Das Gleichgewicht der Geschichte(n).

Wir können nicht ohne Stereotypen und Vorurteile überleben. Sie bewahren uns davor, jede Erfahrung auf’s Neue machen zu müssen. (Es ist nichts weiter als ein Vorurteil, dass eine rot glühende Herdplatte auch heiß sein muss und ich mir daran die Finger verbrenne.) Wir müssen generalisieren um die Welt in ihrer Komplexität auch nur annähernd beschreiben, erklären und begreifen zu können. Dennoch müssen wir uns stets vergegenwärtigen, dass Stereotype und Vorurteile Reduzierungen sind, die wir ständig mit der Realität abgleichen müssen. »The problem with stereotypes is not that they are untrue but that they are incomplete«, sagt Chimamanda Adichie, eine Igbo-Schriftstellerin aus Nigeria, in ihrem beeindruckenden TED-Vortrag »The Danger of the Single Story«. Wenn wir es verabsäumen, unsere Vorurteile als mitunter notwendige Vereinfachungen zu begreifen, ja wenn diese Vorurteile und Stereotypen zur alleinig möglichen »Wahrheit« über eine Person, ein Land, ein Konzept werden, dann wird’s gefährlich. Wir sind dann in der Gefahr der »Single Story«, von der Adichie spricht. Wenn ich mir den politischen Diskurs in Südtirol ansehe, fallen mir viele »Single Stories« ein und ich bekomme Angst.