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Andrea Abel zur L2-Entwicklung.

Nachdem er behauptet hatte, die »Wahrheit« sei, dass »die Italiener« heute etwas besser Deutsch sprechen, als vor einigen Jahren, während es bei »den Deutschen« umgekehrt sei, forderte mich Gabriele Di Luca auf, zur Bestätigung Kontakt mit den Autorinnen der Kolipsi-Studie aufzunehmen.

Ich habe nun also Frau Andrea Abel und Frau Chiara Vettori angeschrieben und von ersterer folgende Antwort bekommen:

Studien, die umfassende Aussagen über die Veränderung der L2-Kompetenzen erlauben, gibt es nicht.

Auf meine erneute Nachfrage

Vorausgeschickt, dass es – wie Sie schreiben – keine Studien gibt, die eine umfassende Aussage darüber gestatten: Wie würden Sie die Entwicklung einschätzen? Würden Sie sich eine (wenngleich nicht 100% wissenschaftlich gestütze) Aussage zutrauen?

antwortete sie wissenschaftlich tadellos:

Die Aufgabe von WissenschaftlerInnen ist es, wissenschaftlich und empirisch fundierte Antworten auf relevante Fragen zu liefern und eben nicht sich Spekulationen hinzugeben.

Ich habe jetzt also erneut die Bestätigung: Es gibt in einem mehrsprachigen Land wie Südtirol keine belastbaren Daten über die Veränderung der Zweitsprachkompetenzen.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/

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Die Geburt eines neuen Mythos?

Die TAZ lässt Südtiroler Landtagskandidaten zu Wort kommen, gestellt wurde unter anderem folgende Frage:

Warum können die italienischen Südtiroler kaum Deutsch?

Erstaunliche Antworten kommen von Cornelia Brugger (PD) und Mauro Minniti (la Destra):

Die junge Generation der Italiener spricht aufgrund ihrer Ausbildung heute besser Deutsch als umgekehrt. Sie werden mehr gefordert und erkennen die Wichtigkeit der Mehrsprachigkeit. Den deutschen Schülern wird gelernt [sic], dass aufgrund der italienischen Krise Englisch wichtiger sei.

— Cornelia Brugger

Diese Behauptung ist falsch. Die Italiener können heute viel besser Deutsch als die Deutschen Italienisch. Die Situation hat sich umgekehrt. Man braucht nur in die Täler hinauszugehen, wo die Menschen ein sehr schlechtes Italienisch sprechen.

— Mauro Minniti

Merkwürdig ist nicht nur, dass eine Linke und ein Neofaschist de facto dieselbe Antwort geben, sondern vor allem, dass diese Aussagen allen verfügbaren Daten widersprechen.

So sagt uns das letzte Astat-Sprachbarometer, dass die Südtirolerinnen (alle Südtirolerinnen aller Muttersprachen) durchschnittlich nur unwesentlich schlechter Italienisch sprechen, als Deutsch. Nachdem über zwei Drittel der Südtirolerinnen deutscher Muttersprache sind, ist das nur dadurch zu erklären, dass diese im Durchschnitt wesentlich besser Italienisch sprechen, als ihre italienischen Mitbürgerinnen Deutsch. Es gibt — in einem Land mit klarer deutschsprachiger Mehrheit — sogar fast dreimal soviele Menschen, die gar kein Deutsch sprechen (11% der Bevölkerung), wie solche, die gar kein Italienisch sprechen (4%).
Was den Spracherwerb am Arbeitsplatz betrifft, stellt das Astat fest, dass dort 72% der Deutschsprachigen ihre Zweitsprachkenntnisse verbessern konnten, während dies umgekehrt nur auf 45% der Italienerinnen zutrifft.
Die Kolipsi-Studie, mittels derer Zweitsprachkenntnisse an Südtiroler Oberschulen ermittelt wurden, kommt zu einem ebenso klaren Ergebnis: 28% der italienischen Oberschülerinnen sprechen Deutsch auf einem elementaren Niveau (A2), während nur 4% der deutschsprachigen Schülerinnen derart schlecht abschnitten. Rund die Hälfte aller Schülerinnen beider Sprachgruppen (47% der Italienerinnen und 44% der Deutschsprachigen) befinden sich im Schwellenniveau (B1), während die Deutschsprachigen in den beiden höheren Niveaus (B2 und C1) mehr als doppelt so hohe Anteile verzeichnen, wie ihre italienischen Kolleginnen.

Besorgniserregend ist, dass der PD von Cornelia Brugger wahrscheinlich wieder Regierungsaufgaben übernehmen und dann wohl Schulpolitik aufgrund falscher Annahmen machen wird.

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Widmanns Bloßstellung.

Während einer Debatte im Landtag hatte Mobilitätslandesrat Thomas Widmann vorgestern behauptet, der Flughafen Innsbruck sei an seiner Obergrenze angelangt und wolle deshalb nach Bozen expandieren. Vom Tagblatt Dolomiten befragt, dementierte der Direktor des Nordtiroler Flughafenbetreibers, Reinhold Falch, jedoch derartige Absichten.

Zwei Dinge verdeutlicht dieser Vorgang einmal mehr:

  1. Dass Vertreter der Mehrheitspartei offenbar — selbst im Landesparlament — nicht mehr davor zurückschrecken, anderen Parteien und den Bürgern Lügen aufzutischen. Die Grundregeln des politischen Anstands scheinen in der Mehrheitspartei seit einiger Zeit nicht mehr zu gelten.
  2. Wie inhaltsleer die Europaregion Tirol (und wie unerwünscht eine engere Zusammenarbeit innerhalb ihres Rahmens) ist, hatte Widmann doch die angeblich geplante Expansion der Innsbrucker nach Bozen als zu verhinderndes Übel dargestellt, um zu rechtfertigen, dass das Land Südtirol selbst den Flughafen betreiben muss.

Ad 1.: Leider ist es nicht immer so leicht, wie in diesem Fall, die vorsätzliche Wählertäuschung aufzudecken — etwa, wenn uns wieder einmal weisgemacht werden soll, dass die Autonomie um großartige Errungenschaften erweitert werden konnte. Dann gibt es leider niemanden, der dementiert, und die Medien nehmen leider ihre Kontrollfunktion meist nicht so ernst, dass sie die Fakten recherchierten.

Ad 2.: Eigentlich sollte es doch sein, dass das Land die Regeln für den Flugplatz aufstellt und nicht selbst Betreiber spielen muss, um mitreden zu dürfen. Leider hat aber nicht Bozen, sondern Rom das Sagen, weshalb das Land nur über diesen (teuren) Umweg auch ein wenig mitgestalten kann. Dies gälte es zu beanstanden und nicht die erfundene Tatsache, dass der Flughafen Innsbruck Interesse an Bozen zeigt.

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Faktencheck: Dr. Gruber und die Frauen.

Beim Runden Tisch vom 03.06. im Rai Sender Bozen behauptete Herr Gruber (vom Umfrageinstitut Dr. Gruber & Partner), im italienischen Parlament säßen 44% Frauen — wie in Schweden. Selbst als Brigitte Foppa (Vërc) und Julia Unterberger (SVP) diese Angabe anzweifeln, bleibt Gruber bei seiner Darstellung; er habe dies noch am Nachmittag überprüft und es stimme zweifelsfrei.

Der Faktencheck ergibt: Im italienischen Parlament sitzen 30,8% Frauen (32% in der Kammer, 30% im Senat). Selbst in der PD-Fraktion, jene mit dem höchsten weiblichen Anteil, liegen die Frauen deutlich unter 44%. Bleibt die Frage: Überprüft Herr Gruber die von ihm selbst erforschten Daten ebenso gründlich?

Quellen: 1/ 2/

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Wahrheitsministerium.
Quotation 80

Wie das Land die Unfalldaten zurechtbiegt. Drei Meldungen im Vergleich:

Das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) teilt mit, dass im Jahr 2011 in Südtirol 1.627 Verkehrsunfälle mit Verletzten oder Toten geschahen (+25,3% gegenüber 2010), was einem Tagesdurchschnitt von mehr als vier entspricht. Die Zahl der getöteten Personen betrug 42 (+35,5%, im Jahr 2010 waren es 31), jene der Verletzten 2.004 (+19,0%). Zieht man die Gesamtheit der Verunglückten in Betracht, so waren 51,6% in einem Auto unterwegs, 27,5% lenkten ein Motorrad oder ein Moped und 16,3% fuhren Fahrrad. Im Jahr 2011 wurden 762 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer eingezogen: Das entspricht einem Rückgang um 15,3% im Vergleich zum Vorjahr.

Astat-Mitteilung vom 07.06.2012

Die Zahlen, die das Landesstatistikamt Astat veröffentlicht hat, sprechen eine traurige Sprache: Im Vergleich zum Vorjahr sind 2011 sowohl die Verkehrsunfälle (plus 25,3 Prozent) als auch die Zahl der Verletzten (plus 19 Prozent) stark angestiegen. Den stärksten Anstieg hat es jedoch bei der Anzahl der Toten gegeben, die von 31 im Jahr 2010 auf 42 im vergangenen Jahr stieg.

Südtirol Online am 07.06.2012 (Auszug)

Verkehrsunfälle drastisch verringert: Sicherheitsmaßnahmen wirken

Auch wenn jeder einzelne Verkehrsunfall tragisch ist, insgesamt sind Südtirols Straßen in den letzten Jahren sicherer geworden: “Jahr für Jahr passieren weniger Unfälle, die Zahl der Verletzten ist gesunken und jene der Verkehrstoten drastisch zurückgegangen”, so Landesrat Florian Mussner, der auf die vielen Maßnahmen verweist, die das Bautenressort des Landes für die Verkehrssicherheit gesetzt hat.

Heutige Mitteilung des Landespresseamtes (Auszug) in Bezug auf die Daten von 2011.

Siehe auch: 1/ 2/

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Doch Südtiroler in Schladming.

Bei der Meldung der Tageszeitung und anderer Medien, wonach der italienische Skiverband eine offizielle Beschwerde eingereicht hätte, weil einige Athleten in Schladming vom offiziellen Speaker als »unsere Freunde aus Südtirol« und nicht als Italiener vorgestellt worden waren, handelt es sich offenbar um eine Ente. Ich hatte die Nachricht hier wiedergegeben, zeitgleich jedoch auch den Präsidenten des Skiverbandes, Flavio Roda, angeschrieben und um eine Erklärung gebeten. Seine Antwort lässt kaum Interpretationsspielräume:

Gentilissimo
A nome della Federazione e mia sono stupito della sua mail, visto che non esiste nessuna protesta, anche perché non vedo ragione in merito, non so da dove vengano queste affermazioni e ho provveduto personalmente a smentire tramite ANSA queste voci, e le garantisco di essere onorato di avere tanti sud-tirolesi che rappresentano la nostra Italia. La saluto cordialmente Flavio Roda

Traurig, dass wir als Blog es sind, die für Aufklärung sorgen — und es professionelle Medien offenbar nicht für nötig erachten, bei den im Bericht genannten Personen nachzufragen. Trotzdem drängt sich die Frage auf, wer solche Nachrichten überhaupt in Umlauf setzt.

Nachtrag:

Auch die Organisatoren von Schladming bestätigen, dass es keinerlei Beschwerde gegeben hat:

Sehr geehrter Herr Constantini,

wir haben weder eine mündliche, noch eine schriftliche Beschwerde des italienischen Skiverbandes vorliegen.

Beste Grüße,

Mag. Hans Grogl
i.A. Georg Skopek
Administration Sport
schladming2013
WSV Schladming

Merkwürdig und irreführend bleibt, dass die Nachricht von einem Medium, das sich des Prädikats »approvato FISI« (mit Zustimmung des italienischen Skiverbandes) erfreut, noch immer nicht zurückgezogen wurde.

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Die Verwurzelung der Alpini.

Im Zusammenhang mit dem anstehenden Alpinitreffen in Bozen wird regelmäßig die starke Verbundenheit zwischen den Militärs und Südtirol beschworen. Jetzt liefert die Tageszeitung A.Adige einige Zahlen, die General Primicerj genannt hat — und die sagen einiges aus über die angebliche Liebe der Südtiroler für die Alpini: Von den insgesamt über 13.000 derzeitigen Mitgliedern der italienischen Gebirgstruppen stammen 95 aus der Region (also aus Südtirol und Trentino zusammen). Das sind ganze 0,73%. Und dies, obschon der »freiwillige« Militärdienst auch noch Voraussetzung für eine Stelle bei der italienischen Polizei ist.

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Bevorzugte »Ausländer«? Nicht wirklich…

Wie in Südtirol die Mär vom bevorzugten »Ausländer« entsteht und wovon sie sich nährt, lässt sich ausnahmsweise an einem konkreten Fall gut nachvollziehen, der sich kürzlich in Brixen abgespielt hat und weitgehend schriftlich erfasst ist.

Frau Verena G. will ihr Kind in den geographisch nächstgelegenen Brixner Kindergarten einschreiben, muss aber bestürzt feststellen, dass für ihre Zone ein anderer Kindergarten zuständig wäre. Man sagt ihr, sie könne ihr Kind gerne auf eine Warteliste setzen lassen, garantieren könne man ihr einen Platz aber nicht. Schließlich reiche es, dass eine Familie zuwandere und ihren Nachwuchs hier anmelde — die habe dann selbstverständlich Vorrang. Zuwandern, dieses Stichwort bestimmt den weiteren Verlauf der Geschichte.

Frau G. beschließt, ihren Fall öffentlich zu machen, beschreibt ihre Erfahrung mit drastischen Tönen in einem Leserbrief und kommt darin zum Schluss, man müsse zum Rassisten mutieren, wenn man als Südtiroler bald weniger Rechte habe, als ein »Ausländer«. Man weiß nicht ob es Vorsatz ist oder doch eher ein Missverständnis, jedenfalls bleibt unerwähnt, dass völlig irrelevant ist, ob eine Brixner Familie von einem anderen Stadtteil in das Einzugsgebiet des Kindergartens »zuwandert«, oder eine Familie aus dem Ausland. Wer sein Kind in einen anderen Kindergarten schicken möchte, als den für seine Wohngegend zuständigen, hat immer Nachrang.

Eine Schlüsselrolle spielt in diesem Fall sicherlich das Medium, das einen Brief mit derart schwerwiegendem Inhalt unüberprüft veröffentlicht hat: Die Tageszeitung Dolomiten. Das ist fahrlässig, gefährlich und unprofessionell.

Von dort nimmt die Falschinformation ihren Weg zu den Stammtischen — und zu Facebook, wo sich eine wachsende Meute darüber hermacht. Schließlich ist es die Bestätigung einer »Tatsache«, die ohnehin »alle kennen«: Die »Ausländer« wandern in unsere Sozialsysteme ein und machen sich darin breit, die Politik scheint gar kein anderes Interesse zu verfolgen, als es »ihnen« so bequem wie möglich zu machen.

Da helfen bereits keine rationalen Argumente mehr, und auch SVP-Sekretär Philipp Achammer, der immer wieder auf eine klärende Stellungnahme der zuständigen Brixner Stadträtin, Magdalena Amhof, aufmerksam macht, ist nicht sonderlich viel Erfolg beschieden.

Wie so oft nährt sich das Vorurteil aus der unüberprüften Anekdote (»ich kenne jemanden, dem ist dies und jenes widerfahren…«) und nicht aus Fakten (»Gesetz x, Verordnung y besagt, dass Zuwanderer jenes Privileg haben…«). Es könnte auch gar nicht anders sein, denn wennschon haben wir genau das gegenteilige Problem: Solange die neuen Südtiroler — obwohl sie hier arbeiten, Steuern zahlen, den demographischen Wandel auffangen und somit die Finanzierbarkeit unseres Sozialsystems unterstützen — kein Wahlrecht haben, wird kein Politiker einen wahren Anreiz haben, sich übermäßig um ihre Belange zu kümmern.

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