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Impfbestätigung in der Endlosschleife.
Österreichische Bürokratie und unvereintes Europa

Unlängst habe ich auf meine Nordtiroler Adresse einen Brief vom Amt der Tiroler Landesregierung erhalten. Betreff: “Ihr persönlicher Termin für die COVID-Schutzimpfung ist da!”. Darin werde ich eingeladen vom Angebot einer Impfung Gebrauch zu machen. Hintergrund ist der, dass ich zum einen (auch) im österreichischem Gesundheitssystem registriert bin und dass zum anderen im Februar in Österreich eine allgemeine Impfpflicht in Bezug auf die COVID-Schutzimpfung eingeführt werden soll. Mit dem Schreiben sollten Ungeimpfte zur Impfung bewogen werden.

Da ich in Südtirol zweimal geimpft wurde und ich keine Lust habe, ab Februar in Österreich als Nicht-Geimpfter zu gelten und womöglich noch eine Verwaltungsstrafe zu zahlen, habe ich den Versuch gestartet, meine beiden Südtiroler Impfungen in Österreich anerkennen zu lassen. Es lebe einmal mehr das vereinte Europa!

  • Ich rufe bei der Impf-Hotline an, die auf dem Schreiben des Landes Tirol angegeben ist und erläutere mein Begehren. Die Dame am anderen Ende der Leitung erklärt mir, dass sie dafür nicht zuständig seien und ich mich mit meiner Bezirkshauptmannschaft in Verbindung setzen möge.
  • Ich kontaktiere die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck. Wiederum erklärt man sich am Telefon für nicht-zuständig und verweist mich auf die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) in Wien, die beispielsweise auch das österreichische Corona-Dashboard betreibt.
  • Ich wähle also die Nummer der Corona-Hotline der AGES und erhalte die Information, dass das System einfach nur die Daten ausliest, die von den Impfenden eingegeben werden. Als AGES könnten sie keine Impfungen in das System aufnehmen. Das müsste wenn schon mein Hausarzt machen.
  • Ich begebe mich zu meinem Hausarzt im Stubaital und frage ihn, ob er meine beiden Südtiroler Impfungen bitte ins System eintragen könnte. Seine Antwort: “Da musst du dich bitte an die BH (Bezirkshauptmannschaft) wenden. Die machen das.” Und somit schließt sich der Kreis.

Ich habe meinem Hausarzt dann erklärt, dass ich bereits bei der BH angerufen hätte, welche mich an die AGES verwiesen hat, die mich wiederum an ihn weitergeleitet hat. Abgesehen davon, dass wieder einmal die Folgen mangelhafter Organisation auf die Hausärzte abwälzt werden und die Arbeit bei ihnen hängen bleibt, gibt es noch ein weiteres Problem. Wenn der Hausarzt die Impfungen einträgt, dann scheint im System auf, dass er mich geimpft hätte. Aber das hat er nicht. Eine entsprechende Eintragung wäre also eine Falschangabe. Da es aber offenbar kein Entkommen aus der Endlosschleife gibt, hat sich mein Hausarzt dankenswerter Weise bereit erklärt, meine Impfungen einzutragen. Meine Ankündigung, dass ich im Jänner meine dritte Impfung in Südtirol bekäme, hat er mit einem frustrierten, aber freundlichen Lächeln quittiert. “Also bis Jänner dann! Pfiati und Danke nochmals!”

Es ist sagenhaft bizarr, dass es für ein “Problem”, bezüglich dessen ich wohl nicht der einzige Betroffene bin, nach bald zwei Jahren Pandemie und einem Jahr Impfungen keine saubere Lösung gibt und Hausärzte gezwungen werden, de facto Falschangaben zu machen, weil offenbar nicht die Möglichkeit besteht – bzw. niemand dafür zuständig ist – Impfungen, die in einem anderen EU-Land (in einem Teil der Euregio zumal) gemacht wurden, in das österreichische System aufzunehmen. Das Schnitzel endet wieder einmal exakt beim Tellerrand.

Interessehalber habe ich nach dieser Episode bei der Corona-Hotline des Südtiroler Sanitätsbetriebes angerufen und nachgefragt, was ich machen müsste, wenn ich in Nordtirol getätigte Impfungen in Südtirol registriert haben möchte. Das sei ganz einfach, wurde mir gesagt. Ich möge mich einfach an infovax@sabes.it wenden, die Impfbestätigungen und einen Identitätsnachweis schicken und die Impfungen würden eingetragen. Na bitte. Geht doch.

Nachtrag 24.12.2021

Nach obiger Erfahrung habe ich das Amt der Tiroler Landesregierung, die Bezirkshauptmannschaft, die AGES und das Sozialministerium angeschrieben, um in Erfahrung zu bringen, ob es tatsächlich kein standardisiertes Prozedere und keine geregelten Zuständigkeiten für die Eintragung von Impfungen aus einem anderen EU-Land gibt. Innerhalb weniger Stunden habe ich Antwort von der Bezirkshauptmannschaft erhalten, dass ich ihnen die Impfbestätigungen, die E-Card sowie einen Identitätsnachweis per E-Mail schicken möge und sie die Impfungen selbstverständlich eintragen würden.

Nachtrag 25.12.2021

Auch die AGES hat geantwortet:

[…] es tut uns wirklich leid das sich die Nachtragung der Impfungen die im Ausland erhalten wurden so schwierig gestalten. Grundsätzlich ist dies korrekt die Impfungen die im Ausland erhalten wurden können bei niedergelassene Ärzt:innen gegen ein kleines Entgelt nachgetragen werden. Falls es hierzu zu Problemen kommt können Sie auch bei der Ärztekammer Nachfragen welche Ordinationen dies durchführen, diese Leistung wird nicht von jedem Angeboten. Uns liegen leider nur Ordinationslisten von Wien und Niederösterreich vor.

Nachtrag 27.12.2021

Antwort des Amtes der Tiroler Landesregierung:

[…] es tut uns sehr leid, dass sich niemand für Ihr Anliegen zuständig fühlt. Wir können Ihren Unmut sehr gut verstehen.

Wir können Ihnen leider nur mitteilen, dass die niedergelassene Ärtzschaft für die Nachtragung ausländischer Impfungen zuständig ist.

Ihr Arzt hat die Möglichkeit bei der Impfeintragung den Zusatz anzuführen, dass er nur der eintragende Arzt ist, und nicht der impfende Arzt.

Sehr gerne kann sich Ihr Hausarzt diesbezüglich auch mit unserer Amtsärztin Frau Dr. Luckner- Hornischer in Verbindung setzen.

Siehe auch: 1/ 2/

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Kronbichler und die Post.

Ex-Parlamentarier Florian Kronbichler thematisiert auf Salto seine Erfahrungen mit der italienischen Post.

Um einen Brief von der Landeshauptstadt ins Unterland zu schicken, musste er demnach einen regelrechten Spießrutenlauf hinlegen, der andere vielleicht dazu bewogen hätte, ihre Post selbst beim Empfänger vorbeizubringen.

Eine Briefmarke bekam er nur, weil ihm ein Trafikant sein privates Exemplar verkaufte — nachdem er schon in zwei weiteren Trafiken erfolglos gewesen war.

Von der Talferbrücke über die Museumstraße, Lauben, Obstmarkt und Rauschertorgasse fand er keinen Briefkasten, wo er seinen Brief hätte loswerden können. Es blieb ihm nur der Weg zum Hauptpostamt.

Seine diesbezügliche Beschwerde wurde er im Postamt allerdings nicht los, er wurde auf eine Grüne Nummer und schlussendlich auf eine E-Mail-Adresse verwiesen. Den Zitaten in seinem Text nach zu schließen, wurde er auch nicht in seiner Muttersprache bedient. Könnte aber auch sein, dass er es gar nicht versucht hat.

In den Kommentaren gibt Grünen-Chef Felix von Wohlgemuth an, dass die italienische Post im Internet eine Suchfunktion für Posteinwürfe bereithält, deren 44 sollen es in Bozen sein. Dazu verweist er auf eine einsprachig italienische Seite.

Zum Vergleich: Eine kurze Recherche meinerseits auf der Webseite der österreichischen Post hat ergeben, dass es in Innsbruck 114 Einwurfstellen gibt. Auch Briefmarken sind in Nord-/Osttirol erfahrungsgemäß — anders als hier — keine Mangelware.

Die Briefpost mag heute (anders als der Paketversand) weniger wichtig sein als noch vor Jahren, doch moderne, erfolgreiche Länder haben in der Regel einen gut funktionierenden Postdienst. In Südtirol kann davon trotz Landesmillionen leider nicht die Rede sein.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/

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Corona: Freising verlegt nach Südtirol.

Immer wieder mussten Südtiroler Patientinnen im Verlauf der Pandemie zur Behandlung nach Nord-/Osttirol sowie — zum Beispiel mit der Schweizer Rega — nach Deutschland verlegt werden.

Nun kann Südtirol etwas von der Solidarität zurückgeben: Laut Merkur befindet sich das Klinikum Freising derzeit »voll im Katastrophenmodus«. Nach langem Telefonieren sei es gelungen, für zwei Intensivpatientinnen einen Platz in Südtiroler Krankenhäusern zu finden — in Bozen und Meran.

Fraglich ist allerdings, wie lang Südtirol Bayern noch unterstützen kann. Da auch hierzulande die Infektionszahlen — und parallel dazu die Hospitalisierungen — steigen, dürften die Kapazitäten bald ausgeschöpft sein.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

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Regionale Frühfaschismen.
Veranstaltungshinweis

Das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen organisiert morgen und übermorgen am Sitz in Brixen eine internationale Tagung zum Thema

Regionale Frühfaschismen
Faschistische Herrschaftsdurchsetzung und -rezeption im interregionalen Vergleich.

In fünf Panels wird über

  1. Europäische Faschismen
  2. Regionale Grenzfaschismen
  3. Mikrohistorische Perspektiven
  4. Fallstudien: Tirol/Vorarlberg
  5. Fallstudien: Süditalien

referiert und diskutiert.

Panel 1: Florian Grafl (Heidelberg): »Eiserne Chirurgen«? Regionale Akteure und Strategien frühfaschistischer Herrschaftsdurchsetzung während der Diktatur Primo de Riveras. – Christoph Jahr (Berlin): Orange, Black and Blue. Der Faschismus in Ulster in regionalgeschichtlicher Perspektive. – Chair: Oswald Überegger (Bozen)

Panel 2: Alessandro Celi (Aoste): «L’esclavage clérical est le frère siamois du bolchévisme», Ideologia del notabilato e prassi fascista in una terra di frontiera. – Jens Späth (Saarbrücken): Wahrnehmungen von Frühfaschismen in einer europäischen Grenzregion: Das Saargebiet unter Völkerbundsverwaltung 1920-1935. – Antonella Fiorio (Bari): Liberali, nazionalisti e fascisti: una riflessione sulla Dalmazia italiana nei primi anni Venti. – Chair: Karlo Ruzicic-Kessler (Bozen)

Panel 3: Jörg Feuchter (Berlin): Dörflicher Frühfaschismus an der deutsch-französischen Grenze. – Stefan Eminger (St. Pölten): Faschistische Allianzen und Netzwerke im katholischen Umfeld. Das Beispiel Wolkersdorf vor 1938. – Edith Raim (Augsburg): »Nationalsozialistische Hochburg des Oberlandes«. Ein Beitrag zur Frühgeschichte des Nationalsozialismus in Murnau in Oberbayern 1920-1933. – Ruth Nattermann (München): Faschistische Gewalt, antisemitische Radikalisierung und Resistenza. Die Florentiner Gesellschaft zwischen Frühfaschismus und Widerstand. – Chair: Wolfgang Weber (Dornbirn)

Keynotes: Anna Maria Vinci (Triest): Mito e realtà del confine orientale nell’evoluzione del fascismo italiano. – Martina Steber (München): Vom Allgemeinen im Besonderen. Perspektivierungen der Regionalgeschichte des Nationalsozialismus.

Panel 4: Daniel Mac Segesser (Bern) / Wolfgang Weber (Dornbirn): Ruhe und Ordnung! Vorarlberg zwischen demokratischem Anbinden an die Schweiz und faschistischen Alternativen in Berlin und Wien 1918-1938. – Daniele Toro (Bielefeld): Waldemar Pabst als transregionaler Broker in der Tiroler Heimwehr 1920-1931: Zur Vernetzung regionaler Faschismen in der Bewegungs- und Durchsetzungsphase. – Stefan Lechner (Bruneck): »Im nationalen Interesse«: Etappen, Strategien und Ziele faschistischer Durchdringung und Machtpraxis in Südtirol bis um 1927. – Chair: Hannes Obermair (Bozen)

Panel 5: Francesco Altamura (Bari): Estensione del dominio padronale e dispersione della conflittualità sociale: i caratteri del consolidamento del fascismo nelle campagne pugliesi (1922-1926). – Giuseppe Iglieri (Cassino): Ai margini del Mezzogiorno. Storia di una provincia rurale dal progetto democratico all’affermazione del fascismo (1919-1923). – Dario Salvatore (Salerno): Ripartire dal porto. La negoziazione difficile tra fascismo e forze economiche a Napoli dal 1921 al 1925. – Chair: Anna Maria Vinci (Triest)

Achtung: Die Tagung ist ausschließlich online zugänglich, die Registrierung muss bis heute (11. November) um 12.00 Uhr erfolgen.

Es findet eine Simultanübersetzung (Deutsch ↔︎ Italienisch) statt. Das vollständige Programm kann hier heruntergeladen werden.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

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Euregio Connect reloaded.

Im August 2020 waren im Rahmen der Alpbacher Tiroltage die Gründungsverträge von Euregio Connect unterzeichnet worden, einem EVTZ von Tirol Werbung, IDM Südtirol und Trentino Marketing zur Zusammenarbeit im touristischen Bereich.

Wie das Wochenmagazin ff später berichtete, habe Innsbruck dafür freie Hand, während Südtirol und das Trentino trotz Autonomie die Zustimmung aus Rom abwarten müssten. Offiziell kommuniziert wurde diese Abhängigkeit meines Wissens jedoch nicht.

Dass die Freigabe der zentralen Oberaufsicht womöglich eingetroffen sein könnte, ist leider nur indirekt einer Pressemeldung vom 1. Oktober 2021 zu entnehmen, der zufolge die Tourismusorganisationen der Länder — wieder — die Gründungsverträge von Euregio Connect unterzeichnet haben sollen.

Entweder hat Rom also sein Plazet (mit oder ohne Einschränkungen) gegeben oder aber die Verträge von Euregio Connect werden fortan jährlich von neuem unterzeichnet, in der Hoffnung, dass die italienische Regierung irgendwann zustimmt.

Siehe auch: 1/

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Noch mehr Grünweißrot am Brenner.
Gelungene Grenzmarkierung

Schon seit Jahren setzt sich Alessandro Urzì (FdI) — zusammen mit der offen faschistischen CPI — unermüdlich für die Verteidigung und Trikolorisierung der heiligen Brennergrenze ein, um jeden Anschein eines grenzüberschreitenden Zusammenwachsens zu verhindern. Unter anderem hat er in Rom — so real wie absurd — erreicht, dass österreichische Polizistinnen auf Südtiroler Seite nicht einmal einen Kaffee trinken oder etwas essen gehen dürfen.

In den sozialen Netzwerken beschwert er sich nun über die (verspätete) Antwort von Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) auf seine abermalige besorgte Anfrage zum Thema, die er diesmal im Regionalrat eingereicht hatte: warum denn beim sogenannten Plessi-Museum keine Staatsflagge mehr hänge, wie zu guten alten Zeiten. Es kann dem Herrn gar nicht grünweißrot genug sein.

Alessandro Urzì auf Facebook am 20. Mai

Der Landtagsabgeordnete, der mit seinem ungebremsten Nationalismus alle vor sich hertreibt, wittert nichts weniger als eine Beleidigung für alle Italienerinnen. Nur merkwürdig, dass es auf Nordtiroler Seite keine österreichische (und auch in Kiefersfelden keine deutsche) Flagge braucht, obschon dies dort sicher weniger problematisch wäre als in einem eroberten Minderheitengebiet wie unserem. Dort fühlt sich wahrscheinlich trotzdem niemand beleidigt.

Der langen Rede kurzer Sinn: Als ich vor wenigen Tagen am Brenner vorbeifuhr hing dort — natürlich — wieder eine Trikolore. Der Herr hat offenbar wieder Mittel und Wege gefunden, seinen Markierungswahn befriedigen zu lassen:

Hinweis: Das Foto wurde vom Beifahrer geschossen

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ 8/

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Das Impfzentrum Sterzing ist eine Zumutung.

Ich habe vor wenigen Tagen meine zweite Corona-Impfdosis in Sterzing bekommen. Und das war leider wenig erbaulich. Seit ich den ersten Stich bekommen hatte, ist das Impfzentrum vom Stadttheater in die leerstehende ehemalige Spar-Filiale umgezogen.

Dort wird man zunächst — wofür der Sabes wenig kann — von dieser schönen Sammelstelle nach Bozner Vorbild empfangen:

Es ist an jenem Tag im Vergleich mit den umliegenden noch eine der aufgeräumteren.

Doch leider wurde auch das Impfzentrum selbst — mit Verlaub — gerade nur so hingekackt.

Wenn man berücksichtigt, dass es sich bei der Impfung um einen (wenn auch wenig invasiven) medizinischen Eingriff handelt, vor dem manche sich fürchten und bei dem es bei einigen auch zu unmittelbaren Reaktionen kommt, sollte so ein Zentrum doch möglichst freundlich, Vertrauen erweckend und nicht zuletzt auch sauber wirken. Natürlich sind diese Begriffe dehnbar und dürfen in einer pandemischen Notlage auch etwas gedehnt werden.

Allerdings ist das, was in Sterzing seit dem Umzug aus dem Stadttheater geboten wird, meiner Meinung nach jenseits von Gut und Böse.

Erste Fotos habe ich erst im Warteraum gemacht:

Beschädigter Boden, Löcher in den Wänden, hervorstehende und von der Decke hängende Kabel, da ist alles dabei. Das Fenster ist (von Schmutz oder von einer unvollständig abgelösten Folie) verdreckt und kaum durchsichtig. Überall hängen knallrote Werbebanner von Spar — als Dankeschön für den zur Verfügung gestellten Raum? War keine ordentliche Miete drin?

Wer vielleicht schon zu Panikattacken neigt oder tatsächlich von der Impfung mitgenommen ist, wird sich in einem solchen Raum wohl eher nicht wohlfühlen. Ich selbst, der ich mit keinem dieser Probleme zu kämpfen hatte, wäre trotzdem am liebsten aus diesem Raum geflüchtet, in dem man 15 Minuten abwarten soll, ob es zu keiner akuten Impfreaktion kommt.

Auch die Toiletten sind ein Graus:

Direkt an der ebenfalls zerstörten Ausgangstür stehen ein paar verbeulte Baustellen- oder Volksfesttoiletten rum. Kurz bevor ich dieses Bild gemacht habe, wurde ein älterer, nicht mehr ganz sicher auf den Beinen stehender Herr dorthin gewiesen — weshalb ich vermute, dass es tatsächlich die einzigen Toiletten des Impfzentrums sind.

Der Weg nach draußen führt noch über diese mit Schutt bespickte Mondlandschaft der ehemaligen Supermarkt-Laderampe.

Nicht nur wenige Kilometer weiter nördlich — in Nordtirol — dürfte ein solch desolates und unangemessenes Impfzentrum unvorstellbar sein. Auch in den angrenzenden Regionen des Südens wird so etwas wohl schwer zu finden sein.

Das durchwegs freundliche und bemühte Personal kann freilich nichts dafür. Auch wenn ich diesmal, ebenfalls ärgerlich und potenziell gefährlich, zur Anamnese einen einsprachig italienischen Arzt erwischt habe.

Warum schließlich in einem Südtiroler Impfzentrum dieser »nationale« und einsprachige Aufsteller »nötig« ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Siehe auch: 1/ 2/

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7 Tage vs. 7 Jahre.
Steuerrückzahlungen nördlich und südlich des Brenners

2013 habe ich meine letzte Steuererklärung in Österreich (selber, kostenfrei, online in 15 Minuten) gemacht. Glücklicherweise ergab sich ein für meine Verhältnisse beträchtliches Steuerguthaben, dessen Auszahlung ich sogleich online beantragt habe. Innerhalb einer Woche war das Geld auf meinem Konto.

Seit 2014 mache ich meine Erklärungen – mit ungleich größerem Aufwand – in Italien. Zumindest gab es einen erfreulichen Einstand. Auch meine erste Steuererklärung im Stiefelstaat wies ein Guthaben aus. Vor lauter Freude habe ich die Auszahlung beantragt und mir vorgenommen, mit dem Geld gut Essen zu gehen.

Vor wenigen Tagen (wir schreiben mittlerweile Juni 2021) klingelte der Briefträger und übergab mir ein einsprachig italienisches Schreiben mit einem Scheck über den Betrag meines Steuerguthabens aus dem Jahr 2014, den ich wiederum bei der Post einlösen kann.

*Schwärzungen von mir

Ich wiederhole das jetzt noch einmal, damit man die Monstrosität dieser Prozedur voll und ganz genießen kann: Die Post bringt mir ein einsprachiges amtliches Schreiben mit einem Scheck, mit dem ich zur Post gehen muss, um mir im Juni 2021 eine Steuerrückzahlung auszahlen zu lassen, die mir 2014 zugesprochen wurde.

Mahlzeit!

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/

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