Categories
BBD

SaniBook: Die Profi-Impfvormerkung.

Ich habe mich — via SaniBook —  zur Coronaimpfung angemeldet.

Dabei wird man nach Eingabe von sanibook.sabes.it automatisch auf appcupmobile.civis.bz.it weitergeleitet. CUP steht für Centro unico di prenotazione, auf Deutsch wäre das die ELVS oder Einheitliche Landesvormerk(ungs)stelle.

Gebucht wird dabei nicht eine Coronaimpfung, sondern durch alle Schritte hindurch eine Vaccinazione Sars-Cov-2. Mit diesem Trick hat der Gesundheitsbetrieb wohl wieder ordentlich Speicherplatz eingespart, wofür ihm Dankbarkeit gebührt.

Schwärzungen (Datum) von mir

Der Vorgang selbst ist recht unkompliziert. In wenigen Schritten ist die Vaccinazione gebucht — sofern man allen Bedinungen zustimmt und sich auch sonst nicht von der kreativen Schreibweise ablenken lässt.

Schwärzungen (Datum, Steuer-, Telefonnummer, E-Mail-Adresse) von mir

Am Ende der Prozedur wird der Termin noch mit zwei nützlichen Benachrichtigungen — via SMS und via E-Mail — bestätigt:

Schwärzungen (ältere Nachricht, Terminnummer, Datum, Uhrzeit) von mir

Nützlich und patientenorientiert finde ich vor allem, dass weder der Ort angeführt wird, noch worauf sich der Termin bezieht (also die Coronaimpfung pardon Vaccinazione). Muss man schon selber wissen.

Über die SaniBook-App lässt sich der Termin noch in den Kalender eintragen. Vorausgesetzt, man permittiert, das Appunktament dem Calendar zu aggiungieren.

Da soll noch wer behaupten, wir hätten es nicht mit Profis zu tun. Und bei der Impfung selbst? Da kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.

Siehe auch:

Gesundheit Service Public Sprachpfusch Tech&Com | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione | | | Südtirol/o | Sabes | Deutsch

Categories
BBD

Im Herbst kommt ORF Sport+.

Zwischen Herbst 2021 und Sommer 2022 wird die terrestrische Fernsehübertragung hierzulande auf den DVB-T2-Standard umgestellt. Aufgrund der effizienteren Kodierung kann die RAS dann auch ihr Angebot erweitern. Dies geht aus der Antwort von LR Thomas Widmann (SVP) auf eine entsprechende Anfrage der STF hervor. Demnach sei bereits geplant, ab Herbst 2021 das Fernsehprogramm ORF Sport+ in Südtirol zu verbreiten.

Damit wird die bestehende Palette öffentlich-rechtlicher TV-Sender ergänzt, die schon heute zehn deutschsprachige, ein italienischsprachiges (RSI-La1) und ein zweisprachig deutsch-französisches Programm (arte) umfasst. Die Umstellung auf DVB-T2 lässt in Zukunft noch einen weiteren Ausbau zu.

Siehe auch:

Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Service Public Sport Tech&Com | Good News | Thomas Widmann | ORF | Österreich Südtirol/o | STF Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Categories
BBD

rbb: Neue sorbische App.

Ab sofort gibt es vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) eine eigene App, die sämtliche Inhalte in sorbischer Sprache bündelt. Dies gab die öffentlich-rechtliche Anstalt gestern in einer Mitteilung bekannt. Unter dem Namen rbb serbski steht das Angebot sowohl für Apple- als auch für Android-Geräte zum Download bereit .

Mit der App können die aktuellen Nachrichten sowie regelmäßig ausgestrahlte Fernseh- und Radiosendungen in sorbischer Sprache abgerufen werden. Daneben gibt es eine Audiothek mit Reportagen, Porträts und Konzertmitschnitten und es lassen sich sogar eigene Playlists mit aktueller sorbischer Musik zusammenstellen.

Marion Stensel von der rbb-Redaktion Cottbus wird mit folgenden Worten zitiert:

Die Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Gerade auch für nationale Minderheiten, für Sprachminderheiten, ist es deshalb enorm wichtig, in neuen Medien vertreten zu sein, immer und überall Zugang zu diesen zu haben, die Sprache aktiv zu jeder Zeit anzuwenden und damit Teil einer großen medialen Community zu sein.

Im Zuständigkeitsbereich des rbb zählt die slawische Minderheit der Sorbinnen rund 12.000 Sprecherinnen. Das sind etwa 0,8% der Einwohnerinnen des Landes Brandenburg.

Fast zeitgleich gab übrigens auch Rai Südtirol die Veröffentlichung einer eigenen App bekannt. Sie ist allerdings — zumindest vorerst — nur für Android-Geräte verfügbar.

Siehe auch:

Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Service Public Sorbinnen Tech&Com | Good News Zitać | | Rai | Deutschland Südtirol/o | | Deutsch

Categories
BBD

Direkte Demokratie online.
Petition

Die Initiative für mehr Demokratie hat auf Change.org eine Petition zur Einführung der Online-Unterschriftensammlung in Südtirol gestartet. Während im Laufe der Pandemie von Schule über Kultur, Verwaltung und Arbeit bis hin zum Einkauf digital ermöglicht wurde, seien gerade direktdemokratische Mitbestimmungsrechte zurückgeblieben. Unter den nun vorherrschenden Bedingungen sei es unmöglich geworden, Unterschriften im öffentlichen Raum zu sammeln.

Dabei hatte die Initiative die Einführung der Online-Unterschriftensammlung schon vor langer Zeit gefordert.

Sie weist nun darauf hin, dass es schon seit 2012 möglich ist, Europäische Bürgerinitiativen online zu unterstützen, und dass Italien von der UN-Menschenrechtskommission aufgefordert wurde, unnötige Behinderungen bei der Unterschriftensammlung zu beseitigen. Dies gelte auch für Südtirol.

Inzwischen sehe auch ein Staatsgesetz vor, dass die Unterstützung von Gesetzesinitiativen und Referenda binnen Jahresfrist online zu ermöglichen ist.

Landtag und Landesregierung sollen mit der Petition jedoch aufgefordert werden, die Möglichkeit jetzt sofort zu schaffen —

und zwar so, dass sie einfach und für alle Bürger und Bürgerinnen mit Internetzugang ohne weitere bürokratische Hürden genutzt werden kann.

— aus dem Text der Petition

Democrazia Mitbestimmung Politik Tech&Com | Coronavirus Zitać | | | Südtirol/o | Dirdem-Initiative Landesregierung Südtiroler Landtag UNO | Deutsch

Categories
BBD

Sozialministerium in Quarantäne.
Bürokratius austriacus at its finest

Unlängst musste ich aus medizinischen Gründen wieder einmal die Grenze gen Norden passieren. Um in Österreich einreisen zu dürfen, muss man vorher online eine so genannte Pre-Travel-Clearance ausfüllen.

Grundsätzlich muss zur Einreise nach Österreich ein ärztliches Zeugnis oder ein in deutscher oder englischer Sprache ausgestellter Nachweis über ein gültiges negatives Testergebnis auf SARS-CoV-2 vorliegen. Nach der Einreise nach Österreich, sind Sie zusätzlich verpflichtet, sich für 10 Tage nach Einreise in Quarantäne zu begeben.

So steht es auf den Webseiten des Bundes geschrieben. Reist man jedoch für die Inanspruchnahme einer dringend notwendigen medizinischen Leistung ein, entfällt die Pflicht zur Quarantäne. Es reicht ein negativer Test und die Bestätigung des Arztes bezüglich des dringenden Termins. In meinem Fall war es ja auch so, dass ich wenige Stunden später – nach Beendigung des Arzttermines – wieder ausreisen wollte.

Entsprechend kann man dann in dem Online-Formular ankreuzen:

Die Einreise fällt unter mindestens eine Ausnahme des § 6 Absatz 1 oder § 6 Absatz 2 der COVID-19-Einreiseverordnung.

Unter diesem Paragraphen ist eben die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen vermerkt.

Wenige Klicks später wird man aber dann dazu aufgefordert, den Wohnsitz bzw. die Aufenthaltsadresse in Österreich (Adresse des Quarantäneorts) einzutragen.

Falls Ihr Wohnsitz nicht in Österreich liegt, oder Sie sich nach Ihrer Einreise nicht an Ihrem Wohnsitz aufhalten werden, ist hier die österreichische Aufenthaltsadresse nach Einreise anzugeben. Die angegebene Adresse ist jedenfalls jene, an welcher – falls erforderlich – die Zeit der Quarantäne zu verbringen ist.

Blöderweise sind das Pflichtfelder, ohne die sich das Formular nicht abschicken lässt.

Ich habe dann das Sozialministerium per E-Mail kontaktiert, wie denn das funktionieren soll: Ich wähle im Formular eine Ausnahme zur Quarantäneverpflichtung und werde gleichzeitig aufgefordert eine Quarantäneadresse anzugeben, ohne die ich die Pre-Travel-Clearance nicht abschließen kann.

[…] Bitte um Aufklärung, was ich falsch gemacht habe oder ob das Formular tatsächlich fehlerhaft ist.

Mit freundlichen Grüßen
Harald Knoflach

Glücklicherweise habe ich auch eine österreichische Wohnadresse, die ich angeben konnte. Aber ich frage mich, was jemand tut, der unter obige Ausnahme fällt, eventuell auch am selben Tag wieder ausreist und keine Adresse in Österreich angeben kann.

Neun (!) Tage nach meiner Anfrage habe ich dieses automatisierte Mail erhalten:

Sehr geehrter Herr Knoflach,

vielen Dank für Ihr E-Mail, das im Service für Bürgerinnen und Bürger des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz eingelangt ist. Wir bedauern, dass die hohe Anzahl an Anfragen zu einer längeren Bearbeitungsdauer geführt hat.
Aufgrund der extrem hohen Anzahl an Anfragen und der dynamischen Entwicklung der Rechtslage können derzeit keine Anfragen zur Einreiseverordnung im Detail beantwortet werden, Sie finden die aktuellen Informationen auf unserer Website:
https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Coronavirus—Haeufig-gestellte-Fragen/FAQ–Reisen-und-Tourismus.html

Dort erhalten Sie konkrete Informationen zur Registrierung vor Einreise, zum Pre-Travel-Clearance Formular sowie zur Einreise aus beruflichen und privaten Gründen. […]

Mit freundlichen Grüßen

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege
und Konsumentenschutz

Ich habe es dabei belassen.

Beobachtung am Rande: Ich hab jetzt bereits mehrfach während des Lockdowns die Brennergrenze passiert. Bei der Einreise nach Österreich wurde ich jedes Mal – wie alle anderen Autos vor und nach mir – angehalten und kontrolliert. Bei der Rückreise ging es mit 60 Sachen am “Willkommen in Südtirol”-Schild vorbei. Dem vernehmen nach (Freunde und Bekannte) ist das immer so.

Siehe auch:

Bürokratismus Gesundheit Grenze Mobilität Service Public Tech&Com Verbraucherinnen | Coronavirus | | | Nord-/Osttirol Österreich Südtirol/o Tirol | | Deutsch

Categories
BBD

Speicher statt Sprache.
Quotation 647

Auf die Frage der STF, warum deutschsprachige Bürgerinnen ihre Coronatestbefunde immer wieder in italienischer Sprache bekommen, antwortete LR Thomas Widmann (SVP) am 15. März schriftlich:

Der Befund wird in der Sprache ausgegeben, in der die betroffene Person im System registriert wurde.
Der Befund ist einsprachig, um Speicherkapazitäten einzusparen.

Speicherkapazitäten! Mittlerweile ist der »Minderheitenpartei« SVP wohl keine Erklärung mehr zu dumm, um ihr Versagen bei der Gewährleistung der Zweisprachigkeit zu entschuldigen.

Wie konnten Europarat und OSZE, die zu breitestmöglicher Mehrsprachigkeit aufgerufen haben, bloß auf die vielen unnötig zu opfernden Terabytes vergessen?

Siehe auch:

Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Tech&Com | Bilinguismo negato Coronavirus Quote | Thomas Widmann | | Südtirol/o | Europarat Landesregierung OSZE Sabes STF Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Categories
BBD

Friesische Landesbezeichnung.

Die zu den Niederlanden gehörende Region Fryslân (Friesland) hatte ich vor wenigen Tagen erstmals hier im Blog erwähnt, weil sich das dortige Parlament zur Vorhut eines — hoffentlich breiter werdenden — Protests gegen die minderheitenfeindliche Haltung der EU-Kommission gemacht hatte.

In diesem Zuge bin ich (Achtung: großteils Wikipedia-Wissen) auch auf die Situation der Ortsnamen in Fryslân aufmerksam geworden.

Demnach hat die niederländische Regierung 1996 beschlossen, das Thema zu liberalisieren, woraufhin das friesische Parlament beschloss, ab dem 1. Jänner 1997 nur noch die friesische Landesbezeichnung offiziell beizubehalten. Seitdem heißt die Provinz amtlich nicht mehr Fryslân/Friesland, sondern nur noch Fryslân. Dabei ist das niederländische Friesland — anders als A. Adige für Südtirol — immerhin historisch gewachsen. Und nicht faschistisch vorbelastet.

Sieben Jahre später (2004) beschloss das niederländische Innenministerium, ebenfalls nur noch die Bezeichnung Fryslân zu benutzen. Auch in niederländischen Texten.

Mindestens elf der vormals 31 friesischen Gemeinden waren dem Vorbild der Provinz gefolgt und hatten ihren niederländischen Namen amtlich abgelegt, bevor sie zum 1. Jänner 2019 zu heute nur noch 18 Gemeinden fusioniert wurden. Auch davon tragen mehrere (Dantumadiel, De Fryske Marren, Noardeast-Fryslân…) offiziell nur einen friesischen Namen. Wie viele genau es sind konnte ich nicht eruieren — doch mir scheint sowieso das (in Südtirol bis heute undenkbare) Prinzip wichtiger, dass die Kommunen selbst über ihre amtliche Bezeichnung befinden können.

Das ist im nahen Graubünden ähnlich und hat auch dort weder zum Weltuntergang noch zu Bürgerkriegen geführt, sondern zu einem differenzierten und demokratischen Umgang mit dem Thema.

Achja, die offizielle Webseite der Provinz Fryslân ist unter fryslan.frl abrufbar (von friesland.frl wird man ebenfalls auf fryslan.frl umgeleitet). Das offenbart gleich dreierlei:

  • Fryslân hat wie soeben beschrieben — anders als Südtirol — amtlich nur eine Landesbezeichnung, die es selbst aussuchen durfte.
  • Fryslân ist — anders als Südtirol — nicht zu einer URL mit »staatlicher« Endung (.nl, in unserem Fall .it) gezwungen.
  • Fryslân hat es — anders als Südtirol — nicht verabsäumt, ein eigenes Internetsuffix (.frl) zu beantragen.

Siehe auch:

Comparatio Ortsnamen Tech&Com | Autonomievergleich Best Practices | | | Grischun Niederlande Südtirol/o | | Deutsch

Categories
BBD

Antifaschistische Gesetze verschärfen.
Bürgerinneninitiative

Von Stazzema, in dessen Fraktion Sant’Anna die Waffen-SS am 12. August 1944 ein Massaker verübt hatte, geht eine Bürgerinitiative zur Verschärfung der laxen antifaschistischen Gesetzgebung in Italien aus. Punktuelle Eingriffe ins Strafgesetzbuch und ins sogenannte Mancino-Gesetz sollen die Verfolgung von Wiederbetätigungsversuchen verschärfen, wobei ein rassistischer Zusammenhang oder die Verbreitung von Botschaften im Internet zu erschwerenden Umständen erhoben werden sollen.

Das Strafgesetzbuch soll insbesondere um folgenden Artikel 293-bis (Propaganda des faschistischen und nationalsozialistischen Regimes) ergänzt werden:

Sofern keine schwerere Straftat vorliegt wird mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren belegt, wer die Inhalte der faschistischen Partei oder der deutschen nationalsozialistischen Partei, respektive die jeweiligen Methoden zum Umsturz des demokratischen Systems, verbreitet, auch wenn dies durch die Herstellung, Inverkehrbringung oder Verbreitung von Gegenständen geschieht, die Personen, Abbildungen oder Symbole wiedergeben, die damit eindeutig in Verbindung stehen, oder wer jedenfalls durch öffentliches Zeigen der damit zusammenhängenden Symbolik oder Gesten dafür Propaganda macht.
Das im ersten Absatz erwähnte Strafmaß wird um ein Drittel angehoben, wenn die Straftat auf telematischem bzw. informatischem Wege verübt wurde.
Das im ersten Absatz erwähnte Strafmaß wird ebenfalls um ein Drittel angehoben, wenn die Straftat unter den Bedingungen und Ausdrucksformen verübt wurde, die mit dem ethnischen oder Rassenhass in Verbindung stehen.

Übersetzung von mir.

Viele zivilgesellschaftliche Vereinigungen des antifaschistischen Widerstands sowie der Bürgermeister von Stazzema tragen die Bürgerinitiative mit. Bis zum 31. März sollen die gesetzlich vorgesehenen 50.000 Unterschriften gesammelt werden.

Nähere Informationen gibt es hier.

Leider muss aber auch angemerkt werden, dass italienische Gerichte im Laufe der Jahrzehnte große Kreativität an den Tag gelegt haben, um die Verfolgbarkeit von Straftaten mit faschistischem und nationalsozialistischem Hintergrund sehr eng einzugrenzen. Ob die angedachte Verschärfung — wie zu hoffen ist — ihr Ziel erreichen würde, müsste sich in der Praxis erst zeigen.

Siehe auch:

Faschismen Mitbestimmung Politik Racism Recht Symbolik Tech&Com | Good News Zitać | | | Italy | | Deutsch