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Katalonien: Papst für Ergebnisoffenheit.

Papst Franziskus hat der konservativ-monarchistischen spanischen Tageszeitung ABC ein langes Interview gewährt. In dem Zusammenhang wurde er auch zu Katalonien befragt. In Südtirol wird berichtet, er habe unser Land als Vorbild genannt oder gar »gelobt« (Rai Südtirol). In Wirklichkeit hat er jedoch einfach mehrere Möglichkeiten (von Autonomie bis Eigenstaatlichkeit) erwähnt, den Ball sehr flach gehalten und angegeben, dass sich die Kirche nicht für eine bestimmte Lösung einsetzen sollte. Vielmehr findet er, dass sie die Bevölkerung in ihrer Entscheidung ergebnisoffen begleiten sollte.

Jorge Bergoglio hält also die Sezession für eine gleichwertige und so ungefährliche Option, dass er es nicht etwa für nötig hält, klar Position dagegen zu beziehen.

Hier eine Übersetzung der betreffenden Stelle im Interview:

Welche Rolle sollte die Kirche in dieser Angelegenheit [die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen] spielen?

Spanien ist nicht der einzige solche Fall auf der Welt. Jedes Land muss seinen eigenen Weg in der Geschichte beschreiten, um derartige Probleme zu überwinden. Es gibt nicht nur eine einzige Lösung. Einige Gebiete haben Sonderstatuten erhalten, um solche Probleme zu lösen, in anderen kam es zu Teilungen, aus denen ein neues Land hervorging. Ist jetzt die Zeit für eine endgültige Lösung für Katalonien gekommen? Ich weiß es nicht. Das müssen Sie selbst entscheiden. Vor ein paar Jahren haben wir den Mut zweier Premierminister erlebt, die Frage in Mazedonien und Nordmazedonien zu lösen. In Italien gibt es ein Gebiet im Norden, Trentino-Südtirol, mit einem eigenen Statut, wo Deutsch und Italienisch gesprochen wird…. Die Engländer hatten eine sehr »englische« Lösung für die Forderungen der Schotten.

Katalonien genießt bereits eine sehr weitgehende rechtliche Autonomie, und das Problem ist, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung die Abspaltungsbewegung ablehnt.

Das ist kein außergewöhnliches Problem. Es ist eines, das im Laufe der Geschichte und in der Gegenwart immer wieder aufgetreten ist, und in anderen Ländern ist es häufig gelungen, es ganz oder teilweise zu lösen. Es kann Jahre oder Jahrzehnte dauern, dieses Problem zu lösen. Aber Sie sollten einen Weg finden, es zu lösen.

Sollte die Kirche eine Rolle spielen oder sollte sie sich heraushalten?

Die Kirche muss leibhaftig sein. Wenn die Kirche nicht leibhaftig ist, geht es nicht gut, sie muss ihre Menschen begleiten. Was die Kirche nicht tun darf, ist, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen; sie muss die Menschen begleiten, um eine endgültige Lösung zu finden.

Das hat manchmal zu Problemen geführt, weil die Priester die Unabhängigkeit unterstützt haben. Im Baskenland gab es in der Vergangenheit sogar Priester, die den Terrorismus gedeckt haben.

Wenn ein Priester die Orientierung über seine wahre Identität verliert, kann er leider in die Politik abdriften. Und wenn ein Priester in die Politik abrutscht, ist das nicht gut… er ist ein Hirte. Es gilt den Menschen zu helfen, gute Entscheidungen zu treffen. Wir sind da, um zu begleiten, nicht um Politik zu machen. Wenn Sie Politik machen wollen, treten Sie als Priester zurück und gehen in die Politik.

Ich bin übrigens trotzdem nicht der Meinung, dass ein kirchliches Oberhaupt in einer solchen Frage eine Instanz sein sollte.

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Festival der Sprachbeharrung.

Gemeinsam in 15 Tagen neue Sprachgewohnheiten ausprobieren und überkommene Reflexe der sprachlichen Unterordnung hinterfragen — das ist das erklärte Ziel von Euskaraldia1Wortneuschöpfung mit der Bedeutung Baskischzeit.. Schon zum dritten Mal lancierten im Baskenland dies- und jenseits der Pyrenäen sowie in Nafarroa heuer die drei öffentlichen Sprachförderbüros gemeinsam mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteuren die erfolgreiche Initiative, in deren Rahmen sich zahlreiche Baskinnen selbst dazu verpflichten, für gut zwei Wochen im privaten und — insbesondere — im öffentlichen Raum nur Baskisch zu sprechen, um der Minderheitensprache neue Freiräume zu erschließen.

Erleichtert wird die Änderung der Gewohnheit, im Umgang mit Sprecherinnen der jeweiligen Staatssprachen eilig auf das Baskische zu verzichten, durch die öffentliche Unterstützung, durch die breite Bewerbung des Sprachmarathons und dank dem Wissen, die Anstrengung nicht alleine sondern kollektiv zu unternehmen.

In den betreffenden Gebieten sind spanische und französische Muttersprachlerinnen darauf gefasst, dass sie seit dem 18. November und noch bis zum 2. Dezember auf viele Menschen stoßen werden, die sie höflich aber selbstbewusst mit Baskisch konfrontieren werden. Viele Baskischlernende werden im Gegenzug darauf bestehen, dass Muttersprachlerinnen mit ihnen wirklich Baskisch sprechen, anstatt wie sonst üblich ins Spanische oder Französische zu wechseln.

Wer sich offiziell bei der Veranstaltung registriert, wird auch mit einem Anstecker ausgestattet und kann so darauf aufmerksam machen, dass sie sich an der Aktion beteiligt. Viele werden in diesen 360 Stunden die Erfahrung machen, dass es gar nicht schwer ist, der Minderheitensprache etwas mehr Gewicht zu verleihen und die neue Gewohnheit ganz oder teilweise beibehalten.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5

  • 1
    Wortneuschöpfung mit der Bedeutung Baskischzeit.
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Große Gefühle im Kampf um den eigenen Staat.
Veranstaltungshinweis

Heute und morgen findet am Sitz der Fakultät für Bildungswissenschaften der FUB in Brixen eine internationale Tagung zum Thema

»Große Gefühle« im Kampf um den »eigenen Staat« – Emotionsgeschichtliche Perspektiven auf regionale Unabhängigkeitsbewegungen

statt. Es handelt sich um eine gemeinsame Veranstaltung des Kompetenzzentrums für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen (Prof. Oswald Überegger) und des Instituts für Geschichtswissenschaften der Humboldt Universität Berlin (Prof. Birgit Aschmann).

Programm:

Freitag, 11. November 2022

9.00-10.45 Uhr

Grußworte und Eröffnung: Birgit Aschmann (Berlin) und Oswald Überegger (Bozen)

Panel 1:

    • Lina Schröder (Würzburg/Salzburg)
      David gegen Goliath?
      Wie lassen sich »sieben Länder« zu einem Volk vereinigen?
    • Tim Buchen (Dresden)
      Separatismus und Karneval
      Oberschlesiche und tarnobrzeger Autonomiebestrebungen zwischen imperialem Kollaps und polnischem Nationalstaat

Diskussion

10.45-11.15 Uhr Kaffeepause

11.15-12.45 Uhr

Panel 2:

    • Christoph Jahr (Berlin)
      »Los von Berlin« oder »Marsch auf Berlin?«
      Überlegungen zur Emotionsgeschichte bayerischen Sonderbewusstseins 1918-1923
    • Martin Platt (Bonn)
      »Du bes e Jeföhl«?
      Emotionale Medialisierung rheinischer Separationsbemühungen in der Berliner Tagespresse 1918/19

Diskussion

12.45-14.00 Uhr Mittagspause

14.00-15.30 Uhr

Panel 3:

    • Ludger Mees (Bilbao)
      Nation, Emotion, Religion: eine baskische Spurensuche
    • Birgit Aschmann / Viviane Tecklenburg (Berlin)
      Krise und Clash of Emotions
      Der erste Vorstoß zu einem Autonomiestatut in Katalonien 1918

Diskussion

15.30-16.00 Uhr Kaffeepause

16.00-17.30 Uhr

Panel 4:

    • Giorgia Bulli (Firenze)
      Economic or Cultural Homeland?
      The Construction of the Idea of Padania
    • Jona van Laak (München)
      #Scotland is now.
      Die Wirkungen medialen Campaignings bei Sezessionsbestrebungen

Diskussion

17.45 Uhr

Buchpräsentation:
Christoph Cornelißen (Frankfurt a. M./Trento)
Europa im 20. Jahrhundert
(Neue Fischer Weltgeschichte, Band 7)
Frankfurt a. M. 2020.

Samstag, 12. November 2022

9.00-10.30 Uhr

Panel 5:

    • Hans Heiss (Brixen)
      »Kontrolle über alles«
      Gründe und Strategien emotionaler De-Eskalierung in der Politik Südtirols ab 1945
    • Ivan Stecher (Innsbruck)
      »Wohl ist die Welt so groß und weit«
      Die Rolle des Deutschnationalismus als Emotionalisierungsinstrument der sezessionistischen Bewegungen in Südtirol am Beispiel Karl Felderer

Diskussion

10.30-11.00 Uhr Kaffeepause

10.00-12.30 Uhr

Panel 6:

    • Aniket De (Cambridge, MA)
      The Language of Emotion and the Struggle for Bangladesh, 1965-1971
    • Martin Müller (Innsbruck)
      Der Mythos Alexanders des Großen.
      Die Bezugnahme auf das »eigene« antike Erbe als Legitimation historischer Kontinuität am Beispiel der Auseinandersetzung zwischen Griechenland und Mazedonien

Diskussion

Schlussworte

Offizieller Flyer

Die Tagung findet im Hörsaal A1.50 statt und ist öffentlich.

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In Spagna Bonus culturale plurilingue.
Buone pratiche

Negli ultimi mesi e anni a più riprese abbiamo criticato che le web statali (Cashback di stato, Lotteria degli scontrini e quant’altro) non tengono conto delle lingue minoritarie e quando lo fanno, avviene in misura insufficiente.

Faccio qui l’esempio della Spagna, dove il Governo ha recentemente istituito un Bonus culturale per i giovani, il cui sito specifico si presenta in questo modo:

Sito internet del Bonus culturale per i giovani (nella versione basca)

In alto a sinistra ben cinque icone per quattro lingue parlate sul territorio statale (castigliano, catalano nelle varianti catalana e valenciana, galiziano e basco). Anche scorrendo le sottopagine risultano tutte completamente tradotte nelle lingue minoritarie.

Quando di riflesso si definiscono il Sudtirolo e i diritti linguistici delle minoranze qui residenti come «esemplari» o perfino i «migliori al mondo» (se non si arriva all’aberrazione di definire minoritaria la lingua dominante), spesso vale la pena volgere lo sguardo altrove per rendersi conto che così non è e che c’è ancora molto da fare.

Vedi anche ‹1 ‹2 ‹3 ‹4

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Basco, galiziano, catalano nel Parlamento europeo.
Imminente ufficializzazione

Il governo spagnolo ha avanzato ufficialmente la richiesta al Parlamento europeo di riconoscere il basco, il galiziano e il catalano e di consentirne l’uso ad esempio negli interventi in aula. Questo è uno dei pochi risultati tangibili finora scaturiti dal tavolo di trattativa tra il governo socialista spagnolo di Pedro Sánchez (PSOE) e quello indipendentista catalano di Pere Aragonés (ERC) — dal quale Sánchez aveva bandito fin da subito il tema più scottante, l’autodeterminazione, scatenando le proteste catalane.

Quella di ufficializzare le lingue minoritarie nella camera europea è una vecchia richiesta di molti europarlamentari baschi, galiziani e catalani, che però si sono sempre dovuti scontrare con un’amministrazione europea che ascolta solo gli stati e con governi spagnoli di ogni colore che finora si erano pervicacemente rifiutati di soddisfare le loro richieste.

L’attuale passo non significa comunque che le tre lingue parlate nello stato spagnolo stiano per diventare a tutti gli effetti lingue ufficiali dell’Unione europea, come avvenuto recentemente con l’irlandese, in quanto il loro riconoscimento si limiterà (per ora) al solo ambito parlamentare.

In passato vari deputati europei avevano fatto uso delle lingue minoritarie non riconosciute per sensibilizzare i loro colleghi sulla discriminazione che stavano subendo, e alcuni baschi, galiziani e catalani si erano abituati a fare i loro interventi in inglese, francese o tedesco come segno di disobbedienza nei confronti di chi voleva imporre loro di «fare i castigliani» a Strasburgo.

Ora però finalmente il governo centrale si è deciso a fare questo passo verso la parità linguistica e ben presto, c’è da scommetterci, i suoni delle lingue basca, galiziana e catalana saranno regolarmente udibili nel luogo della democrazia europea. Più improbabile invece che vengano riconosciuti anche il friulano o il sardo, che — nonostante la costituzione più bella del mondo — non si parlano nemmeno nei rispettivi consigli regionali.

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Euskadi schafft mehrsprachige Schulen ab.

Um die Segregation zwischen Schülerinnen unterschiedlicher Muttersprache zu beenden und die baskische Sprache dezidierter zu fördern, will die Regierung von Euskadi die Sprachmodelle an den öffentlichen Schulen von drei auf eines reduzieren. Bislang existieren folgende Optionen:

  • Modell A mit spanischer Unterrichtssprache sowie Baskisch und Englisch als Fremdsprachen, das aktuell von 2,4% der Schülerinnen besucht wird.
  • Modell B mit baskischer und spanischer Unterrichtssprache sowie Englisch als Fremdsprache, derzeit von 15,1% der Schülerinnen gewählt.
  • Modell C mit baskischer Unterrichtssprache sowie Spanisch und Englisch als Fremdsprachen, von 82,4% der Schülerinnen besucht.

Auf den neuen Entwurf, bei dem nach katalanischem Modell großmehrheitlich die Minderheitensprache Baskisch als Unterrichtssprache dienen soll, einigte sich eine breite Mehrheit aus EAJ und Linken (EH Bildu, PSOE/PSE-EE und Elkarrekin-Podemos).

Nun wird die einmonatige Vernehmlassungsphase eröffnet, in deren Rahmen die Bürgerinnen Ergänzungs- und Änderungsvorschläge einbringen können, bevor das baskische Parlament die Vorlage (voraussichtlich im Herbst) genehmigen kann. Es handelt sich dabei um die erste umfassende Reform des baskischen Schulwesens in 40 Jahren.

Widerstand wird von den Rechtsparteien (PP, Cs und Vox) erwartet.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5

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Den Baskinnen aufs Maul geschaut.

Im Juni 2020 konnte der Soziolinguist Kike Amonarriz im Journal of Language and Law berichten, dass auf den Straßen der 20.000 Einwohnerinnen zählenden Ortschaft Tolosa erstmals seit Erhebungsbeginn 1985 mehrheitlich Baskisch gesprochen wurde. Er wusste das, weil im Baskenland, wie in vielen anderen mehrsprachigen Gebieten (im Unterschied zu Südtirol) eine seriöse Sprachpolitik gemacht wird, bei der die dauerhafte und präzise Erhebung von Daten (vgl. ‹1 ‹2 ‹3) eine wesentliche Rolle spielt.

Hierzulande bezieht sich der wichtigste und meistzitierte Wert zum zahlenmäßigen Verhältnis zwischen den Sprachgruppen und zur Entwicklung derselben auf die Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung, die aus verschiedensten Gründen nur sehr bedingt aussagekräftig ist.

So wissen wir etwa, dass sich bei der Volkszählung 2011 in Brixen 72,82% als deutsch, 25,84% als italienisch und 1,34% als ladinisch erklärt haben.

Unklar bleibt dabei:

  • welche Sprachen in welchem Kontext in welchem Ausmaß gesprochen werden;
  • welchen Einfluss die Sprachen der Touristinnen, der Pendlerinnen, der Tagesgäste auf die Sprachlandschaft haben;
  • inwieweit die Daten aus den Zugehörigkeitserklärungen etwas mit der sprachlichen Realität zu tun haben;
  • ja sogar, ob überhaupt eine Mehrheit der Bevölkerung im Alltag (hauptsächlich) Deutsch spricht.

All das wird nicht untersucht, jedenfalls nicht systematisch. Im Baskenland wie andernorts werden hingegen genaue Erhebungen durchgeführt oder — wie im vorliegenden Fall — den Menschen sprichwörtlich aufs Maul geschaut.

Auf Grundlage genauer methodischer Vorgaben, die im Guide to language use observation survey methods der baskischen Regierung zusammengefasst sind, wurden im Zuge der Erhebung von 2019 Informationen zu insgesamt 3.246 Gesprächen eingeholt, an denen 8.647 Sprechende beteiligt waren. Dazu waren fünf Beobachtungssessionen zu je zwei Stunden (mittwochs und samstags, vormittags und nachmittags, sowie am Sonntag Vormittag) an drei verschiedenen Orten der Gemeinde Tolosa erforderlich.

Im gesamten Baskenland werden solche Studien im Vierjahresrhythmus durchgeführt, um den Erfolg der sprachpolitischen Maßnahmen zu evaluieren.

Im Fall von Tolosa konnte nachgewiesen werden, dass die Präsenz der Sprache auf den Straßen und Plätzen von 29% im Jahr 1985 über konstante 41% im Zeitraum 1995-2009 auf nunmehr 49,1% angestiegen ist, während 48,5% Kastilisch (Spanisch) und 2,4% andere Sprachen gesprochen haben. Die Revitalisierungsbemühungen der baskischen Regierung zeigen also einen sehr deutlichen Erfolg.

Doch die Daten über den Gebrauch der Sprachen in der Öffentlichkeit fallen nicht in den luftleeren Raum. Sie können mit Studien über die Entwicklung der Sprachkenntnisse in der Gemeinde (im Fünfjahresrhythmus seit 1981) oder mit denen über die Beherrschung des Baskischen nach Altersgruppen (im Vierjahresrhythmus seit 1985) ver- und abgeglichen werden.

So lässt sich sagen, dass 2016 zwar 70,94% der Einwohnerinnen baskischsprachig waren und nur 18,17% keine Baskischkenntnisse hatten, auf der Straße aber dennoch Kastilisch überwog.

Schon seit 2005 korreliert das Alter in Tolosa direkt mit den Sprachkenntnissen in dem Sinne, dass ein deutlich höherer Anteil der Kinder (2019: 70%) und Jugendlichen (63%) als der Erwachsenen (47%) und Senioren (29%) baskischsprachig sind. Das spricht für eine hohe Vitalität.

Aufgrund der Beobachtungen auf Straßen und Plätzen kann sogar gesagt werden, dass die schiere Anwesenheit von Kindern in einer Gruppe die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöht, dass Baskisch statt Kastilisch gesprochen wird.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5 ‹6 ‹7

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Die spanische Post ist mehrsprachig.

Spanien ist ein mehrsprachiges Land, in dem neben Kastilisch (aka Spanisch) auf regionaler Ebene auch Baskisch, Galicisch und Katalanisch (einschließlich der Variante Valencianisch) amtlich sind. Auch die spanische Post nutzt diese Sprachen, was zum Beispiel an ihrem mehrsprachigen Internetauftritt ablesbar ist.

Bildschirmausschnitt: Webseite der spanischen Post auf Baskisch

Die Webseite ist in sämtlichen Regionalsprachen, zudem auf Kastilisch und Englisch abrufbar.

In Italien, wo Minderheitensprachen (wie Sardisch, Friaulisch, Deutsch oder Ladinisch) ebenfalls in mehreren Regionen offiziellen Status genießen, ist der Internetauftritt der Post: einsprachig.

Bildschirmausschnitt: Webseite der italienischen Post

Wiewohl ich mich daran zu erinnern glaubte, dass neben der italienischen wenigstens auch eine englische Sprachversion existiert, scheint auch das nicht mehr der Fall zu sein. Wer in Italien diesen Dienst von außerordentlichem öffentlichen Interesse online in Anspruch nehmen will, muss zwangsläufig die italienische Sprache verstehen.

Die von Artikel 6 der italienischen Verfassung und mehreren Autonomiestatuten angeblich geschützten Minderheitensprachen genießen diesbezüglich keinerlei Rechte.

Das Land Südtirol muss sogar dafür bezahlen, dass demnächst — falls die italienische Post Lust hat, sich an diese Vereinbarung zu halten — eine zweisprachige Beschwerdeseite im Netz eingerichtet wird. Von einem einigermaßen mehrsprachigen Webauftritt mit postalischen Dienstleistungen ist gar nicht die Rede.

Mir wäre hingegen nicht bekannt, dass das Baskenland, Galicien oder Katalonien dafür aufkommen müssen, dass ihre jeweiligen Landessprachen irgendwo berücksichtigt werden, wo es gesetzlich vorgeschrieben ist. Das wäre ja auch völlig skurril.

Siehe auch ‹1 ‹2 ‹3 ‹4 ‹5 ‹6 ‹7 | 1›

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