Der Vorsitzende der schottischen Konservativen, Murdo Fraser, forderte London auf, sofort ein Unabhängigkeitsreferendum in Schottland anzusetzen. Indem sie der SNP vor rund einer Woche einen eklatanten Wahlsieg bescherten, hätten die Wählerinnen klargemacht, dass sie eine Abstimmung wünschen. Fraser begründete den Vorstoß, den er an seine Parteifreunde in der Londoner Regierung richtete, damit, dass die Ungewissheit für Investorinnen verkürzt werden solle, ob Schottland Teil des Vereinigten Königreichs bleibe und ob das Land den Euro übernehme.
Unmittelbar nach der Wahl hatte die SNP bestätigt, das Referendum erst in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode abhalten zu wollen. Zuerst wolle man den Übergang einiger weiterer Zuständigkeiten aus London abwarten und die wirtschaftliche Situation des Landes weiter stabilisieren. Außerdem plant der schottische Premier Alex Salmond eine Vertiefung der Unabhängigkeitsdebatte. Er hat schon mehrmals klargestellt, ihm sei bewusst, dass nicht jede SNP-Wählerin für die Eigenstaatlichkeit stimmen werde — genauso wie Wählerinnen anderer Parteien ihre Zustimmung geben könnten. In jedem Fall sei der Unabhängigkeitswille so stark wie nie zuvor.
Frasers Vorpreschen scheint indes nur vordergründig wirtschaftliche Gründe zu haben. Vielmehr dürften sich die Tories heute bessere Chancen für ein »Nein« ausrechnen als in einigen Jahren — wenn der Meinungsbildungsprozess weiter fortgeschritten ist. Die Zentralregierung ließ sich von der Forderung bislang dennoch nicht beeindrucken: Die Angelegenheit betreffe Schottland und man werde sich demnach nicht in den Zeitplan einmischen.

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