La qualità dei sistemi sanitari regionali.
Rapporto CREA 2019

A fine ottobre scorso, per la prima volta, mi ero occupato dello studio CREA sulla performance dei sistemi sanitari regionali, realizzato dall’omonimo consorzio di università Tor Vergata di Roma e FIMMG. Nel frattempo, a luglio, è stata presentata la nuova edizione del rapporto, relativa al 2019.

Si tratta di una ricerca multidimensionale basata su molteplici portatori di interessi. Le «dimensioni» prese in considerazione sono: esiti, sociale, appropriatezza, innovazione ed economico-finanziaria, mentre i gruppi di interesse che hanno partecipato sono riconducibili agli utenti, le istituzioni, le professioni sanitarie, il management aziendale e l’industria medicale.

La performance complessiva (63%) del sistema sanitario sudtirolese, come l’anno scorso (2018), se comparata alle altre realtà facenti parte dello stato italiano, è tra le migliori, superata solo da quelle del vicino Trentino (70%) e della Toscana. Scrive CREA:

Tre realtà (P.A. di Trento, Toscana e P.A. di Bolzano) sembrano offrire un livello di opportunità ai propri residenti significativamente migliore delle altre (Performance tra il 63% ed il 70%); altre 6 (Lombardia, Friuli Venezia Giulia, Emilia Romagna, Umbria, Veneto e Piemonte) sono sempre parte dell’area dell’“eccellenza”: con una Performance compresa tra il 57% ed il 61%; 6 Regioni, Liguria, Valle d’Aosta, Marche, Lazio, Abruzzo e Molise, rimangono in una posizione “intermedia” con livelli di Performance abbastanza omogenei, compresi nel range 44-52%. In area “critica” si trovano 6 Regioni, Puglia, Sicilia, Basilicata, Calabria, Campania e Sardegna, con valori di Performance che scendono progressivamente fino ad arrivare al 31%.

Il panel dell’edizione attuale, fatto di 98 personalità, risulta composto come segue:

  • 14 rappresentanti delle istituzioni: 8 statali e 6 regionali;
  • 12 rappresentanti degli utenti/cittadini: 11 presidenti/coordinatori a livello statale di associazioni dei pazienti e 1 direttore di media (testata giornalistica sanitaria);
  • 26 rappresentanti delle professioni sanitarie: 23 presidenti o segretari a livello statale di società scientifiche, 2 dell’università, 1 coordinatore regionale di aree cliniche specifiche;
  • 29 componenti del management sanitario: 23 direttori generali di aziende sanitarie, 5 direttori sanitari di aziende sanitarie, 1 presidente di fondazione attiva in sanità;
  • 17 rappresentanti dell’industria: 16 dirigenti di aziende medicali (farmaci e dispositivi medici) e 1 presidente di associazione di categoria.

Le dimensioni hanno contribuito alla performance, in ordine decrescente: gli esiti per il 31,2%, il sociale per il 21,5%, l’appropriatezza per il 20,2%, l’innovazione per il 14,6% e infine quella economico-finanziaria per il 12,4%.

Interessante notare, inoltre, come il Sudtirolo risulti

  • in terza posizione dietro al Trentino e alla Toscana, anche nella classifica stilata dagli utenti;
  • in seconda posizione, dietro al solo Trentino, secondo il panel delle istituzioni;
  • in sesta posizione, dietro a Toscana, Trentino, Friuli VG, Umbria ed Emilia Romagna, secondo i rappresentanti delle professioni sanitarie;
  • in quarta posizione, dietro alla Toscana, al Trentino e all’Umbria per quanto riguarda il gruppo del management aziendale;
  • in seconda posizione, dietro al Trentino, secondo il giudizio dell’industria medicale.

Vedi anche:

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Fitch: Es gibt kein AAA (Triple A).

Verbreitet die Landespresseagentur (LPA) jetzt schon Fake News, um die Landesregierung besser dastehen zu lassen? Oder gab es hier nur ein Missverständnis?

In jedem Fall hat die LPA gestern hinausposaunt, die Rating-Agentur Fitch habe das Land Südtirol unabhängig vom gesamtstaatlichen System bewertet und ihm dabei »die höchste Bewertung AAA (Triple A) erteilt«. Viele Medien haben diese Nachricht bereitwillig kopiert.

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) wird in der Aussendung mit folgenden Worten zitiert:

“Diese erstmalige Bewertung Südtirols außerhalb des gesamtstaatlichen Systems bestätigt das Wohlergehen unserer Finanzen und unserer Wirtschaft.” Das erfreuliche Ergebnis komme dank der positiven Mischung aus geringer Verschuldung, solider Bilanzen und starker sozio-ökonomischer Faktoren zustande. Dass eine so vertrauenswürdige und international agierende Rating-Agentur ein Ad-hoc-Verfahren für das Land Südtirol durchführt, ist laut Landehauptmann “ein Beweis dafür, dass unsere Autonomie, auch aus finanzieller Sicht, international betrachtet und anerkannt wird”.

aus der Pressemitteilung der LPA vom 16. Juli 2019 mit dem Titel: »Finanzen: Südtirol erhält erstmals AAA-Rating«

Warum das falsch ist: Die Ratingagentur Fitch hat für Südtirol ein sogenanntes Standalone Credit Profile (SCP) erstellt, das nicht von ungefähr mit den Kleinbuchstaben »aaa« bewertet wird. Das SCP ist nämlich ausdrücklich kein Rating, sondern einer mehrerer Bestandteile des Ratings, das insgesamt auf »A- mit negativem Ausblick« bestätigt wurde. Bei Fitch hatte das Land Südtirol bislang folgende Ratings:

  • ab Oktober 2003 AA+ (Erstrating)
  • ab Februar 2007 AAA (Upgrade)
  • ab Oktober 2011 AA+ (Downgrade)
  • ab Februar 2012 AA- (Downgrade)
  • ab März 2013 A (Downgrade)
  • seit Mai 2017 A- (Downgrade)

Dass die Herabstufungen großteils der schlechten Performance des italienischen Staates geschuldet sind? Geschenkt — und von mehreren Bewertungsberichten bestätigt. Dass Südtirol aufgrund seiner Teilautonomie und guter wirtschaftlicher Kennzahlen trotzdem noch immer eine bessere Bewertung (A-) hat, als der Gesamtstaat? Stimmt ebenfalls.

Falsch ist hingegen, dass das angebliche »Ad-hoc-Verfahren« für das Land Südtirol beweise, »dass unsere Autonomie, auch aus finanzieller Sicht, international betrachtet und anerkannt wird«. Allein schon deshalb, weil es gar kein Ad-hoc-Verfahren gibt: Obschon ein SCP für Südtirol offenbar tatsächlich zum ersten Mal ermittelt wurde, ist es insgesamt absolut nichts Besonderes. Nicht nur für autonome Regionen wie Sizilien (bbb) oder Sardinien (a+), sondern auch für solche mit Normalstatut wie die Marken (aa) und das Latium (bb-) wurde bereits eines erstellt.

Was sagt uns das »aaa« wirklich? Unter anderem bestätigt es, dass Südtirol ohne Italien vermutlich ein wesentlich besseres Rating hätte, als das mickrige »A- mit negativem Ausblick« — vielleicht sogar ein Triple A (AAA). Aber das ist keineswegs sicher.

Insgesamt ist das aus meiner Sicht weder etwas wirklich Neues, noch etwas Berauschendes.

Nachtrag vom 19. Juli 2019: In der Pressemitteilung steht ferner, dass der Ausblick für Südtirols A- »stabil« sei. Auch das ist falsch: Der Ausblick ist laut Fitch-Rating »negativ«.

Siehe auch:

Faktencheck Medien Politik Wirtschaft+Finanzen | Finanzabkommen 2014 Medienkritik Zitać | Arno Kompatscher | LPA | Italy Sardigna Sicilia Südtirol/o | Land Südtirol SVP | Deutsch

Dringende Eingriffe: Kurze Wartezeiten.

Das italienische Fachblatt QuotidianoSanità hat auf der Grundlage von offiziellen Daten die mittleren Wartezeiten (2017) für mehrere wichtige chirurgische Eingriffe in italienischen Regionen sowie in den autonomen Ländern Südtirol und Trentino ausgewertet. Das Resultat des heimischen Gesundheitssystems kann sich sehen lassen.

Brustkrebs-OP

Durchschnittliche Wartezeiten in Tagen. Die Vorgaben sind: max. 30 Tage für Klasse A, 60 Tage für Klasse B, 180 Tage für Klasse C und ein Jahr für Klasse D.

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Murgia unterstützt Fratoianni.

Die sardische Schriftstellerin und Unabhängigkeitsaktivistin Michela Murgia hat beschlossen, bei der kommenden Europawahl das linke Bündnis um Nicola Fratoianni zu unterstützen. In einer Videobotschaft machte die Sardin darauf aufmerksam, dass sie während der letzten Jahre keine italienische politische Kraft unterstützt habe. Sie sei aber nicht nur Separatistin, sondern auch eine Aktivistin für Menschen- und Bürgerinnenrechte und wisse, wen sie diesbezüglich immer an ihrer Seite gehabt habe. Es gehe jetzt nicht darum, was die Menschen sagen, sondern darum, was sie tun.

Als Spitzenkandidatin von ProgReS – Progetu Repùblica di Sardigna hatte Murgia bei den Regionalwahlen 2014 rund 10% der Stimmen auf sich vereinen können.

Siehe auch:

Democrazia Grundrechte Politik | Europawahl 2019 | | | Europa Italy Sardigna | EU | Deutsch

Qualität der regionalen Gesundheitssysteme.

Im Juli hat CREA, wissenschaftliches Konsortium der Universität Tor Vergata in Rom und des Basisärztinnenverbandes FIMMG, die sechste Ausgabe ihrer Studie über die Performance der regionalen Gesundheitssysteme in Italien vorgestellt.

Das im positiven Sinne Besondere an dieser Studie ist, dass sie »multidimensional« ist. Die Gesundheitssysteme werden einerseits von unterschiedlichen Panels von sogenannten »Stakeholdern« (Interessensvertreterinnen oder Akteuren) bewertet: Gesundheitsberufe, Management, Institutionen, Pharmaindustrie und Nutzerinnen. Andererseits werden die Bereiche (Dimensionen) Soziales, Ergebnisse, Angemessenheit, Innovation und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt und gewichtet.

Nun: Entgegen der inzwischen üblichen Hiobsbotschaften schneidet Südtirol in der Gesamtwertung gut ab und liegt nach dem Trentino an zweiter Stelle.

Dabei ist jedoch auch darauf hinzuweisen, dass sich keine Region einem Optimalwert auch nur annähert.

In der Bewertung durch die Nutzerinnen liegt Südtirol (hinter Trient, Lombardei, Toskana, Latium und Piemont) auf Rang sechs. Das Institutionen-Panel setzt unser Land hingegen an die erste, jenes der Gesundheitsberufe an die zweite Stelle hinter Trient. In der Bewertung des Management-Panels landet Südtirol (hinter Trient, Toskana, Lombardei und Umbrien) auf dem fünften Platz. Laut Akteuren der Pharmaindustrie liegt Südtirol hingegen (hinter Toskana, Lombardei, Trentino, Marken und Umbrien) wiederum an sechster Stelle.

Natürlich kann man von allen etwas lernen, doch an diese Studie sollten wir uns erinnern, wenn zum Beispiel Politikerinnen — wie derzeit öfter der Fall — die Nachahmung der Gesundheitspolitik von Lombardei und Venetien als Allheilmittel propagieren. Zumindest auf staatlicher Ebene kann Südtirol offenbar vor allem vom Trentino lernen.

Darüberhinaus wäre gerade für ein Gebiet wie Südtirol auch ein grenzüberschreitender Vergleich interessant. Doch seit 2013 — als Südtirol von 172 untersuchten europäischen Regionen auf Platz neun gelandet war — scheint nichts Derartiges mehr durchgeführt worden zu sein.

Siehe auch:  

Comparatio Föderal+Regional Gesundheit Politik Publikationen Soziales und Arbeit Umfrage+Statistik Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Good News | | | Aoûta-Aosta Friaul-Friûl Lombardia Sardigna Sicilia Südtirol/o Trentino Venetien-Vèneto | Land Südtirol Sabes | Deutsch

Contributori netti per oltre un miliardo.

Il Sudtirolo è il quarto contributore netto dello stato italiano, con € 2.117,- pro capite che si incamminano verso Roma e non tornano più sul territorio. Questo è il dato che emerge da uno studio di Eupolis* riferito all’anno 2016, e che vede ai primi tre posti la Lombardia, l’Emilia Romagna e il Veneto.

Mentre il Sudtirolo — sempre nell’anno di riferimento — lasciava allo stato centrale un importo totale di 1.100 milioni, il vicino Trentino otteneva 249 milioni netti, equivalenti a € 464,- pro capite.

È del 2014 l’accordo fiscale che (oltre a regalare vari miliardi allo stato) limitava a circa 480 milioni annui (dal 2015 al 2017) il contributo diretto del Sudtirolo alle casse centrali. Tuttavia, evidentemente, ulteriori fattori come le minori spese dello stato sul nostro territorio o i numeri della previdenza sociale fanno sì che l’importo complessivo risulti più che raddoppiato.

Tutto questo mentre, come si diceva, il vicino Trentino — firmatario dello stesso accordo fiscale — risulta ricevere più di quel che versa.

Vedi anche:

*) confluito in ‘PoliS – Istituto regionale per il supporto alle politiche della Lombardia’

Recht Umfrage+Statistik Wirtschaft+Finanzen Zentralismus | | | | Aoûta-Aosta Friaul-Friûl Lombardia Sardigna Sicilia Venetien-Vèneto | | Italiano

Sprachpolitik für l’Alguer (Alghero).

Kürzlich wurde auf Sardinien erstmals ein einheitliches Sprachpolitikgesetz verabschiedet, das das Sardische und das in l’Alguer (Alghero) gesprochene Katalanische in den Rang von Amtssprachen erhebt. Die katalanische Plataforma per la Llengua (Plattform für die Sprache) war maßgeblich an der Ausarbeitung des Gesetzes beteiligt, was den l’Alguer betreffenden Teil angeht.

Fast zeitgleich erschien in der Biblioteca Tècnica de Política Lingüística (BTPL) der Generalitat de Catalunya eine dreisprachige Publikation (Katalanisch, Sardisch*, Italienisch) über den Sprachgebrauch in L’Alguer.

Schon seit langem hat Katalonien seine hochprofessionelle Sprachpolitik auch auf Gebiete außerhalb des unmittelbaren Zuständigkeitsbereichs der Generalitat ausgedehnt. Neben den Auslandsvertretungen in Berlin, Brüssel, Wien oder Rom betreibt das Land aus diesem Grund auch Delegationen in Perpinyà (Perpignan) und l’Alguer**.

Immerhin gilt zu berücksichtigen, dass die sardisch-katalanische Stadt nicht mehr Einwohnerinnen zählt, als unsere Ladinia.

Über Inhalt und Ergebnisse der Studie hinaus finde ich aus Südtiroler Sicht zum Beispiel auch interessant, dass die Interviewenden nicht nur die Aufgabe hatten, zu befragen, sondern auch zu beobachten. Dies geht aus dem im Anhang veröffentlichten Fragebogen hervor, der einen Abschnitt beinhaltet, wo die Interviewenden unter anderem

  • gesondert die vor und nach dem Gespräch gebrauchte(n) Sprache(n)
  • die Evolution des Sprachgebrauchs während des Interviews und
  • die von der interviewten Person mit anderen ggf. im Haushalt Anwesenden verwendete(n) Sprache(n)

vermerken sollten. Dies gehört zu jener Art der Sprachforschung, die in Südtirol meines Wissens völlig vernachlässigt wird. So wird in Katalonien und dem Baskenland regelmäßig analysiert, welche Sprachen in welchem Umfang »auf der Straße« zu hören sind.

Siehe auch:

*) selbst die sardische Sprache betreffende Publikationen erscheinen meist nur auf Italienisch, weshalb hier vermutlich auch eine Signalwirkung beabsichtigt war
**) wiewohl derzeit — in Erwartung einer Wiederinbetriebnahme — nicht aktiv

Comparatio Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Publikationen Umfrage+Statistik Wissenschaft | Best Practices Good News | | | Catalunya L'Alguer Sardigna | GENCAT | Deutsch

La «sardofonia» secondo ‘Treccani’.
Esempio di volgare suprematismo linguistico

Alla Treccani — che si occupa di lingua, cultura e sapere — hanno pensato bene di corredare della seguente citazione, connotata dal più becero suprematismo linguistico e culturale, la voce sulla sardofonia:

[A]lcune di quelle lingue, minoritarie in Italia, sono maggioritarie in altri Paesi (tedesco, sloveno, catalano) e quindi si possono considerare «seconde lingue» a tutti gli effetti: insomma, consolidandone la conoscenza si acquista una carta in più per la vita e il lavoro. Altre (friulano, sardo con le sue varietà) sono invece (ebbene sì!) lingue puramente locali, che non si usano da nessun’altra parte del mondo. Considerarne la pratica come un arricchimento è a dir poco un po’ esagerato: avere insieme «più sardofonia e più anglofonia» (come profetizza l’assessora regionale sarda all’Istruzione) non è un progresso, è solo patetico.

— Raffaele Simone, ‘Messaggero’ (1.10.2017)

Va da sé che questa «analisi», base culturale per qualsiasi politica di assimilazione, varrebbe anche per il ladino.

Vedi anche:

Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Wissenschaft | Zitać | | | Friaul-Friûl Ladinia Sardigna | | Italiano