Der SGB und die »Landespost«.

Die Gewerkschaft SGB (CISL), die seit Jahren die Daseinsberechtigung des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB) in Frage stellt und bekämpft, fordert nun das Land auf, die Gespräche zur Übernahme des Postdienstes fortzuführen. Während der letzten Jahre seien in Südtirol bereits mehr als ein Drittel der Beschäftigten entlassen wurden, nun drohten weitere Einschnitte — wohl zu Lasten der ohnehin schon mäßigen Qualität der Dienstleistung. Der SGB schlägt vor, im Rahmen des Mailänder Abkommens und der darin vorgesehenen Möglichkeit zur Übernahme staatlicher Zuständigkeiten die Post in Südtirol finanziell zu unterstützen. Dabei blieben sowohl die Infrastruktur, als auch die Organisation und das Personal in der Verantwortung der italienischen Post. Es ist freilich eine äußerst beschränkte Auffassung von Autonomie, wenn sich diese darauf beschränken soll, staatliche Dienstleistungen zu finanzieren. Das Mitspracherecht bliebe vermutlich sehr begrenzt. Allerdings dürfte dies genau die Art von »Zuständigkeit« sein, die auch das Land anstrebt. Umso unverständlicher ist die Forderung des SGB, wenn man bedenkt, dass die Post in Kürze an die Börse geführt werden soll: Wie kommt das Land Südtirol dazu, ein börsennotiertes — zumindest halbprivatisiertes — Unternehmen mit Gewinnabsichten finanziell zu unterstützen? Südtirol braucht wennschon endlich eine Post, die diesen Namen verdient, sich als echtes Dienstleistungsunternehmen für die Bevölkerung versteht und auch in Sachen Zweisprachigkeit endlich mit den jahrzehntelangen Missständen aufräumt. Über die eng gesteckten gesetzlichen Verpflichtungen hinaus. Poste Italiane mit Südtiroler Steuergeldern zu füttern wäre eine Verhöhnung der Bürgerinnen.

Siehe auch:

Gewerkschaften Plurilinguismo Politik Postdienst Recht Verbraucherinnen Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zuständigkeiten | Mailänder Abkommen | | | Südtirol/o | | Deutsch

Weiße Seiten »informiert«…

Sollte sich mal wieder jemand fragen, ob sich über 40 Jahre Autonomie (im Sinne einer Normalisierung der Zweisprachigkeit) gelohnt haben — hier ein kleiner Hinweis aus den Weißen Seiten. Falls Zweifel bestehen: Das ist der »deutsche« Teil des Telefonbuchs 2014/15 (nicht 1923/24), bei fast jeder und jedem zu Hause überprüfbar.

Weiße Seiten: Post.

Selbstverständlich wird man unter der empfohlenen Nummer nur einsprachig beraten. Und auch die Homepage gibt es nur auf Italienisch.

Aber: Nächstes Jahr wirds bestimmt besser!

Siehe auch:
 

Discriminaziun Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Postdienst Recht Service Public Sprachpfusch Verbraucherinnen Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato | | | Südtirol/o | | Deutsch

Zwei Fehlersuchbilder.

Diese beiden Briefmarken sehen auf den ersten Blick völlig identisch aus. Aber nur auf den ersten Blick. Bei der einen hat sich ein Fehler eingeschlichen, der auf der anderen nicht zu sehen ist. Wer findet ihn?

briefmarken-2zum Vergrößern klicken

Hier noch ein zweites – schwierigeres Beispiel. Wieder könnte man meinen, dass es sich um ein und dieselbe Marke handelt. Doch auch hier ist ein Fehler versteckt.

briefmarken-1zum Vergrößern klicken

Siehe auch:

Außendarstellung Comparatio Discriminaziun Kunst+Cultura Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Postdienst Service Public | Bilinguismo negato | | | Canada Italy Québec Svizra | | Deutsch

Landespost ade!

Es tut sich wieder einmal Großartiges in Sachen Autonomie: Die italienische Post wird dem Land sagen, wieviel Südtiroler Steuergeld sie ganz gerne hätte dringend braucht, um so weiterzuwurschteln, wie eh und je den Dienst in Südtirol wesentlich zu verbessern. Das Wichtigste aber ist: Jetzt schon, 43 Jahre nach Inkrafttreten des zweiten Autonomiestatuts, wird es einen (wohl mit Südtiroler Steuergeld bezahlten) Ansprechpartner für die Zweisprachigkeit geben (Hauptqualifikation vermutlich: Vertröstung) und — Trommelwirbel — die Post wird »Schritt für Schritt« den Proporz umsetzen. Freudentränen, Korkenknallen. Wir sind erleichtert.

Landespost wird es keine geben, aber hey: Wir dürfen’s wenigstens zahlen!

Hier gehts zur Pressemitteilung des Landes.

Siehe auch:

Politik Postdienst Satire Tech&Com Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus Zuständigkeiten | Sprachgruppenproporz | | LPA | Südtirol/o | | Deutsch

Post national.

Ich habe gestern von der Post den Poste Italiane einen »Hinweis auf lagernde Korrespondenz« erhalten, wobei ich erfahre, dass ich ein gewöhnliches einschreiben im Ufficio Bressanone – ID Uff. 88235 abholen kann. Es liege in der via San Cassiano 2 in Bressanone und sei aus MO zu FR aus 8.20 zu 19.00 oder am SA aus 8.30 zu 12.30 geöffnet.  Wenn ich jemand anderen mit der Abholung beauftragen möchte, ist eine Unterschrift der beauftragenden Persone erforderlich. Der Hinweis wurde in Data 05/02/2015 ausgestellt.

Fürwahr eine Vorzeigeautonomie, die nach bald 100 Jahren staatlicher Zugehörigkeit (bzw. 70 Jahren Autonomie bzw. 40 Jahren zweiten Autonomiestatuts) keinen zweisprachigen Postdienst hinbekommen hat. Kommet, Frau- und Herrschaften, kommet aus Katalonien und Québec und schauet euch ab, wie man es macht!

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Postdienst Recht Sprachpfusch Verbraucherinnen Zentralismus | | | | | | Deutsch

Post von Wahlen überrascht.

Wer hätte ahnen können, dass jetzt schon wieder Wahlen sind? Genau jetzt, wo auch die Gelben und die Weißen Seiten verteilt werden müssen? Die italienische Post ganz sicher nicht.

Wie das Tagblatt A. Adige heute schreibt, ist der agile Staatsbetrieb mit der Wahlwerbung völlig überfordert, in seinen Lagern stapeln sich zudem die Telefonverzeichnisse, die eigentlich schon längst hätten ausgeteilt sein müssen. In mehreren Zonen des Landes ist die Verteilung gänzlich zum Erliegen gekommen, in allen übrigen müssen nicht wahlrelevante Sendungen hintangestellt werden. Einschließlich der Tageszeitungen, die vielfach bestenfalls am Nachmittag beim Abonnenten sind. Alles vor dem Wochenende zu verteilen werde man aber trotzdem nicht schaffen.

Man muss schon sagen: Schade, dass die Vollautonomen es nicht geschafft haben, den Postdienst an(s) Land zu ziehen. Grundlage zur Übernahme dieser Zuständigkeit hätte ja das Mailänder Abkommen sein sollen — und wir wissen alle, was daraus geworden ist. Kurios ist nur, dass man in diesem Kontext auch noch an die Einführung der Briefwahl denken konnte. Ob es den Realisten da nicht einmal mehr an Realitätssinn gemangelt hat?

Medien Postdienst Tech&Com Vorzeigeautonomie Zentralismus | Landtagswahl 2013 | | AA | | SVP |

“Post-national.”

Heute im einsprachig deutschen Schweizer Kanton Basel-Stadt: Meinem mitreisenden umbrischen Bekannten fällt ein, dass er für die italienische Steuererklärung den Auszug seines Schweizer Postkontos für das Jahr 2012 braucht. Wir begeben uns also zur Post (PostFinance), wo er zunächst fragt, ob er mit der Dame am Schalter — pardon, am Tresen — Französisch sprechen darf, weil es ihm leichter falle, als Deutsch. »Ja, selbstverständlich!«

Doch als sie uns miteinander Italienisch reden hört, schwenkt sie automatisch auf diese Sprache um. Den Auszug werde sie — »naturalmente« — auf Italienisch ausdrucken, wenn er ihn für den italienischen Fiskus benötige. Dann empfiehlt sie ihm noch, das Konto in ein spesenfreies KontoPlus umzuwandeln, da er die entsprechenden Voraussetzungen erfülle. Sie verschwindet kurz hinter einer Tür und kommt mit dem italienischen Prospekt wieder.

PostFinance-Prospekt.

Die Lesenden werden sich vielleicht der Tragweite dieses völlig unscheinbaren Vorfalls bewusst: In Südtirol, wo es eigentlich genaue Zweisprachigkeitsvorschriften gibt, sind viele Formulare und Prospekte (bei der Post und anderswo) nicht in deutscher Sprache verfügbar. Zudem ist es in der Hauptstadt unseres mehrheitlich deutschsprachigen Landes bisweilen schwierig, auf Deutsch bedient zu werden. Zurückzuführen ist dies wohl vor allem auf die »nationalstaatliche Logik« — dass nämlich die italienische Post (wie auch sonst sehr vieles) grundsätzlich auf Italienisch funktioniert und die Mehrsprachigkeit höchstens ein Zugeständnis, eine Ausnahme, ist.

In der Schweiz funktioniert der Dienst aufgrund der mehrsprachigen Prägung des Landes grundsätzlich mehrsprachig, was selbst in einsprachigen Regionen einen mehrsprachigen Kundendienst gestattet.

Auf Italien umgelegt ist Basel nicht mit Bozen zu vergleichen, sondern etwa mit Mailand. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Südtiroler dort aus reiner Kundenfreundlichkeit im Postamt auf Deutsch bedient wird und ein Prospekt in deutscher Sprache bekommt (wenn dies offenbar nicht einmal in Südtirol im vorgeschriebenen Umfang möglich ist)?

Das mehrsprachige Land fördert die Mehrsprachigkeit in einsprachigen Regionen, während der Nationalstaat die Einsprachigkeit in mehrsprachigen Gegenden begünstigt. Das ist eine subtile, aber wirksame Tendenz.

Siehe auch:

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Poste: meglio chiuse che sudtirolesi.

Sembra questa ormai la massima del governo centrale, applicabile ai contesti più svariati. Da mesi il governo sudtirolese sta proponendo invano a Roma di assumersi l’onere della distribuzione postale, in attuazione di un meccanismo previsto dall’accordo di Milano: contribuire al risparmio attraverso l’assunzione di nuove competenze. Ora apprendiamo che invece saranno chiusi ben tredici uffici postali, ad Antholz, S. Paolo (Appiano), Sulden, Oberbozen, Sinigo, Kardaun, Girlan, Blumau, St. Johann (Ahrntal), Deutschnofen, Reschen, Steinegg, Stelvio. Assieme alla chiusura, ormai quasi certa, delle sezioni distaccate del Tribunale e a quella prevista, ma per ora sventata, dei piccoli ospedali, si tratta di un contributo alla cannibalizzazione della qualità  della vita nei centri minori.

Così, invece che a un risanamento, stiamo assistendo alla distruzione, giorno dopo giorno, di un tessuto economico funzionante. Sono di oggi le notizie che in Sudtirolo, rispetto al 2011, sono aumentati in maniera preoccupante sia la disoccupazione, sia i fallimenti aziendali.

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