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Auf Frosch folgt Hirsch.

In einer Pressemitteilung kritisieren die Jungen Grünen die gegenwärtige Ausstellung im Museion scharf. In »Madame Hirsch« porträtiert die Fotografin Brigitte Niedermair das mondäne Leben der Renate Hirsch Giacomuzzi.
»Geschmacklos« nennen das die Jungpolitiker in Krisenzeiten und meinen damit nicht so sehr die Kunst, sondern die Opportunität, eine derartige Ausstellung überhaupt zu organisieren: »Die Werktätigen, welche alle Steuern zahlen müssen und Steuerparadiese nur vom Namen her kennen, dürfen diese, ihre eigene Verhöhnung auch noch selbst bezahlen.« Damit erliegen die Grünen dem selben zensorischen Reflex wie dazumal die Gegner von Kippenbergers Frosch, die ebenfalls über die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk hinausgeschossen waren.
Sie zeigen, dass ihnen auch der Frosch bloß ob seiner provokativen Wirkung genehm war, dass sie aber selbst nicht viel von der Freiheit der Kunst und der Unabhängigkeit einer Museumskuratorin halten.

Ihren Vorwurf, nach der Froschaffäre werde nur noch »biedere» Kunst gezeigt, kann man nach so kurzer Zeit noch nicht bestätigen. Auf ähnliche Weise könnte man aber sagen, die Jungen Grünen hätten sich nach der Selbstbestimmungs-Affäre auf sichereres Terrain zurückgezogen. Bei dieser Pressemitteilung ist schließlich nicht zu erwarten, dass sie auf Druck der Mutterpartei zurückrudern müssen.

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Tate Modern, London.

Explicit.

See also: 1/

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Transart.

Vibrierend wie nie zuvor hat auch in diesem Jahr die Transart ihren Lauf genommen. Ausgehend von der Musik, dem Thema dieser Ausgabe, bewegt sie sich programmatisch am Limit unterschiedlicher Kunstgattungen, sondiert Kontraste und Affinitäten aus, wagt sich experimentell an den äußeren Rand des Kunstbegriffes — um dessen Um- und Neudefinition sie nicht in Verlegenheit gerät.

Die Transart bietet dabei reichlich mehr Tiefgang als die maue Manifesta, und geht direkt auf Tuchfühlung mit dem Zeitgeist. Das Organisatorenteam bedient sich dazu der Mitarbeit höchstrangiger Akteure des internationalen Kunstgeschehens genauso wie unbeschriebener, dafür aber bisweilen umso waghalsigerer Lokalmatadoren – und führt einen Dialog auf Augenhöhe mit den Rezipienten. In diesem Sinne ist die Veranstaltung dazu angetan, den Humus im Lande nachhaltig zu verändern und in Schwingung zu versetzen.

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Zurück in die Heimat.

Auf einem Umweg über Spanien — von einem befreundeten Blog — kommt dieser Videoclip der Sportfreunde Stiller auf :

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Freiheit vor Doppelmoral.

Am vergangenen Donnerstag ist eine Abstimmung im Stiftungsrat des Museion mit einem überraschenden Ergebnis zu Ende gegangen. Überraschend deshalb, weil das Landespresseamt schon am Vortag einen anderen Ausgang als sicher verkauft hatte.

Den sechs hier oben verdanken wir es, dass sich die da unten mit ihrem Ansinnen nicht durchsetzen konnten, im Auftrag der wahlkämpfenden Politik Zensur auszuüben — knapper, als es die satte Zweidrittelmehrheit vermuten ließe.

Ihnen verdanken wir also, dass sich das Museion als Freiraum für moderne und zeitgenössische Kunst gegenüber der Bigotterie und der Doppelmoral eines nur vordergründig aufgebrachten Landes behauptet hat. Und es ist selten, dass heute von einem Museum eine derartige Kraft ausgeht.

Gesiegt haben die Demokratie und die liberalen Grundfreiheiten, aber auch all jene, denen das Werk missfällt. Sie können weiterhin frei entscheiden, welche Art der Kunst sie bevorzugen, und dabei die Freiheit der Kunst auf ihrer Seite wissen. Zurechtgestutzt wurde die Arroganz all jener, die wie Franz Pahl Erpressung für ein normales Mittel der Politik halten, und die sich volens nolens auf die Zeit der Bücherverbrennungen und der entarteten Kunst beriefen.

Die Freiheit, die Demokratie, der Rechtsstaat sind zarte Pflänzchen, die niemals so stark sein werden, dass sie auf den ehrlichen Einsatz der freiheitsliebenden Bürgerinnen verzichten können. Doch im Museion haben sie jetzt hoffentlich einen starken Verbündeten.

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Sollte Herr Pahl…

oder irgend ein anderer Politiker – mit oder ohne Hungerstreik – erreichen, dass ein Kunstwerk aus einem Museum entfernt wird, dann haben alle Südtiroler, denen an den liberalen Grundrechten, an den Menschenrechten, am Rechtsstaat und nicht zuletzt am Grundgesetz gelegen ist, die bürgerliche Pflicht, den Weg auf die Straße zu suchen.

Wer schweigt macht sich mitschuldig, und wir dürfen nicht zulassen, dass dieses Land von reaktionären Talibans überwältigt wird, die sich selbst zu Sittenwächtern erheben.

Ironisch übrigens, dass gerade Franz Pahl sich über die Rückständigkeit und Aggressivität der Moslems beklagt hat – Eigenschaften, die er nun ungeniert selbst an den Tag legt. Aus der Präsentation seines Buches mit geradezu prophetischer [!] Wortwahl:

[…]
In den 57 islamischen Staaten herrscht weltweit die Orthodoxie. Sie verstärkt sich immer mehr zur neototalitären Ideologie des Islamismus. Die Hoffnung auf einen aufgeklärten europäischen Islam ist eine Illusion.

[…]

Ihre Zahl wächst ständig. Sie bringen eine Weltanschauung mit, die mit dem demokratischen Rechtsstaat und den Menschenrechten unvereinbar ist.

[…]

Die orthodoxe islamische Weltsicht entrechte die Frauen und betreibe die Zerstörung der Demokratie durch “aggressive Missionierung, Massenzuwanderung und Lenkung der Finanzströme in vielen Banken”, erklärte Pahl weiter.

[…]

Südtirol habe den “Weg in die Scharia schon auf leisen Sohlen angetreten” und weiche bereits ängstlich zurück, meinte Pahl.

Hervorhebungen von mir.

Wie wahr Herr Pahl, den Weg in die Scharia haben wir angetreten! Nur gut, dass Sie sich zu einem Ramadan entschlossen haben.

1/ 2/

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Zuerst die Füße.

Zeitgenössische Kunst strebt ihrem Selbstverständnis nach nicht vordergründig nach Harmonie und Schönheit, sondern provoziert und rüttelt auf. Daher dürfte es ganz in ihrem Sinne sein, dass ein kirchlicher Würdenträger Einspruch erhebt, wenn ein gekreuzigter Frosch gezeigt wird. Freilich muss dann die Frage erlaubt sein (und gehört zum ausgelösten Denkprozess), ob der Bischof auf einer ethischen Grundlage handelt – ob er also ähnlich reagiert hätte, wenn der Angriff einer anderen Glaubensgemeinschaft gegolten hätte.

Etwas völlig anderes ist jedoch der Eingriff aus der Politik. Es ist äußerst bedenklich, wenn der Gesetzgeber seinen Einspruch erhebt und unter Umständen Kunst zensiert. Das ist dann keine »immanente« Auseinandersetzung mehr, sondern ein Angriff auf die Freiheit der Auseinandersetzung selbst. Im Jahr der zeitgenössischen Kunst, da Südtirol sich öffnen soll für den Diskurs um den Zustand und Fortschritt unserer Zivilisation, ist der kalte Wind aus dem Landhaus ein denkbar schlechter Auftakt. Im Augenblick scheint es, als könne das Museion dem Druck der Macht standhalten, sich ihm widersetzen. Sollte dies jedoch misslingen, wäre es das erschreckende Zeugnis einer feudalen Gegenwart — eine Offenbarung übrigens, die wir dann ebenfalls der Kunst verdanken.

Siehe auch: 1/ 2/

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Auf zu Käthe!

Schon seit dem 17. März läuft im Diözesanmuseum Hofburg Brixen eine ergreifende, ja erschütternde Ausstellung mit über 60 Arbeiten von Käthe Kollwitz. Vor wenigen Tagen hatte ich nun die Möglichkeit, mich mit dem vorzüglichen Werk der sozialkritischen deutschen Künstlerin auseinanderzusetzen. Unglaublich expressiv porträtiert sie in ihren Druckgraphiken und Zeichnungen den Schlesischen Weberaufstand oder die Inbrunst der Bauernkriege. Und meint damit auch unsere Zeit. Dabei ist die Ausstellung – in Zusammenarbeit mit dem Kölner Käthe Kollwitz Museum – wunderbar kuratiert und mit angenehmer Einfachheit und Zurückhaltung inszeniert.

Gleichzeitig bot sich mir die Gelegenheit, die Sammlung des Diözesanmuseums zu besichtigen: Ein kleiner, fast unbekannter Schatz im Herzen der Bischofsstadt, der – unter anderem – mit echten Perlen aufwarten kann.

Leider ist mir auch die gähnende Leere in Gängen und Ausstellungsräumen aufgefallen. Man möchte sagen: Perlen vor die Säue. Daher meine Einladung: Stürmt diese Ausstellung, sie ist ein echter Lichtblick im Südtiroler Kulturangebot. Noch bis zum 27. Mai.

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