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BBD

Interpretation/Veränderung.
Quotation 19

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, [aber] es kommt darauf an, sie zu verändern.

— Karl Marx

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21 replies on “Interpretation/Veränderung.
Quotation 19

Muss man Marx‘ letzte These über Feuerbach zwangsläufig als Herabwürdigung der Philosophie verstehen? Heidegger tut dies offenbar.

Könnte man nicht auch sagen, dass Marx die Rolle der Philosophen anerkennt, aber gleichzeitig feststellt, dass die Interpretation allein nicht ausreicht, solange man sie nicht zur Grundlage von Veränderung macht?

Die Marxisten haben den Marxismus nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, ihn zu verändern.

(Karl Popper)

Könnte man nicht auch sagen, dass Marx die Rolle der Philosophen anerkennt, aber gleichzeitig feststellt, dass die Interpretation allein nicht ausreicht, solange man sie nicht zur Grundlage von Veränderung macht?

die aussage von Marx in eine richtung hin auszulegen, die niemanden mehr verletzt, um somit zu suggerieren es handle sich bei der harschen kritik an der philosophie lediglich um eine harmlose empfehlung an den ein oder anderen philosophen, dient lediglich der erhöhung der konsensfähigkeit der aussage, dabei in kauf nehmend ihre zentrale botschaft zu zerstören.

marx erhebt es zum ziel die welt zu verändern. somit kommt es gerade nicht auf all jene philosphie an, die es nicht vermag die welt zu verändern oder sich dies nicht zumindest zum ziel erklärt.

B.- hat recht. Marx‘ Aussage kann man natürlich auch anders deuten, ich persönlich finde aber, dass das marxistische Gedankengut (bzw. das, was dessen Epigonen daraus gemacht haben) oder die marxistische Utopie einer „besseren Gesellschaft“ einfach zu stark diskreditiert und widerlegt ist, als dass bbd sich in deren ideelle Nähe bewegen sollte. Ich halte es da mehr mit Popper.

L’idea di cambiare il mondo attraverso la filosofia è vecchia come la filosofia stessa. Marx non era uno stupido e lo sapeva benissimo. Inoltre questa tesi risale al 1845: non avrebbe sicuramente scritto le sue opere maggiori (Il primo libro del Capitale è del 1867), che sono appunto una descrizione ed inevitabilmente un’interpretazione del sistema capitalistico ottocentesco, se la frase in questione fosse da interpretare come un mero svilimento dell’attività  filosofica ed interpretativa.

Anch’io modestamente la vedo come te, Fabio — modestamente, perché ben consapevole di essere con ogni probabilità  molto meno ferrato di voi in questo campo. D’altronde non volevo nemmeno essere così conciliante come inteso da B.-: Non dico che Marx non volesse criticare (anche duramente) i filosofi, ma leggo la sua critica soprattutto come un attacco nei confronti di chi pratica la filosofia come fine ultimo (la philosophie pour la philosophie), senza considerarla una chiave per cambiare il mondo — e non come un attacco nei confronti della filosofia tout court.

„Der Marxismus stellt jenen, die Fragen nicht verstehen, das beste Repertoire an Antworten zur Verfügung.“ (Nicolà¡s Gómez Dà¡vila)

@Dauergast
:roll:
Oh, fühlt sich da jemand vom großartigen Dà¡vila auf den Schlips getreten? Was ich schreibe, wirst Du schon mir überlassen müssen.

interessant, irgendwie will jeder die welt verändern, aber niemand sich selbst…

auf marx will ich schon gar nicht eingehen, da ich bald etwas essen gehe, ich sage nur dass lenin, stalin als auch mao allesamt stählerne huldiger seines irrwitzigen diamats waren.

@ ὁ σκοτεινός

naja, inwieweit jemand dafür verantwortlich gemacht werden kann, was andere aus seinen/ihren ideen, erfindungen usw. machen, ist die frage – die ich mit „gar nicht“ beantworten würde.

ist alfred nobel schuld, wenn sich jemand mit dynamit in einer menschenmenge in die luft sprengt? ist jesus schuld an der inquisition?

der späte, geisteskrankre nietzsche wurde grösstenteils richtig von den nazis interpretiert, wer den antichrist gelesen hat wird dem wohl zustimmen. dass der wille zur macht zusätzlich mit „arischem“ gedankengut gespickt wurde ist wiederum seiner schwester zu verdanken, aber dass alles schwache und kranke niedergehen muss – und zwar mit nachhilfe – stammt allerdings von nietzsche selbst.

natürlich kann man weder nietzsche noch marx oder jesus dafür verantwortlich machen, was andere mit den jeweiligen theorien angefangen haben. der gewaltige denkfehler marx‘ liegt aber hauptsächlich darin, dass er seine dialektik auf eine fiktive physische entität (die der gesellschaft) angewendet hat, während sie zb. von heraklit oder auch eben erwähntem nietzsche (zumindest den frühen) immer nur individuum-bezogen verstanden werden durfte, auch wenn beide von einem allgemeingültig und universell vorhandenen logos ausgegangen sind. diese zwei philosophen haben eine vom individuum jeweils selbst entwickelte dialektik als „feedback-mittel“ zum logos gesehen, während marx es als absolut objektives instrument zur umformung der gesellschaft sah, das schon per definition nur eine einzige gültige meinungen zulassen kann.

die „formel“ an sich, dass die wahrheit einer these plus die wahrheit dessen antithese die synthese ergeben sobald man die unwahrheiten beider entfernt hat, mag mathematisch gesehen durchaus sinn machen, wird jedoch vollkommen belanglos, wenn man sie versucht ausserhalb seines eigenen lebens anzuwenden, da man schlichtweg keinen zugang zu totaler information hat und man schon deshalb nicht unterscheiden kann, was denn nun die wahrheiten und was die unwahrheiten einer these bzw. dessen antithese sind. im wesentlichen war er ein recht phantasieloser und mittelmässig begabter systematiker, keineswegs ein philosoph oder dergleichen, ideal als sachbearbeiter beim strassenverkehrsamt oder so.

„der charakter des menschen ist sein schicksal. sein schicksal wiederum ist seine lebensaufgabe“ (heraklit) – und da man heute weiss, dass marx im wesentlichen ein dystopisch gesinnter schmarotzer war, lässt sich auch leichter nachvollziehen wie er zu seinen theorien gekommen ist. trotz allem, noch was nettes über ihn: „there is one good thing about marx: he was not a keynesian.“ (m. rothbard) ;)

@ ὁ σκοτεινός
ich entnehme deinen aussagen, dass philosophie und denkarbeit eigentlich grundsätzlich obsolet, da a priori zu scheitern verurteilt, ist.

dann entnimmst du falsch. beides ist auf das individuum bezogen sehr wohl sinnvoll, kollektivistisch eingesetzt bedeutet dies aber, dass in einer pyramidenstruktur von oben herab die zulässigen gedankengänge diktiert werden, da sich zwangsläufig mit der zeit eine selbsterklärt objektive führungsinstanz herausbildet. das war und ist bei den christen, neoplatonikern, sophisten, stoikern, auch politischen parteien so. die ausnahme bilden einzig personen, die sich stets (ob nun wissentlich oder nicht) weigern, ein dogma zu erfinden bzw. anzunehmen, sondern sich immer frei zwischen chaos und kosmos bewegt haben, wie zb. heraklit oder nietzsche.

zb.: deine gedankengänge und schlussfolgerungen können für dich sinn ergeben und dich in deinem leben weiterbringen, während sie zugleich für mich vollkommen sinn- als auch nutzlos sein können und umgekehrt, bis zu dem punkt wo wir gegenseitig unsere zurechnungsfähigkeit in frage stellen können. daran ist nicht nur ein gewisses mass an idiosynkrasie (das jeder in sich trägt) verantwortlich, sondern auch die unterschiedlichen lebenserfahrungen und -einstellungen. deswegen empfinde ich die aussage, dass es nötig sei die welt zu verändern, per se totalitär und den paradiesvorstellungen der vielen erlösungsreligionen ebenbürtig. die quotation ist im kern metaphysisch, der erlösungsschrei eines gescheiterten der sich in seiner eigenen welt nicht zurechtfand. gleich wie der späte nietzsche danach brüllte, alles kranke und schwache möge getötet werden, da er selbst in dieser zeit äusserst krank und schwach war, wohl deshalb seinem leben nichts mehr abgewinnen konnte und seine emotionen auf „die welt“ ummünzte. menschliches, allzumenschliches ;)

also gibt es kein kollektives „richtig“ oder“falsch“, keine kollektive „wahrheit“ oder „lüge“?
jedes individuum entscheidet für sich, was falsch-richtig, wahrheit-lüge ist??
somit gibt es auch keine kollektive anarchie, da es kein richtig oder falsch gibt, sondern höchstens individuelle anarchie??

um das ganze wieder etwas bodenständiger zu machen:
damit 8 milliarden menschen zusammenleben können, brauchen wir aber doch wohl ein gewisses maß an generalisierung.
oder käme das individuum selbst zu dem schluss, dass es sich in seiner freiheit im denken und handeln einschränken muss, um ein funktionieren der gesellschaft zu ermöglichen? dass sich daraus zwangsläufig eine art hierarchische führungsschicht bildet die sozusagen im „top-down“modus agiert ist klar aber meines erachtens auch notwendig. oder lieg ich wieder falsch?

hmm, gute frage, auf die ich leider keine definitive antwort habe. hierarchie an sich muss nicht etwas „schlechtes“ sein, die frage ist nur, inwiefern man das ganze konzept abstrahiert. innerhalb einer familie, einer kleineren gemeinde oder auch kleineren regionen bleibt das ganze geschehen recht übersichtlich und nachvollziehbar, man sieht einigermassen klar wer was mit wessen zustimmung macht, falls man einspruch erhebt versinkt er nicht in der bedeutungslosigkeit (die schweizer kantone und gemeinden sind hierfür ein recht gutes beispiel).

dünnt und verstreut man aber das prinzip der stimmen-delegation wie zb. in staaten oder gar staaten-bündnissen aus, bildet die dadurch entstehende allgemeine ahnungslosigkeit bzw. verwirrung die idealen umstände, um das ganze geschehen in die richtung bestimmter partikularinteressen zu leiten. zwei durchaus bodenständige beispiele hierfür: will sich das us-amerikanische volk absichtlich im ewig währenden kriegszustand befinden? will die mehrheit der bevölkerung der eu-mitgliedsstaaten eine gemeinschaftswährung?

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