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Widerständige Beziehungen.

Seit dem 14. Mai und noch bis zum 30. Juli läuft bei ar/ge kunst in der Bozner Museumstraße die Ausstellung Unruly Connections von Alessandra Ferrini (Kurator Emanuele Guidi), die sich mit der italienischen Kolonialgeschichte und ihrer Verschleierung befasst.

Unruly Connections (widerständige Beziehungen) erkundet Praktiken des Widerstands gegen koloniale Gewalt und verknüpft drei Geschichten miteinander, die das „ikonografische Schweigen“ gegenüber der Unterdrückung von Widerstand im Libyen der späten 1920er-Jahre durchbrechen.

– aus der Ausstellungsbeschreibung

Die Übersetzung des von italienischer Zensur getroffenen antikolonialen Romans Der Rekrut von Gebreyesus Hailu wird in der Ausstellung »mit den Geschichten des dänischen Journalisten Knud Holmboe (1902–1931) sowie der Schriftstellerin, anarchistischen Aktivistin und Feministin Leda Rafanelli (1880–1971)« verschränkt.

Darüber hinaus setzt sich Unruly Connections mit der sogenannten „friedlichen Durchdringung“ auseinander, in der die Historikerin Roberta Pergher eine den italienischen Binnen- und Außenkolonialismus miteinander verbindende Praxis der Besiedlung insbesondere in Südtirol und Libyen erkennt. In spiegelbildlicher Weise werden Der Rekrut und die Ereignisse der in Südtirol angeordneten Zwangsrekrutierung zur Zeit der Besetzung Äthiopiens 1935/36 nebeneinandergestellt und lassen so die komplizierte Beziehung zwischen dem Prozess der Italianisierung sowie den „Rassenhierarchien“, die den europäischen Imperialismus kennzeichnen, anschaulich werden.

– aus der Ausstellungsbeschreibung

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ · 1/

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Breizh beim ESC.

Wenn heute ab 21:00 Uhr das Finale des 66. Eurovision Song Contest (ESC) stattfindet, stehen für Frankreich Alvan & Alhez auf der Bühne, die mit Fulenn (zu Deutsch: Funken) ein Lied in bretonischer Sprache bei dem internationalen Musikwettbewerb präsentieren.

In der französischen Vorauswahl hatten sie Publikum und Jury überzeugt und die volle Punktezahl erreicht. So setzten sie sich gegen elf weitere Teilnehmerinnen durch.

Schon 1996 war Frankreich beim ESC mit einem Song in bretonischer Sprache vertreten. Diwanit bugale landete damals auf Platz 13 von 23.

Der Text von Fulenn, der an eine bretonischen Sage angelehnt sein soll, thematisiert die Emanzipation der Frau.

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Autorinnen und Gastbeiträge

»Nachbarn« im Filmclub.

Der aus dem nordsyrischen Qamischli stammende kurdische Kameramann, Regisseur und Produzent Khalil erzählt in seinem Film Nachbarn wohl seine eigene Kindheitsgeschichte.

Ein sechsjähriger kurdischer Junge wächst in einem kleinen Dorf an der syrisch-türkischen Grenze – im heutigen Autonomiegebiet Rojava – auf und erlebt in den frühen 1980er-Jahren, wie der um sich greifende Nationalismus seine kleine Welt allmählich zerstört. In der Schule muss er Arabisch sprechen, seine jüdischen Nachbarn gelten plötzlich als Todfeinde und Soldaten dies- und jenseits der Grenze – Türken wie Syrer – rücken bedrohlich nahe. Feinfühlig verspielt und doch ernsthaft erzählt der Film von einer Kindheit, die zwischen Diktatur und schmerzhaftem Drama auch ihre heiteren Momente findet.

Ein Filmkritiker schrieb:

Mit feinem Gespür für Humor und Satire erzählt der Film von einer Kindheit, die zwischen Diktatur und dunklem Drama auch ihre leichten Momente findet.

Mano Khalil wurde 1964 geboren, studierte in Damaskus Jurisprudenz und Geschichte sowie Regie an der FAMU in der Tschechoslowakei. Er arbeitete als freier Mitarbeiter für das tschechische und slowakische Fernsehen. In Syrien stand Khalil unter polizeiliche Beobachtung und wurde immer wieder bedroht. Er flüchtete in die Schweiz nach Bern. Mit einfachen technischen Mitteln drehte er seinen ersten Film Triumph of Iron. Das gesamte Filmbudget betrug 66 Franken. Der Film erhielt im Jahr 2000 den Anerkennungspreis an den Solothurner Filmtagen und wurde für den Schweizer Filmpreis nominiert.

Der Bozner Filmclub stellt den Nachbarn von Khalil am Donnerstag (7. April, 20 Uhr) bei den Filmtagen vor.  

Thomas Benedikter von der GfbV-Südtirol moderiert einen »Runden Tisch« mit Regisseur Khalil, Kerstin Wonisch vom Institut für Minderheitenrechte der Europäischen Akademie und mit Kamal Sido von der GfbV-Deutschland.

Kamal Sido stammt aus der ehemaligen kurdischen Enklave Afrin in Nordsyrien, er beschäftigt sich gezielt mit dem kurdischen Autonomiegebiet Rojava und arbeitet als Minderheiten-Fachmann für die GfbV-Deutschland.

Zum 50. Geburtstag der Südtirolautonomie organisiert die Eurac mit dem Filmclub Bozen seit Februar jeden Monat einen Film zum Thema »Minderheiten&Autonomie« mit anschließender Diskussion. Die Filmreihe soll Südtirolerinnen und Südtirolern Einblicke in die Realität anderer Minderheiten und die damit verbundenen Konflikte geben.

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Goran Bregović in Südtirol.
Ist das tragbar?

Im Juli soll der aus Sarajewo stammende Musiker Goran Bregović am Kronplatz auftreten. Ich liebe seine Musik — doch etwas anderes scheint mir jetzt noch wichtiger.

Nach der russischen Annexion war Bregović im März 2015 nicht nur auf der Krim aufgetreten, sondern hatte dabei auch der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass der Westen von seiner »Paranoia«, die er gegenüber Russland hege, geheilt werde. Herausfordernd tat er zudem Medien gegenüber kund, dass er sich vor einem Boykott oder ukrainischen Sanktionen wegen des Auftritts und der Aussagen nicht fürchte. Sie seien ihm egal. Russland bescheinigte er hingegen »Grandeur«.

Zuvor war Bregović, was ich bis heute nicht wusste, schon als Unterstützer des serbischen Kriegsverbrechers Slobodan Milošević aufgefallen.

Irgendeine kritische Aussage des Musikers zum russischen Überfall auf die Ukraine konnte ich hingegen nicht finden.

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Autorinnen und Gastbeiträge

Wir und der Rest.

Auch anderswo in den kleinen Ecken und abgelegenen Enden der Welt ringen indigene Völker und Minderheiten ums Überleben, um Anerkennung und Autonomie. Die Eurac stellt ab morgen im Filmclub in Bozen eine Filmreihe zum Thema vor. Anlass ist der 50. Geburtstag der Paket-Autonomie.

Den Auftakt macht Regisseurin Chloé Zhao mit The Rider. Die Geschichte des Lakota-Rodeo-Reiters Brady Blackburn vom Pine Ridge-Reservat im US-Bundesstaat South Dakota, der nach einem verhängnisvollen Sturz das Reiten aufgeben muss. Schauspieler Brady Jandreau spielt mit anderen Laiendarstellern vom Pine-Ridge-Reservat seine Lebensgeschichte. Zhao lernte den Lakota Jandreau 2014 beim Dreh ihres Debütfilms Songs My Brother Taught Me im Reservat kennen.

Als Gast mit dabei ist der Münchner Journalist Claus Biegert, seit den 1970er Jahren Chronist des indian country, Beirat der Gesellschaft für bedrohte Völker und Mitbegründer des World Uranium Hearings.

10. Februar 20 Uhr, Filmclub Bozen – The Rider, Gast ist Claus Biegert

In den USA appellieren Solidaritätskomitees an Präsident Biden, den seit fast einem halben Jahrhundert einsitzenden Leonard Peltier vom American Indian Movement zu begnadigen. Peltier zählte in den 1970er Jahren zu den führenden Köpfen der indianischen Bürgerrechtsbewegung. Bei einem Schusswechsel zwischen AIM-AktivistInnen und dem FBI im Pine-Ridge-Reservat wurden zwei FBI-Agenten getötet. Peltier wird als Mörder ausgemacht und zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Der ehemalige ermittelnde Staatsanwalt wandte sich an Präsident Biden, Peltier aus der Haft zu entlassen. Er war nicht der Mörder, begründete der ehemalige Staatsanwalt seine Forderung.

Claus Biegert stellt den Fall Peltier vor, die manipulierten Prozesse gegen Peltier und die bisher ergebnislosen Versuche, eine Amnestierung zu erreichen.

Auf dem Blog Voices, dessen Herausgeber er ist, gestaltete Claus Biegert eine sechsteile Podcast-Serie über Leonard Peltier und über das American Indian Movement.

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Valtonyc wird nicht ausgeliefert.

Nach drei Jahren Gerichtsverfahren, einem Umweg zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) und einem weiteren zum belgischen Verfassungsgericht, hat heute das Appellationsgericht von Gent endgültig in der Causa Valtonyc geurteilt: Der mallorquinische Rapper, der von Spanien gesucht wird, weil seine Texte als Majestätsbeleidigung, Terrorismus und Drohung eingestuft wurden, darf nicht ausgeliefert werden.

Zunächst hatte der EuGH einem von Spanien mithilfe von Trickserei beantragten beschleunigten Verfahren den Garaus gemacht, dann das belgische Verfassungsgericht die Majestätsbeleidigung als nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar bewertet und den Tatbestand gänzlich abgeschafft.

Schlussendlich ging es nur noch um den Vorwurf der Drohung, doch das Appellationsgericht urteilte nun, dass Valtonycs Texte vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt seien. Die Auslieferung war auch schon in der ersten Instanz abgelehnt worden.

Theoretisch steht der Staatsanwaltschaft noch der Gang vor das Kassationsgericht offen, doch dort geht es nur um die Beurteilung allfälliger Verfahrensfehler.

Valtonyc lebt seit dreieinhalb Jahren in Brüssel und wird wohl nicht so schnell auf spanisches Staatsgebiet zurückkehren.


Nachtrag vom 30. Dezember 2021: Die belgische Staatsanwaltschaft hat beschlossen, die Kassation anzurufen.

Siehe auch: 1/

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Valtònyc, Belgien schafft Majestätsbeleidigung ab.

Wie mehrere katalanische Politikerinnen lebt auch der mallorquinische Rapper Valtònyc seit 2018 in Brüssel, von wo ihn der rechtsaffine Richter Pablo Llarena nach Spanien ausliefern lassen möchte. Sein Fall hat nichts mit Separatismus zu tun, sondern mit Majestätsbeleidigung, da er in seinen Texten schärfste Kritik am ehemaligen spanischen König Juan Carlos und an der Monarchie übt.

Seit 1847 war Majestätsbeleidigung auch in Belgien ein Straftatbestand, worauf Llarenas Hoffnungen beruhten, da die Strafbarkeit in beiden Ländern eine Voraussetzung für die Auslieferung darstellt. Doch das mit dem Fall betraute belgische Gericht war skeptisch, ob der Artikel noch Relevanz besitzt — und befragte das Verfassungsgericht.

Dieses beschied kürzlich, dass der Tatbestand der Majestätsbeleidigung sowohl gegen die belgische Verfassung als auch gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoße, da er nicht mit dem Recht auf Meinungsfreiheit vereinbar sei. Fortan sei der König in Belgien diesbezüglich wie jede andere Person zu behandeln.

Ohnehin war der Artikel schon seit vielen Jahren nicht mehr zur Anwendung gekommen. Im Gegensatz zu Spanien, wo Ministerpräsident Mariano Rajoy (PP) — derselbe, der die Polizei mit Gewalt gegen das Referendum vom 1. Oktober 2017 vorgehen ließ — erst vor wenigen Jahren eine Verschärfung der einschlägigen Gesetzgebung beschloss. Ihr fiel zum Beispiel Pablo Hasél zum Opfer.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ | 6/

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Italien schafft Filmzensur ab.

Der italienische Kulturminister, Dario Franceschini (PD), hat endlich die seit 1914 bestehende Filmzensur in Italien abgeschafft und stattdessen eine Klassifizierungskommission eingesetzt, die über die Altersfreigaben befinden wird. Der Zensur waren in Vergangenheit Streifen so renommierter Regisseure wie Werner Fassbinder, Pier Paolo Pasolini, Alfred Hitchcock oder Stanley Kubrick zum Opfer gefallen.

In Berufung auf Filmclub-Gründer Martin Kaufmann berichtet Rai Südtirol, dass früher deutschsprachige Filme in Südtirol ebenfalls einer Kommission vorgelegt werden mussten. Diese Praxis habe Staatsanwalt Cuno Tarfusser schon vor längerer Zeit beendet.

In diesem Kontext ist auch interessant, was Maurizio Ferrandi im Februar auf Salto zu berichten wusste: Um Filmen, die bereits durch die Zensur gekommen waren, wenigstens nachträglich vor einer Beschlagnahme zu schützen, ließen italienische Verteiler »riskante« Produktionen in den 70er Jahren häufig in Südtirol erstaufführen, da dann im Falle von Beanstandungen die hiesigen Richter zuständig gewesen wären. Diese galten als besonders liberal im Umgang mit Kinofilmen — nicht etwa jene in irgendeiner Metropole, sondern die in unserer ach so hinterwäldlerischen Bergregion.

Bezüglich der nun von Franceschini eingesetzten Klassifizierungskommission wurde indes aus Fachkreisen schon Kritik laut: von immerhin 49 Mitgliedern sind nur vier Filmfachleute.

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