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Witzgebilde.

zu ff Nr. 02 vom 12. Jänner 2012

In seinem Leitartikel vermischt Norbert Dall’Ò das begriffliche Problem (was ist ein »Freistaat«, was heißt »Vollautonomie«?), das auch von aufgeworfen wurde, mit der inhaltlichen Frage nach Sinn und Unsinn eines unabhängigen Südtirol. Über die pauschale Verhöhnung von Kleinstaaten als »Witzgebilde« hinaus bleibt er eine Erklärung schuldig, warum wir am Europa der Nationalstaaten festhalten sollten, anstatt es endlich aufzubrechen, um ein bürgerinnen- und realitätsnäheres Modell voranzutreiben.

Siehe auch: 1/ 2/

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Selbes Thema. Neuer Ansatz?

Von Blaun übernehme ich die Einladung zu dieser Spannung versprechenden Podiumsdiskussion:

Meran.

Ein Albtraum ist die »Selbsbestimmung« schon mal. Orthographisch.

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Autorinnen und Gastbeiträge

Es reift schön langsam…

Da ist man mal kurz weg — im Urlaub — und schon steht die (Blog-)Welt auf dem Kopf! Im Laufe der letzten Tage hat sich in der Sache viel getan, angefangen beim Leitartikel der aktuellen ff bis hin zur regen Diskussion hier bei uns.

Mit freundlicher Genehmigung Norbert Dall’Òs gebe ich hier seinen Beitrag wieder, erschienen in ff 09 vom 26. Februar:

Ich hatte einen Traum

Die “dynamische Autonomie” ist zum Stillstand gekommen, die Sache mit dem Föderalismus überzeugt nicht. Wennschon – dennschon: Man müsste vielleicht nur etwas Phantasie walten lassen.

Die Sache mag eine Bagatelle sein – ist aber bezeichnend für die verfahrene Situation in Sachen dynamische Autonomie: An den Grenzen Südtirols wachen acht sogenannte Grenzveterinäre, dass bei den Lebensmittelimporten alles mit rechten Dingen zugeht. Die Veterinäre sind sicherlich tüchtig und professionell. Aber es handelt sich um Beamte des italienischen Staates. Sie sind organisiert, wie die Beamtenschaft in Italien halt organisiert ist. Der Dienst funktioniert schlecht. Die betroffenen Unternehmen müssen sich alles Erdenkliche einfallen lassen, um ihre Produkte in vernünftigen Zeiten über die Grenze zu bringen. Warum sind die Grenzveterinäre nicht Landesbeamte? Warum übernimmt das Land Südtirol nicht den Dienst? Der Übergang vom Staat aufs Land hätte schon längst vonstattengehen sollen – aber Rom bockt. Seit Berlusconi und seine Mander am Ruder sind, geht nichts mehr in Sachen Kompetenzabtretung. Ob ein Dienst funktioniert oder nicht, interessiert die Herren in Rom nicht. Wichtiger ist offensichtlich, uns Crucchi zu zeigen, wo der Bartl den Most holt. Um die dynamische Autonomie ist es still geworden. Der Grund: Mit der – ausgerechnet von der Wirtschaft torpedierten – Mitte-links-Regierung war gut Kirschen essen. In Bozen und in Rom hatte man ein gemeinsames Interesse: den öffenlichen Dienst effizienter gestalten. Warum sollten die Straßen beim Staat bleiben, wenn das Land Südtirol viel besser dafür sorgen kann? Rom sparte – und Südtirol konnte seine Effizienz unter Beweis stellen. Nicht, dass hier alles bestens läuft. Aber die Regel: Südtirol macht es besser als Rom – diese Regel ist unbestreitbar. Wenn die dynamische Autonomie zum Stillstand gekommen ist, heißt das, dass Südtirol keine zusätzlichen Kompetenzen übertragen bekommt. Das heißt weiters: Die angestrebte Vollautonomie ist eine Illusion. Mit dieser Situation könnte ich durchaus leben, würde sich der Staat Italien, dessen Politik und stolzes kulturelles Erbe sich in eine Richtung entwickeln, die ich irgendwie mittragen kann. Aber genau das tut es nicht. Als einst glühender Fan der italienischen Art zu leben, leben zu lassen und zu überleben, stelle ich Tag für Tag mit Grausen fest, dass es bald nichts mehr gibt, mit dem ich mich identifizieren kann. Vielleicht inspiriert vom Schützenaufmarsch am Sonntag in Meran hatte ich einen sonderbaren Traum: Barbara Repetto, die Landesrätin, stand an der Bozner Talferbrücke und sammelte Unterschriften. Auf einem Plakat stand geschrieben: “Per l’autodeterminazione. Für die Selbstbestimmung.” Hunderte Menschen standen Schlange, warteten darauf, ihre Unterschrift auf das Dokument setzen zu können. Alle sprachen italienisch. Tags drauf hatte ich den Traum längst vergessen, da traf ich einen Freund, der wild über die Zustände in der Post schimpfte – und dann meinte: “Wenn ich ein deutschsprachiger Südtiroler wäre, wäre ich für die Selbstbestimmung.” Hoppla! Und was, wenn man der Selbstbestimmung die ethnische Sprengkraft nehmen würde? Was, wenn man die Rückkehr zu Österreich mal ausschließen und stattdessen andere Varianten durchdenken würde: Südtirol als autonome, selbstständige Pufferregion, eingebettet und geschützt von Europa, mit gewissen Bereichen (zum Beispiel Außenpolitik), die entweder an Rom oder Wien delegiert werden? Wer sollte was dagegen haben, wenn das Ziel eine bessere, möglichst bürgernahe Verwaltung ist? Wer sollte was dagegen haben, wenn die Gesetze, die unser Leben bestimmen, in Bozen und nicht mehr in Rom geschrieben werden? Hand aufs Herz: Können Sie sich am Föderalismus, so wie ihn sich Berlusconi oder Bossi vorstellen, erwärmen? Ich nicht. Aber ich habe auch keine Lust, weiterhin zwischen der Nicht-Alternative Italien oder Österreich entscheiden zu müssen. Vielleicht sollten wir doch unsere Phantasie walten lassen – und alle gemeinsam, Deutsche, Italiener, Ladiner, mal darüber nachdenken, ob es denn nicht einen machbaren Weg gibt, um diesem Staat auf eleganter Weise “Ciao” zu sagen. Und wenn es nur ein Traum ist.

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Gesamttiroler Gesamtgesellschaft.

Ich mache auf den beachtlichen Leitartikel von Norbert Dall’Ò in der aktuellen ff aufmerksam und danke Valentin[o] für den Hinweis:

Landesüblich 2009

Der Festumzug zum Tiroler Gedenkjahr wirft reizvolle Fragen auf: Was ist die Visitenkarte unseres Landes? Wer ist würdig und wer nicht, durch die Straßen von Innsbruck marschieren zu dürfen?

Beim Gedenkjahr 2009 sollen Geschichte, Gegenwart und Zukunft verbunden und dabei alle Bürger einbezogen werden.” Dieses Versprechen von Landeshauptmann Luis Durnwalder im November vergangenen Jahres machte Hoffnung. Wenn “alle Bürger” miteinbezogen werden, dann darf auch ich mich angesprochen fühlen. Dann dürfen sich nicht nur die Schützen auf den Landesfestumzug freuen, sondern auch die Studenten unserer Universitäten. Dann wird nicht nur Bruno Hosp um einen Beitrag gefragt, sondern sicher auch Hans Heiss. Dann werden vor oder hinter der rosengeschmückten Dornenkrone die Gewerkschafter, die Arbeiter der Industriezonen, ja vielleicht sogar eine Delegation der Tiroler Schwulen und Lesben mitmarschieren.

Weiterlesen bei ff-Online.

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Auf diese Steine können wir bauen.

Vor wenigen Wochen hat das Wochenmagazin ff (Nr. 23 vom 6. Juni) eine »große Wahlumfrage« veröffentlicht, die im Lande breit kommentiert und diskutiert wurde. Das aus meiner Sicht eklatanteste Ergebnis ist dabei bis dato völlig untergegangen: Der Aussage »Südtirol sollte ein selbstständiger Staat werden wie das Kosovo« haben 11% der befragten italienischen Mitbürgerinnen [!] zugestimmt:

ff-Umfrage

Wie Norbert Dall’Ò im dazugehörenden Artikel selbst einräumt, kann man Umfrageergebnisse durch die Art der Fragestellung maßgeblich beeinflussen. In diesem Fall ist die Assoziation mit dem Kosovo einer zustimmenden Haltung der Befragten sicherlich nicht zuträglich. Es ist wohl anzunehmen, dass der Satz nach einer leichten Umformulierung (etwa: »Südtirol sollte ein selbständiger Staat werden« oder »Südtirol sollte ein selbständiger Staat wie Luxemburg werden«) für viele wesentlich attraktiver geklungen hätte — auch für deutschsprachige SüdtirolerInnen.

Zudem ist festzustellen, dass bisher nicht nur keine ausdrücklichen Anstrengungen unternommen worden sind, die »Italienerinnen« für die Unabhängigkeit zu gewinnen. Die meisten politischen Akteure, die diese Lösung heute anvisieren, vermitteln den italienischen Mitbürgerinnen eher den Eindruck, dass sie in einem selbständigen Südtirol nicht gerade willkommen wären.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ist es für mich mehr als nur erstaunlich, dass jede zehnte Italienerin, die mir im Alltag begegnet, einer Loslösung von Italien wohlgesinnt sein soll.

Dies stimmt mich zuversichtlich, dass das Engagement von für eine inklusive Form der Unabhängigkeit irgendwann zum Erfolg führen kann.

Siehe auch: 1/

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Los von Italien.

Langsam… Langsam… Si potrebbe anche intitolare questo editoriale di Norbert Dall’Ò apparso oggi sull’ff. Lo pubblichiamo per gentile concessione dell’autore:

Los von diesem hässlichen Italien

Verrückte Steuern, idiotische Gesetze und eine von der Realität abgehobene Politikerkaste. Wenn das so weitergeht, darf man sich nicht wundern, wenn …(von Norbert Dall’Ò)

Jede Woche ein Eildekret. Was geschieht in einem normalen Staat, wenn ein Mord passiert? Richtig. Die Polizei sucht den Schuldigen, dieser wird dingfest gemacht, verurteilt, eingesperrt. Nicht so in Italien. Hier erlässt der Innenminister am Tag nach dem Mord ein Eildekret, das die Ausweisung von straffällgen Ausländern vorsieht. “Emergenza stranieri” nennt sich das. Und weil man schon dabei ist, auf der Welle des Volkes Zorn draufloszugaloppieren, werden noch gleich einige Zigeunerlager plattgemacht. Diesmal sind es die Rumänen, auf die eingeprügelt wird. Gestern waren es die Albaner. Und morgen?

Sonntagmittag auf irgendeiner Raststätte in Mittelitalien: Zwei Fangruppen treffen aufeinander und prügeln sich. Ein Streifenwagen der Polizei kommt zufällig vorbei. Ein Beamter steigt aus, zieht die Pistole und schießt. Er trifft einen jungen Mann, der achtzig Meter entfernt in seinem Auto sitzt. Der Mann überlebt nicht. Was macht der Innenminister? Richtig. Er ruft die “emergenza calcio” aus, erlässt ein Eildekret, das es Fans verbietet, ihre Mannschaft bei Auswärtsspielen zu begleiten. Außerdem werden sämtliche Spiele am kommenden Sonntag abgesagt.

Die “emergenza calcio” gibt es nicht erst seit Sonntag. Der gute Innenminister sollte eigentlich wissen, dass die Fußballstadien seit Jahren schon fest in der Hand von Verbrecherbanden sind, die sich dort verabreden, um Rambazamba zu machen. Das gab es früher auch in anderen Ländern. Aber dort wusste der Staat zu reagieren – und jetzt ist Fußball in England und Deutschland wieder das, was er sein sollte: ein Erlebnis. Hierzulande debattiert man in fürchterlichen TV-Sendungen seit Jahren über die “emergenza calcio”. Ohne dass eine einzige Entscheidung getroffen worden wäre. Ohne dass sich in den bunkerähnlichen Stadien eine einzige Schraube jener stählernden Käfige gelockert hätte, in denen die “Fans” zu wildgewordenen Affen werden.

Es ist wie mit dem Verbot, nach 2 Uhr Alkohol auszuschenken. Die Verzweiflungstat einer Politikerkaste, die der Öffentlichkeit beweisen will, “hart durchgreifen” zu wollen. Die Probleme werden dadurch nur schlimmer. Je idiotischer die Gesetze, desto heftiger die Reaktion darauf. Noch nie wurde in der Jugendszene so viel gesoffen wie derzeit.

Italien und seine Notstände: Müll, Wasser, Schule, Universität, Kriminaliät, Mafia, Ausländer … und jetzt also Fußball. Gibt es in diesem Staat etwas, was noch funktioniert? Das Land versinkt im Chaos. Die Regierung ist zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt, um eine Politik machen zu können, die diesen Namen verdient. Also wird geschröpft. Und mit dem Knüppel gewedelt. Man spielt Ordnungsstaat, ohne einer zu sein.

Der Schuss, der auf jener Raststtäte einen Mann getötet hat, könnte sich jederzeit auch bei uns lösen. Ich habe nie verstanden, warum es in Südtirol dermaßen viel Polizei gibt, die uns überall, auf den Straßen, aber auch in den Fußgängerzonen, auflauert. Und absolut kein Verständnis habe ich , wenn sie nicht nur die Kelle, sondern auch die MP zücken. Was soll diese Demonstration von Macht?

Sezessionsgeflüster. Es liegt nicht an der guten Eva Klotz, wenn an den Stammtischen Sprüche fallen wie: “Was sollen wir noch bei diesem Staat?” Es liegt an diesem Staat selbst, der sich anscheinend mächtig Mühe gibt, immer unsympathischer zu werden.
Fünfzig Jahre nach dem “Los von Trient” über ein “Los von Rom” nachzudenken, ist nichts Anrüchiges. Es lenkt aber vom einzig realistischen und gangbaren Weg ab, den Südtirol gehen kann und gehen muss: der Vollautonomie.
Wie nicht sein kann, dass ein Regierungskommissär ein Gastlokal schließt oder ein Minister entscheidet, wie der Skibetrieb am Kronplatz abzuwickeln ist, darf nicht sein, dass irgendwelche Behörden in Rom einen Spaß daran haben, uns mit Polizei- Finanz- und Carabinierieinheiten einzudecken. Ich bin mir sicher: Wir können uns nicht nur verwalten. Wir können auch auf uns aufpassen.

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