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Minoranze, Francia denunciata all’ONU.
Effetti positivi anche sull'Italia?

La Rete europea per l’uguaglianza delle lingue (ELEN), assieme a venti organizzazioni associate operanti sul territorio statale francese, ha denunciato la Francia al Relatore sulle questioni delle minoranze dell’ONU per via della permanente discriminazione delle minoranze linguistiche. La dettagliata segnalazione si basa principalmente sulla decisione del Consiglio costituzionale (la Corte costituzionale francese) di negare l’uso di caratteri speciali provenienti dalle lingue minoritarie nei nomi delle persone e di vietare l’immersione linguistica nelle scuole del sistema educativo pubblico. Entrambe le misure, assieme ad altre, erano contenute in una legge all’avanguardia sulla tutela delle minoranze recentemente approvata a larghissima maggioranza dall’Assemblea nazionale.

Secondo ELEN la volontà dei giudici costituzionali e del Ministero dell’educazione sarebbe quella di eradicare le lingue territoriali diverse dal francese. Inoltre, sostiene che la Francia con la sua politica ostile alle minoranze violerebbe ben dieci trattati internazionali da essa ratificati:

  • la Dichiarazione universale dei diritti delle persone appartenenti a minoranze nazionali o etniche, in particolare gli articoli 1, 2, 4 e 8;
  • il Patto internazionale relativo ai diritti civili e politici, articoli 17, 24, 26 e 27;
  • il Patto internazionale relativo ai diritti economici, sociali e culturali, articoli 13, 14 e 15;
  • la Convenzione internazionale sui diritti dell’infanzia, articoli 2, 7, 8, 28, 29 e 30;
  • la Convenzione dell’UNESCO sulla lotta contro la discriminazione nel campo dell’insegnamento, articoli 1 e 5c;
  • la Dichiarazione universale dei diritti umani, articolo 26;
  • la Convenzione europea dei diritti umani, articolo 14 e protocollo aggiuntivo n. 1;
  • la Carta dei diritti fondamentali dell’Unione europea, articolo 21;
  • la Convenzione internazionale per la salvaguardia del patrimonio culturale immateriale;
  • la Convenzione internazionale sulla protezione e la promozione della diversità e delle espressioni culturali.

L’esito di questa denuncia potrebbe diventare importante anche per le molte minoranze linguistiche presenti sul territorio statale italiano, in quanto ad esempio anch’esse (eccettuata quella di lingua tedesca in Sudtirolo e quella slovena) non possono godere di un insegnamento pubblico immersivo in lingua minoritaria. Un pronunciamento forte del Relatore potrebbe indurre un rafforzamento sostanziale dei diritti delle minoranze anche in quei paesi, come la Francia e l’Italia, che non hanno mai ratificato la Carta europea sulle lingue regionali o minoritarie — e quindi non hanno contratto obblighi internazionali forti in questo ambito.

Vedi anche: 1/ 2/ 3/

Discriminaziun Grundrechte Minderheitenschutz Plurilinguismo Scola | Charta der Minderheitensprachen CLIL/Immersion Good News | | | France Italy | EU Staat Italien UNESCO UNHCHR UNO Verfassungsgericht | Italiano

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Banaler Nationalismus.

Vor einiger Zeit bin ich in einem Text auf den Sozialwissenschafter Michael Billig, einen der einflussreichsten und meist zitierten Nationalismusforscher überhaupt, gestoßen. Mir war er bis dahin unbekannt. Spätestens ab 1995, als er ein Werk dazu herausgab, theorisiert er den sogenannten banalen Nationalismus, der die Schaffung und Aufrechterhaltung von Zugehörigkeit und Loyalität zu einem etablierten Nationalstaat beschreibt.

Mit »banal« ist dabei gemeint, dass es sich um einen kaum wahrgenommenen, allgegenwärtigen, routinehaften und fast alles durchdringenden Nationalismus handelt. Er ist umso gefährlicher und unausweichlicher, weil er vorwiegend auf einer unbewussten Ebene wirkt. Man kann also zwar versuchen, ihn und seine »banalen« Äußerungen aktiv zu ignorieren oder differenzierend zu sehen, doch trotz des enormen damit verbundenen Aufwands sickert er schön langsam in uns ein.

Beispiele für diesen unterschwelligen Nationalismus sind Flaggen in alltäglichem Kontext (etwa an öffentlichen Gebäuden, Grenzübergängen…), Nationalmannschaften, Nationalhymnen, aber auch die unzähligen Formen unhinterfragt vorausgesetzter Zugehörigkeit, wie sie beispielsweise von Medien (der Staatspräsident, unsere Mannschaft etc.) reproduziert wird. Meist sind es jedoch die nationalstaatlichen Institutionen selbst, einschließlich der Schulen, die den banalen Nationalismus transportieren.

Darin erkenne ich vieles von dem wieder, was wir auch hier immer wieder bezüglich dessen geschrieben haben, was wir »nationalstaatliche Logik« getauft haben.

So fällt mir zum Beispiel eine Frage ein, die mir Wolfgang Mayr bei 12 nach 12 gestellt hatte:

In Ihren Texten kritisieren Sie immer wieder Verstöße des Staates gegen autonomiepolitische Bestimmungen, die Diskriminierung der deutschen und ladinischen Sprache beispielsweise. Für Sie der Beleg dafür, dass der Nationalstaat engstirnig ethnisch agiert? Oder anders formuliert: Ist der Nationalismus des Staates salonfähiger als der Nationalismus einer Minderheit?

Salonfähiger würde ich vielleicht nicht sagen, aber der Nationalstaat muss seinen intrinsischen Nationalismus nicht rechtfertigen, der ist einfach im System immanent und der wirkt sich einfach aus, ob man es will oder nicht.

Dieser systemimmanente Nationalismus, den wir hier immer wieder aufzuzeigen respektive zu demaskieren zu versuchen — was uns nicht selten als Erbsenzählerei ausgelegt wird — ist wohl nichts anderes, als ein Ausdruck von banalem Nationalismus.

So banal wie übrigens auch die allseits bekannte Aussage »siamo in Italia e quindi si parla italiano« (wir sind in Italien, also ist Italienisch zu sprechen) funktioniert, wiewohl man versucht, sie als falsch zu enttarnen. Die fortschreitende Etablierung der nationalen lingua franca in Politik, Verwaltung und Wirtschaft beruht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch darauf.

Dass Südtiroler Spitzensportlerinnen Teil der italienischen Nationalmannschaften sind, dürfte für viele hierzulande ferner eine Art mehr oder minder bewusste »Einstiegsdroge« sein, um sich grundsätzlich zunächst sportlich, dann vielleicht auch politisch mit dem Nationalstaat und der nationalen Gemeinschaft zu identifizieren. Wer dies nicht tut, ist immer wieder einem gewissen (latenten) Rechtfertigungsdruck — oder zumindest Unverständnis und fragenden Blicken — ausgesetzt. Je mehr wir hingegen in der nationalen Gemeinschaft aufgehen, desto mehr wird dies als völlig natürliches Ablegen ewiggestriger Ansichten geadelt und begrüßt.

Auch das unhinterfragte, großteils passive Festhalten vieler Linker in Südtirol am monoethnischen Nationalstaat und die reflexhafte Ablehnung der demokratischen Selbstbestimmung würde ich übrigens hier einordnen. Während die Gründung eines neuen, wenngleich offenen und mehrsprachigen — nicht (ethno-)national definierten — Staates als Gefahr dargestellt wird, muss sich das Etablierte keinen allzu kritischen Fragen stellen. Es ist einfach und hat alle Mittel zur Verfügung, um sich langsam in uns allen einzunisten und auszubreiten.

Dass der moderne Nationalismus der Nationalstaaten ohne großes Aufsehen zu erregen im Hintergrund agiert und uns ständig daran erinnert, dass wir zu einer bestimmten Nation gehören, macht ihn laut Billig zu einer sehr mächtigen Ideologie, die auch nur sehr selten ernsthaft kritisch hinterfragt wird. Es handle sich dabei aber keineswegs um einen leichten, weichen Nationalismus, sondern um den idealen Nährboden, auf dem auch der »gefährliche Nationalismus« gedeiht.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ 8/ | 9/

Außendarstellung Lingaz Medien Minderheitenschutz Nationalismus Politik Scola Selbstbestimmung Soziales Sport Symbolik | Banal Nationalism BBD-Essentials Zitać | | Rai | Südtirol/o | | Deutsch

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Pilotprojekt gegen Periodenarmut.

Der Landtag hat heute nicht nur das Genderverbot versenkt, sondern zudem ein interessantes Pilotprojekt genehmigt: Auf ursprünglichen Vorschlag der Grünen sollen im Rahmen der Sexualerziehung flächendeckend an allen Südtiroler Mittelschulen weibliche Hygieneartikel kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Die endgültige Fassung des Vorschlags wurde von Brigitte Foppa (Grüne), Jasmin Ladurner (SVP), Sandro Repetto (PD), Magdalena Amhof (SVP) und Maria Elisabeth Rieder (TK) unterzeichnet. Dafür stimmten bei fünf Enthaltungen 25 Abgeordnete, nur zwei waren dagegen.

Viele Mädchen können sich Menstruationsprodukte nicht oder nur schwer leisten. Manche von ihnen bleiben während ihrer Monatsblutung sogar dem Unterricht fern.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

Feminæ Gesundheit Politik Scola Service Public | Good News | Brigitte Foppa Magdalena Amhof Sandro Repetto | | Südtirol/o | PD&Co. Südtiroler Landtag SVP Team K. Vërc | Deutsch

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Genderverbot gescheitert.

Mit großer Mehrheit hat der Südtiroler Landtag heute den Vorschlag der Freiheitlichen versenkt, die Verwendung geschlechtergerechter Sprache beim Land und in den Schulen zu verbieten. Zuvor war die alte wirre Fassung des Antrags durch eine neue ersetzt worden.

Unterstützung erhielten die Blauen vor allem vom Neufaschisten, der um eine Ausweitung des Antrags auf die italienische und ladinische Sprache bat.

Unisono behaupteten F und FdI, dass es derzeit Wichtigeres gebe, als das Gendern. Fragt sich nur, warum sich die Rechten dann ohne Not so sehr daran abarbeiten.

Für die Prämissen und die einzelnen Punkte des Antrags, über die getrennt abgestimmt wurde, sprachen sich jedenfalls 4-7 Abgeordnete aus, dagegen 21-25. Damit ist die Sache klar.

Siehe auch: 1/ 2/

Feminæ Kohäsion+Inklusion Lingaz Politik Scola Service Public | Good News | Alessandro Urzì Andreas Leiter-Reber Ulli Mair | | Südtirol/o | FdI Freiheitliche Land Südtirol Südtiroler Landtag | Deutsch

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Frankreich: Kastrierter Minderheitenschutz.
Molac-Gesetz

Im April hatte die französische Nationalversammlung mit großer Mehrheit ein nicht nur für französische Verhältnisse fortschrittliches Minderheitenschutzgesetz verabschiedet. Unter anderem hätte es — als eine der wichtigsten Maßnahmen — den vollen Immersionsunterricht in einer Minderheitensprache an öffentlichen Schulen gestattet.

Der Gegenschlag des Jakobinertums kam postwendend: Nach einer Beschwerde der unterlegenen Republique en Marche von Präsident Macron fällte das Verfassungsgericht nun ein vernichtendes Urteil. Im Sinne von Artikel 2 der Verfassung, der Französisch als »Sprache der Republik« festlegt, sei die Immersion genauso unzulässig, wie die Einführung »unfranzösischer« Sonderzeichen oder í) für Eigennamen.

Als die Staatssprache — erst 1992 — in die Verfassung geschrieben wurde, hieß es, die Maßnahme sei nicht gegen die Minderheitensprachen gerichtet, sondern gegen die fortschreitende Anglisierung. Eine Intention, an die sich heute einige nicht mehr erinnern wollen.

Ob der Richterspruch nicht nach hinten losgeht, muss sich jedoch erst noch zeigen. Schon sind in vielen Regionen Protestkundgebungen geplant. Wenn die minderheitenfreundliche Dynamik anhält, die zur Verabschiedung des sogenannten Molac-Gesetzes (mit überwältigenden 247 zu 76 Stimmen) geführt hat, könnte die französische Sprache auch wieder aus Artikel 2 gestrichen werden.

Immerhin war die Verfassungsbeschwerde selbst bei der Republique en Marche nicht unumstritten. Einige Abgeordnete der Präsidentenpartei sehen die daraus hervorgegangenen Einschränkungen kritisch.

Die in Kürze stattfindenden Regionalwahlen sollen ein erster wichtiger Test für die künftige Entwicklung sein.

Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Recht Scola | CLIL/Immersion | | | France | Verfassungsgericht | Deutsch

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Generation C.
Nichts ist verloren oder Drama, Baby, Drama!

Es ist völlig klar, dass viele Kinder und Jugendliche Schwierigkeiten mit der Bewältigung der derzeitigen Krise haben, die so weit gehen können, dass sie Pathologien der Psyche entwickeln. Besonders betroffen scheinen laut mehreren Studien Kinder aus wirtschaftlich benachteiligtem Umfeld zu sein. Die Corona-Pandemie hat nämlich soziale Ungleichheiten noch einmal verschärft. Die technischen und räumlichen Voraussetzungen zur Teilhabe am Fernunterricht, die Betreuung durch die Eltern zu Hause wie auch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und des Abschaltens sind in einer geräumigen Vorstadtwohnung mit Garten einer gutbürgerlichen Akademikerfamilie, in der jedes Kind ein eigenes Zimmer mit Laptop und Breitbandinternet hat, gewiss andere als in einer kleinen innerstädtischen Zwei-Zimmer-Mietwohnung einer alleinerziehenden Mindestlohnbezieherin im fünften Stock ohne Balkon.

Ähnlich wie beim Long-Covid-Problem sind die politischen Entscheidungsträgerinnen und die Verantwortlichen im Gesundheitswesen gefordert, diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, indem sie die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen, die Lage wissenschaftlich erheben und auf die Erkenntnisse entsprechend reagieren. Der Gap, den Corona aufgerissen bzw. verbreitert hat, muss mit allen Mitteln wieder zugeschüttet werden – so gut es geht.

Das Problem psychisch belasteter und abgehängter Kinder ist real und gehört behandelt, – doch jetzt kommt das große aber – ABER tun wir bitte nicht so, als ob wir zur Zeit eine ganze Generation schwer traumatisierter, ungebildeter und hoffnungsloser Kinder heranzüchten würden. Das ist schlichtweg nicht der Fall, auch wenn das manche Eltern (die sich nicht notwendigerweise in eben diesen prekären Situationen befinden, in denen sie berechtigten Grund zur Klage hätten) sich selbst und ihren Sprösslingen einreden wollen. Und wenn sie lange genug durchhalten, wird ihr Bemühen vielleicht sogar zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Doch was Kinder und Jugendliche jetzt am wenigsten brauchen ist – bei allem Bewusstsein, dass manche Familien tatsächlich existenzbedrohende Probleme haben – Jammerei, Angstmache und das Gefühl der Ohnmacht.

Doch wenn Eltern ihre Kinder vom Präsenzunterricht – den sie während der Zeit des Fernunterrichts stets herbeigesehnt haben – nur aus dem Grund fernhalten, weil sie nicht wollen, dass ihr Sprössling den deppaten (vielleicht sogar todbringenden!1!1!!!11) Fetzen im Gesicht trägt oder am “Nasenbohrertest” teilnimmt, dann vermitteln sie genau das: Angst und Ohnmacht. Absurderweise tun sie dies noch oft mit dem Argument, dass Kinder, die positiv getestet werden, dann “stigmatisiert” werden würden. Es ist aber natürlich überhaupt nicht stigmatisierend, wenn ein Kind als einziges zu Hause bleiben muss, weil es an einem völlig harmlosen Test (dessen Nützlichkeit man freilich hinterfragen darf), der vielen Kindern sogar Spaß macht (zumindest ist es bei meinem Sohn so) und ihnen ein Gefühl von Eigenverantwortung vermittelt, nicht teilnehmen darf. Wenn sie ihnen dann noch ständig vorkauen, dass wir alle nur ein Spielball irgendwelcher sinistrer Interessen von Eliten wären, die ihren perfiden Plan gegen die gesamte Menschheit mittels Giftspritze durchboxen wollen und man folglich prophylaktisch allem und jedem mit Misstrauen begegnen muss, dann ist das Trauma wohl tatsächlich perfekt. Nur ist daran dann halt nicht Corona schuld. Was Kinder in der jetzigen Situation sehr wohl brauchen sind Zutrauen, positive Impulse und freundliche, besonnene und nicht zornige Menschen, denen sie sich anvertrauen können.

Die nächste Mär ist die vom ach so großen Bildungsverlust und dem “verlorenen Jahr”. Wiederum gibt es eine kleine Minderheit, auf die das tatsächlich zutrifft. Jedoch für den Großteil der Schülerinnen und Schüler gab es 2020 vielleicht ein Defizit was konkrete Fachinhalte und (googlebares) Fachwissen betrifft, aber im Gegenzug auch enorme Impulse bezüglich (lebens)wichtiger Fähigkeiten wie Selbstorganisation, Selbstständigkeit, Eigenrecherche, Informationsbewertung, Durchhaltevermögen, Motivation, Mediennutzung usw. Auch das ist Bildung. Oder vielleicht sogar gerade das. Die Schule als Ganzes hat im vergangenen Jahr einen didaktischen und technischen Innovationsschub erhalten, der ohne Corona in diesem Ausmaß und in dieser Geschwindigkeit nicht denkbar gewesen wäre. Curricula wurden (gezwungenermaßen) entrümpelt, neue Unterrichtsformen mittels Try-and-Error ausprobiert und es wurde kommunikationstechnisch aufgerüstet. Und alle – Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft – haben gemeinsam dazu beigetragen und Großartiges geleistet. Darauf kann man auch einmal stolz sein, anstatt den nicht existenten allgemeinen Bildungsnotstand heraufzubeschwören und ein paar verlorenen Wiederholungsstunden nachzutrauern. Und wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, habe ich gewiss gar einige Jahre “verloren”, was jedoch einem Virus namens Faulheit geschuldet war. Dennoch bringe ich einigermaßen gerade Sätze zuwege und kann zwei und zwei zusammenzählen. Lassen wir also die Kirche im Dorf!

Und zu guter Letzt hat Corona – zumindest vorübergehend – mit einer Unsitte aufgeräumt, die der kindlichen Psyche meines Erachtens mitunter mehr Schaden zufügen kann als ein eigenartiges, verzichtreiches aber für die meisten von uns doch bewältigbares Jahr, vor allem – und man verzeihe mir den Whataboutism – wenn man sich die Situation von Menschen in Kriegs- und Krisengebieten vor Augen führt. Die Unsitte, die ich meine ist die Dauerbespaßung unseres Nachwuchses, der ihnen vielfach Terminkalender beschert, die jenen von Topmanagern ähneln, und die kindliche Spontaneität und Kreativität gnadenlos abwürgt. Aufstehen, Schule, Mittagessen, Sportverein, Musikschule, noch ein Sportverein, Nachhilfe, Gute Nacht.

Corona – natürlich außerhalb der Lockdowns – hat es möglich gemacht, dass sich Kinder wieder spontan und ungezwungen – und vor allem ohne Erwachsenenaufsicht mit vagen Regeln und Zeitlimits – im Freien (!) – anstatt vor dem Computer – treffen und die Welt erkunden, ohne dass einer mitten in der spannendsten Entdeckung oder ausgerechnet während des Elfmeterschießens sagt: “Ich muss weg. Mama fährt mich zum Fußballtraining.” (Meinen Kindern, die maximal einen Fixtermin in der Woche haben, ist das vor Corona nicht selten passiert). Im Lockdown durften Kinder auch endlich wieder ihr Menschenrecht auf Langeweile in Anspruch nehmen und waren gezwungen, zunächst nervig und dann kreativ zu sein, anstatt von ihren “Frühförderern” von einem Event zum nächsten gekarrt zu werden. Und Eltern haben tatsächlich mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht, anstatt Chauffeur zu spielen. Quality-Time auf Neudeutsch. Freilich, Oma und Opa haben sie vermisst. Und manch anderes auch. Aber sie haben auch so viel gewonnen in dieser Zeit, was vieles von den Entbehrungen aufgewogen, wenn nicht gar überwogen hat. Der Wunsch, das einiges davon bleibt, ist groß. Die Hoffnung, dass dies tatsächlich passiert, wenn wieder Normalität einkehrt, eher klein.

Auch meine Kinder wünschen sich, dass Corona bald vorbei ist. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie keinen Schaden davontragen werden, da ich sie sogar aufblühen habe sehen. Egal was kommt, das spontane und kreative Kindsein, die schönen und prägenden Erfahrungen und die Schritte in die Selbstständigkeit, die sie in diesem Jahr gemacht haben, kann ihnen niemand mehr nehmen. Es war eine gewonnenes Jahr.

Bildung Engagement Gesundheit Scola Soziales | Coronavirus Good News | | | | | Deutsch

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Sparen an der Bildung.

Es ist eine sagenhafte Idee: sagenhaft dumm. Gerade im Coronajahr 2021 hat die Landesregierung angekündigt, die Mittel für Leihbücher (1. Grundschule bis 2. Oberschule) um 60% zu kürzen und die Bücherschecks (150,- Euro für die 3. bis 5. Oberschule) ganz zu streichen. Während also viele Menschen pandemiebedingt kein Einkommen mehr haben und stärker denn je auf wirtschaftliche Hilfe angewiesen sind, spart das Land gerade im Bildungsbereich. Das ist per se schon ein fatales Signal und könnte — insbesondere in der Oberschule, deren Besuch nicht vorgeschrieben ist — auch den Schulabbruch fördern.

Dass es sich bei Leihbüchern und Bücherschecks nicht um gezielte, sondern um Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip handelt, mag stimmen. Dann aber könnte nach der Pandemie eine entsprechende Reform angedacht werden, anstatt gerade jetzt — allen, auch den Bedürftigsten — eine unbürokratisch verfügbare und für die Bildung zweckgebundene Leistung zu streichen.

Was man sich dabei im Bildungsressort von Philipp Achammer (SVP) gedacht hat, versteht wohl niemand. Kaum verwunderlich also, dass die Maßnahme von so gut wie allen Parteien kritisiert wird. Den Anfang hatten TK und STF gemacht, in der Folge schlossen sich Grüne, F und PD an. Selbst Vertreterinnen der SVP äußerten sich besorgt.

Gegenwind kommt freilich auch vom Elternbeirat, von vielen Schulen, vom Südtiroler Jugendring und weiteren Organisationen.

Siehe auch: 1/

Bildung Politik Scola Service Public Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus | Philipp Achammer | | Südtirol/o | Freiheitliche Landesregierung PD&Co. STF SVP Team K. Vërc | Deutsch

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Korsika startet mit korsischer Immersion.

Ab dem für September geplanten — aber pandemiabhängigen — Schulbeginn 2021/22 starten in Korsika die ersten beiden Immersionsschulen mit korsischer Unterrichtssprache. Sie sind Teil des Eskolim-Netzwerks, dem sämtliche Vereinsschulen auf französischem Staatsgebiet angehören: Diwan (Bretagne), Seaska-Ikastola (Baskenland), Bressola (Katalonien), Calendreta (Okzitanien) und ABCM-Zweisprachigkeit (Elsass und Lothringen). Die Schulen sind zwar privat, aber kostenlos und laizistisch sowie voll staatlich anerkannt.

Mit dem kürzlich verabschiedeten — doch von République en Marche angefochtenen — Minderheitenschutzgesetz könnten die ersten vollimmersiven Schulen oder Schulzüge demnächst auch im Rahmen des öffentlichen Schulsystems entstehen.

Die beiden Schulen von Scola Corsa werden im Herbst in den Gemeinden Bastia und Biguglia starten. Weitere Ortschaften haben aber bereits ihr Interesse bekundet, auf ihrem Gebiet ebenfalls Schulen in korsischer Sprache zu errichten.

Auf italienischem Staatsgebiet gibt es vollimmersive öffentliche Schulen in der Minderheitensprache nur für Deutsch in Südtirol. Es wäre allerdings an der Zeit, auch den Ladinerinnen ein ähnliches Modell anzubieten — oder zumindest im Rahmen des bestehenden paritätischen Systems (Deutsch und Italienisch) die Präsenz der ladinischen Minderheitensprache massiv auszubauen.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/

Comparatio Minderheitenschutz Plurilinguismo Scola Service Public | CLIL/Immersion Good News | | | Corsica Ladinia | | Deutsch