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Belarus ist nicht Katalonien.

L’Estaca des katalanischen Komponisten und Sängers Lluís Llach hat sich über die letzten Wochen zu einer Hymne der Protestbewegung in Belarus entwickelt. Llach war in den 1960ern und -70ern im antifranquistischen Widerstand tätig, begründete 2012 die Assemblea Nacional Catalana mit und wurde 2015 für das separatistische Bündnis Junts pel Sí (JxS) ins katalanische Parlament gewählt. Seit 2018 arbeitet er mit dem von Carles Puigdemont im belgischen Exil gegründeten Consell per la República zusammen.

Ich möchte hiermit an die historische Verantwortung des weltoffenen unionistischen Lagers in Südtirol appellieren: Jemand aus dem erlesenen Kreise muss den Belarusinen dringendst erklären, dass die Estaca unmöglich eine Hymne ihrer Protestbewegung sein kann. Katalonien und Belarus kann man nicht vergleichen. Es dennoch zu tun ist höchst provinziell!

Im Übrigen wäre es naiv zu denken, dass Putin jemals eine Demokratisierung von Belarus erlauben würde.

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Belgien liefert Puig vorerst nicht aus.

Ein belgisches Gericht hat heute die Auslieferung des ehemaligen katalanischen Kulturministers Lluís Puig (PDeCAT) an Spanien abgelehnt. Das Höchstgericht (Tribunal Supremo) sei gar nicht die berechtigte Instanz gewesen, einen europäischen Haftbefehl auszustellen. Das ist eine abermalige Schlappe für die spanische Justiz vor ausländischen Gerichten in der Causa gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung.

Die Verteidigung der Katalaninnen hatte stets darauf verwiesen, dass das Tribunal Supremo und Richter Pablo Llarena für die Auslieferung nicht zuständig seien.

Die belgische Staatsanwaltschaft hat bereits angekündigt, in Vertretung des spanischen Anliegens Einspruch gegen den heutigen Entscheid einlegen zu wollen.

Während der frühere Präsident Carles Puigdemont und sein damaliger Gesundheitsminister Antoni Comín zwischenzeitlich ins EU-Parlament gewählt wurden und seitdem Immunität genießen, war dies für Puig nicht der Fall. Sein Auslieferungsverfahren lief demnach weiter.

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Puigdemont in Katalonien.

Der frühere katalanische Präsident Puigdemont und seine damaligen Ministerinnen Ponsatí und Comín (alle JxC) haben heute erstmals seit Jahren wieder katalanischen Boden betreten — obschon Spanien als einziges Unionsmitglied ihre Immunität als EU-Abgeordnete nicht anerkennt. Im Namen des Rats der Katalanischen Republik hielten sie im nördlichen, zu Frankreich gehörenden Landesteil eine große politische Veranstaltung ab, die in Coronavirus-Zeiten über 100.000 Anhängerinnen nach Perpinyà lockte. Mit schikanösen, politisch motivierten Grenz- und Verkehrskontrollen, die stundenlange Staus zur Folge hatten, versuchte die spanische Nationalpolizei vergeblich, die Zahl gering zu halten.

Nicht physisch dabei sein konnte Lluís Puig, der aktuell kein Amt innehat und somit keine Immunität genießt. Genauso wie die politischen Häftlinge, von denen bei der politischen Großveranstaltung Briefe verlesen wurden.

Bemerkenswert ist ferner die große Solidarität der nordkatalanischen Politikerinnen über Parteigrenzen hinweg, von Bürgermeister Jean-Marc Pujol (LR) und Departementpräsidentin Hermeline Malherbe (PS) wurden der vormalige und der jetzige katalanische Präsident, Puigdemont und Torra (JxC), auch offiziell empfangen.

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Josep Borrells FFFauxpas.
Das »Greta-Syndrom«

Der Außenbeauftragte der EU und stellvertretende Kommissionspräsident, Josep Borrell (PSOES&D), ist wieder einmal in ein Fettnäpfchen getreten. Vor wenigen Tagen (am 5. Februar) hatte er sich im Rahmen einer Buchvorstellung zu den Fridays-For-Future-Kundgebungen wie folgt geäußert:

Erlauben Sie mir zu bezweifeln, dass die Jugendlichen ernsthaft
— lassen Sie es mich Greta-Syndrom nennen — am Klimawandel interessiert sind. Es ist ja nett, rauszugehen, und wegen des Klimawandels zu protestieren, solange sie nicht von dir verlangen, dass du dazu beiträgst, es zu bezahlen. Ich möchte gern wissen, ob sich die Jugendlichen, die in den Straßen Berlins demonstrieren, damit Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ergriffen werden, bewusst sind, was sie diese Maßnahmen kosten werden. Und ob sie bereit sind, ihren Lebensstandard zu senken, um polnische Minenarbeiter zu entschädigen, die — wenn wir wirklich gegen den Klimawandel kämpfen — ihre Arbeit verlieren und unterstützt werden müssen.

Transkription und Übersetzung:

Von dieser Position distanzierte sich der Sprecher der EU-Kommission, Eric Mamer, auf Nachfrage von Journalistinnen bei der täglichen Pressekonferenz (vom 7. Februar) folgendermaßen:

Wir haben natürlich eine Position hierzu, die im Programm der Europäischen Kommission ausformuliert wurde, 100% kristallklar ist und die Bestrebungen der jungen Menschen unterstützt.

Um also klar zu sein: Sie glauben nicht, dass es sowas wie das Greta-Syndrom gibt?

Ich glaube nicht, dass das Greta-Syndrom schon als eine Krankheit definiert wurde, also ist die Antwort darauf ein klares Nein. Die Präsidentin [Ursula von der Leyen, EVP] hat ihre Vision sehr klar in den politischen Leitlinien definiert und es ist die [Vision] der gesamten Kommission — und wir arbeiten auf dieser Grundlage.

Transkription und Übersetzung:

Noch am selben 7. Februar sah sich auch Borrell zu einer zunächst halbherzigen Richtigstellung via Twitter gezwungen:

Jugendbewegungen zur Bekämpfung des #Klimawandels haben meine volle Unterstützung und inspirieren Politiker und Gesellschaften. Der Klimawandel ist eine der größten geopolitischen Herausforderungen, wir können die Kosten der Untätigkeit nicht tragen. (1)

Um erfolgreich zu sein, müssen wir auch die sozialen und wirtschaftlichen Kosten des Übergangs mit dem Mechanismus für einen gerechten Übergang lösen. (2)
#EUGreenDeal

https://t.co/bzOc14eV17?amp=1

Übersetzung:

Und am 8. Februar erneut auf Twitter, diesmal etwas deutlicher:

Ich komme gerade von einer USA-Reise zurück und möchte mich bei allen entschuldigen, die sich von meiner unangemessenen Bezugnahme auf die wichtige Jugendbewegung zur Bekämpfung des #Klimawandels beleidigt gefühlt haben könnten.

Übersetzung:

Die Europäischen Grünen und Carles Puigdemont (JxC) haben bereits parlamentarische Anfragen angekündigt.

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Ponsatí wird Europaabgeordnete.

Die ehemalige katalanische Bildungsministerin Clara Ponsatí (JxC) wurde jetzt von der zentralen Wahlkommission (JEC) in Spanien offiziell zu einer von fünf Nachrückerinnen ernannt, die ins EU-Parlament einziehen werden, sobald in demnächst der Brexit vollzogen sein wird. Nach wie vor vertritt die JEC die Auffassung, dass Ponsatí nach Madrid reisen müsste, um einen Schwur auf die spanischen Verfassung zu leisten, obschon der EuGH vor wenigen Wochen in den Fällen von Oriol Junqueras (ERC), Carles Puigdemont (PDeCAT/JxC) und Toni Comín (JxC) ausdrücklich das Gegenteil festgestellt hatte.

Sobald also die Abgeordneten des Vereinigten Königreichs ihr Amt aufgrund des EU-Austritts verlieren, wird Ponsatí — die derzeit in Schottland lebt, wo sie auch eine Professur innehat — wie schon zuvor ihre männlichen Kollegen aus der ehemaligen Regierung Puigdemont ihr Mandat aufnehmen können. Schon mit der nun erfolgten Proklamierung genießt sie jedoch Immunität, wie der EuGH in dem wegweisenden Urteil zu Oriol Junqueras ebenfalls entschieden hatte.

Die spanische Justiz wird dann wohl auch in ihrem Fall, wie schon bezüglich Puigdemont und Comín, die Aufhebung des parlamentarischen Schutzes beantragen.

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SZ: Politischer Prozess für Puigdemont.
Quotation 589

Thomas Urban, SZ-Korrespondent in Madrid, unterbreitet EU-Abgeordneten den Vorschlag, die parlamentarische Immunität von Carles Puigdemont (PDeCAT/JxC) und Toni Comín (JxC) nicht aufzuheben — einhegen sei besser als auszugrenzen.

Dem ehemaligen katalanischen Präsidenten sollten die anderen Parlamentarierinnen jedoch

vermitteln, dass sie ihn als gewählten Volksvertreter in den eigenen Reihen behalten wollen – falls er sich von dem Unabhängigkeitsprojekt distanziert.

Wahnsinn.

Urban, sicher kein Hardliner, glaubt tatsächlich, ein Abgeordneter könne zur Aufgabe einer demokratisch legitimen Forderung genötigt werden, mit der er ins EU-Parlament gewählt wurde. Andernfalls solle man ihn einem nationalen Gericht ausliefern, das sich — wie Urban selbst (»europäischer Justizskandal«!) feststellt — über EU-Recht hinwegsetzt.

Weit haben wirs gebracht. Der Selbsterhaltungstrieb der etablierten nationalstaatlichen Ordnung scheint so manchen den Verstand zu vernebeln.

Währenddessen wird die Separatistin Nicola Sturgeon (SNP) aber als »mutige Kämpferin gegen jene, die Europa spalten wollen« geehrt — weil sie Schottland vom Vereinigten Königreich loslösen und in der EU halten möchte.

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Europe is for exigents.
Quotation 588

Dear colleagues, when we ask ourselves about the future of Europe, the first thing to solve is: which role should we give to citizens? If we don’t solve it, in a few years, with other MEPs, the same debate will have to take place and it will be a defeat. Do we want to be uninterested, passive, distant? Or, on the contrary, do we want that their voices really count and they can participate directly in European democracy? I not only refer to the elections of members [of EU Parliament] and senior positions, but to habilitate mechanisms in order to participate in debates and decision taking. We must update the governance of our democracy. The insatisfaction that runs through Europe only benefits europhobic populisms — there is a real basis that justifies that insatisfaction. The alternative cannot be the temptation of euroscepticism, the future of Europe is not for conformists or sceptics, but [for] exigents.

Carles Puigdemont (PDeCAT/JxC), European Parliament, 15th january 2020

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Retroscena sugli eurodeputati catalani.

Ieri su Twitter il difensore dell’ex Presidente catalano Carles Puigdemont (PDeCAT/JxC), Gonzalo Boye, metteva un po’ di luce sulla questione degli eurodeputati indipendentisti e sul sorprendente ruolo di Commissione e Parlamento europei. Traduzione mia:

Perché [il giudice del Tribunale Supremo Manuel] Marchena ha presentato, mantenuto e alla fine ignorato la questione pregiudiziale posta alla CGUE [Corte di Giustizia Europea]?

Oggi è un buon giorno per ricordare alcuni punti chiave, che finora non sono stati spiegati bene, circa il ricorso contro il Parlamento europeo che Puigdemont e Comín hanno vinto davanti alla stessa Corte.

Segue un thread

1. Il 20 dicembre, giorno seguente alla risoluzione della questione pregiudiziale posta dal Tribunale Supremo [spagnolo], la CGUE accettava il ricorso presentato da [Carles] Puigdemont e [Toni] Comín contro il diniego delle misure cautelari che avrebbero dovuto permettere loro di essere a Strasburgo il 2 di luglio.

2. La risoluzione la firmava la vicepresidente della CGUE, la spagnola Silva de Lapuerta, un’Avvocatessa dello Stato con vincoli famigliari verso il PP.

3. Quel giorno abbiamo scoperto che nel caso era intervenuto l’Avvocato generale [della CGUE] Szpunar, lo stesso del caso Junqueras.

4. La causa di Puigdemont e Comín, iniziata il 28 di giugno, è stata trattata parallelamente alla questione pregiudiziale che Marchena poneva solo tre giorni più tardi.

5. Il ricorso era stato presentato il 2 di settembre. Le allegazioni del caso Junqueras venivano presentate 3 settimane più tardi.

6. Al [procedimento che riguardava] la questione pregiudiziale su Junqueras, oltre al suo avvocato, hanno preso parte solamente la magistratura, l’Avvocatura di stato e [il partito di estrema destra] Vox, la Commissione e il Parlamento europei, che inviano avvocati spagnoli. Il Supremo non permetteva la partecipazione dei difensori di Puigdemont e Comín.

7. Durante l’audizione relativa alla questione pregiudiziale, il 14 ottobre, l’avvocato di Junqueras è il solo a difendere la posizione che gli eurodeputati godono di immunità dal momento della loro elezione. Gli altri, inclusi gli spagnoli che rappresentavano il Parlamento e la Commissione, difendevano la posizione spagnola.

8. Parlamento e Commissione addirittura citavano il caso di Puigdemont e Comín per argomentare che nemmeno Junqueras era eurodeputato. Il fatto che la JEC non avesse mai notificato la loro elezione era la ragione per cui nessuno di loro era potuto andare a Strasburgo il 2 di luglio.

9. Era casualmente lo stesso 14 di ottobre che il Parlamento europeo rispondeva al ricorso di Puigdemont e Comín. Il caso era pronto per venir risolto.

10. Sempre quel giorno Marchena emetteva la sentenza [nel processo contro i leader catalani], mantenendo aperta la questione pregiudiziale e inviando la lettera in cui si impegnava a rispettare la decisione della CGUE.

11. Marchena considerava già vinta la causa [innanzi alla CGUE], perché sapeva che c’erano 5 spagnoli a difendere la sua posizione. Per questo manteneva aperta la questione pregiudiziale. Non contava col fatto che l’Avvocato generale [della CGUE] nelle sue conclusioni potesse mettere in dubbio la posizione spagnola, facendogli fare una brutta figura.

12. L’Avvocato generale Szpunar chiedeva delucidazioni su cose che nessuno aveva citato nella pregiudiziale, ma che [Szpunar] sapeva grazie ai ricorsi di Puigdemont e Comín. Per esempio, circa la sentenza della Corte costituzionale [spagnola] 119/1990, che era il documento B. 6 del nostro ricorso, presentato il 2 settembre.

13. Allora non sapevamo che l’Avvocato generale, oltre che alle conclusioni del caso Junqueras, stava lavorando alla perizia del ricorso di Puigdemont e Comín contro il Parlamento [europeo]. Nessuno poteva prevedere che sarebbe stato così, anche se il vincolo tra i due casi era evidente.

14. Quando l’Avvocato generale [della CGUE] presentava le conclusioni della questione pregiudiziale, al Tribunale Supremo [spagnolo] rimanevano scioccati. Non solo li contraddice sull’immunità, ma esautora la JEC e il Parlamento [europeo] sul tema del giuramento e dei risultati. Però [al TS] non potevano più fare nulla. Troppo tardi.

Marchena confidava nel fatto che la risoluzione della CGUE sarebbe stata favorevole [alla sua posizione]. Pensava che gli avrebbe permesso non solo di lasciare in prigione Junqueras (cosa che aveva già deciso di fare comunque), ma anche di impedire che Puigdemont e Comín diventassero eurodeputati e godessero dell’immunità. Ha scommesso e ha perso.

Link aggiunti da me.

Alla luce di tutto ciò forse è più chiaro anche perché il Parlamento europeo non ha esitato ad accettare la destituzione di Junqueras.

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