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Neuigkeiten vom SaniBook.
Rückmeldung

In Zusammenhang mit der verunglückten Kundendiensterfahrung beim Thema SaniBook-App habe ich heute Vormittag einen Anruf (von einer anonymen Nummer) bekommen. Der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung hat sich für meine Hinweise bedankt und bestätigt, dass — wie von mir gemeldet — sowohl bei der App als auch bei den Bestätigungsmails Nachbesserungsbedarf in Sachen Zweisprachigkeit herrscht. Zudem hat er sich für die unpassende Antwort entschuldigt, die auf einen menschlichen Fehler zurückzuführen sei. Der entsprechende Mitarbeiter sei nun sensibilisiert worden. Man werde die mit meinen Meldungen in Verbindung stehenden Tickets so lange offen lassen, bis die entsprechenden Probleme gelöst sind — und werde mich selbstverständlich darüber informieren, wenn es so weit ist. Grundsätzlich freue man sich immer über Feedback.

Da der Zeitpunkt des Anrufes für mich etwas ungünstig war, habe ich mich lediglich für die Rückmeldung bedankt — ohne weiter nachzufragen. Ich kann also nur mutmaßen, warum ich angerufen wurde. Möglicherweise hat man den Vorfall von sich aus analysiert und überdacht. Vielleicht liegt es aber doch daran, dass ich an die Adresse, von der die Antwort gekommen war — was ich sonst fast nie mache — den Link zu meinem Bericht auf geschickt hatte. Oder aber es ist darauf zurückzuführen, dass ich den Sachverhalt gestern in einer E-Mail kurz zusammengefasst dem Amt für Landessprachen und Bürgerrechte geschildert hatte.

In jedem Fall ist es nur fair, hier über diese erfreuliche Entwicklung zu berichten. Manchmal lohnt sich Engagement also doch — wiewohl das eigentlich Selbstverständlichkeiten sein sollten.

Hinweis an den Gesundheitsbetrieb: Dieser Bericht ist ausdrücklich nicht eine Genehmigung, sensible persönliche Daten zu veröffentlichen.

Siehe auch: 1/

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Generation C.
Nichts ist verloren oder Drama, Baby, Drama!

Es ist völlig klar, dass viele Kinder und Jugendliche Schwierigkeiten mit der Bewältigung der derzeitigen Krise haben, die so weit gehen können, dass sie Pathologien der Psyche entwickeln. Besonders betroffen scheinen laut mehreren Studien Kinder aus wirtschaftlich benachteiligtem Umfeld zu sein. Die Corona-Pandemie hat nämlich soziale Ungleichheiten noch einmal verschärft. Die technischen und räumlichen Voraussetzungen zur Teilhabe am Fernunterricht, die Betreuung durch die Eltern zu Hause wie auch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und des Abschaltens sind in einer geräumigen Vorstadtwohnung mit Garten einer gutbürgerlichen Akademikerfamilie, in der jedes Kind ein eigenes Zimmer mit Laptop und Breitbandinternet hat, gewiss andere als in einer kleinen innerstädtischen Zwei-Zimmer-Mietwohnung einer alleinerziehenden Mindestlohnbezieherin im fünften Stock ohne Balkon.

Ähnlich wie beim Long-Covid-Problem sind die politischen Entscheidungsträgerinnen und die Verantwortlichen im Gesundheitswesen gefordert, diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, indem sie die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen, die Lage wissenschaftlich erheben und auf die Erkenntnisse entsprechend reagieren. Der Gap, den Corona aufgerissen bzw. verbreitert hat, muss mit allen Mitteln wieder zugeschüttet werden – so gut es geht.

Das Problem psychisch belasteter und abgehängter Kinder ist real und gehört behandelt, – doch jetzt kommt das große aber – ABER tun wir bitte nicht so, als ob wir zur Zeit eine ganze Generation schwer traumatisierter, ungebildeter und hoffnungsloser Kinder heranzüchten würden. Das ist schlichtweg nicht der Fall, auch wenn das manche Eltern (die sich nicht notwendigerweise in eben diesen prekären Situationen befinden, in denen sie berechtigten Grund zur Klage hätten) sich selbst und ihren Sprösslingen einreden wollen. Und wenn sie lange genug durchhalten, wird ihr Bemühen vielleicht sogar zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Doch was Kinder und Jugendliche jetzt am wenigsten brauchen ist – bei allem Bewusstsein, dass manche Familien tatsächlich existenzbedrohende Probleme haben – Jammerei, Angstmache und das Gefühl der Ohnmacht.

Doch wenn Eltern ihre Kinder vom Präsenzunterricht – den sie während der Zeit des Fernunterrichts stets herbeigesehnt haben – nur aus dem Grund fernhalten, weil sie nicht wollen, dass ihr Sprössling den deppaten (vielleicht sogar todbringenden!1!1!!!11) Fetzen im Gesicht trägt oder am “Nasenbohrertest” teilnimmt, dann vermitteln sie genau das: Angst und Ohnmacht. Absurderweise tun sie dies noch oft mit dem Argument, dass Kinder, die positiv getestet werden, dann “stigmatisiert” werden würden. Es ist aber natürlich überhaupt nicht stigmatisierend, wenn ein Kind als einziges zu Hause bleiben muss, weil es an einem völlig harmlosen Test (dessen Nützlichkeit man freilich hinterfragen darf), der vielen Kindern sogar Spaß macht (zumindest ist es bei meinem Sohn so) und ihnen ein Gefühl von Eigenverantwortung vermittelt, nicht teilnehmen darf. Wenn sie ihnen dann noch ständig vorkauen, dass wir alle nur ein Spielball irgendwelcher sinistrer Interessen von Eliten wären, die ihren perfiden Plan gegen die gesamte Menschheit mittels Giftspritze durchboxen wollen und man folglich prophylaktisch allem und jedem mit Misstrauen begegnen muss, dann ist das Trauma wohl tatsächlich perfekt. Nur ist daran dann halt nicht Corona schuld. Was Kinder in der jetzigen Situation sehr wohl brauchen sind Zutrauen, positive Impulse und freundliche, besonnene und nicht zornige Menschen, denen sie sich anvertrauen können.

Die nächste Mär ist die vom ach so großen Bildungsverlust und dem “verlorenen Jahr”. Wiederum gibt es eine kleine Minderheit, auf die das tatsächlich zutrifft. Jedoch für den Großteil der Schülerinnen und Schüler gab es 2020 vielleicht ein Defizit was konkrete Fachinhalte und (googlebares) Fachwissen betrifft, aber im Gegenzug auch enorme Impulse bezüglich (lebens)wichtiger Fähigkeiten wie Selbstorganisation, Selbstständigkeit, Eigenrecherche, Informationsbewertung, Durchhaltevermögen, Motivation, Mediennutzung usw. Auch das ist Bildung. Oder vielleicht sogar gerade das. Die Schule als Ganzes hat im vergangenen Jahr einen didaktischen und technischen Innovationsschub erhalten, der ohne Corona in diesem Ausmaß und in dieser Geschwindigkeit nicht denkbar gewesen wäre. Curricula wurden (gezwungenermaßen) entrümpelt, neue Unterrichtsformen mittels Try-and-Error ausprobiert und es wurde kommunikationstechnisch aufgerüstet. Und alle – Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft – haben gemeinsam dazu beigetragen und Großartiges geleistet. Darauf kann man auch einmal stolz sein, anstatt den nicht existenten allgemeinen Bildungsnotstand heraufzubeschwören und ein paar verlorenen Wiederholungsstunden nachzutrauern. Und wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, habe ich gewiss gar einige Jahre “verloren”, was jedoch einem Virus namens Faulheit geschuldet war. Dennoch bringe ich einigermaßen gerade Sätze zuwege und kann zwei und zwei zusammenzählen. Lassen wir also die Kirche im Dorf!

Und zu guter Letzt hat Corona – zumindest vorübergehend – mit einer Unsitte aufgeräumt, die der kindlichen Psyche meines Erachtens mitunter mehr Schaden zufügen kann als ein eigenartiges, verzichtreiches aber für die meisten von uns doch bewältigbares Jahr, vor allem – und man verzeihe mir den Whataboutism – wenn man sich die Situation von Menschen in Kriegs- und Krisengebieten vor Augen führt. Die Unsitte, die ich meine ist die Dauerbespaßung unseres Nachwuchses, der ihnen vielfach Terminkalender beschert, die jenen von Topmanagern ähneln, und die kindliche Spontaneität und Kreativität gnadenlos abwürgt. Aufstehen, Schule, Mittagessen, Sportverein, Musikschule, noch ein Sportverein, Nachhilfe, Gute Nacht.

Corona – natürlich außerhalb der Lockdowns – hat es möglich gemacht, dass sich Kinder wieder spontan und ungezwungen – und vor allem ohne Erwachsenenaufsicht mit vagen Regeln und Zeitlimits – im Freien (!) – anstatt vor dem Computer – treffen und die Welt erkunden, ohne dass einer mitten in der spannendsten Entdeckung oder ausgerechnet während des Elfmeterschießens sagt: “Ich muss weg. Mama fährt mich zum Fußballtraining.” (Meinen Kindern, die maximal einen Fixtermin in der Woche haben, ist das vor Corona nicht selten passiert). Im Lockdown durften Kinder auch endlich wieder ihr Menschenrecht auf Langeweile in Anspruch nehmen und waren gezwungen, zunächst nervig und dann kreativ zu sein, anstatt von ihren “Frühförderern” von einem Event zum nächsten gekarrt zu werden. Und Eltern haben tatsächlich mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht, anstatt Chauffeur zu spielen. Quality-Time auf Neudeutsch. Freilich, Oma und Opa haben sie vermisst. Und manch anderes auch. Aber sie haben auch so viel gewonnen in dieser Zeit, was vieles von den Entbehrungen aufgewogen, wenn nicht gar überwogen hat. Der Wunsch, das einiges davon bleibt, ist groß. Die Hoffnung, dass dies tatsächlich passiert, wenn wieder Normalität einkehrt, eher klein.

Auch meine Kinder wünschen sich, dass Corona bald vorbei ist. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie keinen Schaden davontragen werden, da ich sie sogar aufblühen habe sehen. Egal was kommt, das spontane und kreative Kindsein, die schönen und prägenden Erfahrungen und die Schritte in die Selbstständigkeit, die sie in diesem Jahr gemacht haben, kann ihnen niemand mehr nehmen. Es war eine gewonnenes Jahr.

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Sprachbeharrung.

Linguistic Assertiveness for Minority Language Speakers — kurz Listen — ist ein von der EU im Rahmen von Erasmus+ gefördertes Projekt, das das Sprachbewusstsein von Sprachminderheiten stärken soll. Insbesondere sollen dabei Sprecherinnen von kooffiziellen, gefährdeten, indigenen, regionalen oder Minderheitensprachen Strategien erlernen, um freundlich aber bestimmt auf ihrer Sprache zu beharren. Die Tendenz, unter gewissen Umständen und in bestimmten Settings vorauseilend die Sprache zu wechseln — etwa wenn das Gegenüber oder auch nur anwesende Dritte die nationale Mehrheitssprache sprechen — wird als »Unterwürfigkeit« (submissiveness) und »Selbstzensur« bezeichnet, die der Minderheitensprache schaden. Da es sich dabei jedoch um Gewohnheiten und erlernte Verhaltensweisen handelt, könne man sie auch wieder ablegen.

Erprobt wird die bewusste Vermittlung des Strategiewechsels derzeit in Gebieten mit so unterschiedlichen Voraussetzungen wie Cymru/Wales (Walisisch), Fryslân (Friesisch), Irland (Irisch) und Rumänien (Ungarisch).

Einige Zitate, die von den Projektbetreiberinnen auf Facebook und Twitter veröffentlicht wurden, geben Aufschluss darüber, was man unter Sprachbeharrung, wie ich den Begriff der linguistic assertiveness unwissenschaftlich übersetzt habe, verstehen kann:

…wenn ich ein Treffen im Gebiet der Samen oder mit Regierungsvertreterinnen habe, erwarte ich, dass sie Übersetzerinnen dabei haben. Wenn nicht müssen sie ein anderes Mal wiederkommen.

Ich starte Konversationen immer in meiner eigenen Sprache und glaube, dass es in der Verantwortung der Gegenseite ist, mich zu informieren, wenn sie mich nicht versteht.

Ich fahre auch in meiner Sprache fort, wenn ich weiß, dass sie mich verstehen, auch wenn sie mir in einer anderen Sprache antworten.

Von mir übersetzt.

Interessant ist übrigens auch, dass neben den Universitäten von València und Transsilvanien (Siebenbürgen) sowie unterschiedlichen Sprachförderungsvereinen der betroffenen Minderheitenregionen auch das staatliche italienische Forschungsinstitut CNR an dem Projekt beteiligt ist. Trotzdem wurde offenbar keine Minderheit auf italienischem Staatsgebiet konkret in das Projekt eingebunden.

Auch hier in Südtirol ist ja bekannt, dass Menschen beim geringsten Widerstand — oder selbst um einem potenziellen Widerstand aus dem Weg zu gehen — ins Italienische wechseln.

Eine gewisse »Beharrlichkeit« habe ich mir schon vor Jahren angeeignet und damit fast nur positive Erfahrungen gemacht. Gerade in Umgebungen, wo man Deutschkenntnisse weniger vermutet, trifft man oftmals auf unerwartet offene Reaktionen und wird in den meisten Fällen zumindest verstanden. Andernfalls hat man durch die deutsche Anrede wenigstens die Erwartung deponiert, in dieser Sprache kommunizieren zu können. Am Anfang gilt es natürlich ein gewisses Unbehagen zu überwinden, wie auch in der Projektbeschreibung von Listen nachzulesen ist. Dann aber geht es fast von allein. Zugewanderten aus Italien oder dem nicht deutschsprachigen Ausland wird damit auch vermittelt, dass die deutsche Sprache hierzulande nicht entbehrlich, ja fast vernachlässigbar ist. Es kann für einige vielleicht sogar der fehlende Ansporn sein, sie zu erlernen — und bietet ihnen dann die Möglichkeit, sie zu praktizieren. Wenn wir hingegen all unsere Energie darauf verschwenden, Anderssprachige möglichst wenig in Kontakt mit der deutschen oder der ladinischen Sprache kommen zu lassen, schließen wir diese Menschen aus und tragen gleichzeitig — bewusst oder unbewusst — zur Sprachverdrängung bei.

Wenn wir sprachbeharrend sind, tun wir im Grunde nichts anderes, als Sprecherinnen der staatsweiten Mehrheitssprache ohnehin und auf völlig natürliche Weise tun.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

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Fünf Frauen in den Rat der Gemeinden!
Petition

Das Netzwerk wnet – networking women hat auf Change.org eine Petition gestartet, um »entsprechend der Anzahl der Bürgermeisterinnen und Referentinnen« auf fünf Frauen im jetzigen Rat der Gemeinden zu pochen. Der Aufruf richtet sich in erster Linie an den Präsidenten des Rates, den Vahrner Bürgermeister Andreas Schatzer, aber auch an Landeshauptmann Arno Kompatscher und an Landtagspräsident Josef Noggler (alle SVP). Bislang wurde er von knapp 300 Personen unterschrieben.

Im Rat, der nur vier Tage nach dem Frauentag neu gewählt wurde, sind mit Rosmarie Pamer (Bürgermeisterin von St. Martin/Passeier) und Giorgia Mongillo Bona (Bürgermeisterin von Branzoll) nur zwei von 17 Mitgliedern — knapp 12% — Frauen.

Fünfzehn gegenwärtige und zwei ehemalige Gemeinderätinnen sowie eine Bozner Stadtviertelrätin hatten daraufhin eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht, um dieses Ungleichgewicht anzuprangern. Auch der Landesbeirat für Chancengleichheit und SVP-Frauenreferentin Renate Gebhard kritisierten die Wahl.

Siehe auch: 1/

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Aufruf zu einer antikolonialistischen Aktion.
Wu Ming / Yekatit 12

Der 19. Februar (oder, laut äthiopischen Kalender, Yekatit 12) ist der Jahrestag des Pogroms von Addis Abeba, einem der schlimmsten Kriegsverbrechen, die vom italienischen Königreich in seinen Kolonien verübt wurden. Seit Jahren steht der Vorschlag im Raum, aus diesem Datum offiziell eine Gelegenheit des Gedenkens zu machen.

Angesichts der ewigen Untätigkeit der Institutionen schlägt das Wu-Ming-Kollektiv nun aber vor, das Gedenken von unten herbeizuführen — durch gezielte Aktionen, die eigenmächtig und dezentral am kommenden 19. Februar durchgeführt werden sollen.

Wu Ming selbst betreibt seit mehreren Jahren und bei unterschiedlichsten Anlässen eine sogenannte »Straßennamen-Guerilla«, in deren Rahmen problematische Ortsbezeichnungen überklebt und ersetzt oder »vervollständigt« werden.

Quelle: Wu-Ming-Foundation/Giap

Für solche oder ähnliche Aktionen — der Fantasie der Teilnehmenden wolle man bewusst keine Grenzen setzen — hat das Kollektiv nun für den kommenden 19. Februar eine Onlinekarte mit möglichen Zielen erstellt, in der auch Südtirol vertreten ist. Allerdings sind darin bis dato nur die Amba-Alagi- und die Antonio-Locatelli-Straße in Bozen sowie die Dreizinnenhütte (auch Antonio-Locatelli-Hütte) vermerkt. Weitere Ziele für kreative Aktionen könnte aber zum Beispiel das Postcolonial-Italy-Projekt aufzeigen, das in Südtirol 15 »kolonialistische Orte« ausgemacht hat.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ 8/

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Dialog für Katalonien.
Amnestie und Selbstbestimmung

Der Brüsseler Ableger der katalanischen Kulturorganisation Òmnium Cultural hat ein Manifest für die Freilassung der politischen Häftlinge und für die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts veröffentlicht, das von 50 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde.

In seiner Klarheit und in der Prominenz der Unterzeichnerinnen — unter anderen Elfriede Jelinek, Yoko Ono, Dilma Rousseff, Ai Weiwei, Joshua Wong und Jean Ziegler — übertrifft es wohl alle bisherigen Aufrufe.

Der Text:

Eine Mehrheit der Menschen in Katalonien hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass sie ihr Recht, über die politische Zukunft zu entscheiden, auf demokratische Art und Weise ausüben will. Die Präzedenzfälle in Québec und Schottland zeigen, dass die beste Form zur Lösung derartiger Konflikte die Anwendung des grundlegendsten Verfahrens ist, das die Demokratie kennt: abstimmen.

Der Einsatz der Justiz zur Lösung einer politischen Krise hat jedoch nur zu wachsender Repression, nicht aber zu einer Lösung geführt. Am 14. Oktober 2019 hat das spanische Höchstgericht zwei zivilgesellschaftliche Aktivisten und sieben politische VertreterInnen zu Gefängnisstrafen zwischen neun und dreizehn Jahren — insgesamt einhundert Jahre — verurteilt, verschärft diesen Konflikt nur noch weiter. Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen hat in Verteidigung der Rechte auf Versammlungsfreiheit und auf freie Meinungsäußerung die sofortige Freilassung der Gefangenen sowie das Fallenlassen der Anschuldigungen gefordert. Die wichtigsten Menschenrechtsorganisationen weltweit haben diese Gerichtsentscheidungen, ebenso wie die vielen Menschenrechtsverletzungen, scharf kritisiert.

Der Moment des Dialoges und eines verantwortungsbewussten Vorgehens beider Seiten ist nun gekommen. Die Unterzeichnenden fordern die spanischen und katalanischen Behörden dazu auf, sich zu einem bedingungslosen Dialog zusammenzusetzen, um eine politische Lösung zu finden, die es den katalanischen BürgerInnen ermöglicht, über ihre politische Zukunft zu entscheiden. Für einen erfolgreichen Dialog muss die politische Repression beendet und allen Angeklagten eine Amnestie gewährt werden.

Übersetzung und Verlinkungen:

Die Unterzeichnerinnen:

  1. Gerry Adams, irischer Politiker, Förderer des Friedensabkommens in Nordirland
  2. José Eduardo Agualusa, angolanischer Schriftsteller, Vertreter der neuen afrikanischen Literatur
  3. Joan Baez, amerikanische Sängerin, Songwriterin und Bürgerrechtlerin
  4. Mirta Baravalle, argentinische Aktivistin, Begründerin der Madres de la Plaza de Mayo
  5. Lana Bastasic, bosnische Schriftstellerin, ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Europäischen Union 2020
  6. Sergio Blanco, französisch-uruguayischer Dramatiker und Theaterleiter
  7. Jose Bové, französischer Antiglobalisierungsaktivist, Gewerkschaftler und Abgeordneter des Europäischen Parlaments (2014-2019)
  8. Craig Calhoun, nordamerikanischer Soziologe und Leiter der London School of Economics (2012-2016)
  9. Clayborne Carson, amerikanischer Historiker, Leiter des Institutes Martin Luther King, Jr. an Universität von Stanford
  10. Ivan Cepeda, kolumbianischer Menschenrechts- und Friedensverteidiger
  11. Mairead Corrigan, nordirische Friedensaktivistin, Friedensnobelpreis
  12. Can Dundar, türkischer Journalist, ehemaliger politischer Gefangener, lebt im Exil in Deutschland
  13. Shirin Ebadi, iranische Rechtsanwältin, Friedensnobelpreis
  14. Carolin Emcke, deutsche Kriegsberichterstatterin, Friedenspreis des deutschen Buchhandels
  15. Ben Emmerson, britischer Rechtsanwalt, UN-Sonderberichterstatter (2011-2017)
  16. Silvia Federici, italienisch-amerikanische Schriftstellerin und Philosophin
  17. Michel Forst, französischer Rechtsanwalt, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte (2014-2020)
  18. Ramin Jahanbegloo, iranischer Philosoph und Leiter des Mahatma Gandhi Friedenszentrums
  19. Elfriede Jelinek, österreichische Schriftstellerin, Nobelpreis für Literatur 2004
  20. Jaan Kaplinski, estnischer Lyriker und Philosoph, Mitglied der Weltakademie der Kulturen
  21. Ronald Kasrils, südafrikanischer Minister (2004-2008) und Anti-Apartheid-Kämpfer
  22. Osman Kavala, türkischer Unternehmer, Sozialaktivist und politischer Gefangener
  23. Milan Kucan, slowenischer Präsident (1991-2002)
  24. Neil Labute, amerikanischer Regisseur, Dramatiker und Drehbuchautor, ausgezeichnet beim Sundance-Festival
  25. António Lobo Antunes, portugiesischer Schriftsteller
  26. Paul Mason, britischer Journalist und Schriftsteller
  27. Ambler Moss, ehemaliger Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika
  28. Holger K. Nielsen, Außenminister von Dänemark (2011-2012)
  29. Yoko Ono Lenon, japanische Künstlerin, Sängerin und Friedensaktivistin
  30. Rémy Pagani, Schweizer Politiker, Bürgermeister von Genf (2009, 2012 und 2017)
  31. Adolfo Pérez Esquivel, argentinischer Pazifist, Friedensnobelpreis
  32. Paul B. Preciado, spanischer Philosoph und Schriftsteller
  33. Dilma Rousseff, Präsidentin von Brasilien (2011-2016)
  34. Dimitrij Rupel, Außenminister von Slowenien (1990-1991 und 2000-2004)
  35. Saskia Sassen, holländische Soziologin, Lehrkraft an der Universität von Columbia
  36. Bill Shipsey, irischer Rechtsanwalt, Begründer von Art for Amnesty International
  37. Burhan Sönmez, türkischer Schriftsteller und Menschenrechtsjurist, ausgezeichnet mit dem Preis Disturbing the Peace
  38. Boaventura de Sousa Santos, portugiesischer Wirtschaftswissenschaftler und Lehrkraft an der Universität von Coimbra
  39. Rafael Spregelburd, argentinischer Dramatiker, Theaterleiter und Schauspieler
  40. Guy Standing, britischer Wirtschaftswissenschaftler, Mitbegründer des Basic Income Earth Network (Globales Netzwerk für ein Bedingungsloses Grundeinkommen)
  41. Simon Stephens, englischer Dramatiker, ausgezeichnet mit dem Tony-Preis
  42. Charles Taylor, emeritierter Professor der Philosophie der McGill University in Montreal
  43. Colm Tóibín, irischer Schriftsteller und Lehrkraft an der Universität von Columbia
  44. Ivo Vajgl, Außenminister von Slowenien 2004 und ehemaliger Abgeordneter des Europaparlaments
  45. Ai Weiwei, Chinesischer Künstler und Aktivist, lebt im Exil in Deutschland
  46. Irvine Welsh, schottischer Schriftsteller, Autor des Romans Trainspotting
  47. Jody Williams, amerikanische Menschenrechtsaktivistin, Friedensnobelpreis
  48. Joshua Wong, politischer Aktivist und führender Kopf der Demokratiebewegung in Hongkong
  49. Lorena Zárate, argentinische Aktivistin, Vorsitzende der Habitat International Coalition
  50. Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, emeritierter Professor der Universität Genf und Abgeordneter für die Sozialdemokratische Partei (1981-1999)

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

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Südtirol lässt sich testen.

Zwischen dem heutigen Freitag und Sonntag findet in Südtirol ein Corona-Massentest statt, zu dem die gesamte Bevölkerung eingeladen ist.

Trotz der selbstverständlich und legitimerweise bestehenden Zweifel und Unsicherheiten sind wir der Meinung, dass bei aktuellem Wissensstand die Chancen dieser Initiative die Risiken klar überwiegen, weshalb auch wir zur möglichst geschlossenen Teilnahme aufrufen.

Das ist nicht eine Frage der Eigen-, sondern eine der Mitverantwortung und der Solidarität.

Aktuelle Informationen gibt es auf den Internetseiten des Landes, des Gesundheitsbetriebes (Sabes) und der jeweiligen Wohnsitzgemeinde.

Bitte verhalten Sie sich nach einem negativen Test nicht so, als könnten Sie niemanden anstecken: Die Schnelltests sind dazu geeignet, mit ausreichend hoher Genauigkeit einen großen Teil der Positiven zu ermitteln und daran zu hindern, das Virus weiterzuverbreiten. Im Einzelfall sind sie jedoch zu ungenau, um als zweifelsfreier Gesundheitsnachweis zu dienen.

Siehe auch: 1/

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Rassistische Hütte.

Die N****hütte in Corvara soll geschlossen oder zumindest umbenannt werden. Das fordern inzwischen knapp 7.500 Personen, die im Internet eine entsprechende Petition unterzeichnet haben. Der Name soll sich angeblich von der dunklen Farbe des Hüttenbaus ableiten.

Doch in Vergangenheit hat sich die Belegschaft etwa zu Fasching auch eindeutig (mit Lockenperücke und Strohrock) verkleidet und schwarz geschminkt. Für dieses Blackfacing gibt es im Netz Belege. Außerdem sollen in der Hütte Speisen und Getränke angeboten worden sein, die klar Bezug auf das N-Wort nehmen, zum Beispiel eine N****milch, die auch in den Onlinerezensionen des — direkt an der Skipiste gelegenen — Gastbetriebs erwähnt wird. Da tönen Relativierungen ehrlich gesagt heuchlerisch.

Die Petition auf Change.org wurde von Reda Fadel aus Münster initiiert und ist unter anderem an den Bürgermeister von Corvara, Robert Rottonara, an den deutschen Außenminister Heiko Maas und an den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella gerichtet.

Auch andere Hütten in Südtirol haben problematische Namen, so zum Beispiel die Comici-Hütte im nahen Gröden, die nach dem faschistischen Amtsbürgermeister und Mussoliniverehrer Emilio Comici benannt ist.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

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