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Gesundheit: Abstimmung mit den Füßen.

An der Qualität des Südtiroler Gesundheitswesens habe ich einiges zu kritisieren, gerade im Umgang mit der Corona-Pandemie — wiewohl ich selbst derzeit bei der Behandlung einer Krankheit sehr gute Erfahrungen mit dem Sabes mache, wenn ich von den Problemen mit der Zweisprachigkeit absehe.

Im Zusammenhang mit der Neubewertung der Essentiellen Gesundheitsleistungen (die sogenannten LEA) hat es jedoch von bestimmten Kreisen aus eine Art konzertierten Generalangriff auf unser Gesundheitswesen gegeben, das ihm so meiner Meinung nach nicht gerecht wird.

Unter anderem behauptet ein Mitglied der Sechserkommission in den sozialen Medien allen Ernstes, dass Südtirol im Vergleich mit Kalabrien »ein gutes Unentschieden« erzielen würde. Wie vielleicht nicht alle wissen, steht das desaströse Gesundheitswesen der süditalienischen Region schon seit langem unter kommissarischer Verwaltung.

Noch 2013 rangierte die öffentliche Gesundheitsversorgung in Südtirol laut einer Studie der Universität Göteborg an neunter Stelle von 172 europäischen Regionen. Kalabrien kam auf Rang 170.

Und sieben Jahre später soll der ganze Vorsprung verspielt sein?

Auf der Suche nach den neu veröffentlichten LEA (2018) bin ich vor wenigen Tagen zufällig auch auf offizielle Daten zur Patientenmobilität (2018) zwischen den Regionen im Staate gestoßen. Ich habe sie nun grafisch aufbereitet und gebe sie hier wieder, da sie — im Sinne der sogenannten Abstimmung mit den Füßen (nach Tiebout) — meiner Meinung nach auch etwas über die Qualität des Gesundheitswesens aussagen:

Von den 21 regionalen und Landesgesundheitssystemen in Italien sind unterm Strich zwölf von einer — teils massiven — Abwanderung betroffen. Bewohnerinnen der Regionen Kampanien, Kalabrien, Sizilien und Apulien begeben sich in großer Zahl in andere Regionen, um sich behandeln zu lassen. Das angeblich so miserable Südtiroler Gesundheitswesen zieht dagegen (wie acht weitere) mehr Patientinnen an, als auf der Suche nach Gesundheitsversorgung von hier nach anderswo gehen.

Setzt man die absoluten Daten in Proportion zur Patientenanzahl, wird deutlich, dass Kalabrien verhältnismäßig die Region mit der weitaus größten »Abwanderung« ist: 20% lassen sich auswärts versorgen. Vor allem die Emilia Romagna, die Lombardei und die Toskana ziehen bedeutende Anteile an Menschen aus anderen italienischen Regionen an.

Die Wanderungsbewegungen können selbstverständlich die unterschiedlichsten Gründe haben. Besonders aus kleineren Regionen (zu denen auch Südtirol gehört), wo nicht alle Gesundheitsleistungen überhaupt angeboten werden können, müssen Patientinnen mitunter zwangsläufig auf größere Krankenhäuser in angrenzenden Gebieten verwiesen werden.

Das Narrativ jedenfalls, wonach die Südtirolerinnen etwa aufgrund von langen Wartezeiten massenhaft in andere Regionen »flüchten« müssen, scheint sich durch die Zahlen nicht zu bestätigen.

Das nahe Trentino hat übrigens ein negatives Wanderungssaldo. Im direkten Vergleich zeigt sich sogar: Es lassen sich deutlich mehr Menschen aus dem Trentino hier bei uns behandeln als anders herum. Das wäre wohl kaum der Fall, wenn wirklich alles so schlecht wäre, wie es manche aufgrund der (unvollständigen) LEA-Daten darstellen möchten.

Und die Behauptung, das hiesige Gesundheitssystem sei auf kalabrischem Niveau, ist natürlich totaler Schwachsinn.

Siehe auch:

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Bahn: Stark spürbare Staatsgrenze.

Wie neulich bekanntgegeben, wird in der Euregio an einem gemeinsamen ÖV-Ticket gearbeitet. Das halte ich für eine sehr gute Idee.

Ich habe das nun zum Anlass genommen, die bestehenden Verbindungen von der Südtiroler Landeshauptstadt in die Euregio und darüber hinaus unter die Lupe zu nehmen. Als Stichtag habe ich — ohne besondere Hintergedanken — den kommenden Montag (13. Juli) gewählt.

Tabelle zum Vergrößern anklicken

Das Ergebnis finde ich mehr als verblüffend:

  • Trient ist ganz eindeutig das Ziel, das pro Tag am häufigsten angefahren wird: 47 Mal.
  • In die größte Landeshauptstadt der Euregio, Innsbruck, kann hingegen nur sechsmal am Tag umstiegsfrei gefahren werden.
  • Es gibt überhaupt nur mickrige sieben (ausgehende) Verbindungen am Tag, die umstiegsfrei über die Staatsgrenze führen — davon sechs über den Brenner und eine nach Lienz.
  • Nach München, dem nächstgelegenen wichtigen Fernverkehrsknoten im Norden, gibt es nur drei Verbindungen. Keine davon ist am Tagesrand.
  • Die wichtigen Fernverkehrsknoten in Italien, Verona und Bologna, werden 33 respektive 13 Mal angefahren.
  • Immerhin fünfmal täglich fährt ein Zug direkt nach Rom. Das ist fast so oft, wie nach Innsbruck.
  • Bevor überhaupt der erste Zug startet, der über die Staatsgrenze nach Norden fährt, gibt es schon zehn Verbindungen nach Trient und acht nach Verona.
  • Meran (30 Mal) und der Brenner (29 Mal) sind am Tag weniger häufig zu erreichen, als Verona (33 Mal).
  • Eine umstiegsfreie Verbindung nach Mals gibt es nicht. Das wird sich voraussichtlich mit der Elektrifizierung der Vinschger Bahn ändern.
  • Allerdings gibt es auch nur eine einzige umstiegsfreie Fahrt ins Pustertal (Bruneck, Innichen, Lienz). Das ist gleich oft — oder selten — wie nach Neapel, Venedig, Mailand oder Wien.

Die Aussagen beziehen sich auf umstiegsfreie Verbindungen am gewählten Stichtag (13. Juli 2020) ohne Berücksichtigung von z. B. coronabedingten Fahrplanänderungen. Es wurde nicht zwischen unterschiedlichen Zug- und Tarifarten unterschieden.

Für ein auch nur annäherndes Gleichgewicht in der Euregio — und grundsätzlich im internationalen Verkehr — gibt es in dieser Hinsicht also noch sehr viel zu tun, wenn wir die grenzüberschreitenden Verbindungen nicht Flixbus und dem Auto überlassen wollen. Von einer Brücke zwischen Nord und Süd kann zumindest im ÖV nicht die Rede sein.

Siehe auch:

Ecologia Grenze Mobilität Recherche Service Public Umfrage+Statistik | | | | Bayern Italy Lombardia Nord-/Osttirol Österreich Südtirol/o Trentino Venetien-Vèneto | Euregio ÖBB RFI SAD STA Trenitalia | Deutsch

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Eurac: Einsprachige Photovoltaikstudie.

Die Architektenkammer macht in ihrem Newsletter vom 26. Mai unter anderem auf folgende Befragung aufmerksam:

Projekt BIPV meets history

Im Zuge des Projektes BIPV meets history hat die Eurac einen Fragebogen ausgearbeitet. Dieser dient zur Erfassung bestehender Hindernisse und des Verbreitungs- und Installationspotenzial[s] der Photovoltaiksysteme der neuen Generation bei historischen Bauten und in der Landschaft[.]
Informationen zum Projekt << HIER>>

Fragenbogen in italienischer Sprache <<HIER>>

Die Eurac also. Das ist die mit dem Institut für Vergleichende Föderalismusforschung und dem Institut für Minderheitenrecht. Aber eine — ganze zehn Fragen umfassende — Umfrage auch ins Deutsche (oder gar ins Ladinische) zu übersetzen, ist offenbar zu viel verlangt. War ja auch schon bei der Wolfsstudie nicht ganz einfach.

BIPV meets history ist ein Interreg-Projekt zwischen Italien und der Schweiz. Federführend auf »italienischer« Seite ist die Eurac beteiligt, auf Schweizer Seite die Tessiner Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana. Daneben sind die Region Lombardei sowie die Schweizer ticino energia, SUNAGE und Solar Retrofit beteiligt.

Für Institutionen des italienischsprachigen Kantons Tessin wäre es wohl unvorstellbar, eine Studie nicht zumindest/auch auf Italienisch zu machen. Die aus dem mehrheitlich deutschsprachigen Südtirol stammende, öffentliche Eurac hat da offenbar eine »andere« Sensibilität.

Siehe auch:

Arch+Raum Bildung Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Service Public Tech&Com Umfrage+Statistik | Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | | | Lombardia Südtirol/o Ticino | EU Eurac | Deutsch

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Sebastian Kurz liebt uns nicht.

Chefredakteurin Heidy Kessler (Rai Südtirol) hat einen Kommentar zur politischen Haltung des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) verfasst — der sich gegen die Vergemeinschaftung von Schulden und derzeit auch gegen eine Grenzöffnung zu Italien (und somit Südtirol) ausspricht.

In Verlegenheit bringt die Haltung von Kurz in erster Linie natürlich die SVP und deren Obmann Philipp Achammer, der als persönlicher Freund von Sebastian Kurz gilt. Was ist diese Freundschaft wert, diese Frage muss sich Achammer wohl stellen. Und was bringt die Schutzmacht in dieser gelinde gesagt schwierigen Situation? Was ist sie wert?

— Heidy Kessler

Mit dieser Lesart ist Kessler nicht allein . Sie offenbart eine sonderbare, in Südtirol nicht ungewöhnliche Auffassung von Freundschaft zwischen Politikern (Achammer-Kurz) oder Institutionen (Schutzmacht). Gerade persönliche Freundschaften können zwar Verhandlungen durchaus erleichtern, sollten jedoch in einem moderenen Rechtsstaat möglichst wenig Einfluss auf Sachentscheidungen haben.

Kurz’ politische Haltung darf man selbstverständlich gut, weniger gut oder gar schlecht finden. Dass er seinen Beschluss aber nicht aufgrund von Freundschaften fällt, sollte uns nicht überraschen.

Analog dazu können wir zwar die Entscheidung von Ministerpräsident Conte, Teile der Lombardei abzuschotten oder von LH Platter, Ischgl unter Quarantäne zu stellen, bewerten; von den ergriffenen Maßnahmen ableiten zu wollen, dass Conte etwas gegen die Lombardei oder Platter etwas gegen Ischgl hätte, wäre aber absurd.

Im konkreten Fall haben Teile Italiens die Epidemie derzeit noch immer nicht richtig unter Kontrolle. Davon kann man als Regierungschef eines Nachbarstaates sachpolitisch ableiten, dass die Grenze zu Italien vorerst besser geschlossen bleiben sollte. Eine Ausnahme nur für Südtirol zu machen wäre für Österreich schwer möglich — nicht nur, wie Kessler nahelegt, weil die Staatsgrenze am Brenner und nicht in Salurn liegt, sondern vor allem, weil Italien ab 3. Juni sämtliche Reisebeschränkungen zwischen den Regionen aufhebt. Ab dem Zeitpunkt ist es kaum noch möglich, innerstaatlich zwischen unterschiedlich stark betroffenen Gebieten zu differenzieren. Südtirolerinnen, die in Österreich einreisen möchten, könnten ja am Vortag in der Lombardei gewesen sein.

Hätte Südtirol eine weitreichende Autonomie, könnte es selbst entscheiden, ob es zuerst die Reisefreiheit in die Lombardei oder nach Österreich herstellen möchte. Weil wir diese Möglichkeit jedoch nicht haben, entscheiden das eben andere für uns.

Siehe auch:

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Repetto: «Los von Wien».

L’unico deputato alla Dieta sudtirolese del PD, Sandro Repetto, scrive su Facebook:

LOS VON WIEN
La cara Austria, quella che gli Schutzen (sic) vogliono tanto, sbatte la porta e soffia i turisti tedeschi all’Alto Adige. Se non fosse una tragedia per il nostro settore turistico mi verrebbe da ridere. E invece ancora una volta la storia insegna che la destra nazionalista fa i comodi suoi, altro che … prima gli austriaci.

Il riferimento è all’accordo tra Germania, Austria e alcuni altri paesi di riaprire i rispettivi confini, mentre l’Italia per ora non sembra far parte del gioco.

Quell’Italia che per prima aveva chiuso — in maniera disordinata — i propri confini a chi proveniva dalle zone maggiormente colpite da Covid-19, ma che tuttora non è riuscita a portare sotto controllo i contagi, specialmente in Lombardia. In base ai numeri ufficiali la decisione di Austria e Germania non pare del tutto arbitraria.

Ammesso e non concesso che decisioni epidemiologiche debbano per forza sottomettersi alle necessità economiche e turistiche, non solo i turisti tedeschi in Sudtirolo potrebbero già arrivare da metà giugno se questa nostra terra facesse parte dell’Austria (e quindi il contrario di Los von Wien), ma la «cara Austria» avrebbe anche meno difficoltà ad aprire al Sudtirolo se fossimo davvero autonomi o, ancor meglio, indipendenti rispetto a Roma. Non essendo questo il caso, difficilmente potranno esserci soluzioni differenziate. Quindi sinceramente non si capisce come si possa dare la colpa a Vienna.

La critica al nazionalismo, infine, mossa da chi il virus poche settimane fa sognava di sconfiggerlo con l’orgoglio nazionale (e il tricolore alla finestra), sinceramente fa sorridere.

Vedi anche:

Gesundheit Grenze Nationalismus Politik Selbstbestimmung Tourismus Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus Zitać | Sandro Repetto | Social Media | Deutschland Italy Lombardia Österreich Südtirol/o | PD&Co. Schützen | Italiano

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Corona und Übersterblichkeit im Vergleich.

Um die Auswirkungen von Covid-19 jenseits amtlicher Zählungen zu beurteilen, wird unter anderem die sogenannte Übersterblichkeit untersucht: Wie viele Todesfälle hat es in einem bestimmten Zeitraum 2020 im Vergleich zu anderen Jahren gegeben?

Am Mittwoch war in der NZZ über eine Studie* der beiden Ökonomen Giuseppe Sorrenti und Fabrizio Zilibotti berichtet worden, die sich die Differenz zwischen der Übersterblichkeit und den offiziell gemeldeten Covid-Todeszahlen in mehreren norditalienischen Provinzen angeschaut haben. Südtirol und das Trentino sind nicht dabei.

Das Ergebnis ist erstaunlich: So gab es in der Provinz Rovigo (Venetien) zwischen 1. Jänner und 4. April 75 Todesfälle mehr, als aus der Betrachtung der Vorjahre (2015-19) zu erwarten gewesen wäre. Laut Statistik des italienischen Zivilschutzes gab es in der Provinz jedoch nur vier Covid-Tote. Die reale Übersterblichkeit ist also 1.775% höher.

In anderen Provinzen ist die Differenz geringer, zum Beispiel Vicenza: Während offiziell 77 Covid-Opfer gemeldet wurden, gab es 213 Todesfälle mehr als 2015-19 nahegelegt hätten. Die Übersterblichkeit ist hier um 177% höher.

Grafik zum Vergrößern anklicken.

Die Zahlen**, die ich für Südtirol errechnet habe, sind nicht völlig mit denen der Studie von Sorrenti und Zilibotti vergleichbar, da sie sich nur auf den Monat März beziehen. Um die Übersterblichkeit (242) zu ermitteln, habe ich die Todesfälle von März 2020 (623) mit dem Durchschnitt des Monats März 2015-19 (381) verglichen.

Am 31. März 2020 gab es in Südtirol laut Daten des Zivilschutzes 76 offizielle Covid-Opfer, doch genau am 1. April wurde die Panne mit den Daten aus den Seniorenwohnheimen bekannt: die 32 bis dahin »vergessenen« Todesfälle habe ich deshalb noch dazuaddiert — das ergibt dann 108 offiziell gezählte Covid-Tote.

Zwischen der Übersterblichkeit (242) und den offiziellen Corona-Todeszahlen klafft aber damit noch immer eine große Lücke von 134 Fällen (124%).

Anders gesagt: In Südtirol war die Übersterblichkeit im März 2020 mehr als doppelt so hoch, wie es die gemeldeten Covid-Sterbefälle vermuten ließen.

Es gilt jedoch darauf hinzuweisen, dass diese Abweichung nur ein Indiz (aber kein Beweis) für die Untererfassung der Covid-Todesfälle sein können. Die Differenz umfasst nämlich auch etwaige Kollateralfolgen der Pandemie: Menschen, die aufgrund der hohen Belegung der Krankenhäuser und der Aussetzung von bestimmten Eingriffen oder zum Beispiel aus Angst und Einsamkeit verstorben sind. Ferner können sich darin aber auch normale Schwankungen in der Sterblichkeit verbergen.

Nichtsdestoweniger machen die Abweichungen auch darauf aufmerksam, dass die amtlichen Zahlen nicht notwendigerweise so präzise sind, dass wir sie blind zur Begründung von Maßnahmen und Lockerungen heranziehen können. Und in jedem Fall wird es nötig sein, die Statistiken spätestens am Ende der Pandemie unter verschiedenen Gesichtspunkten zu analysieren und aufzuarbeiten.

Siehe auch:

*) Zilibotti, Sorrenti: Methodologische Hinweise und Daten.
**) Daten des Südtiroler Gesundheitsbetriebs
(Sabes), veröffentlicht in der Dolomiten-Ausgabe vom 29. April 2020 (S. 14).

Gesundheit Umfrage+Statistik | Covid-Stats | | Dolo NZZ | Italy Lombardia Südtirol/o Venetien-Vèneto | Sabes | Deutsch

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Bessone für verpflichtenden Militärdienst.

Lega-Chef und Ex-Innenminister Matteo Salvini hat angesichts der aktuellen Pandemie vorgeschlagen, die allgemeine Wehrpflicht wiedereinzuführen. Landesrat Bessone (ebenfalls Lega) unterstützt diese Idee. Daran sollten wir uns erinnern.

Kann sein, dass es sich um nichts mehr als populistischen Missbrauch der gegenwärtigen Krise zu Wahlkampfszwecken handelt. Das wäre schlimm genug. Da aber die Lega die Wiedereinführung des Militärdiensts schon seit längerem fordert, sei hier noch Folgendes ausgeführt: Was diesen Herrschaften im vorliegenden Fall vorschwebt, ist die zwangsweise Eingliederung junger Menschen in eine streng hierarchisch aufgebaute, nationalistische, alle Unterschiede ausblendende bewaffnete Organisation, um sie zu einem Hungerlohn per Befehl dazu verdonnern zu können, gesundheitsgefährdende zivile Aufgaben wahrzunehmen, für die sie nicht ausgebildet sind. Bei etwaiger Weigerung wären sie zudem der militärischen Gerichtsbarkeit unterstellt. Auch Minderheitenrechte haben beim Militär natürlich keinen Platz.

Die Aufgabe des Militärs wäre in Krisen wie der derzeitigen, mit martialischem Aktionismus Löcher in der Versorgungssicherheit zu stopfen, die sich durch eine völlig verfehlte Politik aufgetan haben. Die seit Jahrzehnten von der Lega mitregierte Lombardei ist ein Paradebeispiel für die Verscherbelung des öffentlichen Gesundheitsdienstes an Private.

Siehe auch:

Gesundheit Militär Minderheitenschutz Nationalismus Politik Recht | Coronavirus | Massimo Bessone Matteo Salvini | | Italy Lombardia Südtirol/o | Lega | Deutsch

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Rom stoppt Schutzausrüstung.

Wie die Tageszeitung A. Adige berichtet, soll die römische Regierung die Lieferung von medizinischer Schutzausrüstung (1,5 Millionen Stück), die das Land Südtirol mithilfe heimischer Unternehmerinnen in China erworben hatte, gestoppt haben. Ministerpräsident Giuseppe Conte bestehe auf Vorrang für die »nationalen Bedürfnisse«, so das Blatt. Eine offizielle Bestätigung gibt es hierfür nicht.

Inzwischen würden auch die Tests knapp, die nun nur noch für wenige Tage reichten, berichtet das Athesia-Blatt in Berufung auf Sabes-Generaldirektor Florian Zerzer weiter.

Von den Regierungen der Regionen Lombardei und Sizilien war die Zentralregierung während der letzten Tage scharf kritisiert worden, weil sie ihnen in großen Mengen faktisch unbrauchbare Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt hatte.

Schon seit Tagen weisen Gewerkschaften und Kammern von Ärztinnen und Pflegerinnen auf den Mangel von Schutzausrüstung in Südtirol hin.

Siehe auch:

Gesundheit Gewerkschaften Politik Staat vs Land Zentralismus | Coronavirus | Florian Zerzer Giuseppe Conte | AA | Italy Lombardia Sicilia Südtirol/o | Land Südtirol Sabes | Deutsch