Mit Map Maker für Mehrsprachigkeit.

Dass Landkarten nicht immer eine Abbildung der Realität sind, sondern umgekehrt Realität häufig auf dem Papier erschaffen wird, wissen wir Südtiroler aus (schmerzlicher) Erfahrung. In letzter Zeit waren es vor allem die digitalen Medien, die zur einseitigen Verzerrung unserer Geographie beigetragen haben: Indem die historisch gewachsenen Ortsnamen häufig ignoriert wurden, sahen sich etwa auch Touristiker dazu veranlasst, verstärkt auf Tolomeis Erfindungen zu setzen. Politik und Institutionen unterschätzten diese Wirkung vollkommen — und tun dies nach wie vor.

Einer der wichtigsten Online-Kartendienste mit großem Multiplikatoreffekt ist Google Maps*. Gerade dort konnte während der letzten Monate eine deutliche Verbesserung herbeigeführt werden, unter anderem durch unseren Aufruf, Google auf die Mehrsprachigkeit und offizielle Mehrnamigkeit unseres Landes hinzuweisen. Trotzdem blieb der Erfolg unvollständig, weshalb von großem Vorteil ist, dass nun endlich auch hierzulande Googles Map Maker freigeschaltet wurde. Das ist ein Quantensprung.

Mittels Map Maker können Nutzer nämlich eigenhändig Änderungen an den Karten vornehmen und von anderen freiwilligen Mitarbeitern vorgeschlagene Anpassungen bewerten. Somit schafft nicht mehr ein Konzern allein die (Abbildung der) Realität, sondern die Community, was eine differenziertere und den örtlichen Gepflogenheiten besser entsprechende Umsetzung ermöglicht.

Der Umgang mit Map Maker ist denkbar einfach: Es reicht, sich auf das entsprechende Portal zu begeben und mit der Eingabe von Änderungen (in unserem Fall zum Beispiel die Eintragung der »deutschen« und »ladinischen« Ortsbezeichnungen) zu beginnen. Vor Fehlern muss man sich nicht fürchten, da andere Nutzer notfalls durch ihre negative Bewertung dafür sorgen, dass die Änderung nicht in Kraft tritt. Letzteres, die Überprüfung fremder Vorschläge, sollte übrigens nicht unterschätzt werden, da die Verbesserungen andernfalls nicht den Sprung in die öffentliche Karte schaffen.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/

*) wenngleich glücklicherweise das Wiki-Projekt OpenStreetMap Boden gutmacht.

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17 replies on “Mit Map Maker für Mehrsprachigkeit.”

Als was sollte man eurer Meinung nach die Italienischen Namen angeben je nach “härtegrad(einfache Übersetzung oder komplette Fantasie)” schwanke ich zwischen offiziel,alternativ

… es wird grundsätzlich in – Endonym-geschichtlich-gewachsen und von der ansässigen Bevölkerung verwendet, und in – Exonym-Entsprechung/(nicht Namen)-in- einer-anderen-Sprache-gebräuchlich um besser ausgesprochen zu werden, – unterschieden!
Dies bedeutet, dass die deutschen bzw. ladinischen ENDONYME/NAMEN endlich ihre Amtliche Bedeutung, ERST-gereiht erhalten, – zweitgereiht die Exonyme so diese Sinn machen!

Es besteht leider keine Möglichkeit ladinische Namen einzutragen. Es gibt nur die Sprache “Rumansh”, aber es steht kein “Ladinisch” zu Auswahl.

In Gröden sehe ich übrigens, dass bei sämtlichen Strassen “Strada” steht, also weder das ladinische “Streda”, noch da korrekt italienische “Via”. bei vielen Strassen stehen sogar beide italienische Varianten “Via” und “Strada”… :-(

Ich habe die ladinischen Bezeichnungen stets als »Rätoromanisch« eingetragen. Strada (nicht unbedingt Italienisch, meines Wissens auch Ladin Dolomitan) in Streda ändern müsste doch klappen.

Rumansh und Ladin sind beides Rätoromanische Sprachen… aber das weisst du ja schon. Google lässt mich aber nur Rumansh auswählen, nicht Rätoromanisch.

Wir Grödner sagen “Streda”. Strada” ist italienisch. Und das “Ladin Dolomitan” interessiert mich nicht – das existiert nur auf dem Papier und ist eine Geschichte für sich.

Hängt wahrscheinlich davon ab, dass du den Map Maker nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch benutzt… kann das sein? Bei Wikipedia ist »Romansh« (mit »o«) die Übersetzung für »Rätoromanisch«.

(Auch Hochdeutsch existiert übrigens nur auf dem Papier ;))

Fast richtig: Der MapMaker wird bei mir per default Italienisch angezeigt, obwohl ich beim Browser als Vorzugssprache Deutsch eingestellt habe. Google urteilt wohl nach der IP-Adresse…

Die Gadertaler mögen ihre Strassen meinetwegen “Strada” benennen, aber in Gröden ist das schlichtweg falsch, weil es bei uns “Streda” heisst, und somit “Strada” eine italienische Bezeichnung ist. Wenn dazu noch bei der Sprache “Italiano” steht, dann besteht wohl kein zweifel, dass das Grödnerisch nicht sein kann.

Off-topic: Hochdeutsch existiert nicht nur auf dem Papier: es wird gelehrt, gelernt und gesprochen. In den ladinischen Tälern lehrt, lernt und spricht man hingegen nur den jeweiligen Dialekt.

Zum Thema: Google schreibt “Rätoromanisch” und meint damit das “Bündnerromansiche”. In der italienischen Version findet man daher “Romancio” und in der englischen “Romansh”.

Ich schlage vor, für die ladinischen Namen “English” zu wählen – damit erhalten sie zumindest etwas Priorität, wenn mal jemand keine der beiden anderen Sprachen eingestellt hat..

Dass Google auch Ladinisch aufnimmt bezweifle ich, da es dafür keinen ISO-639-2-Code gibt (davon gibt es etwa 450, wie bei Rumansh=roh oder Friulan=fur). Für Ladinisch=lld gibt es nur den ISO-639-3 Code (davon gibt es aber fast 7000).

Das Ladin Dolomitan ist entstanden als “Schnittmenge” zwischen den verschiedenen Dialekten. Darunter leider auch die Fassaner und Ampezzaner Dialekte, die mehr mit einem italienischen Dialekt gemeinsam haben. Dadurch gehen dem Ladin Dolomitan viele Begriffe verloren, die ur-ladinisch sind (wenn man das so sagen kann) und es entwickelt sich eine neue Sprache heraus, die dem Grödner als badiot-italienische Mischung erscheint und dem Gadertaler als grödner-italienische Mischung. Dem Fassaner und Ampezzaner hingegen kommen darin zu viele “Fremdwörter” vor.
Wennschon künstliche Hochsprache, dann ohne Einbezug unserer südlichen (semi-ladinischen) Nachbarn.

In Graubünden wird die gemeinsame Hochsprache übrigens auch nicht überall akzeptiert.

Zur Vorgangsweise, wie Ladin Dolomitan erschaffen wurde, mag es berechtigte Kritikpunkte geben. Ich denke zum Beispiel auch, dass es dadurch zu einer gewissen Nivellierung kommen kann — weshalb vielleicht wünschenswert wäre, für viele Wörter noch mehr Varianten/Synonyme zuzulassen und zu normieren (genauso wie im Deutschen Samstag/Sonnabend, Jänner/Januar, Stiege/Treppe zulässige Varianten sind). Solche Nachbesserungen wären aber keineswegs ausgeschlossen und gehören zu einer normalen sprachlichen und sprachnormativen Entwicklung.

Ich denke aber nicht, dass man auf eine gemeinsame Schriftsprache verzichten sollte, weil Ladinisch sonst zum Niedergang oder wenigstens zu einem »unwürdigen« Nischendasein verdammt ist.

Dass die Idiome von Fascia und Anpezo eher italienische Dialekte wären, ist meines Wissens sprachwissenschaftlich schlichtweg falsch. Natürlich gibt es einen stärkeren Einfluss des Italienischen (als in Südtirol), der sowohl auf den Kontakt, als auch auf mangelnden Minderheitenschutz zurückzuführen ist. Doch diese Attitüde von Grödnern und Gadertalern, sich oft als die »besseren Ladiner« zu fühlen, ist der Sache nicht dienlich — und schadet ihnen nicht zuletzt selbst: Eine so kleine Sprachgemeinschaft kann nur gemeinsam stark sein.

Dann hör dir mal die Nacrichten auf TRAIL an. Wenn ein Fassaner spricht, verstehst du alles, weil du Italienisch kannst. Deren Dialekte waren wohl mal Ladinisch, sind aber mittlerweile dermassen vom Italienischen durchsetzt, dass man kam mehr Unterschiede zu einem italienischen Dialekt erkennen kann.

Inzwischen findet man auch Löweneck, Galnötsch und Burg im Suganertal. Leute, Leute, was soll denn der Blödsinn.

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