A better society.
Quotation 32

My passion is not to cross some imaginary constitutional finishing line at some point in the future, and think — the race is won. Because the challenge that drives me is not the constitution, but the people, my aim is now, has been in the past, and always will be: to deliver a better society for the people of Scotland. It happens that we need full powers to do this but the people come before the powers, the community before the constitution, the children before the state.

Alex Salmond, First Minister of Scotland, 26 may 2011

See also:

Politik Selbstbestimmung | Zitać | Alex Salmond | | Scotland-Alba | SNP | English

Ein Gespenst namens Freiheit?

Außer meinem Leserbrief ist zum Thema Freistaat in der dieswöchigen ff auch einer von Georg Lezuo erschienen, der die Meinung vieler — vor allem »alternativer« — Südtirolerinnen (Beispiele: ) gut zusammenfasst. Aus diesem Grund eignet er sich für einen Kommentar ganz besonders. Der Wortlaut:

Wenn es bereits in Südtirol in seinem heutigen Zustand als mutige Tat gilt, Gedanken, die den Mächtigen nicht genehm sind, offen auszusprechen; wenn mir wohlmeinende Menschen davon abraten, mich als Lehrer über Führungsstil und Entscheidungen innerhalb der lokalen Schulhierarchie auszulassen; wenn man nicht allzu selten herbem, respektlos Spott ausgesetzt ist, weil Akzent und Tonfall das Hochdeutsch als Erstsprache verraten, dann frage ich mich: Wie wird es sein, wenn derart kleinkarierte, intolerante Spießer unumschränkte Herren im kleinen, engen, kontrollierbaren Land wären?
Ein solcher Freistaat ähnelte eher einem Gruselkabinett, ja einer Hölle auf Erden. Sollte es in der Tat zur Entstehung eines Freistaates kommen, täte ich womöglich etwas, womit ich in jüngeren Jahren in meinen Gedanken gespielt habe: Ich würde meine Koffer packen und mir für den Rest meines Lebens anderswo eine Bleibe suchen. Irgendwo, wo ich mich frei fühlen würde.

Georg Lezuo, Bozen

Da ich nicht glaube, dass Herr Lezuo den Südtirolerinnen grundsätzlich bescheinigen möchte, schlechtere Menschen zu sein — Rassismus unterstelle ich ihm nicht — muss doch irgendwie anders erklärbar sein, dass »in Südtirol in seinem heutigen Zustand als mutige Tat gilt, Gedanken, die den Mächtigen nicht genehm sind, offen auszusprechen«. Lassen wir mal die Frage offen, ob Lezuos Aussage wirklich zutrifft: Ich persönlich trete mit meinem Blog ziemlich vielen auf den Schlips, eine auch nur indirekte Bedrohung oder Benachteiligung habe ich jedoch noch nie erlebt. Den wenigsten Humor und die geringste Gelassenheit bringen regelmäßig — leider! —  im weitesten Sinne Oppositionelle und nicht die SVP auf. Nehmen wir trotzdem mal an, Herrn Lezuos Aussage stimmt, und trifft auf Südtirol auch noch in einem höheren Maße zu, als auf andere Regionen des Kontinents*. Was jedenfalls relativ unstrittig scheint, ist, dass wir in Südtirol ein Machtproblem haben — ein Problem der Machtkonzentration. Eine einzige Partei vereint über einen ungewöhnlich langen Zeitraum eine ungewöhnlich große Macht auf sich: Dass dies zu Filz, Freunderlwirtschaft und den Problemen führen kann, die Herr Lezuo nennt, liegt auf der Hand.
Die entscheidende Frage, die man sich nun stellen muss, ist, aufgrund welcher Voraussetzungen diese Konstellation entstehen konnte. Die Antwort darauf sollten alle kennen: Minderheit im Nationalstaat, kalter Wind aus Rom, Zusammenhalt, Autonomie und schließlich: Sammelpartei. Eine solche Partei gibt es in Liechtenstein und in Luxemburg nicht, es gibt sie nicht in Nordtirol oder in der Schweiz. Ja nicht einmal in Bayern, obwohl einige Parallelen zweifellos bestehen (die SPD hat aber nicht mit der CSU fusioniert).

Warum also geht Herr Lezuo davon aus, dass die Unabhängigkeit diese Situation erhalten, ja noch verstärken würde, anstatt sie ein für alle Male auf den Müllhaufen der Geschichte zu verbannen? Seine Schlussfolgerung greift zu kurz: Warum ist die Volkspartei — entgegen ihrer statuarischen Grundsätze — zwar für den Ausbau des derzeitigen Systems, aber gegen die Loslösung vom Nationalstaat? Könnte es vielleicht auch daran liegen, dass dann der soziale Kitt, die Rechtfertigung für ein demokratisch so unnatürliches Konglomerat abhanden käme?

Siehe auch:

* was ich nach 6 Jahren in der Schweiz nicht ohne weiteres bestätigen würde

Medien Politik Selbstbestimmung | Zitać | | ff | Bayern Lëtzebuerg Liechtenstein Nord-/Osttirol Svizra | CDU/CSU SPD SVP | Deutsch

Confini (inesistenti).
Quotation 31

Se vogliamo uno Stato c’é bisogno di confini, e non mi potete dire che si può fare, proprio perché in Europa non ci sono più confini. […]

Luis Durnwalder (SVP), interpellato dalla stampa circa le affermazioni di Richard Theiner (SVP), che aveva minacciato il ricorso all’autodeterminazione se l’Italia non rispettasse lo statuto di autonomia. Dall’edizione odierna del quotidiano A. Adige.

Durante la stessa conferenza stampa Durnwalder ha avvertito che, per effetto della manovra del governo Monti, un numero imprecisato di imprese sudtirolesi starebbe preparando il proprio trasferimento in Austria o in Svizzera.

Le imprese forse non sanno che i confini non esistono più?

Vedi anche:

Grenze Medien Selbstbestimmung Wirtschaft+Finanzen | Zitać | Luis Durnwalder Mario Monti Richard Theiner | AA | Österreich Südtirol/o Svizra | SVP | Italiano

Wirtschaftslage.
Quotation 29

So ernst die Staatsverschuldung, das fehlende Wirtschaftswachstum und die Einkommensverluste auf Staatsebene auch sind, so sichert die italienische Sparquote, die geringe Verschuldung vieler Familien und die Wirtschaftskraft Italiens mehr Stabilität als in Portugal, Irland, Griechenland und Spanien.

Aus der Pressemitteilung der Südtiroler Grünen mit dem Titel »Zuerst abzocken, dann raus?« (August 2011).

Zurzeit befindet sich nur noch Griechenland in einer dramatischeren Situation als Italien. Kein Land gefährdet den Fortbestand der Eurozone stärker, als der Stiefel. Ohne den massiven Ankauf italienischer Staatspapiere durch die EZB wäre der Staat wahrscheinlich bereits pleite.

Politik Wirtschaft+Finanzen | Zitać | | | Griechenland Italy Südtirol/o | Vërc | Deutsch

Vollautonomie (I).
Quotation 28

Herr Zeller, die Südtiroler Volkspartei gibt die Marschrichtung vor und wirbt für die Vollautonomie. Können Sie uns erklären, was die Partei damit konkret verfolgt?

Vollautonomie heißt, dass wir den Weg weiterverfolgen, den wir bisher gegangen sind. […]

K.Abg. Karl Zeller im heutigen TAZ-Interview.

Siehe auch:

Medien Politik Vorzeigeautonomie | Zitać | Karl Zeller | TAZ | | SVP | Deutsch

Tschöggl.
Quotation 27

Ich fühle mich auch als Italienerin. Ich weiß, dass Südtirol zu Italien gehört und ich halte auch zu Italien, beim Fußball und beim Skifahren. Manchmal treffen wir uns im Jugendzentrum oder in einer Bar, und wenn zufällig ein Abfahrtsrennen übertragen wird, dann verfolgen wir es im Fernsehen. Wenn ein Österreicher im Rennen ist und am Ende nicht die Eins aufscheint, klatschen wir. Ob ein Franzose oder ein Norweger oder ein Italiener — das sind ja meistens auch Südtiroler — die Abfahrt gewinnt, ist egal, Hauptsache kein Österreicher.
Wir machen das teilweise auch, um die anderen zu provozieren. Bei uns im Dorf gibt es unglaublich viele Tschöggl, die behaupten, dass wir nicht Italiener sind, dass die Tiroler immer schon deutsch waren und dass wir zu Österreich gehören. Die nennen sich dann Patrioten. Sie wollen mit Italien nichts zu tun haben, wollen natürlich auch nicht Italienisch lernen, geschweige denn reden. Sie behaupten, dass sie das nicht brauchen.

ff Nr. 43 veröffentlichte Auszüge aus »reden — Siebzehn Sprechgeschichten aus Südtirol« von Toni Colleselli (Verlag Alpha Beta).

Während abfällige Äußerungen über unsere italienischen Mitbürgerinnen längst nicht mehr gesellschaftsfähig sind, ist Tschöggl-Bashing in weiten Kreisen Konsens — und scheint in manchen Fällen sogar das Ansehen der Urheberin zu steigern. Es wäre interessant zu erforschen, inwiefern offen zur Schau getragene Ablehnung gegen »Tschöggl« (der zum Teil auch eine große Portion Selbstverleugnung beinhaltet, wie ich unterstelle) zum Emanzipationsritual Neu- oder Pseudo-Weltoffener gehört — wobei diesem Verhalten wohl die zweifelhafte Gleichung Weltoffenheit = Stadt = Italiener (die sich in Südtirol in den Städten konzentrieren) zugrundeliegt.

Discriminaziun Kohäsion+Inklusion Medien Nationalismus Plurilinguismo Politik Publikationen Sport | Zitać | | ff | Italy Österreich Südtirol/o | | Deutsch

Geschichtsbuch.
Quotation 26

Die geschichtswissenschaftliche und künstlerische Aufarbeitung [des Freiheitskampfes] setzte noch im Vormärz ein. Nach 1848 begann eine politische Instrumentalisierung von »Anno Neun«, die auch im 20. Jh. anhielt.

In der Volksschule, deren Besuch für [Andreas Hofer] um 1774, dem Jahr der Einführung der allgemeinen Schulpflicht, begann, erwarb er nur die nötigsten Kenntnisse; zumal das Schreiben war Zeit seines Lebens nicht seine Stärke.

Durch den Kontakt mit [den Gästen des Sandwirts] und durch die eigenen Reisen in den nördlichen Landesteil und ins heutige Trentino, die er als Vieh- und Weinhändler unternahm, war Hofer über das politische Geschehen gut informiert. Dies bedeutete freilich nicht, dass er auch einen weiten geistigen Horizont gehabt hätte.

Aus dem Geschichtsbuch für alle drei Sprachgruppen:
Erika Kustatscher, Stefan Lechner, Carlo Romeo, Alessandra Spada
Übergänge und Perspektiven. Grundzüge der Landesgeschichte.
Athesia-Verlag, Bozen, 2011.

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