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Merano rimuove il film neofascista.
Red Land

In seguito alla denuncia pubblica di Thomas Kobler (OstWestClub), ripresa anche da , il Comune di Merano ha ora ritirato il proprio invito a visionare il film revisionista Red Land – Rosso Istria, corredato di indirizzo internet e password per accedervi gratuitamente. La raccapricciante iniziativa era comparsa in occasione della cosiddetta Giornata del ricordo, dedicata alle Vittime delle foibe ma regolarmente usata per fare propaganda neofascista, raccontando la Storia in modo parziale, decontestualizzato e autoassolutorio.

Vari storici hanno accusato Antonello Belluco (sceneggiatore) e Maximiliano Hernando Bruno (regista) di aver contribuito attivamente a un’interpretazione distorta dei fatti, con i fascisti nel ruolo dei «buoni» e i partigiani in quello dei «cattivi».

Il Comune di Merano è attualmente amministrato dalla Commissaria ed ex-prefetta Anna Bruzzese.

Come precisa Thomas Kobler su Facebook, non sarebbe ancora stato possibile chiarire chi fosse responsabile dell’inziativa e in particolare dell’acquisto della pellicola.

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Meran kauft neofaschistischen Film.
Karsthöhlen

Die Burggräfler Stadtgemeinde hat den neofaschistischen Schinken Red Land – Rosso Istria von 2018 angekauft, in dem es um den Zweiten Weltkrieg in Istrien (im Allgemeinen) und um Norma Cossetto (im Besonderen) geht. Anlässlich des sogenannten Tages der Erinnerung, an dem in Italien seit einigen Jahren der einseitige Opfermythos der Kartshöhlen (die sogenannten Foibe) kultiviert wird, bietet die Stadt Meran den Film nun zur kostenlosen Ansicht im Internet an.

Ausschnitt Webauftritt der Gde. Meran – Schwärzungen von mir

Auf diesen Umstand weist heute Thomas Kobler vom OstWestClub in einem zu Recht empörten FacebookEintrag hin. Er will demnach auch in Erfahrung bringen, ob der »Schund« bereits vor Einführung der kommissarischen Verwaltung angekauft wurde — und damit in den Verantwortungsbereich des damaligen italienischen Kulturassessors fällt — oder ob die Verharmlosung des italienischen Faschismus in die Verantwortung der Kommissärin fällt.

Eigentlich hatte der Meraner Gemeinderat 2018 — genau dem Jahr, an dem Red Land erschienen ist — die Stadtverwaltung dazu verpflichtet, kulturelle Initiativen zu fördern, die die Bedeutung des Antifaschismus vermitteln. Hier ist das genaue Gegenteil der Fall.

Mehr zum Film:

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Aufruf zu einer antikolonialistischen Aktion.
Wu Ming / Yekatit 12

Der 19. Februar (oder, laut äthiopischen Kalender, Yekatit 12) ist der Jahrestag des Pogroms von Addis Abeba, einem der schlimmsten Kriegsverbrechen, die vom italienischen Königreich in seinen Kolonien verübt wurden. Seit Jahren steht der Vorschlag im Raum, aus diesem Datum offiziell eine Gelegenheit des Gedenkens zu machen.

Angesichts der ewigen Untätigkeit der Institutionen schlägt das Wu-Ming-Kollektiv nun aber vor, das Gedenken von unten herbeizuführen — durch gezielte Aktionen, die eigenmächtig und dezentral am kommenden 19. Februar durchgeführt werden sollen.

Wu Ming selbst betreibt seit mehreren Jahren und bei unterschiedlichsten Anlässen eine sogenannte »Straßennamen-Guerilla«, in deren Rahmen problematische Ortsbezeichnungen überklebt und ersetzt oder »vervollständigt« werden.

Quelle: Wu-Ming-Foundation/Giap

Für solche oder ähnliche Aktionen — der Fantasie der Teilnehmenden wolle man bewusst keine Grenzen setzen — hat das Kollektiv nun für den kommenden 19. Februar eine Onlinekarte mit möglichen Zielen erstellt, in der auch Südtirol vertreten ist. Allerdings sind darin bis dato nur die Amba-Alagi- und die Antonio-Locatelli-Straße in Bozen sowie die Dreizinnenhütte (auch Antonio-Locatelli-Hütte) vermerkt. Weitere Ziele für kreative Aktionen könnte aber zum Beispiel das Postcolonial-Italy-Projekt aufzeigen, das in Südtirol 15 »kolonialistische Orte« ausgemacht hat.

Siehe auch:

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Dickes Weh.
MC J.W.A disst Greta derb und gewinnt Rap-Battle gegen Altmeister HC

Nichts weniger als die größte Revolution des Musikbusiness seit dem Erscheinen der bahnbrechenden Hansi-Hinterseer-Alben “Meine Lieder, deine Träume” und “Vater, dein Wille geschehe” im Jahre 2002 ist der legendären Südtiroler Spaßtruppe SSB feat. MC J.W.A gelungen. Mit ihrem Gangstaidentitätsmumblerootsreggaedancehallaggroüberetschrap definieren sie die Szene neu. Kritiker adeln diesen so genannten Eklektizismus-Hip-Hop als neues, absolut ernstzunehmendes Genre, während der österreichische Literaturnobelpreisträger Peter Handke anerkennend von einem krassen Nebeneinander von Werk und Scheiße spricht.

Geschickt nimmt J.W.A in “Mamma Tirol” (man beachte die subtile und respektvolle Referenz an den italienischen Kulturraum und an eine der ersten Ikonen der Schwulenbewegung aus Schweden) Anleihen bei allem, was nicht bei drei auf einem Baum ist, und mixt die Fragmente in einer grandiosen Widersprüchlichkeit der Kategorie “Hirnspagat” derart geschickt zusammen, dass selbst David Hasselhoff nach einer ersten Hörprobe nicht mehr daran glaubt, dass er es war, der mit “Looking for Freedom” die Berliner Mauer zu Fall gebracht hat, sondern dies, wie auch die deutsche Wiedervereinigung, nur die Vorboten des Freiheitssongs von SSB waren. 

So bedient sich J.W.A mit einer unschlagbaren “Traust-di-nie”-Attitüde ausgerechnet bei jenen, die seiner lyrischen Botschaft diametral entgegenstehen und derengleichen er als Verräter und Entwurzelte geißelt. Während die Berliner Multikulti-Truppe Seeed in ihrem Dancehall-Kracher “Dickes B” recht hölzern vor sich hinreimen und -rappen,

Die Berliner Luft im Vergleich zu anderen Städten
Bietet leckersten Geschmack, allerbeste Qualitäten […]
Früher ging’s in Berlin um Panzer und Raketen
Heute lebe ich im Osten zwischen Blümchentapeten […]
Coolnessmäßig platzt die Stadt aus allen Nähten
Aber wo sind jetzt die Typen, die auch ernsthaft antreten […]

Dickes B, Home an der Spree
Im Sommer tust du gut und im Winter tut’s weh
Mama Berlin Backsteine und Benzin
Wir lieben deinen Duft, wenn wir um die Häuser zieh’n

wird in der Interpretation von J.W.A ein melodiöser sieben-dreiviertel-hebender jambischer Anapäst-Trochäus daraus:

Die Tiroler Luft, im Vergleich zu anderen Ländern
Leckeren Geschmack, sogar im November […]
Früher hatten in Tirol die Menschen noch Vision
Heute leben wir im Süden in der falschen Nation […]
Coolnessmäßig platzt das Land aus allen Nähten
Aber wo sind die Typen, die unsere Werte noch vertreten? […]

Die DNA des SSB
Manchmal tut’s gut und manchmal tut’s weh
Mamma Tirol mag Sepp und Jasmin
Der Glaube an die Freiheit ist unser Benzin

Sampling ist in der Roots-Reggae- und Dancehall-Szene ein gängiges Phänomen. So wurde beispielsweise der von Seeed kreierte Riddim “Doctor’s Darling”, der für sie selbst als Grundlage für ihren Song “Waterpumpee” (feat. Anthony B.) diente, von der jamaikanischen Dancehall-Queen Tanya Stephens für ihren Welthit “It’s a pity” recycelt und die Berliner Band dadurch in den Reggae-Olymp erhoben. J.W.As Textsampling ist nur die konsequente Fortführung dieser Praxis und die damit einhergehende Adelung durch den Südtiroler Eklektizismus-Papst für Seeed ein weiterer Meilenstein in ihrem Streben, als ernstzunehmende Musikkapelle anerkannt und wahrgenommen zu werden.

Das Thema Widerspruch ist ein wiederkehrendes Motiv in J.W.As Lyrik. Während man nach oberflächlicher Betrachtung unter den zitierten “Tiroler Werten” durchaus auch eine christliche Überzeugung ausmachen könnte, gräbt J.W.A tiefer, befreit die traditionellen Werte vom Ballast des tieferen Sinns und offenbart ihren Kern: Xenophobie, Homophobie und Misogynie. Der Ausländer ist Schuld, der Schwule ist pervers und die Frau ein Sexobjekt. Mit diesem Kunstgriff schafft er die textliche Brücke zu anderen großen Hip-Hoppern wie Tupac oder dem frühen Eminem und lehnt sich in der frauenverachtenden Videoästhetik an Nelly oder Snoop Dogg an. Szenekenner werfen J.W.A jedoch nicht ganz zu Unrecht vor, dass – was die Xenophobie anbelangt – auch bereits der legendäre Gangstarapper HC Strache mit dem Kreuz in der Hand etwas vom christlichen Abendland schwafelte und gleichzeitig unverhohlen mit seinen menschenfeindlichen Parolen die christliche Botschaft konterkarierte. Unbestritten ist J.W.As Flow jenem von HC haushoch überlegen, was das Abkupfern nicht ungeschehen, aber für Musikfeinspitze um einiges verzeihlicher und erträglicher macht.

Eine weitere Battle entscheidet J.W.A ebenfalls klar für sich. Indem er Greta Thunberg für ihr Engagement disst, hat es der im Battling nicht unerfahrenen Schwedin (Stichwort Twitter-Beef mit Trump) die Sprache verschlagen, weil auch sie fälschlicherweise – wie so viele andere – den Respekt vor der Natur für einen “Tiroler Wert” hielt.

So neu J.W.As eklektizistischer Ansatz, so oldschool sind die Quellen seiner Referenzen. Da liegt vielleicht das einzige Manko im wagnerschen Gesamtkunstwerk “Mamma Tirol”. Um den Kontakt zu jenem Rap-Publikum nicht zu verlieren, für die Run DMC, Public Enemy, Sugarhill Gang und Grandmaster Flash alkoholische Mischgetränke sind, und um für die jugendliche Zielgruppe nicht peinlich zu wirken, präsentiert J.W.A etwas unbeholfen Unterarmtattoos, die zwar einem millionenschweren Fußballerstligaspieler das Wasser reichen können, einem Post Malone oder 6ix9ine aber bloß ein müdes Lächeln abringen.

An Street-Credibility fehlt es den Südtiroler Gangstan aber dann insgesamt doch nicht. Dafür sorgt die gezielte Provokationsmaschinerie des SSB, die die nach Aufmerksamkeit heischenden Farid Bang und Kollegah (bürgerlich Felix Martin Andreas Matthias Blume) mit ihren definierten Auschwitzinsassenkörpern ziemlich alt aussehen lässt. Die Echo-Nominierung für J.W.A (der Preis wird extra für diesen Anlass reaktiviert) dürfte also eine fixe Bank sein. Die empörten Reaktionen der Twitteria ebenso. Campino meldet sich zu Wort. Es folgt die Ausladung von der Verleihung, so wie sie einst auch dem Südtiroler Satireprojekt Frei.Wild widerfahren ist. Und damit schließt sich der Kreis.

Aber auf öde Preisverleihungen und schnöde Trophäen ist J.W.A ohnehin nicht angewiesen. Für ihn soll der Hype um “Mamma Tirol” noch lange nicht der Zenit seines Erfolges sein. Seine unglaubliche Lebensgeschichte wird demnächst unter dem Titel “Straight outta Kaltern” verfilmt werden. Für den Soundtrack haben sich die Niggaz Wit Attitudes zu einer spektakulären Reunion entschieden. Lediglich Eazy-E hat sich geweigert als Hommage an J.W.A von den Toten aufzuerstehen. Was für ein Weh, ein dickes!

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Verlust von Verständigung und Bereicherung.
Quotation 642

Dem Majorisierungs- und Entnationalisierungsdruck, dem die Nachkriegsminoritäten seitens nationaler Mehrheiten ausgesetzt waren, entsprachen rasch die ethnozentrische Verhärtung der Minderheiten selbst und der damit einhergehende Verlust interkultureller Verständigung und Bereicherung. So auch in Südtirol, das sich nach Kriegsniederlage und Abtrennungserfahrung — zumindest in der Perspektive von deutsch- und ladinischsprachiger Landesbevölkerung — zunächst um ein geeignetes, identitäres Narrativ bemühen musste und sich gewissermaßen kollektiv neu zu erfinden hatte.

aus Kafka in Meran – »Unser Städtchen liegt…«, Patrick Rina, Veronika Rieder (Hg.), Edition Raetia, Bozen 2020; zitiert auf Salto von Hannes Obermair (26. Dezember 2020)

Siehe auch:

Geschichte Publikationen | Quote | Hannes Obermair | Salto | Europa Südtirol/o | | Deutsch

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Italien eröffnet Kolonialmuseum wieder.

Die Black-Lives-Matter-Bewegung trägt weltweit dazu bei, dass koloniales Erbe auf den Prüfstand kommt. Statuen und Monumente im öffentlichen Raum werden hinterfragt. In mehreren Ländern wurden bereits offiziell Maßnahmen ergriffen, um Gut, das aus ehemaligen Kolonien stammt, zu erfassen und zumindest teilweise an die rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.

Viele Staaten tun sich mit dem Umgang mit ihrer Kolonialgeschichte sehr schwer, doch wohl kein anderes schafft es, wie Italien, ausgerechnet in dieser historischen Phase ein Kolonialmuseum wiederzubeleben, das vor einem halben Jahrhundert »endgültig« geschlossen wurde.

Ursprünglich war das Museo Coloniale 1923 persönlich vom faschistischen Diktator Benito Mussolini eröffnet worden, der von einem glorreichen Imperium nicht nur träumte, sondern es — mit brutaler Gewalt und ohne Rücksicht auf das Völkerrecht — auch umsetzen wollte.

Der Grundstock des Museumsinventars stammte zunächst von unterschiedlichen Wanderausstellungen, die nicht selten auch als Menschenzoos ausgelegt waren. Sie sollten bei den Besucherinnen nicht sosehr einen Erkenntnisgewinn, sondern vor allem ein Überlegenheitsgefühl hervorrufen.

Schon 14 Jahre nach seiner Eröffnung musste das Museum 1937 vorläufig geschlossen werden, weil die Faschisten in Afrika derart viele Gegenstände erplündert hatten, dass eine Inventur und Neuausrichtung nötig erschien.

Die Wiedereröffnung ließ bis 1947 auf sich warten, als Italien bereits eine Republik war und fast alle seine Kolonien verloren hatte. Die Kollektion umfasste damals schon rund 12.000 größtenteils in Afrika gestohlene Objekte. Erst 1971 wurde das Museo Coloniale oder Museo dell’Africa Italiana endgültig geschlossen.

Doch nun soll es zwischen 2020 und 2021 im Rahmen des staatlichen Museo delle Civiltà (MuCiv) in Rom als Museo Italo Africano wiedereröffnet werden. Gewidmet ist es nun der Journalistin Ilaria Alpi. Aus der direkten Kontinuität mit dem einstigen Museo Coloniale macht MuCiv keinen Hehl.

Ausschnitt Webauftritt des MuCiv

Freilich soll die Gestaltung »kritisch« sein und die Rolle Italiens in Afrika hinterfragen. Doch allein die Tatsache, dass ein derartiges Museum im 21. Jahrhundert nicht als Aufarbeitungsstätte ohne Raubgut, sondern mit den alten Ausstellungsstücken des Kolonialmuseums wieder in Betrieb genommen wird, konterkariert jegliche Bemühung ganz grundsätzlich. Es findet nicht nur keine Rückgabe, sondern eine weitere — wenngleich humanere — Inbesitznahme statt.

MuCiv-Direktor Filippo Maria Gambari glaubt sogar, die Ausstellung könnte Migrantinnen die Gelegenheit bieten, »mit ihrer Kultur in Berührung zu kommen«. Eine an Paternalismus und Überheblichkeit wohl nur schwer zu übertreffende Ansicht.

Siehe auch:

Colonialismi Cultura Faschismen Geschichte Kunst Migraziun Racism | Geschichtsaufarbeitung | | | Afrika Italy | | Deutsch

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Autorinnen und Gastbeiträge

100 Jahre Südtirol bei Italien – und was dabei »zu erinnern« ist.

Leserbeitrag von Walter Kircher

Absolut salonfähig ist inzwischen die offizielle, italienische Entsprechung für Südtirol — Alto Adige! Wenn man weiß, dass Alto Adige ein erstes Mal von Napoleon erfunden wurde, um Tirol von den Landkarten zu löschen (Tirol war damals ein erstes Mal geteilt in Südbayern und eben Alto Adige), dann müsste dieser Begriff zu denken geben. Wenn man die Geschichte kennt und respektiert.

Alto Adige verschwand mit dem Wiener Kongress in der Mottenkiste der Geschichte, bis dann – gegen alles Völkerrecht – das heutige Südtirol dem Königreich Italien zugeschlagen wurde. Alto Adige war ab sofort die Bezeichnung für etwas, was nicht mehr Tirol/Südtirol heißen durfte!

Dass diese Bezeichnung heute der offizielle Name unseres Landes ist, ist ein wahrer Skandal, schlimmer als die Erhaltung des »Siegesdenkmals« in Bozen! Es ist offensichtlich der Wille der Mehrheit unserer italienischen Mitbürger, zum Ausdruck zu bringen, dass es dieses unser gemeinsames Land kolonisierend weiterhin zu italianisieren gilt!

Es ist unseren italienischen Mitbürgern unbenommen, unser Land zu nennen wie sie meinen, aber die offizielle Bezeichnung sollte einvernehmlich und im Respekt vor der Geschichte festgelegt werden.

Löblich ist die Initiative des italienischen Bergrettungsdienstes, wenigstens die ladinische Entsprechung Adesc Alt aus dem Vereinsnamen zu entfernen.

Zum »Hundertjährigen« ist auch an die »Zerreißung Ladiniens« zu erinnern! Im Mitteleuropa des dritten Jahrtausends ein ebenfalls unwürdiger Zustand.

Die Verwendung von Alto Adige ist ein Gradmesser für Geschichtsbewusstsein im Allgemeinen, sowie des Respekts vor der Geschichte des Landes Tirol. Der Denali in Alaska lässt grüßen!

Der Denali (von 1917 bis 2015 offiziell Mount McKinley) in Alaska ist mit 6190 Metern Höhe der höchste Berg Nordamerikas. „Denali“ ist der traditionelle Name des Berges, ein Wort aus der athapaskischen Sprache des nordamerikanischen Indianerstammes Koyukon, das „der Große“ oder „der Hohe“ bedeutet. … 1897 versuchte ein anderer Goldgräber, den Namen Mount McKinley zu etablieren, nach dem damaligen Präsidentschaftskandidaten William McKinley, der dann auch zum 25. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt und kurz nach seiner Wiederwahl im Jahr 1901 ermordet wurde. Amtlich wurde dieser Name 1917 im Gesetz zur Gründung des Mount-McKinley-Nationalparks, das auch den Berg offiziell benannte.

Im Zuge des wachsenden Respekts vor den Traditionen der indianischen Ureinwohner beschloss die Geographie-Behörde des Staates Alaska 1975 die Rückbenennung in Denali. Seitdem verwenden alle Publikationen des Staates diesen Namen. 1980 wurde der Nationalpark im Bundesgesetz Alaska National Interest Lands Conservation Act in Denali-Nationalpark umbenannt. Eine Umbenennung des Berges selbst kam auf Bundesebene zunächst nicht zustande, weil Politiker aus Ohio, der Heimat von William McKinley, die Pläne lange Zeit blockierten. Am 29. August 2015 änderte das Geographic Names Information System (GNIS) auf Anweisung der Innenministerin Sally Jewell und in Abstimmung mit dem Präsidenten Barack Obama den amtlichen Namen in „Denali“. Das GNIS führt noch über 40 weitere, inoffizielle Namen für den Berg.

– Gekürzt aus: Wikipedia.

Außendarstellung Geschichte Kohäsion+Inklusion Ortsnamen | Geschichtsaufarbeitung Zitać | | | Italy Ladinia Südtirol/o Tirol USA | CAI | Deutsch

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Kein Denkmal ist für die Ewigkeit.
Quotation 629

Die Verteidiger kolonialer und anderer Denkmäler geben vor, die Geschichte zu verteidigen, allerdings versuchen sie nur eine bestimmte Gedächtnislandschaft einzufrieren aus einer Zeit, als die Welt aus ihrer Sicht offenbar noch in Ordnung war. Denkmäler werden aber ständig errichtet und auch wieder entfernt oder sie verfallen. Einen bestimmten Zustand zu konservieren, ist rückwärtsgewandte Identitätspolitik! Und hier kommen wir zu des Pudels Kern: Da Denkmäler Monumente kollektiver Identität sind, ist der Streit um Denkmäler auch ein Streit darüber, wer darüber mitreden kann und darf und wer Gehör findet.

Jürgen Zimmerer, Professor für Globalgeschichte mit Schwerpunkt Afrika an der Universität Hamburg, Leiter der Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe in Kein Denkmal ist für die Ewigkeit, 4. September 2020, Zeit Online

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