Virus: Gastlichkeit nur gegen Bezahlung.

Nicht nur in Katalonien, auch im nahen Nord- und Osttirol sollen Corona-Patientinnen und unter Quarantäne Stehende in nun ohnehin leeren Hotels untergebracht und versorgt werden.

Und hierzulande? Während viele andere ihren Beitrag leisten, lese und höre ich bislang nicht davon, dass jemand seine großzügig geförderte Bettenburg freiwillig zur Verfügung gestellt hätte. Aber auch nicht, dass die Landesregierung diesbezügliche Zwangsmaßnahmen in Erwägung zöge. Im Land der Luxushotels darf die gemeine Bevölkerung die Quarantäne nach wie vor in ausrangierten Militärquartieren aussitzen.

Dafür zitiert Rai Südtirol Busunternehmer Thomas Rauch wie folgt:

Viele vor allem rumänische Arbeiter in den Hotels versuchen mit Flügen noch rauszukommen. Das sind teils tragische Geschichten, die sie erzählen. Von einigen Hoteliers wurden sie einfach vor die Tür gesetzt.

Wo bleiben da Solidarität und Menschlichkeit? Manche Damen und Herren, die zahlende Kundschaft aufs Vorzüglichste zu versorgen wissen, sind wohl außerstande, ihren nicht mehr benötigten Mitarbeiterinnen auch nur Ansätze von Gastlichkeit zukommen zu lassen.

Das ist viel empörender, als die etwaige Abweisung von Zweitwohnungsbesitzerinnen, deren oft späte Flucht den Beigeschmack von Sozialdarwinismus hat.

Wir halten zusammen? Nicht wirklich.

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Extremer Corona-Nationalismus.

Rechtsextreme und Rechtsradikale versuchen weiterhin, politisches Kapital aus der Coronavirus-Pandemie zu schlagen und scheuen nicht davor zurück, eine in Teilen eingeschüchterte und geschwächte Bevölkerung vor ihren Karren menschenverachtender Politik zu spannen. Im Kontext von medizinisch notwendiger Abschottung, Aussonderung und Reinlichkeit — sowie der Außerkraftsetzung von Grundrechten — finden sie ideale Lebensbedingungen vor.

Sowohl die faschistische CasaPound, als auch der Bozner Ableger von Vox rufen die Südtirolerinnen dazu auf, die italienische Flagge an Fenster und Balkone zu hängen, als könne man ein Virus mit Nationalismus besiegen. Laut Vox soll die Flagge auch nach der gegenwärtigen Krise so lange hängen bleiben, bis Gerichte »den Keim« besiegen, der Italien »infiziert« und während der letzten Jahrzehnte »an den Fremden« verkauft habe. Zudem müsse in Zukunft klar unterschieden werden zwischen jenen, die Italien im Coronanotstand unterstützt und denen die es nicht gemacht haben.

Indes macht die auch von Rechtsextremen verehrte neue Biathlonweltmeisterin Dorothea Wierer mit nationalistischen Tönen auf sich aufmerksam:

Ich widme diese Ergebnisse ganz Italien, auf das Gewehr habe ich auch ‘Wir werden gemeinsam siegen’ geschrieben, und wir haben es geschafft, da braucht es nicht viele Worte. Die Botschaft [‘]Nur gemeinsam werden wir es schaffen[’], wir Italiener zeigen stets in schwierigen Momenten, aus welchem Holz wir geschnitzt sind, da habe ich keinen Zweifel.

A. Adige

Übersetzung: – Original: Dedico questi risultati a tutta l’Italia, sul fucile ho scritto anche ‘Vinceremo insieme’, e ce l’abbiamo fatta, non servono tante parole. Il messaggio Solo insieme ce la faremo, noi italiani facciamo sempre vedere di quale pasta siamo fatti nei momenti difficili, non ho dubbi.

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CPI: Politisches Aasgeiertum.

Die faschistische Organisation CasaPound (CPI) versucht in Bozen, selbst aus der Coronavirus-Pandemie politisches Kleingeld zu schlagen: Vor dem Landeskrankenhaus hat sie hierzu ein Transparent aufgehängt, mit dem sie sich nicht ohne Pathos bei den Mitarbeiterinnen des Gesundheitsdienstes bedankt — dafür, dass sie »ihrem Schwur« treu bleiben. In einer Pressemitteilung stellen die Faschistinnen klar, dass sich die Aktion auf die Rettung italienischer Menschenleben bezieht.

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Der »private« Nazi-Lehrer.

Wie bereits bekannt, war der Faschist Andrea Bonazza (CPI) am 8. Februar mit einigen Gesinnungsgenossen zu einem internationalen Neonazitreffen nach Ungarn gereist. Neu ist jedoch, dass er dabei auch von Andrea De Rossi begleitet wurde, seines Zeichens Lehrer an der Bozner Galilei-Oberschule. Dies berichtet der A. Adige in seiner heutigen Ausgabe.

De Rossis politische Ansichten sollen offenbar bereits seit längerem bekannt gewesen sein. Nach Veröffentlichung der Bilder, auf denen der Techniklehrer neben Bonazza zu sehen ist, hatten einige seiner Kolleginnen die Schulleiterin dazu aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Bislang habe es jedoch nur ein »klärendes Gespräch« gegeben, wie es heißt. Und was auch immer das bedeutet.

Disziplinarmaßnahmen sollen laut Schulamtsleiter Vincenzo Gullotta nicht möglich sein, weil De Rossi seinem Nazihobby in der Freizeit nachgegangen ist.

Irgendwas läuft sehr, sehr falsch in Südtirol, wenn Rechtsextremistinnen ungestraft auf die Schülerinnenschaft losgelassen werden können — und (selbst wenn man wollte) keine Handhabe dagegen besteht.

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Salò: Mussolini bleibt Ehrenbürger.

Mit überwältigender Mehrheit hat der Gemeinderat im lombardischen Salò gestern beschlossen, die Ehrenbürgerschaft des italienischen Diktators Benito Mussolini aufrechtzuerhalten. Die Kleinstadt am Gardasee war ab 1943 der Regierungssitz der sogenannten Sozialrepublik (RSI) gewesen, der sie auch den Namen gab, weshalb die Entscheidung einen besonderen Symbolcharakter annimmt.

Lediglich die drei Vertreterinnen der einbringenden Bewegung Salò Futura stimmte letztendlich für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft. Die rechtsgerichtete Mehrheit von Progetto Salò (14 Gemeinderatsmitglieder) äußerte sich hingegen geschlossen für die Aufrechterhaltung der 1924 verliehenen Würde des faschistischen Diktators. Die Demütigung des geschlagenen Gegners — so die fadenscheinige Argumentation — lösche ihn nicht aus, sondern stärke ihn.

Vier ehemalige Bürgermeisterinnen von Salò hatten sich 2019 bereits für die Rücknahme der Ehrenbürgerschaft ausgesprochen, nachdem sie von einem Zeitungsartikel ans Tageslicht befördert worden war.

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