Medici, la (non) parificazione secondo Palermo.

Sull’inserto locale del Corriere di sabato (5 settembre) è apparsa un’intervista a Francesco Palermo (ex senatore PD/SVP) sulla questione dei «medici tedeschi», in cui definisce l’emendamento dell’SVP «una risposta sbagliata a una richiesta legittima»:

Serve una specifica norme [sic] di attuazione, non una modifica della legge ordinaria.

aggiungendo che

deve essere posto in modo inequivocabile che la deroga per l’iscrizione all’albo, concedibile ribadisco solo con una specifica norma di attuazione, vale esclusivamente per la Provincia di Bolzano, specificando che il professionista in questione non avrebbe contatti con l’utenza del settore pubblico.

Ma che cosa c’è di così difficile nel concetto di parificazione tra le due lingue?

Anch’io sono dell’avviso che idealmente tutto il personale del sistema sanitario pubblico debba essere bilingue. Tuttavia, per il personale di madrelingua italiana già anni fa si è deciso di introdurre il limite dei tre anni (poi diventati cinque) per imparare il tedesco. Inoltre, i cosiddetti «gettonisti» di lingua italiana sono completamente esonerati dall’obbligo di bilinguismo.

Se le due lingue sono parificate, queste eccezioni devono valere per entrambe, altrimenti che si aboliscano — ma questo significherebbe dover licenziare in tronco un quarto dei medici in organico.

Una deroga, poi, necessariamente deve essere limitata nel tempo. I medici che parlano la sola lingua italiana, hanno tempo cinque anni per mettersi in pari con il tedesco. Sarebbe ragionavole una norma analoga a parti invertite.

Giusto, ma questo riguarda il settore pubblico (nel quale Palermo non vorrebbe nemmeno far lavorare i monolingui tedeschi). Per quanto riguarda l’iscrizione all’Ordine i medici che parlano la sola lingua italiana non hanno alcun obbligo di mettersi in pari con il tedesco. Anche in questo caso deve valere che la limitazione nel tempo deve valere per entrambi i gruppi linguistici o per nessuno. Altrimenti avremmo — come attualmente infatti abbiamo — una situazione discriminatoria.

È stato detto che la deroga varrebbe solo per i servizi sanitari privati non convenzionati con il pubblico

In tal caso, non servirebbe alcun intervento. È già previsto dalle normative europee in vigore che valgono per tutte le regioni dell’Unione, Alto Adige incluso. Per paradosso, se io fossi un medico e volessi aprirmi uno studio in Danimarca, senza sapere una parola di danese, nessuno me lo potrebbe vietare. Sarebbero poi gli utenti a scegliere se rivolgersi a me, magari accettando di confrontarsi in inglese.

Questo me la sentirei proprio di escluderlo, perché i monolingui tedeschi non sono stati espulsi solo dal sistema sanitario pubblico, bensì principalmente dall’Ordine, al quale bisogna essere iscritti per poter esercitare la professione. D’altronde la direttiva europea 2005/36/CE, al terzo comma dell’articolo 53 recita:

I controlli [sulla conoscenza delle lingue] possono essere imposti se la professione da praticarsi ha ripercussioni sulla sicurezza dei pazienti. […]

Ciò vale per «l’esercizio della professione» in generale e non solo per poter lavorare nel sistema sanitario pubblico.

Vedi anche: |

Arbeit Discriminaziun Faktencheck Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Service Public | Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | Francesco Palermo | Corriere | Südtirol/o | EU | Italiano

Erbitterter Widerstand gegen deutsche Ärztinnen.

Rund ein Viertel der im öffentlichen Südtiroler Gesundheitswesen beschäftigten Ärztinnen (257 an der Zahl) sind — laut dem zuständigem Landesrat, Thomas Widmann (SVP) — zum heutigen Tag der deutschen Sprache nicht mächtig. Personal mit dem öffentlichen Gesundheitssystem konventionierter Privatkliniken ist hier noch gar nicht berücksichtigt.

Während einsprachig italienische Ärztinnen privat und (aufgrund von Ausnahmeregelungen) auch im öffentlichen Bereich in Südtirol arbeiten dürfen, ist dies umgekehrt — für deutschsprachige Ärztinnen — seit über einem Jahr nicht mehr möglich. Damals wurde die entsprechende Praxis der zuständigen Kammer abrupt beendet, Mitglieder ohne Nachweis von Italienischkenntnissen mussten vor die Tür gestellt werden.

Sämtliche Versuche, die Gleichstellung der Sprachen wiederherzustellen, sind seitdem gescheitert. Gegen eine entsprechende Abänderung des vor seiner Verabschiedung stehenden Vereinfachungsgesetzes leistet nun eine Gruppe nationalistisch gesinnter Parlamentarierinnen der 5SB um die ehemalige Gesundheitsministerin Giulia Grillo erbitterten Widerstand. Auf ihrer Linie sind aber etwa auch der Verband der Ärztekammern und Luca Crisafulli, der auf Vorschlag der populistischen Bewegung in der Sechserkommission sitzt.

Seiner fragwürdigen Interpretation, dass einsprachig deutsche (im Unterschied zu einsprachig italienischen) Ärztinnen gar EU-Recht widersprächen, steht jene des EU-Rechtsexperten Walter Obwexer (Uni Innsbruck) diametral entgegen, der schon im Vorjahr konstatiert hatte, dass die Gleichstellung nicht nur mit Unionsrecht konform sei, sondern von diesem geradezu vorgeschrieben werde. Laut einschlägiger Richtlinie (2005/36/EG, Art. 53, Abs. 2) wäre es nämlich im Sinne der Niederlassungsfreiheit und Arbeitsnehmerfreizügigkeit sogar diskriminierend, zur Einschreibung in die Berufskammern die Kenntnis von mehr als einer Amts- oder Verwaltungssprache abzufragen.

Für die Einstellung im öffentlichen Sektor darf natürlich auch weiterhin der Zweisprachigkeitsnachweis verlangt werden.

Aufs EU-Recht nimmt auch Senator Meinhard Durnwalder (SVP) in einer Stellungnahme für Salto Bezug. Kollegin Julia Unterberger sieht es ähnlich. Ex-Senator Karl Zeller (SVP) kündigt in einem gestern im Corriere erschienenen Interview gar an, die Ärztekammer verklagen zu wollen, wenn sie Anwärterinnen ohne Italienischkenntnisse auch weiterhin die Aufnahme verweigert.

Lega-Chef Matteo Salvini (hallo Südtiroler Lega-Fans!) erteilte der Gleichberechtigung bei seinem gestrigen Wahlkampfauftritt in Bozen hingegen eine klare Absage — mit dem sonderbaren Argument, dass das Recht der Patientinnen gewahrt bleiben müsse, sich mit den Ärztinnen verständigen zu können. Offensichtlich gilt seine Sorge aber (prima gli italiani!) nur den italienischsprachigen Patientinnen, denn eine sofortige Entlassung der 257 Einsprachigen forderte er nicht.

Indes erklärte Senatspräsidentin und — eh — Südtirolfreundin Elisabetta Casellati (FI) die bereits genehmigte (!) Abänderung zum Vereinfachungsgesetz, die die Gleichstellung hätte durchsetzen sollen, einfach für unzulässig und strich sie wieder aus dem Gesetz.

In der Vorzeigeautonomie werden die verbrieften Rechte von rund 70% der Bevölkerung im wohl sensibelsten Bereich auch weiterhin systematisch behindert.

Siehe auch:

Arbeit Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Recht Service Public | Bilinguismo negato Italianizzazione | Julia Unterberger Karl Zeller Matteo Salvini Meinhard Durnwalder Thomas Widmann | Corriere Salto | Italy Südtirol/o | 5SB/M5S Lega SVP | Deutsch

Einsprachiges Messgerät im Landtag.

Am 27. Juli hatte der Landtagsabgeordnete Alessandro Urzì (FdI) eine Anfrage ans Landtagspräsidium gerichtet, mit der er sich erkundigte, wer das Fiebermessgerät am Eingang des Landtags aus welchem Grund nach der Montage umprogrammiert hat, sodass nun die akustischen Mitteilungen nur noch auf Deutsch (und nicht mehr wie bis dahin: nur auf Italienisch) ertönen.

Die Begründung von Generalsekretär Florian Zelger, der die Umstellung angeordnet und die Anfrage beantwortet hat, lautet: Auf dem Display des Messgeräts werde das Ergebnis der Messung farblich (rot oder grün) angezeigt. Das reiche. Die akustische Information könne nicht in mehreren Sprachen ausgegeben werden, weshalb man sich einerseits an der Erstsprache der Pförtnerinnen (Deutsch) orientiert habe, die das Display von ihrer Loge aus nicht einsehen können und somit akustisch informiert werden, ob die eintretenden Personen Fieber haben. Zudem seien die Mehrzahl der Landtagsabgeordneten und der Besucherinnen deutschsprachig.

Ich finde sowohl die Anfrage als auch die Antwort suboptimal.

  • Bei Urzì schwingt wieder einmal mit, dass ihm italienische Einsprachigkeit lieber wäre als deutsche Einsprachigkeit. Letzteres ließe sich aber zumindest sprachpolitisch mit dem Prinzip der positiven Diskriminierung (affirmative action) rechtfertigen, zum Beispiel aufgrund der allgemeinen sprachlichen Situation im Lande.
    Wennschon sollte die Frage also lauten, warum sich der Landtag vor Anschaffung eines derartigen Geräts nicht erkundigt hat, ob es fähig ist, die Ergebnisse in mehreren Sprachen parallel auszugeben.
  • Die Antwort von Zelger wiederum geht nicht von sprachpolitischen, sondern nur von quantitativen Überlegungen aus, die hier meiner Meinung nach wenig Sinn ergeben. Eine etwaige positive Diskriminierung müsste nämlich auch (und gerade!) dann gelten, wenn die Minderheitensprache von wenigen Besucherinnen gesprochen wird und die Staatssprache von vielen.
    Zudem blendet die Antwort aus, dass es sehbehinderte Menschen gibt, für die die akustische Information sehr wohl relevant (und nicht nur ein netter Zusatz) ist.

Ohne dafür einen Beweis zu haben gehe ich aber ohnehin eher davon aus, dass beim Ankauf des Gerätes geschlampt wurde. Anstatt eine wirklich mehrsprachige Messstation zu erwerben wurde eine ausgesucht, die entweder die eine oder die andere Sprache berücksichtigt.

Mit einer sorgfältigen Recherche hätte man unter Umständen vielleicht sogar ein Gerät mit frei programmierbarer Sprachausgabe finden können: dann hätte sogar Ladinisch berücksichtigt werden können — jene Sprache in Südtirol, die eine positive Diskriminierung am dringendsten nötig hätte.

Siehe auch:

Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Service Public Tech&Com | affirmative action Bilinguismo negato Coronavirus | Alessandro Urzì | | Südtirol/o | FdI Südtiroler Landtag | Deutsch

FNOMCeO ancora contro il tedesco.

La Federazione degli Ordini dei Medici (FNOMCeO), per bocca del proprio Presidente, torna ad attaccare la parificazione del tedesco all’italiano in Sudtirolo. In un comunicato — collocato in primissimo piano sul sito della federazione — Filippo Anelli si scaglia contro il progetto che renderebbe la padronanza di una delle due lingue «requisito sufficiente di conoscenza linguistica necessaria per l’esercizio delle professioni sanitarie».

Non sapevo che la provincia di Bolzano fosse stata annessa all’Austria – ironizza -. La lingua ufficiale del nostro Paese, del nostro Servizio sanitario nazionale, è ancora l’italiano.

— Filippo Anelli

Ironia razzista e discriminatoria che denota l’incapacità totale di immaginare (e di accettare) che in una porzione dello stato vi sia una seconda lingua equiparata a quella «nazionale». Questo basta a ritenere che tale territorio debba essere stato annesso da un altro paese.

Comprendiamo l’importanza del bilinguismo in Alto Adige – ammette Anelli – e, anzi, lo appoggiamo, in ottemperanza all’articolo 20 del nostro Codice deontologico, che considera il tempo della comunicazione quale tempo di cura. La comunicazione è dunque parte essenziale della relazione di cura e deve essere modulata in base alle conoscenze del paziente.

— Filippo Anelli

Bene, e allora per quale ragione ci si scaglia contro una misura che concederebbe ai monolingui tedeschi quel che già oggi è concesso ai monolingui italiani? Più precisamente: se davvero la FNOMCeO appoggiasse il bilinguismo (e non si limitasse a combattere il tedesco) per quale ragione non si è mai scagliata contro l’imperante monolinguismo italiano e contro le mille e una deroga all’obbligo di bilinguismo vigente in questa terra?

Di fatto, però, questa misura attua la separazione normativa della provincia di Bolzano dal Servizio sanitario nazionale, modificando i requisiti e i titoli che la normativa prevede per praticare la professione medica in Italia, tra i quali la conoscenza della lingua italiana, da accertarsi, per i medici stranieri, all’atto dell’iscrizione all’Ordine – argomenta Anelli -. In altre parole, si consente ai medici austriaci di esercitare nella provincia di Bolzano senza che abbiano conoscenza della lingua italiana, creando una sorta di extraterritorialità rispetto al resto del territorio nazionale.

Ecco la risposta. Il monolinguismo va bene finché è monolinguismo italiano, perché non da luogo alla fantomatica «extraterritorialità» del Sudtirolo, mentre la parificazione del tedesco è da considerarsi «annessione all’Austria» (ironicamente, beninteso). Ovvero: alla FNOMCeO il bilinguismo in quanto tale non interessa un fico secco, basta che non si intacchi l’unità (linguistica) nazionale. Ipocrisia allo stato puro.

Spero vivamente che anche i più sprovveduti capiscano che l’Italia è e rimane strutturalmente incapace a concepire (e a maggior ragione a valorizzare) una situazione di vero pluralismo linguistico.

Vedi anche:

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Service Public | Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | | | Italy Österreich Südtirol/o | | Italiano

Sabes: Mit der Zweisprachigkeit haperts.
Ein konkretes Beispiel

In letzter Zeit hatte ich leider mehrmals mit dem Gesundheitsbetrieb (und hier speziell mit dem Krankenhaus Meran) zu tun. Wobei sich mein »leider« auf die Selbstverständlichkeit bezieht, dass man lieber gesund ist und (umso mehr im Coronajahr) die Krankenhäuser meidet — denn im Großen und Ganzen war ich mit der Versorgung und der Professionalität sowie der Freundlichkeit des Personals äußerst zufrieden.

Eine große Ausnahme bildet die Mehrsprachigkeit, die sehr zu wünschen übrig lässt.

Wenn man als Patient schon immer wieder sprachliche Abstriche hinnehmen muss, weil ein nicht unerheblicher Teil des Personals einsprachig ist, würde man sich doch erwarten dürfen, dass wenigstens drumherum penibelst darauf geachtet wird, dass alles den Vorschriften entspricht. Doch weit gefehlt: Etwa auch bei vorgefertigten Formularen stößt man aus sprachlicher Sicht auf eine Nachlässigkeit, die durch nichts zu rechtfertigen ist.

Ein Beispiel sind etwa die Ausdrucke, mit denen man zu einem Schalter geschickt wird, um die Ticketgebühr zu begleichen:

Die Verzerrung des Bildes liegt daran, dass ich das Foto im Gehen — kurz vor Abgabe des Wisches — geschossen und mit einem Bildbearbeitungsprogramm entzerrt verschlimmbessert habe. Schwärzungen von mir.

  • Die Landesbezeichnung »Provincia autonoma di Bolzano« ist einsprachig. Wir alle erinnern uns noch daran, welches Chaos es (auf Staatsebene!) hervorgerufen hat, als »Südtirol« in einem einzigen Landesgesetz nicht mit dem A.-Wort, sondern mit Provincia autonoma di Bolzano übersetzt werden sollte. Eine einsprachig italienische Landesbezeichnung auf tausenden Zetteln beim Gesundheitsbetrieb scheint hingegen gar niemandem aufzufallen.
  • Dass es sich um eine bereits erbrachte Leistung handelt, steht auf dem Ausdruck riesengroß drauf. Ausschließlich auf Italienisch. Neben »erogata« hatte »erbracht« wohl nicht mehr Platz. Pech gehabt.
  • Die abgekürzte Monatsbezeichnung auf dem Datumstempel — ebenfalls nicht zweisprachig.
  • Die einsprachigen Kürzel mögen zwar weniger auf- und ins Gewicht fallen, sie sind aber auch allesamt einsprachig italienisch. »U, B, D, P« steht für urgente, breve, differita und programmata; »S, H« für suggerita und ricovero ospedaliero (H für hospital); »Assist. SSN« für assistito sistema sanitario nazionale; »ctr« für controllo.

Wenn es das Land und der Gesundheitsbetrieb mit der Zweisprachigkeitspflicht ernst meinen würden, wäre so etwas nicht möglich.

Übrigens: Mit diesen Zetteln wird man als Kranker von der Abteilung zur Kassa geschickt. Die Quittung muss man dann wieder durch das Labyrinth des Krankenhauses in die Abteilung zurückbringen, bevor man nach Hause darf. Während also die Versorgung zumindest in meinem Fall top war, scheint es bei der Organisation noch sehr viel Luft nach oben zu geben.

Hinweis an den Gesundheitsbetrieb: Dieser Bericht ist ausdrücklich nicht eine Genehmigung, meine Krankengeschichte publik zu machen.

Siehe auch:

Bürokratismus Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Ortsnamen Plurilinguismo Service Public Sprachpfusch | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione | | | Südtirol/o | Land Südtirol Sabes | Deutsch

Ministerinnen müssen Baskisch sprechen.
Über 300 Journalistinnen lancieren Appell

Im Juli hatten in Euskadi die eigentlich für April geplanten Parlamentswahlen stattgefunden. Während nun um die Regierungsbildung verhandelt wird, haben 325 baskische — aber nicht nur baskischsprachige — Journalistinnen einen dringenden Appell unterzeichnet, bei der Auswahl der neuen Ministerinnen und höheren Regierungsvertreterinnen darauf zu achten, dass sie auch die Landessprache gut beherrschen.

Das sieht das vor fast 40 Jahren verabschiedete Gesetz zur Normalisierung der baskischen Sprache vor, doch immer wieder waren einzelne Regierungsmitglieder außerstande, Fragen der Medien frei auf Baskisch zu beantworten. Lediglich vorgefertigte Mitteilungen verlasen sie dann in der von Jahrzehnten franquistischer Diktatur stark geschwächten Sprache.

Die Journalistinnen machen in ihrem Appell darauf aufmerksam, dass sie im Vergleich zu kastilischsprachigen Kolleginnen seit Jahren in einer Situation der Ungleichheit und Benachteiligung arbeiten — vor allem im audiovisuellen Bereich, wo Pressekonferenzen, Ansprachen und Interviews oft direkt übertragen werden. Sämtliche Ministerinnen sind stets der Staatssprache Kastilisch mächtig. Es reiche nun nicht mehr, dass Erklärungen auf Baskisch vorgelesen oder der baskischen Sprache mächtige Sprecherinnen vorgeschickt würden, denn Medien und Bürgerinnen hätten einen Anspruch darauf, von der Regierung vollumfänglich in ihrer Sprache informiert zu werden. In der gegenwärtigen Pandemie sei dies noch wichtiger geworden.

Außerdem, so die Unterzeichnerinnen, sei die Stärkung der Landessprache eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der der Regierung eine Vorbildfunktion zukomme.

In Südtirol, wo Regierungsmitglieder nicht verpflichtet sind, beide großen — oder gar alle drei — Landessprachen auch nur ansatzweise zu beherrschen, sind die auch vom Proporz vorgesehenen Landesräte italienischer Muttersprache der deutschen Sprache in der Regel kaum oder nicht mächtig. Noch seltener ist der Fall, dass sie sich in Pressekonferenzen auf Deutsch äußern, während sämtliche Mitglieder (wenn auch auf unterschiedlichem Niveau) die Staatssprache beherrschen und benutzen. Auch hier sind die deutschsprachigen Medien also benachteiligt — umso mehr, wenn wir berücksichtigen, dass Pressekonferenzen wichtiger staatlicher Stellen im Land (Staatsanwaltschaft, Polizeikräfte etc.) meist ohnehin weitgehend einsprachig auf Italienisch abgehalten werden.

In Katalonien wiederum, wo die Sprache durch den Franquismus keinen so massiven Schaden genommen hatte wie im Baskenland, wären Ministerinnen, die die Landessprache nicht beherrschen, kaum vorstellbar.

Siehe auch:

Comparatio Discriminaziun Faschismen Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Service Public | Bilinguismo negato Coronavirus Sprachgruppenproporz Wahlen | | | Baskenland-Euskadi Catalunya Südtirol/o | | Deutsch

Rai scheitert an mehrsprachiger Cookie-Info.

Die Nachrichtenseiten der Südtiroler Tagesschau sowie von Trail sind ins Internetportal der Rai-Regionalnachrichten (einsprachig italienisch: TGR) eingegliedert. Dieses ist wohl einsprachig konzipiert worden, weshalb die Cookie- und Werbeinformation auch auf den Seiten von Tagesschau und Trail ausschließlich auf Italienisch eingeblendet wird. Auch eigene Einstellungen lassen sich ohne gute Kenntnisse der Staatssprache nicht vornehmen.

Um es einzuordnen: Bei der deutsch- und ladinischsprachigen Rai handelt es sich um öffentlich-rechtliche Angebote, die auch dafür konzipiert wurden, dass Bürgerinnen, die die Staatssprache (noch) nicht oder nicht ausreichend beherrschen, mit grundlegenden Informationen versorgt werden können.

Gerade deshalb — aber auch angesichts der Summen, die das Land Südtirol in den staatlichen Rundfunk investiert — sollte es nicht zuviel verlangt sein, dass jene Rai-Webseiten, die sich ausdrücklich an die Minderheiten richten, auch vollumfänglich in den Minderheitensprachen verfügbar sind.

Im Übrigen bin ich aber ohnehin der Meinung, dass das eine Frage der Nutzerfreundlichkeit ist und die Forderung nach Mehrsprachigkeit normalerweise gar nicht besonders begründet werden müsste.

Siehe auch:

Datenschutz Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Service Public Sprachpfusch Tech&Com Zentralismus | Bilinguismo negato Italianizzazione Medienkritik | | Rai | Italy Ladinia Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Gesundheitswesen: Stellen ohne Proporz.

Am 11. Juni hat der Südtiroler Gesundheitsbetrieb (Sabes) die Landesregierung wieder einmal um eine Aufweichung des Stellenproporzes ersucht, und zwar für:

  • 10 Vollzeitstellen als biomedizinische Labortechnikerin;
  • 10 Vollzeitstellen als medizinisch-röntgentechnische Assistentin;
  • 1 Vollzeitstelle als Technikerin für Neurophysiopathologie;
  • 2 Vollzeitstellen als Orthoptistin/Ophthalmologie-Assistentin;
  • 2 Vollzeitstellen als Disponentin der Notrufzentrale;
  • 15 Vollzeitstellen als Pflegehelferin;
  • 20 Vollzeitstellen als Fachkraft;
  • 15 Vollzeitstellen als spezialisierte Hilfskraft;
  • 15 Vollzeitstellen als qualifizierte Sekretariatsassistentin;
  • 50 Vollzeitstellen als Krankenpflegerin.

Am 11. August stimmte die Landesregierung dieser Abweichung zu . Alle 140 Stellen würden der deutschen oder der ladinischen Sprachgruppe zustehen, gehen nun jedoch an Bewerberinnen der italienischen Sprachgruppe.

Wie ist es möglich, dass so viele Stellen, die den Sprachminderheiten zustehen würden, an die nationale Mehrheit vergeben werden müssen? Woher rührt der Mangel an Bewerberinnen? Dabei hat Südtirol im staatsweiten Vergleich doch eigentlich die günstigste demographische Entwicklung.

Fortwährend Ausnahmen vom Proporz zu beschließen, ohne dieser besorgniserregenden Entwicklung parallel durch strukturelle Maßnahmen entgegenzuwirken, kann nicht die Lösung sein. Dies umso mehr, als im Gesundheitswesen bereits Ausnahmen aus der Zweisprachigkeitspflicht gelten. So stehen die ausgewogene Vertretung der Sprachgemeinschaften und das Recht auf Gebrauch der Muttersprache auf der Kippe.

Siehe auch:

Arbeit Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Italianizzazione Sprachgruppenproporz | | | Südtirol/o | Land Südtirol Sabes | Deutsch