgerinnen italienischer Sprache wurden ausdrücklich nach ihren Kompetenzen in Bezug auf die deutsche Standardsprache befragt, womit die Tücken des Dialekts nicht zum Tragen kommen.

Die Zweitsprachkenntnisse in Südtirol nahmen also während der letzten zehn Jahre deutlich zu, und zwar in beiden großen Sprachgruppen. Ob der Immersionsunterricht an italienischen Schulen für die Verbesserungen mit verantwortlich ist, lässt sich durch diese Studie nicht nachvollziehen. Jedenfalls scheint das traditionelle Schulsystem den Deutschsprachigen nach wie vor deutlich bessere Zweitsprachkenntnisse zu vermitteln; selbst die erneute Verbesserung während der letzten Jahre scheint beachtlich.

Insgesamt beherrscht ein sehr großer und nach wie vor wachsender Anteil der Südtirolerinnen deutscher Muttersprache »gut« beziehungsweise »sehr gut« Italienisch, während nach wie vor nur eine — immerhin wachsende — Minderheit an Italienerinnen ebenso gute Deutschkenntnisse hat. Bei der Lesekompetenz gibt es hier sogar einen leichten Rückgang.

Die eingangs erwähnte Verschlechterung der Zweitsprachkenntnisse bei den Deutschsprachigen lässt sich durch das Sprachbarometer genausowenig bestätigen, wie ein etwaiges »Überholen« der Deutschen durch die Italiener.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Plurilinguismo Scola Umfrage+Statistik | CLIL/Immersion Good News Sprachbarometer | | | Südtirol/o | Astat | Deutsch