University Press.

Die Gründung des Universitätsverlages Bozen-Bolzano University Press erfolgte 2005 mit dem Ziel der Förderung der wissenschaftlichen Kommunikation, der Lehre und des lebenslangen Lernens. Durch die Unterstützung der Publikationstätigkeit von Wissenschaftlern der Freien Universität Bozen soll die Verbreitung von Forschungsarbeiten und -ergebnissen an der Freien Universität Bozen erreicht werden. Das Verlagsprogramm entspricht dem Fächerspektrum und dem multilingualen Kontext der Freien Universität Bozen und umfasst derzeit mehr als 45 Veröffentlichungen.

Einleitung zum Katalog von Bozen-Bolzano University Press (bu,p).

Und hier ist eine Aufschlüsselung der derzeit im Katalog enthaltenen Publikationen* nach Sprachen:

29 Bücher sind auf Italienisch vorhanden, 13 (also nicht einmal halb so viele) auf Deutsch und ein einziges auf Ladinisch. Es gibt mehr englische als deutsche Publikationen. Hätte eine — mehrsprachige und öffentliche — Universität in einem Minderheitengebiet nicht auch und gerade die Aufgabe, Fachinhalte in den Minderheitensprachen aufzubereiten? In zumindest gleichwertiger Verfügbarkeit?

*) ohne Zeitschriften

Siehe auch:

Bildung Discriminaziun Kunst+Cultura Plurilinguismo Publikationen Recherche Umfrage+Statistik Wissenschaft | Italianizzazione Zitać | | | Ladinia Südtirol/o | Freie Universität Bozen | Deutsch

Toponomastikkommission (I): Qualis pater…

Gli italiani [sono] venuti qui dopo la prima guerra mondiale, cercando di riportare questi territori geograficamente italiani ma anche idealmente e fisiologicamente italiani, in quanto a popolazione, perché i ladini venivano considerati fratelli che dovevano essere in qualche modo raggiunti e ricollegati alla struttura degli italiani perché, credete a me, anche ai tempi dell’Austria il ladino era un dialetto italiano, in quelle zone veniva insegnato l’italiano, quindi il ladino non era considerata una lingua e tuttora ho i miei dubbi che possa considerarsi pienamente una lingua. Lo chiamo idioma. C’è di peggio in Italia: il bergamasco, il sardo, l’abruzzese, tutti dialetti che se parlati in maniera stretta sono incomprensibili persino ai vicini a 30 km di distanza. Ma questo è un problema italiano, e gli italiani se lo devono risolvere da sé non con una legge provinciale di Bolzano.

Prof. Carlo Alberto Mastrelli (presidente dell’Istituto di Studi per l’Alto Adige, Firenze, già  vicepresidente dell’Accademia della Crusca, professore emerito presso la facoltà  di lettere dell’Università  di Firenze) invitato come «esperto» (sic); affermazioni fatte durante l’udienza in commissione toponomastica presso il Landtag, che ripropongono argomentazioni degne del Tolomei. Tratto dai verbali ufficiali della dieta sudtirolese.

Vedi anche:

Discriminaziun Faschismen Minderheitenschutz Nationalismus Ortsnamen Politik | Zitać | Ettore Tolomei | | Ladinia Südtirol/o | | Italiano

Politik = Partei.
Quotation 42

Wenn die Schützen schon meinen, sie müssten Politik machen, dann sollen sie eine Partei gründen.

Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) während seiner gestrigen Pressekonferenz, über die Schützenkundgebung vom 14. April.

Jede/r einzelne und jeder Verein, der eine politische Meinung hat oder öffentlich kundtut, muss eine Partei gründen oder einer Partei beitreten? Das ist Schwachsinn und zeugt von mangelnder Wertschätzung für Bürgerinnenbeteiligung. Wir brauchen politisch engagierte Vereine wie die Initiative für direkte Demokratie, die Antifa und auch die Schützen. Und selbstverständlich haben sie das Recht, für ihre Anliegen auf die Straße zu gehen — auch dann, wenn wir sie inhaltlich nicht teilen.

Democrazia Grundrechte Mitbestimmung Politik | Zitać | Luis Durnwalder | | Südtirol/o | Antifa Meran Schützen SVP | Deutsch

Bozen-Überetsch: Tram oder Busway?

Das Fachblatt CityRailways hat sich mit der Frage beschäftigt, ob für Bozen und insbesondere für die Verbindung zwischen der Landeshauptstadt und dem Überetsch die Tram oder der sogenannte Metrobus die bessere Lösung wäre. Landesrat Widmann favorisiert letzteren, wobei das Blatt sogleich darauf hinweist, dass der Begriff eigentlich falsch ist: Schließlich bezeichne er keine Infrastruktur, sondern ein integriertes Mobilitätskonzept wie jenes von Paris. Korrekterweise müsste man die anvisierte Lösung Bus Rapid Transit (BRT), Busway oder schlicht Schnellbus nennen.

Schlüssig weist CityRailways vor allem auf zwei Missverständnisse hin, die mit dem Schnellbus verbunden sind.

Wenn uns das Landesamt vorrechnet, es handle sich um die preisgünstigere Lösung, beruft es sich auf einen Preis pro Sitzplatz, der hauptsächlich anhand der Anschaffungs- und Betriebsspesen berechnet wird. Unberücksichtigt bleibe jedoch, dass ein Bus nur rund 15 Jahre einsatzfähig bleibt, während Trams durchaus 40 Jahre ihren Dienst tun können, bevor sie ersetzt werden müssen.

Zudem werde bei solchen Wirtschaftlichkeitsrechnungen im Falle von Schienenlösungen die Infrastruktur — also die Gleise — gewöhnlich mit in die Kosten eingerechnet, während man die Kosten für den Bau und die Instandhaltung der Straßen beim Bus meist unberücksichtigt lasse. Gerade der Busway verursache aber im Vergleich zu einem herkömmlichen Bussystem sehr hohe Infrastrukturkosten, da er weitgehend auf gesonderte und baulich abgegrenzte Spuren angewiesen ist. Nur so ist er mit der Tram konkurrenzfähig, die übrigens deutlich weniger Platz (Breite) in Anspruch nimmt.

Auch in Nantes, wohin sich unsere Politiker auf eine Studienreise begeben haben, setze man auf die Tram. Nur eine Linie werde derzeit vom Schnellbus bedient (und zwar parallel zu einer Regionalbahnlinie, was nicht mit dem Überetsch vergleichbar ist) — die Umrüstung von Bus auf Tram sei auch dort aufgrund der hohen Auslastung bereits angedacht.

Schließlich kann sich CityRailways einen Seitenhieb nicht verkneifen: Vielleicht, so das Fachblatt, wäre es sinnvoller gewesen, sich in Innsbruck umzusehen, wo die Tram den städtischen und außerstädtischen Bereich abdecke und demnächst sogar ausgebaut wird, anstatt in die Ferne zu schweifen. Dass wir uns sowas von einem italienischen Blatt sagen lassen müssen, weil wir uns selbst nicht zuerst auf Erfahrungen in der Euregio stützen, spricht eigentlich Bände.

Ecologia Medien Mobilität | | Thomas Widmann | | Südtirol/o | | Deutsch

Überlegene Älpler.
Quotation 41

Heute die Schützen, in einem Monat die Alpini — endlich kommt etwas Leben in die Stadt. Und ich will aus meinen Vorlieben kein Geheimnis machen: Von den beiden, na, heißen wir sie: Bewegungen sind mir die Alpini bei jedem Körperteil lieber. Ich freu mich richtig drauf. Und obwohl ich selber nur Infanterist war und mein ganzes Militärjahr lang nur Bürodienst schob, ich verstehe, warum sich die Alpini nicht nur für die besseren Soldaten, sondern schlicht für bessere Menschen halten. Wie sein Leittier, der Muli, ist der Alpino genügsam, belastbar und halt alpin stur. “Tasi e tira”, der Leitspruch gilt für beide gleichermaßen und für uns Älpler alle. Das erste italienische Lied, das wir lernten, war “Sul cappello che noi portiamo … oilala!” Unsere erste ordentliche Pastasciutta war jene, die wir aus der Campo-Küche der Alpini im Bottich für die Schweine abholten. Als Veci kommen sie jetzt noch einmal auf Besuch. Und wir reden da von Besatzung, Chaos und “Stadt lahmgelegt” — altro che!

Florian Kronbichler in der heutigen Südtiroler Tageszeitung.

Siehe auch:

Medien Militär | Quote | Florian Kronbichler | TAZ | Südtirol/o | Alpini Schützen | Deutsch

Canigou? Canigó!

Canigó.Im angeblich so minderheitenfeindlichen Frankreich tut sich Unverhofftes: Der Canigó, wichtigster und symbolträchtiger Berg des zu Frankreich gehörenden Teils von Katalonien, wurde neulich in den Rang eines staatlichen Naturerbes erhoben. Es handelt sich dabei um eine Auszeichnung, die mit dem Weltnaturerbe der UNESCO verglichen werden kann. Gleichzeitig wurde er vom französisierten — und touristisch weithin bekannten — Canigou in katalanisch Canigó zurückbenannt, da dies der historisch korrekte Name ist. Zu diesem Anlass hat der zuständige Generalrat des zu Frankreich gehörenden Teils Kataloniens die nebenstehende Informationskampagne gestartet.

Siehe auch:

Comparatio Ortsnamen | Good News | | | Catalunya France | UNESCO | Deutsch

Bahnbrechender sardischer Weg.

Eine Innovation auf dem Weg zum neuen Autonomiestatut: Volksabstimmung auf Sardinien am 10. Juni 2012

von Thomas Benedikter

Nach der Volksabstimmung im Juni 2011, bei der es auf Sardinien auch um regionale Referenden ging, wird der kommende 10. Juni wieder ein Tag der direkten Demokratie für die Insel. Immerhin 10 Einzelfragen werden den Wählern vorgelegt, zum Teil als abschaffende, zum Teil als beratende Referenden. 30.000 Unterschriften waren dafür bei einer Bevölkerung von knapp 1,6 Millionen gesammelt worden, das Doppelte als erforderlich. Die 10 Fragen betreffen allesamt Aufbau und Funktionsweise der Demokratie auf Sardinien: Die Abschaffung von neuen und alten Provinzen, die für überflüssig und zu kostspielig befunden werden; die Abschaffung von aufgeblähten Verwaltungsräten regionaler Körperschaften; die Abschaffung des Regionalgesetzes, das die Diäten der Abgeordneten regelt; die Einführung von Vorwahlen für die Benennung des Kandidaten für die Präsidentschaft der autonomen Region seitens der wahlwerbenden Parteien. Schließlich der am weitesten reichende Vorschlag: Die Sarden sollen darüber abstimmen, ob eine »statutarische Versammlung« direkt gewählt werden soll, die ein neues Autonomiestatut ausarbeiten soll. Somit geht es am 10. Juni 2012 nicht nur um eine Abschlankung des bürokratischen Apparats der Region mit all den damit verbundenen Posten und Pfründen, sondern auch um neue Regeln für die demokratische Mitbestimmung der Bürger.

Die Idee der Wahl einer Art »statutgebenden Versammlung« ist eine vielleicht bahnbrechende Idee, ein absolutes Novum in der Geschichte des italienischen Regionalstaats. Würde die Referendumsvorlage gutgeheißen, könnten die Sarden nach dem Muster der klassischen verfassunggebenden Versammlungen ein demokratisches Verfahren erhalten, um die Funktionsweise und Bürgerrechte ihrer Region neu zu regeln. Anstatt diese Rolle einer kleinen Gruppe von Berufspolitikern der Parteispitzen in Cagliari und Rom zu überlassen, würde diese Aufgabe Abgeordneten anvertraut, die direkt von der sardischen Bevölkerung legitimiert sind. Die »statutsgebende Versammlung« könnte in öffentlicher und transparenter Weise das zukünftige Statut debattieren, wobei die Bürger mit ihren Vorschlägen und Ideen in geeigneter Form einbezogen werden können. Um diesen »verfassunggebenden Prozess« demokratisch zu vollenden, bedürfte es freilich eines bestätigenden Referendums über einen von besagter Versammlung verabschiedeten Statutsentwurf, etwa nach dem Muster der Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Bisher fehlen jedoch die Voraussetzungen für ein derartiges Verfahren. Gleichermaßen fehlen auch in Sardinien die wichtigsten Verfahren der direkten Demokratie: Das bestätigende Referendum für Regionalgesetze und Verwaltungsakte von großer Tragweite, die Volksinitiative mit unmittelbarer Volksabstimmung, die Statutsinitiative, die es den sardischen Wählern erlauben würde, direkt einzelne Bestimmungen des Autonomiestatuts abzuändern.

Schließlich schwebt bei der heutigen Regelung über den sardischen Volksabstimmungen, wie im übrigen Italien, das Damoklesschwert des Beteiligungsquorums, das in Sardinien 33% beträgt. An diesem Punkt könnte man jetzt schon folgerichtig das Hauptthema für die nächste Volksabstimmung auf Sardinien ableiten, vielleicht für den Juni 2013: die Abschaffung des unzureichenden Regionalgesetzes zur Regelung der direkten Demokratie, die Abschaffung des Quorums, die Einführung des gesamten Spektrums an demokratischer Mitbestimmungsrechten. Könnte dieser »sardische Weg« zu Reform und Ausbau von Autonomie und Demokratie in einer Region mit Sonderstatut gar ein Beispiel für unsere autonome Region und Provinz sein?

Mitbestimmung Politik | | Thomas Benedikter | | Sardigna | | Deutsch