Québec, no al bilinguismo «spinto».

Simon Jolin-Barrette, ministro quebecchese responsabile di questioni linguistiche, ha dichiarato guerra al bonjour-hi, modo di salutare bilingue sempre più diffuso negli stabilimenti commerciali — specialmente nelle aree urbane della provincia francofona del Canada. I dati dell’Ufficio della lingua francese dicono infatti che nell’isola di Montréal tra il 2010 e il 2017 il bonjour è passato dall’84% al 75%, mentre il hi è cresciuto nettamente da quota 12 a 17. Il «famigerato» bonjour-hi, addirittura, è raddoppiato, attestandosi sull’8% (era il 4%).

Jolin-Barrette, del liberal-conservatore Coalition Avenir Québec (CAQ, non indipendentista) al governo da un anno, concretamente vuol portare avanti una legge che vieti a negozi e bar di salutare i propri clienti in inglese. Già ora le leggi sull’uso del francese nelle imprese private sono molto severe e ne prescrivono un uso predominante (anche, ad esempio, per quanto riguarda la dimensione dei caratteri) rispetto all’inglese.

L’opposizione, oltre al bando al bonjour-hi, propone di vietare il requisito della conoscenza dell’inglese nelle assunzioni di personale, salvo casi particolari.

Ovviamente, non propone nulla di simile per il Sudtirolo. Ma pensiamo solo a quanti anni luce siamo distanti: qui da noi sembra improponibile anche solo una vera parità di diritti del tedesco rispetto alla lingua franca nazionale   .

Vedi anche:

Arbeit Comparatio Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | | | | Canada Québec | | Italiano

Landtag für Schaffung einer Sprachstelle.

Gestern hat der Südtiroler Landtag einen wichtigen Schritt hin zu einer echten Sprachstelle gemacht, wie es sie in vielen anderen mehrsprachigen Gebieten weltweit bereits gibt.

So vereint allein die International Association of Language Comissioners Mitglieder aus dem Baskenland, Flandern, Irland, fünfmal Kanada (New Brunswick, Ontario, Nunavut und Northwest Territories sowie den gesamtstaatlichen Comissioner of Official Languages), Katalonien, Kosovo und Wales. Aber auch Québec, País Valencià, Nordkatalonien oder die Bretagne haben sich ähnliche Büros gegeben.

Die einschlägige Tagesordnung der Freiheitlichen, die sich auch die SVP zueigen gemacht hat, sieht im verpflichtenden Teil vor:

  1. die derzeit bestehende Beschwerdestelle „Verletzungen der Bestimmungen über den Sprachgebrauch in der öffentlichen Verwaltung” in eine vollständige Sprachstelle umzuwandeln und unter anderem mit folgenden Aufgaben zu betrauen:
    • a) proaktive Kontrolle und Sensibilisierung der öffentlichen Ämter, Körperschaften und Konzessionsnehmer auf die Einhaltung der Zwei- und Dreisprachigkeitsbestimmungen im Sinne des D.P.R. vom 15. Juli 1988, Nr. 574 und anderer Gesetze, die die Sprachrechte betreffen;
    • b) Hilfe- und Beratungsstelle für Ämter, öffentliche Körperschaften, Konzessionsnehmer und Privatunternehmen in Zusammenhang mit der vorgeschriebenen Zwei- und Dreisprachigkeit und darüber hinaus;
    • c) Ombudsstelle für Bürgerinnen und Bürger, die ihre Sprachrechte verletzt sehen, auch zum Zweck der Ahndung in Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen Stellen;
    • d) Sensibilisierungs- und Informationskampagnen sowohl für die Gesamtbevölkerung als auch für einzelne lnteressensgruppen (Privatfirmen, Berufskammern, Vereine, Verbände usw.);
    • e) Erfahrungsaustausch mit den Sprach- und Ombudsstellen anderer mehrsprachiger Gebiete;
    • f) den Fachwortschatz („Bistro“) in den Südtiroler Amtssprachen in Zusammenarbeit mit den Universitäten Innsbruck und Bozen sowie mit der Eurac auf dem neuesten Stand halten, auf eine korrekte Implementierung achten und dementsprechende Empfehlungen zu veröffentlichen;
    • g) regelmäßige Ausarbeitung und Veröffentlichung von Tätigkeitsberichten und einschlägigen Erhebungen zur Sprachsituation (z. B. in Zusammenarbeit mit dem ASTAT).
  2. Die Sprachstelle mit entsprechendem Personal und finanziellen Mitteln auszustatten.
  3. In Bälde die Zuständigkeit für die Ahndung von Zwei- und Dreisprachigkeitsverstößen im Sinne des D.P.R. vom 15. Juli 1988, Nr. 574 einzufordern und an den Landeshauptmann zu übertragen.

Wenn dieser nunmehrige Beschluss tatsächlich und mit der nötigen Ernsthaftigkeit umgesetzt wird, handelt es sich meiner Meinung nach um einen wirklich großen Wurf. Gerade die starke Fokussierung auf Information, Kooperation, Beratung, Sensibilisierung kann sehr viel bewirken, sodass die Ahndung von Verstößen in den Hintergrund geraten könnte. So gesehen wäre dann Punkt 3 zwar wichtig, aber nicht notwendigerweise ausschlaggebend für den Erfolg der Maßnahme.

Auf hatten wir die Schaffung einer solchen Sprachstelle vor rund zwei Jahren ebenfalls angeregt.

Siehe auch:

Grundrechte Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Service Public Vorzeigeautonomie Zuständigkeiten | afk Good News Zitać | | | Baskenland-Euskadi Belgien Breizh-Bretagne Canada Catalunya Irland Kosovo País Valencià Québec Südtirol/o Wales-Cymru | Astat Eurac Freie Universität Bozen Freiheitliche Land Südtirol Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Ich möchte nicht dürfen können.
Ein differenzierter Blick auf die Diskussion zur "mehrsprachigen Schule"

Wenn in Südtirol über Bildungspolitik diskutiert wird, ist in gefühlt 99 Prozent der Fälle der Sprachunterricht das Thema. Ganz so, als ob alles andere was in der Schule passiert keine Rolle spielt und eh wunderbar läuft. Egal.

Unlängst ist das Thema “mehrsprachige Schule” durch einen Beschlussantrag der Grünen im Südtiroler Landtag (der mehrheitlich abgelehnt wurde) wiederaufgeflammt. Die Diskussion im Anschluss war lebhaft und nicht ganz untypisch, wie ich finde. Was für die einen der Untergang der Autonomie ist, hat für die anderen nur Vorteile. Beides Diagnosen, bei denen ich für gewöhnlich sofort skeptisch bzw. hellhörig werde. Dann werden von den Befürwortern gerne auch genau jene Argumente ins Treffen geführt, die man in anderen Kontexten (Unabhängigkeit, doppelte Staatsbürgerschaft usw.) als nichtig abtut. Die Gegner hingegen lehnen meist schon jegliche Diskussion über eine Veränderung des derzeitigen Systems kategorisch ab.

Daher suche ich an dieser Stelle exemplarisch die Diskussion mit drei Befürwortern des Vorschlags, die nicht verstehen können/wollen, wie man als halbwegs klar denkender und weltoffener Mensch gegen den Vorschlag der Grünen sein kann.

Markus Lobis kommentiert auf Facebook:

Ich finde es gut, dass die Grünen diesen langjährigen Wunsch engagierter Eltern wieder aufgreifen, der seit Alexander Langers Zeiten von vielen als Schlüssel für Südtirols gute Zukunft gesehen wird. Bitte mutig dranbleiben!

Es gibt KEIN vernünftiges Argument GEGEN diese Wünsche aus der Südtiroler Elternschaft.

Michael Keitsch von den young greens southtyrol (sic) schreibt:

Neuer Putz für alte Mauern

[…] „Das ist ein Armutszeugnis für Südtirol. Sind wir in einem mehrsprachigen Land nicht in der Lage neben den einsprachigen Schulen auch mehrsprachige Alternativen anzubieten?“, sagt Michael Keitsch von den young greens southtyrol.
Die Begründung von Landesrat Achammer sowie den Landtagsabgeordneten Mair (Freiheitliche) und Knoll (STF) gegen die Einführung einer zusätzlichen mehrsprachigen Schule, war die Ablehnung einer Zweiklassenschule. Das ist doch an Peinlichkeit kaum zu überbieten: man fürchtet scheinbar darum, dass die etablierte einsprachige (deutsche) Schule gegenüber einer mehrsprachigen Schule das Nachsehen hätte. „Alle Achtung, aber dass ein Bildungslandesrat der eigenen Schule so schlechte Noten gibt, ist wirklich allerhand!“, empört sich Keitsch.
Ganz nebenbei ist es doch offensichtlich, dass viele Schüler*innen und Eltern das Bedürfnis nach einer mehrsprachigen Schule haben. Spätestens, wenn man sieht wie viele Kinder und Jugendliche den Kindergarten oder die Schule in ihrer jeweiligen Zweitsprache besuchen, wird das sichtbar.

„Statt Brücken zu bauen und den Südtiroler*innen in der Bildung mehr Wahlfreiheit zu geben, verputzt man die alten Mauern munter weiter.“ schließt Keitsch.

Und Alexandra Aschbacher stellt im dieswöchigen Leitartikel der ff fest:

Beispiel Nummer 1, mehrsprachige Schule. […] Ein „Mehr“, sagte Schullandesrat und SVP-Obmann Philipp Achammer im Anschluss ins Mikrofon von Südtirol Heute, bringe nicht automatisch mehr Sprachkenntnisse. Der italienische Schullandesrat (Lega) meinte: Ein schöner Vorschlag der Grünen, aber derzeit nicht umsetzbar.

Mmh, möchte man da grummeln, wann bitte wäre denn der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung? Seit zwanzig Jahren wird über die mehrsprachige Schule diskutiert. Zig Beispiele zeigen, dass eine mehrsprachige Erziehung eine Bereicherung ist. Zig Untersuchungen belegen, dass wir beim Erlernen von Deutsch beziehungsweise Italienisch nicht viel weiter gekommen sind. […]

Worauf bitte warten wir noch? Warum verschließt die Mehrheit der Politiker die Augen vor der Realität? Einer Realität, in der immer mehr Eltern ihre Kinder bewusst auf anderssprachige Schulen schicken, beziehungsweise in den Kindergarten der jeweils anderen, der zweiten Sprache.

Wozu präsentiert sich die SVP als Europapartei und plädiert für ein weltoffenes Südtirol, wenn sie nach wie vor in den verkrusteten, starren Bildungs- und Sprachmustern verharrt?

Wovor hat man Angst? Seine Identität zu verlieren, wie immer behauptet wird? Mehrsprachigkeit festigt die Identität, bietet die Chance, die eigene Identität neu zu definieren. Klar, das Thema ist ein heikles. Aber deshalb muss man es nicht beharrlich vor sich herschieben. Mut zeigt sich nicht im Beharrungsvermögen, sondern in der Kompromissbereitschaft, die, wenn es wirkliche Kompromisse werden, freilich auch wehtut.

Interessant wird Aschbachers Artikel dann, wenn man “mehrsprachige Schule” bzw. Mehrsprachigkeit durch “Doppelpass” oder Selbstbestimmung ersetzt. Da tauchen auf einmal bekannte Argumente unter umgekehrten Vorzeichen auf. Aber das sei hier nur am Rande erwähnt.

Meine Position zur “mehrsprachigen Schule” ist so klar wie paradox: Ich würde meine Kinder sofort in eine solche Schule schicken, möchte aber nicht, dass ich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen die Möglichkeit dazu habe.

Und zwar weil ich glaube, dass der gesamtgesellschaftliche Aspekt in diesem Fall (wie in so vielen anderen Fällen auch) den individuellen überwiegt. Ein ziemlich sozialistischer Ansatz – ich weiß. Würden beispielsweise Flugreisen gratis sein, würde ich (noch einmal) die ganze Welt bereisen. Sofort. Gleichzeitig möchte ich aber nicht, dass ich (oder andere) diese Möglichkeit haben. Es geht hier um zwei Ebenen – die individuelle (die persönliche Horizonterweiterung durch Reisen respektive den Sprachfortschritt jedes einzelnen) und die gesellschaftliche (den Klima- und Umweltschutz bzw. den Erhalt einer kulturellen und sprachlichen Vielfalt innerhalb eines Nationalstaates).

Die Gründe, warum für mich der gesamtgesellschaftliche Nachteil den individuellen Vorteil überwiegt, sind schnell erklärt:

  1. Trotz Autonomie leben wir in einem Staat, der sich als Nationalstaat definiert und eine lingua franca immer wieder durchzusetzen versucht (siehe momentane Situation im Gesundheitswesen oder im Konsumentenschutz).
  2. Solange die drei Sprachen in Südtirol nicht auch de facto gleichgestellt sind und Ladinisch und Deutsch rechtlich benachteiligt werden, ist für mich eine sprachliche Begegnung auf Augenhöhe nicht gegeben. Diese wäre aber meines Erachtens Voraussetzung für ein solches Modell.
  3. Die Tendenz in Südtirol immer alles paritätisch zu machen, stärkt automatisch die Staatssprache. Wenn, dann müsste man asymmetrische Modelle andenken bzw. Immersion wie in jenem Land betreiben, in dem dieses Modell erfunden wurde (Kanada). Denn Erkenntnisse aus nicht-mehrsprachigen Gebieten, können nicht eins-zu-eins auf Südtirol übertragen werden.
  4. Solange wir keine professionelle, auf normierten Tests basierende, laufende Erhebung der Sprachkenntnisse und vor allem der Sprachentwicklung in Südtirol haben (das Sprachbarometer basiert auf Selbseinschätzung), halte ich solche Vorstöße für hemdsärmelig und dilettantisch. Wir brauchen parallel dazu belastbare Daten und eine sprachwissenschaftliche Begleitung und Erhebung.
  5. Und zuguterletzt: die immer wieder betonte “Alternative” zur derzeitigen deutsch- und italienischsprachigen Schule würde mit ziemlicher Sicherheit keine solche bleiben. Da der individuelle Vorteil einigermaßen sicher gegeben ist, würde die “einsprachige Schule” relativ bald zum Sammelbecken der “Ewiggestrigen” (abgestempelt) werden und der Zug (oder gesellschaftliche Druck) in Richtung neues Modell unwiderstehlich sein.

Man kann trotzdem anderer Meinung sein, aber völlig unvernünftig erscheinen mir diese Gründe jedenfalls nicht.

Siehe auch:

Bildung Democrazia Kohäsion+Inklusion Medien Minderheitenschutz Mitbestimmung Plurilinguismo Politik Scola Selbstbestimmung Tag+Nacht Wissenschaft | affirmative action Best Practices CLIL/Immersion Doppia Cittadinanza Sprachbarometer Sprachgruppenproporz Zitać | Alexander Langer Alexandra Aschbacher Markus Lobis | ff | Canada Südtirol/o | Freiheitliche Lega STF Südtiroler Landtag SVP Vërc | Deutsch

Olympia »bei uns«.
Die Spiele, die niemand haben wollte

Mailand und Anpezo konnten sich gestern in Lausanne durchsetzen und die olympischen Spiele 2026 nach »Italien« holen. Auch Südtirol wird mit der Südtirolarena in Antholz Austragungsort sein.

Die Bewerbung war erfolgreich — doch gegen wen eigentlich?

  • Nord-/Osttirol entschied sich im Oktober 2017 per Volksabstimmung (53,3%) dagegen, eine zunächst geplante Kandidatur von Innsbruck weiterzuverfolgen.
  • Mit einer ähnlichen Mehrheit entschieden sich die Bürgerinnen des Kantons Wallis (54%) im Juni 2018 gegen eine finanzielle Unterstützung der Kandidatur von Sitten/Sion, womit diese hinfällig und zurückgezogen wurde.
    Schon im Februar 2017 hatte sich die Stimmbevölkerung des klassischen Wintersportkantons Graubünden überraschend klar (60,1%) gegen eine Bewerbung ausgesprochen.
  • Im Juli 2018 zog Österreich auch die Bewerbung von Graz/Schladming wieder zurück, nachdem die steirische Landesregierung ihre Unterstützung versagt hatte.
  • Im September 2018 zog Japan die Bewerbung für Sapporo zurück. Man wolle sich ggf. um die Winterspiele 2030 bewerben.
  • Im November 2018 zog Kanada die Kandidatur für Calgary zurück, nachdem sich die Bevölkerung des Wintersportorts in einer Abstimmung (56%) gegen eine Weiterverfolgung der Pläne ausgesprochen hatte. Vorangegangen waren schwierige Verhandlungen mit Föderation und Provinz Alberta zur Finanzierung der Großveranstaltung.
  • Die Kandidatur von Erzurum in der Türkei wurde vom IOK erst gar nicht angenommen, da sich die Austragungsorte zu nah an derzeitigen Kriegsgebieten in Syrien befinden.

Am Ende blieben nur noch die Bewerbungen von Stockholm-Åre und Mailand-Anpezo übrig, zwischen denen sich die Delegierten gestern zu entscheiden hatten. Doch während sich die schwedische Regierung noch in letzter Minute hinter die eigene Kandidatur gestellt hat, war die Stadtverwaltung von Stockholm nicht für eine tatkräftige Unterstützung des Vorhabens zu erwärmen.

Und Umfragen des IOK zufolge soll die Zustimmung in der Bevölkerung zur Austragung der Spiele in Italien höher gewesen sein, als in Schweden.

Anzahl Olympiabewerbungen in der Endrunde:
AustragungsjahrAnzahl
20262
20222
20183
20143
20103
20062
20024
19985
19944
19927
19883
19843
19801
19764
19724
19686
19643
19604
19564
19523
19482

Siehe auch:

Mitbestimmung Politik Sport | | | | Canada Grischun Italy Nord-/Osttirol Österreich Souramont Südtirol/o Svizra Turchia | | Deutsch

Immersion in Kanada: Chancen und Risiken.
Erfahrungen aus dem Mutterland des Schulmodells

Sprachimmersion in der Schule ist ein Konzept, das in Kanada entwickelt wurde, wo es bis heute fast ausschließlich als french immersion bzw. immersion en Français bekannt ist. Das ist kein Zufall, denn es ist (wie auch hier beschrieben wird) keineswegs dasselbe, ob man Kinder einer Mehrheits- in eine Minderheitensprache badet oder umgekehrt. Eine Englisch-Immersion für Frankophone an einer öffentlichen kanadischen Schule muss man mit der Lupe suchen.

Interessant ist, was dem einschlägigen, mit Quellen belegten WikipediaEintrag zu french immersion in Kanada zu entnehmen ist.

Vorteile:

  1. Eine Studie habe gezeigt, dass die Immersion die akademische Leistungsfähigkeit steigern könnte.1)
  2. Schülerinnen beteiligten sich an Immersionsprogrammen, um berufliche Fähigkeiten zu trainieren und um bessere Anstellungsmöglichkeiten zu erlangen.2)
  3. Immersionsschülerinnen hätten ein höheres Maß an mentaler Flexibilität, was eine Fähigkeit sei, unabhängiger von Wörtern zu denken und ein höheres Bewusstsein für die Bildung von Konzepten zu haben, sowie eine diversifiziertere Intelligenz, als Schülerinnen im regulären Programm.3)
  4. Die Daten zeigten auch, dass Immersionsschülerinnen einen sprachlichen Vorteil hätten, da sie in der Lage seien, zwei unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, die alternative Möglichkeiten böten, dieselbe Information zu betrachten.4)
  5. Verständnis und Respekt für unterschiedliche Kulturen seien bei Immersionsschülerinnen größer. Zudem erlebten sie eine größere Befriedigung beim Erlernen einer neuen Sprache.5)
  6. Immersionsschülerinnen hätten auch bessere Möglichkeiten, ihre eigene Kultur oder ihre eigene Nation zu verstehen. So fuße Kanadas Identität darauf, dass es zwei Amtssprachen — Englisch und Französisch — gibt. Immersionsschülerinnen hätten die Möglichkeit, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, was es bedeute, Kanadierin zu sein.6)

So weit, so wunderbar. Ähnlich wie die Tatsache, dass dieses Modell im Mutterland der Immersion — das zudem, anders als Italien, kein mononationaler Staat ist — fast ausschließlich den Sprecherinnen der englischen Mehrheitssprache angeboten wird, werden aber in Südtirol von Befürworterinnen der (paritätischen) Immersion meist die damit zusammenhängenden Nachteile bzw. Herausforderungen ausgeblendet. Die im Wikipedia-Eintrag unter anderem wie folgt zusammengefasst werden:

  1. Zahlreiche Immersionsschülerinnen erreichten keine erstsprachenähnlichen Fähigkeiten in Französisch.7) Dies könne teilweise darauf zurückzuführen sein, dass sie sich teilweise weigerten, Französisch außerhalb des Klassenraums zu sprechen, was wiederum davon herrühren könnte, dass sich diese Schülerinnen nicht ausreichend vorbereitet oder mit Kenntnissen ausgestattet fühlten, die Sprache tatsächlich zu sprechen.8)
  2. Immersionsgrundschülerinnen hätten oft Schwierigkeiten, wenn sie in eine einsprachig englische Oberschule wechselten. Dies führe einem Bericht des Toronto Star zufolge häufig zu Problemen sowohl mit sprachlichen, als auch mit fachlichen Lücken in ihrem Lernen.9) Schülerinnen, die hingegen Zugang zu einer Oberschule mit Immersion hätten, könnten sich überfordert fühlen, wenn sie schwierige Inhalte in Mathematik und Naturwissenschaften in ihrer zweiten Sprache erlernen müssten. Auch Lehrkräfte könnten an solchen Schulen überfordert sein, wenn sie in diesem Kontext nur Französisch sprechen dürften; sie könnten sich unwohl fühlen, wenn in ihren Klassen Englisch benützt werde, um Wortschatz und komplexe Inhalte zu festigen.10) Manche Expertinnen empföhlen, in Schulämtern und Ministerien über den Gebrauch der englischen Sprache im Immersionskontext zu diskutieren, wenn es ums Erlernen komplexer Inhalte in Mathematik und Naturwissenschaften gehe.11)
  3. Es sei für Schulen in Kanada extrem schwierig, Lehrkräfte zu finden, die perfekt Französisch beherrschen und gleichzeitig Erfahrung und Nachweise für exzellente Lehrfähigkeiten in den unterschiedlichen Fächern haben, die sie zum Beispiel an Grundschulen unterrichten müssen. Ein Schulamt im Großraum Toronto habe 2017 berichtet, dass 80% der Direktorinnen kürzlich mitgeteilt hätten, es sei extrem schwierig, Französisch sprechende Lehrkräfte auf dem Niveau der Englisch sprechenden zu finden.9) […] Die Provinz Ontario habe geplant, ihre erste einsprachig französische Universität zu gründen, was das Personalproblem mildern könnte.12)
  4. Die Studie einer Doktorandin in Schulpolitik an der Universität Toronto habe die Problematik thematisiert, dass Immersionsklassen vielerorts zu einer Zweiklassenschule geführt hätten. Sie beschreibe ein System, wo die intelligenten, motivierten Kinder in die Französischklassen getrichtert würden, während alle anderen in den Englischklassen zurückgelassen würden, die als faktische Niedrigklassen gesehen werden könnten. Die Autorin habe eine an einer Schule in Vancouver durchgeführte Studie thematisiert, die im British Journal of Sociology of Education publiziert wurde, die zum Schluss kam, dass Immersionsprogramme als Cream-Skimming-Phänomen (Entrahmungsphänomen) wirkten, das weißen Eltern aus der Mittelschicht Zugang zu höherem sozialen Status und Prestige gebe.9)
  5. Ein Bericht des Canadian Council on Learning habe ein Scheitern vieler Schülerinnen beim Erlernen von Französisch festgestellt. Obschon die meisten kanadischen Schulkinder Englisch oder Französisch als Zweitsprache in der Schule lernten, führe dies oft nicht zu einer funktionalen Zweisprachigkeit. Die French Second Language Commission der zweisprachigen Provinz New Brunswick habe kürzlich berichtet, dass weniger als 1% der Schülerinnen, die 1994 in das Core-French-Programm eingeschrieben worden seien, bis 2007 das in der Provinz festgelegte Minimum erreicht hätten. Und weniger als 10% der Schülerinnen, die 1995 in die französische Frühimmersion eingeschrieben worden seien, hätten dieses Minimum bis 2007 erreicht.13)
  6. In 2008 sei die Französisch-Immersion in der Vancouver Sun 14) 15) dafür kritisiert worden, dass sie zu einem Weg für bessergestellte sozioökonomische Gruppen geworden sei, eine öffentlich finanzierte Elitebildung zu erhalten. Da niedrigere sozioökonomische Gruppen sowie Kinder mit Lern- und Verhaltensstörungen in Immersionsklassen weniger vertreten seien, habe sich eine Situation herausgebildet, in der ehrgeizige Familien Immersion mehr wegen des Streamings als wegen der Sprache wählten.
  7. Der Besuch von Immersionsklassen sei in Kanada für Migrantinnen schwierig geworden, weil Schulverwaltungen und Expertinnen der Schulämter argumentierten, dass bereits der Erwerb von Englisch als Zweitsprache eine große Herausforderung für die Schülerinnen sei.16) Die begrenzte Zugänglichkeit von Französisch-Immersionsprogrammen für die, die Englisch lernen, sei sehr ähnlich, wie bei Schülerinnen mit besonderen Erfordernissen. Als Ergebnis machten Medien Immigrantinnen für die abnehmende Zahl von Zweisprachigen in Kanada verwantwortlich, während die Zugewanderten nach Möglichkeiten suchten, zweisprachig zu werden.

Siehe auch:

1) Barik, H.C., and M. Swain (1978). Evaluation of a French immersion program: The Ottawa study through grade five. Canadian Journal of Behaviour Science, 10(3), S. 201.
2) Makropoulos, J. (2009). Gaining access to late French-immersion programs: Class-based perspectives of Canadian students in an Ottawa high school. Bilingual Research Journal, 32, S. 327.
3) Lazaruk, W. (2007). Linguistic, academic, and cognitive benefits of French immersion. The Canadian Modern Language Review, 63(5), S. 617.
4) Lazaruk, W. (2007). Linguistic, academic, and cognitive benefits of French immersion. The Canadian Modern Language Review, 63(5), S. 621.
5) Lazaruk, W. (2007). Linguistic, academic, and cognitive benefits of French immersion. The Canadian Modern Language Review, 63(5), S. 622.
6) Nagy, P., & Klaiman, R. (1988). Attitudes to and impact of French immersion. Canadian Journal of Education, 13(2), S. 275.
7) Roy, S. (2010). Not truly, not entirely…’Pas comme les Francophones’. Canadian Journal of Education, 33(3), S. 550
8) Macintyre, P., Burns, C., & Jessome, A. (2011). Ambivalence of communicating in a second language: A qualitative study of French immersion students’ willingness to communicate. The Modern Language Journal, 95(1), S. 94.
9) Maharaj, Sachin (9. November 2017). “Breaking the spell of French immersion”. – Toronto Star.
10) Culligan, K (2015). “Student and Teacher Perceptions of First Language Use in Secondary French Immersion Mathematics Classrooms”. Alberta Journal of Educational Research. 61 (1): 15.
11) Turnbull, Cormier, Bourque, M, M, J. “The First Language in Science Class: A Quasi-Experimental Study in Late French Immersion”. Modern Language Journal. 95: 195.
12) Gordon, Andrea (20. November 2017). “GTA board to decide fate of French immersion amid ‘staffing crisis. – Toronto Star.
13) “Parlez-vous français? The advantages of bilingualism in Canada”. Canadian Council on Learning. 2008. S. 6.
14) Gardner, D. The Vancouver Sun, 26. Juli 2008
15) “French immersion is education for the elite”. canada.com. 26. Juli 2008.
16) Canadian Council on Learning. “Lessons in learning: French-Immersion education in Canada”. Canadian Council on Learning.

Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Scola Service Public Wissenschaft | CLIL/Immersion | | | Canada | | Deutsch

Besser keine Ärztin, als einsprachig deutsch.

Aus einer Pressemitteilung des Südtiroler Landtags geht unter anderem folgendes hervor:

Eine Südtiroler Bürgerin, die mehrere Jahre in Österreich arbeitete und daher der italienischen Sprache nicht ausreichend mächtig ist, wurde in der Notaufnahme des Krankenhauses Brixen von einer Ärztin behandelt, berichtete die Süd-Tiroler Freiheit. Sie war zwar sehr freundlich, sprach jedoch kein Wort Deutsch. Nur mit großer Mühe konnte die Patientin den Erklärungen der Ärztin folgen. Die Fragen an die Landesregierung: Was sagt die Landesregierung zur Tatsache, dass im Gesundheitswesen das Recht der Patienten auf Gebrauch ihrer Muttersprache immer wieder missachtet wird? Wird die Landesregierung das Landeskrankenhaus Brixen zur Einhaltung der Verpflichtung der Ärzte und Pfleger zur Zweisprachigkeit mahnen? Was empfiehlt die Landesregierung den betroffenen Patienten, wenn diesen – als wäre dies fast schon selbstverständlich – das Recht auf Gebrauch ihrer Muttersprache verwehrt wird? Was konkret unternimmt die Landesregierung, damit die Ärzte in Südtirol möglichst zweisprachig sind?
Man wisse, dass es in diesem Bereich Probleme gebe, antwortete die Landesregierung. Es sei auch kaum möglich, Personal aus Österreich oder Deutschland einzustellen, das [sic] es hier Einwände der Ärztekammer gebe. Daher seien derzeit viele Ärzte aus Oberitalien hier tätig. Man wolle nun ein neues Angebot mit den Gewerkschaften klären, sodass Sprachkurse auch während der Arbeitszeit möglich werden.

Wenn es dafür noch Bedarf gegeben hätte, haben wir es hier schwarz auf weiß. Es heißt zwar immer wieder »besser eine einsprachige Ärztin, als gar keine«, doch das gilt nur für einsprachig italienische. Andersherum folgt die Gesetzeslage — und der eifrige Einsatz des römischen Gesundheitsministerium — eher dem Prinzip »besser gar keine Ärztin, als eine einsprachig deutsche«. Es gibt also, wie ich bereits bemerkt hatte, Bürgerinnen erster Klasse (die, die Staatssprache als Muttersprache haben) und letzter Klasse (die, die nur auf dem Papier gleichgestellte deutsche Sprache als Muttersprache haben).

In Zeiten von Personalmangel könnte eine Übergangslösung zur Einhaltung der Zweisprachigkeitspflicht und zur Wahrung der Rechte von Patientinnen sein, neben einsprachig italienischen auch einsprachig deutsche Ärztinnen zu beschäftigen. Dann könnte man Patientinnen — insbesondere da, wo die Verständigung andernfalls schwierig wäre — Ärztinnen der jeweiligen Sprache zuzuweisen versuchen.

Wie wichtig Sprache im Gesundheitswesen und wie riskant Sprachbarrieren sind, zeigt unter anderem das hier jüngst in Ansätzen thematisierte Papier aus Kanada.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Gewerkschaften Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Recht Service Public Vorzeigeautonomie | Zitać | | | Canada Deutschland Italy Österreich Südtirol/o | Land Südtirol Sabes STF Südtiroler Landtag | Deutsch

Language Barriers in Health Care.
Quotation 547

In Canada there are four constituencies who may face barriers to health care due to having a nonofficial first language: First Nations and Inuit communities, newcomers to Canada (immigrants and refugees), Deaf persons, and, depending on location of residence, speakers of one of Canada’s official languages. Access to necessary health services is a right of every Canadian as guaranteed by the Canada Health Act of 1984. However, access has generally been interpreted to mean the absence of explicit financial barriers to care.

It is generally agreed that the best communication is achieved where health care providers and patients speak the same language.

There is compelling evidence that language barriers have an adverse effect on initial access to health services. These barriers are not limited to encounters with physician and hospital care. Patients face significant barriers to health promotion/prevention programs: there is also evidence that they face significant barriers to first contact with a variety of providers.

Recent research that includes the variables of both ethnicity and official language proficiency suggests that in many cases, language, rather than cultural beliefs and practices of patients, may be the most significant barrier to initial contact with health services.

Language barriers have been associated with increased risk of hospital admission, increased risk of intubation for asthmatics, differences in prescribed medication, greater number of reported adverse drug reactions, and lower rates of optimal pain medication. There is also preliminary evidence that such barriers are related to less adequate management of chronic diseases such as asthma and diabetes.

Quality of care for those who are not fluent in an official language is affected through interaction with health professionals who may, because of language barriers, fail to meet ethical standards in providing health care. Language barriers may result in failure to protect patient confidentiality, or to obtain informed consent.

Patients who do not speak the same language as their health care providers consistently report lower satisfaction than those who share the same language as their providers.

A review of the literature reveals consistent and significant differences in patients’ understanding of their conditions and compliance with treatment when a language barrier is present. Findings from these studies are consistent with general research on provider-patient communication, which finds that communication is a key factor in patient adherence to the treatment plan.

Reliance on family members, or untrained interpreters recruited on an ad hoc basis (the most common responses to language barriers in Canada today) poses too many risks to be acceptable.

There is also evidence that language barriers contribute to inefficiencies within the health system.

As evidence related to costs and benefits has mounted however, there is a realization that provision of language access services may result in cost savings to both the health system and the larger society. The focus on reducing health care costs may therefore also serve as an impetus for developing strategies to address language barriers.

excerpted from Sarah Bowen, B.A., M.Sc., Language Barriers in Access to Health Care, 2001; underlinings by

See also:

Comparatio Datenschutz Gesundheit Grundrechte Kohäsion+Inklusion Migraziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Publikationen Service Public Wissenschaft | Best Practices Zitać | | | Canada | | English